REN RER N if en: 12 I | N 1 a + es ee ABHANDLUNGEN DER NATURFORSCHENDEN GESELLSCHAFT ZU HALLE. ORIGINALAUFSÄTZE AUS DEM GEBIETE DER GESAMMTEN NATURWISSENSCHAFTEN, VERFASST von MITGLIEDERN und VoRGETRAGEN N DEN SITZUNGEN DERGESEE ’ : HERAUSGEGEBEN IHREM VORSTANDE. Erfier Band. Jahrgang 1853. * —B830 —— - HALLE, | Druck .und VERLAG von H. W. Scanmipr, "1854. & Ren f Inhalt des ersten Bandes; Erstes Quartal. Geschichte der naturforschenden Gesellschaft zu Halle, vom Secretair derselben, Prof. Kranmer Verzeichniss der noch lebenden Mitglieder der Gesellschaft, von Demselben Beiträge zur Naturgeschichte des Seriema, von Prof. Burmeister Vergleichung des Skelets von Dicholophus cri- status mit dem Skelettypus der Raubvögel, Trappen, Hübner und Wasserhühner, von , Prof. Nırzsen a “ Eingeweidewürmer des Dicholophus cristatus, beschrieben von Dr. CrerLın Vierteljahrsbericht über die Sitzungen der Gesellschaft. Sitzung v. 12. Januar. Eingegangene Schriften, neues Mitglied Hr. Dr. Mann. — Prof. v. SCHLECHTENDAL über Holzpapier. — Prof. BurMmEISTER über Dicholophus cristatus Sitzung v. 26. Febr. — Neue Mitglieder, Hr. Dr. CrerLin und Hr, Dr. Scuaun. — Prof. V. SCHLECHTENDAL über Pflanzenmonstra. — Prof. Kraumer über Bivver’s und Scamimr’s Arbeiten, die Verdauung betreffend. — Prof. Heinzz und »’Auron’s Bemerkungen dazu Sitzung v. 12. März. — Eingegangene Schrif- ten, neues Mitglied Hr. Kaufm. Liersen. — Prof. y. Schreenrenpar über das Reispapier ‚und seine Malerei. — Prof. v’Auron über „LuscukA's anatom, Untersuchungen. — Dr. v. BAERENSPRUNg über die Krätzmilbe.— Prof. BURMEISTER über seine, Reise nach Brasi- lien. — ‚Derselbe über. ‚brasilianische Vogeleier. — Prof. Kranmer über Gallert- kapseln Seite “al 93 99 69 70 72 74 Zweites Quartal. Ueber die Folge und den Verlauf epidemischer Krankheiten, von Dr. v. BAERENSPRUNG Vierteljahrsbericht über die Sitzungen der Gesellschaft. Sitzung v. 23. Apr. — Prof. v. ScHLECHTENDAL legt einige neueste botanische Schriften vor. — Prof. v’ALron über einen monströsen Entenkopf. — Prof. Kranner über ein blut- stillendes Mittel. — Derselbe über Ath- mung Neugeborner Sitzung v, 7. Mai. — Dr. v. BAERENSPRUNG über Epidemien. — Prof. v. SCHLECHTENDAL über Phytelephas macrocarpa und hirseartige Getreide-Arten. — Prof. Kranmer über Re- valenia arabica Sitzung! v. 28. Mai. — Eingegangene Schrif- ten. — Prof. v. SchLECHTENDAL über Dr. RABENHoRST Süsswasser - Diatomaceen und Ta. Irmisca Biol. der Orchideen. — Prof. Heinz über Wägbarkeit: der Wärme. — Prof. Burmeister über Prrer’s Säugeth. v. Mossambique. und Barranne’s Syst. Silur, du Centre de la Boheme. I. P. Trilobites. — Derselbe über die Phyllostomen Brasi- liens. — Prof. Kranmer über Arsenikdunst Sitzung v. 11. Juni. — Neue Mitglieder Hr. Dr. Vocer, Hr. Dr. HarrLAaus, Ar. Th. Ir- Misch. — Prof. Burmeister über die Beutel- thiere Brasiliens. — Derselbe über Keser’s Schrift: De Spermatozoorum introitu .etc. Sitzung v.: 25. Juni. — Prof. v. ScHLECHTEN- var über. Missbildungen bei Acer. — Prof. Burmeister über Newrorr’s Befruchtungs- versuche. — Derselbe, Neue Beobachtun- Seite 65 67 70 71 79 76 77 nn über.Archegosaurus,' nebst Nachtrag dazu. — Dr. v. BAErREnsprunG über ein Kalb mit Ich- thyosis. — Prof. Kranmer über Extraute- rinalträchtigkeit bei einem Kaninchen. — Nachträge Drittes Quartal. Bemerkung über die Gattung Hemerocallis und deren Arten, von Prof. v. SCHLECHTENDAL Beitrag zur Naturgeschichte der einheimischen Valeriana-Arten etc., von Tu. Irmisch Vierteljahrsbericht über die Sitzungen der Gesellschaft, u Seite 83 84 19 Sitzung v. 3. Juli. — Prof. v. SCHLECHTENDAL über Haarbildungen der Pflanzen. — Prof. Kraumer über Stärkemehl-Arten Sitzung v. 16. Juli. — Prof. v. SchLEcHTENDAL über Pilzbildungen. — Derselbe über Missbildungen bei Dictamnus. — Prof. Bur- MEISTER über die Metamorph. einiger bra- silianischer Insecten, mit Anschluss an M. S. Merıan’s Werk Sitzung v. 30. Juli. — Neues Ehrenmitglied, — Eingegangene Schriften. — Prof. BuRrMEISTER über Archegosaurus. — Prof. p’Arron über den Zitzenapparat der Beutelthiere. — Prof. v. SCHLECHTENDAL über BArkER WepR’s Otia hispan. — Prof. Krammer über Bischorr's Schrift: der Harnstoff als Maass des Stofl- wechsels Sitzung v. 13. Aug. — Prof. Burmeister über die Antiklinie der Wirbelsäule der Säuge- thiere. — Prof. v. ScHLECHTENDAL über Flora juvenalis. — Hr. Liersch über Para- siten an Birnen. — Neue Mitglieder und Verluste früherer. — Druckfehler Viertes Quartal. a Bemerkungen über den allgemeinen Bau und die Geschlechtsunterschiede bei den Arten der Gattung Scolia, von Prof. Burmeister Ueber die Umdrehung der magnetischen Erd- pole und ein davon abgeleitetes Gesetz des 45 46 47 48 Trabanten- und Planetenumlaufs, von Prof. SCHWEIGGER Bericht über eine im Jahre 1851 unternom- mene geognostische Reise durch die süd- lichsten Punkte des Banates, der Banater Militäirgrenze und Siebenbürgen, von Dr. ANDRAE Vierteljahrsbericht über die Sitzungen der Gesellschaft. Sitzung v. 22. Octob. — Eingegangene Ge- schenke für’ .die Bibliothek. — Prof. v. SCHLECHTENDAL über die Uluco, als Surro- gat der Kartoffel. — Derselbe über fos- siles Holz von Maracaibo.. — Prof, Bur- MEISTER über die Gattung Scolia Sitzung v. 5. Nov. — Eingegangene Schriften für die Bibliothek. — Prof. pD’ALron über Formen des Gehörapparats bei Fischen. — Prof. v. ScuLgcutenpaL über gallapfelartige Auswüchse. — Prof. Burmeister über. ein sehr grosses Spinngewebe. — Dr. Anprar Reisebericht. . Sitzung v. 19. Nov. — Eingegangene Schrif- ten für die Bibliothek. — Aufnahme neuer Mitglieder. — 0. B.-R. Mürrer über Ver- steinerungen des Muschelkalks bei Lieskau, — Prof. Burmeister über Stachelratten Brasiliens. — Prof. v. SchLecutennaL über Amygdalus-Arten Sitzung v. 3. Dec. — Eingegangene Schriften. — Neue Mitglieder. — Prof. Burmeister Vergleichung des Skelets von Dicholophus mit dem der Störche. — Prof. v. Scurech- TENDAL über Centaurea jacea und Pinus- Arten. — Prof. Kraumer über abweichen- des Verhalten des Nabelstranges. — Dr. Mann über das Reibungsgeräusch bei Pleu- ritis Sitzung v: 17. Dee. — Eingegangene Schrif- ten und Briefe. — Aufnahme neüer Mit- glieder. — Prof. Burmeister über die bra- silianischen Murinen. — Prof. v. Scauxen- TENDAL über Bere und Schmmr oflic. Ge- wächse. — Wahl des neuen Vorstandes. — Nachträge zum Mitgliederverzeichnisse Seite 47 55 8 86 86 87 87 88 89 90 90 93 93 94 94 95 96 ABHANDLUNGEN DER NATURFORSCHENDEN GESELLSCHAFT ZU HALLE. ORIGINALAUFSÄTZE AUS DEM GEBIETE DER GESAMMTEN NATURWISSENSCHAFTEN, VERFASST von MITGLIEDERN unn voRGETRAGEN INDENSITZUNGEN DER GESELLSCHAF 1: HERAUSGEGEBEN voN IHREM VORSTANDE Erfien Dandes erfies Onartal. - RSS HALLE, Druck uno Verzag von H. W. Scmmipr. 1853. Geschichte der naturforschenden Gesellschaft zu Halle. Beim Beginn einer neuen Reihe von Schriften, welche von Mitgliedern der naturforschen- den Gesellschaft zu Halle herausgegeben werden, scheint es um so mehr an der Zeit einen kurzen Blick auf die bisherigen Schicksale dieses wissenschaftlichen Vereins zu werfen, da die letzten derartigen Mittheilungen *), welche wir dem verdienten Chr. Lud. Nitsch verdanken, hauptsächlich auf die literarischen Leistungen der Stifter der Gesellschaft Bezug nehmen, die früheren Berichte aber bereits fast ein halbes Jahrhundert zurückliegen. Vereine unter relativ gleich befähigten und gleich berechtigten Forschern sind für die Entwickelung der Naturwissenschaf- ten eine faktisch anerkannte Nothwendigkeit. Sie sind überall und zu allen Zeiten dagewesen. Der Naturforscher, auch wenn er die Systematik als den höchsten Zweck seines Strebens an- erkennt, hat es nicht wie der Anhänger einer philosophischen Wissenschaft mit der Ordnung hlosser Verstandeskategorien zu thun. Selbst über das System hinaus hat er die Wirklich- keit als seine Lehrerin anzuerkennen. Je dringender in den empirischen Wissenschaften das Bedürfniss einer möglichst allseitigen Erkenniniss der Sinnenwelt hervortritt, desto häufiger muss dem Einzelnen der Unermesslichkeit des Untersuchungsobjektes gegenüber die Unzuläng- lichkeit seiner eigenen Kräfte zum Bewusstsein kommen und ihn für Belehrung durch gleich- *) Zur Geschichte der naturforschenden Gesellschaft zu Halle ist zu vergleichen: »Kurze Geschichte der Hallischen naturforschenden Gesellschaft von J. €. C. Löwe und M. Fabri“ in Ab- handlungen der Hall, Nat. Ges. Dessau und Leipz: 1781,58, SA. UIT—XX, »Geschichte der Entstehung und neueren Einrichtung der Gesellschaft von €, C. Schmieder“ in Neun Schriften d. Nat, Ges. zu Halle. Halle 1309, 8. I, 8— 54, Societas Naturae curiosorum Halensis solemnia sua semisaecularia celebranda indieit interprete Chr. Lud- Nitsch. Brevi societatis historiae accedit deseriplio Spiropterae strumosae tabula aeri. incisa illustrata.. Halae 1829. 4. p. HI—xı, Der Verf. dieses Ahrisses hat grösstentheils aus handschriftlichen Mittheilungen aus dem Archive der Ge- sellschaft geschöpft. Abh. d. Nat. Ges. zu Halle, 15 Heft, 1 2 strebende Genossen zugänglich und dankbar. machen, Die Geschichte eines Vereins, der nun ununterbrochen fast 75 Jahre hindurch einem solchen Bedürfnisse nach wissenschaftlicher Mit- theilung unter Naturforschern, wenn auch in den beschränkten Verhältnissen unserer Stadt genügt haben muss, (dieses Bedürfniss ist ja das einzige Band, welches ihn zusammengehal- ten hat), sollte daher selbst für einen grösseren Kreis nicht ganz ohne Interesse sein. Die Einen können aus unsren Erfahrungen die Lehre entnehmen, ihre Ansprüche an solche Ver- eine nicht zu hoch zu spannen, um mit‘ der Wirklichkeit nicht in verderbliche Conflikte zu gerathen; Andren dürften unsre Schicksale in einem bisher vielleicht noch erfolglosen Streben zum Troste und zur Aufmunterung im Ausharren gereichen. Die naturforschende Gesellschaft zu Halle wurde nach dem Vorbilde der Gesellschaft na- turforschender Freunde zu Berlin von dem damaligen Studirenden der Theologie, nachwali- gem Erziehungsrathe und Gutsbesitzer in Schlesien J. €. €. Löwe begründet, Unter dem Vorsitze des Geh. Kriegs-R. von Leysser konstituirte sie sich am 3ten Juli 1779 und erhielt bald darauf durch die hiesige Universität die Anzeige, dass sie durch ein Königl. Reskript vom 17/09. Septbr, 1779 allergnädigst bestätigt sei. Danach wurden die bereits unter dem 1. Juli festgestellten Statuten veröffentlicht, die im Wesentlichen noch heute, wenngleich sie in den Jahren 1809 und 1830 eine Ueberarbeitung erfuhren, das Gesetz der Gesellschaft bilden. Der Verein behielt lange Zeit den Charakter einer Privatgesellschaf. Die Mit- glieder versammelten sich zunächst in einem durch den damaligen Kammerrath Wucherer ihnen bewilligten Lokale, später in verschiedenen andren für einen jährlichen Mieths- zins gewonnenen Räumen. Erst mit der Besetzung Halle’s durch die Franzosen trat der “öffentliche Charakter der Gesellschaft deutlicher hervor, indem die Verwaltungsbehörden sie behufs der Beantwortung naturwissenschaftlicher Fragen wiederholt in Anspruch nahmen und ihr durch. Vermittelung ihres nachmaligen langjährigen Ehrenmitgliedes, des damals als Unterpräfeet im Saaldepartement angestellten, jüngst hier verstorbenen Hrn. J. A. Wim. Franz vom Ministerium in Cassel unterm 26. Dechr. 1308 die Zusicheruug eines für ihre Zwecke passenden eigenen Lokals in einem der Universität gehörigen Gebäude erwirkten. Im Jahre 1813 erhielt die Gesellschaft sogar das amtliche Versprechen, mit ‚den durch Aufhe- bung der Universität herrenlos gewordenen naturhistorischen Sammlungen und der Bibliothek bedacht zu werden, als die eintretende glückliche - Wendung der Dinge das Fortbestehen der Universität sicherte. Nach mancherlei Verzögerungen erhielt die Gesellschaft in der That im Juli 1809 einige zimmerarlige Räume im vordern Flügel des sogenannten Residenzgebäudes überwiesen, die für ihre Zwecke brauchbar und wohnlich einzurichten sie vergeblich wiederholt bestrebt war- Ihr Lokal blieb so düster und unwirthlich, dass es das Zusammensein der Mitglieder. wesentlich beeinträchtigte und im Jahre 1825 sogar den Entschluss hervorrief, wiederum ein Miethslokal in der Stadt zu den Versammlungen zu acquiriren. Schon ım Jahre darauf trat der sächsisch- !hüringische Alterthums- Verein durch Vermittelung des damaligen Berghaupimanns Hr. von Veltheim, eines langjährigen, sehr verdienten und eifrigen Mitgliedes der naturfor- schenden Gesellschaft, eine unbenutzte Lokalität im hinteren Flügel des Residenzgebäudes an unsre Gesellschaft auf so lange ab, bis durch die Königl. Universitätsbehörden ausreichender für ihre Bedürfnisse gesorgt sein würde. Dies geschah endlich im Jahre 1841. Nach einem in dem genannten Gebäude bewirkten Neubau erhielt die naturforschende Gesellschaft in des- sen westlichem Flügel zwei nach der Saale gelegene, helle und geräumige Zimmer zum aus- schliesslichen Gebrauche angewiesen, in welchen sie ihre Bibliothek aufgestellt und ihre Ver- sammlungen seitdem gehalten hat. Es steht zu erwarten, dass die überwiesenen Räumlichkeiten, deren zweckmässige Einrich- tung die Gesellschaft sich stets angelegen sein lässt, ihren Bedürfnissen auf lange hinaus um so mehr genügen werden, da von allen früheren Sammlungen nur die Bibliothek übrig geblieben ist, die noch gegenwärtig vermehrt wird. Den Gedanken, noch andre naturwissenschaftliche Gegenstände zu einem eigenen Museum zu vereinigen, hat die naturforschende Gesellschaft schon seit vielen Jahren als unpraktisch aufgegeben. Was früher zum Theil Werthvolles zusammen- gebracht war, ist bei den verschiedenen Umzügen verloren gegangen, oder im Laufe der Zeit verdorben, Die Reste einer mineralogischen Sammlung und eines Herbariums wurden im In- teresse der Vereinskasse im Jahre 1935 an Mitglieder verkauft. Spätere Sendungen von aus- wärligen Freunden der G. sind an die entsprechenden Sammlungen der Universität, einige pappnen Modelle endlich im Jahre 1841 an die hiesige polytechnische Gesellschaft abgegeben. Durch systematische Ordnung und Katalogisirung der längere Zeit in Kisten verpackten Biblio- thek und durch Bezettelung und Aufstellung der Bücher haben sich zwei frühere Mitglieder unserer Gesellschaft, Herr Buchhändler Ed. Anton und der verstorbene Dr. Anton Sprengel ein grosses Verdienst erworben, welches hier dankbar anerkannt werden soll. Die formellen Einrichtungen der Gesellschaft sind seit dem Jahre 1816 nicht verändert worden. Nach dem Tode ihres zweiten Vorstehers, des Dr. Zepernick, wurden alljährlich vier Direktoren, für allgemeine Naturwissenschaft, für Mineralogie, für Zoologie und für Botanik gewählt, welche in vierteljährlichem Wechsel den Vorsitz in den Versammlungen führen und die besondre Verpflichtung haben, für Stoff zu wissenschaftlichen Diskussionen zu sorgen, In den letzten fünf und zwanzig Jahren haben unter den bereits verstorbenen Mitgliedern K. H, Dzondi, R. F. Marchand,, Ch. L. Nitzsch, Alb. W. Perlberg, Fr. W. Schweigger - Seidel und von Veltheim vorzugsweise Eifer und Geschick für Förderung der wissenschaftlichen Gesell- schafts-Zwecke gezeigt, Unter den noch Lebenden wurden die Hrn, E. d’Alton, H. Burmeister, E. Fr. Germar, L. F. Kämtz (jetzt in Dorpat), €. Hankel (jetzt in Leipzig), H. Martins u. Dir. Fr, Inh. von Schlechtendal. durch die häufigste Wiederwahl zu dem mühevollen Amte eines 1%* 4 Direktors von den Mitgliedern geehrt und anerkannt. Die Hrn. H. Burmeister, W.H. Heintz, D. F. L. von Schlechtendal und Graf Seckendorff haben in diesem Jahre den Vorsitz und in dieser Eigenschaft übereinstimmend den von der Gesellschaft genehmigten Entschluss ge- fasst, den wissenschaftlichen Geist, welcher die Mitglieder in ihren Sitzungen und ihrem gewissermassen häuslichen Verkehr beseelt, durch Herausgabe einer neuen Reihe von Gesell- schaftsschriften auch nach aussen kennbar hervortreten zu lassen. Die eigentliche Geschäftsverwaltung der Gesellschaft liegt in den Händen des Rendanten und Schriftführers. Nachdem bei der ersten Herausgabe von Gesellschaftschriften durch ein- getretene Zahlungsunfähigkeit der Buchhandlung nicht unbeträchtliche Einbussen entstanden waren und in späterer Zeit das aus den Beiträgen fliessende Kapital für bauliche Einrichtun- gen im Lokale, und für Sammlungen, Bibliothek und die zweite Reihe der Schriften sofort wieder verausgabt war, erzielte Hr. Ed, Anton durch Pünktlichkeit und Sorgfalt in der Ver- waltung des Gesellschaftsvermögens zuerst wieder das lang entbehrte glückliche Resultat, sei- nem Nachfolger im Amte, Herrn E. d’Alton, im Jahre 1339 ein schon nicht mehr unbeträcht- liches Kapital als Ueberschuss und baaren Bestand überantworten zu können. Der Letztere brachte es durch weise Sparsamkeit dahin, dass die Gesellschaft, ohne irgend einer anderwei- tigen Beihülfe sich zu erfreuen, lediglich aus den Beiträgen ihrer einheimischen Mitglieder ein Vermögen gesammelt hat, welches sie hinreichend in den Stand setzt, wissenschaftliche Bestre- bungen ihrer Mitglieder wirksam zu unterstützen. Das Amt des Schriftführers war vom Jahre 1809 bis 1835 von dem nachmals verstor- benen Inspektor Bullmann ge ihrt worden... Sein Nachfolger Schweigger-Seidel musste es zu- nehmender Kränklichkeit wegen sehr bald wieder abgeben. Im Jahre 1537 ging es auf An- ton Sprengel über, dem die Gesellschaft unter Anderen die Ordnung ihres Archivs, ihrer Cor- respondenz und ihrer Bibliothek verdankt. Er legte es bei seiner Abreise nach Schleswig- Holstein im Herbst 1850 in die Hände des. vorsitzenden Direktors Hrn. Ed. d’Alton. _ Seit dem Anfange dieses Jahres hat Unterzeichneter die Funktionen des Schriftführers überkommen. Die naturforschende Gesellschaft zu Halle ist aus dem Streben hervorgegangen, durch ge- genseitige Belehrung die eigene naturwissenschaftliche Bildung zu fördern. Dieses Streben hat die Gesellschaft zusammengehalten, als sie nur noch aus drei Mitgliedern (von Leysser, Schaller und Zepernick) bestand; es hat die Mitglieder zusammengeführt, als die ungünstigsten Aussenverhältnisse, das Eindringen fremder Eroberer oder die bösartigsten Typhus- und Cho- leraepidemien die Stadt in Bestürzung und Trauer versetzten; es hatte aber auch den $. 1. des ursprünglichen Plans: „Die Zahl der ordentlichen Mitglieder der Gesellschaft hier in Halle darf nicht zu stark sein, weil sonst die Verfehlung ihres Zwecks zu besorgen wäre“! diktirt, den die Gesellschaft noch heute als leitenden Grundsatz anerkennt. Die Versammlungen der Mitglieder wiederholten sich früher allwöchentlich.‘ Sie wurden in den frühen Nachmittagsstunden gehalten und bestanden geraume Zeit hindurch in einer zwanglosen Unterhaltung über naturwissenschaftliche Gegenstände bei einer Tasse Kaffee und einer Pfeife Taback. Erst Chr. L. Nitsch, obgleich selbst Liebhaber vom Taback, nahm an dieser Gewohnheit Anstoss und fand sie unzulässig für Einführung auswärtiger Mit- glieder und fremder Naturforscher. Durch seinen Einfluss gewannen die Sitzungen eine ge- haltenere Form, die sie seitdem, trotz der dagegen erhobenen Anklage des Pedantismus und der Ungemüthlichkeit, unverändert beibehalten haben. Die Theilnahme zahlreicher Universitätslehrer an der naturforschenden Gesellschaft brachte es mit sich, dass unerwartete Behinderungen derselben durch Vorlesungen, Senats- oder Fa- kultätssitzungen nicht nur auf die Frequenz der Versammlungen, sondern auch auf ihre wis- senschaftliche Thätigkeit störend einwirkten. Diesen Uebelstand glaubte man im Herbst 1844 durch Verminderung der Zahl der Versammlungen, die sich fortan nur in monatlichen Zwi- schenräumen folgen sollten, wirksam beseitigen zu können. Diese Massregel hat aber nur dazu geführt das Interesse der Mitglieder an den Sitzungen zu lähmen. Die Zwischenräume der Zusammenkünfte sind deshalb gegenwärtig wieder um die Hälfte verkürzt, Kein Zweig der gesammten Naturwissenschaften ist unter den Mitgliedern der Gesellschaft ohne Vertretung, keine wichtigere Erscheinung auf diesem Gebiete in den Versammlungen un- besprochen geblieben. Die mindestens in den letzten funfzig Jahren grösstentheils mit Pünkt- lichkeit und Sorgfalt geführten Protokolle der Sitzungen liefern die vollgültigsten Beweise da- für. Hier mag es genügen die Männer anzuführen, um sie den von Chr. L, Nitsch erwähn- ten Mitgliedern anzureihen, welche in den letzten fünf und zwanzig Jahren ausführlichere Ar- beiten in der Gesellschaft mitgetheilt haben. Zur Geschichte der Naturwissenschaften gehörige Gegenstände sind erörtert von d. H. HJ. K. Bullmann (Y), Ch. Keferstein, J. S. C. Schweig- ger; Mittheilungen aus dem Gebiete der Physik, Meteorologie, Chemie u.s.w. haben gemacht: d. H,H. Bariels (+), Fr. K. Dunker, C. Hankel (jetzt in Leipzig), W. H. Heintz, C. F. Kaemtz (jetzt in Dorpat), R. F. Marchand (7), H. Martins, J. Rosenbaum, J. S. €. Schweigger, Fr..W. Schweigger - Seidel (4), €. Steinberg (X), W. Weber (jetzt in Göttingen); auf. Mineralogie, Geologie, Oryktognosie u.s. w. bezügliche Arbeiten wurden von den H.H. Ed. d’Alton, H. Bur- meister, F. K. Dunker, E. F. Germar, Chr. Keferstein, IH. Martins, Chr. L. Nitsch, Alb. W. Perl= berg (7), von Veltheim (F), J. Nic. Weber in der Gesellschaft mitgetheilt ; die Botanik ward in Vorträgen von den H.H. Ed. Anton, Frz. F. Kützing, G. F. Wach, D. Frz. L. von Schlechien- dal und Ant. Sprengel vertreten ; zoologische Themata haben die H. H. Ed. d’Alton, Ed. Anton, H. Burmeister, Chr. Ad. Buhle und Chr. L. Nitsch (+) behandelt; eine Lösung anatomischer, physiologischer und anthropologischer Fragen haben die H. H. Ed, d’Alton, Fel. von Baeren- sprung, B. H. Dzondi (+), J. Ag. Heller, Heinr. Meckel von Hemsbach (jetzt in Berlin), J. Ro- H 4 H 4 g .* Be senbaum, A. G. Volkmann und J. N. Weber gegeben, denen der Unterzeichnete sich anzuschlies- sen bemüht gewesen ist. Die eigenen Arbeiten der Mitglieder sind in den Sitzungen ausnahmsweise ausführlich, gewöhnlich nur ihrem wesentlichen Inhalte nach mitgetheilt. Diess und der Umstand, dass mehrere ganz besonders thätige Mitglieder unserer Gesellschaft als Herausgeber oder Mitarbei- ter bei naturwissenschaftlichen Zeitschriften näher betheiligt waren, während die Protokollaus- züge besonders in den letzten Jahren, wo sie in sehr verschiedenen Zeitschriften erschienen sind, ein sehr unvollständiges Bild von dem wissenschaftlichen Leben unserer Gesellschaft ga- ben, hatte veranlasst, dass die naturforschende Gesellschaft in Halle innerlich zu zerfallen, nach aussen in gänzliche Vergessenheit zu gerathen in Gefahr kam. Glücklicher Weise gehö- ren ihr aber noch so bedeutende wissenschaftliche Persönlichkeiten an, dass es nur eines Ent- schlusses bedurfte, die Gesellschaft nicht sinken zu lassen, um auch sofort Mittel in Bereit- schaft zu haben, die, so hoflen wir, geeignet sein werden, ihr einen ehrenvollen Platz unter ihren. Schwestern zu sichern. Nicht egoistische Motive allein haben indess den Entschluss zum Beginn einer dritten Reihe von Schriften hervorgerufen. Es ist vielmehr die erklärte Absicht, ein Kapital, welches aus Beiträgen zu wissenschaftlichen Zwecken entstand, im Interesse der Naturwissenschaften zu nutzen. Die Gesellschaft wendet sich deshalb nicht blos an ihre wirklichen, auswärtigen oder einheimischen Mitglieder mit der Bitte, ihr für die Schriften*) geeignete Arbeiten einzu- senden, sie fordert noch besonders jüngere Naturforscher, die nicht Mitglieder der Gesellschaft sind und denen es vielleicht an einer Gelegenheit zur Drucklegung ihrer sonst werthvollen Un- tersuchungen fehlt, hiermit auf, für die Schriften geeignete Aufsätze zur Prüfung und event. zur Veröffentlichung ihr. anzuvertraun. Die den Zwecken der Gesellschaft nicht entsprechen- den Arbeiten sollen den Verfassern pünktlich zurückgestellt werden. *) Die Schriften der Gesellschaft erscheinen in Quartalheften wie das gegenwärtige im Verlage der Buch- handlung von H. W. Schmidt zu Halle, dessen vielseitiger Verkehr mit Naturforschern aller Länder Europas bekannt ist. Jede Abhandlung kommt auch vereinzelt in den Buchhandel. Die naturforschende Gesellschaft selbst wird 25 Exemplare von jedem Hefte an befreundete Gesellschaften abgeben. Der Autor erhält 20 Ab- drücke seines Aufsatzes mit den erforderlichen Abbildungen gratis. Auf vier Bogen Text wird eine Tafel in gr. 4. gerechnet. Zu einer Ueberschreitung dieses Verhältnisses behält sich die Gesellschaft ihre Genehmigung vor. Jedes der folgenden Quartalhefte wird zugleich eine Uebersicht der in den Sitzungen verhandelten Gegen- stände bringen, die ausserdem sofort in der Hallischen Zeitung (im Schwetschkeschen Verlage) abgedruckt erscheint, | 2 ers er u. Verzeichniss der noch lebenden Mitglieder der naturforschenden Gesellschaft zu Halle, E. Einheimische ordentliche Mitglieder. Ed. d@’Alton, M. Dr. u. Prof. d. Anatomie, C. J. Andrae, Ph. Dr. u. Privatdozent. J. @. F. von Baerensprung, M.Dr. u. Privatdozent. L. G. Blanc, Ph. Dr. u. Professor. E. Blasius, M. Dr. u. Professor der Chirurgie. @. Brassert, Berghauptmann. A. Buhle, Ph. Dr. u. Privatdozent. IH. Burmeister, Ph. u. Med. Dr. Zoologie. H. Damerow, M. Dr., zial- Irrenanstalt. J. E. Erdmann, Ph. Dr. u. Professor der Philosophie. Fr. @ermar , P. u. Med. Dr.,:O.B.R. und Pro- fessor der Mineralogie. G. Gräfe, M. Dr. u. prakt. Arzt. W, H. Heintz, Ph. Dr. u. Professor der Chemie. u. Professor der G.M..R. u. Direktor der Provin- 28, Auswärtige Der Wirkl. Geheime Rath Bexih zu Berlin. 4. Hohl, M.Dr. u; Prof. der Geburtshülfe. L. Krahmer, M. Dr. u. Prof. der Heilmittellehre. P. Krukenberg, M.Dr., G.M.R. u. Professor der Pathologie u. Therapie. A. Mann, M. Dr. u. prakt. Arzt. H. Martins, Berghauptmann a. D. K. Fr. W. Meissner, Ph. Dr. u. Stadtrath a. D. @. Müller, Oberbergrath. J. Rosenbaum, M. Dr. u. prakt. Arzt. D. F. L. von Schlechiendal, Ph. Dr. u. Professor der Botanik. J. S. C. Schweigger , Ph. Dr. u. Professor der Physik. €. A. @. Graf von Seckendorff, Oberbergrath a. D. 4. V. Volkmann, M. Dr. u. Professor der Physio- logie. J. N. Weber, M. Dr. u. prakt, Arzt. Eihrenmitgzlieder. Der Staatsminister a. D. Eichhorn zu Berlin. Der Geh. R. R. Graf Henkel von Donnersmark zu Merseburg. Der K. Kammerherr Freiherr A. von Humboldt zu Berlin. Der Staatsminister a. D. u. Präsident der Oberrechenkammer von ee zu Potsdam. Der Prinz Maximilian von Neuwied, Der Staatsminister a. D. Graf von Schwerin - Putzar. Zul, Ackermann, Dr. u. Gr. Bad. Reg. R. zu Ettlingen. L. Agassiz, Dr. u. Prof. zu Neufchatel. Ahrens, Dr. u. Prof. Math. zu Soest. v. Ammon, Dr. u. Geh. M. R. zu Dresden. Ag. Andreae, Dr. u. Reg. M, R. zu Magdeburg. Fre. Arago zu Paris. Joh. Erh. Arschoug, M. Dr. zu Gothenburg. K. E. von Bär, Akademiker zu St. Petersburg. Th. Fr. Balız, Dr. u. Reg. Arzt zu Berlin. Bauer, Dr. u. Prof. zu Cassel. Andr. Baumgärtner, K. K. Reg. R. zu Wien. Elie de Beaumont, Prof. zu. Paris. Bergemann, Dr. u. Prof. zu Bonn. Auswärtige ordentliche und correspondirende Mitglieder. J. H. Bernheim, ‚Dr. u. Lehrer zu Kaiserslautern. Berthold, Dr. u. Prof, der Phys. zu Göttingen. Anton Bertoloni, Prof. d. Botan. zu Bolognai Graf Ignaz Bevilacqua -Lazise zu Verona. Bartol Biasoletto, Dr. u. Apotheker zu. Triest. Frär. Bidder, Dr. u. Prof. zu Dorpat. J. Bierbaum, Dr. u. Arzt zu Dorsten. Jean Bapt. Biol, Membre de !’Inst. zu Paris. C. @. Bischoff, Dr. u. Prof, zu Bonn. Th. Bischoff, Dr. u. Prof, zu Giessen. Ign. Rud. Bischoff Edler von Altenstern, Dr., u.K.K.Reg. R. zu Wien. Bley, Dr. wM.R. zu Bernburg. Prof. C. L. Blume, Dr. u. Prof. der Botan. zu Leyden. von Boddien, K. Han. Reg. R. zu Aurich. Rud. Bötiger, Prof. der Chemie u. Physik zu Frank- furt a.M& C. Luc. Bonaparte, Kais. Hoh. zu Paris. Ami Boue zu Paris. Bernhard Brach, Dr. u. Privatdozent zu Bonn, J. F. Brandt, Akademiker zu St. Petersburg. Braumüller, Baudirector zu Brünn. von Braun, Präsident zu Bernburg. Fr. Wilh. Braune, Amtsrath zu Löberitz. Horst Bretschneider, M.Dr. zu Gotha. Bravais, Prof. der Astron. zu Lyon. Franz Brefeld, M. Dr.u.M.R. zu Breslau. Brenner Ritter von Felsach, M. Dr. zu Ischl. Broeckx, M. Dr. zu Antwerpen. Alex. Brogniart, Prof. Mineral. zu Paris. Adolph Brogniart, Prof. Botan. zu Paris. Robert Brown zu London. Leopold von Buch, K. Kammerherr zu Berlin. W. Buckland zu Oxford. R. Cantzler, Dr. u. Conrect. zu Greifswald. G. Carus, Med. Dr, u. Geh. Hofrath zu Dresden. Vinc. von Cesati zu Mailand. Catullo, Prof. zu Verona. de Caumont, Prof. zu Caen. L. Choulant, Dr. M. u. Prof. zu Dresden. P. Cleaveland, Prof. zu Penobscot. N. A. P. Confligliacchi, Prof. zu Pavia. Constantini, Hofapotheker zu Fulda. Louis Coulon zu Neufchatel. Geo. Heinr. Crusius, M. Dr. zu Helmstädt. Flor. Cunier, M. Dr. zu Brüssel. Jos. Jul. Czermack, Dr. u.Prof. zu Wien. v.'Dalwitz, K. Russ. Oberst - Lieut. Ch. von Daremberg, M. Dr. zu Paris. Ch. Deshayes, Prof. zu Paris. K. M. Diesing, M. Dr. zu Wien. Dreverhoff, Hauptm. zu Zittau. Dreyssig, Prof. zu Kasan. Ad. Duflos, Dr. u. Prof. zu Breslau. Const. Dumeril, Prof. zu Paris. W. Dunker, Dr. Phil. zu Cassel. P. N. C. Egen, Prof. Math. et Phys. zu Soest. €. @. Ehrenberg, Dr. u. Prof. zu Berlin. Karl Ehrenberg zu Mineral de Monte (Mexico). E. von Eichwald, K. R. Staatsrath zu Wilna. Tob. Phil. Ekart, Dr. u. Hofgärtner zu Koburg. . L. Aug. Emmerling, Hof- u. Kammerrath zu Giessen. Joh. Fr. Erdmann, Dr., Prof. u. Staatsrath zu Dorpat. - Otto Linne Erdmann, Dr. u. Prof. derChemie zu Leipzig. Erlenmeyer, Dr. u. Direktor einer Irrenanstalt zu Bendorf bei Coblenz. W. €. von Eschwege, ehemaliger Generaldirektor der Bergwerke in Brasilien. Andr. von Eitinghausen, Dr. u.Prof. der Phys. zu Wien. J. Faraday zu London. Baron de Ferussac zu Paris. A. L. A. Fee, Prof. Bot. zu Strasburg. Frz. Ignaz Fiber, K.K. Appellationsbeamter zu Prag, Gotthelf von Fischer, Dr., Prof. u. Staatsrath zu Moskau. L. L. Fitzinger zu Wien. Baron von Fölkersahm auf Papenhof in Kurland. G. Fresenius, M. Dr. u. Prof. der Bot. zu Frankfurt a.M. El. Fries, Dr. u. Prof. zu Lund. €. Fuchs, M. Dr., Hofrath u. Prof. zu Göttingen. E. Fr. Glocker, Dr. u. Prof. zu Breslau. Const. Gloger, Dr. u. Prof. zu Breslau. L. Gmelin, Dr. u. Prof. emerit. zu Heidelberg. Gust. von Gaal, M. Dr. zu Wien. Hugo Gerold, M. Dr. zu Aken. Santo Garovaglio, Dr.u. Prof. zu Pavia. Aug. Bozzi Gramille, M. Dr. F.R.S. zu London. Just. Günth. Grassmann, Prof. zu Stettin. J. C. L. Gravenhorst , Dr. u. Prof. Zool. zu Breslau. Wilh. Gregory, M. Dr. u. Prof. Chem. zu Edinburgh. Grunert, Phil. Dr. u. Prof. Math. zu Greifswald. Wenzel Gruber, M.Dr. u. Prosektor zu St, Petersburg. Heinr. Häser, M. Dr. u. Prof. zu Greifswald. W. Haidinger, K. K, Bergrath zu Wien. C. Hankel, Ph. Dr. u. Prof. der Phys. zu Leipzig. Chr. Hansteen, Prof. der Phys. zu Christiania. @G. Chr. Harless, Geh. M. R. u. Prof: zu Bonn. Th. Hartig, Dr. u. Forstrath zu Braunschweig. Franz Ritter von Hauer, K.K. Bergrath zu Wien. Frz. Hauser, Prof. der Chir. zu Olmütz. Hehl, Dr. u. Bergrath zu Stuttgart. K. J. Heidler, M. Dr. u.K.K. Rath zu Marienbad. Maxim. Heine, M.Dr. u. K.R. Stabsarzt zu St, Pe- tersburg. Joh. Flor. Heller, Dr. der Chemie zu Wien. Hendriksz, Dr. u. Prof. Med. zu Groeningen. Fr. G. Jak. Henle, M. Dr., Hofrath u. Prof. der Ana- tomie zu Göttingen, Aug. Henschel, Dr. u. Prof. Med. zu Breslau. Frz, Herbich, M. Dr. u. Regimentsarzt zu Lemberg. E. Herberger,, Dr. u. Akademiker zu Kaiserslautern. Hessel, Dr. u. Prof. Minerl. zu Marburg. Ferd. Hessler, Prof. Phys. zu Prag. Heusinger , Dr. u. Prof. Physiolg. zu Marburg. Lud, Ritter von Heusler zu Insbruck. Isid, Geoffr. St. Hilaire zu Paris. van der Hoeven, Prof. zu Leyden. Phil. Ritter von Holger, M. Dr. zu Wien. Horaczek, M. Dr. zu Wien. W. Horn, M.Dr.u. 6. 0.M.R. zu Berlin. Hornung, Apotheker zu Aschersleben. Arved David Hummel zu St. Petersburg. Huschke, M. Dr., Geh. Hofr. u. Prof. der Anatomie zu Jena. Hyril, M. Dr..u. Prof. der Anatomie: zu Wien. Frz. Junghuhn auf Java. K. Jos. Jurende zu Brünn. L. Fr. Kämtz, Dr. u. Prof. der Phys. zu Dorpat. v. Kalinovski, Dr. u. Direktor des landwirth. Inst. zu Moskau. €, W. Kastner, Dr. u. Prof. zu Erlangen. Kaup, Med. Dr. zu Darmstadt. G. D. Kieser, Dr., Prof. u. G.M.R. zu Jena. Kikx, Dr. u. Prof. zu Brüssel. Fr. Klug, Dr. u. G.0.M. R. zu Berlin. Jos. Joh. Knolz, M.Dr., Rg. R. u. Prof. zu Wien. Alb. Koch aus Roitsch, Ph. Dr. in Amerika. Koch, M. Dr. zu Wien. Vinc, Kollar, Gustos des K.K. Museums zu Wien. Kapp, Prof. der Physik zu Giessen. Emil Kratzmann, M. Dr. zu Marienbad. Krause, M.Dr., Prof. u. M.R. zu Braunschweig. Joh. Bapt. Kraus, K. K. Hofbuchhalt. Official zu Wien. dv. Kummer, Direktor der Saline zu Dürnberge. Zähr, M.Dr. zu Berlin. J. ©. Lauer in Brünn. Karl Leuchs, Kaufmann in Nürnberg. Heinr. Lichtenstein, Dr., Prof. u. 6.M.R. in Berlin. Freiherr Just. v. Liebig, Dr. u. Prof. zu München, E. Litire in Paris. J. H. Chr. Lippold, Prediger zu Horstdorf in Cöthen. M. J. Ritter v. Lobarzewski in Lemberg. Löw, Dr. u. Prof. zu Posen. Macartney, Prof. ia Dublin. Marklin, Dr. u. Custos d. akad. Mus. in Upsala. Martins, Prof. in Paris, Abh. d. Nat. Ges. zu Halle, ]r Band, — Mayer, Dr. u. Prof. Anat. in Bonn. J. H. Meckel von Hemsbach, M. Dr., Prosekt. an der Charit& u. Privatdocent zu Berlin. Jos. Meneghini, M. Dr. in Padua. Mencke, M. Dr., G. Hofrath zu Pyrmont. J. de Meyer, Dr. u. Prof. in Brügge. Fr. Ant. Wilh. Miquel, M. Dr. in Rotterdam. Eul. Mitscherlich, Dr., Prof. u. G.M.R. in Berlin. Joh. Pet. Jos. Monheim zu Aachen. Montain, M. Dr. u. Praes. d. Ackerbaug. zu Lyon. Ch. Morren, Dr. u. Prof. zu Lüttich. Alb. Mousson, Prof. d. Phys. zu Zürich. Joh. Müller, Dr., Prof. u. 6. M.R. zu Berlin. Müller, Dr. u.M.R. zu Emmerich. E. Mulsant, Stadt-Bibliothekar zu Lyon. Georg, Graf zu Münster in Bayern. Muncke, Dr., Prof. u..G.M.R. zu. Heidelberg. Herm. v. Nathusius auf Hundisbaurg. Joh. Fr. Naumann, Prof. zu Ziebigk in Cöthen. K. Fr. Naumann, Prof. zu Freiberg. Chr. Gotifr. Nees von Esenbeck zu Breslau. Sv. Nilson, Dr. u. Direktor d. zool. Mus. zu Stockholm. Jak. Nöggerath, Dr., Prof. u. Ob. B. R. zu Bonn. J. de Notaris, M. Dr. zu Turin. Martin Ohm, Dr. u. Prof. d. Math. in Berlin. J. K. Fr. Ollenroth, M. Dr. u. R. M.R. in Bromberg. Anton Palliardi, M. Dr. u.M.R. in Franzensbad. Etienne Pariset, M. Dr. Secret. perp. d. Y’Acad.: d. M. zu Paris. Pasquier, M. Dr. zu Lüttich. L. Pfeiffer, M. Dr. in Cassel. R. A. Philippi, Ph. Dr. in Chili. Adolph Pleischl, Dr. u. Prof. d. Chem. zu Wien. Placido Portal, M. Dr. u. Prof. d. Chir. zu Palermo. L. Rabenhorst in Dresden. H. Rathke, M. Dr. u. Prof. in Königsberg. P. Fr. Oliv. Rayer, M. Dr. u. Prof. zu Paris. Karl Reichenbach, Dr. zu Blansko in Mähren. Lud. Reichenbach, M.Dr., Prof. u. Hofrath zu Dresden. C. B. Reichert, M. Dr. u. Prof. d. Anat. zu Dorpat. Fr, Jul. Reil, ©. B.R. in Schlesien. @. C. Reinwardt, M. Dr. u. Prof. d. Botan. in Leyden. Remer, Prof. zu Padua. Aug. Emil. Reuss, Dr. Med. in Bilin. Richter, M. Dr. u. R. A. zu Düsseldorf. Riecke, M. Dr. u. Leibarzt zu Brüssel. del Rio, Prof. in Mexico. 2 Po EEE Joh. Röper, M.Dr.fu. Prof. der Botan.-zu Rostock. Elard Romershausen, Dr. zu Wetzlar. Gust. Rose, Dr. u. Prof. zu Berlin. Heinr. Rose, Dr. u. Prof. zu Berlin. Franz Edler von Rosenhorn auf Wolfsberg bei Kla- genfurt. Ruhlandt, Prof. in München. Joh. Bapt. Rupprecht, Dr. phil. in Wien. Sause, Lehrer am Gymnas. zu Guben. Savi jun., M. Dr. u. Vorsteher d. naturhist, Museums zu Padua. H. Schaum, M. Dr. u. Privatdozent zu Berlin. Ad. Schlagintweit, De. d. Chemie in München. Herm. Schlagintweit, Ph. Dr. in München. H. Schlegel, Dr, u. Gonservator des zool. Museums in Leyden. Fr. Schlemm, M. Dr., Prof. u. G.M.R. in Berlin. Fr. J. Schmidt, Kaufm. u. Entomolog in Laibach. Pet. Schmidt, Forstinspekt. in Königsberg. Schneider, Direktor der naturf. Gesellsch, zu Görlitz. Schneider, M. Dr. u. Stadphysik. zu Ettlingen. Scholz, Prof. in Wien. v,-Schreibers, Ritter, k. k. Rath in Wien. Schrön, Dr. u. Observator in Jena. Anton Schrötter, Prof. Phys. in Gratz. K. H. Schulz, M. Dr. u. Prof. zu Berlin. Ad. Seidl, Forstmeister in Tetschen. N. 0. Seringe, Prof. d. Botan. zu Lyon. K. L. Sigmund, M. Dr. zu Wien. Benj. Silliman, Dr. u. Prof. zu. New - Haven. Speck Freiherr v. Sternburg auf Lütschena. v. Specz, Dr. u. Prof. in Wien. Fr. W. Spehr, Dr. u..Prof. Mathem. zu Braunschweig, M. C. Sommer, Kaufmann in Altona. H. Stannius, Dr. u. Prof. zu Rostock. E. Jul. Stöhrig, Dr. u. Prof. in. Berlin. C. J. Temminck in Amsterdam. @. P. F. Thon, Justizrath zu Ilmenau. Fr. Tiedemann, M. Dr., Prof. emerit. u. 6. Hofr. zu Heidelberg. Lud. Chr. Treviranüus, M.Dr:u. Prof. der Botan. zu Bonn. Graf Victor Trevisan in’ Padua. Frivaldsky, Dr. u. Cust.d. Nat.-Mus. zu Pesth. Fr. Unger, Dr. M. u. Professor der Botan. zu Wien. Valenciennes zu Paris. Vogel, Prof. in München. A. Vogel jun., Prof. in München. Rud. Wagner, M. Dr, u. Prof. d. Physiol. in Göttingen. Wagner, Prof. zu Philadelphia. Wahrendorf, ©. B. R. in Hirschberg. Jos. Waltl, Prof. in Passau. Jos. Edler v. Wattmann, M.Dr., k. k. Rath u. Prof. in Wien. i Ed. Weber, M.Dr., Prosektor u. Prof. in Leipzig. Ernst Heinrich Weber, M. Dr. u. Prof. der Anat. iu. Physiolg. in Leipzig. Wilhelm Weber, Dr. u. Prof. der Physik in Göttingen. Chr. Sum. Weiss; Dr., Prof. der Mineral. u, Geheim. Rath in Berlin. W. Rud. Weitenweber, M. Dr. in Prag. Weller, M. Dr. u. prakt. Arzt in Dresden. Werber, M. Dr. u. Prof. in Freiburg. Gust. Wetzlar, M. Dr. in Hanau. K. Wiebel, Prof. in Hamburg. Fr. Will, Dr. M. u. Prof: der Chemie zu Erlangen, James Wilson in Edinburgh. Wirer von Redienbach, M. Dr. u. k.k. Hofrath in Wien. Witicke, Dr. M. u. Reg. M.R. in Erfurt. Wolski, Dr. M., Staatsrath u. Leibarzt. Wutzer, M. Dr., 6. M.R. u. Prof. der Chirurgie zu Bonn. Alex. Zawadzki, Dr. u. Prof. in Lemberg. v. Zimmermann, M. Dr. u. k. k. Reg. Arzt in Wien. K. Zinken, Bergrath zu Mägdesprung bei Ballenstedt. Frz. Xav. Zippe, M, Dr., Prof. u. Custos am Museum zu Prag. Versehen in diesem- Verzeichniss bitte ich gütigst zu 'entschu:digen.. Für mir zugehende Berichtigungen werde ich dem Uebersender dankbar verpflichtet sein. — L. Krahmer, ‘d. Zeit Schriftführer der H.N. G. d & 1 Rn D..05 ua « Beiträge zur Naturgeschichte des Seriema, von MH. Burmeister. (Hierzu Taf, 1—II.) $. 1. Wenn man die mannichfache, nirgends vollständig unterbroehene Gebirgskette Brasiliens überschritten hat, ‚welche östlich neben der Stadt St, Paulo die Meeresküste berührt und von da nordwärts über Bahia hinaus bis in die Gegend von Pernambuco, in einem Ab- stande von 40—60 g. Meilen von der Küste, sich erstreckt, so trifft man jenseits derselben nach Westen ‚auf. ein weites hügelreiches Gebiet, das stellenweis von mässigen Gebirgszügen unter- brochen, im Ganzen den Charakter licht bewaldeter, z. Th. ganz baumloser Heiden oder Trif- ten trägt und ‚von den, Brasilianern, im Gegensatz gegen den dicht bewaldeten Küstenstrich östlich von der bezeichneten Gebirgskette, der Jerra do mato, mit dem Namen der terra dos campos belegt wird. Dieses weite Gefilde ist zwar nicht waldlos, aber die Waldungen sind der offenen Triftenbildung untergeordnet; sie ziehen sich in den Thälern zu beiden Seiten der Flüsse, Bäche und Niederungen fort, und werden je mehr nach Norden um so luftiger und schwächer. Ein Theil derselben sind die merkwürdigen Catingas, welche sich durch voll- ständigen. Blattfall während der trocknen Jahreszeit vor den. stets grünenden Urwäldern (malo virgem) auszeichnen. — Auf diesem Gebiet der Campos, uns zwar nur da, wo es offen, frei und waldlos, wenn auch nicht völlig baumlos ist, erscheint überall in seiner ganzen Ausdehnung ein Vogel, der von jeher die Aufmerksamkeit der Reisenden und Naturforscher, wie der einheimischen Ansied- ler in gleichem Grade gefesselt hat. Zwar sieht man den Seriema, denn ‚so heisst er in 9* 1 = u. _ Brasilien, obgleich er die Grösse eines Storchs besitzt; höchst selten, aber man hört seine weitschallende Stimme, während man durch die Campos reitet und oft so ganz in der Nähe, dass man glauben sollte, das Thier müsste nur auf zehn Schritt vom Reiter sich befinden. Der Ton ist eigenthümlich, er besteht aus kurzen, pfeifend oder kreischend ausgestossenen, schnell mit geringen Modificationen wiederholten Lauten, die man theils mit dem Kläffen junger eingesperrter Hunde, theils mit dem Gekakel der Truthühner, aber nicht mit dem Gekuller der Truthähne, auf unsern Hühnerhöfen vergleichen kann. Ich finde keine dieser beiden Arten von Ge- schrei allein dem des Seriema ähnlich, sondern möchte es am richtigsten eineMischung aus beiden nennen. So kurz und fein, wie das Gekläff junger Hunde, ist es nicht; man hört deutlich, dass der Ton.in einem längeren Rohr erzeugt wird, er geht wie durch die Nase, und ‚darin erin- nert er an den Ton der Truthennen, ist aber nicht so sanft, sondern viel lauter und krei- schender. Gewöhnlich schreien mehrere Seriemas gleichzeitig durcheinander, denn die Vögel halten sich gern in kleinen Trupps von. 3-—4 Individuen zusammen auf. Sie sind höchst vorsichtig, ducken sich beständig im hohen Grase, dessen Farbe ihr Gefieder nachahmt, und stecken, wenn sie Gefahr merken, bloss den Kopf heraus, die Richtung des Feindes zu erkun- den. Dann laufen sie gebückt im Grase nach der andern Seite davon, und sind längst fort, wenn der Reiter oder Jäger die Stelle berührt, wo sie anfangs standen. Man hört den Vogel zu allen Tageszeiten, selbst bei Nacht. In der Zeit, wo ich mit meinem gebrochenen Schen- kel im Innern von Minas rasten musste (Juni —November 1851), habe ich oft, wenn ich schlaflos auf meinem Lager lag, den Vogel bei völliger Dunkelheit des Morgens zwischen 8 und 4 Uhr vernommen; ja es sind Wochen hingegangen, namentlich Ende August, Anfangs September, als der Frühling heranrückte und die Brutperiode sich näherte, wo ich den Seriema alle Tage lange vor der Dämmerung gehört habe. In der stillen Nacht, wenn Alles der Ruhe pflegt und nur die feindlichen Raubthiere, namentlich die Füchse und Beutelthiere, herum- schleichen, schallt der warnende Ruf des scheuen, furchtsamen Vogels in weite Fernen;,; und obgleich ich mitten im Dorfe Gongonhas wohnte, von wo die nächsten Composflächen wohl 2 Sunde entfernt waren, so konnte ich die gelle Summe des Seriema doch sehr deutlich in meinem luftigen Schlafzimmer, ohne Decke und ohne Fenster, vernehmen. — Bei Tage ist dieser Ruf theils ein warnendes Zeichen, welches gegeben wird, wenn ein Reiter oder ein Lastthierzug dem Standorte der Vögel zu nahe kommt; oder es ist eine Art von Unterhaltung, eine Mittheilung an entfernte Trupps, die dann ebenso antworten. Während ich bei Lagoa santa in Begleitung meines lieben Wirthes, des Hr. Dr. Lunn, Insecten sammelnd durch die Camp os-Gefilde schlenderte, wurden wir oft von dem nahen Ruf der Seriemas überrascht, und wenn wir nun stillstanden, um zu lauschen, schallte aus weiterer Ferne die Antwort einer anderen Seriemas- Truppe zu uns herüber. Noch besser konnte ich mich von der Unterhal- tung dieser gefiederten Camposbewohner überzeugen, als ich selbst niedergeduckt still im Cam- nr Posgrase sass, um die schöne Flur mit dem heiligen See und der violetten Serra da Curral del Rey im Hintergrunde in meine Mappe zu zeichnen. Ein Schwarzer, welcher für mich den grossen Sonnenschirm hielt, stand daneben und erklärte mir die verschiedenen Stimmen), deren ich da lauschen konnte. Der Seriema war ‚unter ibnen der Hauptschreier, alle 10 Minuten hörte ich seinen Ruf in meiner Nähe, und wenn 'er geendet hatte, beantwor- tete hald hier, bald dort, eine andere Gesellschaft seinen Gruss. Darum kennt ihn alle Welt und wer ihn auch nicht gesehen hat, gehört hat ihn gewiss Jedermann), der auch nur einen einzigen Tag durch die Fluren des Inneren von Brasilien zu reiten das Glück hatte, 2 Unter diesen Umständen ‚wird man.es natürlich finden, dass schon. die ältesten Schrift- steller über die Naturgeschichte Brasiliens des Seriema gedenken, Der Erste, welcher ihn aufführt, ist meines Wissens MarcerAr in seiner Histor. rer. natur. ‘Brasiliae (Amstel. 1648, Fol.). ' Unter dem Namen Cariama beschreibt er (Lib. V. pag. .203,) den. Vogel. kenntlich und giebt eine Abbildung, die zwar vieles zu wünschen übrig lässt, namentlich in den Beinen viel zu kurz gerathen ist, aber doch die allgemeine Gestalt des Vogels einigermassen. richtig vorstellt. Woher er die unrichtige Benennung Cariama habe, ist schwer - zu sagen ;. Manc- GRAF scheint nicht überall selbst im Innern Brasiliens gewesen zu sein, sondern manche Thiere nur nach alten Bälgen zu beschreiben ; denn- sonst könnte er den Schnabel und die Füsse des Seriema nicht schmutzig. gelbbraun nennen, während beide im Leben schön lackroth sind. Im Uebrigen sind seine Angaben richtig und namentlich wird auch der weitschallenden Stimme von ihm gedacht. $. 3. Diese kurze Schilderung von 20 Zeilen ist die Quelle, woraus Alle späteren Schriftsteller bis Liwn# und noch später geschöpft haben.*) Ich übergehe dieselben, da: sie nichts von Bedeutung enthalten, ja selbst Burron”*), ‚der den Vogel nie gesehen hat, nicht: viel mehr, als jene, älteren, von ihm zu sagen weiss. Sogar die Charaktere , welche Linn# und La- THAM angeben, scheinen nur den ältesten Autoren entnommen zu sein,«und keiner von ihnen den Vogel in natura gekannt zu haben. Linnt erwähnt ihn erst in der letzten Originalaus- gabe seines Systoma naturae (Tom: 1.232. Holm. 1766) ‚als. Palameda_cristata und: La- ee *) G. Piso, hist, nat, Brasiliae, p. 81. (Amstel. 1658. Fol.) — Willughby,, Ornithol. p- 202. (Lond. 1676. Fol.) — J, Ray, Syn. meth. Avium p. 96 sg. (Lond. 1713, 8.) — Brisson, Ornithol, V, sp. 516, (Paris. 1760. 4.) **) Hist. nat des Oiscaux, VIr, 325, (8.) oder IV. 26 (4%) Pe uam ändert an dieser ‚systematischen Stellung gar nichts (Ind. orn. II. 669. Lond. 1790), so dass der Vogel-bis in die neueste. Zeit hinauf den. europäischen 'Naturforschern fast unbe- kannt blieb. Dagegen war er in seiner Heimath zu ‘Anfang. des Jahrhunderts Gegenstand der sorgfältigen. Untersuchungen ‚des. bekannten trefflichen ‚Beobachters Don Funıx or Azara, welcher ihn unter, dem guaranischen Namen ‚Saria beschreibt”). Allein der Vogel ist in den südlichen Theilen Süd-Amerikas so selten, dass sich Azarı nie ein vollständiges Exem- plar verschaffen konnte. Nach: ihm. überschreitet er den 31°. 8. Br. nicht; doch‘ behauptet Azarı, in der Nähe desselben sein Gesehrei noch gehört zu ‚haben. $. 4. Die genauere Bekanntschaft des Vogels in Europa datirt von den Untersuchungen, welche Intern, Georrroy Sr. Hırame, Vieisvor und besonders der Prinz Maxmirrn zu Nruwiıen über ihn angestellt haben. Iruser gründete für den Seriema die eigene Gat- tung Dicholophus**) und der Prinz gab die erste vortreftliche Abbildung des Kopfes nach dem Leben in natürlicher Grösse***). Seitdem war das Aeussere seines Baues und seine Lebens- weise gut bekannt, aber besonders die Anatomie blieb noch ‘von grossem Interesse, weil fort und fort Ansichten laut wurden, welche den Seriema, wegen mancher formellen Ashnlichkeit mit dem Secretär (Gypogeramus serpentarius), in die Nähe der Raubvögel bringen und mit dem Secretär in eine Familie zusammenwerfen wollten. Selbst der Prinz v. Nruwımp hat sich , durch Bos« verleitet, von diesem Missgriff nicht ganz frei gehalten****). Ich erinnere mich noch sehr deutlich, mit welcher! Sehnsucht mein seliger Lehrer und Amtsvorgänger, Ci. L. Nırsen, ‘von dem Bedürfniss einer solehen ‘Untersuchung in’ 'seinen ‚Vorlesungen sprach und wie lebhaft er es bedauerte, bei seiner Anwesenheit in Paris im ‚Jahre 1827 kein Skelet des Vogels gesehen zu haben, weil die Pariser Sammlung des Pflanzengartens damals noch keins besass. Indessen hielt er sich ohnehin überzeugt, dass zwischen dem Seriema und Seeretär nur eine Analogie der Form, nicht aber eine zoologische Affinität bestehe. Mit diesen "Gedanken sich herumtragend und stets bemüht, seine systematischen Ideen durch allseitige Studien zu unterstützen, ‘kam Nırscn im Jahre 1834 nach München und fand dort zu seiner freudigen Ueberraschung 'ein leider lückenhaftes Seriemaskelet, welches v, Srıx auf seiner ‘Reise mit 'v.. Marrıus in Brasilien gesammelt hatte. Obgleich die flüchtige Un- tersuchung schon 'hinreichte, ihm den ‚Beweis zu führen, dass seine systematische Ansicht ‚von u men *) Apuntamientos para la hist. nat. de los päxaros. Tom, Ill, p. 101. Nr. 340. (Madrid, 1802—5. 8.) Voyage dans Amer. merid. publ. p. Walekeuaer & Sonnini. Vol. IV. pag. 175. (Paris, 1809. 8.) *%*) Prodrom. Syst. Mammal. & Avium. (Berl. 1811. 8.) ä *"*) Nova acta ph. med, soc. Caes. Car,Leop, nat. cur, XI. 2. Tab. 14, — ****) Beitr, zur Nat. Bras. IV. 570. ie WE ae der Nichtverwandtschaft des Seriema mit ‘den Raubvögeln richtig sei, begnügte er sich doch damit ‚keineswegs, er erbat sich das Skelet zur Untersuchung 'nach Halle, ‘erhielt es, und gründete darauf die vollständige 'osteologische Vergleichung desselben mit ‘benachbarten Vogel- iypen, ‘welche ich‘ später aus seiner Handschrift mittheilen werde. 'Nrrscnuns Anwesenheit in München hat wahrscheinlich ‘die Beschreibung der Skelettheile veranlasst, welche bald dar- auf A. Wacner bekannnt machte*);' sie bewog’ auch "meinen 'seligen Lehrer, der un- gern Arbeiten in Bruchstücken veröffentlichte, seine Untersuchungen liegen zu lassen, bis er sie vollständiger, etwa nach Einsicht der weichen Theile, "würde geben können. "Auch darin kam ihm indessen bald ein Anderer zuvor; G, Mirrın publieirte in den Proceedings der z00lo- gischen Gesellschaft 'zu London eine kurze iSchilderang**) der innern Organisation des Seriema, $. 9. Während meiner Reise durch Brasilien schwebte mir die Erinnerung an das wissenschaft- liche Verlangen meines lieben Lehrers beständig vor der Seele, ein wahrer Heisshunger nach dem‘ Seriema ergriff auch mich; 'seit ich in "seiner Nähe verweilte. Das ‘erste Exemplar desselben sah ich in Ouropreto , "bei "einem dortigen ‘Mechänicus Hsınk. Schmmt, den ich wegen seiner Beschäftigung mit der Naturgeschichte aufgesucht hatte. Er sagte mir, dass der Vogel weiter im Innern gemein sei und ich ihn ‘ohne Frage erhalten werde, So kam ich nach Lagoa santa, noch immer ohne Seriema. Hier ‘sollte und’ musste er erlangt werden; alle dortigen Jäger kannten ihn und jeder versprach, einen zu schiessen, aber nie kam ein Exemplar in meine Hände ; theils weil seine Jagd mit grosser Anstrengung und Beschwerde verbunden ist, theils weil die Brasilianer zu gleichgültig sind, ihre Versprechungen zu erfüllen. Sicher wäre ich auch von Lagoa santa mit leeren Händen wieder abgezogen; denn alle Ver- suche, die mein Sohn machte, einen Seriema zu erlegen, schlugen fehl; er jagte zu Pferde, wie ein Brasilianer, durch die Campos hinter den schreienden Vögeln her, aber umsonst, die Seriemas entwischten stets, bevor er sie schussgerecht hatte***); — da traf mich das Un- glück des Beinbruches und ihm verdanke ich meine Seriemas. Während der 2. Monate, die ich nun in Lagoa santa lag, von der wohlthätigen Freundschaft des Herın Dr. Lunp mit Allem versehen, was mir nöthig und nützlich war, erhielt ich nach und nach 5 Exemplare; anatomirte sie auf dem Bett, nachdem mein Sohn die Bälge abgezogen hatte, und entwarf da die Zeichnungen und Beschreibungen der weichen Theile, welche ich hier jetzt veröffentliche, a ..... » *) Abhandlungen d., Königl. bayer. Akadem. d. Wissenschaft, zu München; physik. mathemat. Klasse Bd. II. S. 482. 1837, **) Proceedings Of the zool. Society of Lond. 1836. 8, *#*) Man sehe über diese Methode der Jagd die Reise des Prinzen von Neuwied (II. S, 188 fig.) und dessen Beitr, z. Naturg. Brasiliens. (IV. 580.) u NEE Unter den mir gebrachten Exemplaren war auch ein lebendes, das ich 3 Tage im Gar- ten beobachten konnte, worauf es starb. Der Vogel war flügellahm geschossen und schon sehr matt, als er in meine Hände kam; er stand in der Regel still, mit eingezogenem Halse und sass den zweiten Tag 'auf dem Boden, die ganzen langen Läufe bis zum Hacken aufge- legt, also allein von den Unterschenkeln getragen, wobei der Rumpf den Boden nicht be- rührte, sondern frei über demselben schwebte. Zahme Störehe, welche man auf Höfen hält und besonders den Winter durch hier zu bleiben zwingt, pflegen ebenfalls in solcher Position sich der Ruhe zu: überlassen.. Mein Seriema frass in der Zeit nichts, obgleich ihm allerlei Gegenstände, welche mit dem Inhalte des Magens der andern Exemplare übereinstimmten, ge- boten wurden. Ich habe darüber unten ausführlich berichtet; der Seriema frisst weder aus- schliesslich vegetabilische, noch ausschliesslich thierische Nahrung, sondern eine gemischte, die besonders aus saftigen Beeren und grösseren Insekten, Heuschrecken und Raupen besteht. Er lebt zur Bruizeit paarig und nistet auf niedrigen Gebüschen, etwa 6—8 Fuss über dem Boden. Seine ‚Eier, deren Tuienemann eins abbildet*), erinnern in Farbe und Zeichnung am meisten an‘ die der Wasserhühner (Gallinulae) oder Rallen, weisen also auf eine gewisse Verwandtschaft mit den Fulicarien hin, obgleich der Seriema durchaus kein Sumpf- bewohner ist und niemals in der Nähe des Wassers angetroffen wird. Man findet gewöhnlich 2 Eier in einem Neste, selten mehr. Die Jungen sind daunig befiedert und bleiben im Nest, wie die der Störche, bis sie flügge sind. Ein solches Junge, kaum so gross wie eine Lerche, also nur wenige Tage alt, wird in der zoologischen Sammlung zu Berlin aufbewahrt; es hat, im Vergleich mit dem alten Vogel, ‚auffallend kurze Beine und einen sehr dicken plumpen Schnabel. Der Prinz v. Neuwıern fand Ende Februars zwei noch ziemlich kleine Jungen in einem Neste. *) Fortpflanzungsgesch. d. ges. Vögel. Taf. 72. Fig. 14. 1. Osteologie des Seriema. Hierzu Tafel. $. 6. Der Schädel, dessen allgemeine Form aus den Abbildungen hinreichend erkannt wird, hat folgende Dimensionen : *) _ Ganze Länge in grader Linie 4” 81/,"' nach Wagner 4” 61/, Grösste Breite am Schläfenbein ig ie or - „ am hintern Augenhöhlenrande 1.9” Breite der Stirn am Orbitalrande 2 Grösster Abstand der Thränenbeinflügel Ei M EU Höhe der Augenhöhlen vom Jochbogen bis zum obern ‚Orbitalrande ir we Länge des Nasenlochs er Länge des Oberkiefers bis zum Ende des proc. _ frontalis 27 1017, | Länge des Jochbogens bis zur Anlage an den P Oberkiefer gr Te Ganze Länge des Unterkiefers EEE Sag desgl. Grösste Breite am Gelenk mit dem Paukenbein ne Abstand der untern hintern Höcker von einander 11 Breite des Hinterendes der Gaumenbeine or FA Abstand ihrer äussersten Spitze vom Gelenkkopf am Hınterhaupte yf2 Länge des ganzen Gaumenbeins 14/5 Abstand der Spitze des Oberkiefers am Nasenloch 1 4 Höhe des Schädels vom Keilbeinkörper bis zum Scheitel 1 4” nach Wacner 1” 21/,% Der Oberkiefer, ‚dessen Hakenform mehr in dem Hornüberzuge, als in der Gestalt des eigentlichen Kieferknochens liegt, hat einen sehr langen processus frontalis, welcher nur vorm mit den an ihn angelegten Spitzen der Nasenbeine verwächst, später durch eine Naht von ihnen: getrennt bleibt und bis auf den Anfang der Stirn hinter die Thränenbeine hinein- greift. Sein unterer äusserer' Ast ist Hach und am Ende nach oben durch - einen aufsteigen- den Fortsatz mit dem. ‚äusseren Ast: des Nasenbeines innig verwachsen. Am Gaumen lassen *) Die Maasse sind in alten Pariser Zollen angegeben. Abh. d. Nat. Ges. zu Halle, Ir Band. 3 u DE diese Aste des Oberkiefers eine schmale, parallelseitige, weit nach. vorn reichende, scharfkan- tige Lücke. | Die Nasenbeine haben die gewöhnliche Winkelform, grenzen innig mit dem Oberkiefer verwachsen an das Stirnbein und tragen an ihrer 'hintern Aussenkante die Schuppe des Thränen- beins; sie umschreiben mit dem Oberkiefer eine länglich elliptische Nasenöffnung,, deren Quer- durchmesser nur wenig kürzer ist, als die Hälfte des Längsdurchmessers. Das Thränenbein (Fig. 2.) besteht, wie immer, aus einem absteigenden Ast 1% und einer horizontalen Schuppe. Ersterer ist nicht sehr lang, gerundet, schief nach hinten und unten gerichtet und nach innen mit einem Höcker versehen (d), woran ein eigner kleiner griffelförmiger Knochen (b) stösst, der in entgegengesetzter Richtung nach vorn und unten herabsteigt und sich mit dem Jochbogen innig durch Naht verbindet, Dieses Thränenver- bindungsbein (os lacrymale - communicans ) ist dem Seriema ausschliesslich eigen; es, er- innert zwar durch die Verbindung des Thränenbeins mit dem Jochbogen an den Typus der Raubvögel, allein bei ihnen ist es der viel stärkere absteigende Ast des Thränenbeins_ sel- ber, welcher die Verbindung bewirkt. Der horizontale Schuppentheil ist relativ gross, und nähert sich auch darin etwas dem Raubvogeltypus; er ist mit breiter Basis an den Rand des Na- senbeines durch eine Naht angesetzt, nach hinten aber mit dem benachbarten Theile des Stirn- beins inniger verbunden, wenn auch nicht völlig verwachsen. Anfangs ist der Knochen, schief nach hinten, aussen und oben geneigt, seitwärts abgerundet und ziemlich dick; später breitet er sich in eine mehr senkrecht als wagrecht gestellte, nach aussen abstehende, leicht gekrümmte Platte aus, deren beide Ränder etwas gebogen sind. Die Spitze ist bei meinem Exemplar stumpf, ohne Spur eines kleinen Supereiliarbeines, welches bei dem Münchener Skelet in Form einer dreieekigen Platte vorhanden ist. Auch Martin gedenkt desselben nicht, obgleich er (S. 30. a. a. 0.) das 'Thränenbein im Allgemeinen beschreibt. Vielleicht ist die Anwesenheit desselben Geschlechtscharakter, denn auch mein Exemplar war, wie das Marrıns, ein Weibchen. 8.7. Die‘Schädelkapsel zeigt einem zugeschärften Orbitalrand, welcher: anfangs in paralleler Richtung nach ‘hinten geht, ‘dann sich seitwärts in schiefer Direction 'ausbreitet (Fig. 3.). Er umschreibt so’ den‘ Schuppentheil des Thränenbeins ‘in ziemlich gleichem Abstande, ' DieStirn ist leicht vertieft und besonders da, 'wo.'der. Ast des Oberkiefers sich anlegt, tief eingedrückt; Eigenschaften, die 'habituelle Aehnlichkeiten ‘mit den Raubvögeln bedingen. In der hinteren \Ge- gend des ‘Obertilrandes wird (die Stirn «flacher und grenzt hier an den 'stark 'gewölbten und dahinter schief abfallenden Scheitel. Der hervorragende Hinterkopf (Fig. 5.) ist nur schwach durch eine stumpfe Kante von dem Scheitel abgesetzt und in 4. flache Grübchen ge- a4 nn u. theilt welche »das Hinterhauptsloch in einem Bogen umgeben; dieWulst für das’ kleine Ge- hirn tritt ziemlich stark hervor.‘ An den Seiten’ der Gehirnkapsel macht sich ein’ schroffer, senkrechter Orbitalfortsatz, der nach vorn scharfkantig ist und nach unten spitzer wird, . sehr bemerklich. Er ähnelt in, seiner Form dem Hühnertypus, ist aber schlanker und länger *). Der Temporaliheil des Schädels ist gross, namentlich sehr breit und giebt durch seine Stärke dem Kopf von hinten ein quadratisches Ansehn. (Fig. 5.); besonders ist auch der un- tere innere Rand der Paukenhöhle sehr stark entwickelt. Die Schädelbasis hat die Form eines Herzens, ist gewölbt und sowohl nach vorn in eine, wie nach hinten in zwei stumpfe Ecken verlängert. Von ihr steigt der grosse Flügel fast senkrecht in die Höhe, die hintere Orbitalwand bildend; indem er sich hinter der tiefen, aber ziemlich engen, bogenförmigen Lücke zwischen dem Orbitalfortsatz des Stirn- und dem Tympanalfortsatz des Schläfenbeins, dem Schläfendorn, empor- zieht. Da wo er an die innere Wand der Scheitelbeine stösst, befindet sich das grosse ovale Loch für den Austritt des Sehnerven.‘ Eine dünne, papierne, aber knöcherne Scheidewand zwischen den. Augenhöhlen,' welche man als Siebbein zu betrachten pflegt, beschränkt dies Loch nach vorn (Fig. 1.); sie begiebt sich aufwärts zum Stirnbein und hat hier, in der oberen Ecke der Augenhöhle, eine sehr längliche, scharf begrenzte Vertiefung, welche grösstentheils in die wagrechte Fläche des Stirnbeines von unten her hinein gedrückt ist und vorwärts hinter dem absteigenden Ast des Thränenbeins in die Nasenhöhle sich senkt (Fig. 1. oben, hinter dem Flügel des Thränenbeins). Sie wird zur Aufnahme einer Nasendrüse (glandula nasalis) be- stimmt sein. Hinter ihr verläuft, in der obersten Ecke, der sehr enge Kanal für die Riech- nerven, ohne äusserlich sichtbar zu werden. Nach unten ruht die knöcherne Augenhöhlen- scheidewand auf dem spitzen Fortsatz des Grund- oder Keilbeins, mit dem sie innig verwach- sen ist; nach vorn bildet sie einen etwas abstehenden Querflügel hinter dem absteigenden Aste des Thränenbeins, der in dieser Gegend die Augenhöhle von der Nasenhöhle sondert, mit dem Thränenbein aber nicht in directe Berührung tritt. Anm. Die bisher. betrachteten Theile des Schädels zeigen, ‘neben mancher Aehnlichkeit mit andern Vögeln, doch überall ihre Eigenthümlichkeiten. Wenn man die scharfen Orbitalränder als Zeichen einer Verwandtschaft mit den Trappen ansieht, se passt dazu die geringe Grösse des Thränenbeins eben dieser Vögel nicht. Auch die knöcherne Augenhöhlenscheidewand ist beim Trap- pen viel ' solider. und ‚namentlich der ‚starke Querflügel "hinter dem absieigenden "Aste des Thränenbeins, init ‚dem er sogar 'zusammentrifft, völlig dem. Bau’ des Seriema unähnlich.. Pso- phia stimmt sowohl hierin, als: auch in ‚dem 'solidera Thränenbeinaste: selbst, mit Otis, ‚aber nicht mit Dicholophus, überein. Wären nicht bei Psophia zwei hintere isolirte Superciliarbeine vorhan- den, so würde sein Augenrandgerüst am meisten mit dem des Seriema Aehnlichkeit haben. Grus wu un. *) Die Analogie mit den Hühnern wird noch vermehrt durch den Schädel des Münchener Skelets, der die bekannte Knochenbrücke zwischen diesem Fortsatz und dem analogen Schläfendorn besitzt, welche den Hühnern eigen ist; mein Schädel hat davon keine Spur und Marrın gedenkt ihrer ebenfalls nicht. Sollte das auch Geschlechtscharakter sein können? 3* Pe EEE hat. zwar viel kleinere 'Thränenbeine, aber ihre ‚Gesammtform ist der 'von Dicholophus sehr ähn- lich ; ‚selbst der: absteigende; Ast zeigt: durch. die schlanke Spitze. eine ‚gewisse. Analogie. Dagegen harmoniren die abgerundeten Orbitalränder, der offene Kanal für die Geruchsnerven,und das in der Mitte durchbrochene Septum weniger mit dem Bau des Seriema; auch die Grenze gegen die Na- senhöhle ist anders, wenngleich die Form des abstehenden Querflügels an ihn erinnert. Mit den Falconiden ist, trotz des knöchernen Septums, keine Verwandtschaft erweislich; auch hat _ Gypogeranus eine grosse Lücke darin. $. 8. Der Quadrat- oder Paukenknochen (1.4.5. e.) hat die. ‚gewöhnliche viereckige Grundform ‚und, keine besonders, starke Entwickelung, wie er sie etwa bei den Raubvögeln annimmt; ich finde, dass der Typus der Kraniche dem des Seriema, am nächsten kommt, Zwar. fehlt ihnen der starke Tympanalast am Schläfenbein, worauf der obere Fortsatz des Quadratbeines ‚sich stützt; allein bei den Raubvögeln ist, dieser Ast noch viel kleiner und beim Trappen ‚ebensoviel plumper. _ Es ‚scheint auch hier wieder. Psophia das ‚Mittelglied zwischen Dicholophus und Grus zu ‚sein, und Otis ferner. abzuliegen;, dagegen haben. alle vier mit dem eigenthümlichen ‚Bau, der Hühner, bei denen der sehr lange Tympanalfortsatz mit dem, Or- bitalfortsatze sich ‚verbindet, einige Aehnlichkeit, . Der obere Ast ist also ziemlich schlank und steckt. sehr tief in seiner Gelenkgrube ‘vor dem Paukenfell; der vordere nach innen gewendete Ast ‚ist nicht. länger, ziemlich schlank, kürzer als beim Kranich ; der untere Ast ist breit, sehr in die ‚Quere gezogen, nach aussen scharfkantig und vorspringend;. er hat zwei ganz getrennte Gelenkflächen für den Unterkiefer ‚(Fig. 4.): eine äussere grössere $förmige, und ‚eine innere kleinere kreisrunde; beide sind. gewölbt, Ueber der inneren stösst _mittelst einer dritten, schiefen Gelenkfläche das Verbin- dungs- oder Flügelbein an den Paukenknochen. Es ist (Fig. 4. d.) ein schmales, an beiden Enden verdicktes Knöchelchen, welches nach hinten mehr drehrund, nach vorn und in- nen mehr flach wird und hier mit dem 'Gaumenbeine zusammentrifft. Beide legen sich da- selbst innig auf die schiefen Ansatzflächen des Grundbeines, so dass das Gaumenbein die vordere, das Flügelbein die hintere Hälfte jener Flächen einnimmt. Anm. Beim: Trappen ist das’ Verbindungsbein viel 'plumper gebaut, ‘beim Kranich zeigt es ziemlich dieselben Verhältnisse, beim Trompetenvogel finde ich es’ feiner’gebildet. Letzterer zeich- net 'sich ‘besonders durch das gewölbte polsterförmige Grundbein zwischen den Paukenknochen aus; der Kranich ähnelt auch darin dem Seriema'am meisten; bei dem Trappen ist diese Fläche relativ kürzer, breiter, nach vorn scharfkantiger und besonders die vordere Strecke des Grundbeins vor dem Sattel viel massiver. —_ u $. 9, Die Gaumenbeine (Fig. 4. 1) sind breiter und flacher als bei den verwandten Vö- geln, namentlich viel breiter als beim 'Trappen und’ Kranich ; sie lehnen sich mit ihrem vor- deren allmälig 'schmäleren "Ende an die ' vordere fläche Ausbreitung des Jochbogens (9) und verbinden sich" vor‘ demselben mit ‘der entsprechenden ‘Fläche’'des'Oberkiefers durch innige Verwachsung. "Von der Gegend an, wo ‚der Verbindungskriochen’ des’ Thränenbeins an den Jochbögen stösst, werden die Gaumenbeine schnell sehr 'breit“und lassen hier nur’ eine'schmäle parallelseitige 'spaltenförmige Lücke, welche 'durch .die herabhängende'Platte des Pflugschar- beines (h) in zwei Hälften getheilt wird; das’sind die Ch o anen. "Vor dieser Spalte umschreiben sie einen,länggezogenen elliptischen Raum, in dem ’die Nasenrhuscheln'des-Oberkiefers (a) liegen ; wo derselbe endet, “beginnt die’ schmale Lücke in’der Gaumenfläche ‘des Oberkieferknochens. Die hinten breitere Platte des 'Gaumenbeins ist anfangs eben, schief nach innen und oben ge- neigt, "beiderseits scharfkantig ; "weiter gegen das hintere Ende enthält sie eine muldenförmige Grube, deren innerer Abfall durch "eine hohe, "senkrechte Randleiste'begrenzt wird. Der schmale Endrand des Gaumenbeines ist leicht 'S förmig' geschwungen und unter dem Fortsatze des Keil- beines in eine 'stumpfe "Spitze ausgezogen, welche sich mit dem’ vorderen Ende des Flügel- beines (d) verbindet. ‘Sein nach oben Kegen die Schädel-Basis gewendeter Rand liegt an letz- terer ihrer ganzen Länge nach, «und* trifft 'mit' ‘dem’ Gegner von’ der‘ ändern’ Seite in'der Mit: tellinie zusammen. | Anm. Auch im Gaumenbein zeigt sich bei Dicholophus eine grössere Aechnlichkeit mit Grus, als mit Otis; ‚doch ist der Knochen ‚bei Grus viel schlanker, die hintere. Hälfte schmäler, in ihrer ganzen Ausdehnung muldig vertieft und am Innenrande mit einer hohen Leiste begrenzt, welche sich neben dem ganzen Rande der ‚Choanenöffnung hinzieht. Psophia hat viel kürzere Gaumenbeine, de- ren hintere breite Hälfte vorn ausgeschnitten ;ist,. wie bei Otis ; wodurch die Gaumenplatte des Gau- menbeins ausserordentlich verkürzt wird. Das Pflugscharbein (Fig..4. h.), beginnt: da,;; wo..die, oberen. Ränder, der Flügelbeine enden ; „es sitzt. ‚hier mit,einer, erweiterten, aber.doch-nur. schmalen ‚Basis -auf..der Spitze des Keilbeines 'und schiebt sich nach“ hinten zwischen die väuseinander "weichenden Flächen der Gaumenbeine hinein. Von dieser schmalen Basis steigt es als eine knöcherne Scheidewand bis in die Choanenspalte hinab und theilt sie in zwei gleiche Theile, verdickt sich etwas nach vorn und endet mit einer scharfen lanzenförmigen Spitze zwischen den vor den Gaumenbeinen gelegenen Nasenmuscheln. Anm. Diese Bildung des Pflügschars ist dem Seriema eigenthümlich. Bei Psophia und Grus theilt sich derselbe ‚Knochen nach "hinten in ‘zwei leistenförmige Schenkel und geht ‘vorn in eine feine lang ausgezogene Spitze über, die.frei zwischen den Nasenmuscheln 'hindurchläuft, ‚ohne sie zu berühren. . Beim Trappen ist vorn eine ähnliche ‚Bildung sichtbar , aber hinten ist der Knochen eine. sehr zarte ‚Platte,. welche. bis ans Ende der Gaumenbeine reicht und mit der -Schädelbasis nur durch eine Haut verbunden ist. — DE u $. 10. Die bekannten. Knochenblätter, “welche nach ‚innen vom. hintera Ende des. Oberkiefer- knochens ‚ausgehen und die ‚Stelle der Nasenmuscheln (Fig.4. a.) zu vertreten 'scheinen, sind bei Dicholophus sehr gross; sie übertreffen in ihrer Ausdehnung zumal nach unten, wie es scheint, alle. anderen Vögel. , Man sieht sie vor ‚der Spitze des Pflugschars, in der Lücke zwi- schen den ‚vorderen schmalen ‚Aesten der Gaumenbeine ‚als ‚zwei kleine längliche, nach vorn abgerundete, ‚nach hinten. spitze Knochen, welche divergirend die abgeplattete Spitze des Pflug- scharbeines zwischen. sich nehmen, Hier. berühren ‚sie ‚zugleich mit ihrem ‚hintersten Ende die stumpfe. Ecke des breiten Theils vom Gaumenbein,. vorn, wo 'sie stumpf gerundet sind, senden sie einen engen Communicationsast über die schmale Spitze. des Gaumenbeines zum Oberkiefer.. Von der wagrechten Knochenplatte geht ein Fortsatz nach oben ‚aus, welcher sich “etwas nach. vorn und: aussen: begiebt, bis ‘er mit dem. aufsteigenden Aste des Ober- kiefers am Nasenbein. ‚zusammentrifft. Dadurch bekommt die Nasenhöhle. in dieser Ge- gend eine äussere Knochenwand, worin an der Basis eine nicht immer gleich grosse Lücke (Fig. 1. a.) sich 'zu befinden. pflegt. An den hinteren Rand des aufsteigenden Fortsatzes setzt sich eine. knorpelige Fortsetzung, wodurch die Muschel mit dem Gaumenbeine und weiter mit dem Septum zwischen den Augenhöhlen in Verbindung steht, so dass die Nasenhöhle nach die- ser Seite hin völlig abgeschlossen wird. Anm, Zwei ähnliche kleine Knochenplatten finden sich auch bei Psophia, aber sie treffen nicht in der Mittellinie des Gaumens zusammen, sondern das Ptlugscharbein geht zwischen ihnen hindurch. Man sieht sie von unten nur in der Form kleiner Wölbungen, die auf dem vordersten schmalen Ast des Gaumenbeins ruhen, in blasenförmiger Ausdehnung durch die Nasenhöhle hinaufsteigen und sich an den aufsteigenden Ast des Oberkiefers von innen her anlehnen. Bei @rus vertritt eine leicht gewölbte Platte zwischen dem hier viel kürzeren Gaumenbein und Nasenbein, die kräf- tig vom Oberkieferknochen ausgeht, ihre Stelle; noch mehr weicht Otis ab. Eine gewisse nicht zu verkennende Analogie mit der beschriebenen Bildung von Dicholophus zeigen die Raubvögel und unter ihnen ganz besonders Gypogeranus, obgleich die nähere Betrachtung ergiebt, dass der Bau im Einzelnen doch ganz anders ist, als beim Seriema. — $. 11. Als letzten: Knochen des. ‚Schädels ist des Jochbogens (Fig. 1. 3. 4.9.) Erwähnung zu thun. Er bildet eine ‚sehr ‚zarte, ‚grade, fast ‚grätenförmige Knochenbrücke zwischen dem äus- seren Aste des Oberkiefers und der äussersten Ecke des Paukenknochens, woran ich keine Sonderung in mehrere Stücke mehr wahrnehmen kann; auch die Grenze ‘gegen den Oberkiefer ist durch Verwachsung unkenntlich geworden. Bis zu dem Verbindungsast mit dem Thränen- bein ist ‘der Jochbogen ‚mehr flach 'als rund, und im grösseren Theile dieser Strecke ziem- lich dicht an den vorderen Ast des Gaumenbeins angelehnt; hinter der’ Commissur zum Thränenbein wird er enger, rundlicher und bald ganz drehrund. An der Verbindung mit dem Paukenknochen breitet er sich in einen flachen Knopf aus, der seitwärts neben der äusseren Gelenktläche des Paukenknochens liegt und hier innig mit dem Paukenknochen verbunden ist, Anm, Die auffallende Gracilität des Jochbogens hat die grösste Aehnlichkeit mit demselben Gebilde beim Kranich; bei der Trappe ist er stärker und etwas nach aussen gekrümmt; bei den Raubvögeln noch viel solider. — $. 12. Der Unterkiefer zeigt in seinem: Bau: nichts wesentlich Eigenthümliches. ' An seiner Spitze nach dem -Oberkiefer etwas herabgebogen, wird er bald grade und. behält diese Rich- tung bis ganz nach hinten. Auf; der vorderen Hälfte seiner: Schenkel ist er vertieft "und am Mundrande ‚scharfkantig aufgeworfen; unter. dem Thränenbein erreicht er seine grösste Breite und umschliesst hier ‚eine ovale schiefe Oeffnung, von deren unterer. hinterer Ecke eine sehr deutliche Naht ‚nach hinten ausgeht, welche ‚die Grenze: des Zwischenkiefers und Oberkiefers bezeichnet; weniger sichtbar ist. eine zweite Naht, die von ‘dem oberen’ Rande des Lochs zu der Ecke am oberen Kieferrande ‚sich 'begiebt, woran die Backenmuskeln sich‘ anheften. Das durch diese heiden Nähte abgetrennte hintere: Stück, der eigentliche Kieferknochen, ist viel kürzer, ‚als der Zwischenkiefer, anfangs sehr dünn, ziemlich hoch uhd zumal ‘am un- teren Rande stark verdickt bis zur Gelenkgegend hin. Hier breitet sich der Unterkiefer jn einer Breite Gelenkung aus, die besonders nach innen sehr stark wird und den ganzen freien Theil des Paukenknochens umfasst, indem an demselben ein bis zum Paukenhöhlenrande hinaufreichender Fortsatz. sich’ entwickelt. Von hinten betrachtet (Fig. 5. f.) hat er das An- sehn eines gleichseitigen Dreiecks ; von aussen sieht man zwei Ecken: eine unter dem äusse- ren Gelenkkopf des Paukenbeines, die andere dahinter, der mittleren Ecke der dreieckigen Endfläche entsprechend; von oben gesehen ist die Fläche des Gelenkfortsatzes vertieft und mit 2 kleinen Gelenkgrübchen für die 'Gelenkhöcker am Paukenknochen versehen; an der Innen- seite ragt der beschriebene hakenförmige Fortsatz. aufsteigend neben ‘der inneren Gelenkgrube hervor. Vor der Gelenkpartie. ist der Unterkiefer scharfkantig und auf dem Rande mit zwei kleinen Höckern versehen, die dei Kronenfortsatze .des Säugelhierunterkiefers entsprechen. Anm, Völlig analog ist der Unterkiefer bei Psophia gebaut, nur die untere Ecke der hinteren dreieckigen Fläche ragt mehr hervor; auch ist die Lücke in den Schenkeln relativ etwas grösser, Otis hat eine relativ kleinere Lücke, eine sehr stumpfe untere Ecke am Hinterende, aber eine sehr spitz ausgezogene mittlere Endecke. Grus ist Psophia am ähnlichsten, nur die Lücke in den Schen- E keln ‚bleibt. sehr. viel. kleiner, während: die, untere: Endecke| noch‘ etwas höher! wird. «Die Tagraub- vögel haben gar keine Lücke in: ihrem. niedrigeren , viel dickeren Unterkiefer. $. 13. Der Hals des Seriema besteht aus dreizehn Wirbeln, wenn man diesen Theil des Ske- lets bis dahin rechnet, wo die angewachsenen Costalfortsätze enden, und die erste durch Ge- lenkung dem Wirbel angefügte Rippe beginnt. Der darauf folgenden ,- isolirte' ‚oder. vollstän- dige Rippen tragenden Wirbel sind acht, nicht sieben, wie Marrın (a. a. 0.8.31.) an- giebt; letzterer scheint den Atlas übersehen und den ersten mit einer sehr rudimentären Rippe versehenen Rückenwirbel noch zum Halse gerechnet zu haben. Auch in den Zahlen der Lenden -' und Schwanzwirbel hat er ‚sich 'geirrt; im Becken befinden sich dreizehn Wirbel, wie A. Wacner (a. a.,0.8. 486.) richtig angiebt und ‘im Schwanze nur sieben, wie ‘der- selbe. Autör schon ; bemerkt, während Martın zwölf: Lenden- und acht Schwanzwirbel zählt. Die Halswirbel sind zierlich und ‘schlank’ gebaut, namentlich viel zierlicher, als die des Trappen; sie ähneln! mehr dem Typus des Kranich, ohne deren Grösse zu erreichen. Die vollständigste Analogie zeigt Psophia ; ganz verschieden, viel solider und kräftiger sind die von Gypogeranus), gestaltet. Bestimmt man ihre Dimensionen nach den Abständen zwischen den vorderen, Rändern der schiefen Fortsätze, so ergiebt sich, dass der erste Halswirbel oder At- las der kürzeste, der sechste von allen. der längste ist,’und von ihm ab die einzelnen Wirbel bis zum Rücken hin an Länge abnehmen, aber nicht gleichmässig, so dass die beiden vor- letzten wieder etwas grösser sind, als der allerletzte. ' Ich finde folgende Grössen an den 'be- zeichneten ‚Stellen: Erster Halswirbel, Atlas, 2% Linien. Zweiter Halswirbel,, 3. Linien, Dritter Halswirbel,, 6'/s Linien. Vierter Halswirbel,, 7°/s Linien. Fünfter Halswirbel , 9 Linien. Sechster Halswirbel, 10"; Linien. Siebenter Halswirbel , 9!/,: Linien. Achter Halswirbel,, 8°/, Linien. Neunter Halswirbel,, 7'/a Linien. Zehnter Halswirbel , 7% Linien. Elfter Halswirbel,, 8!/, Linien, Zwölfter Halswirbel, 8. Linien, Dreizehnter Halswirbel,, 7": Linien. ae WE es Der erste und zweite Wirbel haben keinen Rippendorn, also auch keinen canalis verte- bralis, doch ist auf dem Bogen des zweiten ein recht bemerklicher ziemlich dicker Dornfortsatz vorhanden; auch der Körper dieses Wirbels, gleich wie der des dritten, hat nach unten einen deutlichen, ‚selbständigen Höcker. Dagegen stellt der Atlas bloss einen in der Gegend des Körpers: verdickten dünnen Knochenring dar, an dem, mit Ausnahme der hintern Gelenkfort- sätze, alle Fortsätze fehlen, während das vordere, oder richtiger, das nach oben gewendete Ende des Körpers tief ausgehöhlt ist zur Aufnahme des einfachen halbkugeligen Gelenkkopfes am Hinterhaupt. ; Der zweite Wirbel hat auch hier, wie bei den Vögeln überhaupt, keinen Zahn- fortsatz, um-den sich der Atlas drehen könnte. Die drehende Bewegung des Atlas ist, we- gen des. einfachen Condylus, unnöthig. Am dritten Wirbel beginnen die angewachsenen Rippen als anfangs breite, flache, unterwärts zugeschärfte, zweimal gekielte Brücken über den canalis vertebralis, die später feine, schlanke, unter sich wie mit dem Wirbelkörper parallel laufende Dornen am Vorderrande tragen. Bis zum zwölften Wirbel, ihn mitgerechnet, sind die Kör- per unten der Länge nach ausgehöhlt und am Vorderrande neben der Furche mit zwei kleinen Höckern oder Dornen: versehen, die sich am elften und zwölften Wirbel beinahe zu Bogen verbinden; am dreizehnten Wirbel fehlt die untere Furche, der Körper ist flach und trägt am Vorderrande einen hohen, dicken , etwas comprimirten Höcker, dessen Ende divergirend in 2 Lappen getheilt ist. Obere Dornfortsätze haben, ausser dem zweiten Wirbel, noch der dritte bis fünfte; am. sechsten. ist kaum noch ein Höcker bemerkbar; von da an sind die hinteren Ränder ‚der Wirbelbogen tief. ‚ausgeschnitten, : so dass die hinteren Gelenkfortsätze wie zwei flache Lappen divergirend auseinander gehen; am achten Wirbel ist die Divergenz der Lappen am stärksten; seitdem nimmt sie mit der Tiefe des Einschnitts merklich ab und ist am dreizehnten nur noch als Bucht bemerklich. Eben dieser Wirbel und der zwölfte hat an der Stelle des oberen Dornfortsatzes wieder einen recht merklichen Höcker, wovon Spuren auch an den zwei vorhergehenden wahrgenommen werden; wirkliche Dornfortsätze aber kann man keinen von diesen Höckern nennen, während sofort der folgende Wirbel, welcher eine freie Rippe von höchst rudimentärer Grösse trägt, auch einen unleugbaren Dornfortsatz besitzt. Anm. Die zwei Rumpfskelette, welche ich ausser dem vollständigen Skelet noch mitgebracht habe, zeigen in der Bildung des ersten Rückenwirbels insofern eine bemerkenswerthe Verschieden- heit, als das sehr kleine Rippenrudiment nur bei zweien Exemplaren noch selbständig geblieben, bei dem einen ältesten und stärksten schon völlig mit dem Wirbel verwachsen ist. In dem Fall zeugt sowohl der grosse obere, als auch ein kleiner unterer Dornfortsatz am Körper dafür, dass man diesen Wirbel zum Rücken zu zählen habe. Wollte man ihn zum Halse ziehn, so müsste man 14 Wirbel im Halse und 7 im Rücken annehmen. — 5 ‚Abh. d, Nat. Ges, zu Halle. Ir Band, 4 .: u $. 14. Die Rückenwirbel, deren Zahl in richtiger Begrenzung auf‘ acht zu setzen ist, ha- ben im Körper unter sich fast genau gleiche Länge, nämlich 6 Linien; die vordersten viel- leicht ein Geringes mehr und die hintersten ebensoviel weniger. Sie sind beweglich mit ein- ander verbunden, nur der letzte, achte, ist unbeweglich mit dem ersten Lendenwirbel und den obersten Enden der Darmbeine verwachsen.‘ Die vier vorderen Rückenwirbel haben einen ziemlich starken, aber nicht grade hohen unteren Dornfortsatz; auf dem Bogen sind alle mit einem breiten oberen Dornfortsatz versehen, der allein am ersten Rückenwir- bel kleiner, selbst niedriger und isolirter abgesondert bleibt, Die grossen Querfortsätze zeigen gleiche Länge unter sich, nehmen aber an Breite zu; obgleich weniger, als die oberen Dornfortsätze, denen sie in relativer Breite so ziemlich entsprechen. Dagegen sind die schie- fen oder Gelenkfortsätze an allen Rückenwirbeln schwächer, als an den Halswirbeln. Die Beweglichkeit der Gelenkungen zwischen ihnen scheint von vorn nach hinten stark abzu- nehmen und darum werden auch in entsprechendem Grade die Fortsätze kleiner. Anm. Die Zahl der Hals- und Rückenwirbel des Seriema ist zur Abschätzung zoologischer Verwandtschaften nicht eben geeignet. Psophia besitzt 16 Hals- und 10 Rücken-Wirbel. Grus cineres, die einzige” Art der Gattung, welche ich vergleichen kann, hat 18 Hals- und 9 Rücken- wirbel, obgleich 10 Paar Rippen; denn die letzte erreicht den Wirbelkörper nicht mehr, sie en- det rudimentär im Fleische. Otis tarda zeigt 14 Hals- und 9 Rückenwirbel; Gypogeranus serpen- tarius je 1 weniger, d. h. 13 Hals-, 8 Rückenwirbel, also ebensoviele wie Dicholophus. $. 15. Von den Rippen des Seriema ist wenig zu sagen, ihre richtige Zahl ist acht, wovon gewöhnlich sechs, mitunter auch nur fünf an das Brustbein stossen. Die erste ist stets ein kleiner dreieckiger Fortsatz, welcher mit zwei Schenkeln vom Wirbel ausgeht; der schlankere Schenkel heftet sich vorn an den Körper des Wirbels, der kürzere von unten her an den Querfortsatz, Auf dieselbe Art sind alle folgenden Rippen befestigt, wobei der Wirbelschen- kel, welcher das capitulum wit dem collum costae umfasst, immer länger, der andere Schen- kel, der dem tuberculum costae entspricht, immer kürzer wird. Von diesem Punkte an wird die bis dahin drehrunde Rippe flach und geht in leichter Krümmung gebogen nach unten und hinten. Erreicht sie das Brustbein nicht, so wird sie allmälıg schmäler und spitzer; setzt sie sich aber mittelst des Sternocostalknochens an das Brustbein, so wird sie.nach un- ten etwas breiter und erreicht ihre grösste Breite grade am untersten Ende. Die vierte, fünfte, sechste und siebente Rippe jeder Seite haben unter der Mitte einen kurzen Hakenfortsatz, der scharf nach oben gerichtet ist, aber die nächstfolgende Rippe noch lange nicht erreicht. Die achte Rippe ist zwar die längste, aber etwas schwächer gebaut, als die vorhergehende; die sechste und siebente haben fast gleiche Länge und gleiche Stärke. — Die Sternocostal- knochen sind stark gebaut, in der Mitte mehr drehrund, am oberen Ende flach gedrückt, am unteren in einen breiten angeschwollenen Kopf erweitert, der in eine Gelenkgrube am Brust- beinrande passt. Sie nehmen von vorn nach hinten schnell an Länge zu, und krümmen sich in demselben Maasse etwas mehr; die zwei oder drei ersten sind grade. In der Regel scheinen nur die fünf hinteren Rippen solche Verbindungsbeine zu haben, mitunter findet auch an der sechsten, der dritten von vorn, sich ein Sternocostalknochen, selbst nur an einer Seite. Bei dem grössten Exemplar meiner 3 Rumpfskelette finde ich folgende Maasse: Länge der ersten Rippe 5 Linien. Länge der zweiten Rippe 17 Linien. Länge der dritten Rippe 22 Linien. Länge der vierten Rippe 24 Linien. Länge der fünften Rippe 25 Linien. Länge der sechsten Rippe 25 Linien. Länge der siebenten Rippe 26 Linien. Länge der achten Rippe 29 _ Linien. Länge des ersten Sternocostalbeins 4 Linien. Länge des zweiten Sternocostalbeins 8 „Linien. Länge des dritten Sternocostalbeins 12 Linien. Länge des vierten Sternocostalbeins 14 Linien. Länge des fünften Sterncosotalbeins 181/, Linien. Länge des sechsten Sternocostalbeins ‘ 24 Linien. In beiden Fällen sind nur die graden Distanzen vom Capitulum bis zum andern Ende gemessen, die Krümmungen mitgerechnet würden jene Angaben beträchtlich grösser werden. Anm, Ich habe schon erwähnt, dass die erste Rippe stets sehr rudimentär und nicht bei allen Exemplaren noch isolirt ist; nur eins hat an der dritten Rippe einen Sternocostalknochen, welcher den anderen beiden Exemplaren fehlt. Vollständig ist er sogar nur an der einen Seite vorhanden. Nach den Angaben von A. Wacner scheint das Skelet zu München auch sechs Sterno- Costalbeine zu besitzen. Marrın hat 7 Rippenpaare, worunter 2 falsche angegeben, also die erste rudimentäre Rippe übersehen, und 5 Sternocostalbeinpaare gefunden. Die Zahlenverhält- nisse von Psophia, Grus, Otis ünd Gypogeranus erhellen aus meinen früheren Angaben. Psophia hat sieben Paare ganzer Sternocostalbeine und ein achtes halbes, das sich dem vorhergehenden anfügt; bei Grus sind acht vollständige Paare und ein ähnliches unvollständiges aber grösseres neuntes Paar vorhanden; bei Otis finde ich sechs Paar vollständiger und ein Paar unvollständiger Sternocostalbeine; bei ‚Gypogeranus nur sechs vollständige. : Er und'Otss haben viel solidere brei- 4* BE tere Rippen mit starken Haken, Grus sehr zarte schwache und Psophia ebenfalls schwächere als Dicholophus, aber die Haken daran sind, relativ grösser. $. 16. Das Brustbein zeichnet sich durch einen ungemein hohen, stark am Rande gebogenen Kamm aus, was um so merkwürdiger ist, als die Flügel klein und das Flugvermögen des Seriema sehr gering ist. Damit harmonirt die im: Ganzen geringe Grösse der Platte. Von der Fläche gesehen (Fig. 8. von innen) hat es eine länglich vierseitige Form ; der vordere Rand ist grade und durch einen mittleren kurzen Vorsprung in zwei gleiche Abschnitte ge- theilt; auch die Aussenecken treten merklich nach oben und innen hervor. Die Seitenränder sind auch fast ganz grade, ziemlich diek und mit:5 oder 6 Gelenkgruben für die Köpfe der Sternocostalknochen versehen; diese reichen bis auf zwei Drittel der Länge; im letzten Drit- tel, oder etwas mehr, ist der Seitenrand scharf und am Ende in eine ziemlich lange etwas einwärts gebogene Spitze ausgezogen, welche durch einen tiefen ovalen Busen von der mittle- ren Spitze des Kammes getrennt wird. Letztere ist länger und breiter als die seitlichen, am Ende etwas erweitert und von einem breiten, spatelförmigen Knorpelsaum umgeben. Die Fläche des Brustbeins ist nach aussen stark gewölbt, nach innen hohl, am Vorderrande sehr verdickt und der auf ihr sitzende Kamm anfangs schief zurückgezogen, dann stark nach vorn übergebogen, zugespitzt, am freien Rande kreisförmig gebogen und hinten schnell sehr stark erniedrigt; seine Substanz ist dünn und durch Eindrücke für den: musculus pectoralis minor vorn noch mehr geschwächt. Die Grösse des Knochens erhellt-aus nachstehenden Dimensionen: Ganze Länge bis zum Ende der Knorpelspitze 54 Linien. Breite zwischen den Vorderecken 18%/, Linien, Länge des Seitenrandes 33 Linien. Tiefe der hinteren Busen bis ans Ende des Knorpels 22 Linien. Länge des Kammes 44 Linien. Höhe an der erhabensten. Stelle 13... Linien. Tiefe der Brustbeinplatte an der Innenfläche 11 . Linien. Breite der Gelenkfläche für das Schlüsselbein 7 Linien. Anm. Die Form des Brusibeines steht etwas isolirt und schliesst sich an keine Vogelfamilie innig an. Psophia, die offenbar am nächsten verwandte Gattung, hat ein relativ viel längeres, schmäleres Brustbein, das hinten ganz grade abgestutzt ist, völlig wie beim Kranich, und weder eine mittlere, noch seitliche hervorragende Spitzen zeigt. Das Brustbein von Otis würde man ver- möge des Hinterrandes, worin jederseits zwei kleine Buchten sich befinden, für analog: gebildet ansehen können, wenn nicht die solide breite Form der Platte und der hinten hohe, sehr dicke, = MB vorn abgerundete Kamm ihm ein ganz anderes, viel massiveres Ansehn gäben. Die Aehnlichkeit dieses Brustbeins mit dem von Charadrius, Vanellus, Glareola etc. ist unverkennbar. Von den breiten, bauchigen Brustbeinen der Raubvögel, denen Spitzen am Hinterrande fehlen, kann nun vollends nicht die Rede sein, und die übrigen Luftvögeltypen stehen ihm noch viel ferner. Die meisten Analogien zeigen gewisse Sumpf- und Wasservögel; namentlich die Fulicarien und Py- gopoden, bei denen am Hinterrande zwei ähnliche Busen bemerkt werden. Vgl. Bertnoun Beitr. 2. Anat. Zoot. u. Phys. Taf. VII. u. VM. Fig. 20. u. Fig. 34. $. 17. Das Becken (Fig. 6. 7.) des Seriema ist eben nicht sehr kräftig gebaut, wenn man be- denkt, dass der Vogel hauptsächlich läuft und von seinen Flügeln nur in der Noth Gebrauch macht. Es enthält, wie wir. bereits erwähnt haben, dreizehn Wirbel, deren. erster innig mit dem letzten Rückenwirbel verwachsen ist. Von ihm ab nehmen die Wirbelkörper an Breite zu, aber an Länge ab, bis zum fünften, welcher nicht bloss der breiteste, sondern auch der kürzeste ist; alsdann ziehen sich die Wirbelkörper bis zum Llten mehr zusammen ‚, werden aber etwas länger und höher; die beiden letzten (12 u. 13) sind wieder breiter und. flacher als die vorhergehenden. Die Körper aller dieser. Wirbel bilden einen gemeinschaftlichen Kno- chen, dessen Zusammensetzung aus Wirbeln nur an den davon ausgehenden Querfortsätzen zu erkennen ist. Der Anfang des Knochens ist nach unten gewölbt,, wie ein: gewöhnlicher Wir- bel, aber schon am zweiten wird er flach, dann sogar etwas vertieft bis zum sechsten; hier plattet er sich zu einer Ebene ab, die seit dem zehnten Wirhel zu einem leichten aber scharfen Kiel längs der Mitte aufsteigt. Die Querfortsätze sind hohe, scharfe Kanten, die kreisrunde oder ovale Lücken zwischen sich lassen. Bis zum fünften Wirbel nehmen die Querfortsätze an Länge ab, an Dicke zu, daher die Lücken zwischen ihnen schnell kleiner werden; der Quer- fortsatz des sechsten Wirbels ist verkümmert und deshalb zwischen. dem‘ fünften und siebenten eine gemeinsame sehr grosse Lücke; der siebente Wirbel. hat den längsten. Querfortsatz, die folgenden sind kürzer, schwächer und darum. die Lücken zwischen. ihnen allmälig grösser; der Querfortsatz des elften Wirbels ist sehr stark ‘nach hinten gerichtet, die des zwölften und dreizehnten sind flach, breit, wagrecht abstehend und ihre Lücken aus diesem Grunde wieder kleinere runde Löcher. Der dreizehnte hat auf der Rückseite mitunter einen selbständigen Dorn- fortsatz und seine Querfortsätze stossen an das Darmbein nur zum Theil; da er aber beständig mit dem zwölften innig verwachsen ist, so muss man ihn noch zum Kreuzbein rechnen. — Das Darmbein des Beckens ist sehr schlank, besonders der vordere Theil, welcher sich nur wenig über dem letzten Rückenwirbel seitwärts ausbreitet,, dagegen ihn von oben ganz und den vorletzten zur Hälfte bedeckt. Von da bis zum Pfannengelenk zieht es sich unter einen Bogen zusammen, und bildet dann plötzlich mit dem eingeschlossenen Kreuzbein eine u ME breite, rautenförmige Rückenplatte, deren grössere mittlere Fläche von dem durch eine ge- schwungene Naht begrenzten Kreuzbein eingenommen wird. Die Pfannengrube ist sehr tief und über ihr ragt ein stumpfer, aber sehr äabstebender Höcker am Rückenrande des Darm- beines hervor. In dieser Gegend hinter dem Höcker laufen die Ränder der Darmbeine paral- lel, sind seitlich abgerundet und neben dem letzten Kreuzbeinwirbel in einen zweiten kleineren Höcker hervorgezogen, von dem an die Schenkel des Darmbeins etwas divergirend nach hin- ten auseinander weichen. Vor ihrem Ende haben sie einen dritten Randhöcker und hinter dem- selben eine stumpfe grade Spitze, die bis ans Ende des vierten Schwanzwirbels reicht. Zwi- schen Darmbein und Sitzbein ist gleich hinter der Pfannengrube ein länglich ovales fora- men ischiadicum, das bis in die Gegend des zweiten Randhöckers am Darmbein reicht*) ; das foramen obluratorium ist klein und liegt unter der vorderen Ecke des foramen ischiadieum ; ein kleiner stumpfer Höcker amı Rande des Sitzbeines bildet seine Grenze, Nach hinten reicht das Sitzbein ebensoweit, wie das Darmbein und endet hier mit einem ausgeschweiften schar- fen Rande. Das Schambein ist sehr zart; es beginnt ziemlich breit vom untern Rande der Pfanne und wendet sich nach hinten und unten zum Rande des Sitzbeins, mit dem es sich erst weit hinter dem foramen obturatorium, in der Gegend des dritten Höckers am Darmbein, verbindet. Nun wird es etwas breiter, scharfkantig, läuft am Rande des Sitzbeins fort, er- reicht seine grösste Breite dicht vor dem Ende desselben und biegt sich dann, allmälig. ver- schmälert, unter einem Bogen so stark nach unten und innen, dass zwischen den Enden bei- der Schambeine nur eine sehr kleine Lücke bleibt. Von innen betrachtet zerfällt das Becken durch eine scharfe Kante, die unter der Pfanne sich hinzieht und mit den Querfortsätzen des elften und zwölften Wirbels zusammentrifft, in eine obere und untere Abtheilung; jene enthält die Nieren, diese die Darmwindungen. Wo die Beckenknochen an die Kreuzwirbel-Querfortsätze stossen, bilden sie einen aufgeworfenen breiten Rand zum solideren Ansatz. Die äussere oder Rückenfläche des Kreuzbeines ist bis zum vierten Wirbel von den Darm- beinen dächartig bedeckt, dann tritt sie hervor und bildet eine Ebene, worauf anfangs die Dornen der Wirbel als eine Längsschwiele, hernach durch kleine zwischengelagerte Grübchen, angedeutet sind; nur zwischen den 3 letzten Wirbeln bemerkt man Spuren von Löchern oder Grübchen, welche die Lücken zwischen den Querfortsätzen andeuten. — Die Grössenverhältnisse des Beckens sind aus nachstehenden Maassen zu entnehmen: Länge der 13 Wirbelbeine 38 Linien. Abstand der Pfanne vom Vorderrande 29 Linien. *) Nach der Abbildung von A. Wacner ist dies Loch an dem Münchener Skelet sehr viel kürzer; es hat dort fast eine kreis- runde Form; bei allen 3 Skeleten, die ich besitze, ist; es lang oval. oo. Su... Ihre Entfernung vom Hinterrande des Darmbeins 30 Linien. Länge des Darmbeinkammes über den’ Wirbeln 17 Linien. Abstand der vordersten Darmbeinhöcker von einander 22‘/, Linien. Abstand der mittleren Darmbeinhöcker von einander 22 Linien. Abstand der hintersten Darmbeinhöcker von einander 23°/, Linien. Abstand der vordersten Darmbeinhöcker yon den hinteren Spitzen der Darmbeine 31 Linien. Weite der Pfannengrube 54/, Linien. Länge des foramen ischiadicum 11 Linien, Länge des foramen obluratorium 4 Linien. Länge des Sitzbeins von der Pfanne bis zur hintersten Spitze 30'/, Linien. Länge des Schambeins ebendaher, ohne die Krümmung 40 Linien. Grösste Breite der Darmbeine am Vorderrande 13 Linien, Breite derselben an der schmalsten Stelle über. dem dritten Wirbel 9 Linien. Innerer Abstand der Pfannen von einander 10 Linien. Vorderer Abstand der Schambeine 15 Linien. Grösster Abstand derselben in der Krümmung 26 Linien. Abstand ‚ihrer Spitzen von einander 3. Linien, Breite des Tien (breitesten) Wirbels ‚bis zum Ende der Querfortsätze 15 Linien. Breite des 12ten (schmälsten) ‚Wirbels zwischen denselben Punkten »- 7 Linien, Breite des Sien (kräftigsten). Wirbels. in derselben Richtung 72/3 Linien. Anm. In der Form des Beckens spricht sich die Verwandtschaft mit dem Kranich am deut- lichsten aus, selbst das Becken von Psophia ist minder ähnlich gestaltet, als- das des Kranichs. Zu diesen Aehnlichkeiten gehört ganz besonders: die schmale, hoch dachförmige Gestalt der vor- deren Hälfte der Darmbeine, welche bei beiden Vögeln völlig übereinstimmt, während derselbe Theil bei Psophia relativ viel breiter gebaut ist. Eine überraschende Aehnlichkeit zwischen eben diesem Theil des Beckens und dem der Raubvögel, zumal des G@ypogeranus, lässt sich nicht verkennen, doch breiten sich die vorderen Enden der Darmbeine bei ihnen stets mehr aus, als bei Dicholo- phus und Grus;.sie ähneln noch mehr dem Typus von Psophia. Dicholophus und Grus schliessen sich andererseits zunächst an die Fulicarien, mit denen überhaupt Grus in einer nahen ver- wandtschaftlichen Berührung steht. Uebrigens haben Psophia und Grus funfzehn Wirbel im Becken, von denen drei (der 6—8te) keine Seitenfortsätze abschicken. — Viel solider, breiter, flacher ist das Becken von Ofis gebaut und darin, namentlich auch in der hohen isolirten Lage des Kreuzbeines, ein ganz anderer Vogeltypus ausgesprochen. Von Grus, wie von Otis, unterschei- det sich Dicholophus durch die bei jenen Vögeln völlig isolirten, nicht an das Sitzbein angelehnten Schambeine, welche weniger gekrümmt sind und an ihren Enden viel weiter von einander abstehen. Bei Psophia trifft nun der letztere Umstand zu, aber die Schambeine berühren die Sitzbeine sogar an zwei Punkten, einen vorn, den andern hinten. Ganz analog ist dagegen in dieser einfachen hin- tern Berührung und der ebenso zart gebauten vordern Hälfte Dicholophus mit Gypogeranus und 32 anderen Raubvögeln. Darin indessen mehr, als eine blosse Analogie zu sehen, verbietet die hohe Form der-Sitzbeine, das weite foramen ischiadicum und die relativ viel geringere Grösse des gan- zen Beckens hinter der Pfanne. Freilich haben auch Psophia und Grus eben diesen Theil viel kürzer als Dicholophus, oder wie man sich richtiger ausdrücken müsste: der vordere schlanke Theil des Beckens ist bei Dicholophus mehr verkürzt; wie man schon daraus sehen kann, dass sein Ende nur eine ‚Rippe überdeckt und die zweite erreicht, während bei Psophia und Grus zwei Rippen ganz davon überdeckt werden und die dritte noch erreicht wird. Das ist auch bei Otis und bei- nahe auch bei Gypogeranus der Fall und daher erscheint bei allen diesen Vögeln die Strecke des Beckens hinter der Pfanne kürzer, die davor länger als bei Dicholophus. $. 18. Der Schwanz ist fein gebaut und besteht aus sieben Wirbeln, deren Grösse im Kör- per bei den ersten fünf ziemlich dieselbe ist; jeder hat drei Linien Länge. Desto ungleicher sind die Querfortsätze. Zwar stellen sie an allen flache, schief nach hinten horizontal ab- stehende, am Ende zugerundet erweiterte Lappen dar, aber jeder folgende ist beträchtlich klei- ner als der vorhergehende. Umgekehrt verhalten sich die Dornfortsätze, sie nehmen an Höhe zu,, und: neigen sich je mehr nach hinten um so sichtlicher' nach vorn, zugleich etwas schlan- ker und spitzer werdend. An den vier vorderen Schwanzwirbeln ist der Körper unten flach, am fünften und sechsten bemerkt man vorn zwei scharfe, parallele Höcker, die schief nach vorn hervorragen und kleine, gespaltene untere Dornfortsätze bilden; sie rücken mit jedem folgen- den Wirbel dichter zusammen und verfliessen am sechsten zu einem einfachen, nur am Ende getheilten Höcker.. Dieser Wirbel ist etwas schlanker als die anderen und in normaler Stel- lung nicht mehr gesenkt, wie die 5 vorderen, sondern nach hinten aufgerichtet. Auf ihm ru- het senkrecht schwebend der grosse dreiseitige etwas gebogene, einer gekrümmten Pfeilspitze nicht unähnliche Endwirbel *). Anm. Der Schwanz des Seriema ist zwar nicht so fein gebaut, wie der von Psophia, dem eine ganz ungemeine Kleinheit zukommt, obgleich er ebenfalls sieben Wirbel enthält; aber er steht doch so auffallend ‚hinter der groben Bildung des Schwanzes von Otis zurück, dass kaum eine Vergleichung beider Vögel darin möglich bleibt. Hingegen finde ich bei Grus, der auch sieben Wirbel hat, ziemlich ähnliche Verhältnisse, obwohl die Querfortsätze relativ kürzer sind und. nicht so wagrecht stehen. Gypogeranus hat in Uebereinstimmung mit den Raubvögeln einen viel kräfti- geren Schwanz mit stärkeren, dickeren, mehr drehrunden als flachen Dornen. Auf die Anzahl von 7 Wirbeln darf weniger Werth gelegt werden, weil sie bei den Vögeln überhaupt die gewöhnlichste Grösse der Schwanzwirbel ist. — *) Bei dem Münchener Skelet enthält dieser letzte Schwanzwirbel, nach Nırzsca, am untern Rande zwei ungleiche Löcher hinter einander, welche die Lücken von drei mit einander innig verwachsenen kleinen Wirbeln zu sein scheinen; der Endwir- bel bestände also eigentlich aus 3 Wirbeln und die Zahl aller wäre deren 9 im Schwanze, ı a A $. 19. Die Vorderglieder zeichnen sich in allen Theilen durch Kleinheit und Schwäche aus, sie stehen: in ihren Dimensionen den entsprechenden Abschnitten verwandter Vögel sehr nach, nur Psophia bleibt ‚auch "darin dem verwandtschaftlichen Typus treu. — Zuvörderst hat der Schultergürtel eine sehr geringe Stärke und wieder in ihm das Gabelbein eine für die Grösse des Vogels übertriebene Schwäche, Es bildet einen dünnen, Vförmigen Knochen, dessen : Schenkel Sförmig gebogen sind, um. mittelst dieser Krümmung sich ‚dem Schlüsselbein und Kamme des Brustbeines möglichst parallel zu halten. Nach oben erweitern und verdicken sie sich etwas, berühren den gespaltenen Kopf des Schlüsselbeins an zwei Punkten und gehen neben ihm an der Innenseite vorbei zur äussersten Spitze des Schul- terblatts. Nach unten wird das Gabelbein immer schwächer, grätenförmig dünn und endet mit einer ‚schiefen Spitze, wodurch beide Hälften zusammenhängen, ohne innig. verwachsen zu sein; nur eine, ligamentöse Verbindung findet zwischen ihnen Statt, die allmälig fester wird und bei ganz alten Individuen zu verknöchern scheint, Alsdann bildet sich eine kleine, nach unten hervorragende gemeinsame Spitze, die den jüngeren Vögeln, wo die Enden ‘noch ge- trennt sind, völlig fehlt. Die Länge des ganzen Gabelbeins beträgt bei dem grössten Exemplar 30 Linien, bei dem kleinsten 26 Linien. Das Schlüsselbein ist der stärkste Knochen des Schultergürtels, 24—25 Linien lang, ganz grade, nach beiden Enden zu verdickt, aber am oberen mehr kolbig gestaltet, am un- teren flacher und bloss erweitert. Dies untere Ende zeigt. also eine vordere gewölbte und eine hintere hohle Fläche, einen scharfen inneren wie äusseren Seitenrand und eine leicht ge- bogene schmale Endfläche, welche die Gelenkung mit dem obern Rande des Brustbeines bil- det. Auf der äusseren Fläche läuft eine stumpfe innere und eine scharfe äussere Kante herab, die. sich. in halber Höhe des Knochens verlieren; die äussere rührt von der. Anlage des klei- nen Brustmuskels her, In’ der Mitte ist der Knochen drehrund und nieht .dieker als ein dün- ner Federkiel; nach oben verdickt er sich wieder und bildet hier einen ziemlich grossen zwei- theiligen Kopf. Die äussere Abtheilung des Kopfes ist dicker,’ höher, drehrunder und breitet sich nach vorn, wie nach hinten, in einen. stumpfen Höcker aus; die innere Abtheilung. bildet einen. dünnen zusammengedrückten Haken, der mehr nach vorn als nach hinten gerichtet ist und. die Höhe. der äusseren Abtheilung nicht erreicht. In ‘die Lücke zwischen ‘diesen beiden Abtheilungen legt sich das obere Ende des Gabelbeins ; und bildet dadurch ein rundes Loch, welches scheinbar ‘den Kopf des Schlüsselbeines durchbohrt und. indem sich der dreieckige Kopf des Schulterblatts darüber biegt, nach hinten zwei verschiedene Ausgänge erhält. Das Schulterblatt, einen leicht gebogenen dünnen, nach oben seharfkantigen, nach unten mehr abgerundeten Knochen darstellend, verengt sich etwas nach vorn, wird rundlicher, Abh. d, Nat. Ges. zu Halle. Ir Band. B) Pe 34 Wer stärker, und geht hier in einen dreiseitigen Kopf über, dessen drei Endecken zu zwei starken Höckern anschwellen. Der obere vorderste Höcker stösst an die Spitze des Gabelbeines und verbindet sich zugleich mit dem oberen Höcker der äusseren Abtheilung des Schlüsselbeines ; der untere Höcker stösst zugleich an die innere Abtheilung des Schlüsselbeinkopfes und an die äussere, er verbindet sich breit mit dem Schlüsselbein vor seiner Trennung in zwei Abthei- lungen und bildet, indem er sich nach aussen von dem untern Höcker der äussern Abtheilung des Schlüsselbeinkopfes zurückzieht, mit diesem zusammen die Gelenkgrube für den Ober-, arm. Die ganze Länge des Schulterblatts beträgt 37 Linien; es endet mit einer scharfen Spitze hinter der sechsten Rippe und ist in seiner hinteren Hälfte längs der Mitte etwas vertieft. Anm. Die Bildung des Schultergürtels hat sehr viel Eigenthümliches bei Dicholophus. Bei Psophia ist zwar die Verbindung der drei Knochen am Schultergelenk völlig ebenso, aber sowohl das Gabelbein, als auch das Schlüsselbein sind viel kürzer und kräftiger. Ersteres ist ziemlich breit, flach und unten in eine lange Spitze vorgezogen; letzteres hat statt der innern Abtheilung am Kopfe eine hohe, scharfe, sehr breite innere Randfläche, welche sich schon vor dem Ende an das Gabelbein anlehnt. Auch erreicht die Spitze des Gabelbeins den Kamm des Brustbeins so eben, wälirend bei Dicholophus zwischen beiden eine Lücke von 4—6 Linien bleibt. Grus hat viel Aehnlichkeit mit Dicholophus, aber das viel kräftigere gradschenkelige Gabelbein verwächst be- kanntlich mit der Spitze des Brustbeinkammes, und das sehr dicke Schlüsselbein ist relativ. viel kürzer. Otis zeigt mehr Aehnlichkeit mit Psophia, als mit Dicholophus; das kurze, breite, kräftige Gabelbein erreicht indessen die crista stern nicht, weil letztere abgerundet ist, nicht vorgezogen, wie bei Dicholophus, Psophia und Grus. Analogien zu den Raubvögeln sind nicht da, wenigstens keine besonderen neben den allgemeinen des Vogelgerüstes. $. 20. Der Oberarm ist 48—51 Linien lang, an der breitesten Stelle des oberen Endes 192-—-13 und des untern Endes 91/;—10 Linien breit, in der Mitte nur 4—4?/, Linien stark und übrigens von der allgemein gewöhnlichen, leicht Sförmig gekrümmten Gestalt. Der ei- gentliche Gelenkkopf ist ziemlich klein, durch eine tiefe Furche von dem grossen, langgezoge- nen, abgerundeten Endrande gesondert; über ihm erhebt sich ein hoher, senkrechter Kamm auf dem obern Rande. Die pneumatische Oeffnung ist ein weites rundes Loch unter dem Ge- lenkkopf in der Achselgrube, Die mittlere Gegend des Knochens ist drehrund, mit einer schwachen Kante auf dem obern Rande; das untere Ende ist in die Quere gezogen und in drei abgerundete Höcker gesondert: an dem oberen quergestellten gelenkt der Radius, an dem mittleren langgezogenen hauptsächlich die una. Der dritte kleinste Höcker steht mehr zurück und nach hinten; er schützt das Gelenk als Randleiste, nimmt Theil an der Gelenkung der Ulna, und dient Muskeln des Vorderarmes zum Ansatz. on Die Elle oder Ulma hat mit dem Oberarm genau gleiche Länge, aber nicht ganz dessen Stärke; sie ist drehrund, oben mit einer 'queren zweitheiligen Gelenkfläche versehen, von der nach unten ein kleines, stumpfes Olecranon ausgeht, und am untern: Ende einfach kreisrund begrenzt, mit tiefer Gelenkfurche, im Uebrigen etwas zusammengedrückt. Schwache Spuren der Schwungfedern sind auf ihrer Aussenfläche bemerkbar. Die Speiche oder der Radius ist sehr viel feiner und ein wenig kürzer, anfangs abgebogen von der Elle, dann ihr mehr genähert, zuletzt fast parallel; die Gelenkenden sind schwach und ohne besondere Eigenheiten. — Im Handgelenk sind die gewöhnlichen zwei Knochen unterscheidbar. Die Hand selbst ist kurz ‘und erreicht |nur zwei Drittel des Vorderarms. Der kleine Daumen besteht aus einem Gliede von 6 Linien "Länge, ‘ohne Kralle. Der Zeigefinger hat ein grosses Grund- glied von 20*/, Linien Länge, woran unten der starke Höcker für den Daumen hervorragt; es ist ganz grade, stumpf dreikantig, an beiden Enden verdickt; das zweite Glied misst 91/, Linien, das: dritte 4 Linien. An jenem erweitert sich (der. dreikantige Knochen nach innen in einen schwachen Kamm mit zwei schiefen Grübchen. Der dritte Finger ist schwach; sein Grundknochen zwar ebenso lang wie der des Zeigefingers, aber an beiden Enden mit ihm ver- wachsen und am Grunde so verengt, dass er sich nur an den Knochen des andern Fingers’ anlehnt. Anfangs weicht er unter einem starken Bogen sehr von ihm zurück, dann nähert er sich ihm wieder. Es ist ein dünner flacher Knochen mit erhabenen Seitenrändern, der am untern Ende über den Zeigefingerknochen etwas hervorragt, ‘Daran gelenkt das zweite kleine 5 Linien lange Glied als eine stumpfe, dreiseitige, nach innen etwas erweiterte Knochenspitze. — Anm. Völlig analog verhält ‚sich das Armgerüst von Psophia. Grus hat relativ viel längere Knochen, namentlich ist sein Vorderarm viel länger als der Oberarm; auch weicht die Elle weni- ger von der Speiche durch grössere Stärke ab. Otis übertrifft, bei relativ kürzeren Knochen, darin noch Grus; bei beiden sind auch die ersten Fingerknochen unter sich ganz parallel und die fol- genden Glieder relativ viel länger. Von Gypogeranus gilt dasselbe; Hand und Vorderarm sind grösser. Eine gewisse Aehnlichkeit scheint mir zwischen den kurzen Hühnerflügeln und denen von Dicholophus auch im Knochengerüst Statt zu finden; zumal in der Krümmung des ersten hinteren Fingerknochens. $. 21. Die merkwürdigsten Körpertheile des Seriema sind nicht sowohl wegen ihrer beson- deren Formen, als wegen der überraschenden Länge, die hintern Extremitäten. Vergleicht man sie mit der Länge des ganzen Körpers, den Hals mit eingeschlossen, so hat dieser Vo- gel, nächst dem Secretär (Gypogeranus ‚serpentarius), das längste Bein von allen; nur der H* er en allein übertrifft den Seriema noch. Ich finde die'ganze Körperlänge vom Anfange des Halses bis zum Ende des Schwanzes an meinem: Skelet des Seriema 17 Zoll, die des-Beines bis zu den Zehen 21 Zoll; das Skelet des Hallischen anatomischen Museums von Gypogeranus misst 18 Zoll vom Anfange des Halses bis Ende des Schwanzes, aber seine Beine. bis zu den Zehen betragen 25 Zoll. Bei den übrigen langbeinigen ‘Vögeln ist auch stets der Hals sehr lang und. darum die Grösse des Beines relativ viel geringer; selbst der langbeinige Flamingo steht dem Dicholophus und Gypogeranus sehr nach. Das: ist der Hauptgrund gewesen, diese beiden übrigens so heterogenen Vögel in eine Familie 'zusammenzuwerfen *). Der Oberschenkelknochen ist 31 —3'k Zoll lang, mässig dick, drehrund, an beiden Enden sehr angeschwollen und ohne pneumatische Beschaffenheit, wie das ganze: Bein. Der grosse Trochanter hat eine sehr breite fast kreisrunde Form und ist nirgends bemerk- bar zugespitzt, der Schenkelkopf ziemlich klein, aber der Hals dick, besonders nach aussen zu. Die beiden untern Condyli sind ungleich, der. äussere viel stärker, aber beide scharf durch eine tiefe Gelenkfurche getrennt. Auf: der äusseren Fläche’ des äusseren Condylus zeigt sich eine tiefe Furche, welche einen kleinen oberen kürzern Condylus für. das Wadenbein absondert. — Die Kniescheibe ist klein und: hat eine quere leicht gebogene Form; sie hängt an einer langen Sehne, ‚und reicht dadurch bis über die Gelenkköpfe am Schenkelknochen hinauf. — Der Unterschenkelknochen ist der längste des Skelets, er misst 9, — 9%, Zoll, An seinem oberen Ende besteht er aus Schienbein und Wadenbein, aber das. letztere ist sehr schwach und reicht nicht völlig bis zur Mitte des’ ersteren hinab. — Das Schienbein hat einen dicken breiten Gelenkkopf, dessen Endfläche um einen Höcker ein Grübchen bildet, hinten mit zweihöckerigem Rande vortritt und darunter abgeplattet, selbst etwas vertieft ist. Vorn trägt es einen ungemein hohen, abgerundeten, weit vorragen- den Kniehöcker, der an seinem Grunde zwei kleinere Höcker neben sich hat und selbst zu einer dünnen kreisrunden Platte mit. verdicktem Rande. senkrecht emporsteigt. Der innere Ne- benhöcker ist kleiner, und liegt vor dem inneren Condylus; der äussere bildet einen hohen, schief abstehenden, mit der Spitze abwärts gerichteten Haken vor dem Kopfe des Wadenbeins, und beschreibt dadurch eine fast allseitig von knöchernen Wänden begrenzte starke Vertiefung **). So hoch und scharfkantig finden sich diese Theile wohl bei keinem andern Vogel. Unter den Kniehöckern wird das Schienbein schnell schmäler, bleibt aber noch in die Quere gezo- gen; später nähert es sich dem drehrunden Umriss und behält in der unteren Hälfte nur eine ganz schwache Aussenkante. Ueber dem unteren inneren Gelenkkopf zeigt sich die bekannte *) Wollte man die Zehen mitrechnen, so würden die langzehigen Parren wohl die längsten Beine unter den Vögeln ha- ben, Diese Bezeichnung wäre aber gewiss eine sehr misshräuchliche. **) Es ist diese allen Vögeln in analoger Form zustehende Lücke zwischen dem äusseren Kniehöcker und dem Wadenbein, wel- che der Prinz y, Nkuwıen als eine geschlossene, dem Seriema eigenthümliche Rnochenkapsel beschrieben hat, Beitr. IV, 575. a Knochenbrücke ‘zum Durchgange ‚der Sehne des Zehenstreckers als eine ziemlich breite, flache, schiefe Leiste neben dem Rande, ‘der zum Condylus geht. Beide untere Gondyli sind gross, scharfkantig, aussen vertieft und viel breiter als hoch. Das Wadenbein ist sehr schwach; es ragt oben mit einem ziemlich dicken, stumpf- eckig dreiseitigen Condylus über das Schienbein hervor und legt sich damit in die Furche am condylus exiernus femoris; dann zieht es sich schnell zusammen, ist von vorn nach hin- ‚ten comprimirt und abgekrümmt vom Schienbein, wodurch zwischen beiden ‚eine: ovale Lücke von 4—5 Linien Länge entsteht. Unter ‚denselben. legt. sich das Wadenbein auf eine Strecke von 1‘ Zoll wieder an das Schienbein an, verwächst mit ihm, wird schnell sehr dünn und löst sich darauf wieder unter der Form einer feinen Knochengräte von ihm ab. So gestaltet reicht es noch 2 Zoll am Schienbein hinab und verschwindet hier, indem es in seine Substanz ganz allmälig übergeht. Die ganze Länge des Wadenbeins beträgt 4—4'/, Zoll, — Der Laufknochen erreicht beinahe die Länge des Schienbeines; er misst 81,— 8! Zoll. Er beginnt oben mit einem starken Gelenkkopf, der am Ende zur Aufnahme des Schienheins zweimal ausgefurcht ist. Darunter zieht sich. der Knochen zusammen, nachdem er 'zuvörderst vier stumpfe Kanten dargestellt hat, von denen die vorderen allmälig niedriger, am Knochen hinablaufen, die hinteren schnell abgestutzt enden. Später erheben sich an der hinteren Seite wieder zwei Kanten, von denen besonders die äussere hoch und scharf. ist. Dadurch erhält der Laufknoten ein vierkantig prismatisches Ansehn , wobei jedoch die. leichte Vertiefung der Flächen ‘zwischen den Kanten nicht zu übersehen bleibt.‘ Die. äussere ist von den vier Flä- chen die breiteste, die hintere die schmälste, ‘Im letzten. Viertel ‘des Knochens nehmen die Kanten an Höhe ab, besonders: die hinteren; der Knochen nähert sich der cylindrischen Form und. wird zuletzt platt nach vorn und hinten. So geht er in den unteren dreitheiligen Gelenk- kopf,; dessen mittlerer Höcker am: stärksten hervorragt, über. Jeder von diesen drei Höckern bildet. einen für. sich ausgefurchten. selbständigen 'Gelenkkopf zum‘ Ansatz einer der drei vor- dern Zehen. In der Furche, welche von oben herab zwischen den äusseren und mittleren Ge- lenkkopf sich .begiebt, ist das gewöhnliche kleine Loch zum Durchgange der Sehne des ad- ductor digiti externi vorhanden. Anm. Die bisher betrachteten Theile des Knochengerüstes der hinteren Extremität zeigen die allervollständigste Uebereinstimmung mit. Psophia; alles ist genau ebenso, auch die Form der Lei- sten und Höcker am Kniegelenk. Nächstdem harmonirt Grus am meisten darin mit Dicholophus ; namentlich auch in der relativen Länge der Theile und in der Form der Knieleisten. Otis hat ei- nen viel plumperen Bau, einen relativ viel längeren Schenkel, viel kürzeren Lauf und sehr viel dickere Knochen. Am Kniegelenk sind die Knorren und Leisten dicker, rundlicher und das Wa- denbein reicht weit über die Mitte hinaus am ‚Schienbein hinab.‘ Gypogeranus, in den relativen Dimensionen der Knochen höchst ähnlich, gleicht dem Seriema weniger in deren Formen; beson- ders am Knie, dessen Leisten und Höcker niedriger, kleiner erscheinen. Ein bemerkenswerther Unterschied liegt in der Form der Leisten oben am hinteren Rande des Laufknochens unter dem Hackengelenk. Keiner von allen diesen, Vögeln hat, hier zwei so völlig gleiche oberste Randhöcker, selbst bei Psophia ist der innere viel grösser, als der äussere und beide sind dichter aneinander gerückt. Grus geht noch weiter, er hat nur einen einzigen sehr hohen langen Höcker, der nach aussen etwas dicker und mehr abgeplattet ist, als nach innen; Otis ähnelt Psophia, doch stehen die beiden ungleichen Höcker viel weiter von einander ab und darin harmonirt die Gattung mehr mit Dicholophus. Bei Gypogeranus sind die 2 Höcker ebenso weit von einander entfernt, wie bei Dicholophus, aber viel kürzer, am Grunde verbunden abgeschnürt und nach unten in eine starke Kante verlängert, die bei Dicholophus nur als Schwiele auftritt. $. 22, Die Osteologie der Zehen ist die gewöhnliche; Dicholophus hat vier Zehen mit zunehmender Gliederzahl. Eigenthümlich bleibt nur ihre auffallende Kürze für einen so gros- sen Vogel und darin kommt kein anderer ihm näher, als Gypogeranus; selbst Psophra hat relativ bedeutend längere Zehen. Die erste oder hintere Zehe ist sehr klein, sehr hoch nach oben gerückt und so kurz, dass sie den Boden nicht einmal mit der Spitze berührt. Ihr kleines Metacarpusbeinchen hängt am untern Ende der inneren Randkante des Laufknochens, ist anfangs dünn, flach, ver- dickt sich dann und bildet eine Endfläche, woran das kurze Zehenglied mit dem hakig ge- bogenen Krallengliede sich ansetzt. Alle 3 Knochen sind zusammen kaum. 1 Zoll lang. Die zweite, innerste Zehe hat 2 ziemlich gleich lange Grundglieder und ein sehr gros- ses stark gebogenes Krallenglied; die Länge des ersten Gliedes beträgt 6 Linien, die des zweiten 5° Linien. Das Rrallenglied ist völlig so stark gekrümmt, wie bei den Falken und mit einem ganz ähnlichen Nagel bekleidet, dessen Spitze frei über dem Boden schwebt und völlig unabgenutzt ist. Die dritte oder mittlere der drei vorderen Zehen ist die längste, sie misst 21, Zoll, wovon auf das erste Glied 11", Linien, auf das zweite 7 Linien, auf das dritte 5 Linien und der Rest auf das Krallenglied kommen. In demselben Maasse nimmt die Stärke der Glie- der ab. Das erste hat einen sehr dicken condylus basalis und ist überhaupt das stärksie Ze- henglied. Das Krallenglied ist sehr wenig gekrümmt, und die Kralle selbst ist sehr abgenutzt. Am Grunde erhebt sich ihr Innenrand leistenartig, an den Kamm der Reiher erinnernd; das Ende ist schnell: zugespitzt. Die vierte, äusserste, Zehe ist die zierlichste und schwächste; sie hat 1 Zoll 7—8 Li- nien Länge und besteht aus fünf Gliedern, deren Grössenverhältnisse folgende sind. Erstes Glied 77/4 Linien, zweites Glied 3 Linien, drittes Glied 2'/a Linien, viertes Glied 21, Linien, 39 fünftes Glied 5°, Linien. Die Kralle auf ihm ist zwar etwas stärker gekrümmt, als an der dritten Zehe, aber lange‘ nicht 'so stark, wie an der zweiten; ihre Spitze ist abgenutzt und ihr Rand nirgends erweitert. Anm. Eine Vergleichung dieser eigenthümlichen zierlichen Fussbildung des Seriema mit anderen Vögeln ist nicht gut möglich, weil keiner so kurze Zehen bei so langen Beinen besitzt, als nur er und Gypogeranus. Raubvogelartig aber ist der Fuss von Dicholophus durchaus nicht; die kräftige solide Form aller Knochen, namentlich auch des Krallengliedes; die tief unten angesetzte Hinter- zehe, die überall gleich stark gekrümmten und gleich scharfen Krallen, lassen eine nähere Verglei- chung mit G@ypogeranus nicht zu. $. 23. Wir ‚schliessen die Betrachtung der Osteologie des Seriema mit einigen Angaben über die Pneumaticität seines Knochengerüstes. Es gehört nicht zu den besonders luftreichen, was schon die geringe Entwickelung seines Flugvermögens wahrscheinlich macht. Nicht pneuma- _ tisch ‚sind am Schädel nur einige kleine. Stellen; z.B. der untere Verbindungsknochen des Thränenbeins und das Jochbein. Am Halse ist der Atlas ohne Luft; im Brustkasten zeichnet Sich das kleine schwache Gabelbein durch den Mangel lufthaltiger Räume aus; auch die fünf letzten Schwanzwirbel sind an meinen Skeleten nicht pneumatisch. Der vorderen Extremität fehlt die Luft vom Ellenbogengelenk an, der hinteren dagegen in allen ihren Knochen. Die übrigen Stücke des Knochengerüstes sind pneumatisch. Anm. Bei dem Skelet von Psophia in unserer Sammlung ist, mit Aüsnahme des Gabelbeines und aller Schwanzwirbel, die Pneumalicität auf dieselben Knochen beschränkt. Grus dagegen be- sitzt zwar ein pneumatisches Gabelbein, aber keine lufthaltigen Schwanzwirbel. Bei Otis ist noch der Oberschenkel pneumatisch, bei Gypogeranus ebenfalls, und bei beiden auch der Schwanz nebst dem Gabelbein. 2. Splanchnologie des Seriema. Hierzu Tafel Il. (Lagoa santa, d.. 16—20. Juli, 1851.) $. 24. Nach Eröffnung: der Rumpfhöhle erschienen zuvörderst die Luftzellen, von denen die Leberzelle (Fig. 1. IM) durch Zerreissung beschädigt war. Die rechte vordere Sei- tenzelle (1) erfüllte den unteren Seitenraum der Brusthöhle und reiehte von der hinter- sten Rippe bis vorn aus der Brusthöhle über die grossen Blutgefässe hinaus eine kurze Strecke am Halse hinauf. An der vorderen Hälfte ihres inneren Randes liegt der Bogen der Aorta, Die linke vordere Seitenzelle (ll) nimmt den entsprechenden Raum an der an- deren Seite der Rumpfhöhle ein, ist aber viel kürzer, weil die hintere Seitenzelle hier höher hinauf’ reicht. . Sie begiebt sich nach vorn ebenfalls über die Carotis bis zur Halswur- zel und. liegt hier, wie die rechte zwischen dem Oesophagus und der Halsmuskulatur, so zwi- schen der. Luftröhre und dem Halse 'eingeklemmt, von den unter ‘ihr verlaufenden grossen Blutgefässen gleichsam getragen. ' ‚ Den mittleren Raum zwischen diesen beiden Luftzellen er- füllt der Herzbeutel mit dem Herzen und den grossen Blutgefässstämmen. Die beiden hin- teren Seitenzellen (IV) liegen hinter den vorderen und erstrecken sich an beiden Seiten der Bauchhöhle bis: zu ihrem. Ende ‚hinab. Ganz vorn haben sie die Leber, demnächst im mittleren Theile ihres Laufes den Magen’ zwischen sich, hinten umfassen sie die Windungen des Darmkanales und sind hier mit der Darmzelle. verwachsen. Die linke Seitenzelle ist be- trächtlich ‚länger als die rechte, denn sie reicht, bis zur dritten wahren Rippe, die rechte da- gegen nur bis zur fünften ;. hinten enden beide: in der Gegend der Schenkel des Schambeines, — In dem Raum zwischen diesen 'beiden Darmzellen ist das Netz über oder vielmehr unter den Eingeweiden ausgebreitet, Es beginnt vom hinteren Rande der Leberzellen und überkleidet, von dort ausgehend, die ganze unten freie Seite des Magens, innig und fest mit ihm durch Anwachsen verbunden. Neben dem Magen heftet es sich zu jeder Seite an die Seitenluftzellen und hinter dem Magen hängt es frei unter den Eingeweiden bis zum Ende der Bauchhöhle hinab. Es ist eine zarte durchsichtige Membran, aber etwas derberen Baues, als die Haut der Luftzellen, und unterscheidet sich leicht von den letzteren durch die Fettmassen, welche in dem Netze eingeschlossen sind. Sie bilden flache dünne Fettstreifen von verschiedenem Um- fange und röthlich-gelber Farbe. Eine sehr grosse Gruppe mit breiten sternförmig angeord- neten Lappen sieht man an der linken Seite des Magens hinaufsteigen. Ihr gegenüber treten an der rechten Seite nur isolirte ovale oder runde Blättchen auf, welche sich auch über den Anfang des Magens unter die Leberenden ausdehnen. Ebensolche aber grössere Fettmassen u Mi = enthält das Netz hinter dem Magen. Sie sind hier zu zwei unregelmässigen Reihen geordnet und breiten sich mehr über die Seiten des Netzes neben den hinteren Seitenzellen aus. Ein schmaler Fettbogen zieht sich quer durch das Netz an seinem Ende hin. Das Ende selbst ist frei. — Anm, Die Luftzellen des Seriema bieten nichts Eigenthümliches dar, sie verhalten sich wie die Zellen der meisten Vögel. Ihre Mündungen aus der Lunge her, welche der Regel nach in der hin- teren Hälfte jedes Lungenflügels liegen müssen, habe ich nicht deutlich gesehen, weil die Lunge durch den Schuss stets verletzt und mit Blut gefüllt war. $. 25. Unter den Eingeweiden der Rumpfhöhle nimmt der Nahrungskanal mit seinen Anhängen bei weitem den grössten Raum ein und bietet sich dadurch der Betrachtung zu- nächst dar. Als erster Abschnitt desselben läuft noch ausserhalb der Rumpfhöhle der Schlund (Oesophagus) am Halse herab. Derselbe bildet bei Dicholophus ein einfaches Rohr von 1%, Zoll Umfang und 6 —7 Zoll Länge, Seine Wandung ist ziemlich derbe und seine innere Oberfläche in unregelmässige stumpfe Längsfalten gelegt, die äussere dagegen prall. Eine kropfartige Erweiterung ist nicht vorhanden. Der Oesophagus liegt mehr an der rechten Seite des Halses, während die Luftröhre mehr nach links geschoben ist. Dies Verhältniss ändert Sich, sobald beide zwischen die Gabel des Schultergürtels treten, denn jetzt drängt sich der Oesophagus nach oben, die Luftröhre nach unten, und bald liegen beide nicht mehr neben einander, sondern unter einander. An eben dieser Stelle verengt sich der Oesophagus be- merklich; er wird, je tiefer er in die Rumpfhöhle eindringt, um so enger, bis er den Raum hinter dem Herzen erreicht hat. Da ist sein Ende. Eine kleine kaum 1 Zoll lange ellipti- Sche Anschwellung, deren äussere Oberfläche ein höckeriges Ansehn gewährt, sondert sich hier vom Nahrungskanal als selbständiges Glied ab und bildet den Vormagen (V). Jenes höckerige Ansehn rührt von den zahlreichen elliptischen Drüsenbälgchen 'her, womit die innere Oberfläche . desselben in gedrängter Anordnung besetzt ist. Jede Drüse hat die Grösse eines Senfkomnes nd an ihrer nach innen gewendeten Seite eine offene Mündung, welche in die Höhle des Vormagens führt. Ich zählte beim Seriema 16—20 Drüsen in jeder Längsreihe, 25 — 30 in den mittleren Querreihen, und 14-18 in den ersten und letzten Querreihen, da wo der Vormagen den geringsten Umfang hat. Nimmt man von diesen Zahlen das Mittel, so darf man die Menge aller Drüsen im Vormagen auf 350 anschlagen, Eine Ansicht desselben von innen gewährt, die Zeichnung, Taf. Il. Fig. 5.5; von aussen ist er in Fig. 3. unter V. dar- gestelli. — Der Magen (M) ist ein grosser Sack mit dicken Wandungen von wahrhaft pomeran- 2enförmigem Ansehn, aber stärker zusammengedrückt, also niedriger, als jene Frucht. Er steht auf Abh. d. Nat. Ges, zu Halle. Ir Band. 6 der. hohen Kante mitten!in. der Bauchhöhle, so dass. seine ‚beiden breitesten-fast ebenen Flä- chen nach. links, und ‚rechts; gewendet sind, Dabei neigt er sich ein wenig. mehr auf: die rechte ‚Seite. Sein vorderes Ende mit der Ein- und Ausmündungsöffnung ist etwas niedriger, als das entgegenstehende hintere, und deshalb erscheint er, von der Höhe betrachtet, hier breiter, als yorn. Ziemlich auf der Mitte einer jeden von beiden breiten ebenen Flächen, doch etwas mehr ‚nach. vorn gerückt, zeichnet sich eine. weisse, ‚sehnige, ‚kreisrunde. Scheibe aus, welche ‚den bogenförmig über die gewölbten. Ränder des Magens gespannten :Muskelfasern zum Ansatz dient. Von den Rändern jener Scheiben gehen die: Muskelbündel aus, : divergiren unter einander, werden aber doch je weiter von der Scheibe um so dicker und breiten sich in die Fläche aus, so dass sie eine zusammenhängende Muskelwand um den am stärksten gekrümmten Theil des Magens bilden. Diese Wand ist anfangs, an der Sehnenscheibe, kaum */» Linie, dick, schwillt aber später bis auf 1/,—2 Linien Dicke an, und erreicht da- mit, so namentlich am. ‚hintersten Ende des Magens, ihre, grösste Stärke. Sie ruht. nach in- nen ‚auf einer ‚weichen -filzigen Haut, die innig: mit; den. Muskelfasern verwachsen: ist und wird äusserlich. von: dem, angewachsenen. Theile des Netzes, oder einer viel dünneren Mesen- terialschieht, bekleidet:, ‚Ueber jener inneren filzigen Magenhaut, ‚der Trägerin des Muskelfelles, verbreitet sich die, ‚derbere ‚feste: lederartige innerste Magenhaut, welche. auch. beim Seriema nur locker an jener auderen Haut anhängt und „sich ebenso leicht abziehen lässt, wie bei andern Vögeln mit, lederartiger Magenauskleidung, z: B. den ‘;Hühnern. ' Nichtsdestoweniger. kann man den Magen von Dicholophus durchaus, nicht. mit dem der Hühner vergleichen; denn. von ihren grossen, dickfleischigen, halbkugelförmigen. Magenmuskelo ist bei ihm keine Spur; sein Magen ist vielmehr ein. weiter. Sack. mit muskulöser Wandung, aber kein eigentlich. ‘wahrer. Muskel- wagen. ‚Auch zeigt, die, innerste lederartige. Magenhaut keine Spur. von Falten; sie ist gleich- mässig eben, wenn; auch, nicht glatt, ‚sondern wie rauhes Leder, filzig. rissig, fast faserig. We- der an,.der, Cardia, noch. am Pylorus, ‚bildet sie einen ‚scharfen. Absatz, sondern ‘sie verliert sich, an beiden Stellen, ganz; allmälig. Scharfe Grenzfalten sind dort; nicht. vorhanden, Jene beiden schon erwähnten Magenmündungen: liegen ganz am: vordersten. Ende. des Magens, dicht neben einander: ‚Die Cardia, welche. vom Vormagen her in. den Magen: hineinführt, ‚hat einen eiwas grösseren Umfang, als ‚der; über. ihr. gegen den Rücken hin, doch etwas. zur. Seite ge- wendete Pylorus. Eine schwache Strictur, die äusserlich kaum bemerkt wird, trennt an die- ser Stelle den Magen vom Dünndarm; zwischen: Magen und Vormagen. ist die Abgrenzung. be- stimmter, wenigstens; äusserlich ‚bezeichneter, die Oeffaung. aber, ;welche von. hier in. den Magen führt, doch weiter, als der. Umfang des Pylorus. — Anm, Der Magen des Seriema stimmt; mit dem -diekwandig fleischigen Magen des Kranichs gar nicht, überein, aber ebenso wenig mit dem: schlaffwandigen fast häutigen Mägen der Tra ppe® Namentlich | ist, die, beutellörmige. Form, desselben. bei, Otis, abweichend. Die meiste Achnlielikeit — zeigt der Magen der Störche, sowohl durch seine pomeranzenförmige Gestalt, als auch durch die Beschäffenheit der ziemlich muskulösen Wandung; doch ist der Magen der Störche relativ viel flacher, ihre Sehnenscheibe grösser und die muskulöse Peripherie kleiner. Der Mangel des Kropfes harmonirt mit dem Typus der Sumpfvögel und ebenso die Gestalt des Vormägens, der auch dem Storehtypus analog ist; die Reiher besitzen bekanntlich einen relativ viel grösseren Vormagen. $..26. Der Dünndarm entspringt aus dem Magen zwar nach vorn, wendet sich aber sofort mit einer beträchtlichen Krümmung nach hinten, um die bis fast ans Ende der Bauchhöhle reichende Schlinge zu bilden, in welcher das Pancreas seine Stelle erhalten hat. So weit diese Schlinge reicht, und namentlich bis zum Einmündungspunkte der Gallen- und pancreati- schen Gänge, ist der Dünndarm steilwandig, prallrund und etwas unregelmässig fein quer- Sefurcht, wegen der Muskelfasernringe, die ihn hier umgeben; sein Durchmesser beträgt auf dieser Strecke /; Zoll, sein Umfang also I Zoll. Hernach wird der Dünndarm schlaff- häutig und hat in Folge dieser Eigenschaft ein schr üngleiches, wenig geregeltes Ansehn ; bald ist er eng und drehründ, bald bauchig aufgetrieben, bald flach ausgebreitet, je nachdem an dieser oder jener Stelle sich mehr Contenid in ihm angesammelt haben. So, erstreckt er Sich in vielfachen: Windungen hinter’ dem’ Magen durch die Bauchhöhle und erreicht eine Länge von 33 Zoll. Da münden in den Darmkanal die beiden Blinddärme und bezeichnen So den Anfang des Diekdarmes. Letzterer ist nur an der Eimnmündungsstelle der Blind: därme" weiter als der Dünndarm, übrigens aber weder in Förm «noch Bau von letzterem ver- Schieden , erst gegen das Ende wird er etwas festwändiger. Seine Länge bis zur Kloake be- Wwägt 5° Zoll. Sie-ist eine weite, innen kurz zotlige, wie chagrinirt erscheinende, querellipti- Sche Höhle vor dem After, die noch die uretherae und bursa Fabriei in sich aufnimmt. — Die Blinddärme haben ganz das Ansehn des Dünndarmes und seine dünnwandige Beschaffenheit. Sie erweitern sich allmälig von ihrer Einmündung in den Darmkanal nach öben und erreichen bis zu ihrem Anfange hinauf fast den doppelten Umfang. Jeder von ihnen ist durch eine Mesenterialfalte, die Fettstreifen neben den Blutgefässen einschliesst, innig an den Dünndarm "befestigt, «und beide begleiten denselben, ‘gleichsam als zwei gegenüber stehende Anhänge, so’ weit sie reichen, 'd. K. auf eine Länge von 13 Zoll. ‘Der rechte Blind- dar ist noch etwas länger und an seinem Anfange in einen engeren Zipfel ausgezogen, der \inke beginnt stumpf zugespitzt. Beide liegen mit dem Theile des Dünndarmes, an dem Kar a nahen, in Ir IORIOENER . Pen BRDNNKEEEEE —_— ven Ben und 6* Anm. Die Beschaffenheit des Dünndarmes weist auf keine nähere Verwandtschaft entschieden hin; aber . die langen Blinddärme passen entschieden zum Typus der Kraniche, Wasser- hühner und Trappen, welche nächst dem Seriema wehl die längsten unter den nicht hüh- nerartigen Vögeln besitzen. Beim Kranich pflegt ihre Länge 4—5 Zoll zu betragen, bei der Trappe dagegen 2—3 Fuss, wobei indessen die sehr grosse Länge des ganzen Darmes ebender- selben nicht zu übersehen ist. Beim Seriema scheint übrigens ihre Länge grossen Schwankungen zu unterliegen, denn Marrın giebt die Länge des ganzen Darmes zu 2 Fuss 10 Zoll, die der Blinddärme nur zu 7°/, Zoll an, d. h. wenig über halb so lang, wie ich sie gefunden habe. Die innere Oberfläche des Darmkanales, worüber ich mir nichts notirt habe, obgleich ich die Därme alle öffnete und auf. Eingeweidewürmer untersuchte, beschreibt Marrın im Dickdarm als längsfaltig; die Zotten in der Kloake führt er ebenfalls an. — Einen Divertikel habe ich nicht bemerkt. — $. 27. Mit dem Darmkanal stehen in Verbindung die Leber und das Pancreas. — Erstere liegt in normaler Stellung so vor dem Magen, dass ihr hinterer Rand noch etwas unter sei- nen Anfang vorragt. Sie besteht aus zwei ziemlich gleichen Hälften, die eigentlich völlig getrennt sind, aber in. der Tiefe vor dem Magen durch einen breiten Isthmus verbunden werden. Nach vorn klaffen beide Hälften weit von einander und nehmen in den dadurch ge- bildeten dreieckigen Raum das Herz zwischen sich, Der etwas grössere rechte Leberlappen hat 2'/ Zoll Länge und über 1 Zoll Breite; er ist an beiden Enden abgestutzt mit gerun- deten Ecken und etwas flacher, d.h. nach innen und oben niedriger, als der linke. Unter dem rechten Lappen liegt in seiner hinteren Hälfte die Gallenblase in einer freien Lücke, welche zwischen dem Lungenflügel, dem Leberlappen und dem Magen übrig bleibt. Die Gallen- blase ist herzförmig gestaltet, so gross wie eine mässige Haselnuss, nach vorn stumpf, nach hinten spitz und dort mit einem Ausgange versehen (dem ducius cysticus), welcher in grader Linie zu dem über dem Magen befindlichen aufsteigenden Aste der Dünndarnischlinge hinüber- geht und in denselben einmündet. Dieser Punkt ist gegen 9 Zoll vom Pylorus entfernt. Der linke Leberlappen hat nur 2 Zoll Länge, aber zumal nach hinten eine beträchtlichere Dicke; er ist an beiden Enden zugespitzt, am hintern aber mehr als am vordern. : Aus ihm, oder eigentlich aus dem Isthmus, welcher beide Lappen verbindet, entspringt mit 2 divergirenden weiten Aesten, die vom linken und rechten Lappen herkommen, der Lebergang (ductus hepa- ticus), ein dem Gallengange ähnlicher aber längerer Kanal, welcher dieselbe Richtung wie die- ser einschlägt und */, Zoll vor ihm in den Dünndarm sich einsenkt. — Auch das Pan- creas ist in zwei ziemlich gleiche Hälften getheilt. Jede von beiden bildet einen langen, schmalen, ungleichmässig eingeschnittenen, röthlich grauen Drüsenkörper in der schon be- schriebenen Schlinge des Dünndarms. Beide Drüsen sind nach hinten etwas spitzer, sonst aber bald einzeln, bald unter sich, etwas schmäler oder etwas breiter gestaltet. Sie liegen ne A ann dicht neben einander, innig durch die zarte Mesenterialfalte, welche die Darmschlinge einhüllt, mit einander verbunden. Nach vorn gehen sie aus der Schlinge frei hervor und kommen hinter die Leber, nur noch von dem längeren aufsteigenden Aste der Schlinge begleitet, aber weniger noch an ihn angeheftet. Wie sie in die Gegend der Gallengänge kommen, begeben sie sich zu ihnen; das eine etwas längere Pancreas windet sich zwischen beiden durch, das andere legt sich nur an sie an, und hier entsenden beide Pancreas ihre Ausgänge zum Dünn- darm, ' Die pancreatischen Gänge münden in ihn zwischen den Gallengängen, nicht hinter ein- ander, sondern neben einander, und zwar etwas näher am ductus choledocus, als am ductus eysticus.. Sowie das eine Panereas im Ganzen etwas grösser ist, als das andere, so auch sein Ausgang. Andere Unterschiede aber zeigen sie nicht. In der Nähe der eben betrachteten Organe findet sich auch die Milz. Obgleich kein Anhang des Darmkanals, ist sie doch innig mit der Leber durch eine Mesenterialfalte ver- bunden, welche sie nahe an die neben dem Isthmus der Leber verlaufende Pfortader heran- zieht. In geordneter Lage entspricht sie der Symmetrie nach der Gallenblase, denn so wie letztre über‘ dem rechten Leberlappen die Lücke zwischen Lunge und Magen ausfüllt, so die Milz auf der linken Seite. Sie ist ein weiches, schwarzgrau gelärbtes Organ von mandelför- migem Umriss, fast einen Zoll lang, auf der einen Seite hoch gewölbt, auf: der andern flach, mit einer Längsfurche, die zum Ein- und Austritt der Blutgefässe bestimmt ist. In dem Fett, was diese Gegend umgiebt, fand ich noch 2 kleinere Milzen, eine ovale von der Grösse eines Apfelkernes, doch gleichmässig zugespitzt, eine zweite, sehr kleine, kaum grösser als ein Senf- korn und wie dieses gestaltet. Beide sind mit dem Hauptorgan Taf. II. Fig. 3. unter S. S. S. So abgebildet, wie ich sie auf der umgeklappten Leber liegen sah, als ich die Organe in die zur Zeichnung gewählte Stellung gebracht hatte. — Anm. Die fast genau gleiche Grösse beider Leberlappen ist wieder ein Verhältniss, das auf- fallend an den Typus der Raubvögel erinnert. Bei der Trappe ist der rechte Lappen breiter und etwas länger als der linke, beim Kranich der linke noch viel kürzer. Die Milz ist beim Kranich sehr gross, wohl so gross wie ein kleines Hühnerei; bei der Trappe zwar kleiner, doch auch grösser als beim Seriema, fast so gross wie ein Taubenei, und bei beiden gewölbter. Neben- Milzen scheinen bei ihnen nicht vorzukommen. $. 28. Es bleibt der Darminhalt zu erwähnen. Kropf und Vormagen enthielten nichts Bestimm- tes s nur im ersteren sassen hier und da einige grosse Ameisenköpfe eingebissen, deren Rumpf das Schlingen schon weiter befördert hatte, Im strotzend und prall gefüllten Magen des ersten Exemplars fanden sich nur Insecten; zwei Drittheile derselben waren Feldheuschrecken (Acri- diodea), ein Drittel Ameisen, besonders die berüchtigte und schädliche grosse Atta cephalotes. Dazwischen bemerkte ich hier und da einen Käfer, selbst ein Paar Bienen. Die andern Exem- pläre ‚enthielten mehr Raupen, als ausgebildete Insecten im Magen, und hei mehrern 'war diese Kost innig mit rothen Beeren, vom Ansehn unserer Preusselsbeeren, ‘gemischt. Mitten darin steckte ‚bei dem Einen ein grosser Klumpen Gummi von klarer Substanz, wie'er geronnen an Bäumen zu „sitzen pflegt. Im Dünndarm fand sich ein homogener, breiartiger Schleim, der im: ersten Drittel ‚eine gelbe, im übrigen eine graue Farbe besass. Dieselbe theilte sich den entsprechenden Darmabschnitten mit, Die Blinddärme enthielten denselben grauen schlei- migen Chymus, der Dickdarm war leer. — Inzwischen lebt der Seriema nicht bloss von In- secten, sondern auch von Schlangen, wie alle Brasilianer übereinstimmend berichten und darum den Vogel in hohen Ehren halten. ‘Ja es ist sogar gesetzlich verboten, ihn zu schiessen, eben jener Schlangennahrung wegen, die indessen mehr eine Nebenkost, 'äls‘ein Hauptgericht des Seriema zu sein scheint. Kann der Vogel Schlangen von mittlerer Grösse haben,. so 'ver- zehrt er sie, unter Beobachtung eigener Vorsichtsregeln, welche sachkundige Augenzeugen mir wie folgt angegeben haben. Sobald der Seriema eine Schlange erblickt hat, verräth er durch sein ganzes Benehmen eine Art innerer Aufregung, ‘wie Wuth, die ihn antreibt, das Thier zu erlegen; er stürzt auf die Schlange los und packt sie ganz besonders mittelst der starken gekrümmten Kralle an der Innenzehe seines Fusses, Hat er sie ergritfen, so senkt'er den Flügel wie ein Schild vor seinen Beinen herunter und passt stieren Blicks auf'die Bewegungen der Schlange. Wie dieselbe sich hebt, schlägt der Vogel mit dem starken Handgelenk seines Flügels nach ihr, und wiederholt diese Schläge so lange, bis die Gefangene betäubt oder halb- todt am Boden liegt. Dann erst, und nie früher, ergreift er sie mit: dem Schnabel und tödtet sie durch Zerreissung oder Zerquetschung völlig, sie nunmehr als willkommene Beute ver- zehrend. Anm. Die berührte Schlangennahrung, welche indessen nur eine untergeordnete für den Vogel zu sein scheint, weist nochmals auf die Aehnlichkeit mit dem Secretär hin, kann aber schwerlich als ein Verwandtschäftsgrund angesehen werden. Sie scheint mir indessen die ehorme Lang- beinigkeit beider Vögel einigermaassen zu erklären; die Natur suchte diese Geschöpfe durch die langen Beine vor den tödtlichen Bissen ihrer Beute möglichst sicher zu stellen. — $. 29, Unter den noch übrigen ‘Organen der Rumpfhöhle bieten Herz und Lungen keinerlei auszeichnende ‚Charaktere dar. Erstres liegt nach unten, dicht über dem Brustbein, ‘vorn zwi= schen: den Leberlappen, von ‘seinem Beutel ‘umschlossen , und hat die Grösse einer langgezog- nen Wallnuss. Die Herzkammern sind gross, sehr fleischig und durch eine breite, orangen- Pe TPBREER farbige. Fettbinde äusserlich von den Vorhöfen gesondert, Mitten zwischen denselben tritt die Aorta aus dem Herzen "hervor. * Sie entsendet uninittelbar nach ihrem Austritt zwei kräftige Gefässe nach vorn und wendet sich alsbald zur rechten Seite, krümmt sich nach hinten und steigt hier, über dem rechten Bronchialast fortseizend ‚ zwischen den Lungenflügeln auf der Wirbelsäule bis zur Beckenhöhle hinab, nach und nach die gewöhnlichen Gefässe abgebend. Jene. beiden. grossen Gefässe, welche schon vor dem Bogen aus der Aorta entspringen, sind die trunci anonyme, welche in divergirender Richtung vorwärts streben, Luftröhre und Oeso- phagus zwischen sichnehmen und ‘so den ‘Grund des Halses erreichen. Hier tkeilt sich jedes Gefäss in ;3: auseinanderlaufende Aeste. Der innerste Ast bleibt am Halse und bildet die carotis, der "mittlere geht als arteria subclavia zum Arm, der dritte kleinste vertheilt sich in'/die Muskulatur am Brustbein und ist die arteria pectoralis exierna s. thoracica, Ihren weitern Verlauf habe ich nicht verfolgt. Die Lungen sind so lang wie der Raum von den hintern 6 Rippen. Sie erfüllen den Raum über dem Herzen zu beiden Seiten der Wirbelsäule, sind fest an die Brusthöhlenwand ngewachsen und ungelheilt. Etwas vor ihrer Mitte nehmen sie die kurzen Trachealäste in Sich ‚auf, \.. Beide. Bronchi entspringen von dem erweiterten letzten Trachealringe, ohne alle be- Sondere Auszeichnung. Auch die Trach ea hat nichts Bemerkenswerthes; sie ist überall gleich- Weit, nur so lang wieder Hals und aus 100 Ringen zusammengesetzt. ‘ Zwei‘ ziemlich starke Mmusculi \sternolracheales (m. m. ) befestigen sie an das Brustbein. An ihrem ‘oberen 'Ende zeichnet sich die Stimmritze durch eine beträchtliche Grösse aus; die Polsterwülste neben ihr ‚sind ‚nicht sehr hoch und am breiteren Hinterende mit einer doppelten Reihe weisser Lacken besetzt; die viel kleinern Innenlappen "haben nur je 6 stachelförmige Zacken (Taf. N. Fig. 4,). „Andere bemerkenswertbe' Gebilde am Kehlkopf sind nicht da, Einen-'ähulichen Besatz hat auch die vor der Stimmritze befindliche Zunge, sie ist ein- » länglich dreiseitig, der Länge nach etwas vertieft ‚ an den Seiten leicht verdickt, vorn 2ugerundet, hier hornig, dann fleischig, hinten in 2 divergirende Spitzen ausgezogen, und #Wischen. diesen. mit. einer doppelten Reihe feiner Spitzen besetzt; ihre Oberfläche ist grössten- theils glatt, nur am: Vorderende und in- der Mitte rissig, schwielig. Der Zungenbeinkörper ist ba kleiner. kurzer kolbiger Knochen, der an seinem breiteren Hinterende die Hörner und einen feinen mittleren Knorpelgriffel trägt; die Zungenbeinhörner haben dieselbe knöcherne Beschaffenheit und bestehen aus drei (Gliedern, von denen das erste, vorderste, bei weitem das längste, beinahe doppelt so lang. wie (Taf, II, Fig. 4. a). fach das zweite, und: das dritte sehr kurze eine blosse Knorpelspitze ist. Anm. Die Zunge des Kranichs, obgleich viel länger und etwas spitzer, hat ganz den Bau der Zunge des Seriema; ihr vorderer Seitenrand ist erhaben und wie die einfache Spitze hornig; hernach wird die Zunge fleischig, eben und endet hinten mit.zwei kurzen Lappen, deren Ende in @ Pa VE 5 von innen nach aussen successiv grössere Zacken getheilt ist. Bei der Trappe ist die Zunge flach, ganz fleischig, vorn etwas gespalten, aber nicht bloss am Hinterende, sondern an der ganzen hintern Hälfte des Seitenrandes mit abwechselnd grösseren und kleineren Zacken besetzt. Aehnliche Zacken stehen neben der Stimmritze, während bei Grus ihr Rand, wie bei Dicholophus, glatt ist und bloss am Ende des Kehlkopfes zwei Zackengruppen auftreten. Der Zungenknorpel richtet sich nach der Form der Zunge. Der Zungenbeinkörper ist beim Kranich zwar länger, aber er trägt die Hörner am breiten Endrande, grade wie Dicholophus, während sie bei Otis zu beiden Seiten am Ende des Seitenrandes sitzen. Endlich stehen die beiden ersten Glieder der Zungenbeinhörner in demselben Verhältniss zu einander bei Grus, wie bei Dicholophus, während bei Otis das vordere relativ kürzer und das hintere relativ länger ist. Dagegen weichen beide Gattungen von Dicho- lophus durch den viel längeren Zwischenknorpel ab. Die Zunge des Kranichs ist in Kocus bayer. Zool. I. Taf. VII. Fig. B. abgebildet, die von Ofis beschreibt Nrrzsch in Naumanns Vögeln Dischl. $. 30. Unmittelbar hinter den Lungen beginnen die Nieren. Jede Niere besteht aus drei völlig getrennten hintereinander geordneten Lappen, Der oberste ist ziemlich breit, vollkommen mandelförmig gestaltet, unten flach, nach oben mehr gewölbt und nach innen in einen kur- zen Fortsatz verlängert, der mit demselben von der andern Seite zusammentrifft, Von dem hintern innern Rande dieses ersten Theils der Nieren nimmt der Harnleiter (Urethra) mit weiter trompetenförmiger Mündung seinen Anfang, hier liegt also das Nierenbecken. Hinter dem vorigen liegt der zweite, länglich rautenförmige, an den Ecken stark abgerundete Lappen. Er stösst mit seinem oberen schmalen Rande an den ersten Lappen, erreicht mit dem graden Innenrande den Nachbar von der andern Seite, schlägt sich mit dem ausgebuchteten Aussen- rande um die Kante des Darmbeins nach oben herum, hier in die eigentliche Beckenhöhle eindringend, und liegt mit seinem hintersten abgerundeten Lappen auf der unter ihm am obern Rande des Darmbeines verlaufenden Arteria cruralis. Auf seiner untern Fläche ist auch die- ser Lappen eben, aber der ganzen Länge nach parallel den langen Seiten von einer Furche durchzogen, worin der Harnleiter seinen Lauf nimmt; die obere Seite ist hoch gewölbt und innig an die innere Fläche des Darmbeines angedrückt. Seiner Länge nach ist dieser zweite Lappen der grösste von allen, überhaupt ‚aber auch grösser als die andern beiden, Der rechte und linke sind nicht ganz gleich gestaltet, der letztere ist etwas kürzer und an der Aussen- seite durch eine ‘Querfurche, die senkrecht auf die Urethra. stösst, in 2 ungleiche elliptische Lappen getheilt. Der dritte Nierenlappen hat in der Hauptsache eine dreieckige Form, allein auch seine Ecken sind ganz abgerundet. Er liegt oben in der Beckenhöhle unter dem Kreuz- bein und verdeckt dasselbe, indem er mit seinem Nachbar. in der. Mittellinie zusammentrifft. Seine längste Seite ist die innere, seine kürzeste die nach vorn gewendete, womit er an den zweiten Lappen stösst; seine untere Fläche ist eben, mit einer geschwungenen Längsfurche, die der Harnleiter ausfüllt; seine obere gewölbte liegt innig an der Fläche des Kreuzbeines. Die beiden Harnleiter, in den beschriebenen Furchen der Nierenlappen verlaufend, reizen sich anfangs, auf dem zweiten Nierenlappen, gegeneinander, und entfernen sich auf dem dritten wieder mehr voneinander. In der ersten Hälfte ihres freien Theiles hinter den Nieren laufen sie parallel, dann biegen sie sich auswärts zur Wand der Beckenhöhle, sind an diese ange- heftet und krümmen sich mit ihr nach hinten zu wieder einwärts, bis sie die Kloake erreicht haben. Hier, an der obern hinteren Wand, münden sie in dieselbe ein. — Zwischen ihren Mündungen, die 2 kleine Pupillen in der Kloakenhöhle bilden, sieht man eine, dritte grössere von einem, aufgeworfnen Rande umfasste Oeffnung, die Mündung der bursa Fabricü. Jene Oeffinung führt in einen mässigen Sack mit ziemlich fleischiger Wandung, .der unausgedehnt oval ist, sich aber zu einer langen eylindrischen Höhle erweitern lässt. Er liegt in normaler Stellung über der Kloake, dicht unter dem hintern Kreuzbein zwischen den Schwanzmuskeln, die convergirend die Seiten der höchsten Stelle der Beckenhöhle bilden. — Anm... Die Nieren des Seriema gleichen viel. mehr denselben Organen beim Kranich, als bei der Trappe. Zwar haben beide Vögel, wie gewöhnlich, drei: Hauptlappen, aber ihre. rela- tive Grösse ist sehr verschieden. Beim Kranich sind sie länglich oval, fast mandelförmig und der mittlere Lappen, grade wie beim Seriema, viel schmäler als der obere und untere und letzterer am Ende ähnlich vorgezogen; bei der Trappe dagegen hat jeder Nierenlappen eine breit elliptische Form und namentlich ist der untere fast ebenso breit, wie lang und ganz grade abgestutzt. — $. 31. Endlich sind in der Beckenhöhle die Genitalien noch zu schildern. Die weiblichen bestehen aus Eierstock und Tube. _Jener (Fig. 2, 5.) ist ein kleiner traubiger Körper von a Zoll Länge, mit ungleichen Beeren von der Grösse eines starken Sandkorns bis zu der eines Haasen-Schrotkorns. Er liegt unter dem obersten linken Nierenlappen, doch der Mittel- linie so nahe, dass sein Innenrand nach rechts etwas über die Mittellinie hervorragt. Seit- wärts nach aussen ist neben ihm die Mündung der Tube befestigt; sie selbst bildet einen ade schlaffen querrunzeligen Gang, unausgedehnt nicht weiter als ein Harnleiter, doch bei Individuen » deren Ovula z. Th. schon die Grösse einer Erbse erreicht hatten, weiter, von der Dicke eines Federkiels, welcher am Aussenrande der linken Niere in die Beckenhöhle hinabsteigt, durch eine breite, vielfach von Fettstreifen durchzogene Mesenterialfalte gehalten wird, neben dem Harnleiter verläuft, in derselben Richtung die linke Wand der Kloake zwischen Mastdarm und Harnleiter erreicht und sie an gleicher Stelle, doch näher dem Mastdarm, durchbohrt (Fig.2. W). Die männlichen Genitälien zu untersuchen fand ich keine Gelegenheit. _ \ bh, d, Nat. Ges, zu Halle. Ir Band, ’ Pe VEN 3. Systematische Resultate, $. 32. Die vorstehenden osteologischen wie anatomischen Untersuchungen scheinen mir, im Ver- ein mit den äussern Merkmalen des Seriema und den nachfolgenden Vergleichungen von Nırzsch, über seine systematische Stellung folgende Resultate zu ergeben: 1) Dicholophus bildet mit Psophia eine kleine Gruppe, welche besonders durch die Kopf- bildung, Schnabelbildung, Flügelbildung und Fussbekleidung äusserlich, gleich wie osteologisch durch die völlige Uebereinstimmung der Extremitäten begrenzt wird. 2) Diese kleine Gruppe ist den Kranichen am nächsten verwandt; besonders bildet Psophia zu Anthropordes den unmittelbarsten Uebergang. 3) Da sich ausserdem unabweisliche Verwandtschaftsbeziehungen zu den Fulicarien ergeben, so scheint es am passendsten zu sein, die Gruppe der Dicholophiden zwischen die Kraniche und Wasserhühner einzuschalten. Wahrscheinlich bilden die Palamedeen das nächste verwandtschaftliche Glied nach der Seite der Fulicarien hin, — 4) Zu den Trappen (Otidinen) ist die Beziehung der Dicholophiden mehr die der Analogie, als die der Affinität; doeh harmoniren sie schon insoweit, als beide unleugbare Grallae sind. Die Trappen stehen den Charadrien am nächsten und verhalten sich zu ihnen, wie die Dicholopbiden zu den Fulicarien. 5) Mit Gypogeranus und den Raubvögeln hat Dicholophus nur eine äussere Aehnlichkeit in einzelnen Körpertheilen; wirkliche Verwandtschaft zwischen beiden Vögeln lässt sich nir- gends nachweisen. — fi FIR RMW Erklärung der Tafeln. Taf. TE, Ganzes Skelet des Seriema in halber natürlicher Grösse. Die ‚Buchstaben haben folgende Bedeutung: @.:Oberkiefer ‘mit. den Nasenmuscheln.; b. ‚Verbindungsbein: mit dem Jochbogen. c. Thränenbein. d. Flügelbein. ' e. Quadratbein. '" {. Unterkiefer. g. Jochbogen. h. Pflugscharbein. Z. Gaumenbeine. Ansicht des 'Thränenbeins ‘von ‘dem Münchener 'Skelet. a. Obere Platte. b. Griffelverbindungsbein. c. Absteigender Ast. d. Ansatzhöcker für das Griffelverbindungsbein. Der Schädel von oben gesehen. Zwei Drittel der natürlichen Grösse. Derselbe von unten, ebenso. Derselbe von hinten, ebenso. Das Becken, von oben; in halber Grösse. Dasselbe von unten; ebenso. Das Brustbein von innen; ebenso. Taf. II. Die Eingeweide in situ, nach Entfernung des Brustbeins und der Bauchdecken ; zwei Drittel der natürlichen Grösse. I. u Il. Die vorderen Seitenzellen. IIl. Die zerrissene Leberzelle. IV. IV. Die hinteren Seitenzellen, a. Arcus Aortae. b. b. Carotis. c. c. Art. subeclavia. d. d, Art. thoracica. 9. Vena cava. h. Vena pulmonalis. m. m, Musculi sternotracheales. H. Herz. M. Magen. 0, Schlund. T. Luftröhre. L. Linker, R. Rechter Leberlappen. — T7* Fig. 2, Fig. 3. Fig. 4. Fig. 5. Blick in die Rumpfhöhle nach Entfernung der Verdauungswerkzeuge. Ebenso gross. A. Mastdarmmündung. B. B. Enden der Bronchialäste. C. Kloake. E. Eierstock. F. bursa Fabricü. N. N. Nierenlappen. 1.2. 3. Die drei Abtheilungen jeder Seite. U. U, Harnleiter. W. Eierleiter. e, e. Arteria cruralis. f. Ende der Aorta, mit der Theilung in zwei art, iliacae und die art. caudalıs. :.:. Venae crurales. Die auseinandergelegten Verdauungsorgane; ebenfalls zwei Drittel der natürlichen Grösse. D, Die beiden Pancreas mit ihren Ausführungsgängen. G. Der ductus choledocus. L. Linker Leberlappen von unten gesehen. M. Magen. O. Schlund. 0. Gallen- blase, AR. Rechter Leberlappen von unten gesehen. $. S. S. Die drei Milzen. V. Vormagen. Zunge, Zungenbein -Hörner und Kehlköpf, in natürlicher Grösse. a. Zunge mit dem Zackenbesatz am Hinterrande. b. Zungenbeinkörper. c. o. Zun- genbeinhörner. d. Stimmritze und Kehlkopf von oben gesehen, mit den Zacken- lappen dahinter. e. Mittlere zarte Knorpelspitze am Zungenbeinkörper. Der geöffnete Vormagen mit den Drüsenreihen in drei Vierteln der‘ natürlichen Grösse. — Vergleichung des. Skelets von Dicholophus: eristatus mit dem Skelettypus .der Raubvögel, 'Trappen, Hühner und Wasserhühner von Chr. Ludw. Nitzsch. Das Skelet zeigt mit keiner Vogelfamilie eine augenfällige und entschiedene Aehnlichkeit; AM, wenigsten stimmt ‘es mit. dem der Raubvögel, namentlich dem der Tagraubvögel überein, obgleich der Vogel vielfältig mit dem Gypogeranus zunächst zusammengestellt worden ist. Einigermassen tagraubvogelartig wären nur: 1) Das Thränenbein, insofern es eine. grosse ‚obere Platte hat, an welcher sogar ein leiner Superciliarknochen ansitzt; und insofern sein absteigender Theil, freilich jaber nur mit- telst eines eigenen Knochens, bis zum Zygoma reicht. 9) Die Vertiefung. zwischen den Nasenbeinen, die sich doch auch so’ z. B. beim Trappen und andern findet. 3) Die Krümmung. des Schnabels, ‚die. doch. noch keinen Hakenschnabel bildet, und mehr hühnerartig. ist. & 4) Die Form der breiten Schulterblätter, 5) und zumal die sehr einwärts und gegen einander gebogenen Schambeine, welche auch so beweglich zu sein scheinen, wie bei Raubvögeln. i Von den besondern Eigenheiten, wodurch sich G@ypogeranus von den übrigen Tagraub- vögeln auszeichnet , fi hier neh ndet sich. ausser der Länge der Hinterglieder und etwa der Zehen, keine » weder die dritte abgesonderte Gelenkung der Verbindungsbeine, noch die aus- mende Flachheit der Gaumenbeine, noch die Wölbung der Hirnschale, noch die Gelenkung der Furcula mit dem Brustbeinkamme ‚ noch das Manubrium derselben,’ noch die ME TCHOEEN sonderbare Form des Brustbeins, noch die Verbreitung der Rippen, welche die Stelle des Rippenastes versieht. Das Becken des Gypogeranus zeigt zwar einige Aehnlichkeit und mehr als die anderer Raubvögel, aber es ist bei Gypogeranus kürzer, der vordere Theil ist bei weitem nicht so zusammengedrückt und hinten nicht so zu einem geraden Kiel verwachsen, wie bei Dicholophus; das ischiadische Loch ist weit grösser und die Sehambeine sind gerade bei Gypogeramus nicht so einwärts gekrümmt, wie bei andern Raubvögeln und bei Dicholophus. Von dem der Raubvögel, insbesondere der Tagraubvögel, unterscheidet sich das Skelet des Gypogeranus hauptsächlich in folgenden Punkten: 1) Das 'Thränenbein 'hat die obere, obgleich breite und etwas raubvogelähnliche Platte weniger horizontal, ‘sondern vorn und' seitlich herunter geneigt. Es berührt auch nicht un- mittelbar, sondern nur miltelst eines eigenen dünnen, an seinen absteigenden Theil angesetzten Knochens das Zygoma. 2) Der ganze Schädel ist hinten schmaler als der der Raubvögel, daher denn auch die Kieferäste weit weniger hinten auseinander gehen. 3) Der untere oder hintere Schläfdorn, der bei den Tagraubvögeln sehr kurz, oft kaum vorhanden und immer frei ist, ist hier viel länger und durch einen Knochenriegel mit dem obern oder vordern, wenn auch nur ausnahmsweise verbunden. 4) Der 'Pauken- oder Quadratknochen ist am obern Rande zwischen dem freien oder Orbitalfortsatz und dem obern Gelenkfortsatz ‘weit mehr ausgeschweift als bei Raubvögeln, wo dieser obere Rand fast gerade erscheint. Auch’verhält sich die untere Gelenkfläche anders, es: ist: nämlich der innere: Condylus sehr hervorragend und durch. einen tiefen Ausschnitt abge- | sondert von dem äussern: schief länglichen Condydus, welcher zugleich die hintere Ecke oder u den hintern Condylus bildet, 5). Bildet ‘der untere‘ und innere Theil ‘des Gehörganges ein nach unten sehr hervorra- gendes rundliches zusammengedrücktes Tuberkel, welches durch ein Band mit dem dicht daran liegenden ' innern : Fortsatz: des: Unterkieferastes verbunden ist, Dieser’ Theil gehört, wie es scheint, dem Keilbein an, könnte aber vielleicht ein ganz eigenes Knochenstück ursprünglich gewesen sein. Die Falken zeigen diesen Theil wenig’ausgebildet, indem er entfernt bleibt » vom: Unterkieferrande. 6) Die Gaumenbeine sind viel länglicher und 'schmäler und gleich breiter. als bei Raubvögeln, zugleich‘ gehöhlter und mit dem äussern Rande’ nach unten gerichtet; auch bildet der Seitenrand "einen bestimmten Winkel mit dem Hinterrande und verläuft, was hauptsäch- | lich’ unterscheidend sein möchte, in'einer ganz geraden’ Linie. j 7) Die Unterkieferäste sind von der Seite angesehen etwas Sförmig, sie haben ein an- sehnliches Querstück, der hintere Fortsatz fehlt gänzlich oder ist nur als Ecke und’ Känte ee Be WE angedeutet, !der innere ist stumpfer und gebogener als bei Raubvögeln und die hintere, zwischen dem hintern und innern Fortsatz befindliche Fläche ist viel höher, grösser, ganz eben und flach, gar nicht gehöhlt und von fast viereckiger Gestalt. Bei Raubvögeln findet das Gegentheil statt. 8) Die Furcula weicht ganz und gar ab von der der Tagraubvögel, sie ist fast hüh- nerartig, sehr schwach, wenig gespreizt, von der Seite gesehen schwach Sförmig, mit einem kleinen Manubrio versehen. 9) Das Brustbein ist wegen der tiefen Hautbuchten ganz verschieden von dem der Tagraubvögel, wiewohl es, wenn man sich diese Hautbuchten mit Knochen ausgefüllt denkt, allerdings gerade mit dem des Gypogeranus einige Achnlichkeit haben würde; nur ist der Seitenrand bei Dicholophus bis zum Ende der Fortsätze gerade, bei Gypogeranus aber gekrümmt. Der Schwertk norpel zeichnet es aber auch vor dem des Gypogeranus aus. 10) Das Becken gleicht dem der Falken und Eulen nur in Hinsicht der Schambeine. il) Die Knieleisten der Tibia sind so ungemein hervorragend und ausgebildet wie bei keinem Raubrvogel. Nimmt man die Verhältnisse anderer Theile hinzu, so widersprechen. der irrig behaupteten Verwandtschaft mit Raubvögeln noch der Mangel der Wuchshaut, die Nacktheit des Unterschenkels über der Ferse, die nur Wasservögel andeutet, die sehr langen Blinddärme. Insofern der Vogel zu den Grallis unleugbar gehört, schwankt die Bildung zwischen dem Typus der Trappen und der Fulicarien, Zur Aehnlichkeit mit den Trappen rechne ich besonders gewisse Uebereinstimmungen in der Form des Kopfgerüstes; obgleich auch diese mehr als Analogien, denn als entschiedene Affinität betrachtet werden können. l) Das Thränenbein gleicht einigermassen dem der Trappen, doch fehlt ihm der untere Angesetzte Kuochen, und die Stirnplatte ist sehr viel kleiner; der daran gesetzte Superciliar- knochen mangelt ebenfalls, was indessen nicht viel besagt, da er dem Seriema nicht allge- mein zukommt: 2) Die Orbitalscheidewand ist vollständig, bis: auf das Riechnervenloch und optische Loch. 3) Die Hirnschale ziemlich ähnlich, auch so breit zwischen den Orbitis; freilich oben am asengrunde lange nicht so vertieft, und der obere Orbitalrand nicht so in die Höhe ge- Ba Auch am: Hinterkopf ist Ofis viel ovaler abgeplattet und die ganze Schädelkapsel Nledriger. : #) Die Grube für die Nasendrüse ist eben da bei Ofis, nur nicht so gross und nicht SO weit nach hinten reichend. 5) Der hervorstehende untere schmalgedrückie Tuberkel am Rande des Gehörganges ist en PO CE fast eben so dicht angelegt’ an. den hintern Rand der innern Fortsätze des Unterkiefers beim Trappen als bei Dicholophus. 6) Der Unterkiefer ‚hat in den Aesten ziemlich dieselbe Bildung, erstens in Ansehung :des Lochs; zweitens in Ansehung der einigermassen Sförmigen Biegung; drittens in Ansehung des Hinterendes, welches fast eine eben solche hintere ebene Fläche,: einen eben solchen stumpfen vorwärts -gekrümmten innern. ‚Fortsatz zeigt; 'nur.ist. freilich ‘bei Otis der hintere Fortsatz ausgebildet, der dem Dicholophus so gut wie fehlt. Neben diesen Aehnlichkeiten differirt aber das Kopfgerüst des Dicholophus von dem des Trappen in vielen wesentlichen Punkten, so: 1)-in der -Schnabelform, 2) in’ der grössern Nasengrube, 3) in den, angesetzten untern Knochen: der Thränenbeine, 4) durch die hier grössere, obere, Platte‘ des 'Thränenbeins und das mitunter vorhandene Superciliarbein daran, 5). .durch den mehr ‚hervortretenden höher gewölbten Hinterkopf, '6) durch die bei ‚Okis viel kleinern ‚schmälern vorn‘ am. Innenrande 'ausgeschweiften Gaumenbeine, 7) durch die eigen- thümliche Entwickelung des Muscheltheils am Oberkiefer, 8) durch die abweichende Form der Schläfendornen, namentlich ihre mehr genäherte Stellung und die davon ‚abhängige kleinere Schlafgrube bei Otis, 9) durch den nicht gekrümmten, schwachen Jochbogen, 10) durch den breiten Nasalfortsatz am. Vorderrande der knöchernen Augenscheidewand. Ferner zeigt sich nur sehr geringe Trappenähnlichkeit beim Dicholophus 11) in .der Furcula,, welche beim Trappen sehr viel stärker, doch aber auch da nicht besonders stark ist, und in der unteren Strecke gar nicht so von vorn nach hinten gedrückt, wie bei Dicholophus, vielmehr ‚einen nach aussen gekrümmten Bogen bildet, 12) Die. Schulterblätter ‘gleichen sehr wenig, und weit weniger ‘denen der Trappen, als den schlanken, wenn auch. nicht so gebogenen spitzen der Fulicarien oder der allermeisten Wasservögel. 13) Hauptsächlich ist es, wie ich meine, ‚das Sternum, was die Trappenähnlichkeit zu begründen scheint; indessen bei näherer Vergleichung doch nicht Stich hält. Abgesehen von der viel grössern Breite hat das Trappenbrustbein jederseits zwei excisuras obturatas und der Dicholophus jederseits nur eine; da aber eine solche Differenz gar oft in einer und dersel- ben Familie und bei sehr. nahe verwandten. Gattungen, zumal der Sumpfvögel, vorkommt, so bedeutet dieselbe nicht viel,‘ Hingegen zeigt das Brusibeih weniger in der Figur des Kammes, als in seiner weiten Erstreckung nach hinten, indem er weiter ‚als die seitlichen hintern Fort- sätze hervorragt, und dann ‚zumal durch den angesetzten nicht verknöcherten Schwert- knorpel, bei beiden Gattungen eine bemerkenswerthe Uebereinstimmung. Aber der gebogene vordere Rand, der Mangel einer mittleren Spitze (manubrium centrale) und die schiefe Lage der Schlüsselbeingelenkflächen stimmen nicht zu dieser Aehnlichkeit; auch sind die Seitengriffe (manubria lateralia) spitzer beim: Dicholophüs und die Linie, welche die äussere Grenze des Me BERRBEL musculus pectoralis minor ‚bezeichnet, steht nicht so weit vom: Kamm ab, wie bei Otis. End- lich ist: der Kamm bei Otis vorn abgerundet und zurückgezogen, dagegen vorgezogen und zu- gespitzt bei Dicholophus; auch hinten. bei ihm viel niedriger ausgebuchtet, wovon: bei. Otis keine Spur sich zeigt. 14) Die Schlüsselbeine sind’ fast hühnerartig und ähneln denen des Trappen in der ganzen Figur sehr wenig, besonders sind sie unten. weit weniger breit und der untere Seiten- fortsatz _ weit weniger ausgebildet, als wie bei Otis; dagegen berührt der ‘obere innere Fort- satz Scapula und Furcula, wie bei Trappen und Eulen. 15) Das Becken beider Vögel hat ein sehr verschiedenes Ansehn. Bei Otis ist es sehr breit, zumal in der hintern Abtheilung, bei Dicholophus sehr schmal, zumal im Vordertheil; die Schambeine dort lang, wenig. gebogen, hier (bei Dicholophus) raubvogelartig gegeneinander gekrümmt. Der Hüftknorren ist bei Otis abgestumpft, die Schambeine sind breiter, ganz frei, und nicht %o gegen einander geneigt; : überhaupt ist alles breiter, ‘flacher’ und weit weniger “usammengedrückt, 16) An den Vordergliedern sind Oberarm- und Vorderarmknochen ziemlich: ähnlich geformt. Der Oberarm knochen: hat bei 'beiden keinen merklichen untern: Seitendorn. Das Hinterende der Ulna bei beiden gleich stumpf. Der Handtheil dagegen ist merklich änders ‚ nämlich sehr hühnerartig, und nicht so lang und. schmächtig: wie beim Trappen. 17) An. den Hintergliedern ist, die Längenverhältnisse, abgerechnet, viel Aehnliches. Die Knieleisten der Tibia entsprechen einander, sind'aber freilich noch vielmehr hervor- Springend bei Dicholophus als bei Otis: Die Zehen des Dicholophus ähneln in Länge und den Verhältnissen der, Phalangen zwar etwas denen der Trappen, aber freilich abgesehen von der Zierlichkeit bei Dicholophus ist noch ein Hinterzeh da, welche ebensosehr, wie die’ viel mehr gekrümmten Krallen, auf eine verschiedene Vogelgestalt hinzeigen. 18) Ganz verschieden sind die Schwanzwirbel bei beiden Gattungen, ‘zumal wegen der Querfortsätze und dann besonders durch die Grösse und ganze Gestalt des letzten Wirbels. . Die Verwandtschaft mit Otis bestätigt sich einigermassen wieder in folgenden Verhält- Dissen der Eingeweide: 1) Der M agen ist bei beiden Vögeln dünnwandig, wenn auch nicht grade häutig. 2) Die Blinddärme sind sehr lang und weit. Die Hühnerähnlichkeiten im Skelet ‚sind nicht gross, nur etwa 1) einigermassen du Thränenbein, 2) die Verbindung der beiden Schlafdornen, welche aber nicht Regel ist bei Dicholophus, 3) einigermassen die Furcula in Hinsicht ihrer Schwäche und wenigen Spreitzung » %) einigermassen die Clavikeln ‚ 5) zumal der ganze Handtheil der Flügel, der wi . . ER . « irklich auffallend an die ächten Hühner erinnert. Abh, d. Nat. Ges, zu Halle. Ir Band, 8 u Mehr Uebereinstimmungen zeigt das Skelet mit dem der Fulicarien 1) In Schädeltheilen, besonders der Kürze des Querflügels, des Riechbeins, im Thränen- bein, Gaumenknochen ‚| Verbindungsbeine, Unterkiefer, zumal der hintern platten Fläche mit Fulica, doch sind diese Achnlichkeiten nicht grösser oder geringer als mit Otis, nur das Hinterhaupt über dem Gerebello ist bei Fulicarien mehr nach hinten gewölbt, und daher, so wie der kurze Querflügel des Riechbeins, dem Dicholophus ähnlicher als Otis es ist. Allein die Fulicarien haben die Stirn zwischen den Orbitis weit schmäler und deswegen die Nasen- drüse am Orbitalrande, nicht wie Dicholophus und Otis in der Orbita; ferner reicht das Thränenbein bei Fulicariis nicht bis zum Zygoma, die Schläfdornen sind beide viel kleiner, die Orbitalscheidewand ist bei denselben zweimal bedeutend durchbrochen, der hintere oder äussere Forisatz der Unterkieferastenden ist auch weit mehr entwickelt als bei Dicholophus. Der Schnabel auch nicht krumm. Ferner gehört zu der Aehnlichkeit mit Fulicarien: z Die Furcula, die namentlich der der Gallinula chloropus gar sehr ähnlich ist und viel ähnlicher als der der Trappen. Das Brustbein in Hinsicht der allgemeinen schlanken Form, der Zahl und Lage der Hautbuchten und der Seitengriffe. Dann zumal die Form des Beckens, welches offenbar, wenigstens in Hinsicht der Schmal- heit und Zusammendrückung, der Vordertheile, z. B. dem Becken einer Fulica oder eines Rallus ähnlicher ist als dem der Trappen. Es bleiben aber sonst noch viele erhebliche Unter- schiede, besonders in Hinsicht des hintern. Seitendorns, des Hintertheils der Darmbeine, der bei Dicholophus fehlt, während der Dorn über den Hüften der Fulicarien viel schwächer ist. Auch die starke Einkrümmung ‘der Schambeine fehlt den Fulicarien ebenso sehr, wie den Trappen. Die Knieleisten der Tibia sind bei Fulca, Rallus, Gallinula sehr ähnlich und fast so prominirend wie: bei Dicholophus. — Eingeweidewürmer des Dicholophus cristatus, beschrieben von Dr. Creplin Hr. Professor Burmeister übersendete mir im vergangenen Februar ein Glas mit Ein- 5eweidewürmern, welche er während seines Aufenthalts in Brasilien in den Gedärmen des Dicholophus cristatus Iur. im Juli 1851 gefunden hatte, mit dem Wunsche, dass ich diesel- ben untersuchen und: beschreiben möchte. Ich habe mit Vergnügen das Geschäft des, Unter- suchens übernommen und liefere hier die Ergebnisse desselben. Es fanden sich in dem Glase 4 Arten von Endozoen vor, nämlich eine Ascaris in 6, eine Oxyuris in vielen, ein Echimorrhynchus in 2 und eine Taenia wiederum in vielen Exem- plaren, . Die Echinorrhynchi allein gehörten. einer schon bekannt gewordenen Art an, die übrigen Würmer aber wiesen sich als Specimina neuer Arten aus. Jene waren nämlich Exemplare des Echinorrhynchus taeniodes Diesing, = welche ich sie, in Folge von Diesine’s Definition (s. dessen Syst. Helm., I, p. 23. Nr. 9.) Nicht verkennen konnte, obgleich der Rüssel bei ihnen in den Vorderkörper ganz zurückgezo- sen und nicht hervorzutreiben war. Der eine derselben war ein wenig über 3” lang, etwa 37,“ vom Vorderende 1?/s' Bag han ungleich verschmälert, am Hinterende etwa nur 'j2’ ia ai vordere, ‚972 lange Theil war. herabgedrückt, der übrige Körper ward allmählig mehr und mehr, zuletzt ganz drehrund, Der ganze Körper war bis auf seinen hintersten Endtheil, g* breit Pe und zwar in seiner vordern, wie seiner hintern Strecke, mit Ausnahme des glatt bleibenden Endes, sehr regelmässig, im übrigen, mittleren, Theile unregelmässig grob - quergerunzelt. Der zurückgezogene Rüssel hatte in der Vorderspitze eine ritzenförmige Oeffnung hinterlassen, nach welcher hin sich der Körper verschmälerte; in der Spitze des Hinterendes stand die gleichfalls ritzenförmige Geschlechtsöffnung. Der andere Kratzer hatte eine Länge von 3° 10’; seine Dicke betrug, 1'' 1” hinter 1,4 breiten Vorderspitze, nur 1?/,”' und an der Hinterkörperspitze {ungefähr Zr Der Körper war von vorn bis zu 1'/a” der Länge herabgedrückt, wurde aber von da an allmählig drehrundlich. Die Runzelung war der beim vorigen ähnlich, doch mehr durchgehends regel- mässig, am hintern ' Ende auch (hier verschwindend., Das Vorderende lief‘ verschmälert aus; das durch die vorderste Querrunzel entstandene Segment ward für sich plötzlich dünner. Oeffnungen des Vorder- und Hinterendes wie beim vorigen. Das Geschlecht der beiden Exemplare bleibt zweifelhaft. Beschreibung und Charakterisirung der drei neuen Arten. 1) Ascaris 'pterophora m. Von diesem Spulwurme lagen meiner Untersuchung 3 männliche und 3 weibliche, sämmt- lich sehr gut erhaltene, Exemplare vor, welche Hr. Prof. Burmeister in der untern Dünn- darm -Hälfte des Dicholophus angetroffen hatte, und von denen er mir schrieb, dass sie im Leben klar durchsichtig gewesen seien, so dass man den braungrünen Darm und die vielen Windungen der kreideweissen Genitalien deutlich durch die Körperwand habe erkennen kön- nen. Jetzt, vom Weingeiste verdunkelt, zeigte sich von den inneren Theilen fast Nichts, alle waren einfach hell - graubräunlich. Der mittelmässig dicke, starre und grobgeringelte Körper verschmälerte sich bei den beiderlei Geschlechtern nach hinten: '''Das: Kopfende ‚war ‘stets mehr oder weniger umgebogen, die Mundklappen waren gerundet, mittelmässig gross, zusammen genommen kaum von etwas geringerm Durchmesser, als die sie tragende Körperspitze. Von ihrer Basis ab verlief zu jeder Seite des Kopftheils eine zierliche, ansehnlich lange und ziemlich breite, verlängert-halb- eiförmige , dicke, quergestreifte Flügelmembran , welche durch 2 oder auch 3 Quereinschnitte in 3 oder 4 Lappen getheilt ward. Männchen. Der Schwanz war. kurz, fast ganz gerade, verschmälerte sich allmählig und spitzte sich stumpflich zu. ‚Das in ihn ohne Unterbrechung übergehende Hinterende des. un WE Körpers verbreiterte sich beiderseits in eine dicke, grob quergerunzelte, zuerst schmale, dann allmählig und ansehnlich an Breite zunehmende, darauf aber wieder abnehmende und endlich gegen die ‘Schwanzspitze ‘hin verschwindende Flügelmembran;, in welche die Körpersubstanz Sich‘ 'an verschiedenen Stellen tief — bis an den Aussenrand der Membran — hinein verlief, und zwar ‚besonders ausgedehnt, doch ungleichmässig: vertheilt, gleichsam eine breite Wolke bildend,, im mittlern Theile der Membran, vor und hinter dieser Wolke aber in der Gestalt einiger einzeln stehenden, sehr dicken Fortsätze, ebenfalls in diesen bis zum Rände der Mem- bran. ‚Vom Penis zeigte, sich mir bei den 3 Individuen keine Spur. Weibchen. Bei diesen war‘der Schwanz länger und stärker, kegelförmig, nackt, und lief vom Körper gerade aus. Die Geschlechtsöffnung zeigte sich bei allen 3 Individuen als eine aus der Körperfläche schwach. hervorspringende Papille mit einer Querspalte in der vor- dern Gegend der hintern ‚Körperhälfte, Die Ausmessung dieser Würmer liess sich wegen ihres gebogenen Vordertheils und der, wenn gleich nur leichten Krümme und der Starrheit ihres ganzen Körpers nicht völlig genau bewerkstelligen. Ich: fand indessen die Länge beim einen Männehen etwa 10° oder etwas mehr, bei den beiden anderen etwa 11”; die der Weibchen betrug bei einem ungefähr 1” 44%, hei den beiden anderen 1” 34, Die inneren Theile blieben mir bei der. nunmehrigen Undurchsichtigkeit der beiderlei Geschlechter dunkel. Charakter der Species: Ascaris retrorsum attenuala, Gapite post valvulas rotundatas, mediocres, utrinque longe ae latiuscule alato, alis lobatis ab ineisuris profundis 2 vel 3, postremo corporis fine Maris latiuscule alato, alüs crassis, inaequalibus, transversim crasse rugalis; Cauda ıpsa breus, conica, oblusiuscula, feminae Cauda'conica, longiuscula, oblusa. Vulva post corporis medium sita, Den in der Ueberschrift genannten Namen (von zreoov, Flügel und pEgeıv, tragen ) habe ich wegen der die Männchen auszeichnenden ansehnlichen und doppelten Flügelung ihres Körpers gewählt. 2) Oxyuris allodapa m. Die Oxyuren, welche man bisher kannte, stammten aus Säugethieren und Amphibien her; denn es bleibt zweifelhaft, ‚ob das mikroskopisch kleine Würmchen, welches Ar. v. Norp- MANN in den Augen einheimischer Barscharten entdeckte und Oxyuris velocissima nannte (g, BE SE seine Mikrogr. Beitr. I, $.22ff.), in der That dieser Gattung beizuzählen sei — obgleich noch viel weniger der Gattung Ascaris, welcher Dırsıns es unbegreiflicher Weise (in s. Syst. Helm,, IL, p. 204. Nr. 173.) zugesellt hat, — und die Schmarotzerhelminthen, welche man aus Inseeten zu derselben rechnete, gehören theils erwiesen, theils muthmaasslich, ganz 'ande- ren Gattungen an. indessen nannte man sie doch Oxyuren. Aber kein Beispiel existirt noch, so viel ich weiss, von einer richtig, oder unrichtig, früher so benannten Art aus einem Vogel, und Hrn. Prof. Burmeıster’s Nachforschungen erst haben wir es zu verdanken, dass wir eine, und zwar wahre Oxyuris aviaria kennen lernen, welche ich auch, eben wegen ihres auffallen- den Vorkommens in einem. ungewöhnlichen Wohnthiere, mit dem oben genannten Namen (@AAodarog, aus einem fremden Lande) belegt habe. Das ausschliesslich} von diesen Würmern bewohnte Organ des Dicholophus waren die (sehr langen) Blinddärme desselben. Hr. Burmeister fand dort die beträchtliche Anzahl ihrer Männchen sowohl als Weibchen, welche er mir zur Untersuchung anvertraute und von ‘denen er mir schrieb, dass sie im frischen Zustande tleischroth gewesen’ seien. Dieser Farbe hatte sie. jedoch wohl: bald der. Weingeist beraubt; sie waren jetzt ganz weiss, übrigens jedoch. gut erhalten, Ihre Dicke war im Verhältnisse zu ihrer Länge ziemlich geringe, doch verschieden nach dem Geschlechte. Der Körper der Männchen sowohl, als der Weibchen verschmächtigte sich im grössern Theile seiner Länge nach hinten, vorn nur im Endtheile.. Von einer Ringelung der Oberhaut zeigte sich nirgends eine Spur. Diese lag am ganzen Körper straff an, mit Ausnahme einer kurzen Strecke zu beiden Seiten des Kopfendes, wo sie sich mitunter als ein feiner klarer Streifen hervorhob. Durch die Oberhaut hindurch ‚erschien. die den Körper der Länge nach durchziehende Schicht der sehr starken Muskelbündel. Quermuskelfasern fehl- ten ihnen, wie sie den Nematoideen überhaupt fehlen. Der Kopf (die Vorderspitze) zeigte sich, von der Seite angesehen, stumpf abgestutzt, in der. Mitte jedoch‘ mit einem kleinen Vorsprunge, von vorn betrachtet aber mit einem weiten, kreisrunden Wulste, in dessen Mittel- punkte. der sehr kleine, runde Mund stand. Die Schlundröhre war lang (ich sah sie bei einem Individuum quer gestreift), mörserkeulenförmig; sie führte in-einen grossen, kugelför- migen Magen, welcher von ihrem dicken Endtheile, wie von dem auf ihn folgenden dünnern, geraden Darme durch eine Strietur getrennt war. Die Männchen varirten in der Länge von 2—5', waren sehr schlank und entweder gerade ausgestreckt, oder einfach, mehr oder weniger, gekrümmt. Der sich bedeutend ver- schmälernde Schwanz- (oder letzte Hinter-) Theil mit dem Schwanze selbst machte fast immer eine einwärts gerichtete Hakenbiegung; der vom Körperende nach einem 'obsoleten Absatze | | ae a es Pe SUMERE gerade aus .abgehende Schwanz war etwas kurz, nach seinem Ende verschmälert und endlich in ‚eine gerade, fast lineäre, stumpflich geendete Spitze auslaufend. Unmittelbar vor dem Anfange des Schwanzes erhob. sich eine wulstige Geschlechtsöffnung zum Austritte zweier sehr langen und starken Spieula, von denen jedoch das eine, obgleich eben so starke und auch sonst überhaupt eben so. beschaffene, meistens viel kürzer war, als das andere. Sie behielten im grössern Theil ihrer Länge einerlei Dicke, verdünnerten sich aber endlich entweder allmählig nach: ihrer abgestumpften Spitze zu, oder der letzte Endtheil ward plötzlich, und zwar um Vieles, ‘dünner und sehr fein, endigte sich aber ebenfalls etwas stumpf. Bei einem Indivi- duum sah ich 'sie fast gleich lang und bei verschiedenen waren sie ganz zurückgezogen. Ein einziges Männchen hatte den Hintertheil seines Körpers weit vor dem letzten Ende ziemlich stark rückwärts gekrümmt, den folgenden Endtheil dagegen bis auf eine leichte Einkrümmung des Schwanzes fast ganz gerade ausgestreckt. Bei diesem Individuum sprang auch: eine glas- helle, nicht sehr, und zwar ungleich, breite Membran an der Bauchseite des Hinterkörpers, etwa in einer der doppelten Länge des Schwanzes gleich kommenden Entfernung vor dem Ge- schlechtstuberkel anfangend ‘und verschmälert bis zur Schwanzspitze hinablaufend, hervor, welche 9 dicke, bis zu ihrem Rande hinanreichende Papillen ‘umschloss, von denen 5: vor dem Geschlechtstuberkel standen, und zwar die vorderste von ihnen in kurzer Entfernung vom Vorderende der Menıbran, während die 2 folgenden durch ziemlich grosse Räume: von ihr und unter einander getrennt waren und endlich 2 nahe zusammengestellt sich an das genannte Tuberkel reihten; die übrigen 4 Papillen standen vom letztern an bis zur Schwanzspitze hin _ in regelmässigeren, wechselseitigen Entfernungen. Die sehr robusten Spicula waren auch bei diesem Männchen lang hervorgeschoben. Die letztgenannten 4 Papillen auf der Unterseite des Schwanzes ‚besassen übrigens auch alle übrigen Männchen; sie verhielten sich aber bei ihnen so, dass. die 2 letzten ganz nahe vor der Schwanzspitze und auch nahe an einander, die anderen beiden aber in grösseren Entfernungen von diesen und unter einander nach. dem Geschlechtstuberkel hin standen. Sie waren aber bei ihnen von keiner Membran umschlossen, sondern standen frei zu Tage. So sah es wenigstens aus, wenn ich die auf der Seite lie- genden Würmer betrachtete. Aber gewiss standen die Schwanzpapillen- doeh immer in einer solchen Membran, die sich mir auch bei zwei Individuen, welche ich einem Drucke zwischen Glasplatten aussetzte, deutlich, ünd zwar beiderseitig — wie sich das von diesen Schwanz- membranen und’ -Papillen überhaupt versteht — bis in den Anfang der Schwanzspitze sich erstreckend zeigte, Spuren einer solchen Membran vor dem Geschlechtstuberkel zeigten sich auch noch sonst’ bei einigen Individuen und bei einem einzigen auch eine einzelne Papille etwa in. der Mitte einer solchen. Die inneren Geschlechtstheile umhüllten den grössten Theil des Darms. Die Weibchen hatten bei der grössern Länge von 3—4 bis zu 6—7 auch eine . nn stärkere Dicke, als die Männchen, waren einfach gekrümmt, mit Ausnahe einiger, deren Vor- derkörper spiralig. eingerollt war, ohne Ausnahme aber mit gerade ausgestrecktem Hinterkörper, Ihr Schwanz ‚ging ohne Unterbrechung und ganz gerade vom Körper ab, war ansehnlich lang, verschmächtigte sich allmählig. und lief endlich, nach einem kaum merklichen oder auch gar keinem Absatze, in eine geräde Spitze aus, welche sich, jedoch nicht sehr, bis zu ihrem, auch hier, wie bei den Männchen, stumpflichen Ende verdünnerte, ‚aber stärker und länger war, als bei jenen. Der After ragte von der Basis des Schwanzes wenig hervor und. war schwach wulstig. Die Vulva zeigte sich mir durch das Mikroskop von zwei wenig hervorragenden wulstigen Lippen gebildet, durch eine stark vergrössernde Lupe dagegen nur als eine sehr kleine, schimmernde Perle, etwas vor der Mitte des Körpers (3° vor der Schwanz- und 2?/," hinter der Kopfspitze bei einem 2). Die inneren Geschlechtsröhren umhüllten , wie beim Männchen, den grössten Theil des Darms, füllten den Körper ‚bis zum After hinab und ent- hielten eine sehr grosse Menge von Eiern, welche, verschieden an Grösse, nämlich von c. !foo bis as“ Durchm,, theils kugel-, theils länglich-rund ‚erschienen, aus dem Mutterkörper zu Tage gefördert ‚öfters noch eine weite, zarte und klare Umhüllung aus dem Eierkanale mit- brachten und eine sehr feine Schale besassen, innerhalb deren. eine zweite zarte Membran den. körnigen ‘Dotter umschloss, aus welchem. sich in vielen der grösseren Eier schon das Rudiment. eines Embryos unter der Gestalt einer unförmlichen, dicken, einmal zusammen- gebogenen Wurst hervorgebildet hatte, Charakter der Species: Oxyuris reirorsus, altenuata, anlıce subtruncata, Ore minimo , circumvallato circulo tumidulo, amplo, tuberculoso, Marium corpore poslico una cum cauda hamiformi, Spicula emittente duo crassa, longa, alterum altero brevius, Cauda ipsa brevi, attenuala , utrinque alata, in Ala utraque Papillis instructa 4 et. finita 'acumine sublili, ‚recto, breviusculo, sublineari, obtusiusculo, Feminarum Cauda recta, longa, elongato-conica et abeunte in acumen satis, longum,, ad finem obtusiusculum , parum. allenuatum , Yulva prope ante cor- poris medietatem sıta. 3) Taenia brachyrrhyncha M, Von dieser. Tänie hatte, ich \ eine grosse Menge, von, Exemplaren ‚zur. Untersuchung vor mir, deren. Fundstelle. im Dicholophus die mittlere Gegend. des Dünndarms gewesen war. Sie waren von sehr verschiedener Grösse (von kaum einigen, Linien bis zu einigen. Zoll Länge) und Ausbildung, die grösseren 'sämmtlich in ‚einen Knäuel verschlungen, aus welchem ich jedoch mehrere los machen konnte, Durch das gedrückte Beisammenliegen in diesem mochten sie, wie auch. vielleicht durch ein etwas zu frühes. Einlegen . in. Weingeist, einige Abänderungen u u ihrer Gestaltung bekommen haben, welche die Gliederreihen nicht mehr ganz so erscheinen liessen, wie sie wohl im frischen Zustande gewesen waren. Zudem fehlte der Kopf diesen grossen Exemplaren entweder ganz, oder er war auch durch Druck, wie es schien, mehr oder weniger entstellt. Seine Gestalt konnte ich indessen von den kleinen und mittleren, gut beschaffenen Exemplaren sehr wohl entnehmen, welche ich nun — auch schon desswegen — zuerst beschreiben will. . Die jüngsten und kleinsten Exemplare waren von Ilaardünne, mit viel dickerm Kopfe. Ihre Länge betrug von 1'/, bis 3% Der bei dieser Species unbewaffnete Kopf überragte den Hals bald mehr, bald weniger, je nachdem er mehr oder weniger verkürzt und von vorn nach hinien zusammengedrückt war, und je mehr oder weniger zudem die Saug- näpfe hervorstanden, Diese zeigten sich nämlich zu den Seiten des Kopfes bald als ansehn- liche Kugeln oder Blasen, in welchem Falle dann der Kopf selbst abgekürzt war und in seiner Mitte eine dicke, kurze, abgerundete Protuberanz besass, welche sich in anderen Individuen noch mehr hervortretend und auch wohl durch eine Strietur vom Kopfe, dem sie mitunter an Länge gleich kam, geschieden, als ein dickes, breit abgestutztes Rostellum auswies; bald aber waren sie nebst dem letztern so völlig einwärts gezogen, dass nur die Spuren ihres Vorhandenseins an den ‚Seiten des nun kugligen oder etwas länglich runden Kopfes übrig geblieben waren und die Stelle des zurückgezogenen Rostellums durch die breit abgestutzte Mitte der vordern Kopffläche bezeichnet ward. Der Kopf ging in der Regel ohne Unter- brechung allmählig in den dünnern, nach hinten sich auch noch etwas verschmälernden, bis- weilen zuletzt aber wieder ein wenig verbreiternden Körper über, welcher bei ihnen noch keine Gliederung zeigte, sondern sich als der blosse Hals der erwachsenen Individuen verhielt, und, obgleich schmäler und feiner, doch ähnliche, häufige Strieiuren, wie dieser (s. unten), besass, übrigens ‚aber durch sein abgerundetes Hinterende bewies, dass er hier, mit seinem Kopfe vereint, ein ganzes Individuum ausmachte. Die bedeutend weiter entwickelten mittleren Individuen (Zwischenstufen fand ich nicht vor) hatten schon bei einer eben nicht viel grössern Länge, als der der grössten jüngeren, nämlich von 3 bis über 5, die bedeutend grössere Breite von etwa '/s”. Der Kopf ver- hielt sich wie bei den kleinsten, überragte aber den hier viel breitern, ihn selbst an Länge um einige Male übertreflenden und mehrfach eingeschnürten Hals weniger. Auf diesen folgte nun ein völlig gegliederter Körper, und zwar zuerst eine kurze Reihe sehr kurzer Glieder mit Stark convexen Seitenrändern; dann kamen mehr verlängerte, doch immer kurze, mit über das folgende Glied hinausragenden stumpfen Winkeln und mehr oder weniger convexen Seiten - rändern, nach gen. denen wieder eben so gerandete auftraten, deren Winkel aber nicht vorspran- Die letzte Reihe hatte ihre Glieder etwas mehr verlängert und deren Seitenränder waren Abh. d, Nat. Ges. zu Halle. Ir Band. 9 — DB == gerader, so dass das vorletzte etwa quadratisch ,.. das am. Ende breit-stumpfe Schlussglied aber ‘wohl ‚sogar etwas ‚länger als breit werden mochte. — : Wie hier beschrieben verhielten sich die Glieder bei einigen ‚Individuen, bei. anderen ‚aber, bei denen der Körper etwas weniger zusammengezogen. war, waren die. Glieder ‚der ‚mittlern Strecke völlig. keilförmig, Die Länge der erwachsenen Exemplare betrug bei denen, die ich aus dem Knäuel befreien und ausmessen konnte, denen aber zum Theile das äusserste Vorderende mit dem Kopfe fehlte, von etwas über 31/4" bis zu 6°, bei grösster Breite in der Körpermitte oder 'elwas binter ihr von 1'/s'”, von welcher sie sich nach hinten allmählig. wieder so verschmälerten, dass das Hinterende, welchem aber immer das — abgerundete — Schlussglied fehlte, nur etwa die Breite von 1/,“ behalten mochte, während der Körper nach dem Kopfe zu sich so sehr verschmälerte, dass er dort nebst dem Halse nur als ein langer, dünner Faden erschien, an welchem der Kopf, wo er noch existirte, als ein ungemein ‚kleines Knötchen nur wenig vorsprang: Wie oben schon bemeldet, zeigte sich der Kopf hier mehr oder weniger entstellt; dennoch aber war die Uebereinstimmung seiner Gestalt mit der bei den jüngeren und jüngsten Indivi- duen nicht zu verkennen. Auf ihn folgte der, wie bei den mittleren, ihn um einige Male an Länge übertreffende , im Breitendurchmesser ihm aber ein wenig nachstehende, "mehrfach ein- geschnürte Hals, und auf diesen die erste, ihm an Breite ungefähr gleich kommende, aus sehr kurzen Gliedern bestehende Körperstrecke, von welcher ab sich der Körper bis an oder hinter seine Mitte allmählig verbreiterte und die Glieder gar verschiedene Gestaltungen hatten, darin jedoch überein kamen, dass sie, mit der einzigen Ausnahme, dass das letzte — vorhandene — Hinterglied" bisweilen eben so lang, ja vielleicht sogar um ein Weniges-länger, als breit, ward, sämmtlich breiter, als lang waren, und dass ihr Hinterrand stets den Vordertheil des nächst- folgenden Gliedes 'stark deckte. Uebrigens waren sie, je nach der verschiedenen Zusammen- ziehung und Ausdehnung der einzelnen Körpergegenden, bald (im erstern Falle) an den Seiten mehr geradrandig, auch mehr oder weniger convexgerandet, bald (im andern, Falle) richtig keilförmig, mit stumpfen, sehr hervorgezogenen Winkeln. Die letztere Gestalt behielten sie aber in der hintera Körperstrecke gemeinhin nicht, sondern waren. dort immer kurz und mehr an einander gedrückt, bis. auf die letzten wenigen, welche ich stets: mehr in. die Länge. gezo- gen. und oft mit ausgebreitetem und in die Höhe gehobenem Hinterrande, sah. _Genitalöffnun- gen wurde. ich so wenig, als Genitalglieder gewahr, Die Eier, welche ich’ aus Hintergliedern befreite, waren ‚kuglig, von mittlerer Grösse, durch den Weingeist, aber sehr verschrumpft, und besassen mehrere den Dotter umschliessende, klare Häute, Nachdem: ich hier nun die ‚erwachsenen Specimina beschrieben habe, ‘muss ich’noch einer bedeutenden Anomalie bei mehreren der indem ‚Knäuel ‚liegenden Individuen’Erwähnung thun; welche: bei einer Länge von’ 1a) bis" 3 eine! stärkste Breite von’ etwa 1 besassen. Der wohl erhaltene Kopf war 'bei .ihnen "bald "kugelrundlich, 'bald länglichrund ‘und trug seine 'ansehnlichen: Näpfe mitten an seinen ‘Seiten, wie !bei den früher beschriebenen, auch hatte sich das Rostellum bald kurz und rund hervorgeschoben ‚'bald zurückgezogen. "Während aber der Kopf bei allen oben beschriebenen Individuen den Hals. seitlich überragte, war er hier viel- mehr meistens von geringerm Durchmesser, als der Körpertheil,. dessen ‚verschmälertes Ende er bildete, Es fand sich hier nämlich kein Hals, sondern auf den Kopf folgte sogleich eine grosse Reihe‘ von sehr kurzen Gliedern, welche partienweise von einander abgeschnürt waren, übrigens aber mit lihren stark convexen Seitenrändern auch einzeln sehr hervorstanden. Der Körper hatte im Allgemeinen einen sehr gedrungenen Habitus, welcher den langen Vordertheil sogar drehrundlich erscheinen liess. Ich hätte verleitet werden können, diese anomalen Indi- viduen einer zweiten Art von Tänien im Dicholophus zuzuschreiben, wenn nicht zwei Umstände mich davon zurückgehalten hätten. Der erste bestand darin, dass die Glieder im Ganzen sich so verhielten, wie die der Erwachsenen an deren mehr gedrungenen Körperstellen, der zweite aber darin, dass unter der Zahl der anomalen sich einige befanden, welche zwar auch die- selbe Gedrungenheit des Körpers besassen, am äussersten Vorderende sich aber zu einer Fadendünne verschmälerten und einen, wenn auch kurzen, Hals bekamen, welchen der Kopf überragte. Die Art-Identität der erwachsenen und der so anomal erscheinenden Individuen ward mir nach diesen Beobachtungen und Vergleichungen klar. Es beruhete offenbar die Ano- malie nur eben auf der grossen Zusammengedrängtheit, Verdickung und Verkürzung der Glieder mit sammt dem Halse. In den Hintergliedern eines der grösseren dieser anomalen Exemplare suchte ich auch wiederum nach den Eiern, fand deren aber keine. Bei der Definition lasse ich mit Recht, wie mich dünkt, diese Exemplare unberücksich- lügt, und entlehne allein von den oben beschriebenen, ausgebildeten und erwachsenen, eier- trächtigen Individuen den folgenden Charakter der Species. Taenia Capitis parvi, breve-rostellati, inermis Osculis lateralibus magnis, Collo brevi, filiformi, Corporis antice filiformis, sensim latitudine erescentis, ad finem denuo decrescentis Articulis primum brevissimis, tum brevibus, aut subrectis, aut marginibus lateralibus converiusculis, aut (medüs) cuneatis simulgue minus brevibus, wltimis magis elongalis, margine postico omnium prolracto ac tegente, Foraminibus genitalibus non conspicuis. 9%* ne FE Indem ich mit dieser Definition die Beschreibung der vom Hrn. Prof. Burmeister im Dicholophus cristatus gefundenen Eingeweidewürmer schliesse , erfülle ich noch die angenehme Pflicht, Demselben für die Liberalität, mit welcher Er ‚mir Exemplare der obigen, von Ihm entdeckten drei Arten für das zoologische Museum der hiesigen Universität auszuwählen erlaubt hat, hier öffentlich Dank abzustatten. Greifswald d. 30. März 1853. Dr, Creplin. Druckfehler. S,. 13. 2. 4 v. o. lies denen stalt deren. S. 14. 2.9 v. u. lies Nirzsch st, Nirsch. S. 14. Z. 4 v. u. in der Note, lies WALKENAER St. WALEREAUER. | S. 15. Z. 4 v. 0. desgleichen, Vierteljahrsbericht über die Sitzungen der naturforschenden Gesellschaft zu Halle. Erstes Vierteljahr 1853. Vorsitzender Direktor Herr 0. B. R. a. D. Graf Seckendorff. Die Sitzungen vom löten und 29sten Januar wurden durch die Verhandlungen über einzuleitende Veränderungen im Sitzungslokale und in anderen inneren Einrichtungen der Gesellschaft und über die Herausgabe von Gesellschaftsschriften völlig ausgefüllt. Sitzung vom 12ten Februar. An eingegangenen Schriften wurden der Gesellschaft vorgelegt: Jahrbuch der K. K. Geologischen Reichsanstalt zu Wien. 1850. 4 Hefte; 1851. 4 Hefte; 1852. 1u. 2Heft. 4. (Mit Begleitschreiben vom K.K. S.R, Hrn. Haıinger.) Linnaea Bd. VII. Heft 3—5. Bd. VIII. Heft 1—6. Bd. IX. Heft 1—3, Halle 1850, 51, 52, 8. Selectus Seminum in horto academico Halensi 1852 collectorum. Hal. 1852. 4. Adversaria botanica sive stirpium aesiate 1852 in horto botamico Halensi examini subjectarum deter- minatio critica. (Geschenke des Hrn. von SCHLECHTENDAL. ) Enwın LAnkester & GEoRGE Busk Quarterly journal of microscopical science. London. Octbr. 1852. 8. Plan zu einem Verzeichnisse deutscher Volksarzneimittel aus dem Pflanzenreich v. Dr. med. M. A. Höre kam zur Vertheilung unter die Mitglieder. — Als ordentliches einheimisches Mitglied wurde aufgenommen Herr Dr. med. Auexıus Mann, praktischer Arzt hierselbst. Herr Prof. von ScHLECHTENDAL legte mehrere theils farblose, theils blau gefärbte Proben eines durch den Oberförster von Pannewirz in Schlesien aus dem Holze der Rothtanne (Pinus Abies L. Pinus Picea du Roi) angefertigten Papiers vor, welches in sehr verschiedener Dicke dargestellt wird und sowohl zum Druck von Büchern, als zu Galanteriearbeiten brauchbar ist. ‘Zur Vergleichung diente ein Exemplar der Schrift, welche der Prediger G. A. Senser im Jahre 1799 auf aus gewöhnlichen Süsswasserkonferven bereitetem, sehr unansehnlichem Papiere hatte drucken lassen. Prof. Burueister gab einen Bericht (S. 11 ff.) über den im Innern Brasiliens einheimischen Vogel Seriema (Dicholophus cristatus). Derselbe lebt nur im Gebiete der Triften (Campos) und geht bis zum 30° S. Br. hinab; seine Nordgrenze scheint bis an die Walddistrikte des Amazonenstroms zu rei- chen. Schon Marcsrar kannte den Vogel unter dem Namen Cariama, aber weder Burron, noch Linse, noch Laruam haben ihn gesehen. Seine genauere Kenntniss verdanken wir ILLisEr, GEOFFROY und dem Prinzen von Neuwied. Der Vortragende brachte vier Exemplare aus Brasilien mit und hatte dort eins oa DER ae mehrere Tage lebendig; er erläuterte die Osteologie am Skelet, die Splanchnologie durch Vorlegung von Abbildungen, welche er in Brasilien gefertigt hatte und gab schliesslich die systematische Stellung des Vogels dahin an, dass er mit dem/Agami (Psophia erepitans) eine besondere kleine Gruppe bilde, welche durch letzteren mehr an die Kraniche, und weiter an dieFulicarien zunächst sich anschliesse. Die früher vielfach behauptete {Verwandtschaft des Vogels mit dem Sekretair (Gypogeranus Serpentarius) erweise sich als völlig unbegründet. ; Sitzung, vom 26 sten Februar, Zu auswärtigen ordentlichen Mitgliedern wurden Herr Dr. med. Fr. Car. H. Crerrin, Custos des’ zool. Mus; zu Greifswald, und Herr Dr. med. Hermann Schaum, Privatdozent zu Berlin aufgenommen. Hr. Prof. vos SCHLECHTENDAL erläuterte an einem Exemplare einer chinesischen Primel eine Mon- strosität, welche sich fast an allen Pflanzen der ganzen Aussaat bei einem hiesigen Handelsgärtner ent- wickelt hatte, indem die, Blüthen grüne Farbe. und blätterartige Bildung angenommen. hatten. Käme . diese Missbildung nicht auch im hohen Sommer, vor, so könnte man den diesmaligen sonnenlosen: Win- ter als Veranlassung annehmen. Hr. Prof. Kranner referirte die Resultate der Untersuchungen, die Bimper und (C. Scummpr, (F. Bioper u. C. Schmmr die Verdauungssäfte und‘ der Stoffwechsel. Mitau & Leipzig 1852, 8.) über die Verdauungssäfte angestellt haben,‘ Durch’ erfolgreiche Verallgemeinerung des von Beaunont zufällig ntdeckten und bereits vielfältig benutzten: Verfahrens der Darmfistelbildung ist ‚es gelungen ‚sowohl: bei ! einem ünd demselben Thiere unter verschiedenen Lebensbedingungen, alsı auch bei verschiedenen Thieren derselben oder verschiedener Species die Sekrete/ der: Speicheldrüsen, | der Mundschleimhaut, . des Magens, der Leber, der Bauchspeicheldrüse ‘und des: Darıns isolirt aufzufangen, ihre. Quantität zu bestimmen und mit»dem: Gewichte des Thieres zu vergleichen.und ihre Eigenschaften, ‚Zusammensetzung ‚und Einwirkung auf Nahrungsmittel, so wie die ‚Folgen ihrer vorzeitigen ‚Entfernung aus dem Organismus zu.siwudiren, Ueberträgt man die ‚gefundenen Werthe ‚auf ‚den Stoffwechsel im Menschen, «(ein allerdings missliehes Verfahren) ,. so: würde die: Quantität der. beim Erwachsenen ‚binnen 24 Stunden. aus. dem Blute in den Darmkanal ausgeschiedenen und grösstentheils wieder in das ‚Gefässsystem zurückkehrenden Sekreten etwa 18,5 Pfund bürgerl. Gewicht mit etwa. 0,5 Pfd. trockner Substanz beitragen. ‚Davon. kämen auf den Magensaft 12 Pfd., auf Speichel und Galle je 3: Pfd., auf Pankreas- und Darmsekret je.0,3 Pfund. Die Verbreiterung des Kreislaufes neben. der‘ Verflüssigung , Umwandlung und "Lösung der genossenen Nahrungsmittel :scheint danach ‘der 'hauptsächlichste Nutzen der. Speichel- und: Magensaftabsonderung zu sein. Pankreas - und Darmsekret. sind quantitativ gering, aber von. eminent lösendem Einfluss auf Amy- lum und «ungelöste Albuminate. Neutrale Fette werden durch Pankreassaft im ‚Körper‘ selbst nicht zer- setzt. Die Galle ist namentlich als. Natronsalz auch! quantitativ von Belang, ‚sie-vermittelt, daneben den Durchtritt der neutralen Fette durch den Darm in’ die Chylusgefässe 'und regelt den Zerseizungsprozess des Darminhaltes. » Ihr: gänzlicher: Verlust für. den Körper: kann durch ungeheuern- Mehrverbrauch von Albuminaten aus der Nahrung Monate lang: ausgeglichen werden: Hr. ‚Prof. Heitz hob, gegen -Biwprr’s Ansicht hervor, .dass..die Milchsäure im Magen’ andre Eigen- schaften zeige, als die Milchsäure .in..der) Muskelflüssigkeit, mit der aus Stärke und Zucker ‚gewonnenen genau übereinstimme und ‚unzweifelhaft grössientheils aus dem bereits durch Speichel veränderten Amy- lum entstehe, wenn es auch ‚nicht gelinge, im Magen in den gekauten Stärkemehlstoffen Zucker nach- Pe BEN zuweisen. Hr. Prof. von SchLecHTENDAL erinnerte. zur Bestätigung des Einflusses, den der Speichel! schon beim. Kauen äussert, an den Gebrauch der Südseeinsulaner, welche die amylumreiche Wurzel des Ava- oder Kavastrauches (Piper methystieum) zuvörderst von alten Frauen: kauen: lassen, um sie sährungsfähig und. zur Bildung ‚eines berauschenden Getränks geschickt zu machen. Hr. Prof. D’Arron hob dagegen die Anwesenheit der Speicheldrüsen bei Carnivoren und den Mangel derselben bei Cetaceen, die ihre Nahrung stets mit: grossen, Mengen’ Seewasser verschlucken, ' als praktische Belege für Bıpper’s Ansicht hervor, Sitzung vom 12ten März. Für die Bibliothek der Gesellschaft waren eingegangen: 4) W. R. Weitenweger' Denkschrift über Avcver Josep# Corpa’s Leben und literarische Werke, 1852. 4. (A. d. Abhand. d. K. B. 6. der W.), 2) F. X. Ramısc# Beobachtung über Saamenbildung ohne Befruchtung am Bingelkraut (Mercurialis annua). Prag 1837. 8. (A. RW. Weıtenweser’s Beiträgen). Geschenke des Hrn. Dr. W. R. Werrenweßer, Prag 3) Gratulationsschrift des Rigaer naturforschenden Vereins zum 50 jährigen Jubelfeste d. K. Universität Dorpat am 12ten Dechr. 1852, eine chemische Analyse des Wassers aus der Düna und aus einem der in Riga befindlichen artesischen Brunnen enthaltend. Riga 1852. & Durch Hrn. Dr. Weser übergeben. 4): Jahresbericht des naturwissenschaftlichen ‘Vereins zu Halle für 1852, 2 Abhälg. 8. 9) Zeitschrift:für die gesammten Naturwissenschaften herausgegeben vom naturwissenschaftlichen Vereine für Sachsen und: Thüringen in Halle. : 1853. Januar. Nebst Begleitschreiben des Vorstandes Hrn. €. 6. Gieeen did. Halle d. 3. März’ 1858; Als neues ordentliches Mitglied wurde Herr G. En. Lierscn, Kaufmann. hierselbst, aufgenommen. Herr Prof. von SCHLECHTENDAL erläuterte einige Verhältnisse der von Fi X. Rantsch mitgetheilten Beobachtungen, welche geeignet sind, die Richtigkeit des von ihm angegebenen Resultates in Zweifel:zu stel- len; er legte darauf ein.Heft chinesischer auf Reispapier (rice-paper, Bok-shung) ausgeführter Malereien vor, die sich durch Pracht der Farben und glückliche Auffassung des allgemeinen Charakters der dargestell- ten botanischen und entomologischen Gegenstände neben! mancherlei Fehlern im Detail auszeichnen, und knüpfte daran Bemerkungen über den botanischen Charakter des Baumes, dessen Mark das Papier giebt. Derselbe war bisher ganz unbekannt, da.die. chinesischen Originale, nach.denen’Hookzr bereits früher:eine Abbildung besorgte, offenbar gefälscht waren. Er gehört zur Familie. der Araliaceae, den Dolden zunächst verwandt, (Aralia (2) papyrifera. Hook.) und .wächst' nur auf sumpfigem;: Boden. im: Norden: der Insel Kormosa.: . Zwei Exemplare sind lebend in: England, angekommen; von :denem das eine in Kew;' das andere beim Herzog, v. Drvonsuure sich ‚befindet. Ein; ganz ‚ähnliches Mark liefert ‚Scaevola Teccada, ‚dessen sich ‚die, Malayen. und Siamesen Zur An- fertigung. künstlicher Blumen bedienen.\.Es hat aber, nur!" Zell Durchmesser, während: das:Mark' der Aralia. bis. 24, Z, Durchmesser hat... Diese. Scaevola Teccada, schon: von Rünpa gekannt, ist: vielleicht Sleich.mit Se. Koenigii Yahl und gehört, zur ‚Familie .der Goodenovieae, verwandt. mit den Lobelien. wie, esin. China. in, den ‚Handel: kommt, soll; hundert Blätter «enthalten und kostet 35cash (ungefähr: 5 Farthings). „'Ein.Bund. Reispapier, Hiernach‘scheint der Baum: häufig zu. sein. mn nn nn nn a m ie Herr Prof. p’Arron erläuterte unter Vorlegung der betreffenden Abhandlungen und Abbildungen Luscaka’s Untersuchungen über die Struktur der serosen Häute, wodurch deren bisher angenom- mener anatomischer Charakter beseitigt und ihre Zahl im Körper vermehrt worden ist, und über den Ursprung und den Verlauf des N. phrenicus, die dessen konstanten Zusammenhang mit dem N. Sympathicus ausser Zweifel gestellt haben, Herr Dr. v. Barrensprung referirte über die neuen Untersuchungen von Boursumsnon über das Insekt der Krätze. Durch die Entdeckung des Männchens kann jetzt die Naturgeschichte dieses Thieres in allen Theilen als abgeschlossen betrachtet werden, seine Lebensweise erklärt die auf die Nachizeit beschränkte Ansteckungsfähigkeit der Krankheit und durch die vorgenommenen Uebertragungsversuche desselben auf die Haut Gesunder schwindet endlich jeder Zweifel darüber, dass es kein anderes Konta- gium bei dieser Krankheit giebt, als das Thier selbst. Alle Mittel, welche das Insekt tödten, heilen zugleich die Krankheit. Durch Anwendung dieses Grundsatzes hat die Behandlung allmälig sehr verein- facht und abgekürzt werden können. Noch vor 20 Jahren hielt man dazu einen mehrwöchentlichen Zeitraum und eine Verbindung. innerer und äusserer Mittel für erforderlich ; die gegenwärtig sehr ver- breitete englische Methode hat zwar die Kurzeit auf wenige Tage reducirt, während welcher der Kranke aber in einem ununterbrochenen, die Gesundheit und selbst das Leben gefährdenden Schwitzbade erhalten wird. Die neuerdings von Frankreich aus empfohlene Schnellkur hat aber bewiesen, dass selbst eine einmalige intensive Einreibung mit einer geeigneten Salbe sich ausreichend beweist. Nach diesem Verfah- ‘ren dauert die Behandlung im Ganzen nur 2—3 Stunden und kostet wenige Silbergroschen, während sie vorher ebenso viele Thaler kostete, was besonders für die Hospitalpraxis ein sehr wichtiger Umstand ist, Schliesslich legte v. B. einige ihm vom Prof. Boeck in Christiania zugeschickte Präparate einer neuen Form der Krankheit vor, bei welcher das Insekt nicht einzeln unter der Oberhaut, sondern zu Tausenden in einer den ganzen Körper überziehenden Hautkruste lebt. Seinen beim Tödten von Insekten gemachten Erfahrungen zufolge glaubt Hr. Prof. Burmeister den Aerzten bei der Behandlung der Krätze Alkoholdämpfe zur Prüfung empfehlen zu können. Herr Prof. Burneister trägt den Bericht seiner Reise nach Brasilien wie folgt vor: Die Reise, welche ich’ nach Brasilien unternahm, hatte ursprünglich den Zweck, meine sehr ange- sriffene Gesundheit zu stärken und hauptsächlich mich geistig zu zerstreuen; sie verzichtete daher von vorn herein auf grosse wissenschaftliche Resultate um so mehr, als ich sie für eigene Rechnung zu unternehmen beabsichtigte. Erst die Theilnahme des damaligen Kultus -Ministers Excellenz, des Herm v. Lavessere, welcher mir eine Unterstützung von Sr. Majestät dem Könige erwirkte, gab ihr einen mehr wissenschaftlichen Charakter. In Rio de Janeiro, wo ich den 21. Nov. 1850 eintraf, hielt ich mich nur 5 Wochen auf, um die zur Reise ins Innere nöthigen Vorkehrungen zu treffen; während dieser Zeit sammelte besonders mein Sohn Insekten in der Umgegend. Kurz vor Neujahr begab ich mich nach Neu-Freiburg, 28 Meilen nordöstlich von Rio, am Abhange des Orgelgebirges; hier verweilte ich drei Monate, stärkte mich durch tägliche Flussbäder, und sammelte viel. Ausser den erworbenen 300 Bälgen und gegen 3000 Insekten waren Untersuchungen über die Metamorphose der Insekten Hauptgegenstand meiner Beschäftigung; ich habe gegen 70 verschiedene Arten durch alle 3 Lebensstadien verfolgt und die meisten an Ort und Stelle; gezeich- net. Alle meine in Neu-Freiburg gemachten Sammlungen sendete ich von da nach Europa, wo sie im September 1851 wohlbehalten ankamen, und begann die Reise ins Innere nach dem Ablauf der Regenzeit. ——— a Zuerst begab ich mich über Cantagallo an den Parahyba nach Aldea de Pedra, um dort die beiden Urvölker der Goroados und Puris kennen zu lernen. Nach ätägiger Rast setzte ich die Reise im Thale des Rio da Pomba hinauf fort und berührte hier eine wenig bekannte, grösstentheils noch wilde Gegend. Bei dem Dorf Merc&s überschritt ich die Grenze des Wassergebietes des Rio da Pomba und Parahyba und betrat nunmehr das besser cultivirte Stromgebiet des Rio Doce, wo schon Goldbau getrieben wird. ‚Ich durchschnitt die oberen Gehänge seiner Thäler und gelangte bei Marianna über den Itacolumi, einen der höchsten Bergzüge Brasiliens, dessen erhabenste Spitze bei Ouropreto etwa 5400 Fuss Höhe erreicht. Hier ist das alte Centrum des Goldgebietes, einst so berühmt und besucht, wie heute Californien; jetzt aber ganz arm und ausgebeutet, wie die meisten Strecken von Minas geraös, Von Ouropreto wandte ich mich nach Nordwesten zum Stromgebiet des Rio St. Franzisco und erreichte schon in wenigen Stunden hinter der Stadt seinen grössten Nebenfluss, den Rio das Velhas, an dessen Ufern in weiterer oder geringer Entfernung die Haupt- goldlager der Provinz Minas geraös sich befanden. Ich besuchte das gegenwärtig ergiebigste Berg- werk von Morro velho, das sich in den Händen einer Englischen Compagnie befindet; durchstreifte die wegen ihres Goldes einst weit bekannte Gegend von Sabara und zog weiter hinunter am Velhas nach Lagoa santa, wo ein berühmter Naturforscher, Herr Dr. Lunp aus Kopenhagen, sich aufhielt. Meine Absicht war, hier die Höhlen kennen zu lernen, in denen er die interessanten fossilen Knochen gefunden hatte, und wo möglich, ähnliche Sammlungen zu machen. Allein der Besuch von 2 Höhlen überzeugte mich bald, dass das mit meinen Hülfsmitteln nicht möglich sei; ich musste mich auf das Sam meln lebender Geschöpfe beschränken und verfolgte dies Ziel eifrig. Da hatte ich das Unglück , bei einem Spazierritt das Bein zu brechen, als ich mich unvorsichtig zu weit überbog, ein Gatterthor zu öffnen und durch die plötzliche Seitenbewegung meines Thieres heruntergerissen würde. — Dieser Unfall gab meiner Reise eine ganz andere Wendung; ich musste in Lagoa santa 2 Mo- hate und später in Gongonhals noch 3 Monate liegen bleiben; dann konnte ich wieder zu Pferde stei- gen. Während dessen wurde fleissig gesammelt, über 200 Bälge angefertigt und an 2000 Insekten gefan- sen. Mit diesen Vorräthen trat ich am 18. Nov. die Rückreise an und traf den 19. December über Cachoeira, Queluz, Barbacena, die Serra da Mantiqueira, den Parahybuna hinab bis an den Parahyba, und von da über Sumidoro nach Petropolis, Fragoso und Porto da Estrella in Rio de Janeiro wieder ein. Hier weilte ich bis zum 14. Januar, und bestieg an diesem Tage ein Segelfertiges Schiff, um in die Heimath zurückzukehren. — Ich war 19 Monate abwesend, legte gegen 3500 Meilen zur See und 210 Leguas (etwa 200 deutsche Meilen) zu Pferde in Brasilien zurück. Meine zoologische Ausbeute besteht in 68 Stück Säugethieren, worunter 5 Skelette; die grösseren in Bälgen, die kleineren, wie Fle- dermäuse und Mäuse, in Weingeist; 400 Stück Vögelbälgen ; 24 Vogelnestern mit Eiern; 20 Stück losen Vogeleiern; 72 Stück Amphibien, fast alle in Weingeist; 5000 Stück Insekten, sämmtlich getrocknet; 146 Stück Land- und Süsswasserconchylien; 39 verschiednen Seethieren in Spiritus ; men welche Gegenstände sämmtlich wohlerhalten in Halle eintrafen und den Sammlungen der hiesigen Uni- versität einverleibt worden sind. ‚Als besonders bemerkenswerthe, weil neue Arten, sind unter den Säugethieren, Vögeln und Amphibien nur wenige hervorzuheben. Die Anzahl der neuen Insekten-Arten ist sehr gross, kann. aber noch nicht näher bestimmt werden. Unter den Conchylien befinden sich einige neue Unionen.. — Weitere Ausführungen enthält meine Reisebeschreibung,, wovon die erste oder historische Ab- theillung bald nach Ostern die Presse; verlassen wird. — Der Redner legte darnach einige der mitgebrachten, theils bekannteren, theils seltenen und noch nicht beschriebenen Vogelnester. und Vogeleier vor. Unter ihnen zeichneten sich die Eier von Tinamus durch ihre sehr lebhafte Färbung, ‘wie man sie bei europäischen Vogeleiern nie findet, und die Eier des Anw durch ‚einen gleichmässig ‚verbreiteten, dichten, doch nur locker der himmelblau gefärbten Ei- schale aufsitzenden Ueberzug von kohlensaurem Kalk und Talk aus.. Zu den sehr seltenen Eiern rechnet Prof. B. besonders die eigenthümlich gezeichneten verschiedener brasilianischer Caprimulgen. Hr. Prof. Kranmer zeigte einige Proben von Gallertkapseln vor, die er sich nach dem ScHRECKEN- perGeR’schen Verfahren angefertigt hatte. Er empfahl sie der Leichtigkeit und Wohlfeilheit ihrer Dar- stellung wegen zu einer ausgedehnteren Verwendung in der Receptur. Eine noch allgemeinere Benutzung zur Einhüllung schlecht schmeckender und schlecht riechender Arzneien gestattet das in Frankreich vielfältig geübte Verfahren des Ueberziehens von: Arzneistoffen mit einem Zuckerguss. Die vorgezeigten schwefel- kaliumhaltigen, vom Vortragenden mit leichtester Mühe glacirten Pillen verbreiteten selbst in dem Glase, in dem sie aufbewahrt waren, nur einen schwachen, kaum unangenehmen Geruch, und liessen sich ohne jede widrige Geschmacksempfindung verschlucken. : Das Verfahren gestattet ausserdem die mannigfachsten Mo- dificationen, indem zum Bestreuen der mit gummihaltigem Zuckersyrup befeuchteten Pillen oder Bissen nach Belieben reiner, gefärbter oder mit einem ätherischen. Oele gemischter Zucker verwendet werden kann, und wird, von einem geschickten Apotheker geübt, noch viel bessere Resultate als die vorgelegten liefern. Zu dem historischen Berichte über die naturforschende Gesellschaft in Halle und dem ihr angehäng- ten Mitgliederverzeichnisse erlaubt sich der Unterzeichnete folgende ihm bis jetzt bekannt gewordenen Irrthümer nachträglich zu berichtigen : S.1. 2.5. v. 0, und ‚öfter lies Nilzsch. 2.13 v,0o,liesG, Fischer von Waldheim, S. 7. Sp. 2, Z. 13 v, o, lies v. Schlechtendal, Med. u, Ph. Dr. 2.18v.0. , Prof, d. Bot. zu Upsala. 2.19 v. u. ,„ Henckel von Donnersmarck. Z.12v.u. „6. Chr, Harless T. Sp. 1.2. 7 v,u. ,„ Areschoug, Adjunctd, Bot. z, Upsala, . i DEZE Herpa S. 9. Sp.1..Z. 4v.u. „ LöwDr. u.Diret, d. R, Gymn. z. Meseritz. Z. 1v.u. ‚, Martins Prof. d. Bot. z. Montpellier. Z. 7v.o. „ Dr. u, Prof. d. Bot. z. Amsterdam. Z.24v.o. ‚, Dr. u. Prof, d. Bot. z. Genua, Z.13v,u. ‚, Rabenhorst Ph. Dr, Z. 8v.u. , Staatsrath u. Prof. d, Physio. z. Breslau. u S,8. Sp.1.2.17u.18v. 0. ,, Brongniart. 2. 20 v. 0. ,„ Leopold von Buch 'F. 2.24 v.0. „ v. Cesali z. Vercelli in Piemont, Z. 3v. u. ,, Karl Ehwenberg Y. 7. 2u0. „ KR Stactsrach zu SL. Petersburg. Sp. 2. 2.10 v. 0. „ B.de Ferussac T. S.10. Sp.1. 2.23 v. = „ v, Schreibers T Halle, d. $. April 1853. L. Hrahmer, d. Z. Schriftführer d. N. G. z. H. 2, H Schenk fec. Halle. Lith. Anst.v. (Alb Meyer in — HBurmaster da. H, Schenck fer. Lith. Onst.v. (Ab. Mleyer in Halle. H, Burmeister del. ee ; an —_ PANNE VOREHREENR PAR EIIR ENNNNN ENER W503» en. IR ABHANDLUNGEN DER NATURFÖRSCHENDEN GESELLSCHAFT ZU HALLE. ORIGINALAUFSÄTZE AUS DEM GEBIETE DER GESAMMTEN NATURWISSENSCHAFTEN, . VERFASST von MITGLIEDERN unD voRGETRAGEN EIN-BENSLITZUNGEN-DER GESELLSCHAFT; HERAUSGEGEBEN voN IHREM VORSTANDE, Erfien Bandes zweites Qnartal. RER HALLE, Druck uno Vervag von H. W. Scanr. 1853, m Ueber die Folge und den Verlauf epidemischer Krankheiten. Beobachtungen aus der medicinischen Geschichte. und Statistik der Stadt Halle von Dr. F. von Baerensprung. Die Salubrität eines Ortes ist: nicht allein abhängig vom Klima und der. geographischen Lage desselben, sie wird wesentlich auch durch Zeitverhältnisse bedingt. _ Ausser den uner- gründeten Vorgängen im Luftraum , welche den Ausfall der Ernte bestimmen, über Menschen und Thierwelt Krankheits- und Sterbeläufte verhängen, bringen auch Kulturzustände — im weitesten Sinne des Worts — Veränderungen in dem Krankheitscharakter und der Sterblichkeit der Bewohner hervor. Diesen Wechsel zunächst für die Stadt Halle geschichtlich zu verfol- gen, soll in Folgendem versucht werden. Zu Ende des 17ten Jahrhunderts, als Frieprıcn Horrmann an die neu begründete Uni- versität berufen wurde, fand er den Gesundheitszustand der Stadt so günstig, dass er es der Mühe werth hielt, in einer eigenen Schrift ') eine wissenschaftliche Erklärung dafür zu ver- suchen. Auch sein um die Geschichte der Mediein besonders verdienter; Schüler Jo. Hrınr. ScHurze ?) sprach sich 40 Jahre später in demselben Sinne aus und noch später ist dies von Drexuauer in seiner bekannten Chronik und von Jusser in den Halleschen Anzeigen gesche- hen. Sie glaubten nach Horrmann’s Vorgange den Grund darin zu finden, dass das durch Verbrennung der Braunkohlen aufsteigende schwefligsaure Gas die in der Luft enthaltenen 1) Diss. de vapore carbonum fossilium innoxio. Hal, 1695. 2) Diss. de salubritate Halae nosirae. Hal, 1742 Abh, d. Nat, Ges. zu Halle, Ir Band, 23 Quartäl 1 ir miasmatischen Dünste zerstöre. Wenn man auch heut zu Tage dieser Erklärung beizupflich- ten nicht geneigt sein kann, so geht doch aus jenen gleichlautenden Zeugnissen hervor, dass am Schlusse des 17ten und während des 18ten Jahrhunderts Halle in dem Rufe einer gesun- den Stadt stand. Halle hat diesen guten Ruf weder in der vorhergehenden Zeit verdient, noch in derispä- teren bewahrt. Die chronikalischen Nachrichten beweisen uns, dass während des ganzen Mittelalters und bis zum Ende des 17ten Jahrhunderts die Sterblichkeit, eine sehr grosse ge- wesen sei und in neuester Zeit ist unsere Stadt wieder ihrer Nervenfieber und Choleraepide- mien wegen weit und breit berüchtigt. Däs Urtheil ‘der Laien ist freilich oft’ein wenig begründetes, es hält sich an einzelne besonders hervortretende Erscheinungen und übersieht, dass der Einfluss derselben durch an- dere, weniger augenfällige, aufgewogen werden könne. Selbst das Zeugniss ärztlicher Zeit- genossen darf nicht zu hoch angeschlagen werden, da ihnen zunächst nur der ‘Vergleich mit der jüngsten Vergangenheit zu Gebote steht, Einen zuverlässigeren Maassstab wird die über einen grösseren Zeitraum sich verbreitende Statistik liefern und mit Hilfe derselben wird es sich im Verlaufe dieser Untersuchung herausstellen, dass wir keinen Grund haben mit der Gegenwart unzufrieden zu sein. Der Gesundheitszustand von Halle ist nicht ungünstiger, als der anderer Städte unseres Vaterlandes; er ist jetzt namentlich sehr viel besser, als zu jener Zeit, welche Frieprıcn Horrmanv nur aus dem Grunde rühmenswerth finden konnte, weil man damals an viel schlimmere Eindrücke gewöhnt war und in der Erinnerung verheerender Krankheiten lebte, gegen welche selbst unsere letzte Choleraepidemie unbedeutend erschei- nen muss. Uebersicht man das reichhaltige Material, welches dem folgenden Versuch einer medicini- schen Geschichte von Halle zu Grunde liegt, so wird man aufgefordert, dieselbe in drei Pe- rioden einzutheilen. Die erste umfasst den siebenhundertjährigen Zeitraum von der Begrün- dung der Stadt bis zu dem Erlöschen der letzten grossen Pestepidemie im Jahre 1683; die zweite reicht bis in den Anfang dieses Jahrhunderts, wo durch die Einführung der Vaceination den verheerenden Pockenepidemien eine Grenze gesetzt wurde, der zuräckkehrende Frieden den Wohlstand hob und damit einen glücklichen Umschwung in allen Lebensverhältnissen herbei- führte; die ‘dritte Periode, in der wir uns befinden, ist durch das Auftreten der Cholera- epidemien hinreichend bezeichnet. rennen —3 — Erster Zeitraum. Der seiner Salzquellen wegen schon frühzeitig. wichtig gewordene Platz, auf welchem jetzt Halle steht, wurde erst im Jahr 981 zu einer Stadt erhoben, die schnell an Grösse und Be- deutung zunahm, im 12ten Jahrhundert schon ihre eigene Messe hatte und im 13ten sich dem, Rheinischen Handelsbunde anschliessen konnte. Obgleich. sie zweimal ein Raub der Flammen ‚wurde und trotz vielfacher Partheiungen im Innern, Streitigkeiten mit den ‚Erz- bischöfen. und Befehdungen von den Mansfelder. Grafen und Sächsischen Churfürsten, wurde und blieb sie lange die wichtigste Stadt, „das Herz“ des Erzstiftes Magdeburg. Das schnell Eingang findende Lutherthum gab zu neuen Streitigkeiten. Anlass, und unter den Drangsalen des Schmalkaldischen und des dreissigjährigen Krieges, von denen Halle, im Mittelpunkte Deutschlands gelegen, und als politisch und militärisch wichtiger Punkt besonders schwer be- troffen wurde, konnte es nicht fehlen, dass die Stadt an der schnell erreichten Grösse verlor. Obgleich. alle Angaben über die Einwohnerzahl fehlen, lässt sich doch schon aus dem Um- stande, dass die Stadt zur Zeit ihrer höchsten Blüthe im l5ten und 16len Jahrhundert 6 Pfarrkirchen, 28 Kapellen und 11 Klöster zählte, vermuthen, dass sie der jetzigen nicht viel nachgestanden habe. Die Nachrichten über den Krankheitscharakter dieses Zeitraums sind sehr mangelhaft und beschränken sich. anf eine chronologische Aufzählung ‘der Jahrgänge, welche durch grosse Sterb- lichkeit sich ' auszeichneten. Dreynaupr?) scheint dabei für die früheren Jahrhunderte vor- zugsweise die historia Quedlenburgensis und den Analista Saxo, für die späteren Jahrhunderte handschriftliche zum Theil noch vorhandene Aufzeichnungen von Zeitgenossen benutzt zu ha- ben. : Seine Angaben gewinnen an Bedeutung dadurch, dass sie mit denen anderer Chroni- sten eine bemerkenswerthe Uebereinstimmung zeigen. Zu ihrer Kontrolle und Vervollständigung habe ich ausser ‘den ‘bekannten ‘Werken von Lesenwarpr ?) und von SchnurneR °) noch die Chroniken von Mansfeld®), Altenburg, Merseburg, Eilenburg‘), Sangerhausen °), Erfurt‘) ver- glichen. Bei aller‘ Mangelhaftigkeit wird die folgende ,,' hiernach entworfene Skizze doch ein sprechendes Bild der Eintlüsse gewähren, welche ausser den kirchlichen und politischen Wuch- selfällen. dem Gedeihen der Bevölkerung feindlich entgegentraten, a ®) Drevuupr „pagus Neletici ei Nudsiei oder ausführliche diplomatisch - historische Beschreibung des zum ehemaligen Pri- mat und Erizsift mehr Khar 'soknlarisidten Herzogthum Magdeburg ‚gehörigen Saal-Kreises ete,“ Halle 1755. 4 ) Lesenwarnr „‚Land- Stadt- und, Haus- Arzneibuch, wie man. der Pest etc, Widerstand .tkun könne, sammt einer Chronik aller denkwürdigen Pesten.« Nürnberg 1705. „Chronik der Seuchen.“ Tübingen 1823. 6) 'SPAnGBNBEnG „Mansfeldische Chronika;“ . 1572. T) JEREN. Sımon „Eilenburgische Chronika,“ Leipz. 1696. 8) SumueL MÜLLER „, 5) SCHNURRER Chronika der uralten Berg-Stadt Sangerhausen.“ Leipzig 1731. 9) Horx „Zur Charakterisirung der Stadt Erfurt.‘“ Erfurt 1843. 1* Pe 10tes Jahrhundert. In dem 20jährigen Zeitraume, welcher von der Begründung der Stadt Halle bis zum Ende des Jahrhunderts reicht, finden wir dreimal seuchenartige Krankheiten verzeichnet; näm- 984 lich zuerst 984, wo nach einem langen und harten Winter grosse Dürre, Hunger und Pesti- 989 lenz entstand; das zweite Mal 989. Nachdem sich schon die beiden vorhergehenden Jahre durch ungewöhnliche Trockenheit ausgezeichnet hatten, gab es zwar im Frühling dieses Jah- res Ueberschwemmungen, aber darauf wieder einen sehr heissen Sommer, schlechte Ernte, 992 Theuerung und „ein grosses Sterben.“ Endlich folgte 992 auf einen strengen Winter wie- der ein so heisser Sommer, dass Bäume und Feldfrüchte versengten und durch Mehlthau ver- darben, viel Vieh umkam und viele Menschen Hungers starben. Iltes Jahrhundert, Gleich der Anfang dieses Jahrhunderts ist wieder durch Hungersnoth und Krankheiten 1006 bezeichnet. Im Jahre 1004 begann eine 'Theuerung durch ganz Deutschland, die 1006 aufs 1009 Höchste stieg, und „eine geschwinde Pestilenz“ herbeiführte, die von nun an vier Jahre dauerte, Im Bisthum Hildesheim, in einigen Theilen Sachsens und am Harz waren manche Dörfer ganz ausgestorben; in Halle und Merseburg erreichte sie ihre grösste Heftigkeit erst im Jahre 1007, so dass man fürchtete, es werde die ganze Einwohnerschaft daran zu Grunde gehen, Im fol- genden Jahre scheint sie nachgelassen zu haben, aber 1009 trat sie nach einer Ueberschwem- mung der Saale wieder so mörderisch auf ‚dass man nicht Leute genug gehabt, die Todten zu begraben.“ 1020 ©. Eine ähnliche Beschaffenheit zeigte die Witterung des Jahres 1020. Der Winter war streng und dauerte sehr lange; im Juli gab es Ueberschwemmungen, das Getreide verdarb und es entstand eine allgemeine 'Theuerung. Schon in den vorhergehenden Jahren hatte in benachbarten Städten eine Seuche geherrscht, die jetzt so verheerend wurde, dass in Sachsen über 100,000 Menschen daran starben. Die Leichen scheinen schnell in Fäulniss übergegan- gen zu sein, so dass man sie „gleich nach dem Tode voller Würmer‘“ gefunden haben will, 1032 Im Jahre 1032 folgte „nach grossem Wasser Hungersnoth und Pestilenz, woran besonders viel grosse Herren und vornehme Leute starben.“ Dieselbe Kalamität wiederholte sich hier nu und in Merseburg im Jahre 1038 und im Jahre 1058 ist wieder in beiden Städten „‚ein grosses Sterben“ verzeichnet, welches fast durch ganz Deutschland geherrscht haben soll. 1072 Im Jahre 1072 ist in Halle wieder „Hunger und Sterben bis ins dritte Jahr“ gewesen, 1074 scheint sich aber nicht weiter verbreitet zu haben, da es in den Chroniken benachbarter Städte und selbst bei dem so ausführlichen Spaneensers nicht erwähnt wird. Dafür herrschte im Jahre 1075 in Merseburg eine Pest, von der Halle verschont blieb. Auch die grosse Ruhr- epidemie, welche im Jahre 1083 nach dem Zeugniss des Analista Saro in diesen Gegenden me ME en haus’te, scheint an Halle vorbeigegangen zu sein, denn wir finden erst 1087 und dann wieder 1089 „Hunger und Sterben “ verzeichnet. Der ganze Zeitraum bis zum Schlusse des Jahr- hunderts war für Deutschland durch seuchenartige Krankheiten verhängnissvoll; für Halle und die Städte der Nachbarschaft finden wir aber nur im Jahre 1092 „ein Sterben an Menschen und Vieh‘ verzeichnet. 12tes Jahrhundert. Dagegen haben die deutschen Chroniken aus den beiden ersten Decennien des 12 ten Jahr- hunderts nichts von pestilenzialischen Krankheiten zu ‚berichten, Auch Halle blieb bis zum Jahre 1125 davon befreit. Wie das vorhergehende, so zeichnete sich auch dieses Jahr durch einen ungemein strengen, anhaltenden und schneereichen Winter aus, dem im Frühlinge Ueber- schwemmungen folgten. Der Sommer war äusserst nass. Im Herbst brach an vielen Orten eine sehr verheerende Epidemie des heiligen Feuers aus. Auch die hiesige Gegend und Halle selbst war so schwer betroffen, dass man meinte,. es sei der dritte Theil der Einwohner gestorben, Im Jahre 1144 ist „ein grosses Landsterben durch ganz Deutschland“ gewesen; auch in Halle, Merseburg etc. Wieder brachen in Folge des nassen Sommers von 1150 unter Men- schen und Vieh Seuchen aus, vielleicht auch das heilige Feuer. Im Jahre 1167 herrschte in Italien und Deutschland die Pest, verbreitete sich über Sach- sen und verschonte auch Halle nicht. „Im Jahre 1186 ist ein so gelinder Winter und um Weihnachten so warm gewesen, dass die Bäume im Januar zu blühen angefangen, und die Aepfel im Februar bereits so gross, als die welschen Nüsse gewesen; auch hat der Wein und Getreide zeitlich geblühet, und weil keine Kälte und Frost darauf erfolget, im Mai in diesen Landen die Ernte und zu Anfang des August die Weinlese gewesen, auch ein sehr fruchtbar Jahr und an Korn und Wein ein Ueberfluss worden.“ Trotzdem ist in Halle ein Sterben gewesen, Im Jahre 1196 folgte auf grosse Ueberschwemmung ein nasskalter Sommer. Es gab Theuerung und Sterben. Das: 13te Jahrhundert war für Deutschland viel günstiger als das vorhergehende und nachfolgende. In der Halle- schen Chronik sind nur zwei Sterbejahre verzeichnet , nämlich: Zuerst das Jahr 1226. In Folge mehrerer sehr kalter ;Winter und unfruchtbarer Sommer war eine allgemeine Hungersnoth entstanden. Verheerende Krankheiten hatten unter dem Vieh geherrscht und auf sie folgte eine Seuche unter den Menschen ‚ die sich über einen grossen Theil Deutschlands und auch über Halle verbreitete. 1087 1089 1092 1125 1144 1150 1167 1186 1196 1226 wi A 1264 Zum zweiten Mal herrschte Hungersnoth und Pestilenz in Halle und Umgebung anno 1264, Ein ‘grosser Komet war über ein Vierteljahr lang am Himmel sichtbar, den der Aberglaube damaliger Zeit als die Quelle des Unheils betrachtete. Während der letzten Decennien dieses Jahrhunderts herrschten zwar in mehreren Gegenden Sachsens und Thüringens wiederholt Krankheiten, von denen aber die Stadt Halle verschont gewesen zu sein scheint, obgleich ‚sie noch einmal, nämlich im Jahre 1279 von Hungersnoth betroffen wurde. “ l4tes Jahrhundert, Auch im Anfange dieses Jahrhunderts und namentlich im Jahre 1305. war eine verhee- rende Seuche über Deutschland verbreitet; in Erfurt, im :Mansfeldischen, selbst in Merseburg raffte sie viel Menschen hin; aber die Hallesche Chronik erwähnt ihrer nicht. Im zweiten Decennium folgte sich eine Reihe unfruchtbarer und ungesunder Jahre. Be- 1312 sonders wird der Sommer von 1312 als sehr heiss und so dürre geschildert, dass es dreissig Wochen lang nicht geregnet haben soll. Die wenig versprechende Ernte wurde durch. die im ’ Herbst hereinbrechenden Wasserfluthen vollends zerstört. Die unmittelbare Folge waren verderbliche Seuchen unter Vieh und Menschen, ‘Die schlimmsten Verheerungen richteten sie in Süddeutschland und den Rheingegenden an, aber auch Sachsen war schwer betroffen. Man rechnete, dass in Halle der dritte Theil der Menschen gestorben sei. Die in diesem Jahre weniger hart mitgenommenen Städte der Nachbarschaft wurden in den folgenden Jahren durch- in a a a seucht. 1315 war wieder ein schreckliches Hungerjahr, während ‘dessen in Merseburg und Erfurt die Pest herrschte. Auch im Jahre 1317 waren in Folge der Theuerung Krankheiten sehr verbreitet und die kleine Stadt Eilenburg wurde drei Jahre hintereinander von 1316—18 auf das Aergste verwüstet, Es fehlte an Händen, ‘die Leichen zu begraben, welche die Luft verpesteten. Die Tochter eines Rathmanns, die einen ihr verhassien Bräutigam heirathen sollte, ging tagtäglich auf den. Kirchhof, deekte die dort stehenden Särge auf, um angesteckt zu werden, erreichte indessen ihren Zweck nicht, aber der Verhasste starb, 1330 Im Jahre 1330 grassirte wieder eine pestilenzialische Seuche an der Saale und: Elbe. Im Jahre 1346 war im äussersten Osten von Asien jene fürchterliche Epidemie ausge- brochen, die verbreiteteste und mörderischeste von allen, die jemals geherrscht haben, der schwarze Ted, eine wahre Bubonenpest ; 1347 halte sie zuerst Europa berührt und im fol- genden Jahre sich über den ganzen Erdtheil verbreitet, dem sie in mehrjähriger Dauer einen Menschenverlust brachte, welchen‘ man auf 25 Millionen geschätzt hat. Die Stadt Halle wurde ısıg 1348 und dann wieder 1350 davon heimgesucht, und besonders in dem letztern: Jahre war ' 1350 die Sterblichkeit eine so grosse, dass zum Beispiel im Barfüsser Kloster nur 3 Brüder am I Leben blieben. Die Todten wurden auf dem: Martinsberge, wo jetzt der Stadtgottesacker liegt, beerdigt. Fast alle Chroniken sprechen von den häufigen Verfolgungen der Juden, denen man — 0 — Schuld gab, die Brunnen vergiftet zu haben, so wie von dem Auftreten der Geisselbrüder, als krankhaften Auswüchsen aus der düstern Stimmung der Zeit. Pestis regnavit plebis quoque millia stravit, Insolitus populus flagellat se seminudus, Contremwit tellus, populusgue crematur Hebreus, Nach .30jähriger Pause finden. wir im Jahre 1380. einen neuen Einbruch der Pest in die hiesige Gegend verzeichnet. Eine andere Seuche, von der im Gegensatz zu den vorhergehenden ausgesagt wird, dass sie nicht ansteckend gewesen sei, grassirte zwei Jahre später. Nach dem: Erscheinen eines grossen Kometen soll lange eine vollkommene Windstille geherrscht haben und dadurch eine Verderbniss der Luft herbeigeführt worden sein. ‘Der Schluss des Jahres führte aber die Pest noch einmal zurück. 1393 wüthete sie besonders heftig in Eisenach und Nordhausen, verbrei- tete sich im folgenden Jahre über ganz Thüringen, gelangte 1395 nach Halle und 'war noch 1398 in der ganzen hiesigen Gegend verbreitet, namentlich in Nordhausen , Sangerhausen, Mühlhausen, Eisleben, Merseburg. Im 15ten Jahrhundert folgten sieh epidemische Krankheiten noch viel schneller, so dass die Hallesche Chronik nicht weniger als 14 Sterbejahre verzeichnet hat. Im Jahre 1404 herrschte um den Harz, durch ganz Sachsen und Thüringen eine Krank- heit, welche von Drevmaupr nicht erwähnt, von SrangEngere aber genau beschrieben wird: Sie fing mit Schnupfen an, zu dem sich bald ein beschwerlicher Husten gesellte. Der Schleim war dabei so zähe und klebrig, dass die Kranken ihn nicht auswerfen konnten und immer zu ersticken fürchteten. Dabei lagen sie in starker Fieberhitze und mit eingenommenem Kopfe schwer darnieder. Viele Menschen, jung und alt, starben daran, und in Magdeburg soll man oft an einem Tage hundert Leichen gehabt haben. — Obwohl diese Krankheit der Zeit nach mit einer in Frankreich verbreiteten Influenza-Epidemie zusammenfällt, wird man sie doch der grösseren Bösartigkeit wegen, währscheinlicher für eine typhöse Pneumonie zu halten haben. Nach dem harten Winter von 1405—6 fing sich zeitig im Sommer ein grosses Land- sterben, wahrscheinlich wieder die Pest an und wüthete bis um Weihnachten, In Halle, Merseburg, ‚Halberstadt, Thüringen raffte sie viele Menschen, Arme und Vornehme hin. Unter anderen starben Landgraf Balthasar von Thüringen und Bischof Rudolf von Halberstadt daran ; und in Erfurt starb fast die ganze Universität aus, so dass nur 5 Professoren am Leben blieben. Wie es nach grossen Epidemien zu geschehen pflegt, trat auch jetzt eine längere Pause ein. Zwar erwähnt die’ Hallesche- Chronik im Jahre 1424 wieder „ein grosses Pesti- 1380 1382 1395 1404 1406 1424 1437 1438 1449 1452 1463 1472 BE lenz-Sterben“, welches sich nach grossem Wasser entwickelte, aber dasselbe scheint sich nicht weiter verbreitet zu haben. Erst von 1437 an traten Seuchen wieder allgemeiner auf. In diesem Jahre herrschte nach mehrjähriger Theuerung ein Sterben in der ganzen Gegend. Im folgenden war die Theuerung noch ärger, so dass ein Pfennigbrod nur so gross, wie eine welsche Nuss war, Im Spätsommer entstand wieder „ein gräulich allgemeines pestilenzialisch Landsterben“, wel- ches bis in den Januar 1439 fortdauerte, wahrscheinlich wieder. die echte Pest, Auch in Merseburg herrschten 1437 und 39 Seuchen und in Erfurt 1438 eine Krankheit, wobei der, welchen sie traf, drei Tage schlafen musste, und bei seinem Erwachen schon mit dem Tode rang. Mit dem Jahre 1448 beginnt ein neuer Umgang der Pest, welche sich während der fol- genden Decennien, zwar mit Unterbrechungen, aber in immer neuer Heftigkeit über ganz Asien und Europa verbreitete. Ueber ihr Auftreten in der hiesigen Gegend lässt sich Folgen- des ermitteln. . Ihr erster Ausbruch in Halle fällt in das Jahr 1449, dem nach heissem Sommer ein sehr milder Winter vorausgegangen war. Sie zeigte sich noch sehr gelinde; um so heftiger aber im folgenden, wo über 5000 Menschen drauf gingen. Zur Abwendung des göttlichen Zorns wurden Processiönen gehalten und der fanatische Barfüsser Jomannes Capı- stranus predigte; auf offenem Markt Busse. Nicht geringere Verheerungen hatte die Seuche gleichzeitig in Magdeburg (wo 8000 Menschen starben), in Merseburg, Eilenburg etc. angerich- tet; und schon 1452 kehrte sie mit grosser Heftigkeit zurück und herrschte auch noch wäh- rend der folgenden Jahre in benachbarten Städten. (1457 in Eilenburg.) Im Jahre 1463 grassirte die Pest wieder sehr stark in ‘Thüringen und um den Harz; am schlimmsten wurde Erfurt betroffen, wo die Zahl der Todten auf 28,000 angegeben wird. An den meisten Orten, namentlich zu Braunschweig, Hannover, Hildesheim, Magdeburg, Nord- hausen, Stollberg, Halberstadt brach die‘ Krankheit erst im Herbst aus und währte bis in das folgende Jahr um Fastnacht. Halle scheint diesmal besser davon gekommen zu sein, da die Zahl der Todten nur auf 400 angegeben wird. Damit verschwand die. Krankheit nicht aus der hiesigen Gegend, denn 1468 herrschte sie in der Gegend von Zeitz und Altenburg so heftig, dass allein in dem letzteren Städtchen 1700 Menschen erlagen. Anno 1472 grassirte in einigen Städten, und so auch in Halle, eine Krankheit, die als eine von der Pest verschiedene und bisher unbekannte ausdrücklich bezeichnet, wird, aber nicht weniger Schrecken verbreitete, da sie für noch ansteckender gehalten wurde, als die Pest selbst. Daher lös’ten sich alle Bande; die Frauen liefen ihren kranken Männern, die Männer den Frauen, die Kinder den Eltern weg. Niemand wollte die Kranken warten; Priester und Mönche versagten ihnen die Tröstungen der Religion, Ueber die Natur dieser Krankheit fehlen FE aber selbst alle Vermuthungen. Anno 1474 war Halle wieder vom Juli bis September von 1474 einer Seuche betroffen. In den 80er Jahren herrschte wieder ein grosses Sterben durch ganz Deutsch'and. In Erfurt begann es schon 1482 und währte drei Jahre lang. 1484 war es über Sachsen und die Harzgegend verbreitet; besonders arg in Braunschweig und Eimbeck. Zu Stolberg fing es um Weihnachten an und liess nach einigen Wochen nach, begann im Sommer von Neuem und dauerte bis wieder Weihnachten. In Halle brach es 1485 um Pfingsten aus und erlosch 1485 im November. Bis zum Schlusse des Jahrhunderts blieb Halle von den Ausbrüchen der Pest verschont, aber zwei andere Krankheiten erschienen noch in seuchenartiger Verbreitung, die vorher un- bekannt gewesen waren. 1491 herrschte nämlich der Skorbut, der in den S0er Jahren 1491 | sich zuerst in der Gegend von Meissen gezeigt und allmählig über das Mansfeldische und | Thüringen verbreitet hatte. Die zweite Krankheit war die Syphilis (morbus gallicus, Fran- | zosen), welche vom Süden her schnell um sich griff und sich 1493 zuerst in Halle zeigte. 1493 Der unerträglich heisse Sommer dieses Jahres mag ihre Bösartigkeit und epidemische Gestaltung begünstigt haben. Während des 16ten Jahrhunderts erreichten die Epidemien der wahren Bubonenpest ihren Höhenpunkt in Bezug ihrer Häufigkeit sowohl als ihrer Bösartigkeit. lm Anfange des Jahrhunderts herrschte allgemeine Theuerung und auf ungewöhnliche Vorgänge in der Atmosphäre deutete das zwar schon früher, aber ” nicht so allgemein wie jetzt, beobachtete Phänomen der Signacula. Auch in der Halleschen Chronik wird: diese Erscheinung erwähnt, die darin bestand, dass sich auf den verschiedensten Gegenständen, namentlich auf den Kleidern der Leute, rothe oder gelbe Flecken bildeten, die oft so schnell entstanden, dass man glaubte, sie seien aus der Luft herabgefallen, sich nach- her in einen ölartigen Schaum auflös’ten und nicht abzuwaschende Spuren hinterliessen. Wenn die abergläubische Phantasie jener Zeit in diesen Flecken Blutstropfen oder die Form von Kreuzen erkennen wollte, so äusserten doch einsichtsvollere Männer schon die Vermuthung, die durch die Forschung neuerer Zeit zur Gewissheit erhoben worden ist, dass es nämlich farbige Schim- melbildungen gewesen seien, Immerhin ‘aber deutet. das nur zeitweise und strichweise beob- achtete Vorkommen: derselben auf eigenthümliche Veränderungen im Luftraum. | Im Jahre 15092 brach in verschiedenen Theilen Deutschlands die Pest aus und suchte auch 1502 | Halle heim; im folgenden Jahre haus’te sie in Merseburg, 1505 in Erfurt. Alle diese Jahre zeichneten sich durch "grosse Hitze und Trockenheit aus und obwohl dieselbe durch strenge is r R R a Winter anno 1505 und 6 unterbrochen wurde, so kehrte die Pest doch in dem letztgenannten Abh, d, Nat, Ges. zu Halle, Ir Band, 25 Quartal. E u WE un 1506 Jahre‘ wieder in Halle ein, und raffte etwa 3000 Menschen fort. Zur selben Zeit war sie nicht weniger verderblich in Altenburg und im folgenden Jahre in Magdeburg. Während des zweiten Decenniums scheint sie in der ganzen Gegend verbreitet: geblieben zu sein, denn 1515. haus’te sie wieder in Magdeburg, ‘Eimbeck und an mehreren Punkten Sachsens und Thüringens; im folgenden Jahre nahm sie noch zu, brach 1517 in Erfurt aus und gelangte selbst nach Eisleben, wo sie zugleich mit Petechialtyphus_ herrschte, ohne Halle zu berühren. Im Jahre 1519: herrschte sie wieder in der Grafschaft Mansfeld und in Eisleben; im Jahre 1520: in und um den Harz, wo namentlich wieder die Stadt Stolberg 1524 hart betroffen wurde, Nach Halle gelangte sie aber erst im Jahre 1524, wo sie auch in Merseburg war. Vier Jahre später war die Pest wieder von Italien aus nach Deutschland vorgedrungen, hatte auch am Harz und an den Ufern der Saale und Elbe arg gehaus’t, und die zeitweilige Verlegung der Universität Wittenberg nach Jena veranlasst, aber die Hallesche Chronik erwähnt ihrer nicht, obwohl das nahe Merseburg nicht verschont geblieben war. Im Jahre 1535, obwohl es ein fruchtbares war, breitete sich die Pest wieder über 1536 Westphalen, den Harz und Sachsen aus und gelangte 1536 nach Halle und Merseburg, er- iosch aber während des folgenden sehr strengen Winters. 1939 zeigte sie sich wieder in der Grafschaft Mansfeld und grassirte während der beiden: folgenden Jahre in Erfurt mit grosser Heftigkeit. 1541 Im Juli 1541 brach sie denn auch wieder. in Halle aus und raffte während einer drei- monatlichen Dauer 6000 Menschen hin, nämlich 4000 in der Stadt selbst und 2000 in den 1543 Vorstädten, Auch 1543 herrschte sie nach dem Zeugnisse Spancengere’s wieder in Halle, und gleichzeitig in Merseburg und um den Harz, ohne aber eine grosse Intensität zu verrathen. Im Jahre 1549 fing sich in Eisleben eine Krankheit an, die zwar zum Winter wieder 1550 nachliess, aber im folgenden Jahre wieder sehr heftig auftrat und sich auch nach Halle und Merseburg verbreitete, am stärksten war sie während des September und Oktober. Es scheint nicht die Pest gewesen zu sein, vielmehr deutet der Umstand, dass sie besonders jugendliche Subjekte betraf (in Eisleben starben während eines Vierteljahrs 53 Schüler), auf ein exanthe- mätisches Fieber hin. 1552 Im Jahre 1552 verbreitete ‚sich aber wieder die Pest über einen grossen Theil von Europa. {n der Gegend von Meissen wurde besonders das kleine Städtchen Oschatz schwer betroffen ; Altenburg, Eilenburg, Merseburg wurden durchseucht; in Eisleben trat sie gelinde auf; aber 1553 in Halle starben 3000 Menschen und im folgenden Jahre, während dessen die Krankheit fort- dauerte, wieder 1900 Menschen. 1557 Im Jahre 1552 herrschten um Michaelis viel Husten und Katarrhe (Influenza?) und daneben regierte auch die schwere Noth (Syphilis?) mehr als sonst unter den Leuten. (SrAnGENBERG.) Be: AER Im Juli 1558 herrschten viel hitzige und bösartige Fieber unter Armen und Vornehmen. 1558 Besonders zu Seeburg und Heldrungen gab es viele Kranke; doch sind die meisten wieder aufgekommen, wie schwer und hart sie auch darnieder gelegen. (SPAngEnBER«e.) Diese An- gaben lassen auf Petechialtyphus vermuthen, der um diese Zeit sich allgemein zu zeigen begann. Ein neuer Ausbruch der Pest erfolgte anno 1564. In diesem Jahre grassirte sie sehr in Erfurt. Im Mansfeldischen und in Sachsen trat sie im folgenden Jahre heftiger auf und herrschte in Sangerhausen, Ermsleben, Quedlinburg, Merseburg etc. Besonders stark war sie auch in Eisleben, wo während einer Woche 200 Menschen starben. Im folgenden Jahre dauerte sie fort und wurde besonders während der heissen Sommermonate verderblich. In Halle richtete sie während beider Jahre wieder arge Verwüstungen an. Im Jahre 1565 starben 4944 1565 und im Jahre 1566 wieder 1982 Personen daran. ‚In Altenburg herrschte gleichzeitig mit 1566 der Pest ein Petechialtyphus, die damals so genannte Hauptkrankheit. Während der folgen- den 30 Jahre blieb die Stadt Halle von der Pest verschont, während in den umliegenden | Städten nicht nur die Pest, sondern daneben auch andere todtbringende Seuchen mehrfach grassirten. So die Blattern 1572 in Eilenburg; die Pest 1575 in Merseburg, Leipzig und in Eilenburg, wo sie auch noch während des folgenden Jahres fortdauerte, 1577 in Sanger- hausen, 1578 in Erfurt, 1584 in Torgau, Delitzsch, Meissen, 1585 in Merseburg, Alten- burg, Eilenburg; in letzterem Orte ‚zugleich mit Hauptkrankheit. Die ‚Hallesche Chronik erwähnt aus dieser Zeit nur eine Epidemie des Jahres 1580, „Es regierte ein epidemisch Ka- 1580 tarrhalfieber, so von dem gemeinen Manne der Spanische Pips, auch der Schafhusten genannt wurde; die Patienten bekamen grosse Hitze, ‚wurden heisch, dass sie kaum reden konnten, um die Brust und Herz sehr beklemmt, mit grossen Kopfschmerzen, zuletzt aber folgte ein schwerer Husten. Es sturben aber wenig Menschen daran, sondern die meisten genasen am vierten Tage, wiewohl sich viele auch acht Tage damit schleppen mussten.“ Die anderen Chroniken wiederholen fast wörtlich dieselbe Beschreibung, aus der man deutlich eine Krank- heit erkennt, welche in demselben Jahre nicht bloss ganz Europa, sondern die ganze bekannte Welt in schnellem Fluge durchzog, und die man mit unzweifelhaftem Recht als eine Influenza betrachtet hat. Im Jahre 1596 brach in Halle wieder eine schwere Pest aus. Der Frühling des vor- 1596 hergehenden Jahres hatte eine so starke Ueberschwemmung mit sich gebracht, dass das Was- ser bis zur Höhe der Stadtmauer gestiegen und der Strohhof 14 Tage lang überfluthet war: Auch 1596 war wieder ein sehr nasses Jahr, die Erndte missrieth und es trat Theuerung | ein. Diesen Nöthen gesellte sich die Krankheit hinzu ‚ an der in und um Halle 4000 Men- | schen erlagen. 1598brach abermals eine Pest in Halle aus-und raffte wieder 3400'Menschen 1598 hin, Regierung und Kanzlei mussten nach Magdeburg verlegt werden. In diesem Jahre wurde in Halle, was übrigens während: dieses Jahrhunderts schon einmal .der Fall gewesen war, ein Q* Be TEN heftiges Erdbeben verspürt. Ob die grosse Sterblichkeit dieser letzten Jahre allein durch die Pest, oder auch durch andere gleichzeitig herrschende Krankheiten verursacht, war, bleibt zwei- felhaft. In benachbarten Städten herrschte neben der Pest auch noch die rothe Ruhr, So. 1597 in Erfurt, wo 7700 Menschen und darunter viele Professoren:iund Doktoren, fast 30 Magister und die meisten Studenten starben. Im Jahre 1598 herrschten Ruhr und Pest in Merseburg und Eilenburg und 1599 ebenfalls beide Krankheiten in Altenburg. 17tes Jahrhundert, Die Pestepidemien treten zwar Anfangs noch sehr verheerend auf, aber sie rücken weiter auseinander, und nehmen vor dem Schluss des Jahrhunderts für immer ein Ende. 1610 Die erste Epidemie fällt: in das Jahr 1610, wo wieder einige Tausend Menschen hin- gerafft wurden. In demselben Jahre war Sangerhausen, im folgenden Merseburg heimgesucht. 1625 wütheten die Pocken in der Nachbarschaft, ohne, wie es scheint, Halle berührt zu haben. Um dieselbe Zeit war das nördliche Deutschland der Schauplatz einer verheerenden 1626 Pestepidemie, welche im folgenden Jahre nach Halle gelangte und vom Juni bis December wieder 3400 Menschen tödtete. Gleichzeitig richtete sie in Leipzig, Merseburg, Eisleben, Artern, Rossleben, Sangerhausen, Stolberg, Erfurt, Eisenach ete. nicht geringere Verheerungen an, und breitete sich fast über ganz Deutschland aus. In den folgenden Jahren finden wir für die benachbarten Städte mehrfach verheerende Seuchen verzeichnet, von denen es aber 1635 zweifelhaft ist, ob.sie Nachzügler der Pest oder anderer Art waren; aber im Jahre: 1636 war wieder die Pest in der ganzen Gegend verbreitet. Im vorigen Jahre hatte sie sich in Erfurt gezeigt; im Sommer brach sie nach vorangegangenen Fleckfiebern und Bauchflüssen in Halle und vielen umliegenden Dörfern aus, etwas später in Merseburg, wo sie noch während des folgenden Jahrs fortdauerte. In diesem Jahre, 1637, wüthete sie besonders heftig in dem kleinen Städtchen Eilenburg, wo an 5000 Menschen starben, Halle hatte den Verlust von 3330 Einwohnern zu beklagen. Von dem Magistrate wurde eine Pestordnung, von den beiden Aerzten Oneım und Gramann ‚eine doppelte Kur, nämlich eine Galenische und eine chymische“ durch den Druck bekannt gemacht. 1641 Im Jahre 1641 grassirten besonders im September die Pocken und die Masern stark in 1644 Halle und forderten unter Kindern und Erwachsenen viele Opfer. Im Jahre 1644 gab es 1647 während des Herbstes eine grosse Fleckfieber-Epidemie; und 1647 wieder Pocken und Masern, woran 254 Kinder starben. Auch mehrere benachbarte Städte wurden von denselben Krank- heiten heimgesucht. In den folgenden Jahren war besonders die Ruhr in dieser Gegend verbreitet, 1688 sie herrschte 1663 in Merseburg und Eilenburg, '1666 in Halle '), 1669 und 1672 in Thüringen, 10) Marn, Rauzrow der jetzt grassirenden rothen Ruhr Beschreibung. Halle 1666, Die Pest war seit dem Erlöschen der Epidemie von 1635 —37 verschwunden gewesen; aber noch einmal sollte Halle der Schauplatz ihrer Verwüstungen und diesmal: so 'schlimm be- trolfen werden, wie es seit dem Jahre 1541 nicht erhört worden war. Die grosse Pestepidemie, welche ‚sich 1677 ‘von. der türkischen Grenze über Ungarn zu verbreiten angefangen , 1679 Wien. erreicht und daselbst 140,000 Einwohner hingerafft und sich. von hier über einen grossen Theil Deutschlands verbreitet hatte, erreichte die hiesige Gegend erst zu einer Zeit, als sie an vielen Orten bereits wieder erloschen war. Von Prag aus war sie, wie man glaubte durch Einschleppung, 1680 nach Dresden gelangt und noch im August dieses Jah- res in. Leipzig, Lützen, Delitzsch, Schkeuditz, Eilenburg ausgebrochen. In der letzteren a. 1637 so schwer heimgesuchten Stadt trat die Krankheit diesmal aber sehr gelinde auf und blieb auf wenige Häuser beschränkt, 1681 brach sie in Merseburg aus, wo 300 Personen starben; um Pfingsten in. Eisleben, wo. bis Anfangs August 7000 Menschen erlagen. In dem- selben Jahre herrschte sie auch schon in Halberstadt, Nordhausen, auf dem Eichsfelde und im Braunschweigischen. In Magdeburg waren die ersten Erkrankungen schon 1680 vorge- kommen, aber erst im Mai des folgenden Jahres erfolgte ein stärkerer Ausbruch und ‚bis zum Erlöschen im Frühjahr 1682 belief sich die Summe der Gestorbenen auf 6—8000. In Erfurt trat die Krankheit erst im Juli 1682 auf und als sie im November 1683 erlosch ,„ rechnete man einen Verlust von nahe an 9000 Menschen. ' Ueher das Auftreten der Epidemie in Halle besitzen wir genaue Nachrichten **), aus dem Folgendes hier Platz finden mag: Als die Pest bereits in vielen Nachbarstädten haus’te und man ihrem Erscheinen in Halle täglich entgegen- sehen durfte, kamen plötzlich im Mai 1681 auf der Brunowswarte ein Paar verdächtige Dodes- fälle bei Kindern armer Leute vor. Auf das unbestimmt lautende Gutachten eines Wundarztes hin .gab der Magistrat die Erklärung ab, dass sie nicht an der Pest, sondern am Fleckfieber gestorben seien. Diesen Versicherungen wurde aber in der Stadt wenig Glauben geschenkt; man behauptete vielmehr, die Pest sei durch die Schuld eines Seifensieders mit alten Kleidern von Eisleben eingeschleppt worden. Die deshalb angestellte Untersuchung ergab‘ nichts Ge- wisses, der Magistrat blieb bei seinen Versicherungen, dass sich nichts Verdächtiges finde und drang sogar auf Bestrafung derjenigen, die in ihren Briefen an Auswärtige das Gegentheil be- haupteten.- Indessen mehrte sich die Zahl der verdächtigen Erkrankungen und Todesfälle, so dass man. doch für gut fand, die ‚betroffenen Häuser zu sperren, die erkrankten Armen ins Hospital zu schaffen und alle Ceremonien bei den Begräbnissen zu verbieten, so sehr sich auch die Geistlichkeit der letzteren Verfügung, welche ihre Einkünfte schmälerte, 'widersetzte. Vom Mai. bis zum‘ Schlusse des Jahres waren 84 solcher Todesfälle an dem sogenannten Fleck- 11) Kırcnser in den Halleschen Anzeigen v. Jahr 1757. Burknausen und Jacon Magdeburgisch-halberstädtische Blätter. Halle 1801. Haxser Historisch - pathologische Untersuchungen. II, 1841, 1681 1683 ME VEREEE fieber vorgekommen, ‘welches ohne Zweifel schon die Pest war. Auch im Januar 1682 blieb es so. Erst den ‘8ten Februar ‘meldete der vorsorglich von Leipzig herübergeholte Pestarzt Purrivs, dass er zu dem Sohne eines Buchdruckers im goldenen Arme in der: grossen Ulrich- strasse, Namens WALTHER, gerufen worden sei. Bei diesem habe er einen bubonem und noch andere Zufälle gefunden, woron er nach seinen Erfahrungen und seiner Eidespflicht bekennen müsse, dass derselbe simpliciter an der wahren Pest laborire. ,‚Nunc quaeso, o patres‘‘, setzt er hinzu, „providite,. mon pulsat amplius portas Hannibal, sed intra moenia est.“ Dem Magistrat lag indessen so viel daran, ‘die Sache nicht ruchbar werden zu lassen, dass er so- gar den Punrivs bestimmte, diesen Bericht noch einmal förmlich zu widerrufen, Bald aber half alles Verhehlen nichts mehr; im Monat Mai und Juni vermehrte 'sich die Mortalität auf eine fürchterliche Weise und dennoch war sie'noch gering gegen die in den Monaten Juli und August. Mehrmals kam es vor, dass während einer einzigen Nacht einige 60 Leichen 'hinaus- getragen werden mussten. Die Stadt war gesperrt, die Salzkassen waren nach benachbarten Dörfern, die Regierung, die Kammer und das Konsistorium nach Calbe verlegt; das Militär _ kampirte "ausserhalb der Stadt unter Zelten; alle öffentliche Gewalt war aufgelöst; die Ge- richtsdiener waren zum Theil verstorben, und zum Theil versagten sie den schuldigen Gehor- sam; Entsetzen hatte sich der Bevölkerung bemächtigt und die allgemeine Furcht verschlim- merte das Uebel noch, so dass man auf allerlei Mittel sann, die Niedergeschlagenheit zu vermindern, und unter anderem eine Zeitlang täglich vom 'Thurme herab Musik machen liess, um die Einwolner aufzuheitern. Im September dauerte die Krankheit fast mit gleicher Heftigkeit fort, wie ım August; im Oktober liess sie nach und mit dem Februar '1683° erlosch sie vollends. Die Zahl der Todesfälle jm Jahre 1682 belief sich auf 5367; im Januar und Februar 1683 auf 22, so dass die Seuche während ihrer ‘ganzen 20monatlichen Dauer der Stadt einen Verlust von 5473 Menschen zugefügt hat. Unter dieser‘ Zahl sind die Todten der jüdischen Gemeinde nicht einmal einbegriffen, so dass man den Menschenverlust auf 5500 anschlagen kann. Nach ungefährer Schätzung mag die Einwohnerzahl von Halle mit den Vorstädten index der Pest vorhergehenden Zeit 'sich auf höchstens 14,000 belaufen haben, welche Zahl also durch die Pest um mehr als den dritten Theil reducirt wurde. Folgende Zahlen, welche die an der Pest erfolgten Todesfälle in den einzelnen Monaten ausdrücken, geben ein Bild für das An- und Absteigen der Epidemie, obwohl die Todten aus den Vorstädten dabei nicht mitgezählt sind, ‘Es starben im Januar 61, Februar 64, März 75, April 113, Mai 197, Juni 288, Juli 653, August 1190, September 971, Oktober 529, November 142, December 78. Ein grosses Dankfest wurde am 23ten März in allen Kirchen gehalten und die Erlösung der Stadt feierlich begangen. Wenden: wir am Ende dieses Abschnitts den’ Blick noch einmal rückwärts, so ist es ein Arauriges Bild, ‚welches sich vor uns entfaltet hat: eine fast ununterbrochene Kette verheeren- der Seuchen. Aber nicht Halle allein, ganz Deutschland bot während des Mittelalters dasselbe Bild der Zerstörung durch Kriege, Hungersnöthe und Pesten dar. Welches die wahre Natur dieser leiztern gewesen sei, lässt sich bei der Dürftigkeit der darüber vorhandenen Nachrich- ten nur für "wenige bestimmen; für die meisten nicht einmal muthmassen. Es ist zwar ge- wiss, dass während des ganzen Zeitraums die wahre Bubonenpest häufig in Deutschland und auch in ‚unserer Gegend geherrscht hat, aber ebenso gewiss ist es, dass unter der gemein- samen Bezeichnung „Pest“ auch andere und sehr verschiedenartige, zum Theil wieder ver- schwundene Krankheitsformen begriffen wurden. Das heilige Feuer, selbst wieder ein Sammelname für mehrere, äusserlich ähnlich er- scheinende Affektionen, nach des Prof. Fucus scharfsinnigen ‚Untersuchungen aber vorzüg- lich zur Bezeichnung der durch Mutterkorn erzeugten Krankheitszustände gebraucht, spielte unter den Epidemien des 9ten bis 13ten Jahrhunderts eine wichtige Rolle und wenn es seinen Brennpunkt auch besonders in Frankreich hatte, so zeigte es sich doch auch in der ersten Hälfte des zwölften Jahrhunderts an vielen Orten Deutschlands in epidemischer Verbreitung. Besonders war die Witterung der Jahre 1125 und 1150 der Verderbniss des Getreides günstig, so dass mit einiger Wahrscheinlichkeit die Epidemien dieser Jahre auf das heilige Feuer sich beziehen lassen. Erst seit dem Erscheinen des schwarzen Todes im 14ten Jahrhunderte gewinnen die epi- demiologischen Nachrichten eine etwas grössere Sicherheit, aber zugleich drängt sich die wahre Bubonenpest so in den Vordergrund, dass die meisten Pestepidemien dieses und der folgenden Jahrhunderte unzweifelhaft ihr angehören. Die häufig wiederkehrenden Bezeichnungen „grosses Sterben“ und „die pestilenzialische Seuche“ wurden vornehmlich ihr beigelegt, und es sind be- sonders heisse Sommer, denen Ueberschwemmungen vorangegangen waren, in denen sie ihre "grösste Heftigkeit entwickelte. Für die späteren Epidemien liegen ausserdem .detaillirte Be- schreibungen genug vor, und das Bild, welches Fr. Horewans vom „pestilenzialischen Fieber« entwirft, ist ohne Zweifel aus der letzten grossen Halleschen Epidemie geschöpft, die er zwar noch nicht als Augenzeuge erlebte, aber aus ‚den Mittheilungen ärztlicher Zeitgenossen kennen Diese Epidemie ist nicht bloss die letzte für unsere Stadt,: sie ist es auch für den grössten Theil des übrigen Deutschlands. Nur noch einmal nach dieser Zeit, nämlich in.den Jahren 1707 —14, betrat die Pest den deutschen Boden, aber sie verbreitete sich ausschliess- lich längs der östlichen und nördlichen Grenze desselben und hat seitdem, sich in immer engere Kreise zurückziehend, «mit Ausnahme des mittelländischen Littorale, den ganzen Erdtheil verlassen. musste, Zu den Krankheiten, welche ausser der wahren Pest unter den Epidemien dieses Zeit- raums versteckt sein ’mögen, gehört vor Allem der exanthematische Typhus. Zwar werden die Fleckfieber in Halle zuerst 1636 erwähnt, aber es ist nicht unwahrscheinlich, dass sie schon über ein Jahrhundert früher daselbst erschienen seien, denn seit dem zweiten Decen- nium des 16ten Jahrhunderts finden sie sich an vielen Punkten Deutschlands und auch in der hiesigen Gegend verbreitet. SpansEngere berichtet, dass im Jahre’ 1504 im Mansfeldischen Krankheiten geherrscht haben, die vorher nicht bekannt waren, „die Menschen verfielen in hitzige Fieber; einige hatten dabei unerträgliches Hauptwehe, dass sie darob sinnlos wurden, andere so harten Husten, dass sie ohne Unterlass Blut auswarfen etc.“ Man wird aus dieser Notiz den Typhus vermuthen dürfen, der unter der Bezeichnung ,‚Hauptkrankheit‘“ in der fol- genden Zeit immer häufiger erschien, 1553 in Eisleben, 1566 in Altenburg, 1574 wieder im Mansfeldischen epidemisch herrschte, seine grösste Verbreitung aber erst während des 17ten und 18ten Jahrhunderts gewann. Auffallend ist es, dass der Ruhr nicht häufiger Erwähnung geschieht, da sie schon früh- zeitig von anderen epidemischen Krankheiten unterschieden und auch in den Nachbarstädten mehrfach erwähnt wurde. Es scheint aber, dass die endemischen Verhältnisse von Halle der Entstehung dieser Krankheit überhaupt nicht günstig seien, denn obwohl in der Folge einzelne weit verbreitete Ruhrepidemien auch hier Eingang fanden, so gehört, doch im Jaufenden Jahr- hundert die Ruhr wieder zu den wenigen Krankheiten, welche in dem Stadtgebiete von Halle so gut wie gar nicht vorkommen. Wechselfieber hat es unzweifelhaft zu allen Zeiten gegeben, da sie aber, in Halle we- nigstens, selten einen höheren Grad von Bösartigkeit annehmen, so darf es uns nicht wundern, dass sie unter den Sterbeläuften dieses Zeitraums keinen Platz gefunden haben. Die grosse Schweissfieberepidemie von 1529 wird in der Halleschen Chronik nicht be- rührt, obwohl sie in Hannover, im Braunschweigischen, am Harz, in Thüringen, in Erfurt, Magdeburg, Wittenberg, im sächsischen Erzgebirge haus’te. Es scheint also, dass sie gewisser- massen vor den Thoren von Halle umgekehrt sei. Möglich, dass auch hier, wie in Leipzig, vereinzelte Fälle der Krankheit vorgekommen seien; ein. grosses Sterben verursachte sie jeden- falls nicht. Die typhöse Pneumonie von 1404 und die katarrhalischen Epidemien von 1557 und 1580 bedürfen keines Kommentars, Ebenso stimmen die über das erste Auftreten des Skor- buts und der Syphilis vorhandenen Nachrichten so gut mit denen anderer Chronisten überein, dass man an ihrer Richtigkeit nicht zu zweifeln braucht. Die älteste Geschichte des Skorbuts reicht zwar bis. in das 13te Jahrhundert 'hinauf, aber auf dem Festlande von: Europa kennt man ihn nicht vor dem Ende des 15ten und seinen jetzt gebräuchlichen Namen ‚scheint er noch später angenommen zu haben, wo er sich besonders in Böhmen, Polen und ‚Russland » verheerend zeigte, da das Wort Skorbut von dem Slavischen „Skorb“ abgeleitet wird, wel- ches so viel wie Krankheit bedeutet. Was schliesslich die exanthematischen Fieber anbetrifft, so kann der von so vielen Seiten als auffallend hervorgehobene Umstand, dass die Pocken unter den Seuchen des Mittelalters erst so spät als besondere Krankheit hervorgehoben werden, hier nicht näher erörtert werden. Obgleich es nach gründlichen historisch-kritischen Untersuchungen festgestellt ist, dass sie schon während des 6ten Jahrhunderts eine sehr allgemeine Verbreitung gefunden hatten, so rührt doch die erste sichere Nachricht von ihrem Auftreten in hiesiger Gegend aus dem Jahre 1572 her, wo sie in Eilenburg grassirten. Die Hallesche Chronik erwähnt ihrer erst 1641. Von diesem Zeitpunkte an traten sie immer häufiger auf, um an dem epidemischen Krankheits- charakier des folgenden Jahrhunderts einen viel bedeutsameren Antheil zu nehmen. Wenn man bedenkt, dass während des 16ten Jahrhunderts in Halle etwa 30,000 und während des ]7ten etwa 15,000 Menschen allein an der Pest starben, so wird man es wahr- scheinlich finden, dass die zu schneller Blüthe gelangte Stadt während der letzten Jahrhun- derte nicht weniger schnell wieder entvölkert wurde. Es würde in hohem Grade interessant sein, die Schwankungen in der Einwohnerzahl während dieses Zeitraums zu verfolgen, allein es fehlen leider alle darauf bezüglichen Mittheilungen. Das Einzige, was wir besitzen, ist eine summarische Angabe der in der Stadt selbst während des 17ten Jahrhunderts Getauften, Gestorbenen und Copulirten. Von 1601-1700 wurden nämlich in den drei Stadtpfarrkirchen zusammen 13,988 Paare kopulirt, 34,959 Kinder getauft und 40,532 Personen starben. Aus der Zahl der Getauften lässt sich mit hinreichender Sicherheit die Zahl der Geborenen berech- nen, indem die Todgeburten beiläufig 4, % aller Geburten auszumachen pflegen. Danach würde die Zahl der Geborenen 36,600 betragen haben und während des ganzen Jahrhunderts etwa 4000 Personen mehr gestorben als geboren sein. Man muss sich wundern, dass der Ueberschuss der Todesfälle nicht ein viel grösserer gewesen ist, da in dem einzigen Pestjahr 1682 nur 411 Taufen und 5673 Todesfälle vorkamen, also 5262 Personen mehr starben als gelauft wurden. Für dies eine Jahr stellt sich demnach ein grösserer Ueberschuss heraus, als für das ganze Jahrhundert, und doch gab es eine ganze Reihe nicht viel weniger schlim- mer Jahre. Es geben diese Thatsachen eine neue Bestätigung für die vielfältig gemachte Er- fahrung, dass zur Zeit herrschender Epidemien die Erkrankungen und Todesfälle an anderen Krankheiten sich vermindern und dass die darauf folgende Zeit sich gewöhnlich durch einen besonders günstigen Gesundheitszustand und eine gesteigerte Fruchtbarkeit der Bevölkerung auszeichnet. Nur hierdurch w Jahre durchschnittlich jedes ird es erklärlich, dass trotz der enormen Sterblichkeit einzelner Jahr nur 40 Personen mehr starben als geboren wurden. Eine so geringe Abnahme der Bevölkerung kann durch den Ueberschuss der Einwanderungen über Abh. d. Nat. Ges, zu Halle. Ir Band, 2s Quartal. 3 un ie die Auswanderungen nicht nur ersetzt, sondern vielfach überwogen werden, so dass im 17ten Jahrhundert eine Verminderung der Einwohnerzahl wahrscheinlich nicht stattgefunden hat, Aus der Zahl der Geburten lässt sich annähernd die Einwohnerzahl schätzen. Bei grosser Morta- lität kommt auf 25 Einwohner jährlich etwa 1 Geburt. Die Zahl von 370 jährlichen Geburten würde also auf eine Einwohnerzahl von durchschnittlich 9200 Seelen hinweisen, Nimmt man ferner an, dass die beiden Vorstädte Glaucha.und Neumarkt zusammen etwa halb so viel Ein- wohner. hatten, als die Stadt selbst, wie es wenigstens im folgenden Jahrhunderte der Fall war, so lässt sich die durchschnittliche Einwohnerzahl der Gesanmmtstadt Halle (incl. der Vor- städte) für das 17te Jahrhundert auf 14,000 anschlagen. Zweiter Zeitraum. Das Ende des 17ten Jahrhunderts ist für Halle durch ein Zusammentreffen von Umstän- den bezeichnet, welche für. die fernere Entwickelung der Stadt höchst bedeutungsvoll und mehr als hinreichend ‘waren, sie für die grossen Einbussen der letzten Zeit zu entschädigen. Im Jahre 1680 war, den Bestimmungen des westphälischen Friedens gemäss, die Säkula- risation des Erzbisthums Magdeburg und seine Einverleibung in den Brandenburgischen Kur- staat erfolgt, Eine der ersten Folgen dieses Wechsels war ein nicht unbeträchtlicher Zuwachs, welchen die’ Bevölkerung von Halle durch Niederlassungen französischer Hugenotten und pro- testanlischer Pfälzer erfuhr. Ungleich wichtiger noch war die Begründung der Universität im Jahre 1694, und der Francke’schen Stiftungen im Jahre 1698. Diese Anstalten, sowie die bedeutende, hierher gelegte Garnison wurden alsbald 'ergiebige Quellen für den wachsenden Wohlstand der Stadt, dessen sie sich bis zur Mitte des: 18ten Jahrhunderts ungestört erfreuen konnte; aber schnell zerrann das Gewonnene wieder durch die unglaublichen Verwüstungen und Brandschatzungen, welche während der schlesischen Kriege und besonders während des sieben- jährigen von Seiten der sogenannten Reichsexekutionsarmee über Halle verhängt wurden. Nach dem Ilubertsburger Vertrag genoss Halle wieder der Segnungen des Friedens, bis im Jahre 1806 die französische Invasion und die nun beginnende Fremdherrschaft eine neue Reihe schwerer Prüfungen herbeiführte: die Suspension der Universität, unaufhörliche Truppenmärsche, Einquartierungen, Kontributionen, die Beschiessung der Stadt und andere drückende Lasten, wel- che das wechselvolle Kriegsglück auferlegte, bis endlich die Leipziger Schlacht die Befreiung Deutschlands und damit einen Umschwung der meisten Lebensverhältnisse verkündigte. Wie immer, so sehen wir auch während dieses Zeitraums die politischen Ereignisse von entsprechenden Veränderungen im Leben und Sterben der Bevölkerung begleitet. Gleich der Anfang dieser Periode führt uns aus den Verheerungen der Pest in eine Zeit epidemischer a Gesundheit. Viele Angaben stimmen darin überein, dass die auf die grosse Pest: folgenden Jahre durch eine besonders geringe Sterblichkeit, dagegen grosse Fruchtbarkeit der Frauen ausgezeichnet gewesen seien, und die darüber vorhandenen Zahlenangaben bestätigen dies vollkommen, Dieser ‘günstige Zustand hielt bis 1718 fast ununterbrochen an. Drrymaupr versichert sogar, dass bis zu der Epoche, in welcher er seine Chronik schrieb, also bis 1755, Halle sowohl von der Pest, als auch von andern ansteckenden Seuchen ganz verschont geblie- ben sei. Diese Behauptung ist übertrieben, sie beweis’t eben nur, dass man die zu seiner Zeit herrschenden Epidemien gegen die früheren für nichts achtete. Die folgende Chronologie zeigt, dass es auch im 18ten Jahrhunderte an seuchenartigen Krankheiten, und zum Theil selbst sehr verderblichen, nicht gefehlt habe. Zugleich gewinnen die Nachrichten über ihren nosologischen Charakter alle mögliche Zuverlässigkeit, seitdem sie an den Mitgliedern der Halleschen Fakultät kompententere Zeugen hatten, als vorher an den nicht sachverstän- digen Chronisten. Frıeprıcn Horrmann hat theils in seinen grösseren Werken '*), theils in vielen einzelnen Dissertationen eine Fülle von Beobachtungen über die Epidemien seiner Zeit geliefert. Auch Sranı und später Borumer und Rrın haben einzelne Epidemien theils selbst beschrieben, theils in den Promotionsschriften ihrer Schüler beschreiben. lassen. Die „Halleschen Anzeigen“ liefern für die zweite Hälfte‘ des 18ten und das „Hallesche patriotische Wochenblatt“. für das 19te Jahrhundert viele brauchbare Beiträge. Trotzdem ist eine ganz vollständige Epidemiengeschichte dieses Zeitraums nicht möglich. Im Folgenden kann daher nur das zusammengestellt werden, was den ärztlichen Zeitgenossen selbst erwähnenswerth schien. Der Schluss des 17ten Jahrhunderts zeichnete sich, wie. bereits erwähnt ist, durch einen besonders günstigen Gesundheitszustand aus, war aber doch von epidemischen Krankheiten keineswegs frei. 1690 herrschte die Ruhr in Merseburg und typhöse Fieber verbreiteten sich von 1692 an über Thüringen. und Sachsen, suchten ‘unter andern Städten im Jahre 1694 Eilenburg und im folgenden Jahre zugleich mit den Pocken Wittenberg, Leipzig, Dresden heim. In Halle nahmen die Erkrankungen erst einige Jahre später den epidemischen Charakter an, wozu die eigenthümlichen Witterungsver- hältnisse die nächste Ursache abgaben. Der Sommer des ‚Jahres 1697 war nass und kalt, so dass die Getreide- und Weinernte schlecht ausfiel; der Herbst neblig, mit immer bedeck- tem Himmel; oft schon Schnee. Der Winter von 97 zu 98 war veränderlich, ohne strenge, anhaltende Kälte, Während des Frühlings gab es ungeheure Regengüsse, denen ein starkes 12) Friend, HorFMansı opera (omnia physico-medica ed. Il. Genevae 1740. Faıen, Horrwannı medieina rationalis systematica.. Hal, ATIS—40. u 1698 1699 % an Bi ee Austreten der Saale folgte. Während des ganzen Sommers und Herbstes blieb die Luft fast beständig neblig und feucht, Auch der Winter von 98 zu 99 war ungewöhnlich milde und regnerisch; der folgende Frühling wieder sehr nass und warm bei ununterbrochen: herrschen- dem Südwind. : Diese so lange anhaltende ungesunde Witterung war geeignet, einen asthenischen Krankheitsgenius auszuprägen und die Entstehung miasmatischer Dünste zu befördern. Schon im Sommer 1698 kamen remittirende Fieber mit typhösem Charakter und Petechien häufiger vor '®). Darauf begann in der folgenden 2ten Hälfte des September eine Pockenepidemie 194 welche schnell eine grosse Heftigkeit gewann, und nicht bloss unter den Kindern, sondern auch unter Erwachsenen haus’te. Selbst Schwangere, Wöchnerinnen, Stillende wurden häufig ergrilfen, so dass nicht leicht Jemand verschont blieb, der die Krankheit nicht schon früher überstanden hatte. Auf der ‘Höhe der Epidemie rechnete man, dass etwa 2000 Personen ergriffen worden waren. Trotzdem war die Mortalität im Ganzen nicht bedeutend ‚ denn Fr. Horrmann schlägt die Todesfälle nur auf 5 ° der Erkrankungen an. Erst im März des folgenden Jahres erlosch diese Epidemie, um sofort einer anderen, schlimmeren Plage Platz zu machen, Das ungewöhnlich warme und feuchte Frühlingswetter rief häufige Wechselfieber 's) hervor, die sich aber meist durch einen sehr unregelmässigen Verlauf auszeichneten, und mit gastrischen Erscheinungen komplieirt waren. Sie hielten fast das ganze Jahr über an; aber daneben entstand um die Zeit des Frühlingsaequinoktium eine andere Epidemie, ein bösarliges von verschiedenen Exanthemen begleitetes Fieber '°), welches viele Opfer forderte. Besonders ausgesetzt waren die mittleren Lebensjahre, während Kinder und Greise meist verschont hlie- ben. Das männliche Geschlecht zeigte eine grössere Anlage zur Erkrankung, als das weib- liche; besonders verderblich zeigte sich aber die Krankheit bei solchen, die durch Unmässig- keit, Ueberanstrengungen oder durch vorangegangene Krankheiten geschwächt waren. Dass sie ohne Kontagium entstehen und sich verbreiten konnte, lehrte die Erfahrung häufig, obwohl sich nicht verkennen liess, dass die Hausbewohner und Nachbarn der Erkrankten mehr ge- fährdet waren, als die Uebrigen. Die Krankheit war bei allen und während ihres ganzen Verlaufs durch eine ausserordent- liche Prostration , Kopf- und Rückenschmerzen bezeichnet; das Gesicht und die Augen waren. geröthet, der Puls klein, weich und frequent, oft unregelmässig;; die Hitze und der Durst im Allgemeinen nicht bedeutend. Einige lagen schweigsam und somnolent; andere waren 12) E. Stanı „historia febris epidemicae pelechizantis el melhodus euralionis ejusdem (opusc, chym. phys. medica,) Hal. 1698.“ 14) Fr. Horrmann „historia variolarım epidemice Halae grassantium, Hal. 1699.“ 15) Fr, Horrmann diss, physico-medica exhibens observationes quasdam praclicas circa febres intermittentes a. 1699. grassan- tes. Hal. 1701. 16) Fr. Horrmann observationes barometrico-meteorologicae et epidemicae Halenses. Hal. 1700. 17) Fr. Horemann Diss. med. sistens historiam febris malignae epidemicae pelechizantis, haclenus Halae grassantis, Hal, 1699. Fe En exaltirt, geschwätzig, delirirend. Der Schlaf war bei allen Kranken unruhig, von Träumen und Phantasien unterbrochen. Bei manchen zeigte sich eine Entzündung der Fauces; bei vielen war während der ganzen Krankheit ein schaumiger, verschieden gefärbter Durchfall vorhan- den; bei andern trat er erst um den Tten—l4ten Tag hinzu, und hatte dann einen günsti- gen Eintluss, während diejenigen Kranken, welche von Anfang bis Ende verstopft waren, sich gewöhnlich schlechter befanden. Häufig stellte sich Nasenbluten ein und bei Frauen Uterin- blutungen. Der Urin war Anfangs gewöhnlich ganz unverändert, später zuweilen sodimentirend, zuweilen gleich bei der Entleerung trübe und stinkend. Vomituritionen waren häufig; ein während der ganzen Krankheit anhaltendes Erbrechen von lethaler Vorbedeutung. Exantheme fehlten zuweilen ganz, in anderen Fällen waren sie reichlich vorhanden, besonders am Halse, Rücken und Beinen, selten im Gesicht; die kleinen und rothen Flecke waren günstiger, die grossen, lividen, violetten waren schlecht; günstiger war es, wenn der Ausbruch dieser Petechien in den ersten Tagen der Krankheit erfolgte, ungünstiger, wenn er dem Fieber schon voran- Sing. Bei tödtlichem Ausgange erfolgte der Tod um den l1ten, zuweilen schon um den Tten ag; bei günstigem Ausgange trat um den Ilten oder l4ten Tag, zuweilen unter kritischen Erscheinungen, die Besserung ein; immer aber schritt die Rekonvalescenz nur sehr langsam vorwärts. Achnliche Fieber herrschten damals ziemlich allgemein; namentlich auch im folgenden Jahre zu Nordhausen und um den Harz. Man wird ohne alles Bedenken einen Typhus darin erkennen und nur zweifelhaft sein können, ob es ein exanthematischer oder ein Abdominal- {yphus gewesen sei. Gegen den erstern und für den letztern spricht das nicht konstante Vor- kommen der Petechien, die Häufigkeit der Durchfälle, die Unvollkommenheit der kritischen Erscheinungen ‚ die geringere Kontagiosität. Bei dem Mangel aller Angaben über den Leichen- befund ist es unmöglich, ein sicheres Urtheil zu gewinnen; aber es darf nicht unerwähnt blei- ben, dass Horrmans selbst diese petechisirenden Faulfieber von den wahren Petechialfiebern unterscheidet, Das 18te Jahrhundert. Die beiden ersten Decennien dieses Jahrhunderts waren für einen grossen Theil Deutsch- lands durch verheerende Krankheiten, durch Noth und Trübsal jeder Art verhängnissvoll, Während die Pest in vielen Gegenden noch ihre Verwüstungen fortsetzte, herrschten in anderen eine ganze Reihe epidemischer Krankheiten neben einander, einzeln von viel geringerer Bedeu- tung, aber durch die Häufigkeit, mit der sie sich wiederholten und mit einander abwechselten, nicht weniger verderblich, Typhöse Wechselfieber ) und wahre Typhen, asthenische Ruhren, Gal- 18) Fr. Horrwansı qeris intemperies multorum morborum causa. Halae 1714. s Wi um lenfieber, der Friesel, Blattern, Masern und Scharlach theilten sich in den Krankheitscharakter jener Zeit, welcher von Harser, dem wir die ausgedehntesten historischen Untersuchungen darüber verdanken, im Allgemeinen als ein erysipelatöser bezeichnet worden ist. Aber es gab auch einzelne Lokalitäten, welche sich eine augenfällige Immunität bewahrten, und zu diesen gehörte die hiesige Gegend und vor Allem die Stadt Halle selbst. Die Kirchenbücher liefern den Beweis, dass bis 1718 die Zahl der Geburten fast alljährlich ansehnlich über die Zahl der Todesfälle überwog und nur aus den letzten, Jahren des zweiten Decenniums besitzen wir Nachrichten über das Auftreten epidemischer Krankheiten, deren Tödtlichkeit eine wenig er- 1715 hebliche war. Im Jahre 1715 herrschten nach einer gelegentlichen Angabe Horrmann’s ano- male Wechselfieber und petechisirende Faulfieber, aber ihre Verbreitung kann keine grosse 1716 gewesen sein. Im Jahre 1716 wurden während des feuchten und kalten Sommers unzählige Menschen jeden Alters und Geschlechts in Halle sowohl, wie in benachbarten Orten, besonders Eisleben, von Ausschlägen befallen, die nach der unvollkommenen Nomenklatur damaliger Zeit schlechtweg als scabies bezeichnet wurden. Bei Personen, die eine bis dahin gesunde Konstitution hatten, traten sie unter der Form einer scabies pruriginosa und serpiginosa auf, bei schlaffen Subjekten mehr unter der Form einer scabies humida, und bei vielen, wo sie einen bösartigen Charakter gewannen, verbanden sich damit harte Knoten unter der Haut und Drüsenanschwellungen, besonders: in der Achsel. Selbst Knaben, die erst vor einigen Mona- ten die Pocken überstanden hatten, blieben nicht verschont und einige von ihnen bekamen tiefe, schwer heilende Geschwüre, die selbst bis auf das Periostium drangen; andere wurden von Gesichts- und Kopfrose befallen, nach deren Heilung Hautausschläge entstanden, die von den Schultern zu den Händen herabstiegen. Im Uebrigen war die Gesundheit der Betroffe- nen wenig gestört und ihr Appetit war meist gut und stärker, als vorher. Diese eigenthüm- liche Epidemie dauerte von Mitte August bis Ende October. Niemand wird eine wahre sca- bies darunter vermuthen können, vielmehr sprechen die Erscheinungen am meisten für die Annahme, dass es eine I/mpetigo gewesen sei, welche auch zu andern Zeiten in ungewöhn- licher Häufigkeit beobachtet wird, selten freilich in dem Maasse beobachtet sein mag, wie es nach den wenigen Andeutungen Horrmann’s damals der Fall gewesen zu sein scheint, 1717 Anno 1717 ergeben die Halleschen Kirchenbücher eine viel grössere Sterblichkeit, als in allen vorhergehenden Jahren dieses Jahrhunderts. Mittheilungen über den Grund derselben fehlen, aber um dieselbe Zeit grassirte in Leipzig ein äusserst heftiger Typhus, so dass sich vermuthen lässt, dieselbe Krankheit sei ‘damals auch in Halle verbreitet gewesen. Das fol- 1719 gende Jahr war wieder frei von epidemischen Fiebern, aber mit 1719 beginnt eine Reihe höchst ungünstiger Jahre, die mit Ausnahme einzelner sich dureh eine grosse Sterblichkeit auszeich- neten. : Das Jahr 1719 wird allgemein als ein ungewöhnlich heisses bezeichnet; fünf Monate hielt die Dürre fast ununterbrochen ar und während eines ganzen Vierteljahrs soll kein Regen Be WE gefallen sein. Das Sommergetreide schlug gänzlich, das Wintergetreide grösstentheils fehl; nur der Wein gerieth vortrefflich. Während dieser Zeit gewannen Wechselfieber eine grosse Verbreitung, aber es waren meist anomale Formen, Hemitritäen, mit gastrischen Symptomen komplieirt und die ihrer Hartnäckigkeit wegen berüchtigten Quartanfieber. Daneben herrschte, besonders im August und September, dieRuhr. Sie befiel besonders Knaben und jugendliche Subjekte, wurde aber bei jungen Kindern und Greisen am leichtesten tödtlich. Wie sie vor- züglich sumpfige und wasserreiche Gegenden aufsuchte, so war sie auch innerhalb der Städte in den niedrig und feucht gelegenen Häusern am verderblichsten. Wer als Präservativ ein Abführmittel nahm, verfiel gewöhnlich gleich in Jdie Krankheit, die bei Kindern immer mit Fieber und oft mit Husten und Dyspno& verbunden war, Die Ausleerungen waren sehr kopiös und blutig; der Tenesmus beftig, und dauerte selbst dann. noch fort, wenn die Stühle aufge- hört hatten, blutig zu sein; wo aber Leibschmerz und Tenesmus gänzlich fehlten, da war grosse Lebensgefahr. Häufig wurden Spulwürmer entleert. Mit diesen Erscheinungen verband sich immer eine grosse Prostration und Schlaflosigkeit und die Sterblichkeit war nicht gering. Adstringentien und Opiate, im Anfange gegeben, erwiesen sich nachtheilig; die besten Dienste leisteten Emollientien und Ipekakuanha; auch öligte Clystiere, später Caskarille, Bezoardika und bei längerer Dauer Analeptika. Anfangs Oktober erlosch diese Epidemie der Ruhr, welche in demselben Jahre auch an anderen Orten, namentlich im Magdeburgischen,, grassirte. In den folgenden Jahren waren besouders wieder Wechselfieber und Blatiern ver- breitet; speciellere Angaben für Halle fehlen, nur 1721 erwähnt Fr. Horrmann der im Sommer herrschenden anomalen, in petechisirende Faulfieber übergehenden Intermitten- tes; und 1722 einer Pockenepidemie. 'Die Jahre 1723 und 24 waren in Ansehung der Sterblichkeit günstig; einen ungünstigen Charakter nahm die Krankheitsconstitution erst wie- der im Jahre 1726 an. Auf den bei anhaltend herrschenden Nordwinden sehr trocknen Win- ter folgte ein regnerisches warmes Frühjahr und auf dieses ein sehr trockner und heisser Sommer. Es entstand eine Dyssenterie, die in mehrfacher Beziehung bemerkenswerth war. Während: sonst Ruhrepidemien selten anders, als im Spätsommer zur Herrschaft gelangen, fing die diesjährige schon im Juni an und hörte im September wieder auf. Sie herrschte, ebenfalls gegen die Regel, an hoch gelegenen und bergigen Gegenden nicht geringer und selbst heftiger, als in feuchten, sumpfigen Lokalitäten. Die Patienten verfielen gleich Anfangs in ‚eine grosse Prostration, verloren den Appetit, bekamen heftige Leibschmerzen, wozu sich oft Präkordialangst , kardialgische Beschwerden und Vomituritionen gesellten. Dann ent- stand unter Fieberbewegungen ein quälender Tenesmus, so dass die Kranken 40, 90mal und öfter zu Stuhle gingen, und Anfangs schleimige, dann blutig gefärbte, endlich ganz blu- tige Stühle hatten, Uebrigens zeigte sich die Krankheit in den einzelnen Fällen von sehr un- 1721 1722 1726 1726 1728 u MR gleicher Heftigkeit; zuweilen war sie so gelinde, dass nur leichte Febricitationen vorhanden waren und die Patienten kaum das Bette zu hüten brauchten; in höheren Graden war das Fie- ber heftig und anhaltend, verstärkte sich aber in einem Tertian- oder Quartantypus; in den höchsten Graden hatte ‘es den Charakter eines Entzündungsfiebers. Sehr schlimm waren die Fälle, wo ein Anfangs anhaltendes Fieber später in eine semitertiana überging; solche Kranke starben oder verfielen in ein lentescirendes oder hektisches Fieber und Wassersucht. Sehr un- günstige Erscheinungen waren ferner ein ganz darnieder liegender Appetit, eine gleich Anfangs sehr bedeutende Prostration, ferner profuse Schweisse, während deren die Schmerzen zunah- men und die Ausleerungen sparsam wurden. Man erkennt in dieser Schilderung deutlich die Ruhr, und eine Beobachtung von Bass !?), welcher die genaue Beschreibung und Abbildung eines angeblich aus derselben Ruhrepidemie eninommenen Sektionsbefundes giebt, kann diese Meinung nicht erschüttern, obwohl in der Darstellung von Bass sich unzweifelhaft ein Abdominaltyphus erkennen lässt. Es fanden sich nämlich dabei Geschwüre im Dünndarm, welche sämmtlich in einer Reihe lagen und 1, —1 Zoll von einander entfernt waren, eine unregelmässige Form und harte und kallöse Ränder hatten und den Prver’schen Drüsen entsprachen, so dass man sie für die exulcerirten Drüsen selbst halten musste. Diese für die älteste Geschichte des Abdominaltyphus so wichtige Beobachtung darf uns aber wohl nicht zu der Annahme bestimmen, dass die Hallesche Epidemie des Jahres 1726 ein Typhus gewesen sei; sie beweis’t vielmehr nur, dass neben der Ruhr auch Fälle von Abdominaltyphus vorgekommen, und zuweilen damit verwechselt worden seien. Auch Wechsel- fieber herrschten gleichzeitig mit den ebengenannten Krankheiten in Halle und aus ihrer ge- wiss häufig vorkommenden Verbindung im Körper desselben Patienten entstanden jene hösarti- gen Formen, welche von Horrmann erwähnt werden. Das gleichzeitige Vorkommen von Ruhr, Typhus und Wechselfieber hat sich überall, wo es beobachtet wurde, als besonders verderb- lich bewiesen. Wechselfieber begannen schon zeitig im Jahre 1726 und dauerten fast ohne Unterbrechung während der beiden folgenden Jahre fort, indem sie durch die anhaltende Trockniss einen ganz anomalen Charakter gewannen. Bei den meisten Kranken war das Fieber anfänglich ein remittirendes und wurde erst um den 3ten oder 4ten Tag deutlich intermittirend ; bei manchen trat dieser Uebergang in regelmässige Tertian -, zuweilen auch Quartan- oder häufiger Quotidianfieber erst viel später ein, so dass die Kranken Jange Zeit an anhaltender Fieberhitze, Muskelschwäche, Beängstigung, Kopf- und Gliederschmerzen litten. Häufig erfolg- ten sehr reichliche gallige Ausleerungen durch Erbrechen oder Stuhlgang; bei einigen herrschte das Schweissstadium , bei anderen das Frost- oder Hitzestadium sehr vor; jüngere Personen 19) Hennc, Bassıus observaliones amalomico-chirurgico-medicae Halae 1731. delirirten besonders häufig während der Paroxysmen; ältere waren meist somnolent. Alle klagten über einen hefligen krampfhafien Schmerz im Epigastrium; viele über Rücken- und Gliederschmerzen, Der Ausbruch eines herpes labialis oder eines pustulösen Exanthems am Körper machte einen günstigen Eindruck; das Erscheinen einer purpura deutele auf lange Dauer der Krankheit; eine Miliaria alba war von übler Vorbedeutung. Besonders ungünstig war es, wenn regelmässig intermitlirende Fieber später in anhaltende, remittirende übergingen. Die sehr eigenthümliche Witterungsbeschaffenheit der Jahre 1728 und 29 war die Ur- sache der in dieser ganzen Zeit so überaus grossen Häufigkeit der verschiedenartigsten Krank- heiten; nicht bloss hier: durch. ganz Deutschland, Holland, England herrschten so viele Krank- heiten, wie man kaum zu andern Zeiten hat entstehen sehen. Schon der März des Jahres 1725 war ungewöhnlich warm und in den folgenden Monaten nahm die Wärme und Trocken- heit sehr zu und dauerte bis Mitte September; indessen kamen einzelne kalte und selbst sehr kalte Tage dazwischen vor. Im Herbst war das Wetter feucht, kühl und im Ganzen frucht- bar. Im December und Januar folgenden Jahres fiel eine sehr strenge Kälte ein, und beson- ders war es vom 6—13ten Januar so kalt, wie es seit 1709 nicht beobachtet war, Diese äusserst strenge Kälte schlug am l4ten plötzlich in eine ebenso ungewöhnlich warme Witte- rung um und mit einem so auffallenden Temperaturwechsel waren nicht minder schroffe Ver- änderungen im Luftdruck verbunden, so dass der Barometer in einer einzigen Nacht von 27° auf 8° herabsank. An den folgenden Tagen wechselte zwar der Stand des Thermo- meters und Barometers mehrfach und die strenge Kälte kehrte noch einmal zurück, aber vom 24ten an blieb die Witterung warm. Bei herrschendem Südwind fiel eine ungeheure Masse Schnee, die im Februar schmolz und eine ausgedehnte Ueberschwemmung herbeiführte. Es konnte nicht fehlen, dass ein so schneller Wechsel der Witterung wichtige Veränderungen in der Oekonomie des menschlichen Körpers nach sich zog. Im Februar fingen sich fieberhafte Katarrhe an und wurden bald so häufig, dass im Laufe dieses einen Monats wenigstens 1000 Menschen daran erkrankten, Reich und Arm wurde befallen, besonders Personen mittlern Alters, während Kinder weniger ergriffen wurden. Die Krankheit begann ohne deutlich ausgesprochenen Frost, mit dem Gefühl von Schwere im ganzen Körper, Eingenommenheit des Kopfes, Appetitmangel, Schlaflosigkeit, Muskelschwäche und lebhafter Hitze. Der Puls war gross, ‚schnell, zuweilen unregelmässig. Einige rerfielen gleich in Delirien und zitterten am ganzen Leibe; andere verfielen in Somnolenz und Bewusst- losigkeit; andere hatten ohnmächtige Anwandlungen und konnten sich nicht aufrecht erhalten. Bei zweckmässiger Behandlung liess das Fieber am 4ten Tage unter kritischen Ausscheidun- gen durch Haut und Nieren nach ; aber die katarrhalischen Erscheinungen, namentlich Schnupfen und Husten mit reichlichem schleimigen Auswurf, und Gliederschmerzen hielten bis gegen den 4 Abh, d. Nat. Ges. zu Halle, Ir Band, 2 Quartal. 1728 1729 A DB l4ten Tag an; auch waren während dieser Zeit Abends ın der Regel leichte Fieberbewegun- gen und Nachts Unruhe und Schlaflosigkeit vorhanden, Am zweckmässigsten fand es Fr. Horr- MANN, gleich Anfangs einen Aderlass zu machen, temperirende Mittel und eine antiphlogistische Diät anzuwenden. Wurde der Aderlass versäumt oder erhitzende Mittel gereicht, so zog sich die Krankheit in die Länge, die Katarrhe wurden hartnäckig; in manchen Fällen brachen Exan- theme aus und manche Kranke erlagen auch, nachdem Friesel auf der Haut ausgebrochen; war. - Fr. Horrmann bezeichnete die Krankheit als Synocha catarrhalis epidemica mit Rück- sicht auf die von ihm probat gefundene Behandlungsmethode; wir erkennen darin eine In- fluenza, welche in demselben Jahre den grössten Theil von Europa durchzog und über die GrusE in seiner bekannten Schrift viele Beobachtungen zusammengestellt hat. An diese Grippeepidemie schlossen sich Wechselfieber an, welche während des Früh- lings, Sommers und Herbstes fast unausgesetzt herrschten. Es waren meist unregelmässige Formen, einfache und duplieirte Tertian- und Quartanfieber, oft von Exanthemen begleitet, häufig komitirt und von bösartigem Charakter. Auch Pocken und Masern, Durchfälle und Ruhren fehlten daneben nicht. Im Oktober und November hörten die unregelmässigen Wechselfieber auf und machten anderen Fiebern Platz, die mehr oder weniger bösartig und zugleich kontagiös waren. Horrmann bezeichnet sie als „febris petechialis spuria cum pur- pura alba“ und giebt eine ausführliche Beschreibung derselben, aus der wir wieder einen Typhus vermuthen können. Bei den meisten Kranken fingen diese Fieber mit Horripilatio- nen, Prostration, Gliederschmerzen, Schwere des Kopfes, Brustbeklemmung und Katarrh an, und während der schlaflosen Nächte nahmen Unruhe und Hitze zu. Um den 4ten oder 7ten Tag erschienen Exantheme, besonders falsche Petechien (roseola?) und purpura oder miliaria, denen bald ein Nachlass der Krankheit folgte, bald nicht. Am besten löste sich die Krank- heit gegen den l4ten Tag mit starkem Schweiss, Durchfall oder reichlichem Auswurf. _ Uebri- gens genasen die meisten Kranken, welche sich an Diät und ärztliche Vorschriften banden; von denen, die dies nicht thaten, starben viele oder verfielen in schleichende Nachkrankheiten. Die gleiche Krankheit mit denselben Symptomen befiel um dieselbe Zeit auch das Mi- litär. Es hatte sich das Gerücht verbreitet, dass der König von Preussen hierher kommen und die Truppen sammeln würde. Daher wurden die Soldaten fleissig im Dienst geübt, und da sie meist wenig gegen die nasskalte und neblige Witterung geschützt und ausserdem oft durch übermässigen Branntweingenuss geschwächt waren, so neigten sie sehr zu den verschieden- artigsten Erkrankungen. Katarrhe, Rheumatismen, Durchfälle, Quartanfieber waren sehr ver- breitet unter ihnen. Ende November brach dann ein anhaltendes, bösartiges, exanthemati- sches Fieber aus, woran bis Ende December mehr als 100 erkrankten und etwa 10 starben. Die Krankheit bewies. sich kontagiös, verbreitete sich aber fast nur bei solchen, die durch vorhergegangene Einflüsse geschwächt und zur Erkrankung disponirt waren. u Wi u Mit dem Jahre 1730 beginnt eine Lücke in der Epidemiengeschichte der Stadt Halle, indem Fr. Horsmanın in der spätern Zeit seiner vieljährigen Thätigkeit ein weniger aufmerk- samer Beobachter derselben war, wie in der früheren. Ein Blick auf die im Anhatıg mit- getheilte Sterblichkeitstabelle ergiebt, dass während des ganzen folgenden Zeitraums die Mor- talität Jahr aus Jahr ein eine sehr grosse gewesen sei; es wird aus gleichzeitigen Berichten über andere Gegenden wahrscheinlich, dass, wie bisher Wechselfieber, Typhen, Ruhren und Blattern in häufig wiederkehrenden Epidemien diese ungünstigen Verhältnisse verschuldet haben, aber bei der Gleichförmigkeit, mit der sich diese Krankheiten zu gestalten pflegen, konnte es kein Interesse darbieten, hier jeder einzelnen eine besondere Beschreibung zu widmen. Erst eine im Jahre 1746 sehr intensiv herrschende Epidemie typhöser Ruhr fand an Arzerrı #9) wieder einen Bearbeiter, Im Jahre 1751 herrschte eine bösartige Pockenepidemie un) Im August 1757 brachen Masern aus und ihnen schlossen sich die Pocken sehr verderb- lich an ??). 1762 herrschten abermals die Pocken *?). Im Jahre 1764 war während der Monate September und Oktober das Scharlachfieber in Halle verbreitet, bei sehr veränderlicher, zwischen Kälte und Wärme, Trockniss und Feuchtig- keit schwankender Witterung. Es scheint dies die erste Scharlach-Epidemie gewesen zu sein, welche in Halle beobachtet worden ist, da Fr. Horrwans die Krankheit noch nicht kannte, was um so auflallender ist, da sie bereits ein Jahrhundert früher in Sachsen herrschte (Fear), und anderthalb Jahrhunderte früher (1619) schon von Suxserr in Wittenberg beschrieben worden war. Der Scharlach war in jener Zeit noch eine gutartige Krankheit; nach Syonwnam’s Aus- Spruch nicht viel mehr als der Name einer Krankheit, ‚hoc morbi nomen, vix enim allius assurgit.“ Zwar war er hin und wieder, wie in der von Piencıcz beschriebenen Wiener Epidemie, schon bedeutsamer aufgetreten, aber von den meisten Aerzten wurde er für ein ge- fahrloses Uebel angesehen, von vielen eben deshalb gar nicht beachtet. Daraus erklärt es sich, dass Bormmer die Hallesche Epidemie als eine bösartige betrachten konnte, während sie nach heutigen Begriffen für eine äusserst leichte angesehen werden muss. Wassersucht kam gar nicht vor; und ebensowenig wurden die andern Nachkrankheiten beobachtet ‚„ aus denen besonders häufig Gefahr für das Leben erwächst. Auch Sopor und Coma im Verlaufe des ee 2) ALserti de dysenteria epidemica quasi pannonica furbulenfa empiricorum eura fere contagiosa et maligna, supersore anno vicina devaslante loca, Hal. 1747. at) Hallesche Anzeigen, Jahrg. 1751 22) ebendaselbst. Jahrg. 1757. 22) ebendaselbst. Jahrg, 1762, 4* 1746 1751 1757 1762 1764 1767 Fiebers wurden niemals bemerkt und nur zuweilen führten Konvulsionen den tödtlichen Aus- gang herbei. Was die Aerzte zu dem Ausspruch bestimmte, dass die Epidemie „mal moris‘“ gewesen sei, waren einzelne Symptome, die sonst nicht grade häufig vorgekommen zu sein scheinen. Die Krankheit begann meist mit galligem Erbrechen, wozu sich Stuhlzwang und Drang zum Harnlassen gesellte; aber der Urin war in allen Fällen blass und wässrig. Als ein zweites ungewöhnliches Symptom werden Schmerzen in den Zähnen und im Zahnfleisch erwähnt, die fast in keinem Falle fehlten. Die Mortalität scheint eine sehr geringe gewesen zu sein), Man sollte bald eine viel schlimmere Form der Krankheit kennen lernen, denn schon drei Jahre später herrschte eine, ebenfalls von Borumer beobachtete Epidemie der bran- digen Bräune, welche viele Kinder hinraffte”°). In jener Zeit war der Zusammenhang dieser Krankheitsform mit dem Scharlach nur von wenigen Aerzten erkannt, erst spätere Erfah- rungen rechtfertigten die Behauptung, dass wo jemals die brandige Bräune als ein das Kindesalter heimsuchendes epidemisches Uebel erscheint, sie von dem Scharlach wesentlich nicht verschieden ist. Sowie in den Epidemien des Scharlachfiebers häufig einzelne Fälle von brandiger Bräune vorkommen, so in den Epidemien der brandigen Bräune immer einzelne Fälle von unzweifelhaftem Scharlach; aber das Auftreten brandiger Zerstörungen steht mit dem Exanthem in einem gewissen Gegensatz, und wo erstere frühzeitig entstehen, pflegt das letztere schwach entwickelt zu sein oder ganz zu fehlen. Die scheinbar verschiedensten Affek- tionen können Ausflüsse desselben pathologischen Processes sein. Die letzterwähnte Epidemie erklärt zum Theil die bedeutende Sterblichkeit, welche wir für das Jahr 1767 verzeichnet finden, und die in geringem Maasse auch während des folgen- den Jahres fortdauerte. Dagegen finden wir 1769 ausnahmsweise die Geburten über die Sterbefälle überwiegend; aber schon mit dem nächsten Jahre beginnt eine Epoche, welche fast für die ganze bewohnte Erde die traurigste Bedeutung gewann. Die Epidemien der sieb- ziger Jahre sind von Hrcker ?°) einer so umfassenden Bearbeitung unterworfen, dass wir hier nur das anzuführen haben, was speciell auf Halle Bezug hat. Zwei vortrefiliche Arbeiten, welche unter den Auspicien Bortmer’s verfasst wurden, haben uns das Bild des damals herr- schenden Krankheitscharakters aufbewahrt *”) und noch umfassender hat Krssıer ?°) denselben in einer eigenen Schrift bearbeitet. 24) Enrrich de febre scarlatina epidemice haclenus grassante. Hal. 1764. 25) BozHNER de febre catarrhali maligna, angina gangraenosa stipala. Hal. 1767, 26) Hecker Geschichte der neueren Heilkunde, a7) Hawanra disserlalionis de constitulione epidemica Halae ad Salam ingue ejus confiniis ann. 1771. 72 observala priorem secionem. Halae 1772. Hozuı ejusdem disserlalionis sectionem posteriorem. Halae 1772. 28) Fa. Loow. Kussıra Beobachtungen über die epidemischen Faulßeber in den beiden Wintern 1770-72. Halle 1773. FERNER an BB Der Winter von 1770—71 war milde und feucht; ebenso der darauf folgende Früh- ling; die Masse des noch spät gefallenen Schnees führte im Juni Ueberschwemmungen herbei. Während des nasskalten Sommers wiederholten sich die Ueberschwemmungen. Der Herbst, anfänglich milde und heiter, später häufig neblig und regnerisch. Der folgende Winter war wieder durch geringe Kälte, aber feuchte und unbeständige Witterung ausgezeichnet. Fast wäh- rend der ganzen Zeit herrschten warme Süd- Südost- und Südwestwinde; nur selten wurden sie, besonders im Herbst, von entgegengesetzten, rauhen und selbst sehr heftigen Luftströ- mungen unterbrochen. ‘Die Obsternte war ergiebig; die Getreideernte schlecht; besonders der Roggen war missrathen und durch Mutterkorn verdorben; der Weizen besser, die Gerste mit Lolch reichlich gemengt. Bei der allgemeinen Theuerung musste Kleie und Gerste unter das Brod gebacken werden. Während des Frühlings und Sommers 1770 herrschten in nicht ungewöhnlicher Verbrei- tung Pocken, Scharlach, katarrhalische und rheumatische Affektionen. Im Spätsommer aber, Herbst und einem Theile des Winters traten nach einigen, aber nicht häufigen Fällen von Ruhr, besonders unter den Landleuten, Wechselfieber auf, einfache und duplieirte Tertian- und Quartanfieber, und Hemitritäen, sehr hartnäckig und häufig von Wassersuchten begleitet. Diesen Fiebern folgte endlich im Monat November ein anhaltendes Faulfieber, welches in fast gleicher Weise Kinder und Erwachsene befiel; am meisten aber unter den Landleuten haus’te, die von der Witterung besonders betroffen und durch ungesunde Kost entkräftet waren. Gleichzeitig kamen sowohl hier, wie in andern Städten, die von derselben Epidemie betroffen waren, bei vielen Leuten pustulöse Ausschläge um die Nasenflügel und Mundwinkel häufig vor. . Bei denjenigen, welche Gerstenbrod zu essen genöthigt gewesen waren, zeigten sich häufig Schwindel- und Krampfzufälle; aber trotz der grossen Menge des Mutterkorns wurde kein einziger Fall der Kriebelkrankheit oder des damit zusammenhängenden Zehenbrandes beobachtet. Es würde dem Zweck dieser Mittheilungen nicht entsprechen, wollten wir nach den darüber vorhandenen Angaben eine vollständige Beschreibung der Krankheit hier zu geben versuchen. Aus ‚der vortrefllichen Darstellung Bornmer’s lässt sich unzweifelhaft ein Typhus erkennen, wir beschränken uns darauf, diejenigen Stellen hervorzuheben, welche auf die Beantwortung der Frage Bezug ‚haben, ob‘ er den Charakter eines gastrischen oder exanthematischen Ty- phus getragen habe. Der Abdominaltyphus ist fast immer von Durchfällen begleitet, der exanthematische dagegen ist es nicht. Wir erfahren über die in Rede stehende Epidemie: quibusdam, alvus pertinacissime clausa est, hancque alvi obstructionem comitatur conlinuus ad. alvum urinamque Slimulus; in alüs die quarto, octavo, undecimo diarrhoeae foetidae fre- quentissimae accedunt etc, Bei dem exanthematischen Typhus ist der Ausbruch einer verbreiteten Roseola eine kon- stante Erscheinung; bei dem Abdominaltyphus ist die Roseola von untergeordneter Bedeutung 1791 1792 — 30 ° — und daneben kommen wahre Petechien und Sudamina häufiger vor. Bornmer berichtet uns: nec ommbus, nec plurimis exunthema quoddam erumpit. (Quae autem exanthemata prodeunt, plerumque vel purpuracea sunt, eaque cum alba, tum rubra, vel petechialia ete. Der exanthematische Typhus endet gewöhnlich unter deutlich ausgeprägten kritischen Er- scheinungen, der Abdominaltyphus durch allmähligen Nachlass. Bornmer bemerkt: Phurimi tarde, sensim redeunte appetitu, pristinam recuperant samlatem. Hieraus ergiebt sich mit grosser Wahrscheinlichkeit, dass dies bösartige Faulfieber da- maliger Zeit ein Abdominaltyphus gewesen sei, ebenso wie die früher von Horrmann beschrie- benen petechisirenden Katarrhalfieber. Die Zahl der Erkrankungen stieg besonders im Jahre 1772 ganz enorm, und obwohl die Mehrzahl der Erkrankten wieder genas, so belief sich die Zahl der daran Verstorbenen doch anno 1771 auf etwa 400 und im folgenden Jahre auf wenigstens 1500. Das auf diese Typhusepidemie folgende Jahrzehnt war im Betreff des Gesundheitszustan- des viel günstiger, als die vorhergehenden; die Nachrichten über die epidemischen Krankhei- 1777 ten dieses Zeitraums sind aber sehr unvollständig. Im Jahre 1777. herrschten die Pocken 1778 mit geringer Heftigkeit; im folgenden Jahre die Ruhr; im folgenden wieder die Pocken, stär- 1779 ker als das vorige Mal, so dass allein von der Civilbevölkerung des innern Stadtgebietes 114 Personen daran starben. Auch Masern und Rötheln hatten sich während dieser drei Jahre epidemisch gezeigt. Mit dem Jahre 1783 beginnt wieder eine ungleich stärkere Mortalität und dauert bis zum Schluss des Jahrhunderts fort, so dass mit Ausnahme weniger günstiger Jahrgänge die Zahl der Todesfälle jährlich und meist sehr ansehnlich über die Zahl der Geburten überwiegt. Den wesentlichsten Antheil an diesem ungünstigen Verhältniss haben die immer häufiger 1783 und immer verderblicher wiederkehrenden Pockenepidemien°"). Schon im Herbst 1782 zeig- ten sich einzelne Fälle dieser Krankheit, die bis in den Sommer des folgenden Jahres fort- dauerte, Nach dreijähriger Pause, während welcher Masern und Rötheln sehr verbreitet wa- 1787 ren, brach sie 1787 noch heftiger aus, so dass eiwa 150 Todesfälle vorkamen; noch viel 1791 heftiger‘, wiederum nach dreijähriger Pause, im Jahre 1791°°). Ihren Höhepunkt erreichte die Epidemie während der Monate Juni, Juli und August; ihr Ende aber erst im Frühling des folgenden Jahres, nachdem 304 Opfer gefallen waren. 1795 Eine neue Pockenepidemie brach im Herbst des Jahres 1795 aus und hielt bis in den 1796 Sommer des folgenden Jahres an. Obwohl sie geringer war, als die vorangehende, (es star- ben 117), so musste doch bei der Häufigkeit, mit der sich die Umgänge der Krankheit wieder- 29) Junerer Archiv der Aerzte und Seelsorger wider die Pockennoth. 1796—98, =) Rein memorabilia clinica v. I. fasc. 5. Hallesche Anzeigen vom Jahre 1791, re En holten, die allgemeine Aufmerksamkeit sich immer dringender den Mitteln zur Abhilfe zuwen- den. Die Inokulation der natürlichen Blattern gewann in dieser Zeit immer breiteren Boden und wurde von dem bekannten Feldprediger Laronramk sogar von der Kanzel herab empfoh- len; aber trotz der grösseren Verbreitung dieses Schutzmittels brach im Jahre 1800 eine neue 1800 Epidemie aus, welche alle früheren an Heftigkeit übertraf. Während der Frühlingsmonate dieses Jahres kamen die ersten Fälle vereinzelt vor; im Juni wurden sie häufiger; im August und September erreichte die Epidemie ihren Kulminationspunkt und verlor sich endlich wäh- rend der Wintermonate. Im Ganzen waren 423 Todesfälle vorgekommen. Der Anfang des 19ten Jahrhunderts. Gleichzeitig mit den Pocken. herrschte die Ruhr vom Juli bis in den December ; während sich auch Nervenfieber häufiger als sonst zeigten. Mit dem Beginn des Jahres 1801 traten die Masern auf ‚ die bis in den Mai anhielten 1801 und an die sich eine kleine und gutartige Scharlachepidemie anschloss. Während der beiden 1802 folgenden Jahre herrschte das Scharlachfieber abermals und fast ohne Unterbrechung bis zum 1803 Oktober 1803; indessen war auch jetzt die Sterblichkeit keine erhebliche. In den Herbst 1804 fiel ‘eine Epidemie gutartig verlaufender Masern; und an sie schloss 1804 sich wieder im Januar 1805 das Scharlachfieber an ‚ welches ohne Unterbrechung aber mit 1805 wechselnder Intensität zwei Jahre lang grassirte, In diese Zeit fällt die Einführung der Vaceination, welche seit 1803 besonders durch Reu’s Bemühungen hier zu Stande kam; aber noch ehe sie vollständig durchgesetzt werden konnte, sollte ein neuer Ausbruch der Pocken eine ernste Mahnung geben, das begonnene Werk zu vollenden. Vom März bis December 1806 starben wieder 320 Personen, meist 1806 kindlichen Alters daran. Es ist dies die letzte Epidemie wahrer Menschenblattern in Halle. Die später folgenden Pockenepidemien trugen den Charakter der durch vorangegangene Impfung modilieirten und gutarliger gestalteten Krankheit. Wie es im Jahre 1800 gewesen war, so grassirten auch jetzt wieder neben den Blattern gastrisch - nervöse Fieber und im Heıbst zeigten sich häufige Ruhren, Auch die Masern herrschten während einiger Frühlings- und Sommermonate und da auch die im vorigen Jalıre begonnene Scharlachepidemie noch fortdauerte, so ist die bedeutende Mortalität dieses Jahres aus dem gleichzeitigen Vorkommen so vieler Krankheiten hinreichend erklärt. Dagegen war das Jahr 1807 ‚ einige Fälle von Ruhr während der Herbstmonate abge- 1807 rechnet, von epidemischen Krankheiten frei; im Jahre 1808 herrschten vom Juni bis Novem- 1808 ber wieder die Masern » aber äusserst gelind und gulartig; daneben zeigte sich auch wieder Scharlach, der seit 1805 kaum ganz aufgehört hatte; aber beide Krankheiten trugen zur Mortalität dieses Jahres wenig bei, Das folgende war noch günstiger und ohne Epidemie. 1809 oe TR 1810 . Im Januar 1810 brachen die Pocken aus und hielten bis in den Juli 1811 an; aber irotz dieser für eine Pockenepidemie ungewöhnlich langen Dauer war die Mortalität im Ver- hältniss zu den früheren äusserst gering. Nur einige neunzig Personen erlagen im Verlaufe der sich durch 18 Monate hinziehenden Epidemie. Daneben kamen immer einzelne Fälle von Scharlach und von Oktober bis Januar Masern vor. | 1811 Im November 1811 brachen die kaum erloschenen Varioloiden wieder aus und dauerten bis zum Juli 1312 an, noch gutartiger als das vorige Mal. Gleichzeitig nahmen die nie ganz verschwindenden Nervenfieber einen epidemischen Charakter und während der Sommermonate ısı2 1812 eine nicht unerhebliche Lethalität an. Auch Masern zeigten sich wieder während der ersten Hälfte dieses Jahres; und ihnen schloss sich eine Epidemie von bösartigem Scharlach an, welche binnen 6 Monaten mehr als 60 Kinder hinraffte. 1813 Das Jahr 1813, mit welchem dieser Abschnitt schliesst, war für die Geschichte der Stadt Halle, wie wenig andere, bedeutungsvoll. Nach einander wurde die Stadt von Russen, Preussen, Franzosen, wieder von den Preussen, wieder von den Franzosen und wieder von den Preussen besetzt. Diese unaufhörlichen 'und zum Theil mit hartem Kampf verbundenen Durchmärsche grosser Heeresmassen hatten den gewöhnlichen Begleiter kriegführender Armeen, den Typhus, nach Halle gebracht, Schon während der Frühlingsmonate hatten sich ‚häufige Erkrankungen daran zugetragen; im Sommer nahm ihre Zahl zu, so dass während der Mo- nate Juli, August und September mehr als 60 Todesfälle vorgekommen waren, Als nun im Oktober die Völkerschlacht bei Leipzig über das Schicksal von Deutschland entschied, wurde Halle mit Verwundeten gefüllt, deren Zahl nach und nach zu der Höhe von 9000 stieg. Sämmtliche Kirchen und fast alle grösseren Lokale der Stadt wurden zu ihrer Aufnahme mit Beschlag belegt; aber wie wenig diese schnell entstandenen Lazarethe der Grösse des Elends entsprachen und entsprechen konnten, davon giebt ein kürzlich in die Oelfentlichkeit gelangter Bericht Reır’s, dem die oberste Leitung übertragen war, Zeugniss. Bis Ende Januar 1914 waren etwa 2500 Mann Preussen und Russen hier verstorben. Es konnte nicht fehlen, dass in Folge dieser Häufung von Verwundeten der schon vorher in der Stadt grassirende Typhus schnell um sich griff. Die wöchentlichen Todtenlisten geben die Zahl der vom Oktober 1813 bis August 1814 von der eigentlichen Bevölkerung daran Verstorbenen auf 677 an, welche sich nach den einzelnen Monaten folgendermaassen vertheilen: Oktober 12, November 95, December 242, Januar 181, Februar 61, März 58, April 16, Mai 5, Juni 3, Juli 3, August 1; aber die Zahlen sind ungenau und der Menschenverlust lässt sich auf reichlich das Doppelte anschlagen. Es starben in Halle vom November 18913 bis November 1814 dreizehn- hundert Personen mehr als geboren wurden, die in den Lazarethen Verstorbenen nicht mit- gerechnet. Die Choleraepidemien unserer Zeit haben im Verhältniss zur Einwohnerschaft eine viel geringere Zahl von Opfern gefordert und wenn man bedenkt, .dass ein Cholerakranker u pH durchschnittlich nur wenige Tage oder Stunden; ein Typhuskranker aber mehrere Wochen darniederliegt, bis die Entscheidung über Leben und Tod eintritt, so wird man daraus die Grösse der Noth ermessen können, welche Augenzeugen nicht grell genug zu schildern wis- sen, Seit der grossen Epidemie der 70er Jahre war Halle von so schwerer Kalamität nicht betroffen worden, Reır war einer der ersten Opfer; aber auch der Tod vieler anderer ange- sehener Einwohner wurde beklagt. Der Rückblick auf diesen zweiten Zeitraum bietet uns ein von dem ersten durchaus ver- schiedenes Bild. Die Pest ist verschwunden; an ihre Stelle. ist eine Reihe anderer Krankheits- formen getreten, die theils neu entstanden, theils erst jetzt zur Höhe ihrer geschichtlichen Entwickelung gelangt sind. Keine dieser Krankheiten kommt der Pest an Bedeutsamkeit gleich oder auch nur nahe. Epidemien, wie wir sie früher kennen lernten, welche in kürzester Frist den vierten bis dritten Theil der Bevölkerung erwürgten, sind diesem Zeitraume fremd. Einzeln weniger erheblich, bewirken diese Krankheiten aber durch die Häufigkeit, mit der sie sich wiederholen und mit einander abwechseln, eine vielleicht nicht geringere Sterblichkeit. Wechselfieber in unregelmässigen, typhösen, komitirten Formen finden wir um den Ausgang des 17ten und während der ersten Hälfte des 1Sten Jahrhunderts in allgemeinster Verbreitung. Besonders in nassen Jahren dehnten sie ihre Herrschaft vom Frühling auch über die Sommermonate aus, um dann im Herbst der Ruhr Platz zu machen, Das dritte Glied in dieser Kette miasmatischer Krankheiten bildete der Typhus, dessen erstes Auftreten in der Form des exanthematischen Typhus uns bereits früher beschäftigt hat. Wir lernen jetzt die später entstandene Form, den Abdominaltyphus, kennen. Die anatomischen Beobachtungen von Bass lassen über seine Existenz in der ersten Hälfte des 18ten Jahrhunderts kaum einen Zweifel, und die sorgfältigen Krankheitsbilder, welche Fr. Horrmann von seinen petechisiren- den Faulfiebern und bösartigen Katarrhalfiebern und Boruner von den bösartigen Faulfiebern der 70er Jahre entworfen haben, machen die Identität derselben mit dem Abdominaltyphus höchst wahrscheinlich. Diese Beobachtungen fallen mit denen von Rorverer und WacLer über die Göttinger Schleimfieberepidemie nahe zusammen, so dass es wahrscheinlich ist, dass während des ganzen 18ten Jahrhunderts der Abdominaltyphus, die herrschende Typhusform gewesen sei; obwohl daneben unzweifelhaft auch der Petechialtyphus fortbestand, und beson- ders im Gefolge der Kriege und als Begleiter der Armeen seine Umgänge machte. Unter den, wie es scheint, zahlreichen Typhusepidemien dieser Periode heben sich besonders die der Jahre 1699, 1729, 1771—72 und‘ 1813 heraus; und die beiden letzten sind zugleich die grössten von allen Epidemien dieses Zeitraums. Neben diesen drei miasmatischen Krankheitsformen, dem Wechselfieber, der Ruhr’ und dem Typhus , ‚bilden die kontagiös -fieberhafien Esantheme- den wesentlichsten Charakter des Abh. d. Nat. Ges, zu Halle. Ir Band, 25 Quartal. 3 Feen u DB herrschenden Krankheitsgenius. Das Scharlachfieber tritt seit dem Jahre 1764 in immer häu- figer sich wiederholenden Epidemien auf, bald gutartiger, bald bösartiger sich gestaltend, und während des ersten Decenniums des 19ten Jahrhunderts rücken diese Epidemien endlich so nahe an einander, dass die Krankheit fast gar nicht mehr 'von dem Schauplatz verschwindet. In ähnlicher Weise sehen wir die Masern Anfangs in längeren, später in immer kürzer werdenden Pausen auftreten. Im 17ten und 18ten Jahrhundert finden wir sie einige Male in Begleitung der Pocken erwähnt. Genauere chronologische Nachrichten über ihr Erscheinen besitzen wir seit dem Jahre 1778, wo sie (zugleich mit den Rötheln?) herrschten. Danach kehrten sie in den Jahren 1784, 1790, 1795, 1801, 1804, 1806, 1808, 1810, 1812 wieder, so dass die anfänglich sechsjährige Periodicität ihrer Epidemien sich in der Folge in eine zweijährige umwandelte. Die Mortalität war in allen diesen Epidemien eine wenig er- hebliche, am grössten in der des Jahres 1784—85, wo etwa 70 Kinder daran starben. Ungleich bedeutsamer, als Scharlach und Masern wurden für die Gestaltung des Krankheits- charakters in dieser Periode die Pocken. Epidemien derselben werden erwähnt in den Jahren 1698, 1722, 1729, 1751, 1757, 1762, 1770, 1777, 1779, 1753, 1787, 1791, 1795—96, 1800, 1806, 1810—12, aber vollständig ist diese Chronologie erst seit dem Jahre 1751, so dass während des 63jährigen Zeitraums bis zum Schluss dieses Zeitraums 13 Ausbrüche der Pocken vorkamen, durchschnittlich also jedes te Jahr einer. Wir besitzen die Zahlenangaben aller von 1776-1806 in Halle an den Pocken Verstorbenen und können aus der gleichfalls be- kannten Zahl der während dieses Zeitraums überhaupt Gestorbenen berechnen, welchen Antheil die Pocken an der allgemeinen Mortalität nahmen. Es starben in dem Stadtgebiet Halle von 1776-1789 überhaupt 5,795 Personen. »> 3 In der Gesammtstadt Halle von 1790—1806 N, 14,134 ”» zusammen 19,929 Personen. Es starben in dem Stadtgebiet Halle von 17761789 an den Pocken 361 Personen. „5 In der Gesammtstadt Halle von 1790—1806 „ , 5 1194 AN zusammen 1559 Personen. Folglich trugen die Pocken in dem Zeitraume, welcher der Einführung der Vaccination voranging, etwa 8 °, zur Mortalität bei, das heisst der 12te bis 13te Theil aller Todesfälle war durch die Pocken verschuldet. Wir haben am Schlusse des ersten Zeitraums erfahren, dass trotz der verheerendsten Pesten die Sterbefälle während des 17ten Jahrhunderts nur unbedeutend die Geburten über- wogen, so dass eine Abnahme der Bevölkerung wahrscheinlich nicht erfolgte. Es wird der Mühe werth sein, diese Verhältnisse auch für den zweiten Zeitraum festzustellen. Das Mate- PO rial dazu liefert uns eine Schrift des Prof. GurrE°'), sowie eine vollständige Sammlung Hallescher Kirchenzettel aus dem 19ten Jahrhundert. Bei Benutzung der daraus entlehnten und .im Anhange mitgetheilten Zahlen ist zu bemerken, dass für die Zeit von 1700—1768 nur die Getauften ’angegeben sind, aus denen nach dem früher angegebenen Grundsatz die Zahl der Geborenen berechnet werden kann. Darnach wurden während des 18ten Jahrhun- derts in Halle mit Einschluss der Amtstädte Glaucha und Neumarkt im Ganzen geboren 70,060 und es starben 84,913, also 14,753 mehr als geboren wurden, und Halle erfuhr also durch den Ueberschuss der Todesfälle über die Geburten durchschnittlich jedes Jahr einen Verlust von 147 Einwohnern. Aber wie zu allen Zeiten die Sterblichkeit in den Städten eine grös- sere gewesen ist, als auf dem Lande, so hat auch zu allen Zeiten ein Zug der Bevölkerung von dem Lande nach den Städten hin bestanden, der nicht bloss geeignet war, das allmählige Aussterben derselben zu verhindern, sondern den durch die Todesfälle bedingten Verlust meist ansehnlich überwog. So fand auch in Halle trotz des ungünstigen Verhältnisses zwischen Ge- burten und Todesfällen eine Zunahme der Einwohnerzahl statt; denn wenn wir nach demsel- ben Maassstab, wie es für das 17te Jahrhundert geschehen ist, für das 18te aus der Zahl der Geburten die Einwohnerzahl schätzen, so ergiebt sich als Durchschnittswerth die Zahl 17,500, während wir für das vorige Jahrhundert nur 14,000 wahrscheinlich gemacht haben. Legen wir diese Zahlen zu Grunde, so lässt sich daraus auch das Sterblichkeitsverhältniss einigermaassen abnehmen, Während des 1’7ten Jahrhunderts starben in dem eigentlichen Stadtgebiete 40,532 Per- sonen, also jährlich in Durchschnitt 405. Bei einer mittleren Einwohnerzahl von 9200 Per- sonen ergiebt sich die Mortalitätsziffer von 4,4 °. Während des 18ten Jahrhunderts. starben in der Gesammtstadt Halle 84,813, also jährlich im Durchschnitt 848. Bei einer mittleren Einwohnerzahl von 17500 Personen ergiebt sich eine Mortalität von 4,8 %. Diese Zahlen sind aber nicht zuverlässig genug, als dass weitere Berechnungen darauf gegründet. werden könnten. Genauere Angaben über die Einwohnerzahl besitzen wir erst seit den beiden letzten Decennien des 18ten Jahrhunderts. Im Jahre 1755 schätzte Dreyuauer die Zahl der Civil- Einwohner auf 14,000; im Jahre 1782 belief sie sich nach Lronmarnı auf 20,149; im. Jahre 1793 auf 21,040; im Jahre 1800 nach Farrı auf 18,442; sie erfuhr also jedenfalls. im Laufe dieses Jahrhunderts ansehnliche Schwankungen; da wir aber auf die statistischen Ver- hältnisse später ausführlicher zurückzukommen denken, so beschränken wir uns hier darauf, nachgewiesen zu haben, dass während des 18ten Jahrhunderts die Sterblichkeit noch viel grösser gewesen sei, als während des 17ten, obgleich Halle von den verheerenden Einbrüchen ®ı) Gupre Angabe" und Berechnung der Gebornen, Verstorbnen, Copulirten und Communicanten etc. vom Jahre 1701—1800, Halle 1801. ’ 5* de der Pest verschont geblieben war. Grosse Epidemien koncentriren die: Sterblichkeit auf ein- zelne Jahrgänge, aber ihr Einfluss kann durch‘ nachfolgende günstige Zeitverhältnisse ‚schnell ausgeglichen werden, während. es Perioden in der Geschichte. der Bevölkerungen giebt, die, ohne durch’ 'verheerende Seuchen bezeichnet zu sein, durch eine Summe schädlicher Einflüsse Gesundheit und Leben der Menschen tief untergraben. Die grosse Sterblichkeit, welche während des 1Sten Jahrhunderts geherrscht hatte, stei- gerte sich wo möglich noch im Anfange des 19ten. Von 1801-1814 wurden in Halle ge- boren’ 10,285 Kinder; es starben. 12,922. Es starben also während dieser 14 Jahre im Gan- zen 2637 Personen mehr, als geboren wurden, also jährlich im Durchschnitt 188. Die Ein- wohnerzahl belief sich ‚durchschnittlich: auf etwa 20,000. Darnach berechnet sich die Mor- talität auf 4,6 %. Um den Antheil abzumessen, welchen ‚die epidemischen Krankheiten an der grossen Mor- talität dieser Zeit nahmen , wird. es von Interesse sein, hier..die Zahlen der an den wichtige- ren ‚epidemischen Krankheiten erfolgten ‘Todesfälle während der Jahre 1801—1814 folgen zu lassen, wie sich dieselben aus den wöchentlichen Todtenlisten ergeben. EL—L— een nun Es. starben f im an Pocken Scharlach Masern ‚Nervenfieber Ruhr Cholera Keuchhusten Jahre 1801 6 9 25 76 5 191 1802 21 48 9 78 1803 3 a 34 6 | 1804 1 1 13 28 4 AT 1805 4 49 4 63 4 124 1806 320 43 4 105 12 484 1807 6 15 96 32 149 1808 10 39 7 64 7 127 1809 1 2 72 1 76 ‚1810 92 16 2l 66 2 157 1811 50 1l ”6 52 t 128 1812 24 56 10 0 1 1 165 1813 17 | 464 11 492 1814 3 334 5 342 Sa. 477 310 90 1575 95 ; 14 2561 Da nun überhaupt während dieser 14 Jahre 12,922 Personen starben, so ergiebt sich, dass etwa der öte Theil oder 20 %, derselben in Folge epidemisch herrschender Krankheiten — nn WE erlagen; ein Verhältniss, welches jedenfalls noch zu niedrig ist, da in den öffentlichen Li- sten immer viele Todesfälle unter :die Ibequemen Rubriken „Nervenschlag,, Lungenlähmung, Abzehrung etc.“ statt unter (die ihnen zukommenden aufgenommen werden. Dritter Zeitraum. Das Jahr 1814 bezeichnet einen fast plötzlichen Wechsel in dem Gesundheitszustande, der jetzt so günstig wurde und bis auf den heutigen Tag geblieben ist, wie er während der vorigen Jahrhunderte niemals, wenigstens nicht dauernd gewesen war. Während bisher die Zahl der Todesfälle die Zahl der Geburten überwogen hatte, kehrte sich nach dem Erlöschen der grossen Typhusepidemie dieses Verhältniss um. Mit Ausnahme weniger Jahrgänge stellte sich Jahr aus, Jahr ein ein erheblicher Ueberschuss der Geburten heraus und trug zu dem Wachsthum der Bevölkerung ansehnlich bei, so dass die Einwohnerzahl sich während dieses 40jährigen Zeitraums fast verdoppelt hat. Wir sind im Besitz aller Materialien zu einer vollständigen Epidemiengeschichte; die Be- richte, welche in den Archiven der hiesigen Kliniken aufbewahrt sind, werden durch eine grosse Reihe, zum "Theil vortrefflich gearbeiteter Dissertationen *) ergänzt. Aber da die meisten der 32) Taunesıus variolarum, quae Halae Saxonum per inlegrum annum 1826 et anni 1827 trimestre foruerunt descriptio. Halae 1827. Hallesches Cholerablatt nach amtlicher Mittheilung. Halle 1832. Gorvens.diss. ‚de epidemia febris gastricae Halae 0. 1834 grassata, Kiel 1838, Lıievin de epidemia Hallensi an. 1834 grassante diss. Halae 1835. Ganstens de dysenteria in orphanotropheo Halensi epidemica. Halae 1835. LEnnann diss, de tussi convulsiva epidemia Halae a. 1836. Hal. 1837, Bucerıus de inflwenza morbo. Halae 1837. Leitzner Epidemie der angina parotidea 1837 zu Halle in Hursıann Journal 1838, GuTanecht de genio epidemico annuo quaedam Halge 1838. Bannıes de morbillis epidemicis Halae a. 1839, diss, Bertram diss. de pneumenia iyphosa Halis annis 1839—41 observata. Halac 1842. Hartung diss, de iypho Halae autumno anni 1841 observato, Halae 1842, Kocnen de catarrho ‚epidemico ‘anno praeterito Halis grassato diss. Kiliae 1842. Kıorz de hemeralopia ‚adjecta epidemiae Halis anno 1813 observatae (descriptione. Hal. 1844. Berroc de iypho Halis vere anni 1844 observato. Hal. 1844. Euruorn de scarlatina Halis anno 1844 observata, Hal. 1845. Ba vo Halis autumno anni 1845 observato. Hal. 1846. Lases de genio annuo Halis observato. Halis Sax, 1848. LoppEnsTAEDT de Iypho Halis aulumno a. 1848 observalo. Hal. 1848, Mann de a epidemia Halis aestate anni 1848 observata, diss. inaug, Hal, Sax. 1848. Hein de; Cholera Halis, anno 1849 oöservata, Hal. 1850, \ — WE in diesen Zeitraum fallenden Epidemien von untergeordneter Bedeutung waren, so beschränken wir uns hier darauf, die in den einzelnen Jahrgängen an epidemischen Krankheiten erfolgten Todesfälle summarisch anzugeben, und behalten uns genauere Mittheilungen über die wichtigeren derselben vor. Die beigefügte Karte giebt überdiess ein vollständiges Bild der Epidemien des letzten 22jährigen Zeitraums. u a RR aa eerereuuur. Tier we aL Eli. _ 000: Eh Ba een PRIOR RR ERICH IE TG MER IR NR NER RE 7 BEINE BE © 2 ERBE REBEL Are PERLE NE Br, FREUE ER SER, 1815 71.1]|87118 24 1834 2 r | 58| 10 1816 1 18! 2 7 1835| 1 42 1817 VAR 1836 Isle Tl 28 1818 4.) 814124410 5 1837 47 3 1819 31 4|18| 1 3 1838 FickircktilienB6hah 4 1820 4 11 13 1839 De Bee GB er: 71 02 22 1821 52 13 3 1840 10 29 2 1822 6 10 3 1841 4|.39 3 1823 49 | 11 3 182) 515 35 4 1824 3 12 2 1843| 10 12|5|18 2 1925 12 11 20 1844..5483 | -E.1:38:1 4 1826 5| 6 6 7 1845 61: 3.|: 29 19 1327) 10 | ı 12 1846 2:|1:2: 1194 2 1828 L) 391.32 19 1847 17 30 1 9 1829 5, 4.444 1 1848 m ne OR 1 a Ian I" u | 1830 1 18 1 1849| 12 | 4 58 1217 7 4331 7) 119138 1| 8 1850 21 6| 4 389| 12 1832) 78 | 40 83, 1500| 9 1551 9 | 52 51 6 1833| 1 3/45 3 1852 42 | 11 | 34 1 Summa 152 367 212 1091 39 2135 255 Unter den epidemischen Krankheiten dieses Zeitraums lieferte also das grösste Kontingent zur Sterblichkeit: die asiatische Cholera, ein nur halb so grosses der Typhus; dann folgt das Scharlachfieber, dann der Keuchhusten, dann die Masern, dann die Pocken; endlich die Ruhr, die einen überraschend kleinen Antheil an der Mortalität nimmt. Ehe wir aber diese Verhältnisse genauer betrachten, wird es zweckmässig sein, die Bevölkerungsstatistik von Halle in kurzen Umrissen zu liefern. Das Material hierzu ist mir, soweit es sich nicht aus den früher eitirten Schriften, und aus den jährlichen Kirchenzetteln ergab, aus dem Magistrats- on BE archive zur Benutzung überlassen worden. Die folgenden Berechnungen stützen sich auf die im Anhange tabellarisch zusammengestellten Zahlen. a.. Von der Einwohnerzahl und ihrer Zunahme. Die Schwankungen in der Einwohnerzahl eines Ortes hängen einmal von dem. wechseln- den Verhältniss der Geburten zu den Todesfällen, und zweitens von dem nicht weniger wech- selnden Verhältniss der Einwanderungen zu den Auswanderungen ab. Das letztere Verhältniss fällt für die meisten Städte mehr in’s Gewicht als das erstere; aber nur dieses ist in der Regel genau festzustellen, während jenes durch Rechnung gefunden wird. Wenn z.B. eine Be- völkerung in einem gewissen Zeitraum von 1000 auf 1500 Seelen stieg, und der Ueberschuss der Geburten über die Todesfälle betrug nur 200, so nimmt man an, dass ein Zuwachs von 300 durch den Ueberschuss der Einwanderungen über die Auswanderungen entstanden war, Bei dieser Berechnung fallen aber alle Ungenauigkeiten, die in den Volkszählungen selbst vorkommen, und die besonders in früherer Zeit sehr gross waren, auf dieses letztere Verhältniss. Tabelle über die Schwankungen in der Einwohnerzahl von Halle inel. des Militärs. Bebauung ER 5 Men cc en mehr weniger mehr | weniger Zu Ende| betrug ä E . 3 E des... ‚die--Ein- E H- RR Aldof! @ Jahres | wohnerzahl E | E 5 » 3 3 “ e 1782 | 24,149 | 1790 | 25,140 991 | 521 | 1,512 1794 | 24,679 461 424 37 1800 | 21,078 3,601 718 2,883 1806 | 26,000 | 4,922 581 | 5,503 1816 | 19,794 6,206 1,752 4,454 1819 | 23,938 | 4,144 541 3,603 1822 | 23,671 267 | 468 735 1825 | 23,382 289 | 598 879 1828 | 25,982 | 2,600 419 2,181 1831 | 25,759 223.| 159 382 1834 | 25,982 223 564 | 787 1837 | 27,275 | 1,293 666 627 1840 | 28,978 | 1,703 460 1,243 1843 | 30,601. | 1,693 659 964 1846 | 33,072 | 2,471 1,025 1,446 1849 | 33,948 776 414 | 1,190 1852 | 36,076 | 2,998 670 1,558 1782—1852 | | 11,927 ] | 683 | 111,244 “ ar ÄE e Während eines 70jährigen Zeitraums hat also die Bevölkerung von Halle im Ganzen um etwa 12,000 Einwohner zugenommen, und diese Zunahme ist, da sich ‘die Geburten und Todesfälle nahezu das Gleichgewicht gehalten haben, fast ausschliesslich durch Einwanderung entstanden. Aber die erste und zweite Hälfte dieses 70jährigen Zeitraums verhalten sich in dieser Beziehung wesentlich verschieden. Während der ersten Hälfte von 1782 —1816 erfuhr die Einwohnerzahl erhebliche Schwankungen und im Ganzen eine Abnahme von ‚mehr als 4000 Seelen, indem die "Todesfälle über die Geburten, die Auswanderungen über die Einwanderun- gen überwogen. Während der zweiten Hälfte dagegen, von 18161852, hob sich die Ein- wohnerzahl schnell. Der jährliche Zuwachs belief sich durchschnittlich auf 450 Seelen, und zwar 130 durch den Ueberschuss der Geburten und 320 durch den Ueberschuss der Ein- wanderungen; der ganze Zuwachs während dieser letzten 36 Jahre betrug 16,282, und da die Einwohnerzahl in den Jahren 1813—14 wahrscheinlich noch niedriger war, als im Jahre 1816 (die Angaben darüber fehlen), so ist anzunehmen, dass sich die Bevölkerung innerhalb 40 Jahren etwa verdoppelt hat. Ein so schnelles Wachsthum liefert. den besien Beweis für den zunehmenden Wohlstand der Stadt, für die Vermehrung ihrer Erwerbsquellen, denn die Bevölkerung eines Ortes setzt sich immer in’s Gleichgewicht mit seiner Produktionsfähigkeit. Es giebt gewisse Verhältnisse, welche in jedem grösseren Volkskörper sich in gleicher oder doch sehr ähnlicher Weise gestalten. Die Ueberzahl der männlichen über die weiblichen Geburten, das grössere Absterben des männlichen Geschlechts, welches in der frühesten Kind- heit am stärksten, bis um das 20te—25te Jahr sich stetig verringert, so dass sich in dieser Lebensepoche die Gleichzahl der Geschlechter herausstellt ; die grössere Mortalität der Frauen zwischen 30 und 40 Jahren, welche von den Gefahren der in diese Zeit vorzugsweise fallen- den Wochenbetten abhängt; die grössere Mortalität der Männer zwischen 40 und 60 Jahren, welche mit den Anstrengungen ihres Berufslebens zusammenhängt; das hieraus endlich resul- tirende Ueberwiegen der weiblichen Bevölkerung höheren Alters: alle diese Verhältnisse haben sich überall ergeben, wo man nur durch Vergleichung grösserer Zahlen sie festzustellen versucht hat. Dagegen giebt es eine Reihe anderer Verhältnisse, welche sich nicht mit gleicher Regel- mässigkeit wiederholen; von Kulturzuständen abhängen und einen Maassstab für die Salubrität verschiedener Gegenden oder Ortschaften geben, ‘den besten der überhaupt gefunden werden kann. Es würde überflüssig sein, jene allgemein gültigen Gesetze für einen speciellen Fall noch einmal festzustellen; wir beschränken uns darauf, diejenigen Verhältnisse zu beleuchten, welche für Halle eigenthümlich und geeignet sind, die Bedingungen, unter denen das Leben der Bevölkerung hier steht, mit den an anderen Orten vorhandenen zu vergleichen. Zu einem solchen Vergleich werden uns die von dem statistischen Bureau herausgegebenen „Tabellen und amtliche Nachrichten über den Preussischen Staat für das Jahr 1849“ das vollständigste Ma- terial liefern. Wenn man aus statistischen Zahlenangaben über die Saluhrität eines Ortes urtheilen will, so liegt zuvörderst eine Schwierigkeit darin, eine richtige Basis für die Vergleichung zu ge- winnen. Der durchgreifende Unterschied zwischen Stadt und Land kommt überall, und für den preussischen ‚Staat noch besonders der nicht minder wichtige Unterschied zwischen west- lichen und ‚östlichen Provinzen in Betracht. Aus diesem Grunde schien es mir unzulässig, die Bevölkerung von Halle mit der Bevölkerung der ganzen Monarchie zu vergleichen; und zweckmässiger, nur die städtische Bevölkerung der östlichen Provinzen als Basis für die Ver- gleichung zu nehmen. Ich habe daher nach den angeführten Tabellen die statistischen Ver- hältnisse für die letztere berechnet, daneben aber auch die analogen Verhältnisse einzelner grösserer Städte berücksichtigt. Eine zweite Schwierigkeit liegt in der Beurtheilung der Zahlen selbst. Im Allgemeinen wird man zwar denjenigen Ort für den gesundesten halten können, an dem sich das Leben der Einzelnen am längsten erhält, aber doch giebt die mittlere Lebensdauer an und für sich einen ungenügenden Maassstab. Es müssen daneben noch andere Verhältnisse berücksichtigt werden, deren Bedeutsamkeit zum Theil sehr schwierig zu ermessen ist. Wir betrachten zunächst: b. Die Bevölkerung nach Alter und Geschlecht. Die mit dem Schlusse des Jahres 1952 vorgenommene Zählung hat eine Civilbevölke- rung von 35,076 ergeben, welche sich folgendermaassen vertheilt: [Se T—e Ss =:ÖÄ 0—5 6—14 15 —45 46 — 60 über 60 Sn Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr q 2298 3295 | 9542 1805 765 17705 2 2306 2944 8908 2127 1086 17371 Summa |. 4604 6239 | 18450 | 3932 1851 | 35076 Wenn man alle Personen von 0—5 Jahren als junge Kinder, alle von 6—14 Jahren als ältere Kinder, alle von 15—60 Jahren als Erwachsene und alle von mehr als 60 Jahren als Greise bezeichnet und die Verhältnisszahl berechnet, so lehrt die vorstehende Tabelle, dass in Halle auf 1000 Einwohner durchschnittlich 131 jüngere Kinder, 181 ältere Kinder, 632 Erwachsene und 56 Greise kommen. Dieses |Verhältniss gestaltet sich keineswegs an allen Orten auf gleiche Weise, wie die folgende Tabelle lehrt: Abh. d. Nat, Ges. zu Halle, Ir Band, % Quartal. 6 a “ I . | — m— Tabelle über das Verhältniss der einzelnen Altersklassen in der Bevölkerung des preussischen Staats und der grösseren Städte desselben. a ne) Bel amer ..| Personen von i Unter 1000 IRRE sich a Sat 0-5 6-18 | 15-60 [über 60 |. Kinder Mgmslnen durchschnittlich in: Ki; sanı fen überhaupt. | überhaupt, der ganzen preussischen Monarchie \ | 16,231,187 | 150 198 593 59 348 652 den westlichen Provinzen allein j=| 4,276,103 | 149 201 586 64 350 650 den östlichen Provinzen allein 5113,055,084 | 151 | 197 | 594 .| 58 | 348 | 632 der städtischen Bevölkerung | 4324,823 | 143 | 186 | 610 61 329 671 der ländlichen Bevölkerung 5| 11,710,824 | 156 | 206 | 579 59 | 362 638 Berlin 401,154 | 134 154 668 44 288 712 Breslau 104,222 | 106 147 688 59 253 747 Cöln 88,356 | 143 | 165 | 633 | 59 | 308 | 692 Königsberg 70,198 | 112 154 664 70 266 734 Danzig 98,012 | 121 161 654 64 282 718 Magdeburg u 50,996 | 128 166 660 46 294 706 Aachen = 48,687 | 152 166 619 63 318 682 Stettin = 42,930 | 140 167 650 43 307 693 Elberfeld =| 38361 | ı61 | 1901 | 608 | a5 | 352 | 648 Posen & 37,964 | 120 176 667 37 296 704 Crefeld | 36,111 | 176 | 200 | 575 | a9 | 376 624 Barmen 35,984 | 184 | 180 | 581 55 364 636 Halle 32,493 |! 131 181 632 56 312 688 Potsdam 31,394 | 120 181 637 62 301 699 Frankfurt a. d. ©. 28,460 | 140 182 624 54 322 678 Erfurt 26,663 | 125 180 636 58 305 694 Die vorstehende Tabelle lehrt uns, dass die Bevölkerung der ganzen Monarchie sich aus etwa 35°) Kindern und 65 °% Erwachsenen zusammensetzt; dass die westlichen und östlichen Provinzen hierin keinen Unterschied machen; wohl aber Stadt und Land, indem in den Städten die Procentzahl der Kinder kleiner, die der Erwachsenen grösser ist, als auf dem Lande, und dass dieses Missverhältniss mit der Grösse der Städte zunimmt. Diese Erscheinung erklärt sich daraus, dass in den Städten, besonders aber in den grössern, eine Menge einzelner, un- verheiratheter Personen leben, die vom Lande dahin übersiedeln, um als Dienstboten ‚oder in dem geschäftlichen Treiben ihren Unterhalt zu suchen. Aber abgesehen hiervon kommen selbst in Städten gleicher Grösse so ansehnliche Differenzen vor, dass noch andere Gründe dafür vorhanden sein müssen. Die Extreme in dieser Beziehung bilden auf der einen Seite Breslau, wo die kindliche Bevölkerung nur 25% beträgt und Crefeld, wo sie mehr als 37°%% beträgt. Posen und Crefeld, zwei Städte von fast gleicher Grösse, differiren um 8%. Unter den man- EEE ER EEE ee TI IT II BEEe 0 cherlei Ursachen, die hierauf Einfluss haben können, nimmt die verschiedene Mortalität der einzelnen Altersklassen offenbar die wichtigste Stelle ein; denn wo verhältnissmässig viele Kinder jung sterben, da wird die durch Einwanderung immer vermehrte Zahl der Erwachsenen überwiegen müssen, und umgekehrt. Grosse Mortalität der Kinder deutet aber immer auf eine ungünstige Lage der Bevölkerung, während Wohlstand und fortgeschrittene Zustände überhaupt die Erhaltung und das Gedeihen der Jugend fördern. Es wird daher von vorn herein anzu- nehmen sein, dass wohlhabende, an Erwerbsquellen reiche Städte verhältnissmässig mehr Kin- der einschliessen, als solche Städte, die ein überwiegendes Proletariat beherbergen. Ein Blick auf die Tabelle bestätigt dies. Die blühenden, gewerksthätigen Städte: Barmen, Crefeld, Elberfeld, Aachen übertreffen alle übrigen in Bezug auf das procentische Verhältniss der kind- lichen Bevölkerung, ja die ersteren gehen sogar noch über das platte Land in dieser Hinsicht hinaus; während die in den meisten Kulturverhältnissen zurückstehenden Städte: Posen, Magde- burg, Königsberg, Breslau etc. auch hierin den Gegensatz zu den erstgenannten bilden. Halle steht in der Mitte zwischen beiden Extremen und die Altersklassen sind in seiner Bevölkerung etwa in derselben Weise vertheilt, wie in der städtischen Bevölkerung überhaupt. c. Fruchtbarkeit der Bevölkerung. Die Fruchtbarkeit einer Bevölkerung hängt von der Ergiebigkeit der Erwerbsquellen ab. Wo Viele zu essen finden, da entstehen Viele , wo Mangel herrscht, Wenige. Daraus erklärt sich die Abnahme der Geburten in Zeiten von Misswachs und Hungersnoth; daraus die enorme Menschenvermehrung in reichen Kolonien. Jeder Aufschwung des Ackerbaus, der Industrie, des Wohlstandes befördert die Fruchtbarkeit. Man pflegt drei Verhältnisse zu benutzen, um die Fruchtbarkeit einer Bevölkerung danach zu messen, nämlich erstens das Verhältniss der Geburten zur Einwohnerzahl, zweitens die Zahl und Fruchtbarkeit der Ehen und drittens das Verhältniss der Geburten zu den Todesfällen. 1) Das erste dieser Verhältnisse kann nur mit grosser Vorsicht angewendet werden; die falsche Anwendung desselben hat die Statistiker zu der ganz unrichtigen Behauptung geführt, dass grosse Sterblichkeit die Fruchtbarkeit steigere. Viele Todesfälle machen Platz für viele Geburten, hat man sich ausgedrückt, aber dies ist nur scheinbar wahr, denn bei grosser Mor- talität nehmen die Geburten nicht absolut zu, sondern nur ihr Verhältniss zu den Lebenden erscheint grösser. Wo sich das Leben der Einzelnen lange erhält, wo die Generationen lang- sam absterben, vertheilen sich die Geburten auf eine grössere Zahl Lebender, als da, wo dem Leben ein kürzeres Ziel gesteckt ist. In England kommt jährlich 1 Geburt auf 35 Einwohner; in Frankreich auf 32 Einwohner, im Königreich beider Sicilien auf 24 Einwohner. Dennoch ist die Fruchtbarkeit: in England nicht geringer, sondern nur der Wechsel der. Bevölkerung ist langsamer, weil ‘die Lebensdauer in England grösser, als in Frankreich, in Frankreich 6* ME Een grösser als in Neapel ist. Wie sich dieses Verhältniss in dem preussischen Staate und wie es sich in Halle gestaltet, ergiebt- die folgende Tabelle. Eine Geburt kommt auf folgende Einwohnerzahl. 1816—49 in der ganzen preussischen Monarchie 25 1849 WR is „ jE 23,6 1849 in der ländlichen Bevölkerung allein 22,9 1849 ». „» städtischen 5 .S 25,7 I 1849 in der städtischen Bevölkerung der westl. Provinzen 26,4 ü A pi 5 „ .östl. e 25 1816—20 | in Halle 28,9 " a a 29,3 \ 18sri-hes-) o}jalq,, 27,7 I 1841-250% \lyyoday ni; J 185 Bud 1 27 Ä 1816-52: |.» 0 | 28,2 Hiernach befindet sich die Fruchtbarkeit in Halle zwar im, Steigen, aber sie erscheint geringer, als sie in der ganzen Monarchie und auch in der städtischen Bevölkerung ist; aber dieses Resultat würde erst dann als ein gültiges betrachtet werden können, wenn sich im Ver- laufe dieser Untersuchung herausstellen würde, dass die Sterblichkeit in Halle gleich oder grös- ser wäre, als in den übrigen 'Theilen des preussischen Staates. Aus dem Verhältniss der Ge- burten zu den Lebenden allein kann noch nichts geschlossen werden. 2) Dieselben Umstände, welche die Zahl der Geburten influenziren, haben auch auf die Zahl der geschlossenen Ehen Einfluss. Zunehmender Wohlstand vermehrt sie absolut ; grössere Mortalität und. daher dünnere Population vermehrt sie scheinbar, indem dann schon auf eine geringere Einwohnerzahl eine Ehe fällt. | . Eine Ehe Auf 1 Ehe \ kommt auf |kommen ehe- “ Einwohner | liche Kinder | \ 1816—49 in der ganzen preussischen Monarchie 110 4 189 | 2» „ » 110 4,3 1849 in der ländlichen Bevölkerung 108 4,4 1849 | „ „städtischen 4 112 3,9 ü 1849. | in der städtischen Bevölkerung. der westl. Provinzen 122 4,3 | 1819| ».. i . u. Zu 2 109 3,8 j 1816—20 | in Halle ing = \ 1821—30 we 197 3,6 er a BE 112 35 j wire | 117 es ı 1851—52 gran 99 3,1 u 1816—52 ee 115 3,4- EEE Erna nun esse Me Was zunächst die Zahl der Ehen anbetritft, so erscheint sie in Halle geringer, wie in der ganzen Monarchie, wie in der städtischen Bevölkerung und wie in der städtischen Bevölke- rung der östlichen Provinzen. Aber ohne die gleichzeitige Berücksichtigung der Mortalität darf hieraus nichts geschlossen werden. Wichtiger ist das Faktum, dass auch die Fruchtbarkeit der Ehen in Halle geringer ist, als in der Monarchie überhaupt, und den einzelnen Theilen ihrer Bevölkerung. In den Städten sind sie schon im Allgemeinen weniger fruchtbar, als auf dem’Lände; in den östlichen Pro- vinzen weniger fruchtbar, als in den westlichen, aber das für Halle gefundene Mittel bleibt in dem letzten 40jährigen Zeitraum beständig noch unter dem für die städtische Bevölkerung der östlichen Provinzen berechneten zurück. Gehen wir noch weiter, bis zum Anfange des gegen- wärtigen Jahrhunderts und bis in das vorige zurück, so fällt der Durchschnittswerth für die Frucht- barkeit der Ehen in Halle noch kleiner aus. Für den ganzen '152jährigen Zeitraum von 1700 —1852 ergiebt sich, dass auf eine Ehe durchschnittlich 3,2 Kinder kommen. Wir glauben uns nicht zu täuschen, wenn wir'als Grund für diese geringere Zahl’ der ehelichen Geburten die unverhältnissmässig grosse der unehelichen erkennen; davon später. 3). Den richtigsten Maassstab für die Fruchtbarkeit einer Bevölkerung giebt das Verhält- niss der Todesfälle zu den Geburten; es zeigt an, ob erstere, ob letztere überwiegen, in welchem: Maasse dies der Fall ist und wie schnell die Bevölkerung, abgesehen von Aus- und Einwanderungen, steigt. Man wird aus dem grösseren Ueberschuss der Geburten auf die grös- sere Fruchtbarkeit, auf eine Reichhaltigkeit der Quellen des Unterhaltes schliessen können ; aber zur richtigen Würdigung dieser Beziehungen muss noch ein anderes Verhältniss zu Hilfe genommen werden, nämlich das Verhältniss der Todesfälle zur Einwohnerzahl. Ein Beispiel wird beweisen, wie wichtig ‚es ist, diese Rücksicht zu nehmen. ‘ In London verhalten sich die Todesfälle zu den Geburten wie 100 : 112; in Wien genau ebenso. Die Fruchtbarkeit beider Städte scheint hiernach die gleiche zu sein und dennoch müssen in London.die Quellen des Unterhalts viel ergiebiger fliessen, um dies Verhältniss möglich zu machen, als’ in’ Wien. In London entsprechen nämlich 100 Todesfälle einer Zahl von 4600 Lebenden; in Wien da- gegen nur einer Zahl von 2200 Lebenden, das heisst, es stirbt in London jährlich nur der *6le, in Wien aber der 22te Einwohner. In beiden Städten treten also für jede 100 mit Tode Abgegangenen 112 Neugeborene ein; aber dieser Zuwachs fügt sich in London einer Menschenmenge hinzu, die doppelt so gross ist, wie in Wien und .also auch in entsprechen- der Weise mehr konsumirt, Man hat mit Recht: darauf‘ aufmerksam gemacht, dass der glückliche Zustand einer Be- völkerung sich nicht darin zeige, möglichst viele Menschen hervorzubringen, sondern vielmehr darin, sie möglichst lange zu erhalten. Noch richtiger ist es zu sagen, dass diejenige Be- völkerung die glücklichsten Bedingungen enthält, welche ihre Bürger am längsten erhält und u DM trotzdem die meisten hervorbringt. England steht hierin, wie in so vielen Beziehungen, obenan, denn die jährliche Mortalität beträgt noch nicht ganz 2 °% der Bevölkerung und dabei ver- halten sich die Todesfälle zu den Geburten wie 100: 146 = 2:3. Weniger günstig ge- stalten sich diese Verhältnisse in Preussen, denn die Mortalität beträgt etwa 3% und das Verhältniss der Todesfälle zu den Geburten = 100 : 138,6. Aber innerhalb der preussischen Monarchie ist wieder der Unterschied zwischen westlichen und östlichen Provinzen, zwischen Stadt und Land zu berücksichtigen. Die westlichen Provinzen und das platte Land bieten sowohl für die Fruchtbarkeit, wie für die Mortalität ungleich günstigere Bedingungen, als die Städte und die östlichen Provinzen. In der städtischen Bevölkerung der östlichen Provin- zen, die uns zunächst ‘als Maassstab für die Vergleichung dient, betrug für das Jahr 1849 die Mortalität 3,6% und das Verhältniss der Todesfälle zu den Geburten 100 : 107,3, wo- bei freilich zu bemerken ist, dass ‚das Jahr 1849 ein Cholerajahr war. Die folgende Tabelle stellt diese Verhältnisse, wie sie sich in Halle, und wie in den einzelnen Theilen des preussischen Staates verhalten, zusammen. = = Fee 1 Todesfall eistahidke auf 100 Todes- kommt auf ‘ fälle kommen Einwohner ng Geburten 1849 | In der ganzen preussischen Monarchie 32,7 3,06 138,6 1849 | In der ländlichen Bevölkerung 34,5 29 151,1 1849 | „ ., städtischen s 28,8 3,9 111,9 1849 |... . der westl. Provinz. 34,2 2,9 129,8 18419::12,555 ss 5 „. östl. Fi 27,3 3,7 107,3 1816—20 in Halle ae 2,7 126 1821—30 |, » 36 2,8 123 1831—40 |, 29,2 3,4 105 1841—50 | „ » 31,1 3,2 112 1851—52 |» » 37,6 2,6 139 1816—52 | „ 32,9 3,1 115 In Halle haben die Verhältnisse der Fruchtbarkeit in längerem Zeitraume einen sehr er- heblichen Wechsel erfahren. * Wie sich aus dem Frühern ergiebt, verhalten sich die Todes- fälle zu den Geburten von 1601-1700 = 100 : 90,3, von 1701—1800 = 100 : 75, von 1801—1814 = 100 :71. Mit dem Jahre 1815 steigt dies Verhältniss plötzlich auf 100 : 126; verringert sich dann während der folgenden Decennien wieder, besonders unter dem Einfluss der beiden grossen Choleraepidemien und steigt von 1851—92 zu einer vorher nie erreichten Höhe hinauf. Vergleicht man nun die für Halle gewonnenen Werthe mit denen für die ganze Monar- chie so erschemen sie allerdings niedrig; aber zu der grösseren Fruchtbarkeit des preussi- — N schen Staats trägt das platte Land überwiegend bei; und wenn man Halle nur mit den Städten und besonders mit den Städten der östlichen Provinzen zusammenhält, so stellt sich ein sehr günstiges Fruchtbarkeitsverhältniss heraus. Es zeigt sich, dass in Halle auf 100 Todesfälle grade noch einmal so viel Geburten kommen, als dies durchschnittlich in den Städten der Fall ist. Dabei beträgt die Mortalität in Halle, wie in der ganzen Monarchie, etwa 3,1%; in der städtischen Bevölkerung der östlichen Provinzen dagegen 3,7 %. Die folgende Tabelle bietet eine Uebersicht, wie sich dieses Verhältniss in einer grösse- ren Reihe europäischer Städte gestaltet; für die ich die Angaben theils aus dem bekannten Werke von QurreLer entnommen, theils aus verschiedenen Schriften gesammelt habe. Halle steht etwa in der Mitte dieser Reihe. Es wird unter den deutschen Städten von Berlin, Potsdam, Aachen, Königsberg, Cöln, Dresden, Hamburg in Bezug auf die Fruchtbarkeit übertroffen ; von Wien, Breslau, Prag, Stettin, Magdeburg, Danzig, Posen aber nicht erreicht. Berücksichtigt man aber gleichzeitig die Mortalität, so treten Dresden und Cöln noch hinter Halle zurück. ERBE Mortalität BA EN Mortalität Städte fälle kommen in % Städte fälle kommen in %, Geburten Geburten Glascow 158 2,1 Halle a. S. 115 31 Madrid 138 2,8 London 112 2,2 Berlin 158 3,1 Wien 112 4,4 Livorno 137 2,8 Lissabon 110 3,2 Palermo 130 3,1 Barcellona 109 4,3 Potsdam 127 2,5 Breslau 107 4 Aachen 124 3,1 Amsterdam 16.1 36 Brüssel 123 3,9 Prag AM 1. Al Königsberg 122 2,9 Stettin 103 3,4 Bordeaux 120 3,1 Kopenhagen 101 3,3 Neapel 120 3,0 Magdeburg 101 4 Cöln 120 3,6 Danzig 100 3,3 Dresden 120 3,3 Posen 100 3,9 Lyon 117 3,1 Stockholm 91 4,1 Hamburg 117 3,3 Bergamo 90 5,5 Moscau 116 3. Rom 80 4,1 Paris 116 3,2 Venedig 74 5,1 d. Sittlicher Zustand. Die Statistik besitzt nur einen Maassstab, um das sittliche Leben einer Bevölkerung zu beurtheilen, nämlich das Verhältnis der unehelichen zu den ehelichen Geburten. Wichtig ist dieses Verhältniss, denn die "unchelichen Kinder bilden immer "ein der 'gesellschaftlichen Wohlfahrt feindliches Element. Abgesehen davon, dass die Unsittlichkeit an und für sich ge- sunde Kräfte in falschen Bahnen verzehrt, ist auch die Mehrzahl der Unehelichen von vorn herein dem physischen Verderben Preis gegeben. Es ist bekannt, dass die Sterblichkeit unter den unehelichen Kindern überaus gross, doppelt so gross, wie unter den ehelichen Kindern ist. Eine erhebliche Zahl unehelicher Geburten steigert daher die Mortalität überhaupt. Auf dieses Verhältniss haben aber eine Menge verschiedener Umstände Einfluss: An Orten, wo das Eingehen einer Ehe schwer ist, wo also viele Personen unverheirathet bleiben, wird die Zahl der Unehelichen im Allgemeinen gross sein; dies ist in den Städten, besonders in den volkreichen, im Gegensatz zum platten Lande der Fall. An Orten, wo die Gesetzgebung den Müttern eine Klage auf, Vaterschaft nicht erlaubt, wie in den Rheinprovinzen, wird sie. kleiner sein; aber wieder zunehmen. da, wo die Einrichtung von Findelhäusern die Mütter von aller Sorge. befreit, wie in Paris, Wien etc. Nur wo gleiche Bedingungen vorhanden sind, wird-es erlaubt sein, aus der Zahl der Unehelichen die Sittlichkeit abzumessen. Auf 100 Geburten kamen uneheliche Geburten im Jahre 1849. In der ganzen preussischen Monarchie 7,4 » » gesammten ländlichen Bevölkerung 6,9 ”»» „ städtischen = 9,6 » » Städtischen Bevölkerung der westlichen Provinzen | 5,1 Hass A >” „ östlichen en 10,9 „ Berlin 15,4 „ Breslau 21 „ Cöln . 9 „ Königsberg 22,1 „ Danzig 16,7 „ Magdeburg 10,4 „ Aachen 4,6 „ Stettin : 12,1 „ Frankfurt a. 0. 14 „ Barmen 4,2 „ Elberfeld 6,9 „ Crefeld 4,7 » Erfurt ' 15,6 „ Halle 16,9 „ Potsdam 10,9 „ Posen . 14,3. ’ Aus vorstehender. Tabelle ergiebt sich also, dass in den Städten der östlichen Provinzen die’ Zahl der Unehelichen mehr als doppelt so gross ist, wie ‘in den Städten der westlichen nn rennen TEN ETLTTTETTuu Be E ‚Provinzen, und dass sie in Halle unverhältnissmässig gross ist. Halle wird in dieser Bezie- hung nur ‚von: Breslau und Königsberg übertroffen , von Danzig beinahe erreicht. ' Uebrigens hat das Verhältniss ‘der unehelichen Geburten in Halle im Laufe der Zeiten einen erheblichen Wechsel erfahren und ist in den letzten beiden Jahrhunderten im Zunehmen gewesen, denn während der lten Hälfte des 18ien Jahrhunderts betrugen die unehelichen Ge- burten 8°%, in der 2ten Hälfte des 18ten 12 0, in der Isten Hälfte des 19ten Jahrhunderts 16% aller. Geburten; am allergrössten war ihre Zahl in dem Zeitraum von 1811—20, denn hier betrug sie 21,7%. e. Mortalität. Wir haben schon im Vorhergehenden erfahren, dass sich die Mortalität in Halle für den Zeitraum von 1816—52 auf 3’ % (1 Todesfall auf 32,5 Lebende) berechnet und dass dieses Verhältniss als ein sehr. günstiges. betrachtet werden muss. Es ist dem für die ganze Monarchie gefundenen gleich, und viel günstiger als das für die städtische Bevölkerung allein gefundene. : Unter den grösseren deutschen Städten, die in dieser, Beziehung verglichen wer- den‘ konnten, wird Halle nur von Potsdam ‘und Königsberg übertroffen, . während Berlin, Breslau, Cöln, Aachen, Dresden, Hamburg, Stettin, Magdeburg, Posen, Danzig, Wien, Prag zum Theil sehr bedeutend hinter Halle zurückblieben. Während in Potsdam, welches das eine Endglied dieser Reihe bildet, jährlich nur. 24, % der Bevölkerung sterben, sterben in Wien, dem anderen Endglied, jährlich 4'/; %,. ‘Verfolgen wir aber das Sterblichkeitsverhältniss von Halle durch einen längeren Zeitraum, so zeigt. sich, dass es keineswegs immer das gleiche geblieben ist. Für den Zeitraum von 1601—1700 konnten wir es auf 4,4 %; für den Zeitraum von 1701—1800 auf 4,3 °/o schätzen; für den Zeitraum von 1801—1815 auf 4,6 °% und für den Zeitraum von 1816—1852 auf 3,1 % berechnen. Aber auch innerhalb dieses letzteren Zeitraums schwankte die Sterblichkeit sehr erheblich. Nach der\ grossen Typhusepidemie‘ von 1813 —14 ‚ welche etwa den zehnten Theil der Be- völkerung -hingeraffi hatte, sank ‘die Sterblichkeit plötzlich auf 3 °%: und verminderte sich in den. folgenden Jahren noch mehr, so dass sie 1824 nur 2,3 % betrug. Wenn sie nun auch in den folgenden Jahren um ein Geringes wieder stieg, so behielt sie doch bis 1831 einen sehr günstigen ‚Stand. - Aber unter dem Einfluss der ersten grossen Choleraepidemie von 15831 —32 erhob. sie: sich in dem letzteren Jahre auf 6" %; im folgenden war sie wieder auf 3,1 gesunken und bot nun, mit geringen Schwankungen und einer etwas grösseren Steige- rung im Jahre 1839, im Allgemeinen aber abnehmend, ein sehr günstiges Verhältniss dar, bis sie im Jahre 1846 wieder ein Minimum von 27 % erreichte. 1847 war ein Nothjahr: Abh, d. Nat. Ges, zu Halle. Ir Band, 9 Quartal, . Se die Mortalität betrog 9,8 %0; 1848 ein Revolutionsjahr: ‘die Mortalität 2,9 %; 1849 das schlimmste Eholerajahr: die Mortalität 6,6 %; 1850 herrschte wieder die Cholera: ‘die Morta- lität 3,8 %. In den beiden folgenden fruchtbaren ‘und friedlichen Jahren sank die Mortalität auf 2,7 und 2,5 % herab. So 'stellt es sich 'also heraus, dass das als ‘ungesund verrufene Halle trotz seiner Cholera- und 'Nervenfieberepidemien gegenwärtig nicht 'allein einen besseren Gesundheitszustand darbietet, ls zu der Zeit, wo Fr. Horrmanı ihn als besonders günstig rühmte, sondern auch dass Halle besser daran ist, als die meisten grösseren deutschen Städte. Es ist aber für die Beurtheilung der Bevölkerungsverhältnisse nicht bloss von Wichtig- keit, die Mortalität im Allgemeinen zu bestimmen; es hat auch Interesse zu erfahren, wie sich dieselbe nach ‘Alter und Geschlecht vertheilt. Es ist bekannt, dass in jedem grösseren Volkskörper mehr Knaben geboren ‘werden als Mädchen. ‘Es müssen ‘also auch mehr ’Personen männlichen ‘Geschlechts absterben ‘und ‚dies Verhältniss erfährt 'nur ‘dadurch ‘Aenderungen, ‘dass nicht ‘alle Personen, die 'an 'einem Orte ‘geboren werden, auch ’an demselben Orte sterben. Während'das Verhältniss der 'männ- Jjichen zu den weiblichen Geburten fast überall 106100 ist, können Aus- und Einwanderun- ‘gen das "Resultat haben, dass die Todesfälle «männlicher. und weiblicher Personen : sich wie '203:100 verhalten, wie dies 'in Halle der Fall'ist, woraus gefolgert werden kann, ‘dass 'im ‘Allgemeinen mehr Frauen '(Dienstmädchen und Wittwen) als Männer einwandern. Herr Professor Kranmer hat in seinem «,, Handbuch ‘der: gerichtlichen Medicin“ eine 'auf sehr 'mühevolle Zählungen basirte Mortalitätstafel für Halle konstruirt, aus welcher sich die Mortalität -der vörschiedenen ‘Geschlechter ‘und Lebensalter, die ‘mittlere und: wahrscheinliche Lebensdauer ergiebt. Diese Zählungen umfassen den ganzen letzten 50jährigen/ Zeitraum. Da sich aber ’seit ‘der ‘Mitte des zweiten Decenniums: die 'Mortalitätsverhältnisse für Halle wesent- ‚ lich geändert haben, 'so scheint es ‘mir (dem Zweck dieser Untersuchungen entsprechender und für unsere Betrachtung "ausreichend, ’einen kürzeren ‘Zeitraum zu wählen. Ich habe im An- ‘hange ‘(Tabelle‘1l.) die ‘während der letzien'20 Jahre in Halle vrrgekommenen Todesfälle nach ‘dem Alter der Verstorbenen 'zusammengestellt, danach die Sterblichkeit der “einzelnen Alters- klassen in Procenten berechnet und zur Vergleichung ‘die für die gesammte Monarchie auf gleiche Weise ‘berechneten 'Werthe dansbengestellt. Diese Vergleichung auf die ländliche ‘und städtische Bevölkerung, ’westliche und östliche'Provinzen auszudehnen, war ‘unthunlich, da ‘die Mittheilungen des 'stätistischen ‘Büreaus’ sich auf ein Cholerajahr "beziehen, also geräde in Be- züg’auif‘die Mortalität nieht die Regel, sondern ‘vielmehr 'einen Ausnahmezustand repräsentiren. SEO INEGREEINENEEREREERETSURIRAHREINBRRRRENENE 7; >>> 022022: >: u Me Von 10,000 Gestorbenen Von 10,000 Neugeborenen in der ganzen in der ganzen starben durch- in Halle sie ' leben Da in’ Halle möbsäh- schnitiheh a durchschnittlich nanchıe Da 2. EEE a 20 RBÖR AR unter 1 Jahr 2099 2517 nach 1 Jahr 7451 > ,:607]; von 1— 5 Jahren 1802. 1631 EL RRNR 9649 5340 ee en er: 491 ic a 0285 4849 u a SA 157 180 nn _ 5078 4669 „14-20 „ 209 244 Deal 4869 4425 „20—30 ,„ 771 539 „ SDART 4098 3886 „ 30—40 „ 718 551 a 3380 3335 „40—50 „, 733 616 ol 2645 2719 „ 50-60. „, 776 722 le 1869 1997 „00-10, 55 853 919 me 1016 1078 a 750 SA, 280 328 „ 80-90 ,, 262 287 ».909905 18 41 über 90 as 18 41 Diese Zusammenstellung fordert zu folgenden Betrachtungen auf: 1) Im Allgemeinen ist die Sterblichkeit unter den Kindern in Halle geringer, als dies durchschnittlich im preussi- schen Staate der Fall ist; denn die Kinder bis zum I4ten Jahre tragen in Halle etwa 49 °%,; in ganz Preussen etwa 53 % zur Mortalität bei. Es zeigt sich, dass eine Zahl Neugeborener in Halle durchschnittlich nach Verlauf von 14—20 Jahren; in ganz Preussen schon nach Verlauf von 5—10 Jahren auf die Hälfte redueirt ist; es lässt sich die wahrscheinliche Lebensdauer eines meugebornen Kindes in Halle etwa auf 15 Jahre; in Preussen überhaupt nur auf etwa 8 Jahre schätzen. 2) Aber innerhalb der Zeit des kindlichen Alters giebt es eine Periode, welche in Halle verhältnissmässig mehr gefährdet erscheint, als anderwärts, nämlich das Alter von 1—5 Jah- ven. Es ist dies die Zeit, in welche der Dentitionsprocess mit seinen Gefahren fällt; in wel- cher sich die aus fehlerhafter Ernährung entstehende Atrophie, Skrophulose, die Rhachitis vorzugsweise entwickeln; und welche zugleich am meisten von den eigentlichen Kinderkrank- heiten, den kontagiös fieberhaften Exanthemen etc. bedroht ist. Wenn. wir nun finden, dass Kinder aus dieser Altersperiode in Halle verhältnissmässig mehr sterben, als an anderen Orten, so liegt: die Vermuthung nahe, dass eine ungewöhnliche Verbreitung der genannten Krank- heiten} Schuld daran sei; und dies wird durch die Erfahrung. bestätigt. ; Atrophie , Skro- phulose, Rbachitis und was damit zusammenhängt, geht mit der Armuth Hand in Hand und es giebt wenige Orte, in denen das Proletariat so überwiegt, ‚wie in Halle. Zugleich 7* u: en treten aber in Halle wie alle Epidemien, so auch die Epidemien der exanthematischen Fieber in ungewöhnlicher Häufigkeit und Verbreitung auf. Daraus erklärt sich die grosse Sterblich- keit der Kinder von 1—5 Jahren. Mit Ausnahme dieser kurzen Altersperiode ist aber die Sterblichkeit der Kinder und Personen bis zum 20ten Jahre in Halle geringer, als sie sich für den preussischen Staat im Ganzen herausstellt. 3) Dagegen nimmt mit dem 20ten Lebensjahre die Sterblichkeit plötzlich zu. Sie ist für die Periode von 20—30 Jahren um 2,3 %; für die Periode von 30—40 Jahren um 1,7 %; für die Periode von 40—50 Jahren um 1,2 ”, und für die Periode von 50 —60 Jahren um 0,5 °%% grösser, als in Preussen überhaupt. Das ganze Mannesalter erscheint in Halle also mehr gefährdet, als anderwärts. _Nervenfieber und Cholera tragen hieran ohne Zweifel die meiste Schuld, da sie nicht allein in Halle zu den am meisten tödtlichen Krankheiten .ge- hören, sondern auch gerade für diese Lebensperiode am verderblichsten sind. - 4) Von dem 60ten Jahre an erscheint das Mortalitätsverhältniss für Halle wieder günsti- ger; aber aus der grossen Sterblichkeit der vorhergehenden Altersklassen erklärt es sich, dass doch die Zahl derer, welche das höchste Alter erreichen, durchschnittlich in llalle beträchtlich kleiner ist, als in der gesammten Monarchie. f. Todesursachen. Die Tabellen des statistischen Bureaus stellen aus sehr richtigen Gründen nur. wenige. grössere Kategorien auf, unter die sie die vielfach verschiedenen Todesursachen rubriciren. Je mehr die Statistik. hier in’s Detail einzugehen: versucht, um so weniger zuverlässig werden ihre Resultate ausfallen. Ich habe daher für Halle (nach Anleitung der im Anhange mitgetheilten. Tabelle IL.) dieselben ‘Kategorien festzustellen versucht, um sie mit den für den gesammten preussischen Staat und die städtische Bevölkerung desselben insbesondere vergleichen zu können: ; 5 3 E Bunchbezbeikn Eriolioeh lc Se Es starben nach %%, Ss E E ® = 3 s|8 ® tr = = 7) = 3 vn PT WE ge = Fi im ganzen preuss. Staat 5,34 |10,53 | 0,31 | 1,30 |32,57 132,94 | 7,81 | 9,20 von der ländlich, Bevölkerung 5,63 |11,40 | 0,26 | 1,41 |30,02 |33,22 | 7,23 |10,83 von der städtisch. Bevölkerung 4,74 | 8,71 | 0,41 | 1,08 |38,07 | 32,21. 9,05 | 5,73 in Halle 4,5 7 05 112° 46,1 |277 184 :|,48 1) Todgeburten kommen auf dem Lande wegen der oft rechtzeitig fehlenden 'Kunsthülfe häufiger vor, als in den Städten. Sie machen in Halle etwa 4Y, %, aller Todesfälle aus, ein: Verhältniss, welches dem in anderen Städten beobachteten gleichkommt. a re ee re En ann — = PEE DR 2) Der Tod durch Altersschwäche ist auf dem Lande häufiger, als in den Städten, weil unter den ‘der Gesundheit zuträglichen Bedingungen des Landlebens überhaupt mehr Menschen: ein hohes ‘Alter erreichen, "als unter den weniger ‘günstigen Einflüssen städtischer Luft und städtischer Sitte. Dass für Halle die Procentzahl der an Altersschwäche Verstorbenen noch ge- ringer ist, als für die städtische Bevölkerung überhaupt, liess sich schon aus früheren Mit- theilungen vermuthen. 3) Selbstmord kommt unter der städtischen Bevölkerung. viel häufiger vor‘ als unter der ländlichen; und ereignet sich in Halle verhältnissmässig. oft. 4) Tödtlich ablaufende Unglücksfälle tragen I—1Y, % zur Mortalität bei, auf dem Lande mehr, 'in (den Städten ‘weniger. 5) Es kann auf den ersten Blick wunderbar erscheinen, dass in den Städten verhältniss- mässig mehr Personen an akuten, ‚auf dem Lande mehr Personen an. chronischen Krankheiten sterben. Man ist im Allgemeinen geneigt, den Städten einen grösseren Einfluss auf Hervor- bringung von Siechthum und kachektischen Leiden zuzuschreiben. Dies ist auch unzweifelhaft richtig: die 'Tuberculose in 'allen ihren Formen ist in den Städten viel häufiger, als auf dem Lande, während Entzündungen aller Art bei den Landleuten heftiger aufzutreten pflegen und das Leben öfter bedrohen; aber es giebt eine grosse Klasse akuter Krankheiten, welche ent- schieden immer unter den Bewohnern der Städte ihre grössten Verheerungen anrichten: die epidemischen Fieber miasmatischen und kontagiösen Ursprungs. Sie sind es, welche den Schwerpunct für die Tödtlichkeit der akuten Krankheiten auf die Städte werfen. In Halle nehmen die akuten Krankheiten einen ungewöhnlich grossen Antheil an der Mortalität, nämlich 46 °% ‘und dazu tragen die miasmatisch - kontagiösen fast die Hälfte bei ‚ denn in dem zehn- jährigen Zeitraum von 1843 — 52 lieferten sie 22,3 °%; vom Anfange des Jahrhunderts bis jetzt 17,3 % aller Todesfälle, worüber. die folgende Tabelle das Nähere ergiebt: Procentische Angabe der in Halle durch epidemische Krankheiten verursachten Todesfälle. a zn en P- 2 = Es starben an: Er Br ae E %s starben an; 225 & = S = = og, > Ri - = S in den Jahren: Fer “ 2 a 3 2 von 1800-1810 | 244 |106| 28/0,9| 85 11,6 » 1811-1820 |209| 12) 18|1 15,4 | 0,:5 1 » 1821-1830 | 55| 02| 12|1,2| a1 0,8 » 1831 —1840 13 T 0,8 0,5 4,6 0,05 5,4 0,7 » 1841-1850 | 09 03| 09[0,3 | 33 | 0,07 | 16,5 | 0,6 „181-1852 505 1/02 EEE EEE —— ‚„‚ 1800-1852 17,3 | 251 1610,71 6310,41 52106 me oem. zum. un Die Mortalität ist in Halle, ‘wie wir gesehen haben, 'nieht ‘gross, aber die Epidemien tragen dazu einen unverhältnissmässig starken Theil bei. Halle muss also Bedingungen ein- schliessen, welche der Entwicklung von Miasmen und der Verbreitung der Kontagien ganz. be- sonders Vorschub leisten, aber der Einfluss dieser Bedingungen wird durch anderweitige günstige Verhältnisse Soweit kompensirt, dass der Gesundheitszustand im Ganzen als ein nicht ungünstiger bezeichnet werden kann.. 6) Die chronischen Krankheitsformen werden auf dem Lande verhältnissmässig häufiger Ursache des Todes, als in den Städten; bedenkt man aber, dass die Mortalität in den Städten überhaupt eine grössere ist, so gleicht sich dieser Unterschied aus. Unter den chronischen Krankheiten verdient die Tuberkelschwindsucht eine besondere Betrachtung, ‚da sie nicht bloss von allen chronischen,» sondern von allen Krankheiten überhaupt: die verderblichste ist, und niehr Menschen hinrafft als alle: Epidemien, die jemals geherrscht‘ haben, selbst die Pest nicht ausgenommen: Bekanntlich hat aber diese Krankheit ‘an dem verschiedenen Orten eine ‚sehr ungleiche Häufigkeit und es. ist daher zur 'Charakterisirung' des Krankheitsgenius. ‚eines Ortes besonders wichtig, auf sie Rücksicht zu nehmen. Leider ist es überaus schwierig, aus den: Todtenregistern auch nur mit annähernder Sicherheit die Zahl der an der Schwindsucht Verstorbenen zu‘ bestimmen ‚da sie nicht nur unter ‘den verschiedensten Bezeichnungen ‚darin, figurirt, sondern auch'viele andere Krankheiten unter denselben Bezeichnungen eingetragen werden. Namentlich’ pflegen die abzehrenden Krankheiten des Kindesalters, die so: häufige Atrophie etc. damit zusammengeworfen zu werden. Es schien mir daher nothwendig, die Abzehrung der Kinder von der Abzehrung der Erwachsenen zu trennen, denn wenn auch nicht verkannt werden kann, dass bei atrophischen und skrophulösen Kindern später oft eine Drüsentuberkulose sich entwickelt, so sind diese Fälle doch von der eigentlichen T uberkelschwindsucht der Erwachsenen, die sich‘ immer als Lungenschwindsucht entwickelt, wohl zu unterscheiden. Bei der Anfertigung der im Anhange mitgetheilten dritten Tabelle habe ich diesen Unterschied berücksichtigt. An ab- zehrenden Krankheiten überhaupt starben in: dem Zeitraum von 1843—52 etwa 15,4% und darunter befanden sich etwa 5,9 % Kinder und 9,5 °/ Erwachsene; man wird also annähernd annehmen können, dass die 'Tuberkelschwindsucht etwa den 10ten Theil aller Todesfälle in Halle verursacht. Hiermit stimmt folgendes Verhältniss sehr genau überein; Unter 613 Todes- fällen, von denen ich während meiner Assistenz an der medieinischen Klinik genau die Diagnose verzeichnet habe, befanden sich 56, die an Lungentuberkulose oder allgemeiner Tuberkulose zu Grunde gegangen waren, wobei diejenigen natürlich nicht mitgerechnet sind, bei deren Sektion sich einzelne - zerstreute 'Tuberkeln vorfanden. Von. Seiten der medicinischen Klinik wurden von 1842—51 im Ganzen 92357 Kranke behandelt und darunter befinden sich 1141, bei denen die ‚Diagnose auf Tuberkulose gestellt wurde. ‘Nehmen wir 'also die Sterblichkeit an der Tuberkulose in Halle'zu 10 %o: der Sterblichkeit überhaupt an, so ‘kann dies Verhält- se een en ae AT ne een cur niss 'gewiss als ein günstiges ‘betrachtet werden, wenn man bedenkt, dass es Städte giebt, wo die Schwindsucht den 4ten bis ten "Theil aller Sterbefälle verursacht. Nächst der Tuberkulose tragen die chronischen Magen- und Lieberkrankheiten, Abi: .die organischen Herzfehler am meisten zur Mortalität: bei. 7) Zu den schnell tödtlichen Zufällen rechnen die statistischen Tabellen des preussischen ‘Staates "Alles, was in den Todtenregistern ‘als Blut-, Stick- und Schlagflüsse verzeichnet zu ‚sein pflegt. Bei der -Unbestimmtheit dieser Bebeilie ‚enthalten wir uns aller weiteren Betrachtun- ‚gen darüber; ebenso 8) über die „verschiedenen äusseren und inneren Krankheiten“ zu denen alle diejenigen ‚gerechnet sind, bei denen (die Todtenzettel entweder gar 'keine ‚oder solche Diagnose enthielt, welche ‘sich unter ‘eine ‘der andern 'Kategorien nicht wohl unterbringen liess. Rekapituliren wir am ‘Schluss dieser statistischen ‚Berechnungen die Resultate, ‘zu denen sie ‘geführt haben. Nachdem Halle lange Jahre hindurch von kirchlichen ‘und politischen Wechselfällen ‘heimgesucht ‘und von verheerenden Krankheiten, 'wie wenige Städte, arg 'be- troffen ‘und in seiner‘ schnellen Entwicklung gehemmt worden ‘war, trat mit dem Jähre 1814 "ein ‘günstiger Wendepunet in »der ‚Bevölkerungsgeschichte der :Stadt ein. Die 'Einwöhnerzahl ‚hat sich ‘während des seitdem verflossenen 40 jährigen ‚Zeitraums beinahe verdoppelt und zwar haben 'hierzu ebensowohl die zahlreichen Einwanderungen, als 'auch eine im Vergleich ‚mit ‚anderen Städten ziemlich grosse ‚Fruchtbarkeit der Bevölkerung selbst beigetragen. ‚Die Sterb- ‚lichkeit ist in Halle ‘geringer, als ’in ‘den meisten grösseren ‘Städten «des preussischen Staates ‘und des ‘übrigen Deutschlands; sie würde noch geringer sein ohne die sehr ansehnliche Zahl sunehelicher Kinder, ‘von ‘denen immer viele ‘früh 'wieder wegsterben. Dieselben gehen meist an Atrophie, : Skrophulose, ‘Drüsentuberkulose im 'Alter von 1—5 Jahren zu Grunde und daraus ‘erklärt sich die überwiegende Lethalität in dieser’Lebensperiode. Sehr günstig gestaltet sich ‘das Sterblichkeitsverhältniss ‘vom Öten Jahre an und erhält‘ sich so bis 'zum '20ten ; dagegen ‘werden unverhältnissmässig viele Personen mittleren ‘Alters 'ein ‘Opfer. der sich ‘häufig wieder- 'holenden -miasmatischen 'und 'kontagiösen Epidemien, namentlich des Nervenfiebers, der 'Cho- lera und ‘des Scharlachs. ‘Es müssen ‘also ‘in ’Halle "Bedingungen vorhanden ‚sein , welche ‚der ‚Entwicklung ‘von Miasmen 'und 'der Verbreitung von Kontagien ganz besonderen Vorschub:leisten. 'Gelänge es, diese Bedingungen zu beseitigen, oder doch einzuschränken, so ‚wäre zu 'erwarten, dass Halle in die Reihe der gesundesten Orte einträte, da: andere Krankheiten und unter diesen «die 'Tuberkelschwindsucht,, diese 'verderblichste Geissel des Menschengeschlechts, ‚hier ‚weniger “zu Hause sind, als es'in volkreichen Städten der Fall'zu sein pflegt. Welches sind nun die Bedingungen , von ‘denen ’die Bildung der 'Miasmen und ‘Kontagien ‚und ihre ‘Verbreitung abhängt? "Miasmen entstehen 'besonders ‚aus einer 'zweifachen Ursache: Pe TEREER einmal aus der durch eigenthümliche Bodenbeschaffenheit 'begünstigten Zersetzung abgestorbener Pflanzenstoffe, wie sie ‚sich: vornehmlich in den Sümpfen koncentrirt (Malaria) und zweitens aus den organischen: Effluvien, .die.das Leben des Menschen und seiner Mitbewohner erzeugt. Die ersteren entsteigen dem Erdboden; die letzteren. entwickeln sich innerhalb der Wohnungen, in der unmittelbarsten' Umgebung des Menschen selbst. Die für. die Erzeugung des Sumpfmiasma günstigen Verhältnisse finden sich weder: in dem Stadtgebiete noch in ‘der nächsten Umgebung von Halle in irgend erheblicher Weise. Halle hat eine gesunde Lage. Mit Ausnahme einzelner benachbarter Dörfer, Dieskau, Nietleben, Gimritz, Seeben etc. ist die hiesige Gegend von Sumpfbildung frei, und daher ‚auch von den eigent- lichen Malariakrankheiten ‚, Wechselfieber und Ruhr’ wenig betroffen... »Die epidemische Ruhr: ist eine in Halle so gut wie gar nicht ‘vorkommende: Krankheit , die sich'‚während ' dieses Jahrhun- derts nur in den Jahren 1807, 1813, 1818 und 1834 und zwar in sehr wenig erheblicher Ausdehnung gezeigt hat und das letzte. Mal eigenthümlicher. ‚Weise fast nur auf die Francke- schen Stiflüngen beschränkt blieb. Wechselfieber kommen zwar alljährlich vor; aber fast nur unter dem Einfluss der Frühlingskonstitution. Die durch ihre Hartnäckigkeit verrufenen Herbst- fieber , bösartige, komitirte Formen sind: äusserst: selten. . Daher wird auch das Wechsellieber hier fast nie eine todbringende Krankheit, selbst dann nicht, wenn es sich in grösserer Häufig- heit zeigt. In früheren Zeiten war es, wie wir aus Fr. Horrmann’s Berichten gesehen haben, anders, aber die fortgeschrittene Kultur des Landes hat dem Tode diese Pforte verstopft. Dagegen sind die Bedingungen für die zweite Art der Miasmenbildung in Halle in einem Maasse vorhanden, ‚wie sie sich in wenig anderen Städten verient finden mögen. Sie stehen mit der Armuth der Bevölkerung in Beziehung. Das Zusammenleben. vieler Personen auf engem Raum, die mangelhafte Lüftung der Wohnungen, vor. allen Dingen aber ‚der nie -abgestreifte Schmutz, der das tägliche Leben umgiebt: diese Verhältnisse ‚liefern das Material, in’ dem das Miasma des Nervenfiebers keimt; sie sind es zugleich, welche der Verbreitung aller. Kontagien Vorschub leisten und ihren Einfluss auf die vom Mangel, Schmutz, ‚Unsitte und. körperlichen Strapazen zerrütteten Konstitutionen verderblicher machen. Dass diese. Verhältnisse in. Halle in ausgesprochenster Weise. vereint sind, lässt sich freilich ‚nicht‘ durch. Zahlen beweisen, wird aber von allen denjenigen. nicht. bezweifelt werden, welche Veranlassung hatten in die, Woh- nungen unseres überreichlichen Proletariats Blicke zu‘ thun, ‚das dort herrschende ‚Leben zu beobachten und mit dem anderer Städte zu vergleichen. ' Es liegt dem Zweck. dieser Arbeit fern , dasselbe genauer’ zu. schildern ;. ich. verweise. in dieser, Beziehung 'auf eine getreue Dar- stellung in der Dissertation des verstorbenen Dr. Berroe über die Typhusepidemie des Jahres 1844. In dem überwiegenden Proletariate und in seiner zur. erblichen Sitte gewordenen Un- reinlichkeit: liegt der wichtigste Grund für die Häufigkeit des Nervenfiebers und die Leichtigkeit, mit der alle miasmisch-kontagiösen Krankheiten in Halle Eingang und \verderbliche Verbreitung finden. — 51 — So wenig ich mich ‚berufen fühle, dieses Urtheil durch speciellere Ermittelungen zu stützen, ebenso fern liegt mir auch die Erörterung der Mittel, welche sich zur Abhilfe der gerügten Uebelstände empfehlen möchten. Nur an eins möge erinnert werden, welches vor an- ‚deren empfehlenswerth scheint. Es ist das Mittel, welches die „gemeinnützigen Baugesell- schaften“ nun schon an vielen Orten als wahrhaft nützlich erprobt haben und besteht darin, diejenigen Häuser, welche notorisch sich als Brennpunkte unserer Nervenfieber- und Cholera- epidemien. herausgestellt haben anzukaufen und abzubrechen, neue Gebäude mit einer Anzahl klei- ner Wohnungen aufzuführen, sie an unbemittelte Familien miethweise zu überlassen und durch einen zur Aufsicht bestellten Wirth die Ordnung im Hause zu handhaben.. Dadurch wird der Sinn für Reinlichkeit und Nettigkeit bei den Leuten geweckt, der unfehlbar verloren gehen muss, wenn sie gezwungen sind, in die alten, von Schmutz und Ungeziefer starrenden und verpe- steten Quartiere einzuziehen, in denen ihre Vorgänger eben das Opfer ansteekender Seuchen ‚wurden... Wie in anderen Städten, so ist auch in Halle ein Anfang auf diesem Wege gemacht, ein echtes Typhusnest, (das sogenannte Loch unter dem hohen Kräm) ist ausgenommen, zer- ‚stört, und statt dessen das stattliche, gesund gelegene Familienhaus in der Nähe des Leipziger Thores.'enstanden, aber leider scheint bis jetzt keine Aussicht vorhanden. zu sein, dieses vor- treffliche Desinfektionsmittel. in grösserem Maassstabe in Anwendung zu bringen. ‚ In. anderer, nicht weniger erspriesslicher Weise wirken Krippen und Kinderbewahranstal- ten, von denen die letzteren in Halle eine erfreuliche Ausdehnung gewonnen haben, der phy- ‚sischen Verderbniss entgegen und zerstören den Keim der Skropheln und verwandter. Krank- heiten, den das Elend der Eltern in die Jugend gelegt hat. Es giebt Gegenden und Städte, wo die das Leben bedrohenden Einflüsse sahänderliche sind, weil sie von der geographischen Lage und dem Klima abhängen. Zu diesen gehört Halle nicht. Die der Gesundheit feindlichen Bedingungen sind hier überwiegend solche, welche von der Bevölkerung selbst ausgehen und eine Verbesserung, eine Abhilfe zulassen. Bemerkungen zur Epidemien- Karte. Die dem vorstehenden Aufsatze angehängte graphische Darstellung „veranschaulicht den Verlauf und die Folge der epidemischen Krankheiten, von. denen Halle in dem letzten 22jäh- rigen Zeitraume betroffen worden ist. Sie ist nach den Tabellen der medicinischen. Poliklinik in der Weise konstruirt, dass die Zahlen der in den ‚einzelnen Monaten angemeldeten Kranken als Ordinaten verwendet worden sind. Die klinischen Tabellen gewähren ein für solche Dar- stellung sehr geeignetes Material, da der jährliche Krankenbestand nicht nur ein. hinreichend grosser, sondern auch ein nahezu sich gleichbleibender gewesen ist (6 — 10,000). ; Etwa der 4te Theil der Einwohner, von Halle wird von Seiten der Klinik mit ärztlichem Beistand versehen Die als Ordinaten aufgetragenen Zahlen : müssten daher mit 4 multiplieirt werden, um den in Abh,°d. Nat, Ges, zu Halle. IrBand, 2s Quartal 8 Me ER der ganzen Stadt vorgekommenen Erkrankungsfällen annähernd zu entsprechen. Die Gestalt der Kurven würde dadurch nicht verändert werden, denn da der Maassstab hier, wie bei allen graphischen Darstellungen , ein willkürlieher ist, so brauchte man nur das Höhenmaass in ent- sprechender Weise zu verkleinern, oder das Längenmaass zu vergrössern, um genau diesel- ben Kurven zu erhalten. Bildliche Darstellungen des Verlaufs epidemischer Krankheiten können immer nur einen relativen Werth haben; aber da sie eine lebendige Anschauung gewähren, erleichtern sie die Feststellung allgemeiner wissenschaftlicher Resultate. So viel ich weiss, existirt bis jetzt kein ähnlicher Versuch alle epidemischen Krankheiten eines Ortes für einen so langen Zeitraum dar- zustellen. Könnte man Aehnliches für eine grössere Reihe deutscher Städte herstellen, so würde sich daraus nicht blos die geschichtliche, sondern auch die geographische Verbreitung der Epi- demien mit erwünschter Sicherheit und manches interessante Ergebniss ableiten lassen. Vorläufig mögen hier nur einige Betrachtungen Platz finden, zu denen unsere Epidemien-Karte auffordert: 1) Für die Mehrzahl der epidemischen Krankheiten stellt sich ein gewisser typischer Ver- lauf, also eine besondere Form ihrer Kurven heraus. Besonders charakteristisch sind die schma- len und hohen Spitzen der Masern. Alle Maserepidemien haben eine kurze Dauer, welche sel- ten über einen Zeitraum von 6—-8 Monaten hinausreicht; sie erheben sich nach ihrem Be- ginn schnell zu bedeutender Höhe, von der sie ebenso schnell wieder herabsteigen, um dann spurlos zu verschwinden. Sporadische Masernfälle zwischen den einzelnen Epidemien kommen selten vor. Dagegen wiederholen sich diese Epidemien in einer überraschend regelmässigen Periodieität. Neun Masernepidemien fallen in den ganzen 22jährigen Zeitraum; in jedes 2te bis 3te Jahr eine. Die Behauptung von Sypennam, wonach die Masern ausschlieslich während der Frühlingsmonate herrschen sollen, findet sich widerlegt: es zeigt sich, dass Ausbruch, Höhe und Schluss der Epidemie in die verschiedensten Jahreszeiten fallen können. | 2) Ganz anders stellen sich die Scharlachepidemien dar. Sie sind seltener, denn nur viermal kommen sie während derselben Zeit vor; sie erreichen nie eine so bedeutende Höhe, zeigen nicht das schnelle Aufsteigen und Fallen, wie die Epidemien der Masern, sondern schleppen sich vor und nach ihrer höchsten Entwicklung langsam und durch einen meist mehrjährigen Zeitraum fort. Auch kommen sporadische Erkrankungen zwischen den Epide- mien häufiger vor. In dem Auftreten des Scharlachs spricht sich nicht die regelmässige Pe- riodieität aus, welche das Auftreten der Masern charakterisirt. 3) Die Pocken schliessen sich in Bezug auf den Verlauf ihrer Epidemien dem Scharlach an, doch pflegen längere Zeiträume zu verstreichen, in denen selbst sporadische Erkrankungen fehlen. 4) Varicellen gehn zu keiner Zeit ganz aus, aber während sie gewöhnlich nur sporadisch erscheinen, steigern sie sich nach unregelmässigen Zwischenräumen zu epidemischer Häufigkeit. Diese kleinen Epidemien stehen weder der Zeit noch der Form nach in Beziehung zu den Epi- u WE: demien der Pocken, woraus sich ein neuer Grund gegen die oft behauptete Identität beider Krankheitsformen entnehmen liesse, wenn es überhaupt noch neuer Gründe dagegen bedürfte. 5) Die Epidemien ‘des Keuchhustens sind ausgezeichnet durch ihre vielfach wechselnde Zu- und Abnahme, ihren schleppenden Verlauf und den so oft hervorgehobenen, aber doch keineswegs immer vorhandenen Parallelismus, mit dem sie sich der Zeit nach an die Maserepi- ‚demien anzuschliessen pflegen. 6) Gastrische und typhöse Fieber kommen in allen Jahren und Jahreszeiten einzeln vor, nehmen aber in Halle sehr oft den epidemischen Charakter an. Man sieht, dass wenige Jahre ganz frei sind von einer solchen, gewöhnlich in die Herbstmonate fallenden Steigerung der Krankenzahl, dass dieselbe aber während dieses 22jährigen Zeitraums selten eine recht erheb- liche war. Dennoch verdienten diese in unregelmässigen Zwischenräumen sich wiederholenden Erhebungen des typhösen Krankheitsprocesses meist die Bezeichnung besonderer Epidemien, da die in solchen Zeiten vorkommenden Krankheitsfälle durch analogen Verlauf und eine grosse Aehnlichkeit der ‚Symptome ihre Zusammengehörigkeit documentirten. Die grosse Epidemie der Jahre 1813—14 war bekanntlich ein Petechialtyphus gewesen; die kleinen Epidemien der folgenden Jahre hatten den Charakter des Abdominaltyphus angenommen ; von 1839 —41 herrschten besonders typhöse Pneumonien; die kleine aber sehr bestimmt begrenzte Epidemie des Jahres 1844 war wieder iein Abdominaltyphus, aber eigenthümlich durch die sehr ausge- sprochene Kontagiosität und durch das konstante Vorkommen von Petechien und Hämorrhagien der verschiedensten Organe. Als im Jahre 1348 der exanthematische Typhus in Oberschlesien wüthete, da trat auch in Halle (wie an den meisten Orten) unerwartet diese Form an die Stelle des bis dahin einheimischen Abdominaltyphus; doch nur für kurze Zeit, denn im folgenden Jahre zeigte sich wieder der letztere, aber ohne bis jetzt epidemische Verbreitung gewonnen zu haben. Das Nähere über diesen interessanten Wechsel in dem Charakter typhöser Erkran- kungen findet sich in den früher citirten Dissertationen. 7) Während die Nervenfieber in den Herbstmonaten ihre Höhe erreichen, fallen die Gipfel- punkte des Wechselfiebers in die Frühlingsmonate, und am häufigsten in den Mai. Bemerkens- werth ist die Erscheinung, dass nicht bloss einzelne Jahrgänge, sondern ganze Reihen aufeinander- folgender ‘Jahre sich durch Häufigkeit, andere durch Seltenheit der Wechselfieber auszeichnen. So war.die ganze Zeit von 1335-—41 ausserordentlich fruchtbar an Wechseltiebern und der Früh- ling jedes dieser Jahre brachte eine Fülle derselben hervor; dagegen fehlten sie in den 4 folgenden Jahren von 1842 —45 fast ganz und erst von 1846 an begannen sie wieder häufiger zu werden. 8) Im Jahre 1843 herrschte von März bis Juli die Hemeralopie ın Halle epidemisch. Eine genaue Beschreibung dieser seltenen Erscheinung giebt die früher erwähnte Dissertation des Dr. Krorz. 9) Lungen - und Luftröhrenentzündungen kommen Jahr aus, Jahr ein, zahlreich vor; am häufigsten während der Monate Februar, März, April; aber diese von der Jahreszeit abhängigen g* 1 ii u A Steigerungen der Krankenzahl verdienen nicht den Namen von Epidemien. "Wahrhaft epidemisch herrschte aber diese Krankheit unter den Kindern in den beiden aufeinander folgenden Jahren 1847 und 1848, beide Male während der Winter- und Frühlingsmonate. 10) Die das Auftreten der Grippe darstellenden Kurven sind nicht genau; weil die grösste Anzahl der an der Grippe Erkrankten, namentlich aus den niedern Ständen, ohne ärztliche Be- handlung zu bleiben pflegen. Diese Kurven sind daher verhältnissmässig viel zu niedrig; aber ihre schmale Basis und ihre spitze Form giebt doch ein charakteristisches Bild der, bei kurzer Dauer, überaus schnellen Verbreitung, welche den Grippeepidemien eigenthümlich ist. 11) Von der asiatischen Cholera ist Halle 3 Mal betroffen worden. Das erste Mal herrschte sie vom December 1831 bis Oktober 1932, also zehn Monate; das zweite Mal vom December 1848 bis Oktober 1849, also wieder zehn Monate; das dritte Mal vom Mai bis Oktober 1850, also sechs Monate. : Die Kurven bedürfen keines Kommentars: sie veranschaulichen besser, als es die Beschreibung vermag, das Verhältniss der einzelnen Epidemien zu einander; und zu den übrigen epidemischen Krankheiten; die Art ihres) Verlaufs. Betrachtet man, wie es ohne Zweifel geschehen muss, die beiden letzten Epidemien als zusammengehörig, so fällt die mehrspitzige Form der Kurven: auf. : Die Cholera trat in Halle, wie an andern Orten, in der Weise auf, dass zuerst einzelne Fälle in mehrtägigen Zwischenräumen vorkamen; dann erfolgte eine schnelle Zu- nahme der Erkrankungen, bis zu einem grossen Kulminationspunkt; darauf ein gewöhnlich bedeu- tender Nachlass, so dass man sich der Hoffnung ihres Erlöschens hingeben mochte; neue Steige- rung, neuer Nachlass und dieser Wechsel wiederholte sich, wie unsere Kurven zeigen, 2—3 Mal (vergl. d. Dissertation von Dr. Hzım). Nebenider epidemischen habe ich unsere sporadische Cholera verzeichnet; die alljährlich, aber fast nur während der Sommermonate, erscheint. Bemerkenswerth ist. die Thatsache, dass in den der grossen 48—50er Epidemie vorangehenden Jahren, die Zahl der- artiger Erkrankungen sichtlich sich steigerte, aber diesen und ähnlichen Beobachtungen wird erst dann ein Werth beizulegen sein, 'wenn sie sich in einer grösseren Reihe von Fällen bestätigen sollten. 12) Einzelne Jahrgänge, wie die Jahre 1830, 1837, 1833, 1840 waren fast ganz von epidemischen Krankheiten frei; in anderen Jahren herrschten mehrere neben einander oder in schneller Folge. So herrschten 1832 gleichzeitig mit der Cholera die Pocken ; als beide Krank- heiten abnahmen, gewannen Wechselfieber eine grosse Verbreitung und diesen folgte endlich, noch über den Schluss des Jahres hinausreichend, eine grosse Scharlachepidemie. — Scharlach, Varicellen, Pocken, Masern, Keuchhusten , Nervenfieber, Intermittens, Grippe und Sommercholera waren in den Jahren 1841 und 42 fast gleichzeitig verbreitet. — Pocken und Typhus fielen mit der 2ten Choleraepidemie zusammen. Schliesslich muss ich dankbar erwähnen, dass mir von vielen Seiten Beiträge, besonders für den statistischen Theil dieser Arbeit, geliefert worden sind. Namentlich fühle ich mich aber der thätigen Mitwirkung des Hrn. Prof. Kranmer und des Hrn. Dr. Mann verpflichtet. a FE Anhang 2. Tabelle über die Einwohnerzahl, die Zahl der Gebornen, Gestorbenen, Todtgebornen, Unehelichen und Kopulirten in der Stadt Halle mit Einschluss der Vorstädte für den Zeitraum von 1701—1852. ls =3|<. 2 19 ssld.| 2| 5 Lee Beate | 5 steeielte 1523833, % S|3=|231s22| 3 |&3|88| 3 sı33|5 3213| & |e2li} $ a|E8 818328 a8 ..|$ ah .. mE: a a IE "|@ 2:10 2 | 3” 1701 587 472| 115 2059 | 1739 609| 38 1020 411|168 1702 627 532| 95 196 |1740| 599) 36 1123 524|155 1703 603 498! 105 160 11741 655| 84 1234 579|180 1704 600 451) 149 182 1] 1742 672| 67 1072 400 | 207 1705 626 490 | 156 180 11743 665! 66 910 245 |206 1706 650 545| 135 189 |] 1744 7143| 87 824 811193 1707 706 643| 63 171 11745 797116 901 104) 208 1708 690 ger .21/ 211 11746 680. 62 1084 404! 165 1709 695 592 | 103 181. | 1747 660 | 49 989 329.183 1710 691 500 | 191 203 | 1748 622 | 55 1115 493 141 1711 679 662| 17 193 | 1749 573| 40 1095 522 142 1712 738 29| 9 175 |] 1750 584 | 53 1161 577.123 1713 738 546 | 192 150 1751 613, 56 1593 980 140 1714 740 635| 105 173 11752 681| 61 852 171/173 1715 743 712) 31 198 | 1753 606 | 60 972 366 163 1716 743 637! 106 199 1 1754 624 | 63 852 228149 1717 851 956 105 207 1 1755 114,000 1574| 51 768 194 138%) 1718 881 | 64 71L| 170 184 | 1756 6835| 83 915 230111 1719 7771:85 932 155 159 11757 571L\ 72 1172 601, 72 1720 673 | 38 863 190 148 1758| . [|501| 48 1044 543 | 141 1721 658| Al 850 192| 153 11759 578! 50 729 151/180 1722 7139| 56| 11060 321| 182 | 1760 523) 60 788 465 171 1723 793 | 63 679| 114 169 11761 507| 46 669 162 |24U 1724 690 | 59 696 6| 145 | 1762 541) 59 832 291138 1725 7103| 64 894 191| 166 | 1763 521| 59 905 3841147 1726 670| 44 951 281, 162 51764 545| 47 807 262 159 1727 636 56| 1,1053 417 163 11765 5927| 47 820 293 138 1728 aa A 486. 183 | 1766 537| 40 722 185 123 1729 700/84] 11044 344| 205 1 1767 534 46 894 360 122 1730 635| 62 950 315| 206 | 1768 498| 39 789 291117 1731 592| 65 866 274| 176 ee | wen; 1732 667) 701 11255 5838| 148 Tan geb. | geb. 1733 657| 57 761 104) 151 11769 833 1111/32] 694| 139 111 1734 699 | 68 747 48| 146 | 1770 7174| 92|36| 786 121237 1735 698 | 67 728 30| 147 11771 705 | 77\32|1006 301|191 1736 701|63| 11041 340 129 | 1772 539| 51/28'2171 1632 | 172 1737 672 | 65 900 228| 148 11773 570) 77|31| 855 285 225 1738| 1592| 40 989 397| 138 | 1774 7145| 95/40| 705| 40 265 . !) Vom Jahre 1701—1768 sind nur die Getaufien verzeichnet, es fehlen also für diesen Zeitraum alle Todtgebornen und vor der Taufe Verstorbenen, weil die früheren Kirchenbücher nur Tauf- und Todtenregister führten, Da die Todtgeburten un- gefähr 5 %/0 aller Geburten betragen, so wird man nicht viel irren, wenn man für je 100 Getaufte 105 Geborne substituirt, Vom Jahre 1701 — 1768 beziehen sich die Zahlen für die Getauften, Gestorbenen und Kopulirten nur auf die Civil- bevölkerung; erst von 1769 an auf die gesammte Bevölkerung mit Einschluss des Militärs, : : i Yon 1701— fehlen die Angaben für die reformirte und jüdische Gemeinde. Die jüdische Gemeinde ist nur klein; die reformirte beträgt etwa den 10ten Theil der lutherischen Gemeinden zusammengenommen. : 2) DREYHAUPT giebt die Einwohnerzahl auf 13—14,000 ohne Militär und Studenten an. Die Zahl der Studenten mochte sich auf 500, die des Militärs auf 2500 belaufen; die gesammte Einwohnerzahl also 16—17000 betragen. EEE aD neun ee ee I | »|5 |s|s|&| s |32j88|. »!&5 | |s[2| 3132188]. si=s3 5/8213]: jesi8Eia | 2153| > |=2|%| 5 [8382| 8 31355 een] ale = z Berg" ia = Balls e 1775 740|102 54| 752 12 1245 !1814 534|131|38 1815 1281151 1776 773|103 | 46| 6671106 313 11815 719/149 32! 563156 266 1777 814| 97|43| 622 192 289 | 1816 119,794 | 726 |149|26| 578| 148 242.9) 1778 sıs| 79/46) 741 75 227 11817 778 176,20) 588|190 215 1779 725, 94|39| 800 75241 | 1818 724 134.25) 6061118 200 1730 930|114 61| 651 279 327 | 1819 23,938 | 864 | 166 27| 6311233 194 1781 832| 94 48| 696 136 280 | 1820 755|153|42| 643/112 194 1782 120,149 |760| 9837| 699| 61 256.) | 1821 832'147!42| 707|125 165 1783 699| 8343| 910 210.275 11822 23,671) soo|ı38 37| 569 | 231 210 1784 7152| 83|49| 884 132/269 | 1823 868/157 40| 745123 168 1785 7132| 67\43| 793 61,233 | 1824 824|142 33| 552) 272 175 1786 717/103|56| 724 71/202 | 1825 |23,382| 867 135 34| 672195 210 1787 748 101 38| 836 88/229 | 1826 836138 30) 6401196 205 1788 741 100 |30| 753 12 266 | 1827 829/137 36| 634195 164 1789 680 | 8040| 734 54 243 | 1828 25,982 | 856 123 34| 828, 28 202 1790 21,140 |767| 93|41| 7294| 43 256 | 1829 793|117 32| 729| 64 199 1791 20,567 |789| 87|30|1058 276/322 11830 858 108 |28| 730128 224 1792 20,719|737|106|34| 679| 58_ 253 | 1831 25,759 | 8821143 |30| 951 33/180 1793 21,040 | 624 |102|27| 686 62,165 | 1832 7821071331656 874292, 1794 20,679 532| 80|36| 676 | 144 |183 | 1833 949 106 34| 783 | 166 275 1795 610104 |34| 789 179/233 | 1834 25,982 | 943/120 |46| 799 | 144 268 1796 776 |100|61| 889 113/443 | 1835 1075| 150/48, 752 | 323 264 1797 807 |107|53| 866 59/346 | 1836 1044\134,\47| 874| 170 234 1798 - 1777| 96|51| 731 46 | 1322 | 1837 27,275 |1029|139|59| 856) 173 240 1799 819'123,55| 708|111 322%) | 1838 1000 122 |34| 757|243 240 1800 21,078 718 90158 1242 524 300 | 1839 964 114 134| 963 1 240 1801 770.102|58, 836 66 275 | 1340 28,978 |1018 147 |46| 802) 216 225 1802 787 102|50| 702| 85 256 | 1841 1091 \153|39| 839 |252 242 1803 763 100 32) 752| ıl 283 | 1842 1009170 |42| 858,242 246 1804 21,000 750| 9933| 623 127 2775) | 1843 30,601 1046 139|48| 8811165 238 1805 723109 |42| 875 152/241 | 1844 1034 |144 |52 | 828| 206 234 1806 26,000 |712| 9830| 1298 586/206 | 1845 1261 185 |42| 861400 259 1807 716, 8451| 886 170/117 | 1846 33,072 1202 187 |48| 783419 289 1808 787| 90 32] 852 65 135 | 1847 1229 213\48| 946 283 265 1809 718/105 27| 854 136102 11848 1199 | 171142| 994 205 977 1810 722,146 |35| 789 67|124 1.1849 |33,848 11347 190 |67 2249 902340 1811 831 1182 31| 767| 64 149 | 1850 1243 | 184 |42 1315 721405 1812 752 191|37| 774 223 |113 1851 1328!198|57| 9711357 344 1813 720|189 |30) 1099 379| 73 11852 36,076 |1308|188\66 | 923 |385 373%) ®) Die Einwohnerzahlen für 1782 und für 1790—94 beziehen sich nur auf die Civilbevölkerung. Die Militärbevölkerung betrug in dieser Zeit durchschnittlich etwa 40003Personen (Leonnarpı Erdbeschreibung der preussischen Monarchie 1796). Die Zahl der Studirenden betrug durchschnittlich 800—1000, ist aber in der Civilbevölkerung einbegriffen. 4) Die für 1800 angegebene Einwohnerzahl bezieht sich auf die gesammte Bevölkerung, incl. des Militärs, welches in die- sem Jahre 2636 Personen ausmachte (Farrı Handbuch der neuesten Geographie, Halle 1805.). 5) Die Einwohnerzahl für 1804 bezieht sich nur auf die Civilbevölkerung ohne Militär und ohne Studenten (Henper Halle- sches Adressbuch. 1804.), Die für 1806 vermuthlich auf die gesammte Bevölkerung und ist der kleinen Schrift ,‚Halle im Jahre 1806“ entlehnt. j 6) Die Einwohnerzahlen von 1816 an beziehen sich auf die gesammte Bevölkerung mit Einschluss des Militärs. Letzteres beläuft sich gegenwärtig auf durchschnittlich 1000 Personen, 7) Obgleich die früher getrennten Vorstädte Glaucha und Neumarkt erst seit 1817 mit der Stadt Halle verbunden wurden, so beziehen sich doch alle in dieser Tabelle gegebenen Zahlen auf die 3 Städte zusammengenommen, 8. Tabelle über die Todesfälle nach dem Alter der Verstorbenen. a Summe üb. 4 starben im | der | Alter von Wo- mehr chen unier. ‚Todt- Im Jahre als 10 aber erE igebo- Summa 9o/so | 7o| co | sol ao | ol ao | 10 Jäki-/glel7 Is ı 5 la | 3 | 2 | 1 |unter | en Em Jahr | und | dar- | über en Jahr | und | dar- jüber 10 1833 112327418 726.758 611514: 981° 2651448 2105| EI Bl 6522| 15 371 5 821 A| 28L 28 7153 1834 11.280563 |: 77 551: 698 66 |: 61). 37 457, 104! 7% 5% 34110) 16| 32) 50| 125] 541 337| 48 837 1835 LI:35 5258|: 566 49 524. 440 691 2621390 2 %2! EI EEIOH12 MM) | Bl 110 58 286 A 717 : | 1836 2127| .60| 706 65| 60) 64) 45| 35| 4238| 3/1 :5|/ 9! 1117| 17) 28| 53| 76| 141} 57| 417| 43 883 I 1837 23.185568 |0 7LE 721. 681: 78 0 490° 2401445) 7 10| 3131 A212) 94) 6 | 126) AU 360 48 853 N 1838 2: 201 56|: 62] 701 63) 571. 60| 37) 427|1| 3) 6: 5| 12: 17| 28| 34 61 104 47| 318, 29 774 2 i 1839 2717025718 9IE 77 645) 68° TIERE BR ATS 5 5 a IE 9 ea 7 102} 158 50 a 32 987 1840 20| .67|: 84l' 50| 521 5359| 451 34| All) 51 4) 2| 9! 9 17| 21) 31] 65| 121) 55) 3391 44 794 18141 31 201:.7013 SOF!6#. 541: 54| 6a Bass 5 TI Be 815 2656| 78 123 52 3242| 33 808 1842 2521169). i8ıl 59| 521 44 73| 281.:429| 5|'2| 7| 91131°16| 20 351 77| 147) 67| 398| 36 863 1843 3/27| .78| 67|. 69) .69| .60|. 51) 28) 452| 3.3] 7: 7115. 20| 28| 52| 84! 106! 51! 376 36 864 1844 4| 24| 46| 68| 75) 73| 48| 491 261 41315| 3) 4| 1217| 16, 26! 44| 6A| 121) 56) 369| 50 832 1845 2129| :671: 671 659| 55. Aaallaal 207 27 ı| Mial, 6 8| 16) 2456| sHrass| 70 A100 31 | 555 1846 2) 27| 68| 79) 62) 46| 48) 56) 20) 408) 4| 2| 31 2| 6,12! 16 26) 58| 154| 74| 357| 43 808 1847 21 30| 73| 91) 7141|. 58 561 73| 33 48713) 2| 5| ıE 12| 18) 19! 46) 80) I66) 68.430] 42 | 959 1848 2:26 69! 751 60| 621. 75| 60) 341 463121 71 9) 94.11, 19 321 72| 102! 177) 71] 51L| 44 | 1018 1849 3| 33| 153| 221| 219| 237| 238| 231| 102] 1442/17) 17| 24| 31) 26| 47| 58) 89| 118| 196 | -85| 708 70.| 2220. | 1850 19| 78! 99| 93] 88| 112| 144| 47| 680/5| 8| 7| 7| 19| 26| AL| 51! 139) 167| 87| 557| 40 | 1277 N" 1851 26/1 64| 63| 67) 67) 55 84) 45| 471)9| 5, 11) 10| 17| 19| 22| 501 90| 175| 83| 491| 64 | 1026 1852 2|26| 67) 54| 66| 64| 58) 57) 36| 430| 8. 7| 18| 11! 16| 22| 30| 59) 95| 156| 56| 478| 61 | 969 Summa 35 501 11405 11630 |1483 |1404 |1372 1472| 698/10010 97 115 152/190 236 372 [532 '923 |1615 |2787 1224 |8232 | 860 |19102 j Also v. 10000118 262 | 736 | 853 | 776 | 735 | 718 | 771 | 366 | 5325 50 | 60 | so JLo0 |124 |L95 278 484 | 845 |1459 | 640 4765 | 450 |10000 64 — | | Ay. Tabelle der Todesursachen*). TE En h er En ;s [=] . P973 no Ss u & Ü = ! 8.|8 |28 EEE Eee E = lsslselsale | 8 |23 » |: ea 2 \saleesel 2 Ara |3 3|ss 5 : |»3 ee ea) 8 = Ss E 3 aesı 3 |2= 22|53| # ie ee 5 5 EEE un a ee Zus ae Se a sul 5 Sen jan, 3 |s 5 = 18 E& Bari Eee: 2 |3 2 2) 8 8-48 18 a 3 3 me = En e- E Ei ee 5] a2 E1s ES. 2.92 | =) 1843| 89 | 116) 70 | 20 6 7.|111 574 1&| 50 149 3.:1:159[30 |. 4 | 41 2 8 6 5921| 36 | 900 1844| 90: | 132| SL | 15 7 2: | 01 101 4@| 56 85 2 2:23, 2183| 4 9 5 3960 1©50|| 832 1845| 59 | 107| 69 | 44 | 10 5| 80 46) 23 | 89 5 7l21251€ 26 5 | 48 3 8 4 |.38 | 34 | 855 1846| 74 | 101) 65 | 401 12| 3 75 3830| 13 | 65 6 6 | 130] 25 3.1091 B) 6 1 | 45 | 42 | 808 1847| 76 | 125) 66 | 30 8 9| 54 57| 15 1114 | 19 5 | 166| 39 6 | 39 78:18 9 1:56 | 42 | 959 1848| 80 95, 82) 187 18: 18:98 89| 1ı8| 96 | 12 | 3 | 218| 55 3 1924 6.0.17 4 | 70.44 | 1017 1849| 84 | 112] 53 | U 8| 17 | 67 11298] 29 | 62 | 14 |: 9 | 185485 8168| 1 9 2 1'56 |] 70 | 2220 1850| 58 | 110| 64 | 23 7, 12 | 82 |453| 19 | 5l | 20 3 1 173! 49 6 2: 3925 I 9 4 ı 54 | 40 | 1277 1851| 66 80..33| 8 I 7|96 | 118) 24 | 80|1|25 1.1.2261. 54:1: 1.1.37 13518 6 | 39 | 64 | 1025 1852 74 60! 40 | 20 | ıL | 14 [19 881123) | 1471 147 3 1197) 65 | 4 | 35 9114 | 48| 6l 968 | 750 |1038 | 643 | 248] 93 | 108 | 763 |2306 |227 |453 | 30 ltıı | 51 764 |152 | 42 |1640 |416 | 42 2893 5131 gl 521 |483 |10861 *) Da die alljährlich im Wochenblatte mitgetheilten Nachweisungen nicht !brauchbar sind, so habe ich diese Tabelle nach den beim Magistrat geführten Todtenlisten selbst konstruirt. en atmen nUe EEE EEE ee Vierteljahrsbericht über die Sitzungen der naturforschenden Gesellschaft zu Halle. Zweites Vierteljahr 1853, Vorsitzender Direktor Herr Prof. von Schlechtendal. Sitzung vom 23ten April, Die neuesten Hefte von Van Hourtz Flore .des serres und Reeer’s Gartenflora wurden vom Prof. Y. SCHLECHTENDAL vorgelegt. Die erste dieser periodischen Gartenschriften ist durch Unterstützung des Staates ins Leben gerufen und zeichnet sich vor allen auf unserm Continent erschienenen durch Schön- heit der Ausstattung und Reichhaltigkeit des Textes aus, die andere Zeitschrift aber durch das Bestre- ben fortlaufend Abbildungen zu liefern, während alle anderen Deutschlands derselben entbehren, und durch Mittheilung selbstständiger Aufsätze. Bei der Vorlage des 33. u. 34. Hfts. der Pilze Deutschlands, herausgegeben von Sruru und bearbeitet vom Staatsrath von Strauss in München, hob Ref. es als etwas Merkwürdiges hervor, dass die darin abgebildete Russula Cyanescens zwar schon im J. 1675 vom Cano- nicus Van STEERBER in der Mitte Deutschlands entdeckt und gezeichnet, aber seitdem noch nicht wieder aufgefunden sei. Sodann sprach derselbe Referent über die eben erschienene Arbeit des Hrn. Prof. Fer in Strasburg, Exposition de la famille des Polypodiacses unter Vorlage dieses Werkes. Presı’s sich anschliessend hat der Verf., die Nervatur der Blätter berücksichtigend, die Z dieser Hauptgruppe der Farrn bis auf 181 gebracht, so dass dies des älteren z. B. bei EnpLicner ist. Dem Vorgange ahl der Genera Zahlenverhältniss über das Dreifache Da der Verf. auch zugleich alle andern Organe dieser Pflanze bei der Charakteristik benutzt habe um möglichst natürliche Farrngattungen zu begründen, so könne man diese starke Zertheilung nicht missbilligen. Ueberhaupt meinte Ref. sei die Nervatur bei allen Pflanzen mehr in den Kreis der Beobachtung zu ziehen Kennzeichen für die fossilen Pflanzen, sondern auch in Bezug auf die genauere Kenntniss der Pflanzen- familien selbst, doch sei dazu die Untersuchung der Nervatur sämmtlicher Glieder der natürlichen Fa- milien nothwendig Erscheinungen, w ‚ nicht bloss in Bezug auf die aus ihr zu schöpfenden »‚ indem sich auf diesem Wege nur herausstellen werde, in wie fern die heterogensten elche sich in einigen Familien darbieten, doch im Zusammenhang ständen. Herr Professor D’Arron legte einen der anatomische gehörigen Entenkopf vor, bei Vergleichung diente ein Artefa n Sammlung in der Thierarzneischule zu Berlin welchem ein Fussrudiment mit dem Schädelgewölbe verwachsen war. Zur kt von ähnlichem Aussehen, nämlich der Kopf eines Huhns, dem ein Hah- nensporn eingeheilt worden war, Die vorgelegte Missbildung sei in sehr übereinstimmender Weise an- Abh, d, Nat. Ges. zu Halle. Ir Band, 2s Quartal. 9 essen ein nn enessnen K Bi I Fi, I I i ann Znsmesseememnenes mes messe Bene n enn ean u A fänglich nur bei Enten beobachtet worden. Der erste bekannte derartige Fall lebte in Paris und wurde von GEoFFRoY St. Hıraıre in seiner Histoire des Anomalies, Paris 1832, beschrieben. Tıepemann (Zeitschrift f. Physiol. IV. 1. Heidelberg 1831) fand in der anatomischen Sammlung zu Lüttich ein zweites Beispiel. J. Fr. MeckeL besass ein drittes Exemplar, das in der Zeichnung von C. Locuow vom Vortragenden beigebracht wurde. Gurrr endlich erhielt 1834 den vierten Kopf, das Objekt der heutigen Demonstra- tion. Diesen Beobachtungen reihte A. W. Orro (Museum anatomico-pathologicum Vratislaviense. Breslau 1841. Fol.) einen analogen Fall bei einem Lamme an. Solche Beispiele verursachten J. F. Metken allerlei Verdruss, .da sie gegen seine Theorie von der Entstehung der monstra per excessum stritten. Man konnte doch nicht füglich behaupten, dass ein „Kopf“ aus -Bildungsüberschuss eine „‚Pfote‘ produzirt habe. In der That bewiesen diese Missbildungen am entscheidendsten die Entstehung der monstra_per excessum aus einer Verwachsung zweier Keime, eine Ansicht, welche durch die bei Menschen (Catanea) und Schafen (v. Frorırr) beobachteten dreifachen Missgeburten noch weiter gestützt werde. Die bekannte Beobachtung von €. F. WoLrr von zwei getrenn- ten Individuen in einem bebrüteten Hühnerei auf einem Dotier zeige nur, dass zwei derartige Keime nicht immer gleich in der ersten Zeit der Entwicklung auf einander stossen und zusammenwachsen und erweise nicht einmal eine so völlige Trennung der Individuen, als man von andren Seiten anzunehmen geneigt sei. Als auf einen neuen Beweis für die grosse Ausdehnung, in welcher sekundäre Verwachsungen beim Fötus zu Stande kommen können, wurde bei der Diskussion auf eine. neuerdings von Dr. W. Reın ge- machte Beobachtung hingewiesen, wonach bei einem menschlichen Fötus die wahrscheinlich in Folge un- günstiger Beckenverhältnisse von der Schulterhöhe herabgedrängte linke obere Extremität mit: dem das Schultergelenk bildenden Theile des Schlüsselbeins und des Schulterknochens in. der Gegend. der: Tten Rippe wieder angewachsen ist. Herr Prof, Kranner legte die neuerlichst als blutstillendes Mittel in den Handel gebrachte javanische Drogue Pinghwar-har-Jambi (Pakoe-Kidang) zur Ansicht vor. Es ist. der untere Theil eines, Farrnkraut- schaftes, dessen zolllange, feine, haarige, glänzendbraune Schuppen weich wie Seide sind und einen für Wasser und. wässrige Flüssigkeiten undurchdringlichen Filz. bilden. . Diese Eigenschaften bedingen. wohl den Nutzen, den es als Verbandmittel für blutende Wunden hat. Das Holz selbst schmeckt schwach. zu- sammenziehend und soll in Abkochung gereicht (1 Unz.:8 Unz. Colatur. Esslöffelweise.), sich gegen Lun- genblutungen u.s. w. nützlich bewiesen haben. Ob. diesem Mittel ein Vorzug vor. andern, namentlich einheimischen Farrn, wie Hb. Scolopendrii, Hb. Ceterach, Hb.T. richomanes u.a., welche früher ‚gegen Blu- tungen innerlich und äusserlich angewendet worden sind, für die Praxis einzuräumen sein wird, muss für jetzt dahingestellt bleiben. Die Drogue wird von Cibotium glaucescens abgeleitet, Nach v. Scuuech- TENDAL ist aber ein Cibotium weder auf Java noch mit einer so starken braunen Behaarung bisher bekannt. An einem sehr vergrösserten Kalbsherzen, (dessen Maasse die folgenden waren; Umfang an der Basis der Ventrikel 13,75“, Länge des rechten Ventrikels 7°, Länge des linken V. 5,4”, Dicke der rechten Ventrikelwand 0,25“, Dicke der linken Ventrikelwand 1,1”), zeigte sich die Muskelsubstanz beider. Ven- trikel von lebhafter fleischrother Farbe, normaler Cohäsion und ohne Infiltration, das Eudokardium des linken Ventrikels, die Semilunarklappen und die innere Haut der Aorta sehr auffallend getrübt, verdickt, die Klappen rigide und insufficient, der Stamm der Aorta aneurysmatisch ‚erweitert, ungleichmässig infiltrirt und im Gewebe gelockert, Solchen Fällen gegenüber hält es schwer, das: Vorkommen. eines Ta EENNEEREREEN, ni selbstständigen Erkrankens des Endokardiums in Abrede zu stellen. An den Lungen dieses, der Verl sicherung des Schlächters nach‘, anscheinend ganz munteren und gesunden, durch Verblutung gestorbe- nen Thieres konnte man zahlreiche punktförmige peripherische Sugillationen bemerken, ganz in der Art, wie man sie bei erstickten neugebornen Kindern findet und in der forensischen Medizin als Zeichen des Erstickungstodes ansieht: "In diesem Falle muss es unentschieden bleiben, ob durch dieabnorme Grösse des Herzens Bronchialäste komprimirt und partielle Hindernisse für das Eintreten der Luft in peripheri- sche Lungentheile ‘unter der Inspiration gesetzt wurden, oder ob das Herzleiden eine aktive Ueber- füllung der Lungenkapillaren bedingte, so dass diese Sugillationen als eigentliche apoplektische Ergüsse zu deuten wären. In dem Leichname eines vorzeitig gebornen Kindes männlichen Geschlechtes, das nach der Geburt die unzweideutigsten Lebenszeichen gegeben und wiederholt Athmungsbewegungen gemacht hatte, so dass zwischen den Angehörigen des Kindes und der Hebamme die Frage erörtert wurde, ob es nöthig oder gerathen sei dem Kinde Nahrung einzuflössen, betrug der quere Durchmesser der gewölbten Brust 2,33‘, der gerade 1,5“ bei 10,75“ Körperlänge (6,50 v. Scheitel bis Nabel, 4,25” vom Nabel bis zur Ferse) 1,75“ Querdurchmesser, 2,25 geraden, 2,60“ schiefen oder längsten Durchmesser des Kopfes und 2,2 Pfd. bürgerl. Gewicht. Das Zwerchfell war bis zur 6ten Rippe heräbgetreten. Beide Lungen ragten an das Herz heran und liessen den Herzbeutel in der Grösse eines 2 Sgr. Stückes unbedeckt, ihre Gefässe waren mit Blut gefüllt, die Lungenperipherie ohne punktförmige Sugillationen, die Lungenzellen unent- wickelt und ohne Luftgehalt, die Luftröhre und Bronchialzweige ohne fremden Inhalt, ihre Knorpel weich ‘und häutig, die durchschnittene Luftröhre fiel zusammen. Auf der Basis der Lungenarterie im Herzbeutel fand sich eine kleine etwa linsengrosse Blutsugillation. Die Lungen, deren absolutes Gewicht unmittelbar nach Eröffnung der Brusthöhle besonderer Umstände wegen nicht ermittelt werden konnte, wären specifisch schwerer als Wasser, in ihrem Gewebe normal. Es ist diess der dritte Fall der Art, welcher dem Vortragenden seit dem 30sten Mai 1850 zur Beob- achtung kam. Er liefert aufs Neue den Beweis, dass vorzeitig geborene unreife Kinder wohl Athmungs- bewegungen machen und längere Zeit leben können, aber ersticken müssen, weil der Lufteintritt in die Lungen beim Inspiriren mangelnder Festigkeit der Luftröhre und des Kehlkopfes wegen unmöglich ist. Er lehrt ausserdem, besonders im Zusammenhange mit dem vorigen, dass Sugillationen auf der Basis der Lungenarterie bei fruchtlosen Luftathmungsbewegungen früher entstehen und ein zuverlässigeres Zeichen des Todes durch Erstickung bei Neugeborenen sein dürften, als Sugillationen auf der Lungenperipherie. Schliesslich erörterte Hr. Prof. Kramer die neue Liesie’sche Methode zur quantitativen Bestimmung des Kochsalzes und des Harnstoffes im Urin. Sitzung vom Tten Mais An Geschenken für die Bibliothek der Gesellschaft waren eingegangen: Linnaea IX. Heft 4. Halle 1852, durch Hrn. v. ScHLECHTENDAL. Jahrbuch d. K. K. geologischen Reichsanstalt zu Wien tes Quartal 1852. Hr. Dr. v. BAERENSPRUNG, seit längerer Zeit mit Sammlung der Materialien beschäftigt, welche eine Geschichte der Halleschen Epidemien anbahnen können, legte der Gesellschaft einen Abriss seiner Arbeiten vor, Seit dem Jahre 989, (über weiches zuerst Nachrichten vorhanden sind, lassen sich drei grosse Ab- schnitte in der medieinischen Geschichte von Halle unterscheiden. ‘Der erste reicht'bis zum Ende des g9* ee Tr a no nn 17ten Jahrhunderts und schliesst mit der letzten grossen Pestepidemie im. Jahre 1682. Während dieses 700jährigen Zeitraums wurde die Stadt von einer. fast ununterbrochenen Kette verheerender Seuchen heimgesucht, über die freilich so unvollständige Nachrichten vorhanden sind, dass ihre Natur zum Theil nur aus. den gleichzeitigen Mitiheilungen nicht Hallescher Aerzte und Chronisten gemuthmasst. werden kann. Epidemien des. Heiligen Feuers und des Skorbuts sind ohne. Zweifel darunter, aber die wichtig- sten gehören entschieden der wahren Bubonenpest an. Solcher Epidemien sind im elften Jahrhundert 10, im zwölften: 6, im dreizehnten 2, im. vierzehnten 7, im funfzehnten 14, im.sechszehnten 12, im siebzehnten 4 verzeichnet, und die meisten derselben haben viel mehr Opfer gefordert, als die Cholera- epidemien der Neuzeit. Es lässt sich berechnen, dass im 10ten Jahrhundert wenigstens 30,000 Menschen in Halle an der Pest gestorben sind, Es konnte nicht fehlen, dass die vorher blühende Stadt hier- durch schnell entvölkert. werden musste. Der. zweite Abschnitt umfasst den Zeitraum vom Ende des 17ten bis in den. Anfang des 19ten Jahrhunderts. Auch in dieser Zeit überwiegt die Zahl der Todesfälle bedeutend die Zahl der Geburten, aber man war an. 'schlimmere Verhältnisse so gewöhnt, dass die Aerzte dieses Zeitraums den Gesundheits- zustand als einen sehr günstigen bezeichnen konnten. Pestepidemien kamen jetzt nicht mehr vor, aber Masern, Scharlach, besonders aber Pocken und Typhus wiederholten sich häufig und forderten viele Opfer. Mit der grossen Typhusepidemie von 1813, an welcher in Halle 800 Menschen starben, schliesst dieser Zeitraum ab. Der. dritte Abschnitt reicht vom Jahre 1813 bis auf den heutigen Tag. Durch die Einführung ‘der Kuhpockenimpfung und den zurückkehrenden Frieden ändert sich plötzlich der Gesundheitszustand und wird so günstig, wie er zuvor nie gewesen war. Von jetzt ab überwiegt mit Ausnahme der drei Cho- lerajahre immer. die Zahl der Geburten über die Zahl der Todesfälle, so dass durchschnittlich für: jede 100 Gestorbene 115 Neugeborne eintreten. Dabei hat denn die Einwohnerzahl so zugenommen , dass sie sich während dieser letzten 40 Jahre fast verdoppelt hat. Die jährliche Mortalität beträgt nur 3415 und stellt sich daher günstiger, als in den meisten grösseren Städten des preussischen Staats und des übrigen Deutschlands. ‘ Auch die übrigen Verhältnisse, welche einen Maassstab für das Gedeihen einer Bevölkerung abgeben können, sind günstig, nur die Zahl. der unehelichen Kinder ist unverhältnissmässig gross. Halle wird; in dieser Beziehung unter den preussischen Städten nur von Danzig erreicht, und von Königsberg übertroffen. Abgesehen hiervon hat also das vielbeschrieene Halle Grund mit seiner Be- völkerung und seinem Gesundheitszustande zufrieden zu sein. Allerdings tragen die epidemischen Krank- heiten in Halle mehr zur Sterblichkeit bei, als in anderen Städten; dafür sind aber andere Krankheiten seltener, namentlich die Schwindsucht. Schliesslich zeigte Dr. v. B. eine von ihm entworfene Epidemienkarte, welche den Zeitraum der letzten 20 Jahre umfasst. ; Herr Prof. von SchLecurenvar, legte in. Beantwortung einer früheren Anfrage die Abbildung von Phytelephas macrocarpa, einer den Palmen zunächsistehenden Pflanze Brasiliens, deren Früchte von unsren Drechslern als Steinnüsse oder vegetabilisches Elfenbein. (vegetable ivory) verarbeitet werden, ‘so: wie die Abbildung und die Früchte von. Atalea lapidea Hook. (Cocos lapidea Gaert. Atalea funifera Mart.), de- ren hartschalige Nüsse von Muskatnussfarbe zu Schnitzereien, deren borstige Blattanfänge unter dem Namen Piacaba zur Bereitung, von Bürsten und Besen dienen, zur Ansicht vor. Derselbe sprach darauf über einige in. den Tropengegenden der alten Welt ‚gebaute Getreide- nn EEE EN an aaa an ee a nn einen u U u arten, welche man nach ihrer natürlichen Verwandtschaft im Allgemeinen als hirseartige bezeichnen könne. Die Kenntniss derselben sei noch sehr mangelhaft, was zum Theil seinen Grund darin habe, dass unsere Sommer gewöhnlich nicht die zur Reifung der Saamen dieser grossen Grasformen nöthige Wärme besässen und man daher häufig keinen Saamen zu weitern Versuchen wieder gewinne. So viel man durch freilich spärliche Berichte von Augenzeugen wisse, hätten jene Getreidearten, ähnlich wie die uns bekannten, nicht allein Farbenvarietäten, sondern auch andere, aber nirgend beschriebene abwei- chende Formen, die dann wahrscheinlich auch eine gewisse Stabilität bei der Cultur zeigen würden. Von eigentlichen Hirsearten werden noch einige bei uns gebaut, aber nur sehr untergeordnet, während vor der Verbreitung der Kartoffel die Cultur der Setaria germanica sehr häufig war, die eigentliche Stamm- form dagegen S. ttalica nicht im Grossen gebaut wurde. Bei dem reichen Ertrage dieser Hirsearten lasse sich immer noch, wenn die Kartoffel auch ferner im Krankheitszustande beharren sollte, aus ihnen eine grosse Quantität von Nahrungsmitteln gewinnen, da sie fast überall auf trocknem Boden leicht zu ziehen sind. Zu den tropischen hirseartigen Getreidearten gehört auch was Lınn# Holcus spicatus nannte, eine Vereinigung zweier ganz verschiedener Arten mit den Abbildungen bei Prurener und Crusius. Die hier- durch erzeugte Verwirrung, obgleich bisweilen ihrer Lösung nahe gewesen, habe sich bis auf die neueste Zeit fortgesetzt, obwohl die Ansicht der Abbildungen in Verbindung mit dem Texte eben keinen Zweifel lassen könnie, dass es zwei verschiedene der Gattung Penicillaria W. angehörige Arten seien. Bei Crusivs sei aber noch eine Aechre einer andern Getreideart abgebildet, welche walzenförmig 1'/, Fuss lang sei. Diese bedeutende Länge liess vermuthen, dass hier noch eine andere Art vorliege, über welche sich aber nur noch eine zweite vollständige Angabe in Brunxer’s Reise nach Senegambien auffinden liess, in welcher diese mit einer 2 F. langen und %/, Z. dicken Aehre versehene und als Holcus spicatus L. bezeichnete Getreideart (petit mil der Colonisten) als die Volksnahrung der Neger bis weit in das Innere hinein angeführt wird. Es erscheint das mannshohe Gras als eine von allen bisher genannten Penicıil- larien verschiedene Art, deren Cultur bei uns interessant werden würde, um damit die schon bekannte Form genau ‘vergleichen zu können. Was dem Vortragenden über diese Gräser botanisch bekannt ge- worden, hat er im 25. Bd. der Linnaea Hft. 5. niedergelegt. Herr Prof. Kraumer, durch die häufigen marktschreierischen Anzeigen in den politischen Zeitungen und durch die sich widersprechenden Angaben in pharmaceutischen Journalen über die Natur der so theuer verkauften Revalenta arabica veranlasst, hatte die Zusammensetzung dieses Nährstoffes zu ermitteln ver- sucht. Die Revalenta, welche aus dem Depot von Ferıx und Sarortı in Berlin bezogen war, stellte ein feines, lockeres, röthlich gelbes, im Geruch dem Salep gleichendes, beim Kauen am Gaumen klebendes, im Geschmack an unsere Leguminosen erinnerndes Mehl dar. Bei der mikroskopischen Untersuchung findet man zahlreiche theils leere, theils noch mit Stärkekörnern gefüllte Pflanzenzellen. Die darin ent- haltenen Stärkekörner sind elliptisch 0,0130—0,0156 Par. Lin. lang, 0,0073—0,0104 P.L. breit. Selten überschreiten einzelne diese Grösse, Sie zeigen gewöhnlich in ihrer Mitte eine bald einfache, bald mit einzelnen Querrissen yerschene Längsspalte und stimmen in ihrem ganzen Ansehen und Verhalten mit den Stärkekörnern im Erbsenmehl überein, welches ganz ähnlich geformte theils leere, theils mit Stärke- körnern gefüllte Pflanzenzellen gleichfalls erkennen lässt. Neben diesen elliptischen Stärkekörnern finden sich in der Revalenta noch andere rundliche 0,0039—0,0156 P. L. im Durchmesser haltende Stärke- körner mit glatten Wandungen, welche mit den Körnern des Weizens oder, mit Rücksicht auf die grössere Häufigkeit der Körner von 0,0052 —.0,0078 P. L, Durchmesser, mit den Körnern der Kartoffel - oder u ME Gerstenstärke ganz übereinstimmen. Neben den gefüllten Stärkekörnern kommen leere Stärkehüllen von gleicher Grösse vor, wie man sie ebenfalls in derselben Art im präparirten Gerstenmehle der Offizinen findet. Endlich sieht man in der Revalenta einzelne undeutlich zellige Massen mit einem sehr feinkörnigen Inhalte oder Bruchstücke von Pflanzenparenchymzellen, von denen einzelne intensiv rothbraun gefärbt sind. Ganz denselben Anblick gewährt Saleppulver, während im Gerstenmehle solche rothbraune Parenchymzellen nicht angetroffen werden. Schüttelt man Revalenta mit kaltem Wasser, so trübt sich dasselbe stark und klärt sich erst nach Stunden einigermassen wieder. Das ungelöste Mehl setzt sich in der Ruhe in drei Schich- ten ab. Die unterste ist etwas grobkörniger und gelblich gefärbt mit ziemlich zahlreichen braunen Par- tikelchen, darauf sitzt eine ganz feinkörnige weisse Schicht, welche endlich in ihren oberen Lagen rosen- roth schimmert. Eine gleiche Färbung zeigt längere Zeit hindurch die über dem Bodensatz stehende schleimige Flüssigkeit.: Ganz ähnlich verhält sich ein Gemisch aus Saleppulver, Erbsenmehl und Gersten- stärke, dem man etwas feingepulvertes rothes Eisenoxyd zugesetzt hat. Beim Kochen verwandelt sich die Revalenta in einen wenig gefärbten gallertarligen Schleim. Ganz so verhält sich das angegebene Gemisch. In der That war es gelungen, durch Zusammenmischen von 1 Theil Saleppulver, 5 Theilen Erbsenmehl und 6 Theilen Gerstenstärke, denen darauf noch 0,098, Eisenoxyd zugesetzt worden war, ein Mehl herzustellen, welches im Ansehen, Geruch, Geschmack und im Verhalten gegen kaltes und heisses Wasser der Revalenta durchaus gleich kam. Da Salep, Erbsen- und präparirtes Gerstenmehl im Handel in sehr verschiedener Waare vorkommen, so wäre die Behauptung, Hr. Barry ou Barry hätte seine Revalenta nach dem angegebenen Verhältnisse wirklich zusammengesetzt, wohl etwas ver- messen. Jeder Gesunde oder Kranke wird aber gewiss nach der angegebenen Vorschrift sich ein Prä- parat darstellen können, welches zu diätetischen und therapeutischen Zwecken die Revalenta vollkommen ersetzt und viel wohlfeiler hergestellt als das englische Fabrikat verkauft wird. Dass Revalenta weder Kurkuma noch Ingwer oder Cayennepfeffer ‚enthält, wie von einigen Seiten her behauptet worden ist, davon kann man sich leicht überzeugen, wenn man den Versuch macht, die genannten Pulver mit Erbsen- und Gerstenmehl zu mischen. "Geruch und Geschmack verrathen sofort die fremdartigen Zumischungen. Nicht minder weicht ein Gemisch von Bohnen- oder Linsenmehl mit Kartoffel-, Weizen- oder Gerstenstärke sehr auffallend an Geschmack von der Revalenta ab. Ob das englische Fabrikat graue statt gelber Erbsen enthält, konnte nicht untersucht werden. Sitzung vom 28 sten Mais Für die Bibliothek waren Jahrbücher der K. K. geolog. Reichsanstalt zu Wien II. 4. Heft 1852 als Geschenk eingegangen. Herr Prof. von ScaLecutenpan referirte über L. Rasennonst die Süsswasser-Diatomaceen. Leipzig 1853. 4. und Tao Irmisch Beiträge zur Biologie und Morphologie der Orchideen. Leipz. 1853. 4. Aus- führlicher besprach er die angebliche Beobachtung von Mr. Esprır Favre, dass es ihm gelungen sei, durch wiederholte Aussaat der geernteten Saamen von Aegilops ovata und triuneialis zunächst Aegilops triticoides und darauf wirklichen Sommerweizen zu ziehen. Unter Darlegung der charakteristischen Unter- schiede der genannten Pflanzen an getrockneten Exemplaren schloss er sich der von Mr. Jorpan in den Abhandlungen der Lyoner Sozietät gegebenen Erklärung an, dass nemlich die Saamen aller genannten Pflanzen gleichzeitig in der Aussaat oder im besäeten Boden vorhanden gewesen seien. Hr. Prof. Heitz wiederholte den bereits anderwärts mitgetheilten Bericht über seine zur Wider- legung der Orro’schen Ansicht von der Wägbarkeit der Wärme angestellten Versuche und zeigte die u | oo FE bei: seiner. Untersuchung des Rindstalges dargestellten. verschiedenen Salze der gewonnenen fetten Säuren. Hr. Prof. Burueister gab. zunächst. zwei Prachtwerke der neusten zoolegischen Literatur zur An- sicht, nämlich. Wıraeım €. H. Perers Naturwissenschaftliche Reise nach: Mossambique. Zoologie. Ber- lin 1852. 4to mit Kupfern ‚ welche die gelungensten Darstellungen von Säugethieren enthalten, die je- mals in. Deutschland [gefertigt wurden. Bemerkenswerth erscheint für Mossambique die grosse Anzahl von Insektivoren, namentlich der zum Theil durch ihre Grösse und eine an die Springmäuse erinnernde Ge- stalt: ausgezeichneten Formen, aus denen der Vf. mehrere neue Gattungen gebildet hat. Ferner Joaenm BarkanDeE Systeme Silurien du Centre de la Boheme. lere partie. Crustaces: Trilobites. Prague & Paris 1852: 2 vol. Fol. Hierüber äusserte sich Ref. wie folgt: In den 10 Jahren, welche seit: der Herausgabe meiner Schrift: Ueber die Organisation der Trilo- biten. (Berl. 1843. 4.) verflossen sind, hat unsere Kenntniss dieser merkwürdigen krebsartigen Geschöpfe so viele neue Aufschlüsse erhalten, dass es wohl einer erneuten Bearbeitung bedurfte, um alle die man- nigfachen Resultate, welche ich selbst theils nur muthmasslich angedeutet, theils, auf ungenügende Ma- terialien füussend, nicht richtig und sicher genug angegeben hatte, in eine völlig geläuterte übersichtliche Darstellung zu vereinen. Während einige meiner Nachfolger, wie Beyrıch, Loven, SıLrer, Corua, Emn- Rich U. A, bemüht waren, die generischen Charaktere und spezifischen Unterschiede der Trilobiten schär- fer festzustellen, suchten andere, wie RovaurLr, Mac Coy, Frercner u. A. mehr die allgemeine Or- ganisation des Thieres weiter zu ergründen und gelangten dabei theils zu entsprechenden, theils zu ab- weichenden Resultaten. Namentlich waren es das Zusammenkugelungsvermögen und der Bau der Augen, welche die Forscher beschäftigten. In diese Fluctuationen hat nun die oben genannte Arbeit, in jeder Beziehung ein wahres Meisterstück, Ruhe, und wie es scheint, auf lange Zeit eine er- freuliche Stabilität gebracht, indem sie so ziemlich Alles erschöpft, was über den allgemeinen Bau der Trilobiten sich sagen lässt und hinsichtlich der Artunterscheidung an Schärfe und Sicherheit sämmtliche früheren Arbeiten bei weitem übertrifft, überhaupt mit. einer Genauigkeit, Sachkenntniss und Eleganz ausgeführt ist, wie wohl wenige ihres Gleichen. Wir erhalten in ihr zwar nur eine Schilderung der Trilobiten Böhmens, aber in einer Ausdehnung, welche in Erstaunen setzt und namentlich späteren Monographen zeigt, wie viel dazu gehört, um über solche Themata mit einer gewissen Sicherheit sein Urtheil abgeben zu können. Hier werden aus Böhmen allein mehr Trilobiten beschrieben, als zur Zeit meiner Arbeit im Ganzen sicher bekannt waren und jede Art wird nach ihren besonderen Charakteren so umfassend: festgestellt und dabei der individuellen und Altersverschiedenheit ein so weiter Spielraum eingeräumt, dass künftighin die Forscher es hoffentfich unterlassen werden, nach einzelnen Kopfschildern, Schwanzschildern oder Rumpffragmenten neue Arten aufzustellen und zu beschreiben. Nur wer, wie Herr Barzanpe, 20 Jahre an seinem Thema gearbeitet und einzelne Arten in vielen tausend Exemplaren, selbst mit einem Kostenaufwande von 2000 Fr. gesammelt und studirt hat, wird sich für berufen halten dürfen, werihyolle Arbeiten über die Trilobiten eines bestimmten Revieres liefern zu können; wem aber nur Bruchstücke und kleine Suiten zu Gebote siehen, der wird hinfort besser ihun, von einer Arbeit zu lassen, deren gedeihliche Erfolge ihm ausser dem Bereich der Möglichkeit liegen. Das ist der Eindruck, den die Lectüre von Hrn. Barranne’s Werk auf mich gemacht hat. Verf. beginnt mit einer historischen Einleitung, die erschöpfend ist, und schildert alsdann, mit Be- ziehung auf eine sehr sorgfältig gearbeitete Charte, die einander folgenden Schichten seines Gebietes im tus un. j : FE RE Allgemeinen geognostisch, mit kurzer Angabe der wichtigsten Leitmuscheln. Zur speciellen Betrachtung des zoologischen Gehaltes der Schichten sich wendend, will er von den obersten Gestalten, den Wirbel- thieren, durch die Crustaceen zu den Mollusken, Radiaten und Polypen hinuntersteigen und behandelt in diesem ersten Theil die Crustaceen oder Trilobiten, weil von Wirbelthieren nur wenige unvollkommene Fisch-Knocheufragmente ihm bekannt geworden sind, die in den obersten jüngsten Stra- ten lagerten und keine wissenschaflliche Schilderung gestatten. — Der allgemeine Bau der Trilobiten ist demnächst mit musterhafter Sorgfalt bearbeitet und nicht bloss jeder einzelne Theil, sondern auch jede bemerkenswerthe Gegend vergleichend geschildert. Eine sehr in die Einzelnheiten gehende, mitunter vielleicht etwas zu stark zersplitterte Nomenclatur unterstützt die Anschaulichkeit der Resultate, welche ausserdem in allen ihren Modificationen auf Taf. 1—7 bildlich dargestellt sind. Daran reihet sich die Stufenfolge der Gattungen und Gruppen in den verschiedenen Etagen über einander; weiter behandelt der allgemeine Theil die möglichen Modificationen innerhalb der einzelnen Gattungen und Arten und endlich die frühere Systematik, nebst der eignen des Verfassers, welche sich hauptsächlich auf die Ferm der Seitenlappen der Rumpfringe stützt. Der zweite oder specielle Theil (S. 343-—914) schildert die einzelnen Gattungen mit ihren Arten in der Reihenfolge des Systems und betrachtet nach einander 45 Genera mit 260 Species. Sämmtliche Arten sind auf 50 Tafeln meistens in mehreren Exemplaren ge- nau nach den Originalien in der Sammlung des Verfassers mit musterhafter artistischer Sorgfalt und Schönheit dargestellt. Man kann in der Art nichts Vollendeteres sehen, als diese von Hrn. J. Ferrens in Prag auf Stein radirten Bilder. — Es wäre überflüssig, ein Werk solchen Ranges zu loben und zu preisen; es ist ein Muster für alle Zeiten und über jede Kritik erhaben; darum nur noch einige der vielfältigen, wichtigen Resultate, die in ihm niedergelegt sind. Ein Gegenstand von besonderem Interesse war von jeher die Struktur der Augen. Verf. entschei- det sich für zwei differente Grundtypen, der glatten und höckerigen Augen, welche letztere nur den Gatt. Dalmannia und Phacops eigen sind. Sie unterscheiden sich von den ersteren dadurch, dass ihre Augendecke von der Schale des Kopfschildes nicht verschieden, vielmehr damit identisch’ ist, aber von den Linsen gitterartig durchbrochen wird, während erstere eine vom Kopfschilde verschiedene besondere Hornhaut am Auge haben, die in der Regel ganz glatt ist, bei zweien Gallungen (Proetus und Bronteus) aber, je nach der Artdifferenz, bald glatt, bald höckerig erscheint ($. 137). Er meint, dass diese Verschiedenheit der Trilobiten von den lebenden Crustaceen mit meiner Ansicht von dem anoma- len Bau dieser ältesten krebsartigen Gliederthiere sehr wohl harmonire. Die Zahl der in einem Auge vorhandenen Linsen schwankt zwischen 14 (Phac. Volborthi) und 15000 (Remopleurides radians). Dass es mehrere wirklich augenlose Gattungen gebe, weist Hr. BarranDE überzeugend nach. Sehr ausführlich ist demnächst die Schilderung des unteren Kopfschildes vor dem Munde, welches als Hypostoma und Epistoma weiter unterschieden wird. Hr. Barranpe hält letzieres für einen vom ersteren getrennten Theil im Inneren des Kopfes, der genau hinter ihm liege; ich kann nicht um- hin, die Meinung zu äussern, dass das Epistom nur die innere, durch eingeflossenes Bergmittel statt der ursprünglichen organischen Zwischenlage davon getrennte Wand des Hypostoms sein dürfte, die sich an ihrem zarten Verbindungsrande von der derberen äusseren Oberhaut, dem eigentlichen Hypostom, ablöste. Die geringe Differenz des Umrisses steht dieser Ansicht keinesweges entgegen. — Eine besonders wichtige Rolle spielt in Hrn. Barranpe’s Arbeit der Seitenlappen jedes Körper- = ua = ringes (La plevre). Er bestätigt zuvörderst meine Angabe, dass derselbe eine unmittelbare Fortsetzung des Panzers der Achsenringe sei und unterscheidet zwei Haupttypen, welche er Plevre ad sillon und Plevre 4 bourrelet nennt; jene hat eine schiefe Fürche der Länge nach über die Mitte, diese eine erhabene Leiste. Darnach werden die Hauptabtheilungen der Trilobiten festgestellt. In Bezug auf das Einrollungs- vermögen gelangt er zu dem Schluss (S. 210), dass dasselbe eine allen Trilobiten gemeinsame Fähigkeit gewesen sei, aber auf eine dreifach verschiedene Art bewirkt werden konnte; wobei er die von mir über denselben Gegenstand vertretene abweichende Ansicht mit grosser Rücksicht beurtheilt und meinen empirischen Angaben von der Differenz der Seitenlappen, aus denen ich die Möglichkeit oder Unmöglich- keit des Einrollungsvermögens abgeleitet hatte, volle Gerechtigkeit widerfahren lässt. Die liebenswürdgei Natur (des Franzosen iritt hierbei ganz besonders dem Leser entgegen. — Wir verweilen nicht bei der Schilderung des Sch warzschildes, der Fussbildung und der Textur der Schaale, weil, so interessant im Einzelnen auch die ausführlichen Mittheilungen des Hrn. Verf. über diese Gegenstände sind, sie doch mehr an frühere Resultate sich anreihen und dieselben nur erweitern und befestigen, ohne grade wesentlich abweichende Aufschlüsse zu: gewähren. Dagegen drängt sich uns das folgende Capitel, welches die Metamorphose der Trilobiten behandelt (S.257. figd.), um so mehr zur Beachtung auf. Bisher war dieselbe nur muthmasslich angenommen und. namentlich von mir und Mine Epwaros gradezu als ein nothwendiges Entwickelungsphänomen der Trilobiten aufgestellt worden; ich hatte zwar versucht, einzelne Formen, wie Battus oder Agnostus, als Jugendzu- stand anderer Trilobiten hinzustellen, dabei aber einen Missgriff begangen und. insofern meine ganze Lehre wieder verdächtigt, Hr. Barranor bestätigt sie nun in ihrem vollen Umfang als richtig, er lehrt uns. die Eier mehrerer Trilobiten kennen, und weist von einer nicht geringen Anzahl eine bes tändig fortschreitende, auf Vermehrung der Achsenringe im Kopfe, wie im Rumpfe und Schwanze ausge- hende Metamorphose nach, welche zweifelsohne mit. einer jedesmaligen Häutung verbunden war. Am vollständigsten konnte er diese Metamorphose bei Sao hirsuta (Taf. 7.) verfolgen; er zeigt von. die- sem Thiere, dass das ausschlüpfende Junge bloss ein Kopfschild mit unartieulirter Achse besitzt, während das reife Individuum 17 getrennte Körperringe, eine 4gliederige Kopfachse und eine 2gliedrige Schwanz- schildachse erhält und durch allmälige Interpolation von Gliedern langsam bis zu dieser Höhe hinaufsteigt. Auch bestätigt er die von mir schon gemachte Annahme, dass die kleineren Individuen der Paradozides- Arten mit sehr langen Stacheln am zweiten Körperringe durchgehends Jugendliche Exemplare constanter, ausgewachsen viel grösserer Arten mit den übrigen fast gleichgrossem Stachel des zweiten Gliedes sind. Diese Erfahrung des sorgfältigen Beobachters hat mir besonders deshalb eine so grosse Freude gemacht, weil manchen sirengen Erapirikern meine muthmassliche Annahme bei Paradoxides so gewagt erschien, dass sie sie am besten mit einem scheinbar wohlwollenden Lächeln abferligen zu können vermeinten. Es giebt Resultate der Induction, die schlagender sind, als alle Empirie und es ist nicht das erste Mal, dass ich mich ihrer erfreue; man weiss, wie ungläubig früher einmal Hr. v. Sızroupr meine Behauptung, dass die von ihm in den Strepsipteren-Weibchen aufgefundenen kleinen Thierchen die Jungen derselben Mutter seien, aufgenommen hatte, bis er sie selbst als richtig erkannte. Endlich und damit schliesse ich mein Referat über den allgemeinen Theil dieses unschätzbaren Arten der Trilobiten eine doppelte Form kennen ($. 102). nd eine breitere, mehr ovale (forme large); er bestätigt Abh, d, Nat. Ges, zu Halle. Ir Band, 2s Quartal, 10 Werkes, lehrt H. Barranne yon den meisten eine gesirecktere schmälere (forme longue) u oo DR damit meine (von ihm merkwürdiger Weise ganz unbeachtet gelassene*)) gleiche Angabe. bei Phacops .Hausmanni (Organis. d., Trilob. 8.112, Taf..V. Fig. 10.) als eine fast, wenn nicht ganz allgemeine Er- Bin Dass :man in: dieser Formverschiedenheit einen Geschlechtsunterschied: anzuerkennen habe, liegt für den Eingeweiheten sehr nahe; offenbar ‚sind die schlanken Individuen Männ chen, die breiten Weibchen; denn ‚so will es die Analogie lebender Krustaceen. — Was bliebe nach so klaren Beobach- tungen und scharlsinnigen Urtheilen wohl noch wünschenswerth zu wissen? — ich glaube kaum, dass auch nur eine einzige, Thatsache von wesentlichem Belang über diese Geschöpfe ‚ferner ermittelt ‚wer- den kann! — ; Zum Schluss werfen wir noch einen Blick auf ‘die vom Verf. so übersichtlich dargestellte Verthei- Jung der Trilobiten durch die aufeinander folgenden, verschiedenen Etagen ihres Verbreitungsbezirkes. (S. 281 flgd. Taf. 50.51.) Dass keiner von ihnen die Steinkohlenformation überschreitet, scheint sicher zu sein; in Böhmen berüliren sie dieselbe nicht bloss nicht mehr, sondern selbst die Devonischen Tri- lobiten fehlen, weil analoge Gesteinsschiehten in Böhmen nicht mehr vorhanden sind; das grosse Prager Becken enthält nur 'Silurische Schichten, welche Verf. in zwei Etagen (untere und obere) abtheilt. Die untere Etage umfasst wieder zwei völlig getrennte Faunen ; nur eine Gattung (Agnostus) der unteren oder Primordialfaune geht in ‘die zweite (Faune seconde) über; die Gait. Paradoxides, Conocepha- lites, Ellipsocephalus , Hydrocephahıs, Sao und Arionellus setzen sie, nebst Agnostus, zusammen. Die zweite Faune enthält zählreiche Gattungen, die mit anderen Arten auch in den folgenden 3 Faunen der ‘oberen ‘Etage wieder auftreten; aber 9 (Amphion, Placoparia, Homalonotus, Aeglina, Dionides und Tele- phus, dann Dindymene Remopleurides und Phillipsia) sind derselben eigenthümlich. Alle diese" beson- deren Gattungen finden sich aber nur in gewissen eigenthümlichen Schichten, während diejenigen, welche auch in die folgende Etage hinübergehen, durch alle Schichten der zweiten Faune sich verbreiten. Höchst merkwürdig ist das Auftreten einer kleinen Kolonie von Trilobiten der obern Etage mit je 1 oder 2 Ar- ten schon in der zweiten Fauna der unteren; es sind das die 5 Gatt. Arethusina, Sphaerewochus, Cy- -phaspis, Lichas und Phacops. Die 3 letzteren gehen mit zahlreichen Arten durch alle 3 Faunen der obe- ‚ren Etage hindurch, die beiden ersten sind auf die untere (dritte) Fauna der oberen Etage beschränkt. Letztere ist ausserdem durch die ihr eigenthümlichen Gatt. Cromus, Deiphon, Staurocephalus als eine mehr "besondere Fauna äusgezeichnet, die vierte und fünfte Fauna haben nur gleiche Gattungen mit ‘verschiedenen, einander entsprechenden Arten. In der jüngsten (obersten) Trilobiten führenden Schicht ‚Böhmens 'sind nur noch 3 Gattungen (Cheirurus, Phacops und Proetus) mit je einer Art vorhanden; ‚alle anderen Trilobitenformen waren damals bereits ausgestorben. Von diesen ist Cheirurus am weite- sten verbreitet, denn er tritt schon mit einer Art in der tiefsten Schicht der zweiten Faune auf und geht durchälle 3 Faunen der oberen Etage "hindurch; die artenreichste Gattung von den dreien ist Proetus , Verf. unterscheidet 39 gut erkennbare und 3 unvollkommene Species. Ebensoviele sichere Arten hat Acidaspis aufzuweisen, aber daneben noch 7 unvollständig bekannte ; sie ist eine der verbreitetsten Formen, denn sie geht neben ‘Calymene, Dalmannia und Cheirurus durch alle vier oberen Faunen hin- durch, was, ausser den in der Colonie der zweiten Fauna vertretenen Gattungen, keine andere Trilobiten- gattung ermöglicht. Neben ihnen erscheint noch Illaenus aus der zweiten Fauna in der dritten, aber a a a r . *) Ich hatte freilich, aus Mangel vollständiger Exemplare, zu Ph. Hiuswannı das Schwanzschild einer anderen Art (Dalm. eristata ‚Barr,) ‘gezogen, indessen dabei doch die doppelte, schmale und breite Form desselben als Geschlechtsdifferenz (a, a, 0. S,.112,) hervorgehohen. ö mens nen ae nn EEE —D — nicht mehr in der vierten und’ fünften. Nur in’ der zweiten Fauna treten die Gatt. Amphion, Homalo- notus, Asaphus und Trinueleus auf, sie sind ebenso sichere Leitmuscheln derselben, wie jene früher genannten 6 ältesten Gattungen für die erste Fauna; die charakteristischen Zeugen für die dritte Fauna wurden’ schon erwähnt, die vierte und fünfte haben keine ausschliesslichen Genera mehr. — Das ist‘ im Kurzen die geologische Verbreitung: der Böhmischen Trilobiten; eine zweite Tabelle (Taf. 51.) vergleicht sie mit den Formen aller anderen Localitäten und weist’ nach, dass die Gatt. El psocephalus, Hydrocephalus, Sao, Arionellus, Dindymene und Arethusina bisher bloss in Böhmen gefün- den sind, während die übrigen einen weiteren Verbreitungsbezirk haben. Hiernächst erläutert Hr. Prof. Bururister ah einer. Suite vorgelegter Skelette den osteologischen: Cha- rakter der brasilianischen blutsaugenden Fledermäuse, die einen dreigliedrigen Mittelfinger haben, während alle übrigen Fledermäuse nur einen zweigliedrigen besitzen. Das Faktum' selbst findet sich von Bramvırur in seiner Ost@ographie descriptive erwähnt, seine systematische Bedeutung ist ihm unbekannt geblieben. Die blutsaugenden Fledermäuse sind keinesweges so gefährlich, als wohl geglaubt wird. Ihre Lebensweise ist noch wenig bekannt. Man weiss weder genau, wie die Thiere die‘ zum’ Blutsaugen'erforderliche Verwundung machen, noch wie sie beim-Saugen sitzen, kennt deshalb auch den etwaigen Zusammenhang der genannten Bildung mit den Gewehnheiten des Thieres nicht. Man’'erhält' diese Thiere selbst häufig in Brasilien. Sie werden von den Maulthiertreibern, die sich durch ihr '@eschwirre . leiten lassen, im Dunkel der Nacht gefangen. Eine sonst nicht erreichte Länge der Flügel'ist mit dieser Bildung nicht verbunden, wie an einem Skelet: von Noctilio leporina, der grössten Surinamischen'Fledermaus, erwiesen wurde. Der Vortragende machte dabei’ noch auf andre Eigenthümlichkeiten des zuletzt genannten Thie- res aufmerksam. Es besitzt nämlich ein vollkommen geschlossenes Becken,‘ während bei denübrigen Fledermäusen der vordere Theil desselben nur durch 'Fasergewebe verbunden wird: ' Die unverhältniss- mässige Kleinheit des Beckens an dem vorgelegten Exemplare, das’ wie däs bei Bramvirer abgebildete von einem männlichen Individuum herrührt, lässt wünschen, dass bald’ auch ein weibliches Thier zur Beobachtung komme. Herr Prof. Kranmer nahm Gelegenheit, auf eine kleine litterarische Differenz’hinzuweisen, in’ welche er mit Hrn. Sanitätsrath Dr. von BaseDow in Merseburg über die Existenz des sogenannten Arsenik- dunstes gerathen ist. Der genannte Herr hat seit Jahren auf. ein Verbot der Anwendung grüner arse- nikhaltiger Farben zur Stubenmalerei und Tapetenfabrikation hingearbeitet,;: weil’sich’ aus diesen Farben ein der Gesundheit schädlicher Arsenikdunst entwickeln sollte, Hr. Prof. Kranmer hatte sich durch zahlreiche Versuche und durch wiederholte Beobachtungen in seinem’ seit‘ 9! Jahren mit grüner arsenik- haltiger‘ Farbe gestrichenen Schlafzimmer überzeugt, dass die genannten Farben unter den angegebenen Verhältnissen keine arsenikhaltigen flüchtigen’ Verbindungen abgeben und) also’ ganz schuldlos sind an den etwaigen Nachtheilen, welche die Bewohner soleher Räume aus andern Gründen’ erfahren mögen; er hatte‘ aber erst ganz neuerdings Gelegenheit gehabt ein anderes: Argument, das Hr. v. Bi für die übergrossen Gefahren. des: Arseniks angeführt hat,‘ experimentell zu prüfen und als unrichtig zu erwei- sen. Es ist bekannt, Knoblauchgeruch besitzen dass beim Glühen des: Arsenikmetalls die sich verflüchtigenden Dämpfe einen » es ist ebenso bekannt, dass auch noch andere flüchtige Arsenikverbindungen übelriechend, aber ihrem specifischen Geruche nach sehr wenig bekannt‘ sind. Hr. v. B. hatte einen knoblauchähnlichen Geruch "häufig in mit ausgestopften Thieren gefüllten Schränken und Räumen wahr- genommen und gefolgert, dass auch dieser Geruch‘ von dem Arsenik herrühre,, ‚der sich aus den. damit 10* u 0 eingeschmierten Bälgen. entwickle. Nach mehrfachen. vergeblichen Bemühungen. war 'es. endlich dem Vor- tragenden neuerdings 'gelungen, in. einem mit noch nicht ausgetrockneten Bälgen vorübergehend gefüllten: Schranke den angegebenen: knoblauchartigen Geruch. ebenfalls wahrzunehmen, und er hatte. so- fort Gelegenheit. genommen; Luft’ aus diesem Schranke zu sammeln und sowohl bei sich zu Hause, als in der Sitzung selbst,: auf ihren Arsenikgehalt zu, prüfen. ‚15000 Kubikcentimeter dieser Luft‘ durch eine Auflösung von salpetersaurem Silber: geleitet brachten nicht die geringste Veränderung in derselben her- vor; dagegen entstand eine ganz »entschiedene Reaktion, nachdem kaum 100 K.'C. einer Luft, die etwa 1—2 °, Arsenikwasserstoff beigemengt erhielt, in die Lösung eingetreten. waren. . Hieraus lässt sich fol- gern, dass der, Knoblauchgeruch, den feuchte Thierbälge unter Umständen verbreiten, nicht von ent- weichendem Arsenikdunst abhängt und dass also auch in. solchen Fällen der Arsenik bei den Nach- theilen, die möglicher. ‚Weise die. Einathmung solcher Exhalationen haben kann, ganz unbetheiligt ist. Sitzung. vom 11ten Juni. Als neue Mitglieder. werden ‚aufgenommen: L. Vocer, .M, Dr., Rittergutsbesitzer auf Benkendorf und Dölitz, G.. Harrraus, M. Dr., prakt, Arzt.zu Bremen, . Taıto' Irmisch, Oberlehrer zu Sondershausen. Für ‚die Bibliothek war vom Vf. geschenkt: - G. BRENNER, Ritter 'von 'Fersacn Kurbilder aus der. Badepraxis zu Kehl. 1852. 2 Explr. Herr Prof. p’Auron ‚erläuterte die in seinen Besitz übergegangenen v. Frorır’schen Abbildungen eines dreifachen Schaflötus. Hr, Prof. Burmeister berichtete über die auf seiner Reise durch Brasilien von ihm beobachteten Beutelthiere,-worunter .10 verschiedene Spezies sich finden. Er.theilte die von Dr. Reınnarpr in Copenhagen gemachte; Beobachtung mit, dass der bisher nur bei den grösseren Arten beobachtete Zitzen- beutel allen Arten zukomme, aber, als nur temporär bedeutsames Organ, derselben periodischen Ent- wickelung unterliege, 'wie ‚die sämmtlichen Generationsorgane der Thiere, daher ausserhalb der Brunst- zeit' fehle, sich während der Tragzeit ausbilde und erst nach dem Wurf mit der zunehmenden Grösse der. Jungen sich 'immer. mehr. erweitere. Besonders verweilte der Vortragende bei dem so: seltenen Schwimmbeutler (Chironectes variegatus) , von dem. er ein Weibchen mit 5 halbwüchsigen Jungen erhielt. Er besprach die Anatomie des Thieres, erläuterte sie durch Abbildungen und verbreitete, sich über den Zahnwechsel der. Beutelthiere, den er an vorgelegten Schädeln der jungen Thiere. demonstrirte, In Bezug auf die, systematische. Stellung war er der Ansicht, dass. der Chironectes sich nicht mehr zu einer besonderen ‚Gattung. eigene; wie andere Formen des alten Genus Didelphys und dass wenn:diese ihm verbleiben. sollen ‚auch der Schwirmmbeutler darunter stehen könne. Die Zahl der bekannten Arten Didelphys beläuft sich schon auf mehr als 20, ist aber schwierig sicher festzustellen, weil ‘die meisten kleinen Spezies sehr selten vorkommen und zum Theil nur. in einzelnen Bälgen existiren. : Die Gruppi- rung der Arten nach dem: Haarkleide ‚und der, Schwanzlänge sei die brauchbarste und. sicherste. — Derselbe legte darauf Gorra.: Auc. Faro, - Kerpen De. spermatozoorum introitu in ovula Königsberg 1853. 4. zur Ansicht vor. und. erläuterte die Wichtigkeit dieser Beobachtungen, welche für. die Fluss- und -Teichmuschel, ja sehr wahrscheinlich auch”schon für das Kaninchen ein Verhältniss feststellen, wel- ches bei der Fruktifikation der Pflanzen schon: längst bekannt und. yon M. Barry auch ‚bereits 1840 sense unse st ET ET EETTLETs u: WE u bei Thiereiern gesehen war, während ‘Ta. Lupw. Wıra: Bischorr 'nach seinen Untersuchungen sein Vor- kommen bei Thieren geradezu in Abrede stellt. Hieran knüpfte sich eine lebhafte Debatte über die verschiedenen bei der Generation und Fruktifikation beobachteten anatomischen Verhältnisse und’ über die physiologische Bedeutung der besondern Sekrete, wobei Prof. Burueister für die Analogie der Sper- matoiden mit dem Pollenschlauch sich erklärte, Schliesslich erläuterte Hr. Prof. Burmeister an einem von Hrn. Kaufmann E. Liersca zur Stelle gebrachten Hornissneste die Eienthümlichkeiten des Baues und der Lebensweise dieser Thiere. Hr. Prof. v. ScHLECATENDAL zeigte die von Hooker besorgte Abbildung der Aralea (?) papyrifera, deren er früher Erwähnung gethan hatte. Sitzung vom 25sten Junis Herr Prof. v. ScuLecatennaL erläuterte einige im heurigen Sommer häufige Missbildungen der Früchte von Acer platanoides und Acer pseudoplatanus. Statt der zweiflügligen Frucht finden ‘sich 'bei ersterem dreiflüglige, bei dem letzteren sogar vierflüglige; zwei der Flügel sind höher als die beiden andern angesetzt und tragen nicht selten verkümmerte Saamen. Die Bäume beweisen durch diese Miss- bildungen ihre Verwandtschaft mit der tropischen Familie der Malpighiaseen. Derselbe besprach darauf ausführlicher die Systematik der Gatlung Haemerocallis, die, ursprünglich in Ostasien heimisch, schon seit Jahrhunderten bei uns kultivirt oder. verwildert gefunden wird. Der Vortrag wird im. dritten Hefte der Abhandlungen veröffentlicht werden. Schliesslich stattete er Bericht über die werthvollen Arbeiten von Anr. pe Bary (Untersuchungen über die Brandpilze und die durch sie verursachten Krankheiten der Pflanzen. Berlin 1853. 8.) ab: ‘Besonders interessant ist die an der Roestelia cancellata gemachte Beobachtung, dass die auf der unteren und oberen Seite der Birnbaumblätter erscheinenden, im Anseha so verschiedenen Vegetationen zu einem und demselben Pilze gehören und eine Verschiedenartigkeit der Keimbildung zeigen, welche vermuthen lässt, dass auch bei diesen Pilzen, wie bei vielen andern soge- nannten Kryptogamen, Organe verschiedener Bildung oder getrennte Geschlechter bei der Fortpflanzung konkurriren. “Ueberhaupt widerlegen diese Untersuchungen ne Biry’s die weitverbreitete Meinung, als sei der Brand (des Getreides und ähnliche Pilzbildungen eine Krankheit der Pflanzen. Man hat darin nur Vegetationen zu erkennen, die sich durch Aussaat verbreiten und die deshalb nur wirksam zu be- kämpfen sind, wenn man die Mutterpilze vor dem Ausstreuen der Sporen vernichtet, oder letztere aus dem Saatkorn entfernt. Hr. L. VoseL bestätigte mit Rücksicht auf den so zerstörenden schmierigen Brand im Weizen, die Zweckmässigkeit eines derartigen Verfahrens,: indem auf einer sehr grossen Wirthschaft e8 gelungen sei, durch Abschlämmen der von Pilzen ausgehöhlten Körner oder der ausgestreuten Sporen vom Saatweizen ‘diese Veranlassung grosser Erndte -Verluste gänzlich zu beseitigen. Prof. Burmeister berichtete in Anschluss an seine frühere Mittheilung über Krser’s Schrift de Sper- matoidum introitu in ovula etc. eine verwandte Beobachtung von Newport, welche so eben in dem Cen- tralblatt f. Naturw, u, Anthrop. v. Fechner (Nr. 26.) aus dem L’Institut (1853. 139.) mitgetheilt wird und der zu Folge die Spermatoiden auch bei den Fröschen wirklich in die Eisubstanz eindringen, doch wie - scheint, ohne Vorbildung einer Micropyle, die Kever an den Muscheleiern, den Froscheiern aber gleichfalls nicht, wahrnahm, — Derselhe hielt darauf folgenden Vortrae. en neernemnSe neben zu Neue Beobachtungen: über Archegosaurus, von MH. Burmeister.: Anfangs dieses Jähres theilte mir Herr Dr. Jorpan in Saarbrücken diejenigen Reste von Archego- saurus zur Untersuchung mit, : welche seit: Publikation meiner: Arbeit über diese fossile Amphibien- Gattung im dortigen Kohlenrevier gefunden und in seine Hände gelangt waren. Es, ergaben sich daraus: einige für die Organisation des fraglichen Geschöpfes neue, wenn auch: gerade: nicht sehr : wesentliche Data, welche ich hier zusammenstelle, wie ich’ sie an den mir vorliegenden Exemplaren wahrgenommen habe. Das bedeutendste Stück war darunter ein Kopf: mit dem Vorderleibe, das: ich: in Anschluss an’ meine frühere Aufzählung (a. a. 0. 8.3.) mit der Nummer 14. bezeichnen: will. Der Kopf des Tbieres misst 4°/, Zoll, doch scheint die äusserste Spitze der Schnauze noch zu fehlen, das Individuum gehörte also zu den grösseren. An seinem ziemlich zerdrückten Schädel: sind die meisten Nähte durch Infiltration eines weissen Gesteins, wahrscheinlich kohlensauren Kalkes, ziemlich gut; zu: erkennen.: In, den: offenen Stellen, z. B. in den Näsenlöchern;, ‚hat: sich stellenweis viel Eisenglanz oder Schwefelkies abgesetzt; aber der grösste Theil der Kuochensubstanz ist’in eine schwarze kohlige Masse umgewandelt, (an: der man durch den’ Verlauf der Streifung die innere Textur recht ‘gut erkennen kann, "Besonders schön sieht: man än einigen entblössten Stellen: des Scheidelabdrucks die‘ streiige superficielle: Seulptur. der. Kopfknochen sehr klar. Vom’ Augenringe sind’ in beiden Augen Stücke‘ erhalten 5; im» rechten Auge liegen 9 Platten; nebeneinander, die beinahe die Hälfte der Augenhöhle: umfassen. f Das Interessanteste am Schädel ist der hintere Theil des’ rechten: Unterkiefers; ‚weil er. vom: Umriss dieses bisher noch nicht deutlich gesehenen Organes| eine ziemlich klare Vorstellung’ giebt. Man. ersieht darin eine dem Unterkiefer von: Trematosäurus völlig ähnliche Gestalt; nur das hinterste Ende, scheint bei Archegosaurus stuhpfer und weniger rückwärts; ausgezogen gewesen: zu sein; doch.ist gerade. diese Stelle nicht völlig vom Gestein befreit und auch nicht: gut weiter: darstellbar. ; Wichtiger. dürfte es sein, dass man an diesem Stücke Gelegenheit hat, die Zusammensetzung des Unterkiefers aus 2: Knochen deut- lich zu erkennen. Der untere Knochen hat seinen Gentralpunkt, von: wo..die Faserungen der: Substanz ausstrahlen, etwas vor der Biegungsstelle nach: oben am unteren-Rände; er nimmt, die: ganze untere Kante und etwä zwei Drittel der Aussenseite des vorhandenen Unterkieferrestes (nach dem: nebenliegenden Oberkopf zu urtheilen nur sehr wenig über: die’ Hälfte) ein und steigt mit einem schmälern: Fortsatz am Hinterrande empor. Ihm gegenüber liegt auf der oberen Kante des Unterkiefers und ebenfalls sie ganz einnehmend,, so weit der Kiefer hier vorhanden, eine: andere: Knochenplatte ‚. deren: Verknöcherungscen- trum) ganz am Hinterende unmittelbar über. der Spitze des unteren Künochenstücks sich‘ befindet und’ die zugleich den deutlich und scharf aufsteigenden: Kamm der hintersten breitesten' Stelle des Kiefers bildet. Offenbar ist der untere Knochen als das os angulare, der obere als das os supraangulare zu deuten; letzterer‘ vielleicht auch als os articulare, wenn man nicht annehmen will, dass: dasselbe, wie beim Kro- kodil, völlig hinter dem supraangulare lag: Denn an die nackten Amphibien, ‚deren Unterkiefer über- hanpt nur aus zwei Knochen besteht: dem vorderen Zahnstück (os .dentale) und hinteren Gelenk- stück (os artieulare),, kann: schon wegen dieser Trennung: der hinteren Hälfte des Unterkiefers von Ar- chegosaurus in mindestens zwei Knochen nicht gedacht werden; ‚es weist eine solche entschieden auf die Eidechsen hin, indem selbst die meisten Schlangen noch jene einmalige Theilung: jedes Unter- kieferbogens in eine vordere und hintere Hälfte beibehalten. Das wäre.also ein neuer Grund gegen die directe Einordnung der Labyrinthodonten unter die nackten Amphibien. Lucene zn ner nissen TI IEreEEr Ein anderer Gegenstand, worüber das fragliche Exemplar einige neue Aufschlüsse giebt, ist der Jange ‚dünne, ‚spatellörmige' Knochen. des Schultergürtels, den ‘ich für das Schlüsselbein genommen 'habe- .(a. 2-0. 8.39 ff). Es bestätigt zuvörderst seine völlig freie Lage mit wohl erhaltener vorderer Spitze, dass. er mit. der ‚seitlichen. ‚Kehlplatte in keiner directen Verbindung stand, denn die liegt hier weit ‚vor Ihm; ‚durch Bergmittel ganz davon getrennt; auch sieht man namentlich‘ an. ‚der rechten Seite die all- mählige Zuspitzung ‚des Knochens ‚so deutlich, dass man kaum’ noch zweifeln kann, er habe isolirt im Fleische ‚der Kehlgegend 'geendet;; aber was hier ganz abweicht von den bisherigen Fällen, das ist seine Lage. An allen früheren ‚Exemplaren convergiren diese Knochen mit ihren ‚Spitzen nach ‚vorn, und ‚gehen 'mit ihren breiten, ‚spatelförmigen, besonders auswärts erweiterten Enden nach hinten auseinander. Diesmal ist es umgekehrt, und. was mich 'besonders Wunder nimmt, ihre Stellung gegen einander ist so völlig symmetrisch geneigt, dass es aussieht , als Jägen sie in der ungestörtesten ursprünglichen Stel- lung. ° Wirklich möchte: man (das annehmen, ‚wenn: man (den ‚Eindruck eines queren «doppeltstempellör- ‚migen ‚Knochens beachtet, der genau dazwischen den beiden ‚Schlüsselbeinen liegt, wo dieselben ihre breiteste Gegend haben, und eine Zeitlang war ich geneigt, diesen auch ziemlich genau symmetrisch ge- bildeten Knochen für ‚das bis jetzt noch unbekannte Brustbein zu halten; allein forigesetzte Betrachtungen überzeugen allmählig den.Beobachter, dass die Gestalt des Knochens doch nicht ganz sym- 'metrisch ist; das ‚eine !Eude erscheint mir kürzer und (dicker ‚als das andere. Auchfindet sich.ein ähn- licher‘ Knochen eine ‚Strecke weiter vor im Gestein, aber in schiefer Lage. Letzterer kann nicht gut etwas ‚anderes sein, als eine’ Rippe, und dafür halte ich auch den scheinbaren queren Verbindungsknochen zwi- schen ‚den Schlüsselbeinen; beide sind wohl durch seitlichen Druck 'aus ihrer Lage mit dem hinteren Ende’ nach innen gedrängt und haben dabei die-Rippen verschoben, so dass eine gerade genau zwischen ihnen zu liegen kam und die weitere Annäherung der beiden Knochen verhinderte. Ich glaube also, dass die früher beobachtete Lage der Schlüsselbeine mit nach vorn :convergirenden Spitzen die normale und richtige ist, und stütze meine Ansicht mit darauf, dass in dem jetzigen Falle von umgekehrter Nei- gung überhaupt die ganze Schultergegend .des Exemplares sehr verschoben ist, wie denn namentlich die mittlere unpaare Kehlplatte ganz auf der linken Seite liegt und das eine sehr deutlich erkennbare Schul- terblatt die hintere Hälfte des linken ‘Schlüsselbeins völlig bedeckt, während vom rechten 'Schulterblatt gar nichts gesehen wird. Auch die beiden, aber nur unvollständig vorhandenen seitlichen Kehlplatten sind ganz aus ihrer Lage gebracht; die rechte iegt umgekehrt mit der Wölbung nach oben über der linken und ist 'einwärts über die mittlere Platte hinweggeschoben. Bei so bedeutenden Verwerfungen kann die Lage einzelner ‚Knochen nicht gut unverändert geblieben sein. — Im Uebrigen finde ‘ich nichts Bemerkenswerthes; die ‘hintere Hälfte der breiten Platte des Zungen- 'beins ragt 'unter dem'Schädel hervor und auf dem Abdruck der Aussenfläche des Unterkiefers sieht man deutlich die keilförmigen ‘Sculpturen der Knochenfläche, welche auch hier strahlig vom 'Verknöcherungs- punkte (des os angalare ausgehen. Besser sind alle Theile bei einem ‚anderen, wenig kleineren Individuum (Nr. 15.) in ihrer Lage er- halten; sein Kopf 'hat genau 4 Zoll 2 Länge, und das ganze Stück etwas mehr als die ‚doppelte Aus- dehnung. Die Schnauzengegend ist von innen sichtbar, sämmtliche Kopfknochen dieser Partie sitzen am Gestein fest und man ‚erhält durch ‚das hineingellossene Bergmittel eine gute Vorstellung vom Verlauf der Nasengänge, der Lage der Choanen und der Stirngegend. Auch (hier tritt. der Unterkiefer, zumal an der linken Seite, in seinen Umrissen ziemlich scharf hervor; selbst das hinterste Ende ist ziemlich vollstän- „mamma nenn nn | A dig abgedrückt und etwas kürzer, als bei Trematosaurus, dessen ganze Form der Kiefer wiederholt. Ich glaube sogar an der Spitze die Basalgruben für zwei grosse Fangzähne unterscheiden zu können. Der Hinterkopf ist sehr verwittert, den Abdruck der Zungenbeinplatte sieht man über die Basis hervorragen. Die 3 Kehlschilder haben ihre Lage gegen einander behauptet, sind aber zusammen etwas nach rechts verschoben. Man sieht hier wieder die Schlüsselbeine in der alten Stellung mit vorwärts convergiren- den Spitzen und bemerkt an dem linken die äusserste Spitze frei und vollständig erhalten auf der Innenseite der Kehlplatte; ein höchst lehrreiches, seltenes und entscheidendes Vorkommen. Schul- terblatt und Oberarm sind verschoben, aber an beiden Seiten zu sehen. Ausser dem Abdruck des Schup- penkleides mit den Resten der Schuppen selbst sind nur noch die Rippen, z. Th. mit ihrer verkohlten Substanz und gut erhaltener Struktur sichtbar; ich zähle 13—15 an jeder Seite, ‘Von den Wirbeln haben sich nur Eindrücke im oberen Abdruck erhalten, No. 16. Die mittlere Kopfgegend eines recht alten grossen Individuums, 3%, Zoll lang, 2?/, Zoll breit am Hinterende, woran ausser dem Abdruck der Spitzen beider Stirnbeine nichts von Bedeutung zu erkennen ist. Das Stück umfasst die Gegend des Kopfes vom vorderen Augenrande bis an den An- fang des Schnauzentheiles und muss einem Individuum angehört haben, dessen ganze Kopfeslänge 8 Zoll übertraf. Es würde darnach das grösste von allen bisher bekannt gewordenen sein. — Wenn vorbemerktes Stück wahrscheinlich dem grössten aller bekannten Archegosauren angehört hat, so ist das nachfolgende (No. 17.) offenbar ein Theil des kleinsten von allen bisher ‘beobachteten Individuen und eben deshalb seine mangelhafte Erhaltung um so mehr zu beklagen. Es besteht‘ aus ‚einem nur in der hinteren Gegend zur Hälfte vorhandenen Schädelabdruck, woran noch die Kehlgegend mit dem Anfange der Wirbelsäule haftet. Am Schädel selbst ist die Scheitelgegend mit:dem Scheitelloch nebst dem hinteren Rande bis zu den Ohrspalten und die rechte Augenhöhle sichtbar; selbst der Unter- kiefer befindet sich noch in ziemlich ungestörter Lage. Daraus sind folgende Maassbestimmungen ermittelt. — Abstand des Scheitellochs vom hinteren: Kopfrande £ ; . 2a Länge der Augenhöhlenöffnung i i f \ ; ? 2°],' Abstand des hinteren Augenwinkels vom Ende des Paukenknochens . 2 Breite des Hinterkopfes zwischen den Ecken der Zitzenbeine . t aa, Länge der mittleren Kehlplatte . - ; 2 . a 43], Länge des (völlig isolirten) Schlüsselbeins . f ; Ä i 4 Breite der hinteren Zungenbeinplatte . : i i ? n aa Alle obigen Maass-Punkte lassen sich mit Genauigkeit feststellen, dagegen ist die Grenze der ein- zelnen Kopfknochen gegen einander nirgends sichtbar. Aber die feinen Zähne sieht man auf beiden Kieferrändern. Hinter den gut erkennbaren vollständigen Kehlplatten bemerkt man beide Schlüsselbeine aus ihrer Lage geschoben und erkennt die Grösse derselben sehr scharf. Ausserdem sind die geringen Abdrücke von fünf Wirbelkörpern mit eben so vielen daneben liegenden Rippen sichtbar und von beiden noch andere Spuren im Gestein aufzufinden. Weniger scharf, aber doch unverkennbar, ist der Ring im Auge erhalten. Schulterblätter und Extremitäten fehlen. Nach obigen Angaben war dies Exemplar etwa um ja kleiner als das frühere kleinste, in meiner Abhandlung Taf. I. Fig. 4. abgebildete, Als Ergänzung Zu dem vorigen kleinen Schädel kann der Abdruck eines Zungenbeins (No. 18.) mit den daneben liegenden Gaumenknochen dienen, der vorwärts mit dem ebenfalls erhaltenen äusseren Rande des grossen Gaumenlochs in Verbindung geblieben ist. Das Zungenbein hat genau den in mei- anne insontaur ana EEE ner ea TI asien u u nen Abbildungen auf Taf. II. dargestellten Umriss, aber es ist an ihm die vordere Verlängerung voll- ständig erhalten, und darum grade dies Exemplar ‚so wichtig. An der hinteren breiteren Platte ist das strahlenförmige Gefüge der Knochensubstanz und dadurch auch die Lage des kleinen Lochs, von wo die Verknöcherung ausgeht, zu erkennen. Neben diesem Loch treten nach links und rechts scharfe Eindrücke auf, welche ich früher nicht bemerkt habe; sie zeigen, dass der Umriss der hinteren Zungen- beinplatte nach vorn breiter. war und hier zwei scharfe Ecken sich befanden; der hintere Rand ist zwei- mal ausgebuchtet und die Fläche jederseits gewölbt, wie ich das früher angegeben habe. Die vordere Spitze hat die doppelte Länge der hinteren Platte, erweitert sich nach vorn etwas lanzettförmig, wird zusehends flacher und ist in meiner Ergänzung (Taf. 1. Fig. 5.) etwas zu kurz geblieben; sie hätte um ’/« länger sein können. Ich finde an dem mir jetzt vorliegenden Zungenbein folgende Verhältnisse: Ganze Länge des Zungenbeins x . . ‘ . y 102/, Länge der Spitze vom Verknöcherungspunkt an . j i ‚ 2,4 Länge der breiten Platte von da an. N ; R ö en Bla! Grösste Breite vor dem geschwungenen Hinterrande . i x nn Grösste Breite am Vorderrande der Endplatte . ; R N Se Ausserdem erhielt ich noch zwei grössere Bruchstücke des Rumpfskelets, an denen sich die Struktur der Knochensubstanz durch Infiltration von Kalkspath in das maschige, sehr poröse ‚Ge- webe der grösseren Knochen, wahrscheinlich von Wirbelkörpern, gut erkennen, weiter aber nichts Bemerkenswerthes wahrnehmen liess. No, 19. gehörte der vorderen Rumpfgegend an, wie die vorhan- denen hinteren Enden der Kehlplattien bewiesen, No. 20. wahrscheinlich der hinteren, weil an diesem Stück die grössten Umrisse infiltrirter Knochen, oder Wirbel, sich zu erkennen gaben. Scharf genug aber sind sie nicht, um darauf Beschreibungen und bildliche Darstellungen zu gründen. — Schliesslich gedenke ich noch einer aufgefundenen Spitze von Arch. latirostris, an welcher jedoch nicht viel mehr, als die Lage der Nasenlöcher nebst dem Umfange und strahligen Gefüge der Nasen- beine, deutlich zu sehen ist. Der noch vorhandene Unterkiefer hat auch den oberen Kieferrand erhalten ; woraus ersichtlich wird, dass die Abrundung desselben nicht so kreisbogenförmig ist, wie sie nach dem früheren Exemplar erschien, vielmehr auch hier die stumpf parabolische Form des Arch. Dechenii, bei nur grürserer Breite der Schnauze, vorhanden war. — Nachtrag aus der Sitzung vom 29sten Juli, Seit meinem Vortrage vor 5 Wochen bin ich aufs Neue mit einer Sendung frisch aufgefundener Archegosaurier- Reste von Hrn. Dr. Jorpan erfreut worden, welche besonders durch die überraschende, bisher noch nicht beobachtete Grösse der Individuen, von denen sie herrühren, werthvoll und anziehend ist, Zuvörderst befindet sich dabei ein sehr grosser Schädel in Substanz und im Abdruck (Nr. 19. a. b), welcher die grubige und furchig-streifige Structur der äusseren Oberfläche des Kopfknochengerüstes sehr schön und klar zur Schau stellt, Es lässt sich dieselbe indessen viel besser aus einer guten Abbildung, als aus einer langen Beschreibung erkennen und da nach mir Herr H. v. Meyer, dessen Talent im Zeich- nen bekannt ist, über diese Archegosaurier sich aussprechen will, so darf man wohl die Hoffnung he- gen, dass er dann auch den schönen Schädel ebenso schön abbilden wird, Ich begnüge mich hier, zu bemerken, dass die Skulptur der Oberfläche dieses grossen Schädels der von Trematosaurus viel ähn- licher sieht, als es nach den Resten der kleineren Schädel zu vermuthen war, namentlich sondert sich Abh, d, Nat. Ges, zu Halle. Ir Band, 2 Quartal. 11 en une nnmenunn more ernannte EEE ERTEER IREEN die Gruppe von Grübchen auf der Mitte jeder Schädeldeckplatte, welche ihrem Ossificationszentrum 'ent- spricht, minder bestimmt von den viel ungleicheren, 'streifig-furchigen, radialen Randsculpturen ab und zeigt. überhaupt einen mehr verworrenen, rundlich buckeligen Typus. Die Dimensionen des Schädels sind folgende: Länge der Augenöffnungen N 2 . 3 ‚ & n h 18:8 Breite derselben in der Mitte . . B ? Ä i : f 8 .2M Abstand des Scheitellochs vom Hinterhauptsrande . h : 2 rg Abstand der äussersten Ecken der Zitzenbeine von einander 3 { Ba. Abstand der äussersten' hintersten Ecke .des Paukenknochens vom hin- teren Augenhöhlenrande . g h r E Y 3 a Breite der Stirn zwischen den Augenhöhlen. . h x ; . 155 Ganze Breite des Schädels zwischen den Paukenknochen etwa *) : 60 Ganze Länge des vorhandenen hinteren Schädelstücks**) . } h ur Muthmassliche ganze Länge des vollständigen Schädels (nach obigen Maassen- berechnet.) £ } 3 Ä } ; ! g8:424 Der bisherige grösste Schädel in Hrn. v. Decnen’s Sammlung, den Gorpruss beschrieben hat, wies auf eine Gesammtlänge von 76‘ hin; das früher 'von mir erwähnte sehr: grosse Bauchstück (Nr. 16.) scheint ebenfalls 8 Zoll Gesammtlänge zu ergeben. Darüber gehen die bis jetzt aufgefundenen Reste also nicht hinaus, Nimmt man die Länge des Kopfes zur Länge ‚des Körpers, nach dem Typus der Krokodile, auf ein Fünftel (cf. Archegos. S. 68) an, so erreichten die grössten bekannten Archego- sauren zwischen 3—4 Fuss Länge, An dem betrachteten grossen Schädel ist übrigens, ausser der Scheitelfläche, noch ein kleines Stück der hinteren Gaumengegend sichtbar, welches fast genau ebenso weit erhalten ist, wie an dem zuerst von Gorpruss abgebildeten v. Decuen’schen Exemplar. Man sieht den Theil des Gaumengerüstes, wel- cher sich zwischen dem grossen Gaumenloch der rechten Seite und .dem dreikantigen Eingange in die oben überwölbte Schläfengrube befindet, d.h. das eigentliche Gaumenbein (os palatinum). Es ist eine verschoben rautenförmige, nach unten gewölbte, nach oben hohle Platte mit geschwungenen Rändern, deren längste, vorderste Ecke sich an den Oberkieferknochen von innen her anlehnt, während die entgegengesetzte hintere und die ihr nahe gelegene innere mit dem ganzen Rande zwischen Beiden zur Gehirnkapsel sich empor biegt und hier an dieselbe sich anfügt. Diese aber fehlt sowohl hier, als auch bei v. Decnen’s Exemplar, und das bestimmt mich, ihre Substanz für weicher, knorpeliger zu hal- ten, nach der Analogie mancher Fische und. nackten Amphibien. Besonders nähert sich der Bau des Hechtes diesem Verhalten, Man sieht an dem mir vorliegenden Handstück nur den Abdruck einer sehr zarten dünnen Wand, welche vom Aussenrande der Ohrspalte neben dem Zitzenbein zum Innen- rande des Gaumenbeines hinabstieg und offenbar ein Theil der Gehirnkapsel oder des Schläfenbeines gewesen ist. — Die anderen Stücke sind Theile eines sehr grossen Rumpfes und scheinen mehreren ausgewachse- a — *) Da die rechte hintere Ecke des Schädels fehlt, so ist dieser Abstand nach der voliständigen hinteren Hälfte bestimmt. **) Der Bruch, welcher den vorhandenen Theil des Schädels vorn begrenzt, liegt dieht vor dem Anfange der Stirnbeine und trennt noch einen kleinen Theil der Nasenbeine von der verlorenen Schnauze mit ab; es sind also nicht völlig, aber bei- nahe, zwei Drittel der ganzen Schädellänge vorhanden, Fe nen Individuen angehört zu haben, welche in Grösse recht gut zu dem eben besprochenen grossen Kopfe passen würden. Sie zeigen Wirbel, Rippen und Schulterknochen, an denen namentlich die innere gross- maschige Knochenstructur sehr deutlich erkannt werden kann. Bemerkenswerthe neue Aufschlüsse über die Organisation des Thieres gewähren sie nicht. — Das erste Stück (No. 20, a. b) ist etwa 41/, Zoll lang und gehört der vorderen Rumpfgegend an, wie beide sehr deutliche Oberarmknochen und die Spuren der Schulterblätter zeigen; jene messen 23’ in der Länge; die Zahl der Wirbel dieses Stücks scheint 8—9 gewesen zu sein, die Rippen sind ziem- lich klein, 10—11'' lang; die Schulterblätter undeutlich. Ein anderes Stück (Nr. 21. a. b.) von 4 Zoll Länge scheint der mittleren Rumpfgegend anzugehören, was ich aus der Grösse der Rippen abnehme; man bemerkt fünf ziemlich vollständige Abdrücke dersel- ben von 20—21' Länge, mit z. Th. wohlerhaltener Knochenstructur, Die daneben liegenden Wirbel und Spuren von den Rippen der anderen Seite sind sehr unklar. Das dritte Stück (Nr. 22. a..b.) zeigt besonders klare Reste des Schuppenkleides von der Innen- seite, mehrere Wirbelkörper, worunter einer am Rande von der Aussenseite gesehen wird, der 6° lang, 6 am schmälsten, 9” am breitesten Ende breit ist, und etwa 5 dünne, schlanke, über 15‘ lange Rippen, weiter aber keine deutlich erkennbaren Körpertheile. — Herr Dr. von Barrensprung hatte ein Kalb, welches die seltene Missbildung angeborener Ichthyosis zeigt, ausstopfen und zur Ansicht aufstellen lassen und theilte die durch mikroskopische Untersuchung der Schilder, Haare und Haut gewonnenen Resultate mit, welche die Uebereinstimmung dieser mit der bei Menschen beobachteten Krankheit erwiesen. Herr Prof. Kranumer legte der Gesellschaft einen Kaninchenfötus vor, welcher eine Extrauterinalschwan- gerschaft gebildet hatte. Derselbe war bei einem physiologischen Experimente, welches an einem träch- tigen Kaninchen vorgenommen wurde und das Verhalten des lebenden Fötus im Uterus und in den Ei- häuten mit Rücksicht auf die Respiration zu demonstriren bestimmt war, neben dem Uterus aus der Bauchhöhle ausgetreten. Der Fötus war noch in seinen Eihäuten eingeschlossen. An letzteren bemerkte man die ganz verödete und zusammengeschrumpfte Plazenta. Die Eihäute enthielten kein Wasser, son- dern lagen fest ‘auf den zusammengeknickten und zusammengedrückten Fötus auf. Der letztere hatte die völlige Reife erlangt und seine Haut namentlich zeigte sich reichlich mit dunklem langen Haar besetzt, während die fünf im Uterus befindlichen die gegenwärtige Schwangerschaft bildenden Früchte noch unbe- haart waren. Trotz der genauesten Untersuchung der Unterleibshöhle liess sich die Stelle nicht erken- ven, wo der Fötus früher angeheftet gewesen war und seine Entwickelung erhalten hatte, Da aber weder Ovarien noch Tuben eine ungewöhnliche Veränderung ihrer Grösse und Gestalt zeigten und in beiden Hörnern des Uterus nur fünf, von der gegenwärtigen Schwangerschaft abhängige erweiterte Stel- len vorhanden waren, so scheint es unzweifelhaft, dass das Ei an irgend einer Stelle des serosen Ueber- zuges der Unterleibsorgane angeheftet gewesen sein muss. Der Fall würde mithin gegen die von Max. Mayer und Ta. L. W. Biscnorr neuerdings aufgestellte Behauptung, dass jede Extrauterinalschwangerschaft eine Tuberschwangerschaft sei, dagegen für die von G. Beuse in seiner Inauguraldissertion unter Reı- cnerr’s Auktorität vertheidigten Ansicht sprechen, dass auch das Peritonäum geeignet sei, zur Ernährung des Eies geschickte Gefässe zu entwickeln. Pe REEEEE Nachträge zu dem i im ersten Hefte dieser Abhandlungen veröffentlichten Verzeichnisse der Mitglieder. Der Gesellschaft neu hinzugetreten sind; Fr. Chr. H. Creplin, M. Dr. u. Custos d. zoolog, Museums zu Greifs- wald, d. 26. Febr. Ed. Liersch, Kaufmann zu Halle, den 12. März. G. Hartlaub, M. Dr. zu Bremen, Thilo Irmisch, Oberlehrer zu Sondershausen, L. Vogel, M. Dr. u. Rittergutsbesitzer auf Benken- dorf und Dölitz, Es sind verstorben: Bischoff Edler von Altenstern zu Wien, den 11. Juni, Jos. Jul. Czermak zu Wien. Florent. Cunier zu Brüssel, E. Fr. Germar zu Halle + den 8. Juli. Leopold Gmelin zu Heidelberg F d. 13. April, K. Fr, W. Meissner zu Halle ’F d. 30. April. Placido Portal zu Palermo, Prof. Scholz zu Wien. C. Fr. Schwägrichen zu Leipzig + d. 21. Mai. Wirer von KRettenbach zu Wien. Berichtigungen Herr Ag. Andreae ist Geh. M.R, zu Magdeburg. „ Andr. Baumgartner ist K.K. Handels- und Finanzminister zu Wien. E. Blasius ist Geh, Med. R. zu Halle, Ami Boue lebt zu Wien. Bernh, Brach ist K. Physicus zu Lennep, Andr. v. Eltinghausen ist K.K. Reg. R. u, Direct, d, physik, Inst. zu Wien, Ferd. Hessier ist Prof, d, Phys. a. K. K, polytech, Instit, z. Wien, »» Kopp 1. für Kapp, Halle, d. 21. Juli 1853. Herr C. Fr. Theod. Krause ist Ob. Md. R, zu Hannover, » Freiherr Karl Reichenbach lebtzu Schloss Reifenberg bei Wien, » A. E. Reuss ist Prof. d. Mineralog. zu Prag. 3» Ad, Leop. Richter ist Gen.- Arzt zu Coblenz. „ Riecken 1. für Riecke. „ Anton Schrötter ist Dr. u. Prof. d. Chem, am K.K, poly- techn. Inst. zu Wien. K, L. Siegmund ist Prof. u, Primar-Chirurg zu Wien, Jos. Freiherr von Wattmann statt J, Edler von W, G. Weitenweber ist beständ, Sekretair d. K. böhm, G.d. W, zu Prag, Frz. Xav. Zippe ist Prof, der Mineralog, zu Wien; L. Hrahmer, d. Z. Schrififührer d. N. G. z.H D mr r x - FR NE - - KU | T ve 17 er T T * N 1 i Eu Du Ener I 1 T ı 1 IT r z 1 | 4 R Sj T r j if pri Sn . Hl | | | m : SR | I: R ei Ba | T | & Li ie | | | $ | | Ss ' + SEEFEEH 2 izle] is BREI BI I ER RR 3 ü | SER Sin! | abe N + ie - | | N 1 S .s Sn Ü ( & E N e = | y $ S 3 | S | N N \ N i t Eu N f ! 1 EN R \ | | s at ARE Sx \ | S © l 2 [1 Inn | ) | ws I 1 1 j & - = r Bere I - | EN 5 FR = 1 - H S | Be Ele N | N | \ ae, N 1 Sage R : A gr SEUNERE: | Ss T ( r ER l ) x - | ( R \ = I 5 N N Q ” S = Sf R. SS . NS RSS N “ Pi S = S NS d N Hl Sn | x | 1 a REN | Bi = SS | N DS r hr 1a ” irn s en R EmE N ER a SS } l T N - + Ä x S ‚BER J ji Ss ai ae S N | j \ len Ss 1 N EN r t en Sn j IENRE| T EN T T - 4 a N ‘ S | u u wu IN N N Seizlel \ N S | N s T len RN I ER: NL | i Sn | | | Ar | RS Ss I ala en T i A RER Be: a Bi [ | N ' \. i ST "N } Zt el IN N 2 N N | Fi unge RS j 7 S | | 1] alas | öR [eis]: N si | | ; Fr | u | ze IRDEME i | 1 | | ö- SAH | - Ss All | | ] re 5 S or S 8 N BR | | RE 5 N [I ii DT z N N 141 N Q 54 we T r— S s | B $ 1 ESIZI2IE | N SMENBHBERR? ISHEESEFE | SER i E u “ Ne 3 = v Be Fi = j ai : 1 NK ei] N ZU AH v i i 7 x a 1 ST = 2 4 A x } - am ö S — 1 N j N > & 8 > e Ss | < i Den } ee. an \ x none EHEN = l N N | : S 5 Se ee 2 m a a a a a ka ee AN a Me 1 1 u er Mn ae nn 1 1 U U U U U En EEE EEE SZ ZZ EEE EEENEZEEUNE ERBBEBEREERF ERBBEBERP DERRUREEBER IBEmE S 1 HN) ER | x ars, weiaeiils® "allem BEN In Eibie gi A —h- eiEag [1 R DEE E ® l ® FEN Ye IE > Kan Ber a ern N ae SE m (B5 Br € = Be E | NE - BEun" 8 | h u) 3: nu | Na x = x P N N | N il 7 ii SH Bu un XIII SEH-HEHEF HN a gRaman T EuRF EMI S = a elek oe] Fire ! 1 N \ Ri | | Bir | See SifEEEH ı ' N | ı s ee N \ N H 7 BR a N Se 6 Ein N ws | 5 N . x | 71 | 5 > | il); ıE ] 2 N EN ! E71 P= 2 TEE ER “ S | | N en Er \ S | | RER u | h | # I RBSr ER r SR | Se» \ N 53 | 7 + & = Ss | N i N T I T = N I N Ice leer Br RN x gun ! Ss IT 1 4 | Wa T | | S i nes ) ’ 1 sH -)- IT ! he l ea Sl | m | x | 1 Sl | a | x si ll Zip | Dr r N, DRM Bil l | S«IIH [| T — N Sala zw = Delete ) SI III 1 SA j 71 i d PR T | i i t ; = Ua RER! | A | f S _ 4 AnERN 114 \ Bann N Emmi 4 hr ER 4 _ 4-47 ai 4 ++ 14 | v N 13 ] N ER j | 1 N S Res | | I A; n 1 At LTE SSILtrr | rn DD +4 h sth T N ; ; II. Besonderes über einige Arten. 1. Das Vaterland betreffend. Die Bemerkungen über das Vaterland ‘der einzelnen ‘Arten beziehen sich zunächst auf unsere beiden ältesten Gartenspecies, um deren Verbreitungsbezirke anschaulich zu ‚machen, indem von der einen (derselben, A. flava, sich der grösseren Verwandtschaft wegen am besten übergehen lässt zu zwei allerdings einander sehr nahe stehenden Formen, welche wir in dem bot. Garten als H. graminea und graminifolia kultiviren. Dann muss die bei -Kuntu nieht "erwähnte H. Dumortieri von Morrkn erörtert werden und wir glauben sie ‘in veiner angeblich neuen Art zu finden, welche wir aus dem Handelsgarten der Gebr. Booru in Ham- burg vor Jahren erhielten und seitdem kultiviren und beobachteten. Die H. disticha.Donn,, | | BE SO eine Culturpflanze der Japanesen, welche dort mit gefüllten Blumen und scheckigen Blättern gezogen wird, was bei keiner der andern, trotz ihrer langjährigen Kultur (angeblich seit dem Ende des 16ten Jahrhunderts) der Fall zu sein scheint, haben wir nicht gesehen und nicht einmal aus Abbildungen kennen gelernt, da wir von der betreffenden Literatur nur Tnungerg, Känprer, Don und Römer und Scaurtes’ System besitzen. Die beiden ersten geben Japan als Vaterland an, Swerr nach Kuxrn auch China, und Dox nach Waruicn noch Gossainthan in Nepal. Dies giebt einen Verbreitungsbezirk von 50 Längengraden mindestens, wenn die Pflanze nicht in einigen Gegenden blosse Culturpflanze ist. Die übrigen Arten dieser Gattung sind erst allmählig von einander geschieden worden, Liss& nämlich vereinigte anfangs als zwei Varietäten derselben Art die beiden weit verbreiteten Gartenpflanzen, welche er dann in der 2. Ausgabe der Species plantarum als H. flava und fulva trennte. Seit jener Zeit haben sich nun andere Arten in den Gärten eingefunden, deren Vaterland auch nach dem östlichen Asien verlegt wird, während von den beiden alten Gartenspecies, welche schon Doponarus als fremde in die belgischen Gärten eingeführte Pflanzen 1583 aulführt, die eine nicht so weit sich erstreckt, die andere von dort bis zu uns hinüber- reicht, wie dies ‘aus der Darstellung ihrer Verbreitungsbezirke sich ergeben wird. Hemerocallıs fulva finden wir zuerst von Besser (Enumer. 1822. 8. 15) als ın Volhynien wachsend angegeben, wo sie von ANDRZEIOWSKI gefunden ward, ‘aber ‚ohne nähere Angabe der Oertlichkeit. Ebensowenig genügend ist Eıcnwaun’s Angabe in seiner Skizze, die noch Podolien zu Volhynien hinzusetzt, doch spricht er sich nirgend darüber aus, ab er, wie es scheint, Podolien bis zum schwarzen Meere rechnet, die Provinz’Cherson mit begreifend, ‘oder nur die Provinz Podolien. “Die nördliche Grenze würde also ungefähr der 52° :N. Br. ‚sein. Südlicher tritt sie erst ‘wieder jenseits des Caucasus, nach Norpmann’s in der Flora ‚Rossica ‘gegebenem ‘Zeugnisse, überall auf, wie denn auch ’Honenacker und C. A. Mexer sie „in nemorosis“ der Provinzen ’Karabagh ‘und 'Taliisch gefunden ‘haben, so dass sich hier ihre ‚südliche ‘Grenze ‘bis an ‚das Ende des ‚Kaspischen Meeres, ‘ungefähr bis zum 38° N. B. :vor- ‚schiebt. Weiterhin in den an der 'Seeküste des schwarzen ‘Meeres belegenen ‘Landstrichen scheint 'sie zu fehlen, da C.’Kocn sie in seinen ‘Beiträgen zur Flora des Orients nicht 'er- wähnt «und ‚auch Griseracn in der Flora von ‚Rumelien und Bithynien 'sie nicht aufgezeichnet ‚bat. "Weiter nach Wosten giebt Baumcanmen (Enum. 1. 303) 'sie’für Siebenbürgen, theils in pomarus montosis 'bei’Segesvär, so wie bei Sehleifengraben und Kaltenberg an, theils.in ne- moribus bei N. Bunn, nämlich gegen das Lusthäuschen hier. Standorte, die es zweifelhaft machen, ob ‚hier nicht von einer verwilderten Kulturpflanze die Rede sei, worauf wir:um So mehr geführt werden, weil Hosr (Fl. Austr. 1. 444), indem er diese fulva auch erwähnt, doch meint, dass die in Unterösterreich bei Dornau am Flusse Triesting und an der Leitha in Wäldern gefundene Pflanze nur ein Ueberbleibsel alter Parkanlagen, ‚also keine ursprüng- ie Di. liche Pflanze jener Gegenden sei. In Oberitalien zeigt sich H. fulva häufig. 1'/ Miglien von der Mündung der Brenta ins adriatische Meer und an Grabenrändern von Mestre und Cherignano (Naccarı Fl. Ven. II. 112), ferner giebt sie Berrovoni (Fl. Ital. IV. 135) bei Nosedole in der Gegend von Mantua an, und im Walde agli Arienti bei Bologna. Pozumı aber (Fl. Veron. 1. 438) fand sie in Gräben und an feuchten Stellen bei dem Flecken l’Albero, in Gräben bei Mailand, besonders vor der Porta Romana und führt Morerrt als Gewährsmann für die Fund- orte in der Vicentiner Provinz und bei Forojulio an. Endlich finden wir unsere Pflanze noch von Comorzı (Fl. Com. II. 256) bei Como und Lugano wachsend angegeben. In dem benach- barten Tyrol scheint sie nach den vielen von Hausmann (Fl. v. Tirol. p. 888) angeführten Fund- orten auch an Stellen’ häufig zu sein, welche neben Gewässern liegen, aber hier ist sie (wie vielleicht auch anderwärts) häufig übersehen, da sie, ehe sie zur Blüthe kommt, an den meisten Orten mit abgemäht wird. "Weiter in der Schweiz wächst sie im Rhonethal fast bis zum Aus- gange desselben in den Genfersee, von Riddes bis Aigle, auf Wiesen, die zum Theil nicht mehr im Thale liegen und dann im Canton Zürich bei Winterthur am Bache Eulach, bei Riffersch- wyl häufig am: Flüsschen Jonen ‘und am östlichen Ufer des untern Züricher See’s (Gaupin’s Fl. Helv. II. 538). Eine weitere Verbreitung muss ‚aber H. fulva in Frankreich. geniessen, wenn die‘ Angaben Murer’s (Fl. france. Il. 314) ihre Richtigkeit haben; sie wächst hier bald an den Ufern der Gewässer, bald auf den Trümmern der Kalkfelsen, bald bei den Ruinen von Schlössern '), bald nahe den Wohnungen der Menschen, so dass sie offenbar an manchem der Fund- orte, was auch zum Theil gesagt wird”), im verwilderten ‘Zustande ist. Vom Elsass bis nach den Pyrenäen liegen die Fundorte zerstreut, jedoch mehr in der südlichen und mittlern Region bis zu den Küsten des atlantischen Meeres. Hiermit schliesst sich ihr Verbreitungsbezirk,, so dass sich H. fulva, freilich mit mancherlei Unterbrechungen, über einen Gürtel erstreckt, der zwi- schen dem 50—37° N. Br. in einer Längenausdehnung von ungefähr 50 Graden sich ausbreitet. Ihre liebsten Standorte sind feuchte in der Nähe des Wassers liegende Oertlichkeiten, daher ist es sehr natürlich, wenn ein Correspondent des Gardener Chron. (1851 n. 32) sie, als eine Sumpf- pflanze gezogen, schön gedeihen sah... Aber sie nimmt auch mit ziemlich troeknem Boden fürlieb, pflegt aber auf einem solchen keine Frucht anzusetzen, so dass mir bis jetzt noch keine zu Gesicht gekommen ist. Diese geringe Fruchtbildung, welche auch im Bot. Mag. bei der Abbildung dieser Pflanze Tab. 64 erwähnt wird, mag aber auch in der starken Entwickelung ihrer Wur- zeln und Vermehrung zu suchen sein, da man auch an vielen anderen Pflanzen etwas Aehn- liches beobachten kann. Auch nach Nordamerika ist diese Art übergesiedelt und dort verwildert, wie NurtaLL 1) s. Kırscnueser Prodr. d. I. Flore d’Alsace. p. 174. 2) z.B. naturalise a la garenne de St. Amans (St, Amans flor, Agenaise p. 138). u (Gen. I. p. 219) erzählt, der sie auf feuchten Wiesen um Philadelphia und an den Ufern des Schuylkill fand, sie aber mit Absicht erwähnt, um ihre ‚weitere Verbreitung verfolgen zu können, da sie schon damals (1818) als eine ursprünglich wild wachsende erscheinen konnte. Wenn wir endlich die auch von Kunrn wiederholte Angabe Linx#’s, H. fulva wachse in China, bisher unberücksichtigt gelassen haben, so geschahe dies, weil sie uns zu wenig be- gründet erschien. ‚Leider können wir nicht alle Citate in Baumın’s Pinax, welchen Lin& allein mit der kurzen Erwähnung dieser bekannten ‚Pflanze bei Gruss eitirt ‚nachschlagen, um zu erfahren, ob irgend ein Schriftsteller etwa äussert, die Pflanze sei chinesischen Ursprungs; mög- lich dass Linxt nur nach Aussage der Gärtner oder durch Ansicht chinesischer Abbildungen ') auf dieses Vaterland gekommen ist. Später schien sich die Wahrheit der Liwx#’ischen Angaben durch Tuusgere und Louremo bestätigen zu wollen, welche beide in ihren Floren H. fulva aufführen, aber es war eine andere Art, die H. disticha oder auch vielleicht einige andere Ar- ten, welche diese Botaniker vor sich hatten und sie für die bekannte europäische Garten- pflanze ansahen. Hemerocallis flava. Wenn diese Art früher mit H. fulva vereint werden konnte, so musste es noch viel leichter werden H. graminea mit ihr zu vereinigen und zu verwechseln, besonders durch Reisende, denen die bei flüchtiger Ansicht wenig hervorstechenden Charactere nicht in die Augen fallen konnten und die daher Aehnliches leicht für Gleiches halten mussten. Dies scheint denn auch in der That bei den Reisenden, welche die östlichen Theile Sibiriens besuchten, der Fall gewesen zu sein. Leperour citirt daher einen Theil der Stellen in den Reiseberichten, in welchen H. flava angeführt steht, zu dieser ‚ einen andern Theil, freilich mit einem Fragezeichen, zu H. graminea, für welche er nur eine sichere Angabe ihres Vorkommens durch eine Sammlung getrockneter Pflanzen von Frıscn hatte. Giebt es aber noch eine andere der H. graminea sehr ähnliche Form, so kann auch diese noch an den Fundorten ihren An- theil haben und die Ungewissheit mehrt sich dadurch. “Wir wollen zunächst. die Angaben, welche wir über Il. flava fanden, zusammenstellen, es wird sich dann der ganze Verbreitungs- bezirk ergeben, von dem ein Theil, nämlich der östliche, wahrscheinlich ‘der H. graminea an- gehört. Den Russischen Floristen muss es überlassen bleiben die Sache aufzuklären. Gueum (Fl. Sib.) sagt von H. flava, sie wachse im Osten des Obi-Flusses bis an das Ochotzkische Meer sehr häufig in campis, d. h. wohl in gras- und krautbedeckten Ebenen. Die- ser schon sehr bedeutende Verbreitungsbezirk wird von GEorcı noch umfangreicher angegeben: „Taurien, Sibirien, vom Irtysch zum Ob ‚ Jenisei, zur Lena bis Ochotzk, auch in Davurien.“ ) Die von Chinesen angefertigten Abbildungen von Pflanzen, welche nach Europa kommen, zeigen nur eine geringe An- zahl theils leicht erkennbarer bekannter, theils unbekannter Gartenpflanzen, von denen wohl einige noch verdienten eingeführt zu werden, vielleicht auch jetzt schon in England zu finden sind, Ahh, d. Nat. Ges, zu Halle. Ir Band, 35 Quartal, b)} — m —_ Dies giebt eine Verbreitung über etwas mehr als 100 Längengrade in einem Breitengürtel von etwa dem 45° N. Br. bis gegen den 58°, ohne dass jedoch diese Strecke in ihrer ganzen Breite von unserer Pflanze erfüllt wäre, da sie von Westen an nach dem Osten hin allmählig in grösserer Menge auftretend, auch mehr nach Norden sich erstreckt. Die Angaben von Fark beziehen sich nur auf die Gegenden an dem Obi; die von Patzas theils auf das Altaische Gebirge am Ob und Irtysch bis nach Tomsk hin (in Birkenwäldern mit üppigem Graswuchs, heisst es einmal), theils auf das Davurische Gebirgsland (bis an die chinesische Grenze, auf mit Gesträuch bedeck- ter Steppe und im Fichtenwalde) und dieser letzte Fundort ist es, welchen Lepesour fraglich auf die H. graminea bezieht, die hier also nach Osten statt der H. flava auftreten würde, wie hier manche andere ähnliche Art eine westlich weit herrschende ablöst. In den Waldgegenden des -Altai fand aber Lepesour selten diese Il. flava, die auch nach Birpersrein im Caucasus eine rarior civis, nür bei dem Sauerbrunnen Nartsana angeführt wird, aber auch noch in dem benachbarten alten nordarmenischen Königreiche Iberien nach demselben Schriftsteller gefunden ist. Weiter nach Westen ist sie in Siebenbürgen nach BaumcAarren’s Zeugniss in den Gärten selbst der Bauern häufig und in den dieselben begrenzenden Hecken, aber auch auf hohen Gebirgswiesen, Grasplätzen und an den Rändern der Haine kommt hier die Pflanze an manchen Orten vor. Aus Ungarn dagegen kennen wir nur den einzigen von Cuusıus angegebenen Fund- ort: — illam aulem maximä in copid nascentem in multis uliginosis pralis non procul ab oppido Nemethwywar *) ill. herois Balthasaris de Batihyan p. m. arce qui occidentem spectal“ —, wo der eifrige Pflanzenforscher zwei Jahre hintereinander (1579 und 1580) dies schöne Lilien- gewächs fand, das bis dahin in Oesterreich noch nicht gefunden war und den Besitzer des Schlosses, der verwundert war auf seinem Gebiete eine so schöne und wohlriechende Blume zu besitzen, veranlasste, mehrere Stöcke derselben ausgraben und in seinen Garten setzen zu lassen ?). Crosius giebt ferner den ungarischen Namen dieser Art an und auch den croatischen, indem er noch bemerkt, man habe ihn versichert, sie komme in Croatien auch mit weisser Blume vor. Wenn wir dies auch als: einen Irrthum betrachten und glauben möchten, dass Gzuckia Liliastrum gemeint sei, so lässt dochder eroatische Name auf ein Vorkommen in Groatien schliessen. In der That wird dies Vorkommen durch Host bestätigt, der in der Flora Austrica Istrien (näm- lich bei Cepichi in uliginosis, wie uns PorLinı sagt) aufführt und Kärnthen in uliginosis palu- stribus, auch in Krain (in sylvis Idriensibus nach Scorot1), so wie durch Berrovons, dem Bia- sorerro von Montfalcone (ex pratis paludocis) und Feriancichio aus Kärnthen Exemplare zu- sandte. Dass dieser italische Florist keine anderen Fundorte 'angiebt, kann nur darin seinen. Grund haben, dass er von andern Orten keine Specimina erhielt. Wir wollen ihn aus PorLinı 1) Auch Nemet-Ujvar oder Güssing in der Eisenburger Gespannschaft südlich von Wien, 2) Nach Sweet wurde diese Art im J. 1596 in die englischen Gärten eingeführt, —— Mi == ergänzen, der selbst in der Nähe von Verona bei Montorio (in aggeribus fossarum) so wie Sesvier bei dem Dorfe Isola della Scala die H. flava fand, welche im Vicentinischen von Marzarı, an schattigen Stellen des Thales d’Ossola bei Novara, von Bırouı, in feuchten Wäl- dern zwischen Bra und Cherasco (südlich von Turin) und um La Trapola von Arzonı ge- funden ward; Nördlich von diesen italienischen und piemontesischen Fundorten wird sie ganz vereinzelt und als verdächtiger Flüchtling angegeben bei München, wo sie Zuccarını entdeckt und später auch Hausmann wieder gefunden hatte; bei Bregenz, wo ihr Finder Sauter schon selbst ihre Ursprünglichkeit bezweifelt. Sicherer ist sie aber in dem untern Theile von Wallis, welcher sich Piemont sehr nahe anschliesst, an mehreren Stellen wild, sonst aber nicht in der Schweiz gefunden. Weiter nach Westen wird ihr Vorkommen ganz zweifelhaft ; Mümpelgard (Wetzlar) und die Bergwälder der Provence (Loiseleur) sind die einzigen zum Theil schon mit Fragezeichen versehenen Fundorte in der Flore francaise von MureL und wir sind somit hier wohl am Ende ihres ganzen Verbreitungsbezirks, der von Osten nach Westen gegen 100 Breitengrade und wenn die Angabe, dass sie bis Ochotzk gefunden sei, richtig wäre, bald 150 Breitengrade umfasst und einen schmalen Gürtel bildet, der in’ Asien jenseit des 50sten, in Europa aber jenseit des 40sten Grades nördlicher Breite liegt. | H. graminea Anoe. Seit 1759 in die Gärten Englands eingeführt, wird ihr Sibirien als Vaterland zugeschrieben, ohne dass, wie uns Leverour’s Flora Rossica zeigt, die einzelnen Gegenden dieses weiten Landstriches, in denen sie wild wächst, bekannt wären. ‘Früher nur für eine Varietät von H. flava angesehen, hatte sie die Aufmerksamkeit‘ von ParLas nicht auf ‚sich gezogen, der bei den vielen Angaben von Fundorten der H. flava nirgend erwähnt, ob er die Hauptart oder die Varietät gesehen habe. Nach Mirzer, der sie H. minor nennt, liebt sie etwas schattige und feuchte Orte, was wir nach ihrem Verhalten im botanischen Garten zu Halle kaum für richtig halten können, da sie auf ihrem sonnigen und trocknen Standorte nebst den übrigen Arten der Gattung alljährlich blüht, auch wohl Frucht trägt, die Winter auch sehr gut ohne allen Schutz aushält, was selbst bei einheimischen Pflanzen, wenn sie den ihnen zusagenden Standort nicht haben, nicht immer der Fall ist. -Kuxrn spricht noch in einer Note?) über ein von Fıscner aus Davurien erhaltenes Exemplar und diese beiläufig gegebene Nachricht würde von Wichtigkeit sein, wenn nicht der Umstand, dass es eine der H. graminea sehr nahe stehende Form giebt, es zweifelhaft liesse, welcher das davurische Exemplar angehöre. Von den beiden noch übrigen Arten ist H. Dümortierii Morken nach dessen Angabe in Japan zu Hause, von wo sie durch Hrn. v. Sınzono eingeführt ward und 'zuerst im J. 1832 im Garten zu Gent blühte. Die andere, welche der hotanische Garten zu Halle einst als H. gramimifolia aus einem Handelsgarten erhalten hat, ist ihrem Ursprunge nach ganz unbe- !) Enum. plant, IV. p. 588 in einer Note zu H, graminea. Q* un Wi -e kannt. Endlich figurirt noch eine H. rutilans V. Hourte in Heynnoro’s Nomenclator, eine nur dem Namen nach bekannte Form. 2. Die botanischen Kennzeichen betreffend. Es ist nicht die Absicht, hier ausführliche Beschreibungen zu geben, sondern es wird ge- nügen mehr vergleichend auf die Aehnlichkeiten und Verschiedenheiten einzugehen, welche die einzelnen Formen verbinden und trennen. H. disticha.: Die mir zu Gebote stehenden Hülfsmittel sagen wenig über diese Pflanze, welche nach Swerr !) schon. 1798 aus China in die englischen Gärten gebracht ist. Dieser Schriftsteller, welcher sie auch in seinem Brit. Flower Garden abbilden liess, nennt die Pflanze die fächerförmige Hemerocallis, was wohl in Bezug auf die Stellung der Blätter und Blüthen steht und nennt die Blumenfarbe, wie bei H. fulva, kupferfarbig. ‘Da sie auch als eine harte Landpflanze angegeben ist, so ist es merkwürdig, dass sie so wenig Beachtung gefunden hat, denn sie scheint in den Gärten und im Handel nicht mehr vorzukommen. ‚Don’s Diagnose, welche wiederholt abgeschrieben wurde, bezeichnet die Blätter der nepalesischen Pflanze als linealisch, gekielt, am Rande knorpelig und scharf, die Blumen als ährenförmig gestellt und alle Perigonialtheile. mit netzadrig verbundenen Adern. Die Blumen ‚seien gelb, in Grösse und Ansehen denen der H. flava nahe stehend. Er citirt-nur eine beiläufige Erwähnung der Pflanze im Botanical Magazine. Tuunsers hatte die japanesiscke Pflanze, welche hier und dort, .be- sonders aber cultivirt, von ihm gesehen war, für Linne’s H, fulva gehalten, er sagt: daher nichts weiter über dieselbe, als dass sie mit einfacher und doppelter Blume variire,. so wie mit einfarbigen (unilocularibus ist wohl gewiss ein Druckfehler) und weiss gezeichneten Blättern (ob wie bei Phalaris arundinacea?). Wenn Käurrer’s Citat wirklich hierher gehört, so bringt die kurze Phrase: „Iris hortensis latifoha flore pleno magno coloris ignei“ nur noch mehr Wahr- scheinlichkeit in die Vermuthung,, dass die kupfer- oder feuerrothe japanesische Art von der nepalesischen gelben verschieden sein könnte. Aber noch muss hier die H. fulva von Lourzio (Fl. Cochinch. p. 254), welche von Kuntu ganz übergangen ist, besprochen werden. Sie ist eine Culturpflanze Cochinchina’s und China’s, hat einen ganz einfachen aufrechten kahlen 4 F. hohen Stengel, eine büschelige Wurzel mit pfriemförmigen Zwiebeln (bulbis, wohl als Wurzeln zu bezeichnen). Die Blätter sind pfriem- lich, lang, gerinnt, kahl und zurückgebogen. Die Blume: ist gross, gelbroth, in endständiger, wenigblumiger 'Rispe. Der-Kelch fehlt, die Blumenkrone ist trichterig, unterständig, mit .cy- lindrischer sehr langer Röhre und weitem, 6theiligem, offen stehendem Saume. Die 6 Staubge- fässe sind so lang als die Krone, herabgebogen. Die Kapsel ist 3eckig, 3fächrig, vielsamig. #) Hort, Brit, p. 156. Sie variirt mit gefüllter Blume, welche 10 Zipfel hat und eine unbestimmte Zahl von Staub- gefässen, sonst in Frucht und Färbung ähnlich. Die frischen und getrockneten Blumen wer- den mit Fleisch gesotten von den Eingebornen gern genossen. Ist dies Kimprer’s und Tuun- BERG’s Pflanze oder eme andere? Dass es eine Hemerocallis sei, können wir nicht bezweifeln. Bemerk. Wahrscheinlich findet sich diese chinesisch - japanesische Zierpflanze auch in den Abbildungen wieder, welche aus China nicht selten nach Europa kommen. Wir haben vergeblich in den ‘wenigen, welche uns zu Gebote standen, darnach gesucht, obwohl. die Pflanzen, mit Ausnahme der unrichtigen Zahlen der Staubgefässe und einiger ganz fremd- arliger, guterkennbar ‘waren. Wir. bemerkten unter andern eine dem Pardanthus chinensis, der auch dargestellt war, sehr äbnliche Blume, auch mit unten grünem Fruchtknoten und 6 Perigonialblättern, die sehr zugespitzt, an der Mittelrippe und an der ‚äussersten Spitze grün und mit einem gelben Rande umgeben waren, in welchem breite feuerrothe, meist ver- fliessende Streifen von der Mittelrippe schräg aufsteigend verliefen; die 4 Staubgefässe und der etwas kürzere Griffel mit grünlicher Narbe standen aufrecht. Allem Anschein nach eine zweile Art von Pardanthus. H. fulva L. Von dieser sich vor allen übrigen Arten durch ihre spätere Blüthezeit, so wie durch die Farbe ihres Perigons und durch ihre bedeutendere Grösse so sehr auszeich- nenden ‘Art glauben wir nichts sagen zu müssen, ‘da sie zu bekannt ist und die Frucht uns unbekannt blieb. U. flava. Diese Art blüht in unsern Gärten Anfangs oder erst Mitte Juni, gewöhnlich ein wenig später als die folgenden, so dass deren letzte Blumen zugleich mit den ersten der H. flava zu finden sind. Wir fügen eine Beschreibung zur Vergleichung mit ‚den folgenden hinzu. Folia 1'r pedes longa, $ lin. lata, dorso carinata, superne inprimis basi canaliculata e lutescenti viridia, pruinoso-glaucescentia, primum erecta, dein deorsum curvala. Caulis florifer 2" ped. altus, subleres, glauco-pruinosus, superne saepius ramo uno accessorio instrucius, “qui ab ipsa inflorescentia pollieibus pauecis distans in axilla folii ex latiore semiamplexicauli basi. anguste elongato-acuminati oriens, 3—4 poll. longus, a folio suo rarius paululum su- peratur nune dimidius non allingitur. Inflorescentia primum bifida, ramis 'nunc, ‚ut e sulco longitudinali patet, per longius hreviusve spalium connalis, nunc omnino liberis, bractea nunc ad alterius liberi rami basin posita, nunc ad coadunatorum basin, hinc longius ab divisione remola. Ramus ex axilla prodiens ramus est, alter juxtapositus continuatio caulis, simili modo et deinceps uterque bis terve partitur, ita ut ramus s. pedunculus florifer brevis terminalis semper bracteae ‚oppositus: sit. Bracteae breves a latiore basi acute ‘acuminatae. . ‚Flores in quoque ramo 1—3, ex ordine suo sese evolventes, flavi, suaviter et forliter redolentes. Peri- gonium 2"/2 poll. longum, tubo 8—-9 lin. longo ubique subaequilate,, laciniae exteriores apici- bus suis bipollicari »spatio inter se sub anthesi distantes, vix 6 lin. latae, elongato-lanceolatae un Mi ii extus multisuleatae et inprimis apicem versus bicarinatae, carinis juxta marginem decurrentibus altera nunc obsoletiore, apice 'cucullatae et mucrone papilloso-glanduloso deorsum verso termi- natae. Laciniae interiores 9 lineas latae, ellipticolanceolatae obtusiusculae, dorso medio extus unisulcatae, intus linea media elevata percursae, nervis pluribus tenuibus rarius uno alterove ramulo transverso anastomosantibus apiceque interdum furcatis notatae. Stamina 6, alterna paululum longiora et haec dimidio pallice (si recte porreciae essent) breviora quam perigonium. Antherae’ basi (dorsali excavatae atque in hac cavitate apici subito angustato subulato filamenti impositae, polline croceo, marginibus loculorum apertorum ex viridi nigricantibus. Pistillum stamina longius: superans (curvatura ejus 5—-6 lineis distat ab curvatura staminum majorum), longitudine perigonium erecium aequaret, stylus eodem modo ac filamenta curvatus, 3-sulcatus apice leviter atlennatus, stigmate paululum crassiore. terminali minute »3-lobo, lobis rotundatis papillosis. Ovarium oblongum cylindraceum obtusiuseulum 6-sulcatum, suleis tribus alternis (dissepimentis respondentibus) :rima basali longitudinali nectarifera instructis, cujus labia subtumida sunt. Capsula‘) matura 8—12 lin, alta, utrinque obtusa, apice leviter unbilicata, ex basi obtusa vero breviter et subito angustata pedunculo insidens, diametro circ. 6-lin., 1ri- gona et trisulcata, nervo in dorso carpellorum subcarinato, lateribus nervis transversis elevatis crebris et venulis frequenter inter se junctis fere reticulatis; valvulae oblusae emarginatae apice tantum hiant, ita ut apertura semine aliquantulum ‚amplior fiat. Ad basin capsulae rimas neeta- riferas discernere potes. Semina aterrima glaberrima nitidissina obovata, angustiori parte. prope hilum sita. Capsulae siecae color basi sordide straminens a medio circiter in fuscum transiens. H. graminea. Die Abbildungen und Beschreibungen, welche wir über diese Art ver- gleichen konnten, haben es uns nicht klar dargethan, ob die jetzt abzuhandelnde Form die ächte ursprünglich unter der Benennung graminea gemeinte Art sei, oder die folgende. Eben- sowenig aber wollen wir mit Gewissheit ‘behaupten, dass diese aus den Gärten als H. graminea erhaltene Pflanze eine Varietät von der ebenfalls mit einem Gartennamen bezeichneten H. gramimifolia sei. In einer Reihe von Jahren sind sieh beide dicht neben einander stehend in ihrem Unterschiede ziemlich gleich geblieben, aber Aussaatversuche sind: nicht angestellt, da die Verhältnisse dies bisher. nicht erlaubten. Wir geben‘ zuerst die Beschreibung von H. graminea. Planta exeunte Majo et in prima Junii parte florens: folia habet «—1"/s ped. longa, 21a lin. lata, tota et in basi profundius canaliculata, evidenter carinata, ‚summo apice anguste com- presse subcucullato, margine exlimo albido cartilagineo et -minutissime erenulato at non scabro, erecta, apicibus curvula, laete viridia et simul inprimis subtus glaucescentia. Caulis florifer folia subaequans, pede paululum ‚altior, subteres et ut tota planta Pruinoso - glaucescens, apice .,—_ nn 1) Capsula a Guenrnero (H. lutea Fruct, et sem. II. 1. 83. p. 15) melius depingitur, quam ab Esenbeckio natu juniore, qui juniorem paululum auctam delineavit capsulam 'nec basi contractam, quod in icone Gaertneriana non minus neglectum videtur, un MR m 1—4 flores- gerens, sessiles v. brevissime pedunculatos (ramis pedunculos longiores mentien- libus), sibi approximatos, bracteis ovatis acuminatis, acuminis apice breviter subulato, semi- pollicaribus. Corolla 1% poll. longa, tubo ubique subaequilato 7—8 lin. longo, laciniarum exteriorum: apieibus sub anthesi 1", pollicum spatio inter se distantibus. Laciniae exteriores oblongo-lanceolatae, 4—5 lin. latae, apice subcucullatae cum mucrone inflexo subulato et pilis glandulosis 'obsesso. Laciniae interiores latiores 6——-7 lin. latae, apice obtuso minute lobu- lato et subcucullato inflexo, dorso profunde unisulcatae, plurium nervis extimis venulas obli- quas margini inmittentibus, seque paucis cum reliquis conjungentibus. Corolla pallidius flava quamin affınibus, suaviter nec vix minus fortiter redolens quam in H. flava. Stamina solito more 'curvata, 7—-8 lineis corollä breviora; antherae polline croceo-luteo farotae, loculorum mar- ginibus nigris.. Pistillum tribus lineis stamina superans, leviter curvatum, stylo trisulcato, stigmate terminali trilobo, lobis suborbicularibus; ovarium apice obtusiuseulum e basi paulo latiore cylindricum, 6-sulcatum, suleis alternis rima longitudinali brevi nectarifera instructis eujus. labia minus sunt tumidula minusque albida quam in aliis. Capsula matura S—14 lin. longa, 6 circ. lineas erassa, subclavato-cuneata (licet maximus diameter haud in apice sed paullo supra medium positus sit) obtusa, obtuse trigona, angulis sulco tenui, lateribus profundo in- structis et fere‘ tessellatim elevato-venosis, venis transversis walidioribus. Valvulae apice hiantes obtusae vix emarginatae, saepius mucronulatae. Semina plus dimidio minora quam in H. flava, ceterum 'similia,:sed tenuissime punctulata. Color capsulae siccae pallide stramineus, sursum magis sordidus. H. graminifolia h. Hır.. Wir haben diesen vielleicht nur zufällig in Gärten ent- standenen ‘Namen beibehalten, er mag die grosse Aehnlichkeit andeuten, die zwischen dieser und der vorigen Form herrscht. Sie steht rücksichtlich ihrer Grösse zwischen gramine« und flava, aber immer näher .der ersten, welcher sie auch in der Form der Kapsel nahe steht, sollte sie ein Bastard sen® Wir geben die Beschreibung. Planta ineunte Junio et per longius tempus quam H. graminea Norens. Folia 1%, ped. eirc. longa, 3—4, uno anno 5 etiam lineas lata, facie canaliculata, dorso levius carinata, apice summo anguste et compresse subcanaliculata, margine extimo albido et minutissime cre- nulato nec scahro, primum 'erecta, dein arcuato-deflexa, laete viridia et pruinoso-glauca. .Caulis florifer 1" vix 2 ped. 'altus, subteres, glauco- pruinosus, superne sub incipiente inflorescentia sulco levi notatus, Rami pauei 1—2-flori sub flore terminali oriuntur, quem vero saepius superant et fere umbellae in modum flores conjungunt, qui rarius paululum inter se remoti apparent. Bracteae igitur saepius sibi approximatae involucrum aemulantur, sunt vero breves e basi semiamplexicauli subito acuminatae , apice ipso subulato, vito emarcidae, rarius infima remotior est et apice subfoliacea longior, quamplurimum vero vix 9 lin, longa breviorve, supe- riores'mox 'breviores. Certissime eadem partitionis lex regnat ac in ceteris, sed haud ita clare um ME u intelligitur quam in reliquis, quarum ramificationes magis elongantur. Perigonium, cujus color pallidior quam in flava, intensior quam in graminea cujusque odor suavis nec fortis, 2°,—3 poll. longum, tubo 8—9 lin. longo et basi leviter incrassato. Laciniarum externarum apices sub anthesi 2'/, pollicum spatio cireiter inter se distant, sunt vero hae laciniae elongato- ellipticae, obtusae vel obtusiusculae, apice subeucullatae, muerone pilis minutis glanduloso inflexo vel erecto terminatae. Laciniae internae spathulato - elliplicae obtusae, basi attenuatae, apice magis crispatae, interdum emarginatae cum mucrone, dorso profundius unisulcatae, nervis non- nullis lateralibus bifurcis venisque paucis marginem petentibus et inter se anastomosantibus. Stamina curvata pollice breviora ac perigonium eaque stylus curvatus dimidio pollice superat. Antherae praecedentis. Ovarium pyramidatum in stylum trisuleum attenuatum , sexculcatum, suleis 3 altermis ad basin rima brevi nectarifera longitudinali, labis tumidulis albidis inclusa instructis. ‘Capsula matura pollicaris, 5 fere lin. lata, oblonga, trigona, basi brevissime con- tracta, apice acutiuscula, angulis sulco levi in sutura leviter incrassata, in faciebus obsoleto no- talis, rugae transversales crebrae et brevibus debilioribus connexae. Valvulae. acutiuseulae paullo profundius ab jinvicem solvuntur. Color totius capsulae maturae pallide ‚stramineus. Semina minora quam H. gramineae ceterum similia et minutissime punctulata. Wenn wir die Kennzeichen zusammenfassen, durch welche sich diese graminifoha von graminea unterscheidet, so werden sie so lauten: Blüthenstengel länger als die Blätter, welche im Ganzen ein klein wenig breiter und etwas länger sind als bei graminea; : die Blumen fast doldenartig auf längern Stielen auf der Spitze des Stengels, das Perigon beinahe um die Hälfte länger mit etwas längerer Röhre und weiter geöffnet, die innern Zipfel desselben brei- ter; die Kapsel fast gleichbreit, unten kurz verschmälert, etwas tiefer sich öffnend; die Saa- men um die Hälfte kleiner, H. Dumortierii Morren im Horticulteur belge I. p. 195. f.43 (H. n. sp. floribus aureo-variegatis Booru. Cat.) Crescit in Japonia unde retulit cel de Sırsorn, anno 1932 primum in horto Gandavensi floruit et pieta est. Wir haben nur eine Abschrift des Textes schon vor einigen Jahren von Hın. Krckı er- halten, das Bild aber nicht gesehen. Obwohl diese Beschreibung nicht in allen Einzelnheiten genau mit unserer Pflanze übereinkommt, die wir später auch aus dem botanischen Garten zu Triest, aber ohne Namen erhielten, so glauben wir doch, dass wir die wahre H. Dumortierü haben. Wir wollen zunächst die Beschreibung Morrex’s mit seinen eignen Worten geben und dann unsere Adumbration hinzufügen, „Plante haute de 7. pouces a un pied, feuilles au nombre de 6 ou 8, presque aussi longues que la hampe, etroites, lin&aires, attenudes insensiblement vers le sommet ou elles terminent en pointe ‚obluse, triquetres au bas, planes au sommet, d’un vert tendre, presque u WE toutes reflchies vers le quart superieur, glabres et Iuisantes. Hampe arrondie, cylindrique, portant deux ou. quartre fleurs gemindes, contenues d’abord dans une ou deux bractees pe- lites, vertes, peu söches, ovales-aigues. Corolle ou perianthe campanule, tube tres court, in- fundibuliforme, sans renflement notable au bas, & six divisions assez profondes, ovales, lan- ceolees, les trois internes plus larges, obtuses au sommet, planes, ondulees; les trois externes lanceolees-aigues, plus £troites, sans ondulations, toutes trois d’un beau jaune d’oren dedans, jaune pale et vert en dehors. Etamines au nombre de six, horizontales, recourbees en haut, a filets jaunes plus courts que la corolle; antheres jaunes grandes, brunes avec le pollen jaune, pistil plus court que les &tamines.“— „Il a le plus de rapports avec le graminea, dont il se rapproche par les feuilles, mais dont il differe par les fleurs, qui sont doublement ge- mindes, qui n’ont pas la corolle subringente; par les divisions du p£rianthe plus longues, plus separ&es, plus e&troites, plus roides, par des &tamines plus courtes, par des bractees, qui sont verles, etc. i Der Verf. fügt noch hinzu, dass er diese Art Hrn. Dumorrier gewidmet habe, von welchem eine Dissertation über die Gattung Hemerocallis publieirt sei (die wir leider uns nicht verschaffen konnten), in welcher derselbe unter dem Namen Libertia die H. cordata generisch getrennt und in der I. japonica Tuunsere’s, der H. recta, cernua, septemnervis dazu gehörige Arten gefunden habe. Aber diese Benennungen blieben unbekannt ‚oder wurden nicht an- genommen, und so ist denn der Name Libertia anderweitig vergeben, und die aus einigen He- merocallis-Arten gebildete Gattung Hrn. Garteninspector Funk gewidmet worden. ‘Ob dies mit den Rechten der Priorität übereinkomme, können wir nicht sagen. Jedenfalls würde es schwer halten, jetzt noch Hrn. Dumorrier, wenn es ihm zukäme, das Recht der Priorität zu vindiciren. Wir wollen jedoch unsere Bemerkungen über diese Art noch hinzufügen: Habitu duarum praecedentium sed latioribus foliis donata, quae caules floriferos fere supe- rant. Sine ullo tegmine hiemes et saeviores sub diu ut omnes reliquae species perdurat. ‚Inter prinas cum graminea et graminifolia florere incipit, et H. flavam antecedit, H. fulva ag- men claudente. Folia linearia sed basin versus sensim allenuata et complicata, apice sensim acuminata, et brevi cucullo valde compresso obtuso terminata, margine extimo 'albo-cartila- gineo tenuissimo, minutissime crenulato nec scabro; supra canaliculata, dorso acute carinata, laete viridia et subtus glaucescentia. Caulis florifer pedalis et. ultra, subteres, apicem versus leviter compressus, bracteis duabus terminatus spathaceis, ex amplexicauli basi acuminatis, acumine complicato, acute carinalis, plurinerviis, margine hyalinis albidis saepe ex purpureo- viridibus flores et dein fructus stipantibus, altera paullo inferiore, altera ex opposito latere, paullo superiore. Rami- inflorescentiae eodem modo- ut in reliquis duo, sed ambo brevissimi et iterum ramulos brevissimos edentes, bracteis minoribus stipatos. Flores in utroque ramo nunc solitarii nunc gemini, primo adspectu sessiles inter bracteas plures videntur. Perigonii totius Nbh. d. Nat. Ges, zu Halle. Ir Band, 35 Quartal, 3 ee i = BR 3 2"/a poll. longi tubus erassus, aequalis, brevis, 3 lin. longus, laciniarum apicibus spatio 2’; pollicum inter se distantibus. Laciniae exteriores 4Y,—5 lin. circ. latae, oblongae, basi vix attenuatae, apice acutiusculae et subcucullatae cum mucrone inflexo, margine summo utriusque lateris papilloso-glanduloso, dorso autem haud sulcatae. Laciniae interiores latiores 7'/z circ. lin. latae, late lanceolatae, basi haud valde attenuatae, plus minus sursum acutatae, apice ipso saepe obtusiusculo, marginibus haud semper integerrimis, vario modo at non valde flexuosis, nervis exterioribus hinc inde furcatis, venis paucis lateralibus marginem petentibus et rariori- bus inter se anastomosantibus, dorso extus unisulcato. Stamina solito more incurva, {res quartas perigonii partes adaequant; antheris fuseis et basi paullo profundius lobatis ac in re- liquis. Pistillum perigonio fere aequilongum, stylo trisuleato, stigmate terminali brevissime trilobo, lobis subrötundis papillosis; ovarium breve, obtusum, 6-sulcatum, suleis tribus angu- lorum obtusorum magis prominentibus viridibus, tribus interjectis obsoletioribus et paullo altius quam in reliquis rima longitudinali nectarifera notalis, cujus labia haud prominula. Capsula brevis (omnium nobis notarum specierum brevissima) 6—7 lin. alta, apice obtusa et umbilicata, basi obtusa in media basi brevissime protracta, obtuse trigona, ad medium eir- citer trivalvis, valvis 5 vix 6 lin. latis, transverse ex medio sulco rugosis, apice in dissepimen- tum inflexis et hine fovea sub apiculo instructis medio, ex fuscescenti stramineoque varia. Semina subdecem, biserialia in quoque loculo, aterrima nitida minutissime punctulata, mutua pressione angulata, ceterum ovato-subglobosa, minora quam in flava, sed majora quam in graminea et graminifolia, hilum angustum sublineare in angulo basali seminis situm. Wenn wir diese Pflanze mit den übrigen (ohne die von allen sehr verschiedene H. fulva zu berücksichtigen) vergleichen, so stimmt sie in ihrer Grösse mit H. graminea und grammi- folia überein, ist aber kleiner als flava; ihre Blätter halten die Mitte zwischen den grössern und breitern der flava und den gleich langen aber schmalern der graminea und graminifolia. Der Blüthenstand unterscheidet sie so wie die Farbe der Blume, die auf der Aussenseite der äussern Perigonialblätter in der Mitte noch eine dunklere Färbung annimmt, was wohl die Bezeichnung floribus aureo -variegatis hervorgerufen hat; die Kapsel endlich hat wohl einige Aehnlichkeit mit der von flava, ist aber vielmals kleiner, weicht dagegen ausserordentlich von der der beiden andern ab. Was in der Beschreibung Morren’s abweichend ist, betrifft einmal die Farbe der Aussenseite des Perigons, welche er gelb und grün angiebt, und dann den Stempel, welcher kürzer als die Staubgefässe sein soll. Letzteres Verhalten zeigt sich bei keiner Art und könnte wohl auf einem Irrthum beruhen, denn schon im jungen Knospenzustande pflegt das Pistill die längern Staubgefässe zu überragen. Jene Farbenangabe kann aber davon abhängen, dass die Blume nicht unter voller Lichteinwirkung gewachsen war. Beide Ver- schiedenheiten aber können-mich nicht davon abbringen, unsere Gartenpflanze für die H. Du- mortiern zu halten. Beitrag zur Naturgeschichte der einheimischen Valeriana-Arten, insbesondere der V. officinalis und dioica von Thilo Irmisch (Hierzu vier Tafeln). $. 1. Die Valeriana officimalis gehört sicherlich zu den merkwürdigsten einheimischen Ge- wächsen. Die ausgezeichneten Heilkräfte ihrer Wurzel, die sich leicht durch den auffallenden Geruch verrathen, musste ‘bei ihrem weit verbreiteten Vorkommen schon früh die Aufmerksam- keit der Menschen erwecken, was sich auch aus dem -Alter ihrer Namen kund thut. Denn wenn auch der deutsche Name: Baldrian, nach dem ebenso sprach - wie alterthumskundigen Jıkop Grimm, etymologisch nicht auf den milden und schönen Gott Balder zurückweist, son- dern erst aus Valeriana*) entstanden ist, so führt sie doch in einer der deutschen verwandten Sprache, der isländischen, einen Namen, der bedeutsam an die altnordische Heidenzeit anklingt: velantsurt, Wurzel Wieland’s, des kunstbegabten Gottes, der, ein Meister aller Schmiede, ‚in deren ärztliche Kenninisse das Volk auch jetzt noch Vertrauen setzt, in der nordischen Mythologie eine ähnliche Stelle wie Hephästos in der griechischen einnimmt. *) Valeriana kommt als Pflanzenname bei den Klassikern nicht vor. Ob das Wort aus einem Eigennamen Valerius oder Valerianus entsprungen sei, ist durchaus ungewiss (man vergl. Borsmer: lexic, rei herbariae und Marrın: Pflanzennamen der deutschen Flora). — Ein anderer Nome ist herba Valentina oder Valentiana, und man könnte vermuthen, dass alle diese Namen mit dem Verbum valere ‚zusammenhängen (man vergl. Durnesne hist. naturelle et medicale des Valerianees, Montpellier 1811. p. 11), ähnlich wie Potentilla mit posse. Bei den Serben heisst der Baldrian odoljan, und dieses Wort weist auf ein Verbum hin, das die Bedeutung: überwältigen hat (man vergl. I. Grimm deutsche mythologie p. 1158), was eine Analogie zu der eben angeführten Etymologie darbietet. Oder sollte Valentina mit dem oben erwähnten Namen Valantsurt in Zusammenhang ste- hen? — Die alten Kräuterbücher haben noch andere lateinische Namen für die V,offie., als Genicularis, Marcorella, Marcinella, Marinella, Nancilla, Anlilla, Benedicta, Dania major. Dem letzten Namen entspricht der deutsche: grosser Dennmark; deutsche Namen sind auch: Wendwurzel (eine Erklärung desselben giebt Taacus in dem Kapitel vom Baldrian), Augenwurzel, Katzenwurzel. 3*+ u WE unien Der mit der Wiedererweckung der Wissenschaften kräftig aufblühenden Kräuterkunde lei- stete der Baldrian einen nicht geringen Dienst, indem er derselben in Farıus Corumni einen ausgezeichneten Forscher zuführte. Durch Anwendung des Baldrians von der Epilepsie, min- destens auf einige Zeit, geheilt, wandte sich derselbe dem Studium der Pflanzen zu; nach dem Geiste seiner Zeit, die sich in ihren wissenschaftlichen Bestrebungen vorherrschend an das klassische Alterthum anschloss, um sich an der, wenngleich oft nur in Trümmern sich aus- sprechenden Grösse desselben emporzurichten, machte er es zu seiner Hauptaufgabe zu ermitteln, auf welche Pflanzen die Namen und die meist sehr dürftigen Beschreibungen bei den alten naturhistorischen oder medicinischen Schriftstellern, insbesondere bei dem Dıoskorines, passten. Er untersuchte die Natur, um die Werke der Alten zu verstehen, und seine Bekanntschaft mit jener, so wie auch seine Sprachkenntnisse sind für die Zeit, in der er lebte, ausgezeichnet zu nennen. Gleich in seinem ersten Werke, welchem er, weil er darin den Pflanzen gleichsam das Geständniss ihres Namens abzunöthigen versucht, den Titel: Folter der Pflanzen (Phyto- basanos) gab, widmet er unserem Baldrian einen längeren Abschnitt (p. 92—97 der Ausgabe „auctore Jano Planco“, mit einer Abbildung auf Tab. XXVD), in welchem er zu zeigen bemüht ist, dass diese Pflanze, welche er selbst Val. minor sylvestris nennt, vom Dioskoripes als Phu oder wilder Narden*) aufgeführt werde, und dass unter dieser Bezeichnung keineswegs die Val. vulgaris major hortorum nardifolia, d.h. die V. Phu unserer Systeme, zu verstehen sei. In seiner Ecphrasis stirpium (p. 210—220) vertheidigt er diese Ansicht in der: epistola ad F. Euangelistam Quatramium missa apud Serenissimum Ferrariae ducem olim herbariae rei pro- fessorem. Billigten auch die meisten Botaniker seine Ansicht nicht, so ist man doch in späterer Zeit insofern zu einem ähnlichen Resultate wie er gekommen, als man das Phu der Alten in einer unserem gemeinen Baldrian an Gestalt und Kräften sehr ähnlichen Art, der Val. Dioscori- dis Sıaru., wiedererkannt hat, man vergl. Durresne 7. 1. p. 28 und Enpuicner 1. I. p. 228. $.2. Val. offieinalis ist aber nicht bloss in geschichtlicher, — den mitgetheilten Notizen hätten sich noch manche andere anreihen lassen — und in medieinischer Beziehung, sondern auch in *) böv, ol dR al rouro Aygıov vagdov zakoucı, yevvarcı iv &v IIovrp; den ersten Namen leitet F. Cor. von dem Ausruf des Ekels ab, den man wegen des starken Geruchs unwillkürlich ausstosse. — Crusius (rar. pl. hist.) benerkt zu nardus alpina 5. celtica: Pannones, quibus frequens ejus est usus in capilis lotionibus, Bechy f iu, h. e. Viennensem herbam nomi- nant, quia Vienna copiose ad eos vehitur (ef. EnDLicHer enchirid. bot.). Unser Modelgeer (Gentiang Cruciata) heisst nach CLusius bei den Ungarn zent Lazlo kiraly fiu, St. Ladislaus des Königs Kraut; TABennarmonTAnus hat als ungarischen Namen von Ranunculus Beka fiu, und das Wort fiu, Kraut im Allgemeinen bezeichnend, kehrt noch öfters in Pflanzennamen wieder. Es ıst nicht unwahrscheinlich, dass das Wort Phu, welches nach Dioskorıpes der pontische.Name für den wilden Narden gewesen zu sein scheint, mit fiu im Zusammenhang steht und nur einen Theil eines Pflanzennamens darstellt, u Wi u morphologischer Hinsicht bemerkenswerth, und von dieser Seite soll sie hier näher ins Auge gefasst werden. Ich glaube noch darauf aufmerksam machen zu müssen, dass sich meine Mit- theilungen nur auf die Val. offieinalis, wie sie als Art von Kocı in seiner synopsis fl. germ. et helv. umgrenzt worden ist, beziehen. Sie wächst häufig in unserer thüringischen Flora an trockenen grasigen Abhängen und ebenso beschaffenen Waldwiesen, auf Kalk- und Sandboden, und entspricht mithin nach dem Standorte auch den Anforderungen der Pharmakopöen, nach welchen die Wurzeln vorzugsweise von Pflanzen auf trocknem Boden einzusammeln sind *). Freilich hat unsere Pflanze im Widerspruch mit der von ne Canvorır gegebenen und von an- dern Botanikern öfters wiederholten Diagnose, wonach V. offic. fructus glabros besitzen soll, meistens ganz dicht weichhaarige Früchte; doch ist sicherlich, wie auch die Arten der Gattung Vulerianella zeigen, der Mangel und das Auftreten der Behaarung der Früchte von keiner Er- heblichkeit. Ueber die zunächst verwandten Arten: V. sambucifolia und exaltata der Kocu’schen Smopsis habe ich zu wenig eigene Erfahrungen gemacht, um mir ein ganz bestimmtes Urtheil zu erlauben **). Wenn ich aber meine Beobachtungen an V. off. mit dem zusammenhalte, was die Floren als specifische Unterschiede für jene drei Arten anführen, so kann ich diesen Unter- schieden nur eine‘ geringe Bedeutung beilegen und muss die Ansicht. derjenigen Floristen ***) billigen, die alle drei zu einer Art vereinigen. Die Verschiedenheit der Standorte aber, so wie die Abweichungen in der Blüthezeit, auf welche man auch hier einiges Gewicht gelegt hat, sind als Kriterien für die specifische Trennung nur mit der grössten Vorsicht anzuwenden. Der Versuchung endlich, von der V. offic. etwa noch eine V. angustifolia abzuspalten, wird man wohl leicht entgehen, wenn man die Wandelbarkeit der Stammart in der freien Natur, so wie die bald vor sich gehende Umwandlung der V. angustifolia in die gewöhnliche Form, wenn sie in nahrhaften Gartenboden verpflanzt wird, kennen gelernt hat. *) Enoricher’s Angabe, dass V. offic. häufig auf feuchten, seliner auf steinigen und sonnigen Waldwiesen vorkomme, mag für andere Gegenden richtig sein, auf unsere Gegend passt sie nicht. So sind auch bei pe CAnnoLLe prodr. syst. veget. die "Angaben über das Vorkommen der V. offieinalis: in Europae humidis und der Val. angustifolia: in Bohemiae collibus et monti- bus, viel zu beschränkt, Enpuicner bemerkt, die Wurzeln der zwei- und dreijährigen Pflanzen seien am besten; es ist aber nicht möglich, diese von Pflanzen anderen Alters zu unterscheiden. Es lassen sich vielmehr nur stärkere und schwächere, blühbare und nicht blühbare unterscheiden. **) Man vergl. darüber: Wartrorn in der Linnaea XIV, p. 537; v. SchuecntenoaL in der Berl. bot. Zeitung 1847 Nr. 35 u. 36, GarckE in seiner Flora v. Halle. — Die älteren bot. Schriftsteller, wie Tracus und TiBERNAEmonTanus, unterschieden übrigens bereits zwischen dem Baldrian ‚auf feuchten Auen und an Bächen, Matten und Gräben, der sich jährlich erjünget von ‘den kriechenden Wurzeln“ und einem andern, V. tertia bei Tracus, ‚der in Wäldern und auf Bergen in abgehauenen Wäldern oder. Rödern wächst und in allen Theilen grösser ist,“ ***) So z.B. Sonoer in seiner Flora Hamburgs. Auch Gaexıer und Gopron nehmen in ihrer flore de france nur eine Art, mit und ohne Ausläufer, an; sie erwähnen aber nicht einmal der V, exallata und der sumbusifolia, und in ihrer Beschrei- bung legen sie der V. offic. „‚feuilles toutes pennatisequees A 15—21 segments“ bei, wodurch die V. sambucifolia ausgeschlossen würde. Wie wenig. constant die Zahl der Fiedertheilungen der Blätter bei V, offic. sei, geht schon daraus hervor, dass Koch für dieselbe nur folia 7—10-juga in Anspruch nimmt. u DB a $.3. Ich will zunächst die unterirdischen Theile einer ausgebildeten Pflanze beschreiben, wie sie sich zur Zeit der Fruchtreife, die bei uns gegen den Anfang des Augusts eintritt, ver- halten. Die Grundachse, welche alle Theile zusammenhält, ist kurz, Tab. I. Fig. 1*)a. Sie ist gegen die Mitte ein wenig verdickt und um die erwähnte Zeit im Innern durch Auflocke- rung des Markes meistens etwas hohl**); nach unten zu verschmächtigt sie sich und erscheint am äussersten Ende mehr oder weniger deutlich wie abgeschnitten (axis praemorsus), nach oben zu wird sie nicht ganz so schwach wie nach unten und geht in den terminalen Stengel über. Die zu ihr gehörigen Laubblätter sind bereits abgestorben; die Reste derselben sitzen noch an ihr oder sind schon verwest. Da ihre Insertionsstellen ganz dicht übereinander sind, so erscheint die Grundachse nach Entfernung der Blätter undeutlich geringelt. Die mehr oder weniger zahlreichen und zuweilen gegen einen Fuss langen Nebenwurzeln, welche aus ihr ent- springen, streben bald ziemlich senkrecht, bald schief oder bogenförmig nach unten, oder sie ziehen sich fast horizontal unter dem Boden hin. Sie sind mehr oder weniger reich mit zar- ten Seitenzasern besetzt; in feuchtem und fruchtbarem Boden pflegen sie mehr verästelt und dabei weniger stark zu sein als in magerem und trockenem. Aus der Grundachse, als Produkte von deren Blattachseln, gehen endlich auch noch Nebenachsen hervor. Diese erscheinen meistens in Form von Ausläufern ce und d, indem die ersten gestreckten Internodien derselben sich horizontal und flach unter den Boden hinziehen und erst an ihrem bewurzelten Ende sich ein Blattbüschel findet***). Von diesen Ausläufern wird später ausführlicher die Rede sein. Oft ist nur einer, oft mehrere vorhanden. Die horizontale Achse derselben ist oft so kurz, dass man sie kaum noch Ausläufer nennen kann, zumal wenn sie bald Laubblätter treiben. Ausser diesen Seitenachsen kommen bisweilen noch sitzende Knospen, die von Schuppenblättern gebildet werden, vor (9, diese Partie ist isolirt und etwas vergrössert in Fig. 19 abgebildet; auch an der Blaitrosette des Ausläufers zeigte das ab- gebildete Exemplar bereits eine ebensolche Knospe i), aus deren ganz kurzer Achse frühzeitig meist nur eine einzige, aber verhältnissmässig starke Nebenwurzel (h u. k) entsprungen ist. So beschaffene Knospen bemerkt man vorzugsweise an dem obern Theile der Grundachse; es ist, als hätte sich hier, wo alle Kraft in den Hauptstengel übergeht, kein vollständiger Aus- *) Die Reste der Blätter sind entfernt; der Haupistengel b, die seitlichen über den Boden tretenden Achsen e u. f, sowie der eine Ausläufer d und einige Wurzelzasern sind der Raumersparniss wegen abgeschnitten, Man findet übrigens eine solche Mannigfaltigkeit in der Bildung der Seitenachsen, wie sie das abgebildete Exemplar zeigte, nicht immer beisammen. *) Tab.IV, Fig. 35, Querschnitt durch eine starke, noch frische Grundachse, ) Tracus, Buch 50% XIX, bemerkt passend: „gleich wie das Erdbeerkraut ausserhalb auf der Erde kriecht und sich erjüngt, also thut diese Wurzel in der Erde“, während Durkesse in seiner Monographie wenig oder gar keine Rücksicht auf die Bildung der unterirdischen Theile nimmt, (ent e snienen nn Be Be läufer mehr bilden können, aber die Natur hätte die einmal angelegte Knospe doch erhalten wollen. Zuweilen haben sich zugleich mit dem Hauptstengel eine bis drei, wohl nur selten mehrere, Nebenachsen zu Blüthenstengeln (e und f) ausgebildet, indem sie entweder erst etwas schief aufsteigen und dann sich grade in die Höhe strecken oder auch gleich dicht an dem Haupt- stengel, und senkrecht erheben. Eigenthümlich sieht es aus, wenn eine an sich schwache Knospe sich gleich zu einem Blüthenstengel streckt und dieser dann nur eine Spanne hoch und kaum so stark wie eine mässig dicke Stricknadel wird, und an seinen Internodien nur kleine schuppenförmige Blätter und an seiner Spitze eine wenigblüthige Intlorescenz trägt; man glaubt, wenn man einen solchen Stengel isolirt betrachtet, eine ganz andere Pflanze vor sich zu haben. Nach der Fruchtreife stirbt die Grundachse gänzlich ab, der Fruchistengel verdorrt, die Nebenwurzeln an jener verfaulen allmählich. Daher lässt sich im Oktober und November die früher fest im Boden haftende Grundachse an dem verdorrten Stengel mit leichter Mühe, auch wenn der Boden zähe und fest ist, herausziehen. Die neuen Tılebe, mögen sie nun aus Ausläufern hervorgegangen sein oder aus sitzenden Knospen, werden natürlich isolirt und bestehen nun für sich fort. $.4. Was nun die Hauptweise der nichtgeschlechtlichen Fortpflanzung, durch Ausläufer, be- trifft, so ist darüber Folgendes zu bemerken. Dieselben gehen immer aus Axillarknospen her- vor; wenn diese weiter wachsen, so durchbohren sie die Basis ihres Mutterblattes, falls dieses nicht schon aufgelöst ist, oder sie treten an dem Rande desselben hervor. Sie wachsen vor- zugsweise von der Mitte bis gegen das Ende des Sommers aus, — solche Ausläufer und Theile davon zeigen Fig. 7—10 auf Taf. IV. — und zwar von blühbaren Exemplaren schon das Jahr vorher, ehe ihre Mutterachse zu einem Blüthenstengel aufschiesst, so dass z. B. die Ausläufer des auf Taf. I. Fig. 1. abgebildeten Exemplars, welches im Jahre 185] blühte, im Sommer des Jahres 1850 eine ähnliche Beschaffenheit wie die Ausläufer Fig. 7 und 8. Tab. IV. hatten. Gegen das Ende des Herbstes sind sie schon einen Zoll bis über eine Spanne, ja bis einen Fuss lang; bis dahin haben sie gar keine, oder nur an den ersten Internodien eine oder zwei Nebenwurzeln. Denn selbst an Exemplaren, die ich im December ausgrub und die sehr starke Ausläufer getrieben hatten , beobachtete ich keine andere Bewurzelung dieser letzteren. Im nächsten Frühjahr treiben sie an ihrer Spitze ein oder mehrere Laubblätter, indem zugleich aus der Achse an dieser Stelle mehr oder weniger Nebenwurzeln hervortreten *). — Die ersten *) Tab. IV, Figur 20 und 21 etwas vergrösserte Querschnitte durch eine junge Nebenwurzel, dıe noch wenig oder gar keine Seitenzasern haben; die Rindenschicht ist vorzugsweise entwickelt, das Mark bildet gewöhnlich eine runde oder ovale u TR Internodien der Ausläufer (Tab. I, Fig. 10.a.b.) pflegen kurz zu bleiben, die folgenden strecken sich, und dann kommen oft wieder kürzere als Vorbereitung zur Blattrosette, wo sie durch- weg kurz sind. Die Stärke der Ausläufer schwankt zwischen der eines schwachen Strohhalms und der eines starken Gänsekiels. $. 5. Die Blätter an den horizontalen Internodien der Ausläufer sind, wie gewöhnlich an unter- irdischen Achsen, anfänglich weiss; sie stellen eine meist niedrige Scheide mit schiefer Mün- dung dar, welche das Internodium ziemlich dicht umgiebt, Fig. 10 bei a,b, c. Dabei sind sie ziemlich dünnhäutig, weshalb sie bald vertrocknen und aufgelöst werden. Gegen die Spitze des Ausläufers, wo sie über den Boden treten, zeigen sie in Form und Färbung mehr oder weniger deutlich Uebergänge in die gewöhnlichen Laubblätter, so bei gundh in Fig. 9. Ihre Stellungsverhältnisse sind insofern eigenthümlich, als sie nicht wie die Blätter des Blüthenstengels opponirt sind, sondern alterniren, also immer um einen halben Kreisbogen mit ihrer Mittellinie von einander abstehen. Das erste Blatt eines Ausläufers steht mit seiner Mittellinie rechts oder links von der seines Mutterblattes, das zweite auf der entgegengesetzten Seite und so fort. Durch Drehungen, welche die Internodien erleiden, wird das Verhältniss zwar häufig undeut- lich, aber nicht aufgehoben. Man könnte geneigt sein, in einem solchen Scheidenblatte eine Verschmelzung. von zwei opponirten Blättern anzunehmen; allein abgesehen von der bereits angegebenen Form des Blatt- randes spricht auch schon dagegen die Stellung der Knospen, die sich in den Achseln derselben finden. In jedem Scheidenblatte tritt nur eine Knospe auf, und zwei auf einander folgende Knospen haben wie die Mediane ihrer Mutterblätter, vor welcher sie stehen, eine Divergenz von 180° — ein Verhältniss, welches bei Knospen ursprünglich opponirter Blätter nicht vorkommen kann, da der Divergenzwinkel der Knospen, falls auch nur die eine Achsel eines opponirten Blattpaares eine solche erzeugt hätte, immer entweder den vierten Theil oder drei Viertel eines Kreisbogens betragen muss; Fig. 11 zeigt bei «a,b, c drei Knospen, 12 und 15 sind isolirte Knospen an der Seitenfläche des ersten Blattes, 13 und 14 von der Scheide desselben be- trachtet. Diese Knospen wachsen übrigens nur selten und gewöhnlich dann aus, wenn der —,— bisweilen excentrische Fläche; Gefässbündel zählt man c. 5—10. In jungen Nebenwurzeln sind sie deutlich getrennt, in alten dagegen, wo sie zugleieh weit.holziger geworden sind, erscheinen sie weit breiter und näher an einander gerückt, so dass sie einen nur durch schmale Markstrahlen getrennten Ring bilden, Fig. 22 Durchschnitt durch den untern Theil einer Nebenwurzel von einer Fruchtpflanze, Mitte Juli. Alle diese Merkmale lassen sich auch noch an trockenen Nebenwurzeln, wie sie in den Apotheken aufbewahrt werden, erkennen; es versteht sich von selbst, dass die dem Absterben nahen, mit stark verholzten Gefässbündeln verschenen Nebenwurzeln wenig oder gar nicht mehr medicinisch wirksam sind. Te ee Se ee Terminaltrieb des Ausläufers zerstört ist. — Auch die frühsten Zustände jener Scheidenblätter lassen durchaus nicht auf eine Verwachsung von zwei Blättern schliessen. Ein Voneinander- wegrücken, gleichsam ein Auseinandergezogensein zweier ursprünglich zu einem Internodium gehöriger Blätter, wie es nicht gar selten bei andern Pflanzen mit normal opponirten Blättern vorkommt, anzunehmen, auch das ist nicht zulässig; denn dann könnten zwar die zwei für ein und dasselbe Internodium bestimmten Blätter alterniren, aber es dürften dann nicht, wie es doch bei Val. offic. der Fall ist, das nächst folgende wieder auf die Seite des ersten oder untern, noch das vierte auf die Seite des zweiten oder obern zu stehen kommen, sondern das zweite und das vierte müssten, als eigentlich einem neuen Internodium zugehörig, sich mit den beiden ersten kreuzen. | Dieselben Stellungsverhältnisse behalten die Blätter an der Spitze des Ausläufers, wo sie dicht an einander rücken und Laubblätter werden, bei; (m Fig. 1. Fig. 5., wo mit c drei Blattstiele bezeichnet sind, Fig. 6. dieselben von oben gesehen, Fig. 17.). Hier ist jene Stellung um so anschaulicher, als die rings geschlossene Scheide des untern immer die Basis des nächstfolgenden Blattes dicht umschliesst. ‘Wenn sich die Blätter mit ihrer Lamina auch schein- bar, besonders wenn sie zahlreich sind, in eine Kreisfläche ordnen, so ist das nicht die Folge einer veränderten Stellung, sondern es beruht auf einer leichten Biegung der meist langen Blattstiele nach rechts oder links oder auch in einer kaum merkbaren Windung der kurzen Achse, zu welcher sie gehören; Fig. 4. c. sind sechs anscheinend nicht alternirend stehende Blattstiele. $. 6. Die aus dem Terminaltrieb des Ausläufers nach Absterben der horizontalen Internodien selbstständig gewordenen Pflanzen haben fortan an ihrer Achse unentwickelte Internodien, so “lange sie eben nicht zur Erzeugung eines Blüthenstengels gelangen. Keineswegs geschieht dies aber regelmässig schon im nächsten Jahre nach dem durch die Bildung des Blüthenstengels herbeigeführten Tode der Mutterpflanze (of. $. 3.); vielmehr pflegen, mindestens in der freien Natur, jene neuen Pflanzen zunächst dazu noch zu schwach zu sein, und erst nach Verlauf von ein paar Jahren so weit zu erstarken, dass sie blühen können. Bis dahin wächst die Pflanze jährlich um ein kurzes Stück weiter an ihrer Spitze, während ein Theil der Achse von unten ber abstirbt und, gegen Ende des Herbstes, an einer ziemlich scharf bestimmten Stelle aus dem Zusammenhange mit dem noch frischen Theile derselben tritt, so dass die Achse immer kurz bleibt. Tab. I. Fig. 7. Durchschnitt durch eine kurze Achse im Frühjahr, bei c war die horizontale Achse des Ausläufers abgestorben, b bezeichnet drei frische Laubblätter, von denen zwei abgeschnitten; Fig. 8. Durchschnitt durch die Achse eines nicht blühenden Abh. d. Nat. Ges. zu Halle. Ir Band, 35 Quartal. 4 u WE u Exemplars im Herbste, alle Blätter sind kurz abgeschnitten, a abgestorbener, b frischerj{Achsen- theil. — Die Zahl ‚der Laubblätter an der Spitze eines Ausläufers und überhaupt eines nicht blühenden Exemplars schwankt zwischen einem einzigen und ziemlich vielen, einen dichten Büschel bildenden; ebenso ihre Grösse, indem sie manchmal über einen Fuss lang werden, manchmal kaum die Länge eines Fingers erreichen. Auf der Grenze zwischen der diesjährigen und nächstjährigen Blattbildung wird dieselbe insofern 'etwas unvollkommen, als {nach ‚den während des Winters absterbenden Laubblättern ziemlich dünnhäutige, breite Blätter, deren Lamina sich nicht ausbildet (Tab. IV. Fig. 26.), auftreten, auf die dann im Frühling voll- kommene Blätter kommen. In den Achseln aller Blätter sind Knospen. vorhanden; manche von ihnen wachsen wieder ausläuferartig, besonders wenn die Pflanzen recht kräftig sind, aus und isoliren sich dann durch Absterben ihrer gestreckten Internodien, ohne dass dadurch die Mutterpflanze erschöpft würde. Auch finden sich an nicht blühenden Pflanzen die oben $, 3. beschriebenen, sich gleich bewurzelnden Knospen; zuweilen ist die Achse der Knospen wagerecht abstehend, dabei ganz kurz und fleischig und die Schuppenblätter derselben sitzen ganz dicht aufeinander. Auch solche Knospen — Tab. IV. Fig. 19. stellt eine Knospe der Art, abgeschnitten von der Mutter- pflanze, dar: @ die Achse mit den Schuppenblättern, b eine Nebenwurzel — pflegen sich gleich zu bewurzeln. $. 7. Der Uebergang von der alternirenden zu der opponirten und decussirten Blattstellung findet gewöhnlich erst dann statt, wenn die Pflanze einen Blüthenstengel treibt, und ist ein plötz- licher: auf das oberste an einem Internodium allein stehende Blatt folgt ein Paar opponirter Blätter, deren gemeinsame Mittellinie sich mit der des obersten alternirenden kreuzt. Dieses letztere pflegt noch (Tab.I. Fig.2.b; a ist das erste entwickelte Stengelglied) der kurzen Grundachse, jene beiden c c dem ersten oft wenig gestreckten Internodium des Blüthenstengels anzugehören. Fig. 3. erläutert schematisch die Stellung der Blätter b und cc. Wenn ein Seitentrieb sofort, noch in Verbindung mit der zum Blüthenstengel sich erhebenden Mutterachse, ohne zuvor eine Blattrosette getrieben zu haben, sich gleichfalls zu einem Blüthenstengel (cf. $. 3.) streckt, wobei er meistens ohne Nebenwurzeln ist, so pflegt er durchweg mit oppo- nirien Blättern versehen zu sein (Tab. I. Fig. 1.,f, wo pp die Reste von zwei Blattpaaren darstellen), aber man findet auch zuweilen an den untersten Internodien eines solchen Triebes alternirende Blätter ‚(so bei e, wo 0.0 die Reste alternirender Blätter sind); und diese Schwan- kungen sind ganz dem Charakter solcher Achsen gemäss, die selbst gleichsam zwischen dem unterirdischen Ausläufer und dem Blüthenstengel schwanken. Wenn in dem Bisherigen das gewöhnliche, normale Verhalten der Blattstellung geschildert worden ist, so darf doch nicht übersehen. werden, dass auch Ausnahmen davon vorkommen, indem: Einerseits an den Ausläufern und an den aus ihnen sich bildenden Blattrosetten opponirte Blätter auftreten, besonders dann, wenn jene recht kräftig sind. Wenn die Aus- läufer bereits an ihrer horizontalen Achse opponirte Blätter haben, so ist es nicht zu. verwun- dern, wenn sich diese. Stellung auch in .den Endtrieb oder in die Blattroselte fortsetzt. Tritt sie erst in dieser letztern auf, so geht ihr oft durch viele Internodien und selbst jahrelang die alternirende Stellung vorauf. Es zeigt sich dann, gewissermaassen als Uebergang und Vorbereitung, ein Schwanken in der Blattbildung, indem sich nämlich häufig an dem Scheiden- rande des obersten alternirenden Blattes (oder auch mehreren. derselben) gegenüber. der Stelle, wo der Stiel des Blattes abgeht, ein mehr oder minder deutlicher, meist stumpfer und breiter zahnartiger Fortsatz bildet, in welchem man die erste Andeutung zu dem: zweiten Blatte des- selben Blattknotens anzunehmen berechtigt ist. Fig. 14. auf Tab. IV. stellt etwas vergrössert die noch jungen Blätter aus dem Centrum einer Blattroselte dar: «a ist. das oberste alterni- rende, aus dessen breiter Scheidenmündung die beiden nächsten opponirten Blätter c hervorsehen (Fig. 15. stellt den schematischen Grundriss der Blätter « und c dar); bei b bemerkt man eine noch ganz leichte. Erhebung an dem. Scheidenrande des Blattes a. In andern Fällen tritt sie weit bestimmter hervor. — Auch findet man zuweilen in einer Blattrosette ein oder einige einzelne Blätter an je einem Internodium, die unter und über sich opponirte Blätter haben. Tab. IV. Fig. 16. a ist der untere Theil eines ausgewachsenen Laubblattes aus einer Blatt- rosette, deren untere Blätter opponirt waren; b alternirte, fast schuppenförmig geworden, mit a, .und umschloss ‚wiederum ein mit ihm. alternirendes noch ganz kleines, aber voll- kommenes Laubblatt, das mehrmals vergrössert Fig. 17. c zeigt, es hatte bei d eine deutliche Hervorragung, von c wurden. zwei opponirte Blätter e, wie in Fig. 14, eingeschlossen, die isolirt und vergrössert in Fig. 18. abgebildet sind. Andererseits setzt sich aber gar nicht sellen — ich fand solche Exemplare an man- chen Stellen unserer sonnigen Berge selbst häufig — die Alternation der ‚Blätter von der Grundachse ‚herauf an dem terminalen Blüthenstengel fort, entweder nur in die ‚untern Glieder desselben oder, doch minder häufig, bis in die Verästlungen der Inflorescenz. Dabei erschei- nen die Internodien ein wenig gekniet (geniculata), indem sie wegwärts von der Lamina des je einzelnen Blattes etwas von der senkrechten Richtung abweichen. Auch hier zeigt sich oft an der Mündung der Blattscheide die Andeutung zu einem zweiten Blatte: Fig. 13. Tab. IV., a. unteres, b. oberes Internodium, c ein Blatt mit dem unteren Theile seiner Lamina, d Andeu- tung zu dem zweiten Blatt; in Fig. 13*, wo dieselbe Bezeichnung beibehalten ist, war an der betreffenden Stelle ein einfaches Blättchen, während das andere, abgeschnittene lang und fiedertheilig war. Zuweilen erscheinen auch zwei Laubblätter einseitig an den entsprechenden : 4* un DR Seitenrändern höher oder tiefer mit einander verwachsen, Fig. 12. — Uebrigens kommen an den Blüthenstengeln (seltner an den Blattrosetten) nicht gar selten statt der opponirten auch wirtelförmige Blätter zu dreien*), manchmal auch zu vieren vor; dann alterniren die Blätter/des einen Wirtels mit denen des nächsten. Zu bemerken ist endlich, dass die Achselprodukte der Blätter zunächst meist dieselbe Blattstellung mit der Achse oder dem Achsengliede haben, aus dem sie hervorgegangen sind; man sehe Tab. I., Fig. 12—15. und Tab. IV. Fig. 11. k; Tab. L Fig. 16. ist eine Knospe aus der untern Blattachsel eines Blüthenstengels mit opponirten Blättern; solche Knospen am Stengel wachsen nur selten zu einem Zweige aus. In Bezug auf den Familiencharakter der Valerianeen ist zu bemerken, dass, wenn man diesen in den systematischen Werken schlechtweg folia opposita (die folia fusciculata bei an- dern Schriftstellern berücksichtigen ein anderes Moment als die gegenseitige Stellung) |zu- schreibt, dieses Prädikat in solch allgemeiner Fassung nach den hier mitgetheilten Beobachtungen — man sehe auch A. Braun Verjüngung in der Natur p. 73 — nicht passend ist. Es giebt auch eine Valeriana alternifolia Lever., vom Altai; die flora altaica Leverour’s selbst habe ich nicht verglichen, was aber systematische Sammelwerke über jene Art berichten, ist so be- schaffen, dass mindestens danach die Vermuthung, V. alternifolia sei eine, man darf kaum sagen: monströse, Form von V. offieinalis, nicht als absurd erscheinen kann. $. 8. Da es mir von Interesse sein musste zu erfahren, wie sich die Keimpflanzen sowohl in Bezug auf die Blattstellung als auch in andern Punkten verhalten, so habe ich eine »icht un- bedeutende Anzahl derselben unter verschiedenen äussern Verhältnissen untersucht und eine Reihe derselben auf der zweiten Tafel abgebildet. Die Kotyledonen sind oval-rundlich, an der Spitze meist ein wenig eingedrückt, länger oder kürzer gestielt und bilden mit der verwachse- nen Basis ihrer Stiele eine ganz niedrige Scheide, a in Fig. 1. 2. 4.5. 7.9. 10. 11.13. Auf 'sie folgt ein Laubblatt, welches mit einer deutlichen rings geschlossenen Scheide versehen ist, die man schon ganz gut in dem nech unausgebildeten Zustande des Blattes, wenn es noch ganz tief unten zwischen den Kotyledonen verborgen ist, erkennen kann**). Stiel und Lamina u *) Schon F. Corunsa phytob. erwähnt ihrer: caulis geniculis distinelus in quibus bini foliorum ordines ex adverso ‚sed eliam aliquando lerni, **) Fig. 2., Keimpflanze, die eben erst von der Fruchtschale sich befreit hat; das eine Keimblatt ist tief unten weg- geschnitten und das Ganze vergrössert — Fig. 1. ist die natürliche Grösse — und zwar so gezeichnet, wenn man, links davon, es schief seitwärts betrachtete (die gegenseitige Lage der Theile zeigt das Schema in Fig. 3.): a ist das stehengebliebene Keim- blatt, b das noch kleine Laubblatt. Fig. 17. stellt einen Theil der Fig. & stärker vergrössert aber in derselben Lage zu dem Betrachter dar: a ist die Basis des stehengebliebenen, «* die Insertion des entfernten Keimblattes; in der Scheidenmündung von b sieht man die Spitze des zweiten Blattes. aa MR sind dann noch nicht deutlich geschieden, sondern stellen zusammen eine kleine Kapuze dar, welche sich ein wenig über die Scheidenmündung hinneigt. Später, wo das Laubhlatt zwischen den Kotyledonen hervorgetreten ist, b in Fig. 5. 6. und 7, bilden die in den Blattstiel ver- laufenden Ränder seiner Scheide einen schmalen Spalt (Fig. 6. stellt die Basis des ersten Laubblaties aus Fig. 5. etwas vergrössert dar), oder sie bleiben auch von einander getrennt, Fig. 8., Basis von b in Fig. 7. etwas vergrössert, c zweites Laubblatt. Nachdem das erste Laubblatt beinahe ausgewachsen ist, wächst aus seiner Scheide das zweite hervor, Fig. 9. c, etwas vergrössert, Fig. 10. und 11., und so aus der Scheidenmündung des zweiten ein drittes, welches mit seiner Rückseite vor das erste fällt, wie das vierte wieder vor das zweite; sche- matische Fig. 20., a Kotyledonen, b—e vier Laubblätter. Also auch hier findet Alternation statt. Keimpflanzen, welche ich in der freien Natur fand, entwickelten im ersten Jahre kaum mehr als zwei bis fünf Laubblätter*), die aber, welche ich in Töpfen zog und angemessen pflegte, entwickelten deren bis zum Herbste zehn und darüber. Ein eultivirtes, mittelstarkes Exemplar zeigt Fig. 13.; das eine Keimblatt a* war bereits abgestorben. Die Form der ersten Laub- blätter ist herzförmig oder eirundlich, dabei pflegt der Rand undeutlich wellig zu sein; die Blätter der wilden Exemplare bleiben im ersten Jahre, meist auch im folgenden ungetheilt, die cultivirten Exemplare erlangen durch mancherlei Zwischenstufen hindurchgehend schon gegen den Herbst des ersten Jahres eine fiedertheilige Lamina, Fig. 13. fund g, letzteres ist noch nicht ausgewachsen. ‘Wohl möglich, dass auch die im Freien sich selbst überlassenen Pflänzchen unter besonders günstigen Verhältnissen sich ebenso wie die cultivirten verhalten. An den letzteren wuchsen von den Knospen, welche sich in den Achseln aller Laubblätter bei den Keimpflanzen finden, manche zu laubblättrigen Trieben aus (Fig. 13.% in der Achsel von b), andere wurden, wenn die Pflanzen tiefer in den Boden eingesetzt waren, zu kurzen wagerechten ausläuferartigen Zweigen. In den Achseln der Kotyledonen waren oft die Knospen ganz deut- lich, manchmal aber liessen sich keine erkennen. Die Hauptwurzel der Keimpflanze, h in Fig. 2., wo die Spitze abgeschnitten ist, in Fig. 4. 5. 7. 9., verästelt sich mehr oder weniger ohne dabei irgendwie rübenförmig anzuschwellen; sie hat gleichfalls den bekannten Geruch. Bereits im Laufe des ersten Sommers, bald früher, bald später, stirbt sie ab, was auch mit dem kurzen Stämmchen (cauliculus) bis nahe an den Ansatz der Kotyledonen der Fall ist. In dem Stämmchen, das anfangs solide ist (x neben Fig. 9. giebt einen etwas vergrösserten Querdurchschnitt), trennt sich die Rindenschicht (Fig. 18. etwas vergrösserter Längsdurchschnitt durch den obern Theil des cauliculus, a Rindenschicht, *) Die Pflänzchen, nach welchen Fig. 4—9 gezeichnet wurden, sammelte ich Anfangs Juni; die verschiedenen Grade der Ausbildung waren wohl nur Folgen eines mehr oder minder günstigen Standortes; Fig. 10, wo die Kotyledonen schon zu welken begannen, Mitte Juni, ebenso die Fig, 1], — Fig. 12, wo die Kotyledonen a bereits abgestorben sind, Ende Juli; Fig, 13, Ende August, b Gfässbündel) schon frühzeitig von dem centralen Gefässbündel, so dass dieses einen ringsum freien Faden bildet. Zum Ersatz für die Hauptwurzel treten sehr bald, wenn letztere noch frisch ist, Nebenwurzeln auf. Die ersten (meist nur eine) brechen dicht unterhalb der Ko- tyledonen hervor (n in Fig. 7. 9. 10. 11.; 7@ zeigt eine noch im Parenchym des Stämmechens verborgene Nebenwurzel im vergrösserten Durchschnitt), die andern aus der beblätterten Achse oberhalb derselben. Sie werden schwach rübenförmig und bekommen mehr oder weniger Zasern, gleichen also, abgesehen von den im Allgemeinen geringern Dimensionen, ganz denen der ältern Pflanzen. Mit dem zweiten‘ Jahre erhöht sich bei den Saamenpflanzen normal die Anzahl der Laub- blätter; da an ihnen die Hauptwurzel, das Stämmchen unterhalb und ein kurzer Theil auch von der Achse oberhalb‘ der Kotyledonen mit den zu ihm gehörigen vorjährigen Laubblättern verwest ist, so sind ‘solche Exemplare, besonders wenn. die Blätter derselben fiedertheilig sind, nieht mehr von schwächern Pflanzen, die sich aus Ausläufern gebildet haben, zu unter- scheiden. In der freien Natur gelangen die Saamenpflanzen erst nach Verlauf einiger Jahre zur Blüthe, während sie bei zweckmässiger Gultur oft schon im zweiten Jahre blühen. $. 9, Was die Stelle betrifit, an welcher ‘die Nebenwurzeln bei unserer Pflanze hervortreten, so scheint sie keine zufällige zu sein. Sie- brechen nämlich in der Regel nicht grade unter der Mittellinie eines ‚Blattes, sondern seitwärts, rechts oder links von derselben, aus der Achse hervor. Dieses Verhältniss ist besonders deutlich an ältern und stärkern Grundachsen. Findet sich an jeder Seite der ‚Inserlion eines Blattes unfern der Mittellinie desselben (d. h. so’, dass die Ursprungsstelle einer Nebenwurzel nicht grade gleichweit von der Mittellinie des Blatt- rückens und von der Mittellinie der Scheidenseite entfernt ist, sondern näher an jener ersteren liegt) eine Nebenwurzel, ‚so leuchtet ein, dass, bei der Alternation der dicht über einander inserirten Blätter, die sämmtlichen Nehenwurzeln an einer Achse in vier Längsreihen geordnet erscheinen müssen (Tab. I. Fig. 5. d; 5* stellt das Verhältniss der Wurzelzasern zu zwei Blättern schematisch, wie auf: einem horizontalen Durchschnitt dar: « ist das untere Blatt, zu ihm gehören die Wurzeln cc, b: das obere, zu seinem Internodium gehören die Wurzeln dd). Zwei Wurzeln stehen dann, zu einem wnentwickelten Internodium gehörend, in derselben Höhe an der Achse. Dieses regelmässige Verhalten beobachtet man nicht selten an kräftigen Exem- plaren auf eine Strecke der Achse oder auch durchweg; aber es treten auch häufig Störungen darin ein, indem an manchen Internodien nur auf der einen Seite der Blattinsertion eine Neben- wurzel hervorbricht, oder manche Internodien, oft mehrere hinter einander, gar keine besitzen, oder auch eine Nebenwurzel wirklich unter der Mittellinie des nächstfolgenden Blattes auftritt, Pe pe oder endlich die Zahl ‘der Nebenwurzeln unterhalb eines Blattes sich zu drei bis fünf er- höht. — Bei den Keimpflanzen des 'ersten Jahres tritt wegen der geringen Stärke und der Kürze der Hauptachse das Verhältniss der Nebenwurzeln zu der letzteren nicht deutlich hervor, Es pflegt hier die erste Nebenwurzel unterhalb der Verbindungsstelle der Kotyledonen hervor- zutreten, man findet sie indess auch unter der Rückseite eines Kotyledonenblattes. $. 10. Wenn ich vorhin, $. 8., die normale Weiterbildung der Keimpflanzen beschrieben habe, so sei auch noch eines abweichenden Verhaltens derselben gedacht. Zwischen den Moos- polstern, ‚welche an der Nordseite unserer trockenen Bergabhänge manche Stellen überziehen, fand ich nicht selten kleine Baldrianpflänzchen, deren Internodien mehr oder weniger ent- wickelt waren und an denen ausser den Laubblättern (mit ungetheilter Lamina) auch Scheiden- blätter auftraten. Fig. 14. tab. I. stellt ein solches Pilänzchen im zweiten Jahre, Anfangs Juni, dar: die Hauptwurzel h, die Keimblätter a a, das erste und einzige Laubblatt (b ist dessen Stiel) des vorigen Jahres sind theilweise noch vorhanden, aber abgestorben; es findet sich eine Nebenwurzel n» und oberhalb des abgestorbenen Laubblattes ein frisches Scheidenblatt e, BUS dessen Mündung das diesjährige Laubblatt d hervorsieht;; die beiden letzten Theile stellt Fig. 16. etwas vergrössert dar. Fig. 15. zeigt eine ähnlich gebildete, doch schon ältere Pflanze: die beiden untersten Internodien b b sind gänzlich abgestorben, und nur die Gefässbündel sind übrig geblieben; a, o und d sind die Blattknoten der Internodien, bei d und e scheinen, wie man aus den borstenförmigen Resten der Gefässbündel schliessen kann, Laubblätter gestanden zu haben, b* ist ein noch frisches Internodium, f ein Scheidenblatt, aus dessen Mündung auch hier ein Laubblatt g hervortritt, nn zwei Nebenwurzeln. Es scheint, dass der unangemessene Standort zwischen dem Moose, das Jährlich höher wird, die Veranlassung zur Streckung der Internodien jener Pflänzchen ist, und dass die spärliche Nahrung, nur eben hinreichend sie zu erhalten, ohne ihr Wachsthum wesentlich zu fördern, die Bildung der Schuppenblätter bewirkt. Bei weitem die Mehrzahl solcher Pflanzen stirbt ab, ohne so weit zu erstarken, dass die Blüthen- bildung möglich würde. Aehnliche Gebilde mögen wohl auch aus den Ausläufern anderer Exemplare entstehen. — Dass mindestens die Streckung der Internodien eine Folge des un- günstigen Standortes sei, scheint mir aus dem analogen Verhalten anderer Pflanzen hervor- zugehen. So findet man bisweilen zwischen hohem Moos die sonst unentwickelten Internodien kräftiger, nicht blühender Triebe von Salvia pratensis über einen Zoll lang gestreckt; auch von Val. offie. selbst fand ich an zwar fruchtbaren, aber von vielem Buchenlaube überlagerten Stellen nichtblühende aber dabei starke Exemplare, wo die Internodien, die in der Regel un- entwickelt sind und die dichte Blattrosette bilden, die Länge eines halben Zolls erreicht hatten, —— u um den reichblättrigen Endtrieb über die Laubdecke zu erheben und ibm das Licht und die Luft zu erhalten. Es ist ja zwischen unentwickelten und entwickelten Achsengliedern kein absoluter Gegensatz. $. 11. Valeriana dioica*) weicht in mancherlei Beziehungen von V. offic. ab. Die Grundachse, aus der der Blüthenstengel hervorgeht, hat bei jener Art nicht durchweg unentwickelte Inter- nodien, wenigstens bleiben auch die gestreckten Internodien der ausläuferartigen Achse, die bei V. offic. frühzeitig absterben, hier länger lebensfrisch, ohne dabei eine bedeutende Stärke zu erlangen. Fig. 11. Tab. III. giebt die Ansicht von einem kräftigen Exemplar im Spätherbst, zu Anfang des Novembers; bei c ist der Blüthenstengel des vorigen Frühjahrs abgestorben, die Achse, welche durch ihn abgegrenzt wurde, «—o, ist hier noch ganz frisch, während die entsprechenden 'Fheile bei V. offic. gänzlich abgestorben sein würden, cf. $. 3., und steht noch in lebendigem Zusammenhange mit den gestreckten Zweigen. Die grüngefärbte Achse der letzteren ist nicht so brüchig wie die der Ausläufer von V. officinalis; ihre ersten Internodien sind meist kurz, dann kommen einige längere und etwas stärkere, die an der Spitze werden sehr kurz, und es bilden daher die Blätter eine lockere Rosette, welche schon im Herbste den noch kurzen Blüthenstengel einschliessen (Fig. 13. giebt einen senkrechten Durchschnitt durch die Achsenspitze des obersten Triebes aus Fig. 11: a die Basis eines Laubblattpaares in der Mittellinie durchschnitten, b Basis des folgenden Laubblattpaars an der scheidenförmigen Ver- wachsungsstelle durchschnitten, ce die obern Stengelblätter, welche den Blüthenstand umgeben). *) Bei dieser Art konnte ich immer drei Blüthenformen, die auf verschiedenen Exemplaren vorkommen, unterscheiden: 1) die grössten. Bei ihnen ist der Fruchtknoten sehr klein, mehrmals kürzer als die Blumenkrone, der Griffel kurz, tief unten in der Kronröhre sitzend, ungefähr bis an die Stelle derselben reichend, wo die Stamina frei von ihr abgehen, die Narbe unentwickelt. Staubgefässe so lang oder etwas länger als der Limbus der Krone, Antheren vollkommen, Inflorescenz locker. Die Pflanzen sind unfruchtbar. 2) Mittelgrosse Blüthen, Fruchtknoten noch einmal so hoch als bei 1, Blumenkrone un- gefähr halb so gross wie bei 1. Der Griffel reicht ungefähr bis zur Zerspaltung der Krone in die fünf Lappen, Narbe drei-, oft fünfspaltig; Staubgefässe etwas niedriger oder ebensolang wie der Griffel, Antheren meist unvollkommen, Blüthen fruchtbar, Inflorescenz gedrängt. 3. Kleinste Blüthen, Fruchtknoten wie bei 2; Blumenkrone fast um die Hälfte kleiner als bei 2, Griffel in einer Höhe mit dem Rande der Krone oder über denselben hervortretend, Narben drei-, oft fünfspallig. Staubgefässe nicht bis zur Spaltung des Limbus reichend. Blüthen fruchtbar, Inflorescenz gedrängt. Ueber den Blüthenbau der Valerianeen vergleiche man WyprEr in Berl. Bot. Zeitung 1844, Spalte 611 und in der Flora 1851. p. 251, sowie Scanızıein in Berl. Bot. Zeit. 1848, Sp. 62; über die Inflorescenz Wynuer in der Flora 1851. p. 385. — Bei V. offieinalis, Phu und dioica ist in der Regel der Blüthenstengel nicht durch eine Blüthe abgegrenzt, sondern diese schlägt fehl. Die untern mit Laubblättern versehe- nen Zweige haben bald eine Endblüthe, bald nicht, und so mag wohl auch bei dem Hauptstergel ein ähnlicher Wechsel vor- kommen, Auch bei den Valerianellen, deren Verästlung bereits den trefflichen Juncius beschäftigte, tritt bisweilen an dem Hauptstengel eine Terminalblüthe auf, die in den meisten Fällen abortirt. ui ME Die ersten Blätter eines Ausläufers sind unvollkommen, Fig. 12. aa bb, mehr schuppenförmig, indem die Lamina sich gar nicht, Fig. 14. ein einzelnes Blatt, oder nur wenig, Fig. 15., gegen den breiten Stiel abgrenzt; die der folgenden Paare werden vollkommner, und die der Rosette sind meist lang gestielt und haben eine angemessen grosse Lamina. Im Laufe des Sommers sterben die Blätter der gestreckten Internodien ab, bei h und k in Fig. 11., die untern Blätter der Rosette, — bei g, ihre Stiele sind durchschnitten — sind meistens im Herbste noch vor- handen, aber während des Winters pflegen mindestens die äussern abzusterben. Alle Blatt- achseln der horizontalen Achse und der Blattrosette tragen Knospen zu perennirenden Zweigen: die unteren, bei h, haben eine schwächere Entwicklung und bilden sich oft gar nicht aus, die obern, k, Z, m, strecken sich schon im Herbste und wachsen dann im nächsten Frühjahr wieder zu Ausläufern aus *). $. 12, Diejenigen Zweige, welche in der zweiten Vegetationsperiode nicht zur Blüthe gelangen, — und ihrer pflegt die Mehrzahl zu sein — bilden zwar auch eine lockere, doch minder reich- blättrige Rosette (f in Fig. 11., dd waren ähnliche Zweige, die der Raumersparniss wegen ab- geschnitten wurden; die unteren und älteren Zweige waren mit der Mutterachse nicht mehr in Verbindung, und es waren von ihnen nur kurze Stücke & stehen geblieben), aber dann pflegen sich die neu entstehenden horizontalen oder schief aufsteigenden Internodien des weiter wach- senden Terminaltriebes wieder zu strecken, ohne sich jedoch über den Boden zu erheben, bis wieder kürzere erscheinen und gegen den Herbst aufs neue eine Rosette bilden. Das kann sich mehrmals wiederholen, bevor. ein Blüthenstengel das Wachsthum nach oben abschliesst. _Daher findet man an den Achsen mancher Exemplare einige Mal abwechselnd eine Reihe nahe an ein- ander stehender und dann: wieder getrennte Blattnarben; so hat in Fig. 11. bei b die Blatt- rosette des vorletzten Frübjahrs gestanden, die kurzen Internodien der Achse an der Basis des Blüthenstengels des letzten Frühjahrs haben sich mit diesem selbst bei c abgetrennt. Man kann oft ‚unter. der Blattrosette noch drei frühere, noch frische Jahrgänge an nicht blühenden Exem- plaren unterscheiden. Ein solcher Wechsel von längern und kürzern Gliedern findet sich, wie oben angegeben wurde, an der Grundachse der V. offic., wenn sie erst eine Laubrosette gebildet _—____0. er ; ).Fig. u ist der senkrechte, vergrösserte Durchschnitt durch die Spitze eines noch nicht sehr entwickelten Ausläufers. Bei «a und. c ist. die Verbindungsstelle der opponirten Blätter geiroffen, bei b und d deren Mediane, e ist das Endknöspchen, » 9 eine Lücke in dem Blattparenchym, h Gefässbündel der Achse. Fig. 19. wenig vergrösserter senk- rechter Durchschnitt durch einen kurzgliedrigen. Achsentheil eines Ausläufers, dessen Blätter bereits abgestorben. Bei a ist die Mediane der Blätter, Knospe c, f zwei axilläre Knospen bei 5 die Verbindungsstelle der opponirten Blätter getroffen. In jeder Achsel eine sitzengebliebene Abh. d. Nat. Ges, zu Halle. Ir Band, 3s Quartal. 5 ESSEN See u, hat, nicht, so wenig wie eine solche Dauer der frühern Jahrgänge, und es entspricht wohl jener Wechsel dem ‚Standorte der Val. dioica, dessen Niveau an feuchten Stellen durch das weiter- wachsende Moos sich oft erhöht. — Ist der Boden fester‘, so werden die Seitentriebe oft so kurz, dass sie ganz den Charakter der Ausläufer einbüssen. $.13. Die vegetativen Blätter sind bei V. dioica in allen normalen Fällen*) opponirt. Die Knospenlage der zwei entgegengesetzten Blätter ist gewöhnlich obvolutiv, die schemat. Fig. 18.; Fig. 16. ist der vergrösserte Querschnitt durch zwei Blattpaare in der Knospe: das untere Paar aa ist in den Stielen, das obere b in der Lamina getroffen. Die Ränder der Blätter krümmen sich gewöhnlich etwas einwärts, mindestens in dem spätern Zustande der Knospe. Uebrigens ist auch die foliatio equitans, Fig. 17., nicht gar selten. $. 14. Schon bei der Keimpflanze (die man im Frühling findet) zeigt sich die opponirte Blatt- stellung. Tab. II. Fig. 1. zeigt die Frucht s einige Mal vergrössert von der mit einem Nerv versehenen Seite, aus der Spitze dringt die Wurzel h hervor, In Fig. 2. — etwas vergrössert, Fig. 3. ist die natürliche Grösse — ist die Keimpflanze weiter fortgeschritten: s die Frucht- schale von der mit drei Nerven versehenen Seite, a Keimblätter, c cauliculus, h die Hauptwurzel. Fig. 4. die Keimpflanze, wie sie eben aus der Haft der Fruchtschale hervorgetreten ist, in na- türlicher Grösse. In Fig. 5. (mehrmals vergrössert) ist bei * das eine Keimblatt eines Pflänz- chens, welches eben diese Fruchtschale abgestreift hatte, hinweggenommen und das Stengelchen auf dieser Seite halbirt, a ist das andere Keimblatt, vor welchem das aus zwei opponirten, mit den Keimblättern sich kreuzenden Blättern b bestehende Knöspchen steht. Die ausgewachse- nen Keimblätter varüren auch hier in Bezug auf ihre Form, Fig. 7., und die Länge ihrer Stiele. — In Fig. 6. hat sich die Achse oberhalb der Keimblätter zu einem zwar kurzen, doch deutlichen Internodium gestreckt, welches seine beiden rundliehen Blätter b entfaltet hat**). Fig. 8. *) Eine seltene Abnormität ist es, wenn die zwei zu einem Internodium gehörigen Blätter mit ihren Stielen und mehr oder weniger mil den entsprechenden Seitenrändern ihrer Lamina verwachsen, so dass die Jetztere einen verkehrt-herzförmigen Umriss erhält, Es versteht sich von selbst, dass ein solches Zwillingsblatt eine solche Stellung einnimmt, dass es vor Jas eine Blatt des über oder unter ihm stehenden normal gebliebenen Blattpaares zu stehen kommt, Knospenbildung beobachtete ich übrigens in der Achsel eines solchen monströsen Blattpaares' nicht, ; **) Trotz der gestreckten Internodien erheben sich die Keimpflanzen mit ihrer Achse nicht auffallend über die Oberfläche ihres Standorts, sondern jene bleibt in dem feuchten, oft von Moos überdeckten Boden, und nur die Blätter treten über den- selben hervor, a stellt dieses Internodium mit dem unteren Theile der beiden Blattstiele b und dem Endknöspchen c etwas vergrössert dar; Fig. 9. zeigt dieses Knöspchen c, indem ‚der eine Blattstiel davor hin- weggenommen ist, man sieht deutlich, dass sich das junge Blattpaar c auch hier mit dem vor- hergehenden kreuzt. i Im ersten Jahre pflegen die: Keimpflanzen in der freien Natur nur wenige, 2—4 Blatt- paare zu treiben. Im nächsten Jahre wächst die Endknospe, nur Laubblätter entfaltend, weiter. Die [Achse wird in den neuen Theilen kräftiger und nimmt allmählich eine schiefe oder fast wagerechte Richtung an, und Nebenwurzeln, die übrigens auch schon im ersten Jahre entstehen, brechen aus derselben hervor, Fig. 10. eine zweijährige Pflanze, Mitte Juni; bei a standen die Keim-, bei b und c die vorjährigen Laubblätter, d—g sind die diesjährigen Laubblätter; bei a b c stehen kleine Knospen, h ist die Haupt-, n die Nebenwurzel. Die Hauptwurzel ist hier keineswegs so vergänglich — das Parenchym derselben sowie des caulieulus ist noch im zweiten Jahre solide — und der Ersatz derselben durch eine Nebenwurzel deshalb auch. nicht noth- wendig wie bei V. officinalis, vielmehr dauert jene meistens einige Jahre, ohne eine auflallende Länge und Stärke zu erreichen. Wenn aber eine direct aus einem Saamenkorn hervorgegan- gene Pflanze zur Blüthe gelangt, worüber mehrere Jahre vergehen, so möchte die Hauptwurzel wohl nicht mehr vorhanden sein. Eine solche Pflanze verhält sich im Uebrigen bei ihrer fer- nern Entwicklung ganz wie eine solche, die ursprünglich der Zweig einer andern Achse war und die schon ausführlicher beschrieben wurde. — Von den in den Achseln der Keim- und Laub- blätter stehenden Knospen entwickeln sich unter günstigen Umständen bald mehr bald weniger; eine im Topf gezogene und gut gepflegte zweijährige Pflanze hatte ihre sämmtlichen Axillär- knospen entfaltet und die Zweige bildeten zusammen mit der Hauptachse einen. lockern Rasen. $. 15. Ich lasse hier einige Bemerkungen über die Gefässbündel der Achsen bei V. officinalis und dioica folgen. In dem Blüthenstengel beider Arten zeigen sich auf einem horizontalen Durch- schnitte regelmässig vier und zwanzig Gefässbündel, durch Theilung einzelner Gefässbündel er- höht sich indess hier, wie fast immer bei V. Phu, die Gesammtzahl, zuweilen bis 28 und 30. Bei der zuerst genannten Art lassen sich besonders deutlich zwölf stärkere und ebenso viel schwächere unterscheiden. Jene liegen unter den etwas hervortretenden Kanten, diese unter den Vertiefungen des Stengels*). Von den stärkeren geben sechs, aa bbbb in Fig. 26., die *) Tab. IM. Fig. 26. ein Querdurchschnitt durch den hohlen Stengel, schematisch. Die nicht bezeichneten Punkte sind die in den Vertiefungen verlaufenden Gefässbündel. — Fig. 27. stellt die Gefässbündel unter einem Blattpaare schematisch in eine. Fläche geordnet dar; die Bezeichnung entspricht der in Fig, 26., die unterbrochenen Linien bezeichnen die schwächeren Gefässbündel, A A sind die beiden Blatistiele, 5* Gefässbündel in das nächst oberste Blattpaar ab, je drei — a als Mittel-, b als Seitennerven in ein Blatt. Sie bilden dicht unterhalb der Stelle, wo die Blätter abgehen, einige Anastomo- sen, Fig. 27.; die sechs andern, Fig. 26. c, versorgen in gleicher Weise die zwei Blätter des zweiten Knotens. Von den Gefässbündeln, welche das als das erste angenommene Blattpaar mit den Hauptnerven versahen , gehen dann wieder die des dritten ab und so fort. Bei V. dioica ist es ganz ähnlich*), nur ist der Blüthenstengel nicht gestreift; bloss unter der Stelle, wo die Seitenränder eines Blattpaares zusammenstossen, hat er meistens eine leichte Vertiefung, Fig. 24. bei c. Bestimmter zeigt sich diese letztere bei Valerianella dentata**), Fig. 25. c, in deren Stengel sich gleichfalls, wenn schon nicht so gut, vier und zwanzig Gefässbündel erkennen lassen. — Auf dem Querdurchschnitt ganz zarter Ausläufer von V. offic. fand ich 6 Gefäss- bündel, Tab. IV. Fig. 10. etwas vergrössert, drei stärkere zu dem nächsten, und drei schwächere zu dem zweitfolgenden Blatte in Beziehung stehende. An stärkern Ausläufera mit alternirenden Scheidenblättern fand ich 12, 18, 21, 24 Gefässbündel; letztere Zahl auch bei Ausläufern mit opponirten unvollkommenen Blättern. In Blüthenstengeln mit alternirenden Blättern fand ich bald 21, bald 24 Gefässbündel, deren Verlauf gleichfalls deutlich zeigte, dass man es mit streng abwechselnden Blättern zu thun hat. | Unterhalb der Blattrosette fand ich bei V. dioica in den Internodien, welche auf dem Querdurchschnitt, Fig. 21., ein Oval darstellen mit zwei schwach hervortretenden Kanten, die dem Mittelnerv der beiden nächstfolgenden Blätter entsprechen, regelmässig nur 12 Gefässbündel. In der Mitte der Internodien , besonders wenn sie länger sind, ist oft kaum ein Unterschied in der Stärke der Gefässbündel und ihrer Lage zu der Peripherie des Stengels wahrzunehmen ; je ‘näher man aber mit den Querschnitten einem Blattknoten rückt, desto deutlicher markiren sich ihrer sechs als etwas stärker und dabei ein wenig nach aussen zu der Peripherie tretend ***). Von diesen sechs (Fig. 22., der vergrösserte Durchschnitt ist dicht unter dem Blattknoten ge- nommen, a ist das mittlere, bb die seitlichen Gefässbündel) gehen die Gefässbündel zu dem nächsten Blattpaare, während von den mit ihnen alternirenden — cc Mittelnerv, und dddd — und erst in dem folgenden Internodium als die stärkeren auftretenden die Gefässbündel zu den *) Fig. 24. a die Seite, wo die nächsten Blätter stehen, **) Diese Art hat oft noch zur Rlüthezeit die Keimblätter und dann gleich über diesen entwickelte, wenn schon meistens kurze Achsenglieder; V. olitoria, im Herbste keimend, treibt erst eine Anzahl von Blattpaaren an unentwickelten Stengelgliederr und im nächsten Frühjahr den Blüthenstengel, Doch erleiden diese Verhältnisse unter Umständen Abänderungen, Auf diese Valerianella-Arten passt P. pr CannorLe’s Angabe (prodr. IV.): radices specierum annuarum inodorae, welche sich auch bei Enp- Lıcher ench, wiederholt, nicht; denn ihre Wurzeln riechen und schmecken wie der offieinelle Baldrian, freilich nicht so stark. Auch F. Corumna eephr, p. 204 sagt von den Varianellen: Valerianae affimes sunt quodammodo radieis odore. Man sehe auch Scaniziein Berl. Bot. Zeitung 1848, Sp. 63. i ***) Ein Auf- und Niederwogen der Bildungskraft innerhalb der anatomischen oder histologischen Sphäre ist in allen die- sen Erächeinungen nicht zu verkennen, _— MM = Blättern des relativ zweiten Knotens übergehen u.s.f. Das mittlere Gefässbündel bildet in dem Blattknoten gleichsam den Mantel eines ganz spitzen Kegels, in dessen FERNER auch das Mark 'aus dem Stengel in den untern Theil des Blattstiels hinübertritt. Die Nebenwurzeln, welche bei V. dioica in der Regel dicht unter einem Blattknolen her- vorbrechen, indem sie die Oberhaut von einander drängen — Fig. 23. etwas vergrössert, b Blattstiel, a oberes Internodium, c Nebenwürzeln — stehen natürlich immer in Beziehung zu einem Gefässbündel. Sie gehen regelmässig von den (schwächern) Gefässbündeln aus, die die Gefässbündel zu dem zweitfolgenden Blattpaare abgeben. Sind der Nebenwurzeln unter einem Blattknoten 1—4, so pflegen sie von den Gefässbündeln auszugehen, von denen sich die seit- lichen Nerven des vorhin bezeichneten Blattpaares bilden (Fig. 22., bei d ging jedesmal eine (abgeschnittene) Nebenwurzel, deren Gefässbündel die Rindenschicht durchsetzen, ab); steigt ihre Zahl auf 5 und 6, dann gehen die hinzutretenden von den Gefässbündeln (Fig. 22. cc) aus, von welchen sich die Mittelnerven jenes Blattpaars abzweigen. Es kommen aber auch Blatt- knoten vor, unter denen sich eine einzige Nebenwurzel findet, die aber dennoch von einem Ge- fässbündel ihren Ursprung nimmt, von welchem gewöhnlich nur die fünfte oder sechste ausgeht. Bisweilen erhöht sich die Zahl der Nebenwurzeln auch dadurch, dass zwei dicht neben einander aus einem und demselben Gefässbündel ausgehen ; seltner scheint der Fall, dass auch unmittelbar oberhalb eines Blattknotens links und rechts von der Mediane der an ihm stehenden Blätter Nebenwurzeln auftreten *). Auf die Regelmässigkeit in der Anordnung der Nebenwurzeln bei Val. offic. habe ich be- reits oben $. 9. aufmerksam gemacht. Bei dieser Art, an der die Blätter der: wurzelbildenden Achse so dicht übereinander stehen, ist es freilich gleichgültig, ob man sagt, die Wurzeln brä- chen ober- oder unterhalb der Blattknoten hervor, was ja streng genommen auch von V. dioica gilt. Bei V. offic. findet wahrscheinlich ein ähnliches Verhältniss zwischen den Gefässbündeln der Achse und den Wurzeln statt, aber eben wegen der unentwickelten Internodien ist Alles undentlicher. $. 16. Valeriana Phu**) stimmt, wie schon TARernarmontanus bemerkt, in vielen Stücken mehr mit: V. dioica ‘als mit V. office. überein, und es erscheint daher die systematische Anordnung *) Die Wurzeln werden oft über spannelang, bleiben aber immer schwächer als bei V. officinalis. Die Gefässbündel der- selben sind anfangs auch deutlich getrennt, ihre Zahl schwankt von 3-6; in etwas älteren Wurzeln bilden sie eine fast ge- schlossene Figur, mit hervorspringenden Kanten. Fig. 24. auf Tab, IV. giebt einen ungefähr 5mal vergrösserten ‚Querschnitt durch eine Wurzel. **) Das natürliche Vorkommen dieser Art scheint noch nicht hinreichend ermittelt zu sein, Dr CanpoıLe sagt im Prodro- ‚mus! habitat in subalpinis Alsatiae (?), HeWetiae, Silesiae ect, nec in Pyrenaeis. Der Schweiz und Schlesiens gedenkt Kocn’s bei oe Canvorze, welcher V. Phu dicht 'neben V. dioica stellt, ‚weit naturgemässer als die anderer Schriftsteller, welche diese beiden Arten in zwei verschiedenen Sectionen und V. Phu mit V.offic. in eine und dieselbe bringen. V. Phu hat durehweg opponirte Blätter. Die Grund- achse (radız obliqua crassa DE C.) wird weit stärker als bei V. dioica und liegt wagerecht oder schief aufsteigend, oft auch auf- und abgebogen im Boden, Fig. 1. Tab. IV. ein mässig- starkes, nichtblühendes Exemplar im Sommer, die meisten Blätter an der Spitze sind nicht mitgezeichnet, ‚Die Internodien sind fast durchweg weit kürzer als bei V. dioica, weshalb die Achse durch ‚die Blattnarben dicht geringelt erscheint; auch dauern die Theile derselben län- ger, bevor die Achse an ihrem unteren oder hinteren Ende abstirbt. An schwächeren Trie- ben — eigentliche Ausläufer kommen nicht vor — sind übrigens die Internodien gegen einen halben Zoll lang, Fig. 2., die untern Blälter waren abgestorben. Die oft langen, mässig star- ken Nebenwurzeln *) brechen vorzugsweise an der nach unten gekehrten Seite der Grund- achse hervor. synops., welche überhaupt bloss einen Standort, zwischen Verviers und Limburg, angiebt, bei unserer Pflanze nicht. Es scheint, dass dieselbe früber (auch jetzt noch?) in manchen Gegenden häufig eultivirt wurde; es deuten darauf manche ältere Angaben, 2.B. bei Tracus; welcher zwar sagt: ‚der gross und edlest Baldrian ist nicht gemein“, doch hinzufügt: „die alten Weiber und Gärtnerinnen zu Strassburg verkaufen es für Calmus (worunter nicht Acorus Calamus zu verstehen ist, den Tracus noch nicht kannte), das reimt sich dazu wie Basilgen zu der Nessel.‘“ TaBERNAEMOnNTAnNUS spricht sich bestimmter aus: „Es wird dieses Ge- wächs mehrentheils bei uns in Gärten gepflanzt, wiewohl es auch in den Wäldern und etlichen hohen Bergen in Teutschland gefunden wird, doch gleich wohl selten, aber in dem Bitschergewäld zwischen Materhausen und dem Städtlein Reichshofen (letzteres liegt im Elsass, Depart, Nieder-Rhein) wächst es in ziemlicher Menge, da ich und der weitberühmte Philosophus Guriermus Turserus es erstlich gefunden und gesammelt haben, sonst hab ichs von selbst wachsend nirgends gefunden.“ Auch die Bezeichnung bei F, Corumsa; Valeriana, vulgaris major hortorum, setzt einen allgemeinern Anbau voraus, und die vielen älteren Namen, welche in den Kräuterbüchern vorkommen, weisen darauf hin, dass die Pflanze allgemeiner, mindestens im westlichen Deutschland und den angrenzenden Ländern, bekannt war, z. B. Jaergewand (kölnischer Name), Tame (zahmer) Valeriane und St. Joriskruyt (St. Georgskraut) im Brabantischen, Teriniskraut (wohl nur zufällig an Taranis, den Namen eines celtischen Gottes, anklingend); der Name herba divae Mariae Magdalenae rührt wohl daher, dass die kirchliche Tradition mit Maria aus Magdala die Maria, die Schwester des Lazarus, welche Jesum Christum kurz vor seinem Tode mit köstlichem Narden salbte, identificirte, und dass man den Narden mit unserer Pflanze in Verbindung setzie. — Ob hierher der Nardus creticus des Plinius (hist. nat, XII, c. 12) zu ziehen sei, ist zweifelhaft, man vergl, F, Corumna Phylob., sonst würde V, Phu als eine ursprünglich südlichere Pflanze anzusprechen sein. — Uebrigens scheint unsere Art an dem von TABERNAEMONTANUS angegebenen Standort nicht mehr vorzukommen, mindestens weiss die neuste Flora von Frankreich Gnenier’s und Goprox’s nichts davon ; sie hat zwar mehrere andere Standorte, giebt aber ausdrücklich an, dass die Pflanze nur verwildert (subspontanee) sei. Letz- tere hat allerdings, wie ich aus Erfahrung weiss, eine grosse Neigung zum Verwildern, — In v. Spıx und v. Marrıus Reise 1, p. 87, in Brasilien ist V. Phu mit unter den Pflanzen aufgezählt, welche auf Madeira in der Zone des Weins, des Obstes und des Getreides vorkommen; es bleibt aber dahingestellt, ob die Pflanze daselbst einheimisch sei, da nach den Muthmassungen der Reisenden die in jener Zone vorkommenden Pflanzen mit dem Weinstock und dem Getreide aus Asien und Südeuropa dorthin gebracht sind. — Beiläufig bemerkt, ist es nicht richtig, dass die Nore de France p. Grexırr et Gopron unserer Pflanze schlecht- weg fruit glabre beilegt; es mag eine solche Frucht vorkommen, aber die von mir untersuchten Pflanzen hatten deutlich be- haarte Früchte (man sehe auch Dozıı rhein. Fl.). Die Behaarung findet sich auf der Seite der Frucht, wo. die Fläche dersel- ben mit drei Nerven versehen ist, zwischen dem mittelsten und den nächsten Seitennerven, in je eine Reihe geordnet, seltner ausserhalb der Seitennerven. Auch die Zweige der Inflorescenz sind nach oben zu behaart. *) Sie, haben, wie die Achse, eine ziemlich lange Dauer, und man kann auf dem Querschnitt älterer Wurzeln an den Ge- 2 Ebenso bilden sich die Knospen zu den Zweigen hauptsächlich in den Blattachseln an der untern Seite der Grundachse, Fig. 1. k%; auf der obern Seite bemerkte ich oft auf langen Strecken gar keine. Oefters aber brechen auch aus den Blattachseln hüben und drüben an der Grundachse Knospen hervor und dann bald in beiden Achseln eines Blattpaars, bald bringt jedes Blattpaar nur in der einen Achsel eine Kniospe, und zwar so, dass nicht, wie z. B. bei Gentiana Crüciata, erst das je fünfte Blattpaar an derselben Achsenseite eine Knospe erzeugt, sondern schon das je dritte; Fig: 3. ein kürzes, aufrecht gestelltes Stück, welches so im Boden lag, dass die beiden Knospen kk und die Nebenwurzeln nn nach unten gerichtet was ren, s ist die Knospe eines seitwärts gestellten (entfernten) Blattes, 7 die Knospe des dritt- nächsten Blattpaars; m ist die Narbe einer Nebenwurzel. — Ein Wechsel von Laub- und Schuppenblättern findet an dem Haupttriebe nicht statt, ein Theil der Blätter pflegt auch im Winter grün zu bleiben. Die Zahl der Gefässbündel in der Grundachse (Fig. 4. von einer stärkeren Pflanze) ist meistens gross. Die äusserste Schicht des Rindenparenchyms zeigt eine etwas andere anato- gefähr 60mal vergrössert, auf dem Querschnitt betrachtet, ganz allmählich in die aus rund- lichen Zellen zusammengesetzte tiefere Rindenschicht übergeht, erscheint bei V. Phu, Fig. 5., die äussere, breitere Schicht von der innern deutlich abgesetzt, indem die Zellen der ersteren auf dem Querschnitt ziemlich regelmässig vierseitig sind. $. 17. Die andern Valeriana-Arten der deutschen Flora habe ich nur in getrockneten Exemplaren untersuchen können, und ich kann daher nur wenige Beobachtungen über sie mittheilen. Sie stimmen mit den bisher betrachteten Arten darin überein, dass der Blüthenstengel terminal ist, und dass ausser demselben keine mit gestreckten Internodien sich über den Boden erhebende absterbende Achsen auftreten *), Eigenthümlich ist die Art, wie V. iuberosa perennirt. Am Grunde des Blüthenstengels, — tab. II. Fig. 28. A, q Stengelblätter — stehen einige Blätterpaare, n bereits abgestorben, o und p noch frisch. Aus der Achsel eines Blattes, das meist zur Blüthezeit schon verwest ist, bricht der Trieb für das nächste Jahr hervor in F orm einer kurzen, 1—3‘' langen walz- lichen Achse, Fig. 28, und 29. d ‚ an welcher zu jener Zeit entweder nur schuppenförmige fässbündeln, die ursprünglich durch breite Markstrählen getrennt sind, deutlich einige wenige Jahresringe erkennen. So Fig. 23, ungefähr fünfmal vergrössert, *) Bei Cenlranthus ruber erhebt sich der Stengel der Keimpflanzen schon im ersten Jahre oft spannenhoch über den Boden, Die Hauptwurzel bleibt und vergrössert sich angemessen. u Blätter (Fig. 29. ef), oder ausser diesen auch schon ein. Laubblattpaar (Fig. 28.c, 29. 9) zu erkennen ist. Dicht unter diesen Blättern bricht aus der Knospenachse frühzeitig schon eine zuweilen mehr fadenförmige, oft aber gleich anfangs dicke fleischige Nebenwurzel hervor (Fig. 28. und 29. b; Fig. 30. giebt einen ‚Durchschnitt durch die Achse d, die Knospe c, de- ren äussere Blätter weggenommen sind, und durch den oberen Theil der Wurzel b), welche an ihrer Spitze, zuweilen auch seitwärts, einige dünne, manchmal aber auch stärker anschwellende Aeste treibt. _Sie erreicht oft die Länge von zwei Zoll, wie: denn überhaupt die Form und Grösse der Knolle sehr abändert. An manchen Exemplaren findet man mehrere solche Knos- pen; zuweilen auch eine solche, deren Knollenwurzel zur Blüthezeit der Mutterpflanze noch nicht ausgewachsen ist.., Manchmal sind die Knospen auch sitzend. Es ist wohl keinem Zweifel unterworfen, ‚dass die Mutterpflanze sammt ihrer Wurzelknolle, Fig. 28. B, nach der Fruchtreife ganz und gar abstirbt, so wie auch, dass die kurze Achse d, des neuen Triebes, welche den Zusammenhang. des letzteren mit der Mutterpflanze vermittelt, verwest. Die frische Knollenwurzel, die in der That nur eine Nebenwurzel ist, scheint dann wie eine Hauptwurzel die unmittelbare Verlängerung der im folgenden Jahre zum Blüthenstengel aufschiessenden oder auch nur eine Blattrosette ‚hervorbringenden Achse nach untenhin zu bilden. Das Ganze hat sehr grosse Aehnlichkeit mit der bei den Ophrydeen vorkommenden Knollenbildung; es fehlen zwar die fadenförmigen Nebenwurzeln, die bei den Ophrydeen an der Basis der Stengelachse hervorbrechen, allein sie scheinen für V. tuberosa nicht so nothwendig, da an der Knolle selbst viele dünne Aeste hervorbrechen. V. tripteris hat eine mehr oder weniger verzweigte Grundachse. Die Zweige, welche nicht dicht bei einander stehen, steigen ziemlich senkrecht im Boden auf und sind weder in Betreff der Blattbildung, noch der Internodien ausläuferartig. Es wechseln oft Reihen von län- gern und kürzern Internodien mit einander ab. Die am Grunde der Blüthenstengel sind sehr kurz. Die Blätter sind opponirt. — Die verschiedenen Jahrgänge der unterirdischen Achsen- theile bleiben lange mit einander vereinigt, und man erkennt häufig an ihnen noch die Reste abgestorbener Blüthenstengel. Die nicht blühenden Triebe (Wurzelköpfe) haben an ihrer Spitze eine lockerblättrige Rosette. — An manchen Blüthenexemplaren war eine kräftige verästelte Hauptwurzel zu erkennen, an anderen war dieselbe nicht mehr, sondern nur ziemlich verein- zelte, dabei zarte Nebenwurzeln vorhanden. Im Ganzen ebenso scheint sich V. monlana zu verhalten. Bei V. supina verzweigt sich die oft sehr lange, von entwickelten Internodien gebildete, dabei schwache unterirdische Achse in ähnlicher Weise wie bei V. dioica. Die neuen Triebe sind bald länger, bald kürzer; ihre ersten Blätter sind etwas unvollkommen, haben aber schon eine kleine, verkehrt eiförmige grüne Lamina und sind entgegengesetzt. Wo sie über den Boden treten‘, ordnen sie sich zu. einer kleinen Rosette. Diejenigen Triebe, welche sich nit unter der Oberfläche des Bodens hinziehen, sondern gleich über dieselbe hervortreten, haben auch durchweg ganz kurze Internodien und bilden sofort eine dicht neben der Mutterachse stehende Laubrosette. Die Nebenwurzeln sind sehr zart; die Hauptwurzel fehlt wohl immer bei den Blüthenpflanzen. Bei V. Saliunca, deren Grundachse im Verhältniss zu der niedrigen Pflanze ziemlich stark ist, stehen dicht neben dem Blüthenstengel mehr oder weniger neue von vollkommenen Blättern gebildete Triebe. Sind sie in Mehrzahl vorhanden, so bilden sie bei der Kürze aller Internodien einen dichten Rasen. Blätter opponirt. Ä Die Grundachse von V. celtica liegt wagerecht oder steigt ganz allmählich auf, ihre ver- hältnissmässig starken Internodien sind sehr kurz, kaum 1 Linie lang. Der neue Trieb für das folgende Jahr bildet sich dicht neben dem diesjährigen Blüthenstengel aus der Achsel des obersten grundständigen Blattpaares. Oft wächst nur die Knospe eines Blattes dieses Paares zu einem Triebe aus, oft die beider, oft auch noch eine eines tiefer stehenden Blattpaares. Zur Blüthezeit sind die ersten Blattpaare dieser Triebe meist schon ziemlich weit ausgewachsen. Da die verschiedenen Jahrgänge der Grundachse (sympodium) lange ausdauern und ein jeder nicht gar viele Blattpaare hat, so stehen die Reste der Blüthenstengel, wenn sie überhaupt noch vorhanden sind, ziemlich nahe hinter einander. Die Hauptwurzel fehlt an den Blüthen- pflanzen, die nur Nebenwurzeln besitzen. Bei V. saxatilis scheint die Grundachse wie bei V. celtica nur unentwickelte Internodien zu haben, die indess wohl nicht so langdauernd sind; mindestens pflegt die Grundachse hier weit kürzer zu sein. Aus der Achsel der an der Basis des Stengels stehenden Laub- blätter sah ich zur Blüthezeit, d.h. an den getrockneten Blüthenexemplaren, keine neuen Laub- iriebe. Doch waren öfters aus der Grundachse neben dem diesjährigen Blüthenstengel, unter- halb der grundständigen Blätter derselben, Triebe hervorgegangen, die gleichfalls opponirte Laubblätter besassen. — Von den Blaitstielen der frühern Jahrgänge bleiben die Gefässbündel stehen, während das Parenchym dazwischen fast gänzlich verwest, dadurch entsteht die soge- nannte radin fibrilloso-comosa; bei V. celtica wird die sogenannte radiz squamoso - comosa dadurch herbeigeführt, dass auch das Parenchym der verwachsenen, später sich mannigfach spaltenden Blatibasen stehen bleibt. Auch bei V. elongata findet man oft am Grunde der diesjährigen Stengel ähnliche trockene, weissliche, schwach glänzende Blattbasen ‚ wenn schon nicht so dicht beisammengedrängt wie bei. V. celtica; deshalb ist Kocı's Angabe: radix non comosa, nicht ganz richtig. Die Grund- achse hat bald längere (gegen einen Zoll lange), bald kürzere, ziemlich dünne Internodien ; Abh. d, Nat. Ges, zu Halle. Ir Band, 35 Quartal, \ 6 u DR u die verschiedenen Jahrgänge stehen nicht regelmässig bei einander, dauern auch wohl nicht lange. Darin, dass der neue, die Pflanze vorzugsweise erhaltende Trieb aus der Achsel des obersten grundständigen Laubblattpaares dicht neben dem Blüthenstengel hervorbricht, gleicht diese Art der V. celtica, während die andern Arten ihre kräftigsten neuen Triebe aus tiefern Blattachseln entfalten. Fig. Erklärung der Abbildungen. Tab. Y. Wai. officinalis. 1. vergl. $. 3.@ Grundachse nach Entfernung der bereits abgestorbenen Blätter, b Haupt- blüthenstengel, / erstes Blattpaar derselben, c und d Ausläufer, m frische Blätter, n ein trocknes Blatt an der Spitze von ce, # eine zu diesem «Ausläufer gehörige Knospe, de- ren Mutterblatt abgestorben und verwest ist, %k die an dieser Knospe stehende Neben- wurzel; e und / Seitenblüthenstengel, (der erstere mit alternirenden o, der zweite mit opponirten p, entfernten Laubblättern, g oberste, sitzende Knospe mit der ‘zu ihr ge- hörigen Wurzel A. . Basis eines Blüthenstengels Ende Mai, wo die grundständigen Blätter ‚noch frisch sind, 6f:+8.7. cf 7. . cf.$.5. a Grundachse, b Ausläufer, dessen Spitze abgeschnitten ist, c Grundtheile der Laubblätter, d Reste eines verwesten Laubblattes. , Pflanze mit drei alternirenden Laubblättern, (deren Folge in Fig. 6. mit « b c bezeich- net ist) a Grundachse ohne Ausläufer mit zwei sitzenden Knospen b; d die in vier Reihen geordneten Nebenwurzeln, of. $.5.und 9. — Fig. 5* cf.$.9. . senkrechter Durchschnitt durch die Grundachse a einer schwachen, nicht blühenden Pflanze, c Basis derselben, b die Laubblätter; die Nebenwurzeln nicht mitgezeichnet, cf. 8. 6. a = m Fig. 8. cf $.6.; die Nebenwurzeln gleichfalls weggelassen. Fig. 9. Schwache, nicht blühende Pflanze, zu Ausgang des Mais; die fast fusslangen Neben- wurzeln d, so wie das fiedertheilige Blatt ö abgeschnitten, e abgestorbene Blattreste, b zwei Ausläufer, bei g und h Anfänge der Laubrosette, cf $- 5. Fig. 10. Erste Internodien der Ausläufer vergrössert, abc drei Scheidenblätter, in Fig. 11. sind dieselben entfernt, 12—15. Knospen aus den Blattwinkeln der Ausläufer; 12. und 15. von der Seite, die die Knospe dem Mutterblatte zuwendet, 13. und 14. von der Scheiden- seite des ersten Knospenblattes; Fig. 16. cf. 8.7. Fig. 17. etwas vergrösserter Durchschnitt durch die Spitze einer Laubrosette mit alternirenden Blättern: A—D vier ausgewachsene Laubblätter, «—d deren Scheidenränder; 3 Laub- blätter sind noch klein. Fig. 18. Durchschnitt durch die oberste Spitze eines Exemplars im Herbst, das im nächsten Sommer zur Blüthe gelangt; es ist die Anlage zu dem Blüthenstengel mit opponirten Blättern, etwas vergrössert. Fig. 19. cf.$. 3., Bezeichnung wie in Fig. 1. Tab. IE. Keimpflanzen von V. officinalis. Fig. 1—13., 17 und 18. cf. $.8., Fig. 14—16. cf. $. 10. Fig. 19 und 20. Schemata der Blattstellung an den Keimpflanzen von V. dioica (19. a Keim- blätter, b und c die zwei ersten Laubblattpaare) und ofic. (Fig. 20. b—e die 4 ersten Laubblätter). Tab. III. Fig. 1—24. Val. dioica. 1—10. cf. $. 14. Fig. 11—15., 19—20. cf. $. 11. und 12. Fig. 16—18. cf. $.13.; d Lücke im Zellgewebe des Blattes a, entsprechend 9 in Fig. 20. Fig. 21—24. cf. $. 15. Fig. 25. Querschnitt durch den Stengel von Valerianella dentata $. 15. Fig. 26. 27. V. offic. ef. $. 15. Fig. 28—30, V. tuberosa ef. $. 17. Tab. IV. Fig. 1—5. und 23. Valeriana Phu, cf. $. 16. Fig. 6. V, dioica, ebendaselbst. Fig. 7—22., 25. und 26. V. office; Fig. 7—8, junge, eben erst ausgewachsene Ausläufer, 6* a ww zweimal vergrössert; 9. Längsdurchschnitt durch die Spitze eines solchen stärker ver- grösserten, 10. vergrösserter Querdurchschnitt durch den untern Theil eines schwachen Ausläufers, das Mark zum Theil schon aufgelöst, of. $. 15. Fig. 11. Sitzende Knospe % einer Blattrosette, das Mutterblatt der ersteren bei «a entfernt, b und c die obern Laubblätter; etwas vergrössert. Fig. 12—18. cf. 8.7. Fig. 19. cf. $. 6. Fig. 20. ungefähr sechsmal, Fig. 21. zehnmal, Fig. 22. sechsmal vergrössert, of. $. 4. Fig. 23. siehe Fig. 1. Fig. 24. V. dioica, ungefähr fünfmal vergrössert, cf. $. 15. Fig. 25. Querschnitt durch eine starke, noch frische Grundachse einer Blüthenpflanze der V. offieinalis; wie im Blüthenstengel ist die Rindenschicht verhältnissmässig schwächer als in den Achsen der Ausläufer und in den Nebenwurzeln. Fig. 26. cf. 8. 6. Vierteljahrsbericht über die Sitzungen der naturforschenden Gesellschaft zu Halle. Drittes Vierteljahr 1853. Vorsitzender Direktor Herr Prof. Burmeister. Sitzung vom 3ten Julis Die heutige Sitzung war zur Feier des 7östen Stiftungstages der Gesellschaft bestimmt. Sie wurde im Lokale der Berggesellschaft gehalten und war eine öffentliche. Dem Herkommen gemäss wurde sie eröffnet, indem der Schriftführer den Bericht über die im abgewichenen 74sten Jahre ihres Bestehens in der Gesellschaft vorgenommenen Arbeiten und über die Veränderungen, die sich in ihr zutrugen, verlas. Es ergab sich dabei ein sehr erfreuliches Wachsthum des wissenschaftlichen Lebens in der Gesellschaft gegen frühere Zeiten. Herr Prof. von ScHLECHTENDAL, welcher den Vorsitz für diesmal übernommen hatte, hielt die Festrede, in der er sich über die Haarbildungen im Pflanzenreiche verbreitete und dabei durch Zeichnungen, durch Demonstration lebender Farnkräuter und durch Aufstellung getrockneter Blüthenstände amerika- nischer Cacteen und andrer Pflanzen die hier vorkommenden, so auffallenden Verschiedenheiten den ver- sammelten Zuhörern zur Anschauung brachte. Herr Prof. Kraumer legte eine Reihe im Handel vorkommender verschiedener Stärkemehlarten zur Ansicht vor, erläuterte die bei mikroskopischer Betrachtung derselben sich ergebenden Verschiedenheiten durch Abbildungen und erörterte die hohe Wichtigkeit dieses Stoffes als Nahrungsmittel, die darum nicht geringer wird, ‚weil er allein den Lebensprozess nicht auf die Dauer zu erhalten vermag. Das theilt bekanntlich die Stärke mit allen einzelnen näheren Bestandtheilen des pflanzlichen oder thierischen Or- ganismus. Sitzung vom 16ten Juli. Herr Prof. von Scurechtennau legte in Bezug auf sein früheres Referat über die Schrift von Dr. pe Barv „Untersuchungen über die Brandpilze“ die Spermogonien der Roestelia cancellata vor, welche an einigen jungen krankhaften Birnbäumen auf allen Blättern in Menge vorhanden waren und in Form rother, konvexer Wärzchen auf einem lebhaft gelben Fleck der oberen Blatiseite sich zeigten, Früher wurden sie für eine eigene Pilzform (Aecidiolum esanthematicum Unc.) gehalten. ei u Derselbe legte ferner eine im Ganzen nur selten vorkommende Missbildung von Dietamnus albus L. vor, welche zum erstenmale an einem alten Busche dieser Pflanze, der seit langen Jahren ganz normal geblüht hatte, aufgetreten, früher aber nie im botanischen Garten vorgekommen war. Prof. Eısennarpr hat einen ganz ähnlichen Fall im ersten Bande der Linnaea von 1826 beschrieben und abgebildet. Es besteht diese Missbildung vorzüglich darin, dass die Ausbildung der Blumen nur unvollkommen statt- findet, oder dass statt der Blüthentheile Blattbildungen sich anhäufen, wodurch ein aus einfachen Blättern gebildeter Blattbüschel statt einer einzelnen Blume auftritt. Es wird zu beobachten bleiben, ob diese Missbildung sich künftig wiederholt und eine bleibende werden wird, wie es sonst wohl bei Stauden zu geschehen pflegt. Herr Prof. Burneister berichtete über die von ihm in Brasilien beobachteten Insekten-Metamor- phosen und erläuterte dieselben durch vorgelegte Abbildungen. Er verband damit eine Kritik des Mr- rıan schen z. Th. denselben Gegenstand behandelnden Werkes: Metamorphosis Insectorum Surinamensium, welche ausführlich im nächsten Hefte der Gesellschaftsschriften abgedruckt werden wird. Das Resultat dieser Vergleichung ergab eine solche Menge Irrthümer von Seiten der Merıan, dass dadurch auch ihre anderweitigen, der Kritik nicht zugänglichen Angaben im ‚hohen Grade verdächtigt werden. Von den 70—80 Spezies, welche die Mrrıan schildert, hat Hr. Prof, Burmeister etwa 20 auch in Brasilien beob- achtet, wovon fast die Hälfte bei der Merıan unrichtig geschildert sind; nicht blos die Raupen ähnlicher Arten hat sie verwechselt, selbst weit entfernte Familien scheinen von ihr in der Darstellung vermengt worden zu sein. Am allergewöhnlichsten sind die Puppen falsch. Sitzung vom 30sten Juli. Se, Excellenz der Wirkliche Geheime Staatsminister Herr von Rauner hatte den Wunsch der Ge- sellschaft, Hochdenselben unter ihre Ehrenmitglieder aufnehmen zu dürfen, gütigst gestattet. Das dar- über eingegangene Schreiben Sr. Excellenz d. d. Heringsdorf den 28sten Juli 1853 wurde verlesen. Für die Bibliothek der Gesellschaft hatte der sächsisch-thüringische naturwissenschaftliehe Verein zu Halle den Jahresbericht des naturwissenschaftlichen Vereins in Halle V. 3. u. 4. Hft. Berlin 1853, und Zeitschrift für die gesammte Naturwissenschaft Febr. —Mai 1853. 4 Hft. 8. Halle 1853. nebst Begleitschreiben des Vorsitzenden Hrn. Dr. Gızser d. d. 7./VIL. 1853. eingesandt, Herr Prof. Burmeister erläuterte mehrere ihm neuerdings zugegangene Exemplare von Archego- saurus Dechenii durch einen Vortrag, der bereits den Sitzungsberichten im 2ten Hefte der Abhandlungen S. 81. einverleibt ist. E Derselbe theilte darauf die zur Erläuterung seiner Brasilianischen Reise gelieferten Abbildungen mit, welche die Formation der Bodenoberfläche, die Eigenthümlichkeit der Vegetation, die Beschaffen- heit der Wohnungen und Städte und das Leben und den Charakter der Einwohner dieses Landes auf das glücklichste veranschaulichen. Herr Prof. v’ALron erörterte in Anschluss an den früheren Vortrag des Hrn. Burneister über brasilianische Beutelthiere durch Abbildungen aus Howme’s Anatomy und besonders durch zahlreiche Prä- parate aus der anatomischen Sammlung der Königl. Universität die so eigenthümliche Bildung des Ge- bärorgans der genannten Thiere und das Verhalten ihrer Embryonen und der Jungen an den Zitzen im Beutel. { Herr Prof. von ScHLECHTENDAL zeigte als ein neues botanisches Prachtwerk Ph. Barker WesB ii WM Otia Hispanica seun 'delectus plantarum rariorum per Hispaniam sponte nascentium. Paris 1853. Fol. Mit 45 Kupfertafeln. Er hob dabei die Eigenthümlichkeiten der dargestellten spanischen Flora, die Vortrefflichkeit der Abbildungen und die Schwierigkeiten, welche für die Benutzung des’Buches aus dem Mangel jeder systematischen Anordnung des Stoffes und selbst eines Registers erwachsen, ‘näher 'hervor. Einige dem Botanical Magazine entnommene Abbildungen des mexikanischen Genus ’Bouvardia gaben dem- selben weiter Veranlassung auf die Uebelstände hinzuweisen, welche der botanischen Systematik aus der Benutzung sehr veränderlicher Eigenschaften der Pflanzen, z.B. der relativen Länge der Griffel oder der Anhaftungsstelle der Staubfäden, zu ihrer Charakteristik oder aus nur nach Abbildungen gelieferten 'Be- schreibungen entstehen. Hr. Prof. Kranmer stattete ‘Bericht ab über Th. L. W, Biscnorr’s neuste physiologische Arbeit ‘(Der Harnstoff als Maass des Stoffwechsels. Giessen 1853. 8.). Der Hr. Vf. habe sich zur Bestimmung der ausgeschiedenen Harnstoffmengen der neuerdings von J. von Lissıe angegebenen, zu derartigen php siologischen Untersuchungen so sehr bequemen Methode der Harnstoffbestimmung durch salpetersaures Quecksilberoxyd bedient und seine Beobachtungen vorzugsweise an Hunden angestellt. Er fand dabei, was auch andre vor ihm gefunden, dass Hunde beim Hungern zwar 'Harmnstoff, aber in viel geringerer Menge als bei genügender oder namentlich 'bei überreichlicher stickstoffhaltiger, selbst leimhaltiger Nah- rung ausschieden und dass bei vorwiegend amylum- ‘oder fetthaltiger Nahrung 'die Menge des ausgeschie- denen Harnstofls im Ganzen geringer werde als selbst beim Hungern. Hieraus glaube er die Folgerung ziehen zu können, dass aller Harnstoff nur als Resultat der durch den Lebensprocess konsumirten stickstoffhaltigen Faser des Körpers entstehe und dass Amylum und Fett, wie diess v. Liesie zuerst aus- gesprochen habe, keine Nahrungsmittel seien, wenn sie auch die Eigenschaft besässen die Faser gegen den Verbrauch zu schützen. Die von andern Physiologen gehegte und auch vom Rf. bereits früher 'ausge- sprochene Meinung, dass Harnstoffbildung eine Phase (des’Stoffwechsels in der Lymphe und im Blute und in einem gewissen Grade abhängig sei von der Menge des aus den stickstoffhaltigen Speisen in das Blut aufgenommenen Albumins, werde als völlig unstatthaft zurückgewiesen. Nach des Ref. Meinung wären die Beobachtungen Bıscnorr’s zu lückenhaft, um über die Faktoren des Stoffwechsels überhaupt genügen- den Aufschluss zu geben, so schätzbar diese Beobachtungen als Beiträge zur Physiologie der Harnsekre- tion im Uebrigen auch erschienen. Weiter aber lehrten sie grade das Gegentheil von dem, was. dar- aus gefolgert habe. Wenn ein Thier Monate lang tagtäglich ganz dieselben Körperverrichtungen übe, dabei aber bald viel bald wenig Harnstoff ausscheide, je nachdem es viel oder wenig stickstoffreiche Nahrung konsumirt habe, so wäre es unlogisch, eine durch Nichts bewiesene Verschiedenheit in dem Verbräuche der Bewegungsorgane oder der’Muskelsubstanz, der Knochenfaser, der Membranen oder Ner- ven als ‘den Grund dieser wechselnden Harnstoffmengen «anzusehen. B. scheine überdiess die Ansicht seiner Gegner 'völlig unrichtig aufgefasst zu haben, da die gegen sie geltend gemachten Argumente nur Bedeutung hätten, sobald behauptet würde, dass es eine absolute Grenze zwischen Normal- und Ueber- gehalt an Albumin im Blute gebe oder dass alles im Blute und in der Lymphe kreisende Albumin so- fort oder innerhalb einer kurzen Zeitfrist in Harnstoff umgewandelt werden müsste und ohne dieser Metamorphose zu verfallen ‘keiner andren physiologischen Verrichtung auf längere oder kürzere Zeit dienen könnte. Des Ref. und gewiss aller derer, die in dieser Frage mit ihm auf einer Seite 'ste- hen, Ansicht gehe aber nur dahin, dass zu allen Zeiten des Bestehens eines thierischen Organismus, sowohl vor, als nach vollendetem "Wachsthum des Individuums, ein chemischer u Umsatz in den Chylus- und Blutbestandtheilen, unabhängig von den zufälligen Zerstörungen der sogenann- ten festen Theile, als nothwendige Lebensbedingung erfolge, dessen Resultat Harnstoff-, Wasser- oder Kohlensäurebildung sei, je nach der.chemischen Natur des dem oxydirenden Einflusse des Sauerstolls an- heimgefallenen Bluttheils. Wäre Chylus und Blut vorwiegend reich an Albuminaten, ‘so: würden diese auch besonders dem Stoflwechsel anheimfallen und die Harnstoffbildung und event. Ausscheidung überwiegen. Bestände das Blut dagegen besonders aus sogenannten Kohlenhydraten und deren Derivaten, so müsste die Harnstoffbildung zurücktreten. Ganz könne weder die eine noch die andere Art der Stoffe im Blute fehlen. Dies Verhältniss müsse bleiben, möge ein Geschöpf viel oder wenig leben, d. h. viel oder wenig mit seinem Körper leisten. Grössere Leistungen setzten allerdings eine stärkere Consumtion des ge- eigneten Lebensmaterials veraus. Daraus resultirten dann nothwendig stärkere Ausscheidungen des entsprechenden Derivates. Ein solches Verhältniss könne natürlich nur dauern, wenn der konsumirte Blutbestandiheil regelmässig ersetzt werde. Umgekehrt könne eine einseitige Ueberfütterung eines Thie- res sein Blut mit einem solchen Uebermaass des einen oder andren Bestandtheils versehen, dass es da- durch zu einer organischen Thätigkeit in ganz besondrem Grade befähigt werde. Käme diese Thätig- keit, welche eine Mehrkonsumtion des betreffenden Blutbestandtheils zur Voraussetzung habe, nicht zu Stande, so entständen dadurch Störungen des Lebensprozesses, wobei das Thier zunächst sich gegen die Aufnahme der betreffenden Speisen sträubte. Die Vergleichung des Körpergewichtes sei zur Gontrolle solcher Verhältnisse nicht ausreichend, da sowohl: stickstofffreie als stickstoffhaltige Bestandtheile eine Gewichtsänderung. herbeiführen und in. einem entgegengesetzten Verhältnisse zu einander wechseln könnten. Davon habe Ref. bei Bergtouren zu häufig Gelegenheit gehabt sich zu überzeugen. So wenig nun für die Leistungen eines elektrischen Apparates die Wahl der Elemente gleichgültig sei, so wenig z.B. dabei ein Bunsen’sches oder ein Danırr’sches Element übereinstimmten, ob sie gleichwohl beide „Elektrieität“ veranlassten: ebenso wenig könne man die Konsumtion von stickstoffhaltigen oder. stick- stofffreien Nahrungsstoffen für gleichbedeutend erklären, habe aber für jetzt wenigstens kein Recht den letzteren die Qualität der ‚Nahrungsmittel‘ absprechen zu wollen. Bei der nachfolgenden Diskussion wurde des Ref. Meinung besonders von den Herren BURMEISTER und »’Arron angefochten, welche sich für die von Bıscnorr ausgesprochene Ansicht vom Stoflwechsel erklärten. Sitzung vom 13ten August, Herr Prof. Burukister referirte über die kürzlich von Dr. Greser. unternommene Eintheilung der Wirbelsäule bei den Säugethieren nach dem Verhältniss des von ihm diaphragmatischen genannten Wir- bels.. Er: wies nach, dass die Eigenschaften ,. worauf die Unterscheidung sich stützt, wenigstens theil- weis schon bekannt gewesen, auch von ihm selber in seinen Vorlesungen und anderswo, mit dem Namen des antiklinischen Wirbels bezeichnet worden seien und machte auf die Inauguraldissertation von E. Zıemann (Halae 1848. 8.) aufmerksam, worin Dr. Münrer denselben Gegenstand, wenn auch von anderem Gesichtspunkte aus, behandelt habe. Er beleuchtete besonders die systematische Bedeutung der Antiklinie, welche entschieden nur bei Säugethieren mit ausschliesslich horizontaler Haltung des Ganges aufıritt und zeigte ihre Anwendbarkeit ausführlicher bei den Cetaceen, wo sie der Barten- walen und Pottfischen abgeht, Jen Delphinen aber zukommt. Einen Einfluss darauf scheint ihm die Entwicklung des Schwanzes zu haben, insofern bei Thieren mit starken kräftigen Schwänzen die wu A ie Antiklinie sehr nach hinten rückt, bei kurzgeschwänzten mehr nach vorn. Dies wurde an den aufge- stellten Skeleten erläutert. Besonders lehrreich war in dieser Hinsicht Dasypus gigas ohne Antiklinie und Dasyprocta Aguti mit sehr weit nach vorn gerückter. Höchst charakteristische Belege dafür liefern die Beutelthiere. Herr Prof. v. Scatecatenpau machte Mittheilung von zwei Werken des Mr. Gopron in Montpellier. Das erste derselben: Florula juvenalis bespricht eine grosse Anzahl am port juvenal bei Montpellier wachsender fremder Pflanzen, die in Südfrankreich, Spanien, Nord- und Südamerika und am Cap ein- heimisch sind. Die Samen dieser Pflanzen sind durch Wolle, welche am port juvenal gewaschen wird, aus den verschiedenen Ländern an diesen Ort gebracht worden. Die meisten der Pflanzen gehören den Familien der Gräser, Compositen und Papilionaceen an. Die zweite Abhandlung bespricht die Verhält- nisse, unter denen sich Pflanzen verbreiten. Herr Liersc# zeigte einige Birnen vor, auf denen sich mehrere von Herrn Prof. BurukistEr für Fliegenlarven erklärte Parasiten befanden. Nachtrag zu dem veröffentlichten Verzeichniss der Mitglieder. Drer Gesellschaft neu hinzugetreten sind: Se. Excellenz der Wirkliche Geheime Staatsminister Hr. von Raumer zu Berlin als Ehrenmitglied. Hr. Leor. v. Bänr, Lieutn. a. D., ist bereits seit dem 8ten April 1848 ordentliches einheimisches Mit- glied der Gesellschaft. Gestorben ist: Der Wirkl. Geh. R, Beuru zu Berlin, E.M., am 27. Septbr. Einer Reise wegen konnte der unterzeichnete Schriftführer die Correktur der Sitzungsberichte im 2ten Hefte der Abhandlungen nicht selbst besorgen, bittet deshalb die vorgekommenen Druckfehler zu entschuldigen und folgende sinnentstellende zu verbessern: $. 71. 2. 7 v. o, für Springmäuse 1. Springhasen. S. 71. Z. 8 v. o. hinter „‚Formen‘ 1, der Springmäuse, S, 76”2.18 v. o. für Kehl 1, Ischl, Halle, den 30sten Sepibr. 1853. L. Hrahmer, d. Z. Schriftführer d. N. G. z. H. | nn nn Rn - je z Bee ee u ABHANDLUNGEN DER NATURFORSCHENDEN GESELLSCHAFT ZU HALLE. ORIGINALAUFSÄTZE AUS DEM GEBIETE DER GESAMMTEN NATURWISSENSCHAFTEN, VERFASST von MITGLIEDERN und voRrGETRAGEN INDENSITZUNGEN DER GESELLSCHAFT; HERAUSGEGEBEN VON IHREM VORSTANDE. Erfen Bandes viertes Quartal. —biso —— HALLE, Druck unn VEerLAG von H. W. Scumipr. on 1854 Seite Seite 71 Zeile ” 2] Seite Ebenso Seite 5 Zeile 4 v. oben, Z. 3 v. unten, Z, 7 v. unten und Z, 16 v. unten, Druckfehler. Im ersten Quartalheft. 1 Zeile 4 v. oben lies Nırzscn statt Nirsch. Ebenso Zeile 4 v. unten in der Note. 3 Zeile 16 v. unten 12 73 76 ” ” ” 11 v. 1 Zeile 1 v, 5.V% il v, 5V 2% 8. „ oben unten 22 . oben unlen oben „ Zusälz lies pappne statt pappnen ” „ in der Note lies WALCKENAER St, WALCKEAUER lies „» E2] ” „ Campos ,„ Compos denen ,‚, deren Nırzsch statt Nırsch »’ ”’ » Schlund ,,. Kropf Dicholophus statt Gypogeranus Wachshaut , Wuchshaut e siehe Seite 74 am Schluss. Im zweiten Quartalheft. 7 v. oben lies Springspitzmäuse statt Springmäuse iIW ,,; 15V, Andere Nachträge und Berichtigungen Seite 84, ” „ Schwanzschildes ,„ Schwarzschildes Ischl st, Kehl Im vierten Quartalheft. oben lies Precis des statt Preeis des unten in der Note lies haarlosen statt hornlosen ”„ oben „ ” lies ” E2) ” Scop, st. Scap. Myzine st. Muzine bimaculata st. bimoculata beider st, bei den Valeriana Tabl PHleyer CHA Luth.Chnstv 94 Irmisch de. balcıana Tab rd I A S ü x ae y 4 ra W Lich.Anst.v. Alb More: Th. Irmasch dd. — \ 5 i & N ae > n & — oem N / = S 2 | 7 ” us ARE 4 | x 1 r | N N \ f = ! N Ki Bra | N — = ä | I Sn m = | \ : N = EN ’ EN Br \ IR we i I x { Kin no N — A ne we 2 N =} ee RL — ER BEN a Ü a nz N NS N Y ana x / Sn.“ > S EL IN a N <= IT ee RN Ss = & 8 N A ’. RS - y = S m ee iX x Sy a Be = _ N 1) * ai - = —— e ee ee nn ne mm ER IS ii, I NS S N S 3 I NS .S nn 24 Lreh Cast. ul, Mlever Th Irmisch dd. Vateriana Tab Liih.Anstaltv. Alb Meyer SS S S N N N IS NS 3 Bemerkungen über den allgemeinen Bau und die Geschlechtsunterschiede bei den Arten der Gattung Scolia Fahr. von H. Burmeister. (Bierzu Tafel 1.) Scolia ist eine der wenigen Insectengattungen, welche vom ersten Moment ihrer Gründung fast ungeändert bis auf die heutige Zeit sich erhalten haben. Fasrıcıus schuf sie schon gleich bei seinem Auftreten in dem Systema Entomologiae (1775) und behandelte bald darauf ihre Cha- raktere ausführlicher in den Gener. Insectorum (1776); sie wurde nach ihm von allen späte- ren Autoren angenommen und unverändert gelassen, wenn man berücksichtigt, dass ihr Stifter selbst später (1804) zwei Gruppen ‚(Hellus und Elis) von ihr sonderte, die er früher mit zu Scolia gezogen hatte. Diese drei Genera bilden mit Tiphia und Bethylus, zweien ebenfalls von Faprıcıus um dieselbe Zeit gegründeten Gattungen, eine eigne kleine Familie, zu denen LATrEıLreE noch zwei Gattungen, Myzine und Meria Iris. hinzufügte, damit aber auch weniger glück- lich die zuerst von Fasrıcivs erkannte Gruppe Thynnus vereinigte. So erscheint die Familie 1809 im vierten Bande der Genera Crustac. & Insect. (pag. 101 seq.). — Schon früher, als Faprıerus selbst die oben angedeutete Sichtung seiner Gattung Scolia vornahm, hatte der sorgfältige und genaue Kenner der Hymenopteren, H. Geh. Rath Kıuc in Berlin, eine schärfere Scheidung der dahin gehörigen Arten unternommen, aber leider nicht bekannt gemacht, 'so dass seine treffliche Arbeit erst später, im Jahre 1805, in Weser und Monr’s Beiträg. z. Naturk. ans Licht trat. Verf. zeigt hier, dass die mit Scolia zunächst ver- wandten Insecten am schicklichsten 5 Gattungen bilden müssen, von denen Faprıcıus nur eine, Tiphia, durch das labium tridentatum scharf und sicher bezeichnet hatte; die übrigen 4 sind nicht so sicher bestimmt , sie bilden die Gruppen, welche gleich hernach Farrıcıus mit den Na- men Elis, Bethylus, Scolia und Hellus belegte; in der Wahl des letzten Namens aber sich seiner häufigen Willkürlichkeit oder Nachlässigkeit wieder einmal schuldig machte, indem eben Abh. d. Nat. Ges. zu Halle. Ir Band, 45 Quartal. 1 u u dieselbe Gruppe schon früher von LArrEire unter dem Namen Sapyga (Preeis des char. gener. 134. 1799.) aufgestellt worden war. Die kritische Revision der Gruppe von Kruc bildet das Fundament für alle späteren Ar- beiten, sie liefert in Verbindung mit den ausführlichen Gattungsbeschreibungen LArreiLue’s in den Gener. Crust. & Insect. eine für die damalige Zeit fast vollständige Monographie der Sco- liaden und wird auch dieser Betrachtung. zum Grunde. gelegt werden müssen. Sie enthält die Beschreibung von 46 Arten Scolia, 4 Elis, 6 Tiphia, 7 Bethylus, 4 Meria und stellt am Schluss noch.eine’ neue, Gattung Pristocera: mit 2 Arten auf. Faprıcıus hat, dagegen im Systema Pie- zatorum 23 Tiphiae, 8 Bethyli, 39 Scoliae, 7. Helli oder Sapygae und 7 Elis-Arten; aber seine Spezies sind weniger streng gesichtet und häufig nicht gehörig untergebracht, so dass Scoliae unter Tiphia oder Elis stehen und öfters die beiden Geschlechter einer Art als zwei verschiedene aufgeführt werden. — Den letzteren Fehler dürfen wir dem alten Meister weniger zur Last legen, als den erste- ren; er ist ein sehr gewöhnlicher, von dem sich auch sein sorgfältiger und in diesem Falle zu vorsichtiger Kritiker nicht ganz frei hat halten können. Es weichen nämlich die verschiedenen Geschlechter einer Art in dieser Gruppe oftmals sehr von einander ab und dies ist um so merk- würdiger, als bei anderen Arten derselben Gattung nur eine unbedeutende und leicht. als solche in die Augen fallende Geschlechtsdifferenz: auftritt. Während z. B. die Geschlechter von. Sapyga und Tiphia FAgr. einander sehr ähnlich sehen, entfernen sie sich in. Gestalt und Zeichnung bei Elis Fur. oder Myzine Larr. (Tiphia Kr., Weibchen: Plesia Jur.) sehr weit von einander und diese Abweichung wiederholt sich ganz besonders bei Scolia, wo die Männchen von den Weibchen nicht bloss durch die viel schlankere. Form, die längeren Fühler und den dreidornigen Analrand, sondern auch durch namhafte Abweichungen des Kolorits häufig sehr verschieden: sind. Letzte- rer Umstand ist bisher nur bei einer kleinen Zahl von Arten mit Sicherheit nachgewiesen, wes- halb es mir passend erscheint, einige darauf bezügliche Beobachtungen zu veröffentlichen, und das aus ihnen gewonnene Resultat zur Induction für andere Fälle zu benutzen. Das also wird den eigentlichen Inhalt der jetzigen Mittheilungen ausmachen. — Während meiner Anwesenheit in Brasilien sah ich aus: den zahlreichen Löchern der um- fangsreichen lockern Erdhaufen, welche die grosse Ameise (Alta cephalotes) neben dem Stamm der Kartoffelbäume (Solanum Iycocarpum Sr. Hır.) aufzuhäufen pflegt, an mehreren Tagen zu Ende des May, also: im. Spätherbst, derselben Jahreszeit, in welcher auch bei uns die. Sco- liae besonders. zahlreich und thätig sind, wiederholt eine Art: Scolia auflliegen, welche: der Scolia: variegata Fapr. und Scolia. Hoffmannseggii Kıuc nahe steht und wahrscheinlich noch unbeschrieben ist.. Sie hat, wie Sc. variegala, 2. gelbe Flecke unter dem gelben Schildchen, aber. der Hinterleib hat, nicht bloss auf dem, ersten Ringe einen gelblichen Fleck, sondern einen noch grösseren auch auf, dem zweiten,‘ während die drei folgenden Ringe nur einen schmalen; | | m ME mem hellfarbigen *) Randsaum besitzen. Ich werde sie Scolia campestris nennen. Alle Exemplare waren Männchen, so leicht kenntlich nicht bloss an dem schlankeren Körperbau, sondern auch an den längeren, dünneren, wenig gebogenen Fühlern und dem dreistacheligen Afterrande; sie gleichen einander völlig in der‘Farbe und Zeichnung, aber gar nicht sehr in der Grösse, kaum wurden 2 ganz gleich grosse Individuen gefangen. Mein ‘%grösstes Exemplar ist 13, das kleinste nur S Linien lang**).: Nachdem ich. an mehreren Tagen hinter einander über ein Dutzend Stück gefangen hatte und stets nur dieselben männlichen Individuen fand, verlor ich nicht bloss die Lust, noch mehrere der flüchtigen Thierchen zu erhaschen, sondern auch die Hoffnung, es werde mir überhaupt gelingen, ein Weibchen in meine Gewalt zu bringen ; indessen bezeichnete ich die Erdhaufen meinem Sohne genau und hielt ihn an, auf alle daraus entschlüpfende Wes- pen zu achten, auch jede etwas abweichende Form zu fangen. Nach einigen Tagen, als er zeitig ausgegangen und die Sonne noch nicht ganz durch die Morgennebel gebrochen war, sah er auf einem solchen Erdhaufen unmittelbar neben einem Loch eine Scolia sitzen, die sich durch dunklere Färbung sofort als eine abweichende Form verrieth; er fing sie, da das Thierchen, ganz gegen die Gewohnheit der Scolien, sich sehr träge und gleichgültig benahm, leicht, indem er sie lebend in eine Schachtel schob und so mir brachte. Es war eine grosse weibliche Scolia, 14 Linien lang, ganz schwarz mit bräunlichen Flügeln und 4 gelben Flecken, je 2 auf dem zweiten und dritten Hinterleibsringe. Obgleich nun diese Färbung gar nicht zu den Männchen von demselben Fundorte stimmte, und namentlich auch die beim Männchen greise Behaarung an diesem Weibchen tief schwarz erscheint, so nöthigt mich doch der Umstand, dass ich später von eben dieser Art: stets nur Weibchen gefangen und von jenen früher bezeichneten Männchen nie andere als männliche Individuen gesehen habe, zu der Annahme, dass beide die verschie- denen Geschlechter einer und derselben Art seien, die im Innern der Gebäude von Atta cepha= lotes ihren Wohnsitz haben. Ich darf memen Schluss für um so gerechtfertigter erklären, als ich‘ ausser diesen beiden gefleckten Scolien nur noch eine zweite ganz schwarze Scolia- Art in ‚Minas' geraös gefunden habe, bei welcher die beiden Geschlechter einander zwar in der Farbe völlig gleichen, aber in der Statur ähnlich von einander abweichen. Auch bei ihr ist das schlan- kere Männchen etwas greiser behaart, als das dunklerhaarige Weibchen. — Im Besitz dieses Resultates verglich ich, nach meiner Heimkehr aus Brasilien, die Vorräthe an Scolien-in-unserer Universitäts-Sammlung und fand bald, dass zu vielen Arten, deren’ In- dividuen nur in einem einzigen Geschlecht mir zugegangen waren, korrespondirende Formen ei- nes andern Geschlechts aus derselben Gegend vorkommen, die sich ähnlich zu’ jenen verhalten, *) Die hellen Zeichnungen dieser und vieler anderer Scolien verdunkeln sich nach dem Tode und werden gelber, wäh- rend sie im Leben eine gelblichweisse, beinahe dem Milchwasser gleiche Farbe zeigen ; rein weiss’ sind sie’ aber nicht, **). Dieser beträchtliche. Unterschied in der Grösse dürfte Hrn. G. R. Kıuc zu der Annahme: verleitet haben, dass bei Scol. variegata und deren Verwandten auch die Weibchen lange cylindrische Fühler besitzen, wie er a. a. 0. I, 5.29: vermuthet. 1* 4 wie die beiden Geschlechter meiner brasilianischen Seolia campestris zu einander; ich hielt also auch diese schon jetzt für Männchen und Weibchen einer und derselben Art. Längst hatte ich darauf die Scoliae der Sammlung gemustert und mich hierbei überzeugt, dass ihre Arten in zwei Haupt-Sectionen nach der Geschlechtsdifferenz sich theilen lassen; eine mit nur relativer, die andere mit mehr absoluter Verschiedenheit ; — als ich in diesem Herbste eine Reise nach Italien antrat und dort Gelegenheit fand, für meine brasilianische Erfahrung einen neuen Belesgrund aufzufinden. Ich lebte hier 3 Wochen in dem Badeorte La Spezia an der Piemontesischen Küste und sammelte fleissig Insecten. Obgleich die herbstliche Jahreszeit auf die Insectenwelt viel früher, als auf die Pflanzen einwirkt, und die meisten Arten schon verscheucht hatte, so traf ich doch eine Anzahl von Formen noch recht zahlreich an, und unter diesen an den Blumen von Thymus Serpyllum eine Scolia, deren männliche Individuen sämmtlich Sc. (Elis Fapr.) inter- rupta waren, während die Weibchen alle zu Sc. 6-maculata aut. gehörten. Grade so hatte ich vor 20 Jahren im Spätherbst an den Blumen derselben Pflanze die Sc. notata s. signata ein- mal bei Berlin in der Hasenhaide beobachtet und damals beide einander höchst ähnlichen Ge- schlechter gleichzeitig neben einander wahrgenommen; sollten nicht auch hier in Italien die Geschlechter einer Art sich zusammenhalten und die Sc. interrupta nur das Männchen von Sc. 6-maculata sein? — Ich glaube, dass ich diese Frage bejahen darf, weil sich beide Formen genau so zu einander stellen, wie die beiden Geschlechter der Scolia campestris und das be- stimmt mich denn, eine ganze Reihe analog verschiedener Gestalten als die verschiedenen Ge- schlechter einer Art mit einander zu verbinden *). Bevor ich diese Reduction gebe, will ich noch über die Lebensweise der Scolien, ehe sie in den geflügelten Zustand übergehen, d. h. über ihre früheren Lebensstufen, einige Bemerkun- gen machen. — Fremde Insecten aus Ameisenhaufen hervorgehen zu sehen, ist für den Entomologen stets überraschend; er hat allen Grund anzunehmen, dass, wenn sich die Erscheinung öfter wiederholt, hier kein zufälliges, sondern ein normales Verhältniss statt finde. Ich bin darum zu der Annahme geneigt, dass die Scoliu campestris Brasiliens als Larve im Innern der Ameisen- haufen sich aufhalte und wahrscheinlich parasitisch von der Brut oder den Larven der Atta cephalotes sich ernähre. Wir wissen aus den Beobachtungen von Passerını (Gußrin’s Revue 1939 & 1841), dass die grosse Scolia hortorum s. flavifrons (F&2) ihre Eier an die Larven der Nashornkäfer legt und die auskriechende Made die Käferlarven langsam aussauge, ohne sie eigentlich zu verzehren. Etwas Aehnliches hat Gex& von Polochrum repandum beobachtet (Acta Mutinens. 1842.), dessen Larve an Xylocopa violocea zu schmarotzen scheint. Sollte nicht die *) Van ver Linpen hat in seinen Observ. s. I. Hym. foiss. de Europe schon dieselbe Vermuthung in Bezug auf Se. in- terrupta und Sc. 6-maculata ausgesprochen, ist aber durch die Autorität Laraeızıe’s abgehalten worden, beide Formen in eine Art zu vereinen, u Larve der Scolia campestris in gleicher Beziehung zu Atta cephalotes stehen können und von deren Larven sich ernähren® “Wunderbar bliebe es freilich, warum die geschäftigen Ameisen den gefährlichen Gast nicht entfernen, was ihnen doch leicht werden müsste, da die Larve der Scolia offenbar keine activen Vertheidigungsmittel haben kann; aber passive könnte sie wohl anbringen, vielleicht: ein Gespinnst; oder die Scolia legt ihr Ei nicht an die Made, sondern ‚erst an die Puppenhülse der Ameisenlarve und unter dieser Decke verzehrt sie ihre Beute ge- wiss ruhig und ungestört. Wie dem aber auch sein mag, der Parasitismus ist bei Scolien nachgewiesen und wird schwerlich bloss von einer einzigen Art betrieben werden; man darf annehmen, dass mehrere, vielleicht die meisten, ihn üben, obgleich es gewiss ist, dass einige nordische Arten, wie Scol. bieincta, nur vom Raube eingefangener und in ihre Brutlöcher ge- tragener Insecten sich ernähren (Entom. Magazin Il. 463.). Ä Wir kommen nun zur Uebersicht der Geschlechtsunterschiede innerhalb der Gattung, und beginnen dieselbe, ehe wir an die Betrachtung der einzelnen Arten uns wenden, mit einer allgemeinen Schilderung, die weniger neue Thatsachen hervorheben, als vielmehr auf eine Prü- fung der ältern, z. Th. sehr ausführlichen Darstellungen wird ausgehen können, weil eben das Meiste schon von meinen Vorgängern angegeben ist. Fasrıcrus war, wie gewöhnlich, wortkarg in seiner Charakteristik; ausführlicher hat Larreizve die Gattung behandelt, besonders in den Gener. Crust. & Ins. IV. 10% seq., namentlich aber die Mundtheile sind von Kıuc am voll- ständigsten geschildert und zuerst durch Abbildungen erläutert worden (in Weser und Monr’s Beitr. etc. 1. S. 11 ilgd.). Hier wird ebenfalls die Mundbildung in zeitgemässer Auseinander- setzung uns vorzüglich beschäftigen. Der Kopf (Fig. 1—3.) hat von vorn betrachtet einen querelliptischen, beim Männchen (Fig. 1.) beinahe herzförmigen Umriss; an seinen äusseren Seiten trägt er die durch einen tiefen Einschnitt nierenförmig gestalteten Augen. Zwischen den unteren grösseren Lap- pen derselben stehen mitten auf der Stirn die Fühler, fast ebenso weit von einander, wie von den Augen, unter zwei scharfen vorspringenden Leisten. Sie sind beim Männchen (Fig. 1.) länger, fast cylindrisch, ziemlich grade, dreizehngliedrig; das erste Glied ist ein kurzer dicker Kolben, das zweite ein kleines Knötchen, alle folgenden kurz walzenförmig, sehr wenig verdickt in der Mitte und nur durch eine feine Naht von einander getrennt; die Anfangs- und Endglieder dieser Reihe etwas verjüngt, daher die Geissel nach beiden Enden etwas dünner Ihre Länge kommt mindestens dem Kopfe und Brustkasten zusammen gleich, oder übertrifft sie noch 'etwas. Die weiblichen Fühler (Fig. 2.) sind viel kürzer, gedrungener und bloss zwölfgliedrig. Das erste Glied ist etwas länger als beim Männchen, das zweite ebenfalls ein kleines Knötchen, die folgenden 10 bilden eine dicke, gebogene Geissel von der Länge des Auges, oder etwas drüber, deren Glieder durch stärkere Einschnürung nach dem Ende zu schärfer sich von einander absetzen und ihre grösste Dicke nicht, wie gewöhnlich, am. Ende EN sondern am Anfang haben. Ueber den Fühlern stehen zwischen den oberen Enden der Netz- augen drei kleine Nebenaugen ziemlich dicht neben einander ; unter den Fühlern wölbt sich das Kopfschild wie ein leichter Buckel hervor und endet nach unten mit einem gebogenen, bisweilen an den Seiten etwas ausgebuchteten Rande. Dies Kopfschild ist beim Männchen stärker gewölbt, relativ schmäler und darum mehr nach unten gezogen; wodurch der Kopf sein kurzherzförmiges Ansehen bekommt. Hinter dem Kopfschilde liegen die Mundtheile, nur die Oberkiefer pflegen selbst im ge- schlossenen Zustande über dasselbe hervorzuragen. Jeder Oberkiefer (Fig. 1-3. m) ist ein ziemlich starker, scharfkantiger Haken, dessen vordere Fläche eine tiefe Längsfurche am Innenrande hat, während die hintere mit langen abstehenden Borsten in einer Furche am Aussenrande besetzt ist; zwischen beiden zeigt sich am Grunde der Aussenkante noch eine dritte kleine Furche. Gewöhnlich sind die Kiefer zahnlos, mitunter ragen 2—3 kleine, aber scharfe Zähne in der Mitte des Innenrandes hervor. Ihre grösste Breite liegt neben der Mitte, das Ende ist eher stumpf als spitz zu nennen. Die männlichen Oberkiefer erscheinen viel schwächer und kleiner ‘als die weiblichen, gewöhnlich aber schärfer gezahnt, und übrigens ebenso gebaut. Am Grunde lassen die Oberkiefer eine weite Lücke zwischen sich, und darin steckt hinter dem Kopfrande die Oberlippe (Fig. 3. 0, Fig. 15. a), eine etwas gewölbte, mehr lederartige als hornige Platte, deren Aussenfläche vor dem häutigen gebogenen Rande lang behaart und durch einen mittleren Einschnitt in 2 kurze abgerundete Lappen getheilt ist; die äusserste Randkante dieser Lappen ist fein gewimpert.. Die Oberlippe biegt sich im. Zustande der Ruhe einwärts zurück und verdeckt so die Spitze des eingezogenen Saugapparates völlig. — Derselbe besteht, wie bei allen Hymenopteren, aus den zu einem gemeinschaftlichen Organe verbundenen Unterkiefern nebst der Unterlippe, und stellt einen durch Gelenkungen einschlagbaren, im ausgestreckten Zustande kegelförmigen Körper dar, welcher in einer weiten ovalen Höhle an der Kehle, der eigentlichen Mundhöhle, versteckt werden kann. Zu dem Ende hat der genannte Fortsatz drei Abschnitte oder Gelenke: einen kurzen Basaltheil, einen mittleren Haupttheil und einen langen zarten Endtheil. Letzterer liegt. im Zustande der Ruhe nach -hinten umgeklappt auf dem zweiten'in der Mundhöhle, der: zweite schliesst mit seiner Aussenfläche die Mundöffnung von unten, und: der Basaltheil ragt gegen die Kehle hervor, mehr oder weniger an sie angepresst. — Jeder dieser drei Abschnitte entspricht einem besonderen Gliede des Lippen- und Kiefergerüstes; der Basaltheil wird hauptsächlich von den Angel- stücken oder Trägern (cardines, Fig. —7. a) der Unterkiefer gebildet; der mittlere Haupttheil besteht aus dem Kinn (mentum, Fig. 5. u.8.n) der Unterlippe, dem Stiel- theil (stipes, Fig. 4—7. b) der (Unterkiefer nach aussen, nebst deren Kaustück (mando, ebenda k) nach innen; und der dritte oder Endtheil wird von dem Endlappen der Unter- kiefer, welchen man Helm (galea, Fig. 4—7.d), auch äusseres Kaustück (mala ex- | ae ME en terna) bei Orthopteren und Coleopteren genannt hat, nebst dem ganzen Zungentheil (Kigula c. paraglossis, Fig. 4., 5., 8. ff, 9) der Unterlippe gebildet; an seiner Basis sitzen die vier- gliedrigen Lippentaster (ee), auf der Grenze von Stiel und Helm die sechsgliedri- gen Kiefertaster (cc), als kurze, feine, gelenkige Fäden. — Die wirkliche Schlund- öffnung findet sich am Grunde des gemeinsamen Saugapparates auf seiner Vorderfläche, nicht weit. vom ‘Grunde der Oberlippe, und wird hier von einem lederarligen, spitzdreiseitigen Schlunddeckel (epipharyux), der innig’an die Oberlippe angeheftet ist, hedeckt. Diese Angaben versinnlichen das Verhältniss der Theile zu einander und ihre Analogieen mit den Mundtheilen anderer Insecten; wir wenden uns nunmehr zu einer ausführlichen Be- trachtung jedes 'Theiles im Einzelnen. Der Unterkiefer (mazxilla, Fig. 6.7.) bildet mit: seinem Nachbar nur die Scheide des Sauggerüstes und nimmt an dem Sauggeschäft einen ganz untergeordneten Antheil. Er ist ein halbrundes, nach aussen gewölbtes, nach innen hohles Hornblatt, welches aus mehre- ren durch Gelenkung mit einander verbundenen Stücken besteht, und darum einer ungemeinen Biegsamkeit und Beweglichkeit fähig ist. Zumeist am Grunde liegt eine kleine schmale Horn- gräte, welche der sogenannten Angel (cardo, aa) am Unterkiefer der Coleopteren analog ist. Darauf ‚stützt sich der Unterkiefer gegen die Kehle, indem das knopfförmige Basalende der Angel gelenkig mit den Kopfbedeckungen, welche den hinteren Theil des Randes der grossen Mundöffnung bilden, zusammenhängt. Es dient hauptsächlich dazu, die breite, weiche Kehlhaut zu spannen und den ganzen Saugapparat vorwärts zu schieben, wenn er ausgestreckt wird. Nach vorn wird das Angelstück etwas breiter, und hier gelenkt an dasselbe mit einer Naht der Stiel (stipes bb), das Hauptstück des Unterkiefers, an welches alle anderen Stücke sich anlehnen. Es hat eine länglich dreieckige Form, ist in der Mitte am hreitesten und be- sonders nach vorn zugespitzt, so dass es zwei lange Ränder neben der Spitze bekommt. Der innere Rand ist ziemlich grade; er lehnt sich an das Kinn der Unterlippe; der äussere ist etwas bauchig gerundet und lehnt sich mit einem Umschlag an den äussern Rand der weiten Mundhöhle des Kopfes. Er sendet einen kleinen Zapfen aus (Fig. 7. b) und daran stösst der dritte Theil des Unterkiefers, welcher dem Kaustück (mando) der Coleopteren entspricht, als ein langgezogenes, elliptisches, gewölbtes Blättchen (k k), dessen äussere Kante ziemlich dick und am Grunde in einen kurzen Zapfen verlängert ist, der mit der Innenecke des Stieles zusammentrifft (Fig. 7.), während der innere Saum des Blättchens sich häutig ausbreitet, sehr zart wird und vor dem Rande einen feinen bürstenartigen Haarbesatz hat. Dieser zarte abge- rundete Lappen legt sich über die Innenfläche der Unterlippe und bedeckt denselben Saum des Unterkiefers von der andern Seite entweder, oder wird von ihm bedeckt, je nachdem der linke öder der rechte Unterkiefer zu oberst liegt; gewöhnlich ist der rechte Unterkiefer der be- deckende, der linke der bedeckte. — Zwischen den auseinanderklaffenden Rändern des. Stiels ® ME ARE und Kaustücks ist am vordern Ende des Unterkiefers der Helm (Fig. 6. 7. d) und neben ihm nach unten zu der Taster (ebenda, c), eingelenkt. Ersterer bildet ein dünnes herzförmiges Hornblättchen,, dessen freie Spitze durch einen schiefen Einschnitt in zwei Läppchen zerfällt. Der innere obere Lappen ist dicker, mehr hornig, abgerundet und in zwei ungleiche Hornpor- tionen oder Glieder über einander abgesondert, der äussere in normaler Stellung nach unten gewendete Lappen ist fein, häutig und geht wie ein Saum neben dem innern herab. Jener ist mit kurzen steifen, dieser mit feinen, papillösen Haaren an der Spitze besetzt*). Der merkwürdigste Theil des Saugapparates der Scolien und der wichtigste ist die Unterlippe. Ihre Bestandtheile lassen sich indessen ohne allen Zwang auf die der übrigen Hymenopteren und selbst der Goleopteren zurückführen. Das ganze Lippengerüst wird von einer länglichen, halbrunden, an den Seiten stark nach oben gebogenen Hornplatte getra- gen, welche die Mitte zwischen den Stämmen der Unterkiefer einnimmt, und dem sogenannten Kinn (mentum) anderer Insectenordnungen entspricht (Fig. 5.9. n). Vor derselben liegt ganz unten an der Kehle, zwischen den Angeln der Unterkiefer, eine sehr kleine dreieckige Horn- platte (ebenda, s), worauf das Kinn besonders im eingezogenen Zustande sich stützt, daher sie als Kinnstütze (fulerum mentale Kırey, submentum Newrorr) bezeichnet werden kann. An den Seiten, wo sich das Kinn nach oben biegt, geht es in einen isolirten Querzapfen aus (Fig. 8.) und daran legen sich die Unterkiefer innig an. Zwischen diesen beiden Fortsätzen erhebt sich nach iunen die im Innern des Kinntheiles steckende Muskulatur zur Bewegung der Zunge als ein hohes fleischiges Polster, über welches längs der Mitte der Anfang des Schlundes, von zweien bürstenartigen sehr feinen Haarreihen (Fig. 8. q) eingefasst, sich fortzieht. Diese Haarreihen laufen divergirend von einem kleinen häutigen, ebenso behaarten Zipfel aus (Fig. 8. p), welcher die Mündung der Speicheldrüsen (ebenda, *) bedeckt und von einigen Schriftstellern als hypopharyna erwähnt wird. — Das Ende des Kinnes ist ziemlich grade abgestutzt und geht in einen, nur von weicher klarer Haut bekleideten, kurzen aber dicken, kegelförmigen Fortsatz über, welcher als der gemeinsame Träger der Lippentasier und der Zunge zu betrach- ten ist. Auf seiner untern, nach aussen gewendeten Fläche hat er‘ zwei seitliche Längswaulste, zwischen denen’ die Aussenfläche vertieft und mit einer schmalen, nur sehr zarten Hornplatte, (Fig. 5:h) dem Zungenbein (os hyoideum) belegt ist; von ihm wird die Zunge (lingua) getragen; von den häutigen Seitenwülsten gehen die Lippentaster (ee) aus. Das Zungen- bein bildet eigentlich ‘eine dünnwandig hornige Hülle für die Muskulatur der Zunge an ihrem Grunde; es ist nach aussen und unten schmal und flach, doch vorn etwas breiter und hier Zar ingrge Zee *).G. R. Kıuc hat den Helm als einfach beschrieben und das kleine, sehr dunkelbraune Endglied des innern Lappens als ein besonderes Fleckehen; die klare Naht zwischen Stiel und Kaustück hat er als helleren Streifen richtig angegeben, die Angel dagegen und den Anfang des Stieles, welche beide wahrscheinlich bei der Präparation abgebrochen waren, übersehen, (Weser & Mona Beiträge I, 12. 13.) | } | u ME u in 3 kurze feine Aeste getheilt; nach innen gegen die Mundhöhle wölbt es sich wie ein hohes Polster (Fig. 8. ö) empor, neben dem zu jeder Seite die kurzen Stämme der seitlichen Zungenlappen sich absondern. Im Leben und im frischen Zustande ist dies hornige Polster voll und prall, hoch gewölbt und gleichmässig gerundet; nach dem Tode trocknet es zusam- men und bildet dann eine hohe, schmale, dachförmige Hornplatte zwischen den beiden seit- lichen Zungenlappen*). Hinter dem Polster des Zungenbeins zerfällt die Zunge in 3 ungleiche, strahlig aus einander gebreitete, häutige, höchst zarte und weiche Fortsätze. Die beiden seitlichen oder Nebenzungen (paraglossae, Fig. 4.5.8. /f) sind gleich lang, aber kürzer als der mittlere und stellen ein schmales zugespitztes Band dar, dessen obere, gegen die Mund- höhle gewendete Fläche mit 6 Reihen feiner aber langer Zacken, gleichsam mit häuligen Stacheln besetzt ist. Der mittlere Lappen (die eigentliche Zunge, ligula, 9) ist fast doppelt so lang wie die seitlichen, seiner Substanz nach ebenfalls häutig, aber in der Form dadurch verschieden, dass er drehrund mit dickem stempelförmigen Anfange vom Zungenbeinpolster ausgeht, sich langsam in eine enge Spitze verjüngt und dann wieder in eine flache, lanzett- förmige Endhälfte sich ausbreitet (Fig. 8.). Auf dem drehrunden Theile sitzen gleich hinter dem Polster zahlreiche Querreihen kurzer, feiner, häutiger Haare, die allmälig etwas höher werden, wie die Reihen sich verschmälern.. Wo die Mittelzunge drehrund und eng wird, ver- längern sich die Härchen zu einem hohen Schopf; wo sie wieder in die lanzettförmige End- hälfte sich ausbreitet, bekommt sie an jeder Seite einen gefranzten Hautsaum, zwischen dem sich die Zunge als gewölbter breiter Miitelnerv hinabzieht. Auf diesem gewölbten Mitteltheil der Endhälfte (Fig. 9.) sitzen wieder lange, weiche Haare in regelmässiger Anordnung, je 8 divergirende Reihen neben einer mittlern Längsreihe bildend. Alle diese sehr zarten und weichen Hautgebilde sind nicht einfache Häute, sondern hohle Hautblätter oder Hautfäden, deren innere Höhle sich deutlich unterscheiden lässt. Im Mittelpolster ist diese Höhle mit Bindegewebe ausgefüllt, in den Fäden und Blättern aber leer, wenigstens ohne festen Gehalt. Die Höhle kann aber nicht als ein eigenthümlicher Kanal angesehen werden, sie ist vielmehr nur das innere Lumen der zylindrischen Gebilde, welche von einer zarten, aber doch chitin- haltigen und deshalb prallen Membran umschlossen werden **). Wir haben die Zunge so eben im ausgestreckten Zustande betrachtet, welchen sie wäh- rend der Benutzung zum Saugen einnimmt; anders ist ihr Ansehn während der Ruhe, wo der ganze Saugapparat in der Mundhöhle des Kopfes steckt. Alsdann zieht sich die Unterlippe so weit als möglich zwischen die Unterkiefer nach hinten zurück, so dass ‘die Zungenbasis in *) So hat es G. R. Kruc (a, a. 0. S.16) gesehen, offenbar weil er trockne Exemplare untersuchte , und deshalb als eine „erista‘“ beschrieben. **) Rarzepurg hat bei der Honigbiene dieselbe Structur der Zunge nachgewiesen, das hohle Lumen derselben aber un- passend einen Kanal genannt, was er nicht ist, da er keine vordere Mündung hat, Mediz. Zoolog. I. 179. Note *). Abh, d. Nat. Ges. zu Halle. Ir Band, 4s Quartal, 2 Pe: ER die Gegend der Kiefertasteranheftung kommt, und nun biegt sich dieselbe unmittelbar über dem Endrande des Kinnes nach innen um, richtet sich gleichsam gegen die Mundhöhle empor und zieht sich in das hornige Kinn zurück. Die entgegengesetzte Richtung nehmen die End- platten oder Helme der Unterkiefer an, sie wenden sich abwärts, als wollten sie zum Munde heraustreten und schlagen sich vor dem weichen umgebogenen Theil der ‘Zunge über einander, ihn wie ein Paar Klappen bedeckend. Durch die Zurückziehung der Unterlippe gelangt auf diese Weise die Zunge unter die Kaustücke der Unterkiefer und indem sich der dreilappige Endtheil völlig an die eingestülpte Innenfläche des Kinnes andrückt, wird er in die Gegend der Furche zwischen den beiden bürstenförmigen Haarreihen, wo in ausgestreckter Stellung die Speicheldrüsen-Mündung sich befindet, aufgenommen. Indessen ist der mittlere Lappen noch zu.lang, um in dieser Lage gestreckt bleiben zu können, er zieht sich bis zu seinem Polster ganz in die Höhle des Kinnes zurück und nur (die breite Endhälfte liegt neben den Seitenlappen ‘oder Paraglossen in vorwärts gewendeter Stellung innen auf dem Kinntheile der Unterlippe, aber so von den übergeschlagenen Kaustücken der Unterkiefer bedeckt, dass gar nichts mehr von der Zunge zu sehen ist. Wo ist nun die eigentliche Mundöffnung ? wird man fragen; — gar nicht an dem Saug- apparat, lautet die Antwort, sondern über demselben, vorn an der Decke der Mundhöhle, gleich hinter der Oberlippe. Hier sieht man eine länglich dreiseitige, zwar etwas lederartige, aber doch sehr zarte, hellbraune Platte (Fig. 15. c, Fig. 16.), welche dicht über der Ober- lippe am Kopfschilde angeheftet ist, und hinter ihr von der Decke der Mundhöhle herabhängt. Die kleine dreieckige spitze, etwas nach aussen gebogene Platte hat an jeder Seite einen schma- len muskulösen Saum. (Fig. 16. aa), ist längs der Mitte etwas derber und überall haarfrei ; sie bildet den Schlunddeckel (epipharynxz) und ist so mit Recht schon von Savıcny. genannt worden, während andere Schriftsteller sie für die wahre Zunge (ligula) halten, was aber ‚nicht zulässig scheint, da sie nicht unter, sondern über, d. h. vor der Schlundöffnung sich befindet. Nimmt ‚man die Mundtheile heraus, so bleibt der Schlunddeckel gewöhnlich in der Mundhöhle zurück; nur bei frischen Exemplaren kann man ihn leicht wahrnehmen*). Er stützt sich.mit seiner innern, etwas mehr hervortretenden Basis (Fig. 16. b) auf das ringförmige Horngerüst, ;._—l_ 1,0 ”) Die 'genaueste und beste Analyse des Mundes honigsaugender Hymenopteren hat G. R. Trevıranvs in: seinen vermisch- ten Schriften (II.-Bd.) :von der Erdhummel und Honigbiene gegeben. ‚Er :beschreibt.die Mündung des Oesophagus zuerst ‚genau ($. 126), nennt aber nichtsdestoweniger den Schlunddeckel Zunge; viel eher könnte der kleine Zapfen über der Speichel- drüsenmündung dafür genommen werden, wie ich das in Erscn und Gauper’s Eneyclap. (If. Sect, XVII. S. 511) schon ge- than habe, 6. R. Kruc 'hat"beide "kleinen Theile übersehen, weil, wie ich schon erwähnte, seine Analyse 'än' getrockneten Exemplaren angestellt wurde, bei denen alle diese zarten Theile zusammenschrumpfen und undeutlich'werden. Vortreffich ist dagegen die Darstellung Saviony’s in seinen bekannten Mem's. Lvanimaus s,Vertebres TI, von den Bienen; ‘die Scolien sind noch nirgends vollständig geschildert worden, — we DE u welches in der weichen Bindehaut der Mundhöhle angebracht ist und den Eingang des Oeso- phagus (Fig. 4. r) umgiebt*). — Von den übrigen Körpertheilen ist weniger Merkwürdiges zu berichten. Der Brust- kasten hat die gewöhnliche Zusammensetzung aus drei Ringen, von denen der mittlere sich durch Grösse auszeichnet. Die Rückenplatte des ersten Ringes, der sogenannte Vorder- rücken (pronotum), ıst ziemlich breit und bildet einen Halbring vor dem Mittelrücken, der zu jeder Seite bis an die Basis der Vorderflügel reicht. Das ist ein allgemeiner Gruppen- charakter einer gewissen Unterabtheilung von Larencıe’s Hymenoplera fossoria, welchen die Scoliaden mit den Pompiliden, Thynniden und Mutilliden gemein haben. Hin- ter dem Mittelrücken, dessen Endrand als sogenanntes Schildchen lappenförmig in den Metathorax hineinragt, tritt ein ähnlicher, gebogener schmaler Streifen, der Hinterrücken (metanotum) auf und er ist es, den die linea transversa flava sub scutello zu zieren pflegt. Mit Unrecht hat man diesen Abschnitt des Brustkastens noch zum Mesothorax gerechnet; die Stellung der Hinterflügel an seinen vorderen Ecken beweist, dass er dem Metathorax angeböre, Hinter ihm steigt die schiefe Endfläche des Metathorax, das äusserlich sichtbare Metaphragma, zur Anheftungsstelle des Hinterleibes hinab. In seinen oberen Seitenlappen liegen gleich hinter dem Metanotum die beiden Luftlöcher des Metathorax **). Der Hinterleib bat eine ziemlich schlanke Form, hängt mit einem kurzen aber dün- nen Stiel des mehr oder weniger glockenförmigen ersten Ringes am Metathorax und besteht beim Männchen aus sieben, beim Weibchen nur aus sechs äusserlich sichtbaren Ringen, von denen das zugespitzte Rückensegment des letzien eine schief abgeplattete Endfläche be- sitzt, über deren Rand bei den Männchen drei spitze Stacheln hervorzuragen pflegen. Die Weibchen zeigen auch kleine Spuren von seitlichen Stacheln, wenn der letzte Ring völlig _her- austritt; das sind aber ganz andere Theile, nämlich die durch einen Einschnitt abgesonderten umgeschlagenen Seitenlappen des sechsten Rückensegmentes. Dazwischen haben sie einen wirk- lichen beweglichen Stachel als Waffe und Eierleger zugleich. Jene 3 Stacheln der Männchen sitzen übrigens nicht einmal an dem siebenten Ringe, sondern an der Bauchplatte des ganz eingezogenen achten (Fig. 10.), und bilden drei spitze, etwas nach oben gebogene Hornpfrie- men, ohne eine besondere Bedeutung. Auf dieser achten Bauchplatte ruhen die Genitalien im eingezogenen Zustande; ihr Bau scheint mir, da er nichts zur Gattungscharakteristik beiträgt, *) Ueberraschend ist das umgekehrte Verhältniss zwischen dıesem spitzen, langen Schlunddeckel und der kurzen breiten Oberlippe, wenn man es mit dem Ban bei den Wespen vergleicht. Die haben eine ebenso schmale, spitze, hornige, behaarte Oberlippe, und hinter derselben einen kurzen aber breiten, häutigen, hornlosen Schlunddeckel. **) In meinem Handbuche der Entomologie habe ich die Figuren (Taf. 6. V), welche die Construction des Brustkastens der Hymenopteren erläutern, grade von Scol. flavifrons genommen, ich kann darum auf sie verweisen. Die schematischen Far- ben deuten das Verhältniss der Theile übersichtlich an, doch ist durch Schuld des Coloristen in Fig. 2. das metanolum wie das mesonotum colorirt worden, es (F.) müsste gelb, nicht blau gefärbt sein! — 2* | | FE ER hier keiner weiteren Schilderung zu bedürfen. Ueber ihnen befindet sich in einem eignen kleinen, noch Liefer eingezogenen neunten Ringe der After. Der sechste, scheinbar letzte Ring des weiblichen Hinterleibes ist viel grösser, als der siebente der Männchen; er hat im geschlossenen Zustande eine eiförmige Gestalt, mit einem scharfen Rande nach hinten, in dem die beiden Hornplatten so an einander stossen, dass die obere etwas über die untere greift. Besonders schlägt sich die Rückenplatte an jeder Seite weit über den Rand der Bauchplatte hinüber und hier sondert sich dieser Lappen, durch einen Einschnitt von hinten her, wie eine kurze Spitze von der Mitte ab. Die Bauchplatte (Fig. 11.) hat einen ähnlichen, breiten, flachen Umschlag nach innen, der oberhalb mit kurzen steifen Haaren besetzt ist und dazwischen liegt in einer Längsfurche am Ilinterrande der eigentliche Stachel. Vor der Furche ist eine beträchtliche Vertiefung sichtbar, welche die Basaltheile des Stachelgerüstes nebst dem darüber befindlichen siebenten, achten und neunten Hinterleibsringe in sich aufnimmt. Diese 3 Ringe (Fig. 12. 7.8.9.) sind ungemein kurz, stark in einander eingezogen und nur von lederartigen, dünnen Schienen bekleidet. Den siebenten Ring sieht man besonders von oben gut als eine quere am Hinterrande ausgebuchtete Lederscheibe, in deren Seitenlappen ein deutliches rundes Luftloch (ebenda e) erkannt wird; dadurch macht sich diese Gegend sogleich als ein selbständiger Hinterleibsring bemerkbar. Auf ihn folgt der viel kürzere und noch zarter gebaute achte Ring, von dessen unterer Seite das Stachel- gerüst seinen Anfang nimmt. Hinter ihm folgt der kleine neunte fast ganz häutige Ring, aus dessen Mündung oben das kurze Analrohr (c) hervorragt. Der Stachel (b) ist nur kurz aber stark, er steckt in einer zweiklappigen Scheide (a), deren Klappen aus einem brei- teren Grundgliede und einem kürzeren schmalen Endgliede zusammengesetzt sind. Letzteres ist an dem abstehenden Borsienbesatz leicht kenntlich, welches seine Aussenfläche am Anfange bekleidet; seine Innenfläche hat dagegen der Länge nach eine zarte Hautfalte, welche frei von dem unteren Rande des Gliedes ausgeht und den glatten, glänzenden, tief schwarzen Stachel zunächst umgiebt. Das viel grössere Grundglied der Stachelscheide ist bauchig nach unten er- weitert zur Aufnahme der breiteren Basaltheile der Stachelborsten und nicht ganz hornig, son- dern häutig und von einem etwas derberen Horngerüst unterstützt. Da wo die beiden Klappen der Scheide am Grunde aus einander weichen, liegt ein sehr derbes dreieckiges Hornstück (d) zwischen ihnen, welches als der Träger der Stachelscheide zu betrachten ist. Es stützt sich auf den Rand der achten Bauchplatte, woran überhaupt der ganze Stachelapparat befestigt ist. — Den feineren Bau des Stachels selbst bespreche ich nicht, da er aus früheren Unter- suchungen hinlänglich bekannt ist. Die Beine der Scolien sind kräftig gebaut, weniger indessen die männlichen, als die weiblichen. Sie zeichnen sich durch einen ziemlich dichten, bei den Männchen weichen, bei den Weibchen steifen borstigen Haarbesatz aus. Schenkel und Schienen sind nur kurz, er- stere beim Weibchen sehr hoch, oder: von der Seite gesehen breit, zumal die hintersten, welche sich ausserdem durch eine lappenförmige Erweiterung des Innenrandes neben dem Knie auszeichnen, wovon auch der männliche Hinterschenkel eine Spur zeigt. Merkwürdig sind auch die Sporen; theils die vordersten durch die eigenthümlich hakenförmige Form mit scharfem breiten Endrande, die beiden Geschlechtern gleichmässig eigen ist, theils durch die Geschlechts- differenz der zwei Paar hintersten. Dieselben sind bei Männchen stets fein, grade, spitz und viel länger als (die mittleren, beim Weibchen dagegen in manchen Fällen gegen die Spitze hin breiter, flacher, abgerundet und etwas gebogen. Bei den Arten, deren: Geschlechter in Farbe und Zeichnung total übereinstimmen, zeigen auch die Hintersporen keine Verschieden- heit; dagegen tritt sie mit den auffallenden äusseren Geschlechtsunterschieden in Harmonie auf und ist um so grösser, je bedeutender dieselben sind, Scolia inlerrupta zeigt sie am deutlichsten, Se. signata und Sc. 4-punctata dagegen gar nicht. Von den Schienbeinen ist noch zu bemerken, dass die vordersten an der Innenkante einen dichten kurzen bürstenarli- gen Haarbesatz zu haben pflegen, der nur sehr selten (z.B. bei Sc. cephelotes) fehlt, und dass die 4 hinteren auf der Aussenkante nicht bloss mit starken Höckern in Reihen, wie eine Raspel bedeckt, sondern auch unter jedem Höcker mit einem kurzen, steifen, hellfarbigen Stachel besetzt sind. Aehnliche aber längere Stacheln stehen am Endrande der Fussglieder. — Die Füsse sind ungemein lang, besonders die hintersten und stets sehr stark behaart. Die vordersten der Männchen haben dieselbe drehrunde Form der übrigen und ein sehr langes: er- stes Glied; bei den Weibern ist das vorderste Paar flach gedrückt, kürzer am ersten Gliede und an allen Gliedern mit breiten Stacheln zu beiden Seiten besetzt. Das ist der bekannte Grabapparat der nicht parasitischen Hymenoptera fossoria. An den Hinterfüssen erreicht das erste Glied eine ganz besondere Länge und übertrifft stets die 3 folgenden zusammen au Aus- dehnung. Das letzte Glied ist überall ein wenig länger als das vorhergehende, ziemlich flach, länglich dreiseitig, fast‘ haarfrei und mit zwei nur kleinen einfachen Krallen besetzt, zwi- schen denen ein deutlicher, mehr breiter als langer Hafllappen sich befindet. Auf und unter demselben sitzen einige Borsten. Die Flügel endlich sind für die Grösse der Thiere nur klein, namentlich die der Weib- chen, und darum ist der Flug der Scolien, wenn auch nicht langsam, doch schwerfällig. In beiden Flügeln lassen die Adern den Endtheil ganz frei und immer findet sich ein breiter Saum, welchem zahlreiche parallele oder radiale Furchen, nicht Adern, ein gestreiftes, gleich- sam geknefltes Ansehn geben. Schon dieser Umstand unterscheidet die Scolien von ihren nächsten Verwandten, den Tiphien, wo sich die erwähnte Kneffung nicht mehr findet. Ein zweites fast ebenso sicheres Kennzeichen der Scolien ist der Mangel eines hornigen Flügel- randmales, womit die Hymenopteren so häufig versehen zu sein pflegen; es liegt gewöhnlich am Ende der graden vorderen Randader und bildet eine kleine dreiseitige Hornplatte, in welche Ve ein, we OHR auch die Ader zunächst hinter dem Vorderrande zu münden pflegt. Schon bei Tiphia ist ein solches Pterostigma vorhanden. Die erwähnten Eigenheiten des Flügelbaues fallen leicht in die Augen und führen den Beobachter alsbald zu einer näheren Betrachtung des Flügelgewebes. Dieselbe wird fruchtbar für die Gruppirung der Arten innerhalb der ziemlich umfangsreichen Gattung. G. R. Krus scheint zuerst diesen Umstand beachtet zu haben ; schon in Weser & Monr’s Beiträg. (I. S. 209. Note **) gab er an, dass ihm acht verschiedene Formen des Adernverlaufes bei Scolia bekannt seien und später hat er bei Gelegenheit der von Emkensere in Aegypten gesammelten Scolien (Symb. phys. 1932. Insect. Dec. Ill. tab. 26 u. 27.) mehrere dieser Verschiedenheiten bild- lich dargelegt. Zwischen jene beiden Arbeiten fallen Jürme’s Werk über die Hymenopte- ren (Geneve, 1807. 4.) und LarkeitLe’s ausgezeichnete Gen. Crust. & Ins., woselbst die Ver- schiedenheiten des Flügeladersystems der Scolien ausführlich berücksichtigt werden (Tom. IV. p. 105. Paris, 1809. 8.). Auf diese Vorgänger stützt sich die Gruppirung von ServiLLe und Leereerien De St. FareeAu im zelinten Bande der Encycl. meth. (pag. 393. Art Scolia), der später Gusrın eine detaillirtere, in 7 besonders benannte Untergattungen zerfällte Uebersicht der bekanntesten Arten hinzugefügt hat (Voyage d.1. Coquille p. Duperrey. Zool. I. p. 246. 1830.) Dieselben Unterschiede sind endlich von Herrn Amav. LereLerier DE St. Farceau in seiner Hist. natur. des Hymen. (T. Il. pag. 496. seq. Paris. 1845. 8.) zur Aufstellung besonderer Gattungen benutzt und darnach die bisherigen Scoliae in 3 Genera: Campsomeris, Scolia und Colpa getheilt worden. Da indessen der gesammte übrige Körperbau eine solche Trennung nicht rechtfertigt, so habe ich von derselben keinen weiteren Gebrauch machen können. — Die Vorderflügel der Scolien (Fig. 14.) haben am Grunde hinter dem schmalen li- nienförmigen äusseren Randfelde zwei dreieckige Zellen neben einander und auf diese beiden (1&2) folgen quer über die Mitte des Flügels drei andere mehr länglich vierseitige Zellen (3, 4, 5.). Zwischen der vorderen und mittleren dieser 3 Zellen bleibt eine nach aussen und hinten klaffende Lücke, wo hinein sich eine andere länglich dreiseitige Zelle (6.) schiebt, wäh- rend vor derselben am Ende des schmalen Randfeldes eine lange gestielte Zelle (7.) auftritt, welche gewöhnlich durch eine Querader in zwei Hälften, eine schmale und eine breite, ge- theilt ist. Diese sieben Zellen sind stets und in ziemlich gleicher Form vorhanden, es kom- men aber bei mehreren Arten noch 1 oder 2 Zellen hinzu, nämlich eine achte zwischen den auseinander weichenden Enden der sechsten und siebenten, oder eine neunte am Hinterrande neben der vierten und fünften Zelle. Nur selten sind beide gleichzeitig vorhanden, bald fehlt die vordere (achte), indem die Ader ganz oder z. Th. erloschen ist, welche sie von der neben ihr liegenden sechsten absondert, bald die hintere (neunte) und daraus ergeben sich vier verschiedene Fälle des Flügelgewebes. I. Alle neun Zellen sind zugleich da. FE en Il. Es sind nur acht Zellen im Vorderflügel und die neunte (hintere) fehlt. II. Es sind nur acht Zellen im Flügel, aber die neunte (hintere) Zelle ist da und die vordere (achte) Endzelle fehlt. IV. Der Vorderflügel hat nur sieben Zellen, die achte und neunte fehlen. Nach diesen Verhältnissen wollen wir die Arten an einander reihen. I. Gruppe. Neun vollständige Zellen im Vorderflügel. Die Anordnung der Zellen ist ‚auch in diesem Falle nicht ganz gleich, gewöhnlich be- rührt ;die vordere (achte) Endzelle mit ihrer Spitze die erste Zelle der Mittelreihe (der Ge- sammtzahl nach die dritte) direct und schiebt dadurch die beiden neben ihr liegenden Zellen etwas auseinander. Auch sendet diese kleine Zelle stets noch einen nach hinten zum schmalen Endrande gerichteten graden Nerv aus. Die hintere (neunte) Endzelle liegt stets zugleich an die mittlere und hintere Zelle der Mittelreihe an, berührt aber nicht immer die vor ihr liegende, eingeschobene siebente Zelle, sondern lässt mitunter hier eine Lücke frei. Die neunte Zelle sendet ebenfalls einen Strahlnerv gegen den Hinterrand des Flügels aus. A. Arten mit neun Zellen im Vorderflügel, bei denen die hinterste (neunte) Zelle nicht bis an die vor ihr liegende siebente reicht. Ich kenne nur zwei Arten dieser Section, von denen ich die eine für unbeschrieben halte und deshalb benenne. 1. Sc. erythrosoma*: nigra, nilida, hirta; abdomine toto rubro, alis nigro-aeneis. Long. 9" J". — Von G. Padang auf Sumatra. | Schlank gestaltet, der Kopf mässig gross, schwarz, wie der ganze Brustkasten, die Beine und die Flügel; letztere aber nicht stahlblau, sondern dunkel erzgrün schillernd. Hinterleib blutroth, wie der ganze Körper grobpunktirt, in den Punkten behaart; die Haare am ersten und zweiten Ringe noch schwärzlich, an den folgenden hell blutrotih und dichter. Afterdecke dreispitzig, die Seitenstacheln sehr kurz, wie der längere mittlere schwarz gefärbt. 2. Sc. dimidiata: nigra, nilida, hirta; abdommis segmentis 3—6 rubris, basalibus viola- ceis; alis fusco-purpureis. Long. I1—12' 2. — Moluccen. Gußrın Voyage d. 1. Coquille Zool. I. 2. 1. 247. — Campsomeris Urvilli Lepeu. Hymen. UI. 503. 129. Etwas grösser als die vorige Art, sonst ebenso gebildet, auch der Flügeladerntypus ge- nau ebenso; dicht und fein punktirt, abstehend behaart, schwarz, die 3 ersten Hinterleibsringe stahlblau, die Seiten des dritten und alle folgenden blutroth ‚ stark behaart und gefranzt. Flügel dunkelbraun, mit mattem Purpurglanz. — — 1% — Herr Fr. Sturm theilte mir 1 Ex. zur Ansicht mit, als dessen Vaterland das Capland angegeben war. — B. Arten mit neun Zellen im Vorderflügel, bei denen die hinterste (neunte) Zelle völlig bis an die vor ihr liegende siebente reicht, daher doppelt so gross wie ım vorigen Falle. 3. Sc, anthracina Kı.: nigra, hirta, undique fortiter punctata, pilis capitis thoracisque griseis ; abdomine maris sericeo, feminge laevi; alae fuscae, violascentes. Long. 8S—14"'. J. 2. — Neu-Holland (v. Schwanenfluss). Kruc im Preiss-Verzeichnisse d. Naturalien etc. von West-Australien. d' variat punctis duobus segmenti terti abdomimis flavis. Eine zierliche Art, deren Weibchen ich nur einfarbig schwarz gesehen habe, während das Männchen öfters einen gelben Punkt jederseits am dritten Hinterleibsringe hat. Im Flügelbau weicht sie darin etwas von Se. interrupta ab, dass bei letzterer die vorderste (achte) Endzelle zugleich an beide vor ihr liegenden Randzellen stösst, während bei Sc. anthracıma sie nur mit der letzten äussersten Randzelle zusammentrifft. 4. Sc. interrupta: ' niger, cinereo-hirtus: chypei pronotique margine, maculis 2 sculelli, nec non 2 sub scu- tello, punclis 3 lateralibus, fascüs 3 abdominis posticis, gemibus tibusque 4 anticıs flavis ; ventre maculis 6 flavis. Long. 8-13". Fapr. S. Piez. 249. 2. Elis interrupta. ' Kıvc in Wer. u. Monr’s Beitr. I. 29. 18. — Panz. Fn. Germ. 62. 14. — Larr. Gen. Gr & Ins. 105. — Rossı Fn. Eir. 12. 838. — Van ver Lino. Hym. Europ. 21. 5. — Üolpa interr. Leret. Hym. Il. 550. 19. Var. pronoto &' scutello immaculato, maculaque metanoti mulla. Sphex canescens Scap. — 2 tota migra, migro-selosa; punchs ante el post oculos maculisque sex abdominis sul- phureis. Long. 9—14. Scol. 6-maculata Fann. S. Piez. 240. 8. — Kuve. 1. 1.25. 10. Rossı Fn. Etr. TL. 835. — Lam. ibid. 106. — Van ver Liso. ibid. 22. 6. Colpa sex-mac. Lerer. Hym. II. 552. 20. Var. pilis corporis pedumque cinereis. an Scol. insubrica Scopou. Del. ete. 58. tb. 22. LH In Italien, Sieilien, Ungarn, Tyrol und wahrscheinlich im ganzen Süden Europas; ich fing zahlreiche Exemplare im September bei La Spezia an der Meeresküste auf Thymus serpyllum. — 3. Se. 5-cincta: nigra, cinereo-hirsula, abdomine maris cingulis 5. marginalibus flauis, fe- minae segmentis griseo-fimbriatis. Long. 5—8'". 2 %& 9. — Süd-Europa. Ö: Fapr. S. Piez. 243. 29. — Ent. Syst. II. 234. 23. Van ». Linn. Observ. s. I. Hym. Eur. 23. 7. Muzine arcuata Fıscn v. Waron. Guer. Mag. Ins. tb. 122. 9. Sc. marginata Van D. Lisw. 1.1. 8. Tiphia villosa Faer. S. Piez. 235. 22. ? Var. segmentis 2—3 abdominis rubris. Sc. abdominalis Spin. Ins. Lig. 1. 25. Beide Geschlechter glänzend schwarz, mit langen greisen Haaren ziemlich sperrig beklei- det; das Weibchen ohne alle gelben Zeichnungen, nur die Haare am Rande der Hinter- leibsringe zu dichten Franzen aneinander gedrängt, bisweilen der zweite und dritte Ring blut- roth; — das Männchen mit gelbem Rande am Vorderrücken, gelbem Punkt unter dem Schild- chen, der auch fehlen kann, und 5 schmalen gelben Rändern an den 5 ersten Hinterleibs- ringen; auch die Schienen aussen und die Flügelschuppen gelb. Flügel klar mit gelben Adern, beim Weibchen die Spitze etwas gebräunt; die kleine vordere (achte) Endzelle oft verschwunden, indem der Nerv, welcher sie von der neben ihr liegenden sechsten Zelle tren- nen soll, ganz oder zum Theil fehlt. — Anm. 1. Die eben erwähnte Anomalie im Flügelgeader ist das einzige mir bekannte Beispiel einer solchen bei Scolia; ich besitze ein Männchen, das an der rechten Seite die achte Endzelle vollständig entwickelt hat, an der linken Seite aber gar nicht. Den Weibchen, besonders den kleinen Exemplaren, fehlt diese Endzelle öfter. — Ich habe von dieser Art 16 Ex. vor mir, dar- unter 11 Männer, 5 Weibchen; von jenen haben 6 die achte Endzelle, 5 nicht; unter den Weibern ist nur 1 Ex. aus Spanien, welches sie besitzt. 2%. & R. Kıve beschreibt als Sc. 5-cincta in Weser & Monr Beitr. 1. 31. 21. eine ähnliche Scolia aus Süd-Afrika, welche ich gleichfalls besitze. Sie unterscheidet sich constant von Sc. 5- cincta Fapr. durch das gelbgesäumte Kopfschild, die relativ viel längeren, dünneren Fühler und ein dichteres Haarkleid. — Ich halte sie für das Männchen eines ebenfalls am Hinterleibe bloss grau gefranzten Weibchens.. Ob dahin Sc. 5-fasciata Fasr. S. Piez. 243. 38. zu bringen sei, scheint wegen der Angabe: magna in der Ent. syst. I. 233. 22. mir fraglich. Diese Sc. 5-cincta Kr. nebst zugehörigem Weibchen stellt sich, dem Flügeladernverlaufe nach, in die dritte Gruppe neben Se. Iris und Se. 4-fasciata. Noch gehören folgende, mir unbekannte Arten hierher: Se, canescens Kıuc, Wer. & Monk Beitr. I. 38. 37, Z Ungarn. Wahrseheinlich nur Varietät von Sc. interrupta. Colpa continua Lerer. Hymen. UI. 353. 21. $. — Mittel-Frankreich. Abh. d Nat, Ges. zu Halle. Ir Band, 43 Quartal. 3 3 EEE Se. Klugi Van ».. Lin. Hym. Europ. 19. 4. :9.. — Dalmatien. Sc. aliena Kıuc, Symb. phys. Ins. tb, 27. f.3. 9=— Arabien. Sc. carbonaria Kıus, ibid. f. 4. 2. — Aegypten. — Vielleicht das Weibchen der vorigen Art. IE. Gruppe. Acht vollständige Zellen im Vorderflügel, indem die hinterste grosse Zelle, welche ich als neunte aufgeführt habe, völlig fehlt, während zugleich die vorderste (achte) Endzelle sehr klein ist. Zu dieser Gruppe gehören die grössten und schönsten Arten der Gattung; beide Ge- schlechter stimmen in Farbe und Zeichnung fast ganz oder grösstentheils überein, nur das Colorit des Kopfes pflegt abzuweichen und heim Weibchen gewöhnlich heller oder ausgedehn- ter gelb zu sein, als beim Männchen. Doch variiren darin die Arten etwas. — 6. Sc. hortorum: hirta, migra, alis fuscis; abdomine maculis 4 flavis, anticis duabus maris in fasciam conjunctis. ‚Long. 13—20“' Z&2. — Westliches ‚Südeuropa. D. Se. hortorum. Faser. S. Piez. 243. 24. — Kıuc 1. 1.22. 4. — Lam. Gen. Cr. & Ins. 10. 105... Van ver Liso..2. 2. 16. 1..— Lerer. Hym. II 520. 1. 9. variat fronte fulva &' nigra, saepius vero fulva. ‚Se. flavifrons Farr. 8. Piez.. 240. 7. — Ku. 11288. Dass Sc. hortorum Fapr. und Sc. flavifrons Fapr. nur die verschiedenen Geschlechter einer Art seien, vermuthet schon G. R. Kıus a. a. O.; Larrertte war der Erste, welcher es geradezu aussprach. Spätere Erfahrungen haben seine Ansicht bestätigt. Von dieser Art gelten die Beobachtungen Passerıwıs über die Lebensweise der Larven. 7. Sc. haemorrhoidalis: hirta nigra, alis fuscis; abdomine. maculis 4 flavis; pronoto annulisque am fulvo-hirtis. Long. 18—20'. 2 & 2. — Oestliches Südeuropa. cd’. Sc. haemorrhoidalis Faer.ı S. Piex. 240. 9. — Kive 1. 1. 24. 6. — Lane. Gen, Crust. $ Ins. IV. 105. — Van ». Lino. Hym. Europ. 18. 3. — Leer. Hym. II. 522. 5. 2. differt a mare verlice toto scutelloque rubrofuscis. Sc. erythrocephala Fırr. S. Piez. 242. 23. — Kı. 1.1.5. — Diese Art vertritt die vorige in Ungarn, der Türkei, Griechenland und Süd-Russland; eine viel kleinere in Süd-Frankreich heimische Spezies wird von einigen Schriftstellern mit dem Weibchen verwechselt, sie (Sc. erythrocephala Larr., Van D. Lisv. , Leper.). gehört zur vier- ten. Section. — 8. Sc. bimaculata: hirta migra, antennis fulvis, alis fuscis;.abdomine maculis Qvel 4 flavis. Long. 16— 18 2.&.2: —— Spanien, Sicilien, Nord-Afrika en HR . abdominis segmento secundo 'bimaculata. Sc. bimoculata Fapr. 8. Piez. 241. 13. — Kıvs, 1.1. 24. 7. — Lare. Gen. Crust. & Ins. IV..105. — Van ».>Lino. Hym. Europ. 17. 2. 9. vertice, fronte genisque fulvis; abdomine quadrimaculato. Sphex bidens Linn. S. Nat. 1.943. 14. — Scolia bidens LereL: Hym. IU. 523. 6. Steht in der ‚Grösse den vorigen beiden sehr ähnlichen Arten nach ; der Kopf ist relativ | etwas kleiner, die Fühler bei den Geschleehtern rothgelb und daran leicht zu erkennen. Das | Schildchen beim weiblichen -Geschlecht schwach rothbraun. — 9... Sc. procer: alra, aeneo-micans, alis nigro-chalybaeis ; fronte , pronoto, scutello, ma- cula primi 'segmenti abdominalis unica, tertiique duabus sulphureis. Long. 24— 28 E%&2:—. Java. d. Variat abdominis segmento tertio nunc toto nigro, nunc bimaculato genisque flavis; clypeo ‚semper flavo. Sc. capitata Fagr. S. Pier. 239. 3. 2. Validior, genis lutioribus nigris, clypeo semper nigro. Sc... procer Fapr. 9. Piez. 239. 3. Sc. procera Lerer. Hym. II. 519.3. Die grösste und schönste Art der Gattung, ziemlich häufig in allen grösseren Sammlungen. — | 10. Sc. patricialis*: nigra, alis fuseis;' capite, scutello, siriga maculaque sub seutello, nec non macula primi segmenti \abdominis et fascia tertüi flavis..» Long. 204" &. — Auf Su- matra (Padang). Gestalt und ganzer ‚Bau. der vorigen Art, aber etwas schmächtiger; der Kopf ganz gelb, der Vorderrücken . dagegen ganz schwarz; die Flügel nicht stahlblau, "sondern hellbraun und durchsichtig. Schildchen, eine. schmale Querlinie darunter und ein runder Fleck unter ‚dieser auf idem Hinterrücken gelb; letzterer weiss behaart. Erster Hinterleibsring mit einem herz- förmigen gelben Fleck am Anfange, dritter mit einer schmalen Querbinde am Grunde. — 1l. Sc. rubiginosa: atra, hirta, als migro -violaceis; abdominis segmenlo tertio maris ubrinque macula, sequentibus in tolo margine postico rufis et rufo-hirtis; feminge ano solo rufo-hirto. Long. 14—18"! 27 & 2. — Java, China, Hinter-Indien. . capite toto nigro. | | Fipr. S.'P. 241. 10. — Kive, 1. l. I. 211. 38. — Lerer. Hym. 519.2. 9. verlice rufo. ‚Sc. ornata. Lerer.. Hym: IL 519. 1. Se. chinensis MSC, in litt. Häufig, in den meisten Sammlungen; mitunter ‘kommen auch sehr. kleine Individuen: von BE ME FE 10—12° Länge vor, besonders männliche. — Die beiden eschlechter ähneln sich zwar in der Farbe, aber nicht ganz in deren Ausdehnung; beim Weibchen sind Stirn und Scheitel mehr oder weniger rothbraun, mitunter auch“.die Fühler zum Theil; am Hinterleibe ist der dritte Ring stets ganz schwarz; die beiden folgenden haben einen rothen Haarsaum an den Seitenecken, aber nur eine sehr schmale oder gar keine rothbraune Grundfarbe; der Afterring ist schwarz. Beim Männchen sind die 4 letzten Ringe‘ ganz rotlıbraun und der dritte von vorn hat schon breite rothbraune Randflecken; dagegen ist sein Kopf stets ganz schwarz. 12! Sc.ofe rwida*: nigra, hirta;: alis atro-chalybaeis; abdominis 'segmento terlio cum se- quentibus rufo et rufo-hirto. Long. 14—16"' 9% 2. — Mexico. „ Etwas kleiner und schmächtiger als die vorige Art. Kopf bei beiden Geschlechtern ganz schwarz; die Flügel dunkel stahlblaugrün; vom Hinterleibe nur die 2 ersten Ringe schwarz, alle folgenden bei beiden Geschlechtern ganz rothbraun, mit abstehenden, gleichmässiger ver- theilten Haaren besetzt. 13. Mir nicht näher bekannt sind folgende 2 Arten, welche den Angaben der Schriftsteller nach hier ihre Stelle einnehmen müssen. a. Sc. capitata: nigra, nilida, punclata; capite cum antennis tibüsque anlicis extus auranliacis, alis cyaneis. Long. 8°. — Senegambien oder Ost-Indien. Guerin, Voyage d. I. Coquille ete. Zool. II. 2. 248. b. Se. fulva: nigra, fulvo-hirta; abdominis apice, antennis, tibüs tarsisque rufis; alis fulvis margine infuscato. Long. 18“ Z%&2. — Neu-Holland. — G. R. Gray in Grirr. anim. Kingd. Tom. XV. 516. tb. 71. f. 1. cd. abdominis segmento tertio nigro-marginato. 9. abdominis segmento secundo bi-, terlio quwadrimaculato, quarto nigro-marginato. Gray gab Nord-Amerika als Vaterland an, Suvexarp hat es nach Neu -Holland verlegt (Proceed. entom, Soc. 1840. Mars. — Transact. ent. Soc. Ill. 222.) II. Gruppe. Acht vollständige Zellen im Vorderflügel, insofern die kleine vordere Endzelle (achte) nicht von der neben ihr liegenden (sechsten) getrennt ist, weil der Quernerv,, welcher zur vorderen Mittelzelle (der dritten) zu gehen pflegt, hier ganz fehlt; dagegen ist die schiefe (neunte) Endzelle vorhanden. — Diese artenreiche Abtheilung bildet in Hinsicht auf ihre‘ Geschlechtsdifferenz zwei Unter- abtheilungen; in der einen gleichen sich beide Geschlechter vollkommen, in der andern weichen sie in der Zeichnung und Färbung total von einander ab. — ee DR A. Beide, Geschlechter übereinstimmend gefärbt , gewöhnlich die Flügel ganz dunkel schwarzbraun ‚. stahlblau schillerad; bisweilen klar. a. Hinterleib zweifarbig. 14. Sc. Petitii: atra, hirta, abdominis segmentis margine cılalıs, secundo et lertio late rubro; alae fuscae violascentes. Long. 16—18" A&o. — Mexico. Gusrın, Voyage d. I. Coquille ete. Zool. 1. 2. 249. _ Se. cineta Kr. MSC. — Eine sehr grosse Art, die ich in beiden Geschlechtern vor mir habe ‚ da sie nicht selten zu sein scheint. — Gestalt und ganzer Bau von Sc. atrata Fapr., ein wenig grösser, das Männchen schlank gebaut, mit kleinem Kopf, schwarz, borstig behaart, ziemlich grob punktirt, Hinterleib feiner, stahlblau schillernd, zweiter und dritter Ring am Grunde breit rothgelb , "mit gleicher abstehender Behaarung; Weibchen dicker, plumper, die Hinterleibsringe ebenso gefärbt, aber matt, nicht punktirt, haarlos, nur am Rande stark gewimpert. Flügel dunkel- braun, stahlblau schillernd. — 15. Sc. dorsata: nigra, nitida, cinereo-hirta; abdominis nudı dorso opaco, segmenlis fim- briatis, 2 & 3 rubris. Long. 1" 2. — Westindien, Surinam, Brasilien (Bahia). Krus in Wes. & Mour Beitr. I. 212. 40. Tiphia dorsata. Fapr. 8, Piez. 235. 16. Sc. haematogastra, Pert. Delect. etc. 139. tb. 27. f. 14. Nur halb so gross wie die vorige Art, schwarz, glänzend, weissgrau: behaart, besonders die Nackengegend; Hinterleib oben glanzlos, etwas seidenartig schillernd, die Ränder der Ringe stark gefranzt, der zweite und dritte xoth. Flügel russbraun, leicht stahlblauglänzend. — Anm, Ich habe nur Weibchen gesehen, vielleicht hat das Männchen gelbe Binden, wie bei Sc. variegata und Sc. campestris, deren Weibchen diese Art sehr ähnelt. — 16. Sc. 4-notata: atra, hirta; abdominis seymentis nudis, holosericeis: margine ciliato ; secundo eb tertio ulrinque macula trvangulari fulva ; alae fuscae, violascentes. Long. 14— 16 2 & 9. — Nord-Amerika. JS. abdominis segmento primo subgloboso, gibbo. Sc. nolata Fan, S. Piez. 240. 6. 2. maculae abdominis majores, suepius in. fascıus conjunclae. So. A-maculata Farn. S. Piez. 240. 5. — Drury, exot. Ins, U. tb. 39. f. 2. — Kıve. 2. 1. 21. 2. . So. 4-notata, Lerer. Hym. I. 502, 10. 17. Se. 4-gutiulata: alra, hirla, puncialg; abdominis segmentis. nudis, ciliatis, sub-holo- sericeis! primo,. secundo et terlio guttula, uirinque flava;. alae infuscalae , wolascentes, Long. 14°” 9. — Java. “ nenne ME Etwas schlanker gebaut als die vorige Art, schwarz, glänzend, stark punktirt, borstig behaart; Hinterleibsringe quer über die Mitte punktfrei, seidenartig: schillernd, erster, zweiter und dritter Ring an jeder Seite mit einem blassgelben Fleck, den die Punktreihe vor dem Rande durchbricht. Kopfschild unter den Fühlern und Seitenlappen des Prothorax seidenartig weiss behaart. — b. Hinterleib einfarbig schwarz. 18, Sc. javana: afra, nilida, hirta, disco mesonoti grosse pumctati laevi; abdominis seg- mentis griseo - cıhatıs; alae fuscae, violascentes. Long. IL —14"' 2. — Von Java, Su- matra. » Lerer. Iym. 11. 498. 4. Anm, 1. Die sehr ähnliche Sc. cyanipennis Farr. mit schwarzen Wimpern an den Hinterleibs- ringen unterscheidet sich auch dadurch von dieser, dass sie nicht den breiten, flachen, mattge- färbten Oberkiefer hat, welcher die vorstehende Art sehr kenntlich macht. Der Hinterleib irisirt ® etwas. 2. Sc. micans Gurrin Voyage d. I. Coquille Zool. II. 2. 251. scheint dieser Art nahe zu kom- men, aber durch am Vorderrande rothbraune Flügel von ihr verschieden zu sein. 9" 2. — Insel Bourou. 19. Sc. peregrina: atra, punctala, hirta, nilida ; abdominis dorso opaco, holosericeo; alıs nigro-chalybaeis. Long. 18—20‘' 29. — Brasilien. Colpa peregrina Lerer. Hym. II. 534. 1. Sc. atrata Krus, Wer. & Monk Beitr. I. 21. 1. Eine der grössten Scolien, ganz schwarz, grob punktirt, steifhaarig; Mitte des Rückens glatt; Hinterleib oben matt sammetartig, mit glänzenden gewimperten Rändern der Ringe. Flügel stahlblau schillernd, dunkel schwarzbraun. Ich habe nur Weiber vor mir mit matten Rückensegmenten des Hinterleibes; das schlankere Männchen soll etwas heller gefärbte Flügel und mehr Schiller am Hinterleibe haben. 20. Sc. costalis: atra, nitida, punctata; abdominis dorso sericeo-micante; als infumatis, regione coslali obscuriori, fusca. Long. 12" 9, — Brasilien. Campsom. costal. Lereı. Hym. II. 497. 2. Weder so gross, noch so gedrungen wie die vorige Art; übrigens auch einfarbig schwarz, aber weniger behaart, stärker glänzend, selbst der Rücken des wie Atlas schillernden Hinter- leibes; Scheitel und Mitte des Rückens ganz glatt; Hinterleibsringe sehr kurz gefranzt, Flügel klein, hellbraun gefärbt, aber klar und durchsichtig; die Adern gelbbraun, die Gegend am Vorderrande dunkler, zumal ein Wisch hinter der letzten Randzelle. — Ich fing 2 Weibchen in Brasilien, ein kleines von 10 Länge bei Queluz, ein grosses. 14‘ langes bei Lagoa santa. un Mi 21. Sc, hyalina: atra, hirta, fortiter et dense punctata, abdomine supra sericeo; alis lim- pidis, hyalinis, nigro-venosis. Long. 12—16 2 & 9. — Brasilien. Camps: hyalı Leer. Hym. I. 497,1, Beide ‚Geschlechter sehr schlank gebaut ‚schwarz ‚die Flügel gestreckter; der Hinterleib des Männchens dichter punktirt und: irisirend, der 'des Weibchens ohne Farbenspiel, die Mitte aller Rückensegmente matter; der Rücken des Brustkastens bei beiden Geschlechtern gleichmässig dicht punktirt. Der erste Hinterleibsring auch beim Männchen mehr abgesetzt, als gewöhnlich, der ganze Leib sehr gestreckt. Beine mit enorm langen Sporen und Füssen. Anm. Eine sehr ähnliche Art aus Peru, die sich hauptsächlich nur durch die gelblich ge- färbten Flügel mit braunen Adern zu unterscheiden scheint, hat Gurrin als ‚Sc. Servillii in der Voyage d. I. Coquille Zool. II. 2. 250. Ins. ih. ‘8, £ 8, beschrieben. 22. Sc. grossa: fusca, hirta ; thoracis lateribus metanotoque aureis; abdomine sericeo; alis hmpidis, ferruginosis. Long. LE—13 2 & 9. — Java. Tiphia grossa Faur. S. Pier. 232. 4, — Sc. flavipennis Hacene. in litt. — Sc. difficilis Spıx. in litt. Eine grosse kräftige Art, braun, mit braunen Haaren. Vorderrücken dicht fund feiner punktirt; Mittelrücken grob punktirt mit glatter Fläche ‚ Schildehen stark punktirt mit glattem Rande, Hinterrücken unter dem Schildchen winklig vorgezogen; die Seiten des Brustkastens mit goldfarbigem Filz bekleidet. Hinterleibsringe fein seidenartig glänzend, mit schwachem Farben- spiel, glatt, am Rande punktirt und gewimpert, die hintersten überall punktirt und behaart. Die Borsten der Beine etwas röthlicher, besonders die inneren. — 23. Sc. afrata: nigra, nitida , hirta ; thoracis dorso laevi ‚ abdominis sericeo; alae ferru- gineae, in apice fusco-violaceae. Long. 14—16"' 2&2. — Westindien (St. Domingo, Cuba). Farn. S. Piez. 239. 2. — Lerer. Hym. I. 535. 2. Von der Gestalt der vorigen Art, das Männchen etwas schlanker, schwarz‘, glänzend, be- haart; der Hinterleib des Weibehens seidenartig schillernd, des Männchens irisirend; Flügel gelbbraun ‚ ‚klar, nur die Endfläche hinter den Zellen dunkelbraun , 'stahlblau schillernd;; After- gegend ‚beider‘ Geschlechter langhaarig. Anm. Fuprıcıus beschreibt diese Art deutlich, 6. R. Krvc hat auch die frühere Sc. pere- grina Lee. mit ihr verbunden, was ich nicht für zulässig halte, Letztere ist grösser, stärker, auf dem Hinterleibe völlig glanzlos und am Flügel ganz stahlblau; auch ist die Heimath eine andere, hier Westindien, dort Brasilien. — 23. Se. infuscata: nigra, hirta, Punctala; abdominis sericei dorso nudiusculo; alis basti hyalınıs, fusco-venosis, apice fuscis, violascentibus. Long. 1" 9, -— Surinam. Colpa infusc. Lerer: Hym. II. 537. 4. Habitus, Farbe, Sculptur und Behaarung der vorigen Art, Hinterleib oben «matt seidenartig It u : ı I N I: w ‚ I ba I B = Wi haarfrei, die Ränder ‘der Ringe gefranzt. Flügel klar am Grunde, die Adern gebräunt, die Endfläche braun, blau schillernd. B. Beide Geschlechter stimmen in Farbe und Zeichnung nicht mit einander überein ; die Männchen, stets bunter gezeichnet, haben klare Flügel, selbst wenn die der Weibchen völlig oder beträchtlich gebräunt sind. a. Arten der östlichen Halbkugel. 24. Sc. senilis. Long. 6-8". — Z. niger , cinereo - hirsulus; clypeı pronolique margine angusto, nec non Libis anticıs extus albis ; segmentorum abdominis limbo postico late rubro; alis limpidis, pallide venosis.! Elis senilis Fase. S. Piez, 249, 3. Scolia senilis Kıuc, We. & Mour Beitr. 1. 29. 17. Colpa ferruginea Lerer. Hym. I. 542. 10. 9. nigra, mudiuscula; occipite, pronoio, dorsique margine dense fulvo- s. flavo-hirtis ; alis nigro-violaceis. Tiphia thoracica Fan. S. Piez. 233. 19. — Sc. collaris Kuvs, 1, I, 1, 32. 24. Campsomeris auricollis et ruficollis Lursı. Hymen. 111. 499. 6. 7. Scol. thor, Guir. Voyage d. 1. Coquille ete. Zool. II. 2. 251. Ueber Süd-Afrika und Süd-Asien (Java, Sumatra, Vorder-Indien) verbreitet und dort nicht selten, ich erhielt beide Geschlechter auch von der Go m orischen Insel St. Johanna. — Die Grundfarbe ist bei beiden Geschlechtern schwarz, aber die lange dichte greise Behaarung des Männchens lässt dasselbe sehr hellgrau erscheinen; wirklich weiss sind nur der Saum des Kopfschildes, ein feiner Rand am Vorderrücken und die Aussenseite der 4 vorderen ‘Schienen, Die Hinterleibsringe haben {einen breiten ziegelrothen Saum, der dem ersten Ringe oft fehlt ; die völlig wasserklaren Flügel haben hellgelbe Adern. — Das plumper gebaute Weibchen ist ganz. schwarz in der Grundfarbe, aber den Hinterkopf, Vorderrücken und Anfang des Rückens bekleidet ein dichtes gelbes oder rothgelbes Haarkleid. Die Oberfläche des Hinterleibes ist matt, seidenartig schillernd, die Flügel, sind ganz dunkel schwarzbraun und spielen. mit stahl- blauem Glanze. — 95. Se. collaris. Long. 6-84 SF. niger, cinereo -hirsutus, clypei Iimbo albido; abdominis segmentis dorso rufis, alıs hyalınıs. Sc. eriophora Kr. Symb. phys. Ins. Dec, IM. tb. 27. Fig. 5. 2. nigra, capite too, pronoli mesonolique dorso cinereo -hirlis; alıs fusco - violaceis, basi hyalıms. u ME Sc. eriophora Kı. Symb. phys. Ins. Dec. II. tb. 27. fie. 5. 2. nigra, capite tolo, pronoti mesonotique dorso cinereo-hirlis; alıs fusco-violaceis, basi hyalinis. Tipma collaris Fanr. S. Piez. 235. 20. Sc. vestita Kruc ıbid. fig. 6. & Sc. discolor ibid, fig. 7. (var. abdomine en que rubris). ‚ In Nord-Afrika (Aegypten, der Berberei). — Ich kenne von dieser Art nur Weibchen, die sich bloss durch stärkere Behaarung am Kopf und Rücken, einen mehr‘ glänzenden Hinterleib und am Grunde klare Flügel von denen der vorigen Art unterscheiden, — 26. Sc. fimbriata*: nigra; sincipite, pronoto, mesonotogue cinereo-hirtis, humeris fesci- culatis; abdomine supra opaco, alis nigro-violaceis.. Long. 15" ©. — Java. $. Ihoracica Kruc, Wer. & Monr Beitr. I. 33. 24. Campsomeris collaris Lere, Hym. II. 499. 5. Diese Art gleicht: dem Weibchen von Sc. senilis sehr, sie unterscheidet sich von ihr: 1) durch die doppelte Grösse; 2) durch die auf den Schülterlappen des Vorderrückens zu Büscheln verdichteten greisgraugelben Haare, welche sich über den ganzen Rücken bis zum Schildehen. hin ausdehnen, während Stirn und Scheitel nackt sind; 3) durch die eigenthümliche braune Behaarung des Gesichtes zwischen den Fühlern, welche hinter dem Fühlergelenk in einen silberglänzenden Fleck übergeht. — Männchen habe’ ich nieht gesehen, sie werden wohl ähn- lich von den Weibchen abweichen, wie bei der vorigen Art. Anm. Die Namen thoracica und collaris glaubte ich ändern zu müssen, weil sie den vorigen beiden Arten zufallen; Fasrıcıus sagt nicht, dass’ seine collaris von der thoracica in der Grösse abweiche, was Krug und LEPrELETIER hervorheben. — 27. Se. 4-fasciata: nigra, cinereo-hirta, capite thoraceque immaculatis, abdomine maris einyulis 4 flavis, feminae polius cilialis. Long. 10—12 2&02. — Java. JS. Se, fasciala Farr. S. Piez. 242. 20. N Tiphia annulata Farr. S. Piez. 234. 11. Campsomeris Servillü Lereu. Hym, 11. 501.9, Schwarz, dicht: 'greis behaart; der Brustkasten fast wie mit einem Filz bedeckt , wenig- stens beim Männchen; Hinterleib blauschwarz, sperriger behaart, die 4 ersten Ringe mit einem nach innen ausgebuchteten gelben Rande; die Schienen ausserhalb gelb. — Weibchen dicker und plumper, gewöhnlich ganz schwarz, ohne gelbe. Hinterleibsränder, aber mit dichten weissgrauen Franzen statt derselben. Flügel wasserklar, mitunter ‚etwas gebräunt und die Spitzenhälfte der. Weibchen dann schwärzlich. — Anm, 1. Die Männchen haben mitunter auf dem Schildchen 2 gelbe Punkte und einen gelb- Abh. d. Nat. Ges. zu Halle. Ir Band, 4s Quartal. 4 Bee ee = HE lichen Rand an den Flügelschuppen ; die schwärzliche Farbe ‘des Flügelendes kommt besonders den grösseren Weibchen. zu. 2. Sc. 5-fasciata Faur. S. Piez. 243. 28. aus Süd-Afrika wird von Faprıcıus durch die An- gabe: magna bezeichnet. Die Beschreibung passt übrigens auf eine, Art vom Cap, die ich in bei- den Geschlechtern vor mir habe, der vorigen an Grösse gleichkommt und sich von ihr nur durch “die fünfte Binde und ein gelbgesäumtes Kopfschild im männlichen Geschlecht unterscheidet. Das Weibchen ist ohne alle gelben Zeichnungen, wie das vorige. 28. Sc. Iristinigra, einereo-hirta, capite thoraceque flavo - signato; abdomme maris vio- laceo, fascüs 4 flavis, ‚feminue nigro, marginibus flavo-fimbriatis. Long. 11-15" 2& 2. — Java, Sumatra, Hinterindien. .. Sc. 4-fasciata Kı.. Wer. & Mon Beitr. I. 30. 20. Colpa Iris Leren. Iym. II. 547. 16. 2. Sc. radula Ku. ıbid. 39 (exclys. synon. Fabricu). Campsomeris Lindenii Lerer. Hymen. II. 500.8. ....; Der vorigen Art im Körperbau ganz ähnlich, aber meist etwas 'grösser, Männ chen schwarz- blau, besonders der. fast stahlblaue Hinterleib, lang und abstehend greis behaart; das Kopfschild und. der, innere; ;Augenrand ‚gelblich „ ersteres mit schwarzer Spitze. ..Vorderrücken unten am Vorder- und oben,am Hinterrande, ein Punkt auf dem Rücken neben den. Oberflügeln, 2 Punkte auf dem Schildchen und 1. darunter gelb; Brustseiten dichter graufilzig. ' Hinterleib mit 4 gel- ben Binden an. den 4 ersten Ringen, die von vorn nach hinten schmäler. werden... Beine mit gelben Knien; Flügel graulich wasserklar. — [Weibchen dicht und stark goldgelb oder grau- gelb behaart , die Grundfarbe schwarz; Kopf und Brustkasten ungefleckt, nur die: Flügelschuppen rothbraun (!)... Hinterleib sperrig behaart, aber die Ränder der Ringe dicht’ gefranzt; bis- weilen auch in der Substanz selbst gelb gesäumt; die 2 letzten ganz schwarz und schwarz be- haart. Flügel: röthlich. gelbbraun, die Spitze am Vorderrande meist etwas dunkler, schwärzlich. Anın. 1]. Dass Sc. radula Farr. das Männchen seiner Sc. fossulana ist, bezeugt schon die An- gabe des Vaterlandes; G. R. Kruc hat darin diese ostindische Art zu erkennen geglaubt und sie deshalb mit seiner Sc. 4-fasciata zusammengestellt. Letztere ist von der gleichnamigen Art des Fasrıcıus verschieden, er sagt ausdrücklich! thorace immaculato. 2. Ob Tiphia annulata Faur. das Weib ‚dieser oder der vorigen Art ist, würde. schwer: ohne Ansicht des Originalexemplares zu entscheiden gewesen sein, da die. Weibchen beider Spezies sich sehr ähnlich sehen; das mir aus dem Königl. zool. Mus. zu Cope nhagen von Herrn SchsönrE gütigst zur Ansicht geschickte Stück der vormals Lunn'schen Sammlung, wonach Farrıcıus seine Art aufstellte, gehörte zu Sc. 4-fasciata. 3, Weibchen mit breiten gelben Binden am Hinterleibe, wie G. R. Kıuc seine Sc, radula be- schreibt, habe ich nicht gesehen; nur 1 Exemplar von dreien hat schmale gelbe Ränder unter den Wimpern. mE 29. Wahrscheinlich gehört’zu ‘dieser Gruppe als eine den vorhergehenden ähnliche ostindi- sche Art: Sr. marginella Kuve. Wer. & Monr. II. 214. 44. 4. c. varr. Sc. hirtella & plebeja ibid. 215. 45. 46. Die Sc. 5-cineta von Fasrıcıus aus Süd-Frankreich, welche Kruc hierher rechnet und Van Der Linpen mit Recht als eigene Art auflührt (Obs. s. I. Hymen. de l’Europe. 23. 7.), gehört zur ersten Gruppe, kommt aber, sonderbarer Weise, auch mit einer Adernvertheilung vor, die sie der dritten Gruppe zuweist. Vgl. die Angaben bei No. 5. S. 17. 30. Weiter sind hierher zu ziehen mehrere von G.R. Kıvs in den Symb. physic. beschriebene, mir unbekannte Arten: Sc. fasciatella No. 17. tb. 27. fig. 8. &, wovon Sc. antennata No. 19. ibid. f. 10. & nur Abänderung sein möchte. Se. hyalina No. 18. ibid, tig. 9. 2, offenbar das Weibchen dazu und Sc. aureola No. 20. tb. 27. fig. 11. 9. — 3l.. Sc. rubra: nigra, cinereo - pubescens; abdominis 'segmentis basi ‚late rubris.... Long. 6— 7! SQ. h Jurıne, now. meth. etc. d. Hymen. 157..1b..9. f.12. — Sc. rufiventris Fıscner. v. Warom, in Guer. Mag. d. Zool.. Ins. pl. 122. Mir unbekannt. Jurine bildet die Fühler. beider Geschlechter ab; die des Männchens erinnern ‚durch ihre gedrungene kurze Form an Sc, 5-cincta Fıpr., wohin dieselbe als Va- rietät gehören könnte. Man vergleiche die daselbst gemachten Angaben über die Varialionen des Adernverlaufes bei dieser Art. 32. . Sc. aurea: aureo-hirta, capite ‚nigro, abdomine ‚flavo -fasciato vel ciliato. Long. 610" 2.& 2. — Süd-Europa, Nord-Afrika. Lare. Gen. Crust. & Ins. IV. 106. — Van ». Linn. ‚Obs. 25. 10. & Sc. aurea Farr. S. Piez. 241. 15. — Kıuc, Wes. & Monr Beitr, I. 31. 22. — Symb. phys. Sc. No. 21. tab. 27. fig. 12. — 2. Scol. ciliata Fanr. S. Piez. 241. 14. — Coaues. Illustr. sconogr. II. ib. 13. fig. 8.— Gestalt und Grösse wie Sc. senilis, der erste Hinterleibsring noch stärker abgesetzt; der Kopf sehr gross und breit, schwarz, schwarz behaart; der übrige Körper braun, ‚mit schönen goldglänzenden Haaren; die Hinterleibsringe des Männchens zum Theil gelb gesäumt; beim Weibchen bloss ‚dicht gefranzt. — Anın. Hier scheint sich anzuschliessen: Sc. formosa Guer. Icon. d. R. A. Ins. tb. 69. f. 10. — Voyage d. I. Coquill. Zool. II. 2. 252. — Port Praslin, Neu-Irland. 4* en u En b,. Arten der westlichen Halbkugel. 33. Sc. radula: nigra, cinereo-hirta, thoracis maris flavo-maculato, feminae immaculato ; abdomine fascus 4 flavis, primis 3, latioribus, repandis; alis maris limpidis, feminae ‚fuscis. Long. T—14'" 2&2. — Im ganzen wärmeren Amerika östlich von den Cordilleren. — Colpa fossulana Lerer. Hym. II. 540, 9. d'. Sc. radula Faser. Faser. S, Piez. 2492. 19. 9. Sc. fossulana ibid..18. — Sc. plumipes Drury, exot. Ins. 1. tb..44. f, 5. Sc. 4-cincta Kuvc. We, & Monr Beitr. I. 37. 35. — Männchen; schwarz,, abstehend greis behaart, der Hinterleib etwas. irisirend... Kopf- schild gelb, mit schwarzer Mitte. Vorderrücken unten am Vorder- und oben am Hinterrande, wie die Flügelschuppen , gelb gesäumt. Schildchen mit 2 gelben Punkten oder gelbem Quer- streif, nebst einem Punkt darunter. Erster Hinterleibsring oben ganz gelb, zweiter und dritter mit breiter Binde, die vorn tief ausgebuchtet ist, vierter mit gelbem Rande. Knie und Aussen- seite der Schienen gelb. Flügel graulich wasserklar. — Weibchen stärker gebaut; Kopf und Brustkasten ungefleckt, aber besonders der Nacken dicht gelbgraubraun behaart. Hinterleib oben matt seidenarlig, die Ränder der Ringe stark gefranzt, die gelben Binden überall -schmäler und tiefer ausgebuchtet. Beine schwarz, Flügel dunkelbraun. Ich habe Exemplare aus Süd- Carolina, von Martinique und aus Brasilien vor mir, welche keine anderen Unterschiede darbieten, als dass die letzteren etwas kleiner sind; sie (Z) wurden von mir selber bei Neu-Freiburg und Areas gefangen. — 34. Sc. limosa*: nigra, cinereo-hirta, capile thoraceque immaculato, maris scutello flavo- signato; abdomine fascis 3—4 subinterruptis flavis, alis ulriusque sexus limpidis. Long. 8—12'" 27 &2. — In Mexico. Gestalt und ganze Körperbildung der vorigen Art, nur etwas dichter behaart, die Häare röthlicher. Kopf des Männchens einfarbig; auch der Brustkasten hat nur mitunter einen gel- ben Fleck jederseits auf dem Vorderrücken und 3 gelbe Punkte am Schildchen. Flügelschuppen gelb gerandet. Hinterleib irisirend, mit 4 gelben Binden auf den 4 ersten Ringen, die in der Mitte tief von vornher ausgeschnitten oder völlig in 2 dreieckige Seitenflecken getheilt sind. Schienen schmal gelb gesäumt "mit gelben Stacheln zwischen den kurzen dicken Zähnen be- setzt. — Weibchen’ sehr dicht und: lang behaart, Kopf und Brustkasten ungefleckt; Hinter- leib oben, matt mit gelben Binden auf den 3 ersten Körperringen, von denen die zweite oft, die dritte mitunter durch einen tiefen Einschnitt unterbrochen wird; die hintersten Ringe rothbraun gefranzt. Beine mit Reihen weissgelber Stacheln an den Schienen. zwischen den dichten, stumpfen Zähnen auf der. Aussenseite. — Flügel bei beiden. Geschlechtern gleichmässig hellbraun, klar und durchsichtig. m 39, Se. campestris*: migra, mas. cinereo -hirtus, capite thoraceque flavo-maculatis; ab- domine „6-fascialo; | femina. tota nigra, maculis 4 flavis. Taus: 10— 16 A& 2.1 In Minas | gera6s. ‚Gewöhnlich etwas grösser ale die beiden vorigen Arten, der folgenden ähnlicher, aber nicht völlig so gross. — Männchen schwarz, weissgrau abstehend: behaart; Kopfschild gelb, die Mitte schwarz : Oberkiefer aussen gelb. een am untern Lappen und am Hinterrande gelb gesäumt , Flügelschuppen mit gelber Aussenkante. Schildchen, ein Querstrich unter ihm und.ein Fleck auf dem Hinterrücken gelb; Brustseiten seidenartig schillernd.. Erster und zwei- ter Hinterleibsring oben ganz gelb, letzterer mit Einschnitt; dritter, vierter und fünfter schmal gelb gesäumt. ‚Knie gelb, ‚Flügel, wasserklar. — ‚Weibchen ganz schwarz und. schwarz behaart; Seiten der Oberlippe und Hinterrücken seidenartig schillernd, Hinterleib obenauf schwach irisirend , ‚mit zwei grossen gelben Flecken auf dem zweiten und zwei kleineren auf dem drit- ten Arne Flügel dunkelbraun, bläulich_schillernd. Die Art lebt in den Erdhaufen ‚der grossen Ameise, (Alta. cephalotes). 36. Se. variegata: nigra, mas cinereo-pubescens, thorace flavo-maculata, abdominis seg- mentis 2—5 macula laterali fiava; femina'nigro-hirla, maculis 4 abdominis fulvis. Long. 14— 18 2 &9. — Brasilien (Rio de Janeiro). Fapr. S. Piez. 241. 12. — Kıuc, Wes. & Monr Beitr. I. 28. 16. — Lerer. Hym. I. 544. 13. Eine grosse Art, das Männchen fein und kurz greis behaart; das Kopfschild am Grunde, der Saum des Vorderrückens, die Ecke der Flügelschuppen, das Schildchen, ein Quer- strich darunter und ein grosser Fleck auf dem Hinterrücken gelb; oftmals auch ein Fleck an den Brustseiten über den Mittelhüften. Erster Hinterleibsring oben ganz gelb, zweiter und dritter mit einem gelben Fleck an jeder Seite, häufig auch der vierte und mitunter selbst der fünfte mit einem schmalen gelben Strich jederseits am Hinterrande; Schenkel am Knie gelb gestreift, Flügel wasserklar. — Weibchen ganz schwarz; die Flügel dunkelbraun; auf dem zweiten und dritten Körperringe je 2 rothgelbe Flecke von gleicher Grösse neben einander; die Gegend hinter dem Flügelgelenk seidenarlig schillernd. — 37., Sc. Hoffmannseg gii: migra, violaceo-nitida, pubescens; thorace maris albo-macu- lato, abdomine maculis sex, feminae quatuor flavis, thoraceque immaculato; alis basi hya- linis, apice fuscis. Long. 14—18" 2&2. — Brasilien (St. Paulo). S..8e. Iloffmannseggü Ku. Wur. & Monr Beitr. I. 37. 36. — Colpa bistrimacula Lereı. Hymen. II. 546. 14, 9. Sc. fuscata Kr. ibid. II. 213. 42. Grösse und Gestalt der vorigen Art, das Männchen. ebenso gefärbt, nur der Fleck auf MT DEE dem Hinterrücken fehlt; erster Hinterleibsring mit 2 wenig ‚getrennten, die 2 folgenden mit weiter abstehenden Flecken. Weibchen mit einfarbig schwarzem Thorax ‘und einem ein- fachen Fleck am Grunde des ersten Iinterleibsringes; zwei grössere Flecken 'auf dem zwei- ten und zwei kleinere auf dem dritten Ringe. Flügel beider Geschlechter am Grunde wasser- klar, am Vorderende und Ende dunkelbraun, blau schillernd. — 38. Es sind noch eine Anzahl amerikanischer Scolien beschrieben worden, welche dieser Gruppe angehören, mir aber nicht mehr vorliegen‘ a. Sc. trifasciata Kıuc, Wer. & Monr Beitr. I. 32. 23. — Tiphia trif. Faer. 8. Piez. 235. 17. — Aus Brasilien. — Wie Sc. fossulana, aber die vierte gelbe Binde fehlt. b. Sc. undata Kıus, ibid. II. 212. 41. 9. — Sc. Abotii ibid. 213. 43. A. — Colpa pensylvanica Lerer. Hymen. Il. 546. 15. — Aus Nord-Amerika. c. Tiphia trieineta Favr. S. Piez. 235. 18. — Ej. Ent. syst. I. 227. 15. — Aus West- indien; eine gute Art, die ich in Hrn. Srurm’s Sammlung sah, von T. trifasciata durch fuchsrothe Behaarung und rothgelbe Flügel verschieden. IV. Gruppe. Sieben Zellen im Vorderflügel. Es fehlt hier nicht bloss die kleinste vordere Endzelle, welche ich als achte bezeichnet habe, sondern auch die grosse hintere schiefe Endzelle, welche ich. die neunte nannte; |die von beiden Zellen ausgehenden Strahladern sind vorhanden und entspringen aus den vor ih- nen gelegenen Zellen. — ; Diese Abtheilung der Scolien scheint die reichste an Arten zu sein und im Ganzen nur geringe Geschlechtsunterschiede bei ihren Mitgliedern aufkommen zu lassen; gewöhnlich sind die Männchen den Weibchen ganz gleich gefärbt, oder letztere haben einen röthlichen oder gelb- lichen Kopf, während der des Männchens schwarz bleibt. Am Hinterleibe hat das Männchen wohl einen gelben Ring mehr als das Weibchen, wenn helle Binden vorkommen, Regel ist das aber nicht; oder es fehlen dem Weibchen die gelben Zeichnungen am Kopf und Brust- kasten, welche einigen Männchen eigen sind. — A. Flügel am Grunde gelblich oder ganz klar; nur die Endfläche hinter den Zellen gebräunt oder dunkelbraun , mitunter stahlblau schillernd. 39. Sc. decorata*: nigra, Ihorace flavo-variegato , abdomine fascüs 4—5 flavis, antice sinualtis ; mas cinereo-pubescens, femina nigro-hirta. Long. S—14"! 2 & 9. — Von Sumatra. Männchen fein grauhaarig, das Kopfschild, der Saum des Vorderrückens, ein Fleck unter den Flügeln, ein Punkt darüber, die Spitze der Flügelschuppen, die Seitenecken des Hinter- rückens mit dem Schildchen, einer Linie darunter und einem Punkt oben auf dem Hinter- pP 31 INN B a rücken: gelb: gefärbt, ebenso’ "die Aussenseite der 4 Vorderschienen und'5 Binden auf den 5 ersten Hinterleibsringen, von denen die .3 vorderen tief ausgebuchtet ‘sind. Die .Flügel grau- lich, kaum getrübt: — Weibchen grösser, stärker, schwarzhaarig; Kopf, Beine und Brustkasten schwarz, nur die beiden gelben Flecke an den Seiten des Hinterrückens sind vorhanden. Hinterleib mit’ 4 Binden, die 3 ersten ‚ausgeschweift, die zweite mit einem schwarzen Punkt an jeder Seite; die vierte sehr schmal, oft in der. Mitte unterbrochen. . Flügel am. Grunde reiner gelblich, 'an der. Spitze brauner, zumal neben dem Vorderrande. Anm. Mit dieser Art, die ich direct aus. Sumatra von der Tapanuli-Bay erhalten habe, scheint Sc. 7-cincta (Tiphia Fara. S. Piez. 249. 4.) aus Neu-Holland verwandt :zu sein. . Wahr- scheinlich ‚steht. ihr ‚auch. die von Guerın ohne Angabe des Vaterlandes. beschriebene Sc. ‚maculata, Voyage: d. I. Coquille Zool. II. 2. 255. nicht sehr fern. 40. Sc. insubrica: nigra, nigro-hirta; alis basi fulvis, apice fuscis; abdomine fascüis trıbus flavis: prima interrupta, secunda sinuata. Long. 6-10" 2 & 2. — In Italien, — S. capile nigro, pronoti limbo postico flavo. 5 2. cingulo verlieis. flavo, medio interrupio, rarius capite tolo nigro. Scol, insubrica Ross. Fn. Etr. II. 72.837. Mant. ıb. 8. fig. F. G. — Kıvc. Wes. & Monr 1. 26. 11. — Van o. Lino. Hym. foss. Eur. 25.11. — Lerer. Hym. II. 530. 19, Gedrungen gebaut, beide Geschlechter schwarzhaarig, das Männchen mit gelbem Rande im Einschnitt der Augen, das Weibchen gewöhnlich hinter den Augen gelb. Vorderrücken bei jenem mit einem gelben Fleck auf den Seitenlappen. Zweiter Hinterleibsring bei beiden Ge- schlechtern mit einem Paar ovaler gelber Querflecke, dritter mit einer breiten gelben Binde am Hinterrande, die vorn ausgeschnitten ist, vierter mit schmalem gelben Randsaume, dessen Innen- rand geschweift ist; bisweilen noch der fünfte des Männchens mit einem Paar Querstriche am Hinterrande. Flügel, soweit die Zellen reichen, gelbroth, dann bräunlich. — 41. Im südlichen Europa, Vorder-Asien und Nord-Afrika kommen eine Anzahl ähnlicher Arten vor, die mir nicht aus eigener Ansicht bekannt sind; daher ich sie nach den Angaben der Schriftsteller nur erwähne. a. Scol. eryihrocephala Larr. Van ». Lino. Hym. foss. Eur, 26. 13, — Leere. Hymen. I. 59. 18. 2&o. — Spanien, Süd-Frankreich. Anm. Die gleichnamige Art von Faprıcıus. ist das Weib zu Sc. haemorrhoidalis und gehört nicht hierher, wie der Vergleich mit Sc. hortorum in Suppl. Ent. syst. 255. zeigt. — b. So. flaviceps, Eversm. Bull. d. 1 Soc, PR d. Natur. d. Mosc. 1846. 1. 441. 8. ib. 9. £ 3. — Caucasus: c. Sc. pubescens, Kıvc Symb. phys. etc. fig. 7.8. & 9, et var. maris: Sc. vagans ibid. fig. 6. — In Aegypten. d. Se. rutila Kıve;, ibid. fg. 9. & 10. Z&Q. — In = der vorigen’ sehr‘ ähn- lich, vielleicht nur Abart mit dunkleren Flügeln. — 42. Sc. 4-punctata: nigra, alis basi fulvis; abdomine guitis 4 albidis. Long. 6—8'" £'&2. — Mittel-Europa. Fıpr. S. Piez. 245. 39. — Kıvc. Wee. & Mom. I. 28.15. — Van no. Limo. Obs. etc. 30, 17. — Lerer. Hym. III. 533. 22. Var. guttis abdominis nunc in fascias conjunctis, nunc disjunctis: vel 2, vel 4, vel 6; etiam nulls Sc. 6-punctata Ross. Fn. Etr. 1, 130, 288. Sc. violacea Pz. Fn. Germ. 66. 18. — Anm. Diese kleine in ganz Europa nicht seltene Art geht von allen Scolien am weitesten nach Norden; ich fing sie nahe bei Berlin, Geh. R. Kıuc beschreibt in den Symb. phys. Ins. Dec. IN. tb. 26. f..5. als Sc. syriaca eine Abart mit rothgelben Flecken aus Vorder-Asien. 43. Se.chrysotricha Ku: nigra, rufo-hirta, capite pedibusque ferrugineis; abdominis seg- mento 2, 3, 4 bimaculato; alis basi fulvis, apice fuscis. Long. 10—12' 9. — Vom Cap. | Etwas schlanker, als das Weibchen von Sc. tridens; schwarz, röthlich. braun behaart, die Haare. des Hinterrückens und Anfangs am Hinterleibe schwarzlich; ‚Kopf und Beine rost- roth,, Mitte der Stirn schwarzlich; beim Männchen wahrscheinlich‘ der ganze ‚Kopf schwarz. Flügel am Grunde rothgelb, am Ende und Hinterrande braun. Hinterleib mit’ 3 Paar runden, gelben Flecken am zweiten bis vierten Ringe; die Spitze hell goldgelb behaart, jdie Ränder der Ringe ebenso gefranzt. — | 44. Sc. fulvofimbriata*: nigra, capile bus tarsısque ferrugineis ; abdomims segmenlis 2—6 rufo-fimbriatis; alis basi' fulvis, dehine fuscis. Long. 124.9. — Vom: Kap. Weibchen: Kopf ganz rothbraun, die Stirn goldgelb behaart, ‘die Gegend .der 'Neben- augen schwarz. ''Brustkasten schwarz und schwarz behaart, Hinterleib schwarz, die Fläche der Ringe mit ebensolchen Haaren besetzt, ihr Rand rothbraun gefranzt, nur der erste nicht, sondern graulich. Schenkel schwarz, Knie, Schienen und Füsse rothbraun; Flügel am Vorder- xande goldgelb, dahinter und: an .der Spitze braun. — Das mir unbekannte Männchen dürfte wenig vom Weibchen abweichen. — 45. So. mendica: nigra, nigro-pilosa; alis.basi ‚fulwis, . apice fuscis. Long. 7— 8" f' & 2. — Aegypten. Kıusc, Symb. phys. Ins. Dec. IH. No. 10. tb. 26. f. 15. 4. Ganz schwarz und schwarz behaart, Spitze des Kopfschildes und die Oberkiefer bräun- lich: Rücken ziemlich dicht punktirt, schwarz behaart; Hinterleib sperriger punktirt, schwarz behaart, die Ränder der Ringe etwas röthlich; Beine schwarz. . Flügel so weit die Adern sich erstrecken rothgelb, wie diese; dann bräunlich , ‚besonders am Vorderrande; die Schuppe am Grunde der vorderen rothbraun. | 1 1 | | une HR ie 46. Sc. interstincta: nigra, nigro -pilosa: abdominis segmento tertio fascia luleaz alis basi fulvis, apice fuscis. Long. 71“ $. — Aegypten, ‚Krimm. Kıuse in Weser & Monr Beitr. I. 36. 33. — In. Symb. phys. 1. 1. fig. 13. — Völlig von der Bildung der vorigen Art und wahrscheinlich nur Varietät derselben. Anm. Scol. histrionica: ferruginea, flavo-maculata; 'alis fulvis, apice fuscis. Long. 8 — Fıpr. Ent. syst. suppl. 256. 35. Krus, Wre. & Monr Beitr. I. 25.'9., welche nach Fasricıus in Vorder-Indien, nach Kruc in Süd-Amerika zu Hause ist, scheint dieser Abtheilung anzugehören. B. Flügel gleichmässig dunkel schwarzbraun, mehr oder weniger stahlblau glänzend; je heller um so glanzloser. a. Hinterleib zweifarbig, mit hellen Flecken, Binden oder anders gefärbter Spitze. — 47. Se. nobilitata: nigra, thorace ferrugineo-maculato, abdomine maculis 4 fulvis; pe- dibus ferrugineis, alis fuscis. Long. $—8" 2% 9. — Nord-Amerika. Finn. S. Piez. 244. 32, — Lerer. Hymen. 11. 532. 21. — Sc. tricolor Kruse, Wes. & Monr Beitr. I. 35. 29. Grösse und. Gestalt, wie Sc. 4-punctala, schwarz, gelbbraun fein behaart; Kiefer und Taster {rothbraun, ebenso die Beine, der Saum des Vorderrückens, die Flügelschuppen, das Schildchen 'und. die Mitte: der. 3 ersten. Hinterleibsringe; der zweite und dritte ausserdem mit einem helleren, fast goldgelben runden Fleck an jeder ‚Seite. _ After, Hüften und halbe Schen- kel schwarz; Flügel ziemlich hellbraun. — | 48. Sc, aulica Kı.: nigra, hirta; abdominis segmento tertio utringue macula flava, se- quentibus rufis, fulvo-ciliafis; alae nigro-cyaneae. Long. I—10' F&2. — Süd-Carolina. Eine ausgezeichnete Art, ganz schwarz, die Haare etwas greis schillernd ; zweiter Hinter- leibsring schon rothbraun gefranzt, der ‚dritte. bräunlich mit 2 weissgelben Flecken, alle fol- genden rothbraun, goldgelb gefranzt. | 49. Sc. haematodes*: migra, hirta, abdomimis seymentis 3—6 rufis; alıs MIITO-Cya- neis. Long. T7—8'' 2&2. — Mexico. Gestalt, Farbe und. Behaarung wie bei der vorigen Art, nur die beiden gelben Flecke am dritten Hinterleibsringe fehlen; auch im Ganzen um ein Viertel kleiner. — Anm. Sc. rufiventris Farr. S. Piez. 245. 38. aus Mittel- Amerika, hat einen ganz rothen Hinterleib und rothe Beine, nebst grau behaartem Nacken; gleicht aber übrigens der vorigen Art; 10-11, 2 12—13“, — Ich erhielt beide Geschlechter aus Copenhagen zur Ansicht. 50. Sc. erythropygaKı,: nigra, hirta, alis violascentibus; abdominis segmenlis 4—-7 rufis, eiliatis. Long. S—9"" 9. — Vom Kap. Var. 2 capite rufo. Sc, terminalis Kre, MSC, Abh. d. Nat. Ges. zu Halle. Ir Band, 4s Quartal. 9 Pe TER Nicht völlig so schlank wie, die vorige Art, gröber punklirt, tief schwarz behaart; der vierte grösstentheils und die ihm folgenden -Hinterleibsringe ganz\ rothbraun,, goldgelb behaart, namentlich am Rande. Flügel schön stahlblau. — Ein. drittes: weibliches Stück mit.'ganz rothbraunem Kopf und röthlichen Vorderbeinen, welches ich gleichzeitig mit der Hauptform di- rect aus Süd-Afrika erhielt, weicht nicht weiter von den anderen beiden ab, als..dass der vierte Hinterleibsring am Grunde breiter schwarz ists — 5l. Sc. dispar: nigra, cinereo -pubescens, alis violaceis; abdomine maculıs lateralibus rufo-luteis. Long. 6—71'" 9 & 9. — Aegypten, Arabien. — Kıuc, Symb. phys. Ins. Dec. III. tb. 26. f. 1.2. Var. a. tota nigra. D. Var. b. tota nigra, capite & pronoto rufo. 2. Var. c. nigra, capile 0. pronoto rufo, abdominis segmentis 3. &' 4 bimaculatis. 2. Var. d. nigra, abdominis segmentis 3, 4 $' 3 bimaculatıs. 9. Var. e, nigra, abdominis segmentis ommibus bimaculatis; feminae capile et, pronolo rufo. Sc. lateralis Kıve. ibid. fig, 3.4, | Etwas grösser als’ Sc. 4-punctata, sonst wie diese gebaut, schwarz oder schwarzbraun, ziemlich dicht punktirt, fein greis behaart. Kopf der Männchen schwarz, der Weibchen 'ge- wöhnlich rothbraun, seltner schwarzbraun mit rothem Augenlappen. Brustkasten schwarz oder schwarzbraun, bei den Weibchen mit rothem Kopf, gewöhnlich auch der Vorderrücken roth. HHinterleib mitunter beim Männchen ganz schwarz, häufiger mit röthlich gelben Seitenflecken an den mittleren oder an allen Ringen; beim Weibchen in’ der Regel gelb gefleckt an den+ selben Ringen, seltener ganz schwarz. ’ 52. Sc. infuscata: ferruginea, hirta, alis fuscis violascentibus; abdominis segmentis inter- mediüs dorso flavis. Long. 7" 2 & 2. — Dongola. Kıuc. Symb. phys. Ins. Dec. IM. tb. 26. f. 11. 12. Der vorigen Art in Grösse und Gestalt ganz gleich, ‘aber völlig rothbraun gefärbt und ebenso behaart, das Männchen dunkler als das Weibchen; die Flügel schwarzbraun , stahlblau schillernd. Der Hinterleib auf dem dritten Rückensegmente ganz gelb, auf dem vierten nur längs dem Hinterrande. — | 53. Sc. tridens: nigra, hirta; .alis infuscalis, cosla maculaque ‚ante apicem, saluratiori- bus, nigris ; abdominis. segmentis 2, 3, 4 fascia flava, Terlia-angusliori, saepius interrupla. Long. 89" 89 — Süd- Europa. Fınr. S. Piez. 242. 21. Sc. Dejeani Van ». Linp. Hym. Eur, 27. 15. We Ein wenig kleiner als Sc. notata, sonst ihr höchst ähnlich. ' Das’ Männchen an’ Kopf und Brustkasten schwarz, nur der Vorderrücken pflegt 2 gelbe Flecken auf den Seitenlappen 'zu haben, die aber auch fehlen können. Hinterleib mit 3 gelben Binden am zweiten, dritten und vierten Ringe, die erste so breit wie der ganze Ring, die zweite schmäler; in der Mitte eingeschnitten, die dritte nur eine meist unterbrochene Querlinie vor dem Rande. Flügel rauch- braun, am Vorderrande und Ende dunkler. — Weibchen mit gelber Binde zwischen den Augen und einem schmalen Reif hinter dem Auge, sonst völlig wie das Männchen, nur nie mit gelben Flecken am Vorderrücken. Anm. Von Sc. insubrica sicher an den bei letzterer zur Hälfte rothgelben Flügeln zu unter- scheiden, abgesehen von der Trennung der ersten Binde in 2 Flecken. 94. Sc. bieincta: migra, hirta, alis fusco-nmigris, violascenfibus; abdominis segmentis 2 &°3 dorso albidis. Long. 9-10 7%& 2. — Nord- Amerika. Fıpr. S. Piez. 243. 30. — Sphex radula Surz. hist. Ins. tb. 27. f. 4. Scol. obscura Kıuc, We. & Mour Beitr. I. 33. 25. Var. abdomunis segmento primo vel lineola transversa albida, vel punchs duobus albidis. Ganz schwarz, schwarz behaart, der Rücken vorn und hinten ziemlich stark punktirt, die Flügel schwarzbraun, stahlblau schillernd; zweiter Hinterleibsring oben auf der ganzen Mitte weissgelb, der breite Querfleck vorn und hinten ausgebuchtet; dritter Ring ebenso ge- fleckt, die Binde etwas schmäler; bisweilen auch auf dem ersten eine schmale weissliche Querlinie, oder 2 solche Punkte. ; Anm. Geh. R. Krus giebt Ostindien als Vaterland an, es ist daher die Frage, ob seine Art wirklich hierher gehöre; der Beschreibung nach unbedenklich. — 55. Sc. notata: nigra, hirta, alıs juxta coslam infuscalis, dehine limpidis; abdominis sey- mentis 2 & 3 dorso flavis. Long. 93—10"' 2 &2. — Europa. Furr. S. Piez. 244. 31. — Es. Ent. syst. Suppl. 255. 24. Sc. bieincta Ross. Fn. Etr. II. 71. 836. — Manr. tb. 8. fig. D. E.— Kıvc, Wen. & Monr Beitr. I. 27. 14. Sc. hirta Scurank, Emum. Ins. Austr. 22. Sc. signata Pz. Fn. Germ. 62. 13. Sc. bifasciata Lerer, Ilymen. IN, 531. 20. Var. abdominis: segmento quarto utrinque lineola transversa flava. Völlig so gross und gebaut: wie/ die vorige, kaum etwas schlanker, schwarz, dicht punktirt und ziemlich stark behaart; die Flügel nicht schwarz, sondern nur russig grad, schwach iri- sirend, längs dem Vorderrande schwarzbraun ; übrigens je nach der Heimath' etwas verschieden: bei den nördlichen Exemplaren heller, bei’ den’ südlichen dunkler. Hinterleib mit 2 gelben 5* a TE Binden auf dem zweiten und dritten Ringe, die vordere Binde (in der Mitte ausgeschnitten, die hintere gewöhnlich nicht und etwas. breiter als jene; auf der ersten bisweilen am Seiten- rande je ein schwarzer Punkt. — Anm. Van DER Linpen trennt in’ seinen Observ. s. I. Hym. foiss. diese Art in 3 verschiedene Spezies: Sc. bifasciata No. 12. S. 26, — Sc. hirta.No. 15. 8.28 — und Sc. signatat No. 18. S.129. Ich weiss nicht, wie, weit diese Trennung gerechtfertigt ist. Zahlreiche Exemplare, die ich aus ver- schiedenen Gegenden- Italiens, Deutschlands, Ungarns und Dalmatiens vor mir habe, geben mir dazu keine Veranlassung. 56. Sc. melanoptera: nigra, hirta, alis nigro-violaceis; abdominis segmento Llerlio fuscia sinuata fulva, rarius interrupta, bipunctata, Long. 6‘ 9% 2. — Süd-Europa. Vorder-Asien, Kıuc. Symb. phys. Ins. Dec. II. ib. 26. f. 14. Sc. biguttata Van v. Lino, Hymen. Europ. 31. 18. — Se. sicula Lerer. Hymen. Il. 529.17. Sc. unifasciata ZireL. in litt, Sc. Schrenckü Eversm. Bull. d. I. Soc. imp. d. Mosc. 1846. 1. 441. 7. ib. 4. f. 2. Var. abdominis segmento secundo punctis duobus parvis. fulvis s. flavis. Etwas schlanker als Se. notata, einfarbig schwarz, mässig schwarz behaart; Flügel stahl- blau; dritter Hinterleibsring mit einer schmalen, in der Mitte tief von beiden Seiten ausgebuch- teten oder in 2 Flecke getrennten (bei meinem Exemplar) irothgelben Querbinde; mitunter auf dem zweiten Ringe zwei ebensolche Punkte. : Anın. Vielleicht nur eine dunkler gefärbte und spärlicher gefleckte Varietät der vorhergehen- den Art. — Gurrin beschreibt eine Sc. fasciato-punctata, Voy. d. l. Coquill. Zool. U. 1. 254. von Java, welche viele Aehnlichkeit mit vorstehender Art zu haben scheint. 57. Sc. guttata”: nigra, mitida,, punctata, hirla;. alis_nigro - violaceis , labdomine _guttis lateralibus. albis. Long. 9—14”’ 2. — Mexico. Glänzend schwarz; Stirn und "Scheitel punktirt, glatt, Hinterkopf dicht behaart; Brust- kasten dicht punktirt, kurz behaart, der Mittel-Rücken sperriger, ziemlich glatt. Hinterleib sehr glänzend, die Ringe nur am Hinrerrande dichter punktirt, abstehend behaart; der zweite, dritte und mitunter auch der vierte an jeder Seite mit einem runden gelben Fleck , letzterer viel kleiner. Flügel schwarzblau, glänzend. Anm. Die zwei weiblichen Individuen, welche ich aus Mexico erhielt, zeigen einen merk- würdigen Grössenunterschied; das eine ist kaum 9 Linien lang, das andere 14; nur dieses hat das dritte kleinere Paar Flecken. Ein höchst ähnliches, mir von Herrn Fr. Sturm als Sc. tristis aus Mexico eingesandtes Männchen mit einfarbig blauschwarzem Hinterleibe könnte wohl dieser Art angehören, wiewohl ich die Uebereinstimmung von Männchen und Weibchen. in der Zeichnung für wahrscheinlicher halte. 58. Sc. 4-pustulata: migra, milida, hirta, punclata; alis fuscis, violascentibus; abdo- minis segmento 3 &° 4 biguitato. Long. 79" 2 & 2. — Sumatra, — ME Fapr. S. Piez.' 244.34. 9. Se, binotata ibid. 36. I Lereter. Hym. 111.528. 16. Ganz, schwarz, wie gewöhnlich punktirt, schwarz behaart; die Flügel braun, blau schit- lernd; der Hinterleib mit je zwei dunkelrothen runden Flecken an den Seiten des dritten und vierten Hinterleibsringes ;; der ‚vierte des Männchens auch einfarbig schwarz. Anm. Auch diese Art erhielt ich von Hrn. Scuyövre zur Ansicht; sicher gehört Sc. bipunctata Kruc, Wer. & Monr Beitr. I. 36. 32. hierher und wahrscheinlich auch dessen Sc. 6-pustulata ibid. 35. 30., beide sind auf männliche Individuen! gegründet, die letztere auf solche, wo nicht bloss der dritte und vierte, sondern noch der fünfte Ring 2 rothe Flecken hat. — b. Hinterleib. einfarbig, glänzend schwarz ; überhaupt nur der Kopf oder die Fühler anders gefärbt. 59, Sc. cyanıpennis: nigra, nilida, punclata, hirla: dorsi disco laevi; abdomine alisque violaceo-micantibus. Long. 1—12'" 2&2. — Java. Fier. S. Piez. 244. 35. Glänzend schwarz, stark und dicht punktirt; Kopf vorn!glatt, hinten dicht} behaart, die Stirn mit einigen greisen Haaren. Brustkasten überall dicht punktirt, mässig behaart; Mitte des Rückens fast punktfrei, glatt. Hinterleib auf der Fläche der Ringe sehr einzeln punktirt, an den Seiten und Rändern dichter, obenauf stahlblau schillernd, wie die schwarzen Flügel. Anm. Ich habe nur Weibchen vor mir, erhielt aber ein kleineres Männchen (8—9') aus der Copenhagener Sammlung mit dem Weibchen zur Ansicht. ’ 60. Sc. cephalotes*: nigra, mitida, punctata, hirta;. mandibulis argute dentatis; abdomine alisque violaceo-micantibus. Long. 9-10" LZ&2. — Java, In der Farbe. völlig ‚wie die: vorige Art, auch ebenso punktirt, aber (constant verschieden durch. den viel grösseren Kopf, dessen Vordertheil unter den Fühlern nicht mit: einem scharfen bogenförmigen Rande, wie gewöhnlich, vortritt, sondern einen in der Mitte stärker gewölbten kürzeren Lappen bildet, der durch zwei tiefe Ausbuchtungen am Rande für sich abgesetzt ist, Daneben ragen die beim Weibchen mit zwei scharfe n, beim Männchen mit drei unglei- chen etwas stumpferen Zähnen versehenen, übrigens kleinen, Oberkiefer hervor. Der Stahl- glanz der Flügel ist stärker, die mittleren Bauchsegmente sind am Grunde bräunlich gefärbt. Den Vorderschienen fehlt die gewöhnliche kleine Bürste am Innenrande, — 61. Se. verticalis: nigra, punclata, ‚hirta; vertice, fronte antennarumque basi rufis; alıs nigro-aeneis ,„ abdomine violaceo. Leup. 84.02. Sumatra. Fur. S. Piez. 244, 33; Schlank und zierlich gebaut, dicht und gleichmässig punktirt, abstehend behaart, schwarz, Me VRR Hinterleib veilchenblau; Flügel braun, erzfarben' schillernd. Stirn und Scheitel. ziegelroth, auch der Anfang der Fühler (die 7 letzten Glieder fehlen meinem Exemplar). 62. So. ruficornis: atra, punctata, hirta; antennis rufis, alis violaceis. Long. 1’— 11, 2 &2Q. — Senegambien. Fupr, S. Piez. 241. 11. — Lerer. Hym. IH. 524. 8. 2. Se. aureipennis Lerer. ibid, 525. 9. 9. Var. corpore fusco, antenms fulvis. Sc. castanea Prrcn. Gen. d. Ins. Hym. t. 2. Tief schwarz gefärbt, dicht und fein punktirt, kurz aber dicht abstehend behaart. Fühler rothbraun, das erste und zweite, Glied beim Männchen schwarz , beim Weibchen gewöhnlich ganz rothbraun, wie auch die Stirn und der Scheitel. Flügel sehr schön stahlblau glänzend; Seitenecken des Hinterrückens sehr scharf, mehr hervortretend als gewöhnlich. 63. So. melanaria*: alra, densissime punctata, hirta; antennarum apice rufo, alıs vio- laceis. Long. 14” 7. — Vom Cap der guten Hoffnung. Etwas plumper gebaut, tief schwarz gefärbt, sehr dicht und fein punktirt, kurz behaart; Hinterrücken und erster Hinterleibsring etwas in der Mitte winkelig vorgezogen; Flügel sehr schön und hell stahlblau. Fühler der Männchen ziemlich dick, schwarz, nur die 3 letzten Glieder unten rothbraun, oberhalb dunkler gefärbt. — 64. Sc. cyanea: nigra, nilida, punctata, hirta; alis nigro -violaceis, nitidissimis. Long. 12—14" 2&2. — Cap. Lererer. Hymen. II. 525. 10, Sc. aterrima Kr. MSC. Im Gegensatz gegen die vorige Art sehr schlank gebaut, noch schlanker als Sc. rufi- cornis, glänzend schwarz, ziemlich dicht punktirt, abstehend behaart; Mitte des Rückens und ersten Hinterleibsringes ganz glatt. Flügel sehr schön stahlblau glänzend, schwarzbraun. Hinterleib der Männchen mit Veilchenschiller. Kopf ungemein klein. — 65. Sc. funera: nigra, nilida, punclala, subhirta; alıs fuscis, parum violaceo-micantibus. Long. 6—8”! 2&9. — Syrien, Aegypten. Krus, Symb. phys. Ins. Dec. II. tb. 27. f. 1%&2. Gestalt und Grösse wie Sc. 4-punctata; etwas gedrungener, glänzend schwarz, ziemlich stark punktirt, Mitte des Rückens und der Hinterleibsringe feiner, glatter. Fühler längs der Unterseite bräunlieh. Flügel dunkelbraun mit schwachem Stahlglanze. — Anm. Faprtcıus beschreibt eine ganz schwarze Art aus Nord-Afrika: Sc. maura, S. Piez. 243. 27., welche er in der Grösse mit Sc. hortorum vergleicht ; sie hat braune gegen die Spitze hin hellere Flügel und ist ein mir unbekanntes Männchen. — Webersicht der untersuchten Arten nach den hinteren Schienbeinsporen. —_ ' Wir haben in der allgemeinen Schilderung darauf hingewiesen, dass die Scolien eine entsprechende Geschlechtsdifferenz an den hinteren Schienbeinsporen zeigen, wie in der Ge- sammtbildung und namentlich in der Zeichnung. Herr Lereierier DE St. Farceau benutzte diese Differenz der Sporen mit zur Begründung seiner Gattung Colpa und deutete dadurch an, dass dieselbe einen sicheren Charakter für die Trennung der Arten darbiete. Dem ist aber nicht so; die Form der Schienbeinsporen tritt viel variabler auf, als die der Flügelzellen und ich musste es aufgeben, nach derselben haltbare Gruppen zu bilden Unterschiede durch zahlreiche Zwischenstufen sehr ‚ indem die extremsten sanft in einander übergehn. Um indessen dem, Leser eine Anschauung davon zn geben, schien. es mir passend, die Berücksichtigung der Schienbeinsporen bei der Artcharakteristik zu unterlassen, und dafür am: Schluss der Gruppi- rung eine Uebersicht ihrer Bildung aufzustellen; sie folgt nun hier. Erste Hauptgruppe, Die hintersten Sehienbeinsporen sind bei beiden Geschlechtern grade gestreckt, werden vom Grunde gegen die Spitze hin allmälig schmäler und hören end- lich mit einem mehr oder weniger scharfen, meistens jedoch nicht grade spitzen Ende auf; stets ist der innere ;Sporn etwas länger als der äussere, und gewöhnlich der längere etwas spitzer als der kürzere. A. Sporen bei beiden Geschlechtern dunkel schwarz gefärbt, kaum die Spitze etwas gebräunt, stets sehr schlank und am schärfsten zugespitzt. 1. Erste Gruppe des Flügelgeaders. Sc. anthracina Kr. Neu-Holl. 2. Zweite Gruppe‘des Flügelgeaders. Sc. procer Fıur. Java, Sc. rubiginosa Fapr. ©, Ind. Sc. 3. Dritte Gruppe des Flügeladernverlaufes. hyalina Ler. Bras. Sc, costalis Ler. Süd-Am. Sc. Sc. Sc. Sc. Sc. Sc. Sc. Sc. Sc. Sc. Sc. Sc. Diese Art ist vor allen anderen durch Petiti Guer. Sc. cincta Kr. Mexico. A-notala Fapr. 9. Sc. 4-maculata Fırr. Nd,-Am. 4. Vierte Gruppe der Flügeladernvertheilung. guttata Nor. Mexico. decorala Nos. Sumatra. signata Pz. Eur. iridens Fagr. Eur. javana Ler. Java. cyanea Ler. Cap. mendica Kr. Aeg. funera Kr. Aeg. erythropyga Kı. Cap. cephalotes Nor. Java, ausgezeichnet. Sc. Sc. Sc: Sc. Sc. Sc. Sc. Sc. Sc. Sc. Sc. B. Sporen beider Geschlechter mehr braun als schwarz gefärbt, nach Verhältnis, kür- zer und stumpfer; die Endhälfte entschiedener rothbraun. 1. Zweite Gruppe der Flügeladern. haemorrhoidalis, 2. Sc. erythrocephala. Eur. hortorum, 2. Sc. flavifrons. Eur. bimaculata aut. Eur. 2. Dritte Gruppe der Flügeladern. 4-guttulata No». notata:Fırr. Nd, Am. varıegata Fapr. Bras. campestris No. Bras. senilis Fapr. 9. Sc. collaris Fıer. ‘Java. Cap. E4 fimbriata Nor. Java. 3. Vierte Gruppe der Flügeladern. insubrica Ross. Eur. 4-puncotata aut. Eur. die ganz auffallende Kürze des äusseren Sporns C. Sporen der Weibchen hellbraun oder der Männchen gar hellgelb, klar, durch- scheinend; ziemlich schlank und mässig spitz. | 1. Dritte Gruppe der Flügeladernvertheilung. Sc. grossa Fapr.. Java. Sc. d-cincla Fapr., 2 Sc. marginata V. v. Lino. Eur. \ Anm. Wahrscheinlich ist Tiphia villosa Farr, S. Piez. 235. 22 das Weibchen dieser Art, welche nach den Flügeladern auch zur ersten Gruppe gehören kann. Sc. Iris Lerer., 9..Sc. Lindeni Lr. Sumatra. Sc. 4-fasciala Farn., 2 Th. annulata Fapr. Java. Sc. 9-fasciata Fapr. Cap. 2. Vierte Gruppe der Flügeladernvertheilung. Sc. chrysotricha Kr. Cap. Sc. fulvo-fimbriata Kı. Cap. Sc. nobilitata Fapr. Nd. Am. Sc. aulica Kr. Nd. Am. Sc. rufiventris Nos. Mexico. Zweite Hauptgruppe. Die hintersten Schienbeinsporen sind bei den Weibchen vor der Spitze in eine ovale Platte spatelförmig erweitert und hellbraun gefärbt, der Grund ist j dunkelbraun oder schwarz; die Männchen haben in der Regel sehr helle gelblich weisse Spo- u ren mit schlanker Spitze, die kaum erweitert genannt werden kann. Copa Lerer. A. Sporen beider Geschlechter gleichmässig schwarzbraun, mit röthlicher nur sehr wenig beim Weibchen erweiterter Spitze. l. Zweite Gruppe der Flügeladern. Sc. fervida Nos. Mexico, 2. Dritte Gruppe der Flügeladern, Sc. peregrina Ler. Sc. atrata Ku. Bras. Sc. atrata Fagr. Bras. Sc. infuscata Ler. Mit.-Am. BE EREEEEN B. Sporen der Weibchen braun mit stark erweiterter heller Spitze, aber grade ge- streckt, die der Männchen gelblich. Alle zur dritten Gruppe der Flügeladernvertheilung. Sc. dorsata Kr. Mtt.-Am. Sc. 3-fasciota Far. Mtt.-Am. Sc. 3-cincta Fagr. ‚“Abh, d, Nat, Ges, zu Halle. Ir Band, 4s Quartal, 6 Mr a ° = Mm Sc.. fossulana Fıpr. Am. Sc. limosa Nos. Mexico. C. Sporen der Weibchen braun, mit stark erweiterter hellerer Spitze und dabei aus- wärts gekrümmt, besonders der längere; die der Männchen grader und gelblich. Zur ersten Gruppe der Flügeladern, Sc. interrupta aut., 2 Sc. 6-maculata aut. Eur. Anm. Diese Art steht isolirt, wenigstens finde ich keine ganz ähnliche Bildung der Sporen bei den von mir in natura untersuchten Arten. Von Scolia erythrosoma Nor. und Sc. patricialis No. kenne ich bloss das Männchen mit einfachen graden, schwarzen Sporen; sie werden wahrscheinlich der ersten Gruppe I. A. an- gehören. — 3 Nachträge, Folgende mir unbekannte Arten sind bisher noch nicht erwähnt worden, da ich über ihre Stellung in den Gruppen eine genügende Sicherheit zu erlangen nicht im Stande bin. — In der Voyage de la Coquille par Durkerex, Zoolog. I. 2. 1. beschreibt Guerın noch fol- gende Arten: Seol. maculata, 1. 1.255. — Vaterland unbekannt. Scol. apicalis,.ibid. 254. — ebenfalls; wird. verglichen mit Se. ruficornss Fısr, Scol. fasciato - punetata, ibid. — Java. Ostindien. Scheint der Sc. melanoptera Kr. nahe zu stehn. Scol. apieicornis, ibid. 253. ebenfalls ohne Angabe der Heimath; wie es scheint meine Sc. fulvo - fimbriata. Guerın beschreibt bei ihr eine ähnliche Anomalie des Flügel- adernverlaufes, wie ich solche bei Sc. 5-cineta Fanr. gefunden habe. — Scol. formosa , ibid. 252. und Icon. de regn. anım. Ins. tb. 69. {. 10. — Neu-Irland (Port Praslin). Gehört wohl zur dritten Grappe. Scol. micans, ibid. 251. — Insel Bourou (Moluccen). Gehört ebenfalls zur dritten Gruppe. Scol. chilensis, ibid, 249.; aus Chile. — Ist nach dem Exemplar der hiesigen Samm- lung keine Scolia, sondern eine eigne Gattung, die sich an Myzine Larn. (Elis Fap. 9. Plesia Jur.) zunächst anreiht, In Aman. LereLetier oe St. Fancerau histoire natur. des Ilymenopt. Tom. IH. pag: 497. Camps. lucida, 49. 3.5 — v. Cayenne. Camos. Lindeni, 500. 8.; — Vaterland nicht angegeben. — | — Camps. violacea, 502. 11. — Von Port Praslin in Neu-Irland.' Scheint ‚mit 'Sc., an- thracına Kı. verwandt oder übereinstimmend zu sein. Scolia coerulans, 526. ll. &. — aus Ostindien. — Scolia arabica, ibid. 12. 9. Arabien; — Vielleicht: Sc. funera Kr. Scolia longicornis, ibid. 13. f. — ‚Vaterland unbekannt. Vielleicht Se. apieicornis Gukr. siehe. oben. Scolia obscura, 527. 14, ©; scheint das Weibchen der vorigen Art zu sein. Scolia fusca, ibid. 15, 2; — aus Persien. Colpa Wesmaelü, 536. 3. @g — aus Brasilien. Colpa canescens, 538. 6. # & 9. — Senegambien. Reihet sich an Sc. fulvo - fimbriata Nop.. und Sc. apicicornis GuER. Colpa Alexandri, 543. Il. Z. — Italien. Vielleicht eine Varietät von Se. 5-eincta Fapr. Colpa rubida, 544. 12.2. — Vaterland unsicher. Scheint zu Scol. dorsata Kı. zu gehören. Colpa dimidiata, 549. 17. £. — Senegambien, Colpa continua, 553. 21. #. — Süd-Frankreich. Wohl einerlei mit C. Alexandri. Herrn March. Max. Spixoza's Compte rendu des Hymenopteres inedits, provenants du vo- yage entomologique de M. Ghiliani dans le Para en 1846. (Mem. de l’acad. d. scienc. de Turin. II. Serie. Tom, XI. 1851.) habe ich leider nicht zur Einsicht erhalten können. Wie ich aus Dr. Scnaum’s Jahresbericht (Wızem. Arch. 1852. IL. 128) sehe, verwirft Verf, eben- falls die Lereterier’sche Gattung Colpa und schlägt eine Eintheilung der. Scolia-Arten nach dem verschiedenen Flügelzellenbau vor, welche von der meinigen nicht wesentlich abweichen wird. Ueber die darin beschriebenen 2 neuen Arten: Sc. hezaspilota Spin. und Sc. confor- mis Krug kann ich leider keine weitere: Auskunft ertheilen; die von G. R, Kıus benannte Spezies kommt in den von ihm veröffentlichten früheren Aufsätzen über Scolia nirgends vor, — Von den Canarischen Inseln wird in Barker Were & Sapın Bertuevor hist. natur, des Iles Canariens eine neue Scolia durch BruLız als Sc. elegans beschrieben, worüber ich nichts Näheres angeben kann, da mir das genannte Werk nicht zu Gebote steht. Auch in der Explor. scientifique de l’Algerie wurden 2 neue Scolien bekannt gemacht, Sc. distincta und Sc. varicolor. Eine andere neue Scolie aus dem Asiatischen Russland ist Sc. garrula Erıcns., beschrie- ben in dem von Mönernier herausgegebenen Catalog der Leumann’schen Insecten (S. 89). Die Uebersicht der Russischen Scolien, welche Eversmann im Bullet. d. I. Soc. imp. d. Natur. de Moscou XI. 2. 430 seg. gegeben hat, enthält fast nur bekannte Arten, aber freilich grösstentheils unter neuen Namen. Die Arbeit wurde mir erst nach Vollendung der meinigen zugänglich, daher ich ihrer früher nicht gedacht habe. 6* cd „ö 11. 12. 13. u VERAEEN Sc. haemorrhoidalis Fapr. Sc. sareptana n. sp., die greishaarige Varietät von Sc. 6-maculata Fapr., also das Weibchen zu Sc. interrupta, Sc. interrupta. Elis interr. Fapr. Se. grisea n. sp., wohl nichts anderes als Sc. 5-cincta Fapr. Sc. vetula n. sp., wie es scheint das Weib dazu, also Tiph. villosa Faser. ‘oder Sc. marginata Van n. LinDeEn. Sc. concolor n. sp., vielleicht Sc. dispar Ku. oder Sc. funerea Kı, Sc. 4-punctata FaBr. Sc: laeta, n. sp.: flava, thorace nigro-variegato, abdominis incisuris migris; alis externe dilute ferrugineo-violascentibus, basi fulvescenlibus; pedes flavi. Long. 6“! L. — Mir unbekannt. Se. flaviceps Eversm., schon früher S. 31 erwähnt. Sc. amabilis n. sp. 9. Ohne Zweifel ein Männchen von Sc. insubrica Ross. Sc. hirta Van p. Lıisp., Sc. notata Fer., Sc. signata Panz. Sc. fallax n. sp. 2. — Ich erhielt dieselbe Art in beiden Geschlechtern als Sc. umi- fasciata Zieer. von Hrn. J. F. Sturm; sie ist wahrscheinlich nur eine Varietät von Sc. sigmata Pz., Sc. notata Fapr., Sc, hirta V. ». Lv. ete., gleichwie die Sc. biguttata Van. Lino. Obs. ete. 31. 18. Hier hat der Hinterleib nur noch 2 runde gelbe Flecken auf dem dritten Ringe, bei Sc. fallar bilden diese Flecken schon eine eingeschnittene Querbinde und der zweite Ring hat bloss 2 gelbe Punkte. Von Sc, melanoptera Kıus, 1. l., wohin man diese »Scol. fallae und Sc. biyuttata auch bringen könnte, unterscheiden sie ‚sich ‘durch 'hellere nur russbraune Flügel und die Männchen besonders durch stärker kolbige Flügel. Darin passen sie aber ‘gut zu Sc. hirta etc. Meine Exemplare wurden bei Montpellier gefangen, Van ver Linnen giebt Spanien an. Sch. Schrenckii Eversm., schon früher von mir bei ‚Sc. melanoptera Kr. erwähnt; oder wenn nicht ‘dahin zu ziehen, dann einerlei mit der: vorigen Art, aber die Form Sc. bi- guttata Van nd. Linv. Erklärung der Abbildungen. Fig. 1. Kopf der männlichen Scolia interrupla von vorn gesehen, ‘6imal linear vergrössert, m Oberkiefer. Fig. 2. Kopf der weiblichen Scolia interrupta (Se. 6-maculata, aut.) ebenso, Fig. 3. Derselbe, von hinten gesehen; o die Oberlippe und hinter dieser die völlig einge- zogenen übrigen Mundtheile; man sieht in der Mitte das Kinn, den nach vorn. brei- teren Theil, und daneben ‚die beiden Unterkiefer als 2 nach hinten breitere Theile. Fig. 4. Der herausgezogene Saugapparat in Imaliger Linearvergrösserung; von vorn gesehen; beide Unterkiefer längs der Mitte über einander geschlagen, vorn und hinten klaf- fend; daraus hervorragend vorn die Zunge, hinten der Schlund mit dem Anfange des Oesophagus. a Angel (cardo) des Unterkiefers, b Stiel (slipes) desselben, c Taster (palpus mazillaris), d Helm (galea) des Unterkiefers, e Lippentaster (palpus labialis), f seitlicher Zungenlappen, g mittlerer Zungenlappen, h Zungen- beinkörper, © Zungenpolster, % Kaustück des Unterkiefers (mando), r Mündung des Oesophagus, ti Stütze der Schlundränder. Fig. 5. Derselbe, von unten oder hinten gesehen; ebenso bezeichnet. n Kinn der Unter- lippe (mentum), mit dem davor liegenden kleinen Träger. Fig. 6. Rechter Unterkiefer von innen gesehen, in l2maliger Linearvergrösserung. Bezeich- nung wie Fig. 4. u. 5. Fig. 7. Linker Unterkiefer von der äusseren Seite gesehen, ebenso. | Fig. 8 Ganzes Unterlippengerüst von der Seite, in 1Smaliger Linearvergrösserung. e Lippentaster, ff seitliche Zungenlappen, g mittlerer Zungenlappen, i Zungenpolster, n Kinn, p Speichelgangdeckel, q Anfang der beiden feinen bürstenartigen Haar- streifen, welche zum Schlunde (r) führen und über die fleischige Innenseite des Kinnes verlaufen, Sie beginnen vom Deckel des Speichelganges, der eigentlich nur die zapfenartig über die Speicheldrüsenmündung vorgezogene Spitze der beiden Haarstreifen ist, Pe NER Fig. 9. Die Endhälfte der Mittelzunge, von oben gesehen; in 60maliger Linearrergrösserung ; 13. dieselbe im Querschnitt. Fig. 10. Achte Bauchplatte des männlichen Hinterleibes, von innen gesehen; in Smaliger Linearvergrösserung. Fig. 11. Sechste Bauchplatte des weiblichen Hinterleibes, ebenso. Fig. 12. Ansicht der drei letzten Hinterleibsringe des Weibchens mit dem Stachel von der Seite, in 20facher Linearvergrösserung. 7. 8. 9 die gleichnamigen Körperringe. a Stachelscheide, b Stachel, c After, d Trägerplatte des Stachelgerüstes, e letztes Luftloch. Fig. 13. Querschnitt der Zunge. Fig. 14. Vorderflügel mit vollständigem Adergerüst, und den nach ihrer Lage wie im Text numerirten Zellen. — Fig. 15. Oberlippe und Schlunddeckel von vorn gesehen, in 20maliger Linearvergrösserung. a horniger Theil der Oberlippe mit den Borsten, b häutiger Saum der Oberlippe, c Schlunddeckel. Fig. 16. Schlunddeckel von innen; aa muskulöser Randsaum desselben, darüber der Basal- lappen; woraus die Muskelbänder hervorkommen und neben der etwas derberen Mittelfläche divergirend herablaufen. Ueber die Umdrehung der magnetischen Erdpole und ein davon abgeleitetes Gesetz des Trabanten- und Planetenumlaufs von Dr. ). 8. ©. Schweigger. wer, Unserer naturforschenden Gesellschaft überreiche ich meine Schrift: Ueber stöchio- metrische Reihen (Halle 1853. 8.) verbunden mit zwei in den Sitzungsberichten der mathematisch nalurwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie zu Wien (Bd, IX, S. 506 u. 825) publicirten kleinen Aufsätzen. Zugleich füge ich auch eine ältere damit zusammenhängende Abhandlung bei über Weltmagnetismus, welche im Jahr 1814 im Journal der Physik wnd Ghemie mitgetheilt wurde, und von welcher nur noch sehr wenige besondere Abdrücke in der Scuras’ischen Buchhandlung zu Nürnberg zw haben sind. Diese Abhandlung zeigt, wie ich schon damals, im Geiste der‘stöchiometrischen Reihen Rıcn- ter’s, kosmische und chemische Betrachtungen verband, und wie die Vorherberechnung der zwei ersten Uranustrabanten, zu deren Auffindung in jener Zeit kaum eine Hoifnung vorhan- den war, aus einem Prineip- hervorging, das num wenigstens Prüfung verdient, nachdem die Vorherberechnung sich: bestätigt hat. — Denn selbst Denen, welche schon jetzt, bevor Lasserr. neue, durch Beobachtungen auf Malta herbeigeführte Mittheilungen gemacht, eine nicht bloss: auf die ganzen Zahlen, sondern auch auf die: Deeimalen: sich beziehende Uebereinstimmung der Yorherberechnung mit. der Beobachtung: verlangen, wird vorläufig wenigstens: genug gelhan werden. können. Denn die hier folgenden Berechnungen zeigen‘, dass die Abweichung: bei’ dem: zweiten: Uranustrabanten: noch nicht he, bei dem ersten aber (wo specielle nachher an- I) \ M ern mea e | a DE zuführende Gründe eine Abänderung der aus den Beobachtungen in den ersten vier Nächte abgeleiteten Decimalen vorhersehn lassen) wenigstens nicht über ?/ı0. beträgt. Von der grössten Wichtigkeit scheint es mir, was ich schon in meiner Abhandlung über stöchiometrische Reihen S. 32 in der Note hervorhob, dass die von Lamont aufgefundene Pe- riode der täglichen magnetischen Variationen mit der Sonnenfleckenperiode zusammenstimmt. Auch Faranay lenkte darauf die Aufmerksamkeit hin in den Proceedings of the Royal Institu- tion, January 1853 (übersetzt in Pocsennorrr’s Annalen 1853. N. 4), indem er zugleich noch andere bestätigende Zeugnisse beifügt, Es stellt sich also nun der wichtige Satz dar, dass, wie nach Newron’s Forschungen die Gravitation entschieden bis zum Monde sich erstreckt, so der Erdmagnetismus in der ihm eigenthümlichen Gesetzmässigkeit entschieden bis zur Sonne reicht. Wenn nun auf-eine ‚so unverkennbare. Weise .die-von Lamont zuerst‘ berechnete magne- tische‘ Variationsperiode von kosmischer Bedeutung ist, ‚werden nicht’ auch. die von. HAnstEEn nachgewiesenen und berechneten grössern magnetischen Perioden ebenfalls von kosmischer Be- deutung sein? Und diess war es, was ich nachzuweisen suchte in jener Abhandlung über die Umdrehung der magnetischen Erdpole und ein davon abgeleitetes Ge- setz des Trabanten- und Planetenumlaufs vom Jahr 1814. Ich will die auf S.19 der eben bezeichneten Abhandlung stehende Tabelle mit der ihr sogleich ursprünglich angereihten Bemerkung hierher setzen, soweit sie auf die Umdrehungs- zeit der drei ersten Jupiterstrabanten sich bezieht. u EEE EEE EEE EEE EEE EL EEE EEE Beobachtete . 4 Daraus berechnete > Fehler im Verhältniss £ Magnetische Reihe. S Differenzen. Umlaufszeiten. Umlaufszeiten, zum Ganzen, 1. 2 432°? 1 I. 2,007 6483:? 1,837 — 0,170 0,085 * 8643"? 2,828 * ei III. 4,044 10803: 3,953 0,091 0,022 „Bei den Umläufen der drei ersten Jupiterstrabanten gilt bekanntlich das Gesetz, dass die Umlaufszeit des: zweiten. die doppelte von der des ersten, die des dritten die doppelte von der des zweiten ist. Es ist nach za Pracr den unvermeidlichen Beobachtungsfehlern zuzuschrei- ben, dass sich dieses Verhältniss in der‘ ersten Spalte der vorhergehenden Tafel nicht in voller Schärfe. darstellt. Die Differenz‘ der. aus magnetischer Reihe berechneten Umlaufszeiten und der‘ wahren würde dann. noch ‘geringer. sein. Aber ich könnte sogar behaupten, dass diese, in Beziehung auf die ursprünglichen ‚Umlaufszeiten betrachtet, ‘vielleicht fast ganz verschwinde. Denn za 'Prace zeigte es als wahrscheinlich, ' dass’ diöses merkwürdige Verhältniss anfänglich blos annäherungsweise vorhanden war, und erst durch ‚die gegenseitigen Attractionsgesetze zu dieser Schärfe auf dem von ihm angegebenen Wege ausgebildet wurde.“ Von dem Verhältnisse 1: 1,837 : 3,953 und der Art, wie es abgeleitet wurde, ist: auch umständlich die Rede in meiner Abhandlung über stöchiometrische Reihen $. 40 u. 41. Um so mehr ‚aber konnte jenen Verhältnisszahlen ‚die einfache Proportion 1:2: 4 substituirt werden im Sinne dessen, was za Prace bei den Jupiterstrabanten nachgewiesen, nachdem das- selbe Verdoppelungsverhältniss in noch grösserer Ausdehnung bei den Saturnstrabanten (mit Zurechnung ‚des Ringes) von mir nachgewiesen war. Und in solcher Weise berechnete ich aus der Umlaufszeit des in 8,7068 Tagen umkreisenden Uranustrabanten (dessen Periode da- mals — im Jahr 1814 — unter. allen Uranustrabanten am genauesten bestimmt war, näm- lich aus 6 Combinalionen von Stellungen, die sechs, sieben und acht Monate von einander entfernt gewesen) die Umlaufszeit des ersten und zweiten Uranustrabanten, zu deren Auffindung keine Hoffnung vorhanden war, auf, 2,1767 und 4,3534 Tage, Jedoch es könnte sehr wohl sein, dass bei Uranus, dessen Trabanten in ihren Bewegungen ohnehin manche beachtungswerthe Eigenthümlichkeit zeigen, das ursprüngliche aus Hansteen’s Reihe der magnetischen Polumdrehungen abgeleitete Zahlenverhältniss 1: 1,837 : 3,953 hervor- träte. Denn 1) die von Lasser aus Beobachtungen in den ersten vier Nächten berechneten Umlaufszeiten. von 2,5117 und 4,1445 Tagen verhalten sich wie. 1 : 1,6501, stehn also dem ursprünglich gefundenen Verhältnisse 1: 1,337 näher als der abgekürzte Ausdruck 1:2, in- dem 1,837 — 1,650 == 0,187, also der Unterschied noch nicht *0 beträgt. "Und 2) während 4 2=38,7068 : 4,3534 ist, so giebt das ursprüngliche Verhältniss die Zahl 4,0461, da 3,953 : 1,837 = 8,7068 : 4,0461, welche Zahl von 4,1445 (der von Lasse durch Beobachtung gefundenen) nur um 0,0984, also noch nicht um !/ıo abweicht. 3) Ebenso stellen die von HerscueL (dem gemäss, was in meiner Abhandlung. über stöchiometrische Reihen $. 36 angeführt) für den Umlauf seines ersten und dritten Uranus- trabanten gefundenen Zahlen (9,8926 und 10,9611 Tage) allerdings ein Verdoppelungsgesetz dar, wenn wir die Decimalen weglassen, worauf man noch kein grosses Gewicht legen zu können glaubte. Rechnen wir aber 1:1,837 — 5,8926: z, so finden wir 2— 10,8247, wäh- rend 10,9611 — 10,8247 — 0,1364, also die, Differenz auf nahe *4 reducirt wird. 4) Was aber die von Lassett für den ersten Uranustrabanten angesetzte Umlaufszeit betrifft von 2,5117 Tagen, so ist, wenn wir’ statt des abgekürzten Ausdrucks 4:1 das ur- Abh, d. Nat. Ges, zu Halle. Ir Band, As Quartal. 1 = Me ME VE sprünglich ‘gefundene Verhältniss setzen, 3,953 : 1= 8,7068 : 2,2026. Und da 2,5117 — 2,2026 —= 0,3091, so steigt die Differenz noch immer auf are: UVebrigens hebt schon Araco im Leben Herschrr’s hervor, während er die neuen Beob- achtungen der zwei zuerst ins Jahre 1787 aufgefundenen Haupttrabanten des Uranus anführt, dass allen diesen Berechnungen die Hypothese kreisförmiger Bewegungen zu Grunde gelegen, während Lamont in seiner Abhandlung über diese Trabanten, welche in den Philosophical Transactions für das Jahr 1838 abgedruckt, bei seinen Beobachtungen dieser zwei Haupt- trabanten eine Elliptieität ihrer Bahn bemerkt zu haben glaubte, jedoch eine umständliche Untersuchung dieser schwierigen Frage einer spätern Zeit vorbehaltend. — Da unter allen Trabanten des Saturn der dem Planeten zunächst stehende erste durch Excentricität seiner Bahn (die 0,06889 beträgt) vor allen übrigen Trabanten des Saturn sich auszeichnet: so ist die Vermuthung erlaubt, dass auch bei Uranus der dem {Planeten zunächst stehende erste Trabant sich nicht in einem Kreise, sondern in einer Ellipse bewegen werde, während er ohnehin durch die Nähe des Hauptkörpers mannigfachen Störungen ausgesetzt sein kann. Und eben darum möchte die Berechnung seines Umlaufes besondere Schwierigkeiten darbieten, um so unmöglicher aus Beobachtungen in den ersten vier Nächten sogleich ableitungsfähig. Anmerkung. Was die eben erwähnte Excentricität betrifft, wodurch der erste Saturnstrabant sich auszeichnet, so ist nebenbei auch an die neuerdings beobachtete Excentricität des Saturns- ringes zu erinnern. — Wirklich ist diese Excentrieität eine neue Bestätiguug der Ansicht von der Natur des Saturnsringes, welche ich schon in der Abhandlung von 1814 S. 24—26 in der Note umständlich mit Gründen dargelegt habe, dass nämlich der Saturnsring durch umkreisende Meteor- massen gebildet werde, und eben darum auf die von Lassen näher bezeichnete Weise durchsichtig gleich einem Flor erscheint. Die Excentricität des Ringes spricht also blos aus, was ohnehin zu erwarten war, dass gleich dem ersten Saturnstrabanten auch die noch näher stehenden Meteor- massen, welche den Ring bilden, sich in Ellipsen bewegen. Wenden wir uns nun von den Trabanten zu den Hauptplaneten, Ich habe schon $. 41 meiner Abhandlung über stöchiometrische Reihen aufmerksam ge- macht, dass die angeführte, gesetzmässig aus den von Hınstren aufgefundenen magnetischen Polarumdrehungen abgeleitete Zahlenfolge: 1; 1,837; 2,828; 3,953; 5,196; 8; 14,697; 31,623 sich benützen lasse bei der Berechnung des Abstandes der Planeten von der Sonne. Beispiels- weise hob ich zunächst bei den mondlosen Planeten Mercur, Venus und Mars hervor, dass jede Venusdistanz von der kleinsten bis zur grössten, mit 1,837 dividirt, zu einer Mercur- distanz hinführt, die grösser ist als der mittlere Abstand desselben von der Sonne, während — dieselbe Mercurdistanz, mit 3,953 multiplieirt, eine Marsdistanz giebt, die gleichfalls grösser ist als die mittlere. Innerhalb der bezeichneten Grenze findet sich also eine ganze Reihe von Distanzen bei den mondlosen Planeten, welche sich wie die Zahlen 1:1,837:3,953 verhalten, was folgende Tabelle darstellt: Abstand. Mercur.: Venus. Mars. Kleinster. 0,3910725 >M 0,7184002 1,54591>M Grösster. 0,3964417 >M 0,7282636 1,567134 >M Dieser Gruppe der mondlosen Planeten schliessen sich aber auch die Erde und die Aste- roiden an’, der soeben angeführten Zahlenreihe 1; 1,837; 2,928; 3,953; 5,196 gemäss. Denn a) jede Erddistanz von der Sonne (von der grössten bis zur kleinsten) mit 2,828 divi- pirt, führt zu einer Mercurdistanz, der folgenden Tabelle gemäss: Abstand. | Mercur. Erde. Kleinster. 0,347675, Per. 19,57475 >M Grösster. | 5,07875 Perih. ih TE „9903742 > M. » —»7 » 19,507434 < M. „ 19,507484 > M. » 5 — » 1003815 > 4Aph. „ 10,03815 <{ Aph. „510 „9 — „10 Se 31° 15” lies: 10 St. 32° 15" „812 „ 5. — „aber lies: eben „ 514 im vorletzten Absatz Z. 4 v. u. statt 29" lies: 20” Bericht über eine im Jahre 1851 unternommene geognostische Reise durch die süd- lichsten Punkte des Banates, der Banater Militairgrenze und Siebenbürgen Dr. C. 3. Andrae.*) (Hierzu Tafel I.) Nach 34stündiger Fahrt mit dem Donaudampfschiffe Hermine von Pesih ab, landete ich am 20. Mai Mittags 12 Uhr hei Basias in der Militairgrenze, etwa 12 geographische Meilen unterhalb Belgrad. In der Nähe von Basias beginnt der Durchbruch des Donaustromes durch verschiedene Gebirgsformationen und Gesteinsarten, welche theils als hohe bewaldete Berge in ein erweitertes Thal abfallen, theils mehr abwärts, wie auf dem Wege von Drenkova nach Orsova als gigantische, oft mehrere hundert Klaftern schroff emporsteigende Felswände den gewaltigen |Strom in ein schmales Bett einzwängen: ein Thal, unvergleichlich in seinen wechselnden, bald lieblichen, bald wilden Scenerien. Mein Weg führte mich von Basias landeinwärts über Weisskirchen nach Oravieza. Die Berge bei Basias, welche nach der Donau zu steil abfallen, formirt ein sehr dünnschiefriger, bisweilen durch vielfach gewundene Schichten ausgezeichneter Glimmerschiefer. Nachdem man den nördlichen Abfall dieser Gesteine umfahren, gelangt man in eine weite von Alluvionen bedeckte Niederung, die sich bis nach Weisskirchen erstreckt; nordöstlich von diesem Orte aber erhebt sich das Terrain ziemlich rasch zu einer höher gelegenen Fläche, an deren sandig lehmigen Gehängen ein sehr guter Wein gebaut wird. Gegen Abend traf ich in Oravieza ein, welches sich in einem von hohen bewaldeten Bergen begrenzten *) Diesen Bericht habe ich gleich nach meiner Anfangs im December 1851 erfolgten Rückkehr nach Halle aus den Notizen meines Tagebuches verfasst und ünterm 3, Februar 1852 dem K. Pr. Unterrichisministerium, in Folge einer mir von Demselben für den Reisezweck ‚gewährten Unterstützung, zu überreichen mich gedrungen gefühlt, Er diente zur Grundlage einiger mehr oder weniger ausführlichen Vorträge über einzelne Gegenstände desselben, so in Halle und später in den Sitzun- gen der k. k. geologischen Reichsanstalt in Wien; doch: ist er in seinem Zusammenhange noch nicht veröffentlicht worden, weshalb ich mir erlaubte, ihn der hiesigen naturforschenden Gesellschaft, nach einem in der Sitzung vom 5. November 1853 mitgetheilten Referate über den allgemeinen Inhalt desselben, für die Publication zu übermitteln. Um ibm das Gepräge eines unmittelbaren Reiseeindruckes, der specieller Studien enibehrt, nicht zu benehmen, ist er bis auf ein paar nolhwendig gewor- dene Berichtigungen unverändert geblieben. Thale hinzieht. Ich stattete alsbald dem Herrn Bergwerksdirector! Raitz, an den ich von Wien aus durch Herrn Sectionsrath Haidinger empfohlen war, meinen Besuch ab. Zur. Informirung über die dasigen geognostischen Verhältnisse wurde mir sogleich das Wenige, was von Karten und Schriften darüber vor- handen war, auf das bereitwilligste mitgetheilt. Das Bedeutendste darunter war eine Darstellung der geognostisch -bergmännischen Verhältnisse der Banater Militairgrenze und eines Theiles des Kammeral- und Provinzialbezirkes von Göttmann, k. Schärfungscommissär, aus dem Jahre 1838. Risse und Pläne von dem bei Oravicza umgehenden Bergbau war man erst im. Begriff zu entwerfen. Leider trat in den folgenden Tagen anhaltendes Regenwetter ein, sodass an entferntere Excursionen gar nicht gedacht werden konnte. Ich beschränkte mich daher auf den Besuch {einiger sehenswerther Punkte im Orte selbst und dessen nächster Umgebung. Der Gebirgszug, welcher bei Oravicza ziemlich ‚rasch :und steil’ empor steigt, ' wird mit verschiede- nen Namen belegt. Der das Thal zur Rechten begrenzende heisst der Vadarner Höhenzug, und der zur Linken das Koschowitzer Gebirge, woran sich nördlich das der Tilva und Cornutilva anschliesst. Die Gehänge sind meistens mit Laubholz geschmückt, unter denen Buchen- und Eichen - Arten vorherrschen. Im Thale bemerkt man an mehreren Punkten Thonschiefer anstehend. In dem Koschowitzer Höhenzuge, welcher theilweise aus dem erwähnten Gesteine besteht, befindet sich in Oravicza selbst, einige Schritte hinter dem an der Strasse belegenen Gasthofe, ein altes, ehemals ärarisches Goldbergwerk, das, unter dem Namen „der Goldschurf“ bekannt, lange Zeit in Fristen gelegen hat. Der jetzige Besitzer, Herr Horvath , wurde ‚durch‘ Sammeln ergiebiger Goldstufen auf den alten. Halden im Jahre 1844 bestimmt selbiges. wieder aufzuwältigen, und erndtet jetzt reichlich den Lohn seiner Unternehmung. In einem Zeit- raume von 5 Jahren, wobei 2 Jahre mit Weilschichten gearbeitet wurde, ‚hat. er einen Centner und 30 Pfund reines Gold gewonnen, und es ist vorgekonimen, dass 3 Schichten 4000 Gulden eingetragen haben. Gegenwärtig ist nur ein. Pochwerk „zur Ausbringung des Metalles im Gange, doch wird ‚ein zweites bei der Behausung. des Besitzers angelegt, welches durch Dampfkraft getrieben werden soll. Die-Grube führt den Namen Elisabeth und steht durch einen Schacht mit dem aus alten Zeiten stammenden Erbstollen Josephini in Verbindung, dessen Mundloch an dem, das Städtchen durchfliessenden Bache Oraviez und dicht, an der Wohnung des Herrn Horvatb ausmündet, wodurch die. Förderung. des. erzführenden Ge- steines bis zum neuen Pochwerke ermöglicht ist. Das Gestein, welches. sich zunächst dem Elisabeth- Stollen und im Anfange dieses selbst findet, ist ein dunkler Thonschiefer, worauf ein. glimmriger Schie- fer folgt, der bisweilen erzführend wird. Darauf erscheint ein dichter Kalkmergel, in dem die Gang- masse, aus Kalk mit Quarz gemengt bestehend, bisweilen von 22 Klafter Mächtigkeit aufsetzt. In Beglei- tung (des gediegenen Goldes erscheinen auch Grauspiessglänzerz, Fahlerz und Schwefelkies. Dies goldführende Gebirge gehört offenbar der älteren Scieferformation an. Um die Zeit nicht nutzlos vorübergehen zu lassen entschloss ich mich, ungeachtet der unfreund- lichen Witterung, eine Excursion nach dem etwa ?/, Stunden entfernten Csiklova, zu unternehmen, Man überschreitet südlich den Vadarner Höhenzug und trifft auf diesem Wege einen sienitartigen Pophyr an, der an mehreren Punkten im Contact mit einem körnigen Kalke vorkommt. Auf der Grenze dieser Ge- steine erscheinen in der Nähe von Csiklova die erzführenden Gangmassen, die zunächst dem Kalke vor- herrschend aus dichtem Granat gebildet werden, und worin öfter Wollastonit und Apophyllit erscheinen. Die Gangart führt kupferhaltige Erze, vorzüglich als Kupferkies und Buntkupfererz, doch brechen damit noch sehr schön krystallisirter Arsenikkies, Nickelkies und Schwefelkies, wovon ich auf den Halden einige nn sehr instruetive: Stücke sammelte. Ein heftiger Regen nöthigte mich indess bald genauere Untersu- chungen aufzugeben, und den Rückweg einzuschlagen. Am 25. Mai versprach die Witterung freundlich zu werden, und ich fuhr ungesäumt nach dem etwa 3 Stunden von Oravieza befindlichen Steierdorf, wo gegenwärtig der bedeutendste Schwarzkohlen- bergbau des Banates betrieben wird. Der Weg dahin führt in östlicher Richtung in dem bewaldeten Thale von: Oravieza entlang, und bald hinter diesem Orte fast ununterbrochen auf einem Kalkterrain. Die Schichten dieses Kalkes, welche der Liasformation angehören, sind am Wege oft sehr deutlich ent- blösst, und an manchen Stellen brechen so dichte und feste Massen, dass Steinbrüche darauf eröffnet sind, woraus indess noch keine Versteinungen bekannt wurden. An vielen Punkten’ist der Kalk aber auch sehr zerklüftet, und namentlich ‘deuten weite trichterförmige Vertiefungen, welchen man auf dem Rücken dieses Kalkgebirges begegnet, "auf den Einsturz. unterirdischer Höhlungen hin. Der durch den anhaltenden Regen aufgeweichte Erdboden, so wie die schlüpfrigen Felswände nö- thigten mich meine botanischen Studien vom Wagen aus zu machen, wodurch ich freilich nur 'auf das Augenfälligste aufmerksam. wurde. Aus den Büschen, welche die südlichen Hänge bekleideten,, prangten vor allen in zahlreicher Menge Lilium Martagon, so wie auch mannshohe Stauden der Atropa Belladona bereits in voller Blüthe standen. Erythronium Dens canis hatte schon abgeblüht. In’ den Wäldern zeig- tel sich ‚oft baumartig Crataegus oxyacantha mit einer Fülle weisser Blüthen überdeckt, und an Wie- senhängen waren noch bemerkenswerth Genista ovata und sagittifolia. In der Umgegend von Oravieza kommt auch noch häufig. der Rhus cotinus vor, der zum Gerben des Saffians verwendet wird und des- halb. für die hiesige Gegend einen Sammelartikel abgiebt. Nachdem man einen hohen Gebirgskamm überschritten, erblickt man unter sich in einem freund- lichen: Thale die weithin zerstreut liegenden Häuser von Steierdorf, dessen Bewohner meistens Deutsche und aus Steiermark hierher gewandert sind. Auf dem Wege, der nach dem Orte hinabführt, begegne, man bunten thonig sandigen Schichten, die in ihrer äussern Erscheinung Aehnlichkeit mit Schichten des bunten Sandsteins haben , und von den. hiesigen. Geognosten auch [dafür angesprochen werden. . Ueber Verbreitung und Lagerungsverhältnisse dieser Massen werde ich nachher sprechen. Auf die Empfehlung des Herrn Director Raitz fand ich bei einem sehr unterrichteten Bergbeamte- ten, Herrn Seeland, die beste Aufnahme. Da das Wirthshaus aber nicht so beschaffen war, um einen Fremden beherbergen zu können, und Herr Seeland selbst mit, einer beschränkten Räumlichkeit vorlieb nehmen musste, so hatte dieser die Güte mich bei einem ihm befreundeten und besser situirten Colle- gen unterzubringen. Der Tag war ein Sonntag, weshalb ich denselben nicht zweckdienlicher hinzubrin- gen wusste, als mich mit den Herrn Beamteten bekannt zu machen, und die kleinen geognostisch - petre- factologisehen Sammlungen derselben bezüglich Steierdorfs durchzumustern. Am folgenden Morgen befuhr ich, begleitet von Herrn Seeland, den Samson. Es war dies der geeignetste Punkt, um über die T.agerungsverhältnisse eine befriedigende Einsicht zu erlangen. Die Ge- steine, welche hier ‚östlich mittelst Stolln aufgeschlossen sind, erscheinen vom Stolln - Mundloch in folgen- der Reihe: ‚zuerst ein Mergelschiefer, der reich an Conchylien, insbesondere an Arten von Venus und Vene- ricardia ist, dann ein Schieferthon, der namentlich auf dem Colovratschacht zahlreiche Schaalen von einer Nucula führt; hierauf kommt das erste Kohlenflötz, das aus einer ausgezeichneten Schiefer- und Pech- kohle besteht. Das erste Flötz zerfällt in 3 Schichten, welche Gefährtel genannt und durch Sandstein geschieden werden. Das erste Gefährtel hat eine Mächtigkeit ‘von 3:4 Fuss, die zwei andern von 13 Abh. d. Nat. Ges. zu Halle. Ir Band, 4s Quartal. Sg Pa Klafter. Sämmtliche Schichten werden als Hangendflötz bezeichnet. ıDas Mittel zwischen dem 1 und 2 Gefährtel beträgt gewöhnlich 6 Klafter, zwischen dem 2 und 3 */2 bis 3 Fuss. Ein zweites Flötz, Liegendflötz genannt und von Westen her aufgeschlossen, zerfällt ini 2 Gefährtel, wovon das erste 4—6 Fuss, das zweite Q—3 Fuss Mächtigkeit besitzt. Diesem voran geht, im Hangen- den also, ein conglomeratischer Sandstein, der oft eine Mächtigkeit von 30 Klafter erreicht. Zwischen den Gefährteln liegt ein glimmerreicher thoniger Sandstein, ‚der zahlreiche Pflanzenreste von Zamien, Cycadeen, Pterophylien und Farrn enthält, deren meisten Formen, die ich in zahlreichen Exemplaren zu sammeln Gelegenheit hatte, mir ziemlich unbekannt erschienen, und: deshalb einer genauern Unter- suchung, respective Bestimmung später unterworfen werden sollen. Im Hangendflötze kommen ausser Zamien wenig Pflanzenfragmente vor. Wir fuhren in dem nördlich von hier gelegenen Herrmannstolln aus. In der Nähe des Samson, an den gegenüberliegenden steil abfallenden Tbalwänden, wo durch den hart daran vorüberfliessenden Bach die hangenden Mergelschichten sehr gut entblösst waren, sammelten wir noch. einige Ammonitenfragmente, Wir setzten vom Herrmannstolln aus unsere Wanderung in dem ausserordentlich schönen bewal- deten Thale gegen N. fort, und gelangten zu der bergmännischen Kolonie Gerlystie, wo man ebenfalls auf dem Hangendflötze baut. Von hier aus wird gegenwärtig eine Eisenbahn auf etwa 8 Meilen Länge geführt, die nördlich durch das reizende Aninathal, welches von schroffen, und mit einer üppigen Vege- tation bekleideten Kalkwänden begrenzt wird, läuft, dann an Oravicza vorüber und durch die Donaunie- derung geht, und am Strome selbst ausmündet, um unmittelbar die Kohlen von den Gruben bis zum Landungsplatze der Dampfschiffe fördern zu können. Unweit Gerlystie, gleich am Anfange des Anina- thales, erscheinen am Wege ziemlich mächtige Mergelschichten, welche das äusserste Hangende der Koh- lenformation bilden und ausser einigen Bivalven Reste von Ammoniten und Crustaceen führen. Unmit- telbar darüber lagert nun ein dichter und zäher Kalkstein, der häufig Hornsteinmassen und Belemniten enthält und der Liasformation zugerechnet werden muss. Da, wo die vorher erwähnten Stolln sich be- finden, erscheint dieser Kalk ebenfalls über dem Mergel, aber in einem höhern Horizonte, indem er meistens nur die Kuppen der östlich gelegenen Thalwände bedeckt. Die Kohlenformation bei Steierdorf im Grossen betrachtet, nimmt die Ränder eines kesselförmigen Thales ein. In der Mitte desselben, und zwar an dem Hügel, worauf die daselbst befindliche Kirche sich erhebt, treten wieder die bunten ihonig-sandigen Schichten hervor, welche das Liegende genannter Formation bilden und, wie schon bemerkt, als bunter Sandstein angesehen werden. Nach diesen Lage- rungsverhältnissen ist man geneigt, erwähnte Kohlenformation dem Keuper zu überweisen. Es scheint mir aber, dass bis zur genauen Determination der zahlreichen organischen Reste die Sache unentschieden bleibt, da es den Pflanzen nach eben so wahrscheinlich ist, dass die Kohlenbildung der Liasformation angehört, *) Der folgende Tag (27. Mai) wurde dazu verwendet auf den Halden einiger näher und entfernter ‚gelegener Schächte Petrefacten zu sammeln; und zwar erhielt ich eine Anzahl Pflanzenreste vom Alexander- und Emilien-Schacht aus dem Liegendflötze. In dem Wiesenerstolln, der im Hangendflötze getrieben, ist der einzige Punkt bekannt geworden, wo ein Porphyrgestein mit den erwähnten Forma- %), Letzteres haben meine spätern Untersuchungen bestätigt. tionen im Contact vorkommt. Gegenwärtig ist dieser Ort verzimmert, ‚weshalb ich nur Gelegenheit hatte Bruchstücke des Gesteins an den Halden über Tage: zu sehen. : Der: Porphyr ist deshalb besonders be- merkenswerth, weil er als zufällige Gemengtheile kleine Berylikrystalle einschliesst, und’ in. drusigen mit Quarz erfüllten Räumen sehr oft haselnussgrosse Klümpchen ‘von Erdpech enthält. : Das Vorkommen dieser Mineralien ist zuerst durch Herrn Seeland: beobachtet worden, der auch mich darauf aufmerksam zu machen die Gefälligkeit hatte. Wir besuchten ferner den Breunerschacht, wo zahlreiche Cycadeen- und Zamienreste gefunden werden, deren Blattsubstanz oft nur schwach gebräunt ist, und mit Leichtig- keit vom Gestein abgehoben werden kann, aber ebendeshalb auch schwer vollständig zu erhalten und noch schwerer zu conserviren ist. Auf:dem in der Nähe befindlichen Colovratschacht nahm ich einige Stücke des glänzend schwarzen bituminösen und mit Nucula Schaalen erfüllten Schiefers mit. Auf Veranlassung des Herrn Director Raitz sollte Herr Seeland so freundlich sein, mich auf meiner Reise durchs Banat und die Banater Militairgrenze zu begleiten, wozu sich derselbe auch sogleich bereit finden liess. Wir traten daher gemeinschaftlich am 28. Mai zunächst unsere! Rückkehr nach Oravieza an und nahmen nach Beseitigung von nöthigen Vorbereitungen am 29. Mai unsern Weg nach Szäszka. Die Strasse dahin über Csiklova und Slatina ist schlecht und ziemlich einförmig, da sie auf weite Strecken in einer mit Alluvionen bedeckten und fast: ebenen Niederung hinführt. Bei Slatina gelangt man an das Ufer der Nera, wo das Terrain gebirgig wird, und der Weg im Flussthale entlang geht, dessen ziemlich steile Gehänge aus Glimmerschiefer gebildet sind. Wir trafen in später Nachmittagsstunde in Szäszka ein, das ähnlich wie Oravieza in einem engen Thale gelegen ist. In nordöstlicher Richtung über Szäszka hinaus zieht sich eine reizende Gebirgsschlucht: hin, die von hohen steilen, mit einer üppigen Vegetation bekleideten Liaswänden begrenzt wird und unter dem Namen Mühlthal bekannt ist. Ein räu- schender Gebirgsbach, der mehrere wallachische Kukuruzmühlen durch Turbinen in Bewegung setzt, freundliche Baum- und Blumenanlagen, ein wohl. eingerichtetes Kaltwasserbad, so wie am Ende des Thales ein malerischer Wasserfall, erhöhen die Schönheit dieser Gegend. Die duftenden Wiesengründe waren der Sammelplatz zahlloser Insecten, worunter von. den Coleopteren die Familie der Cetonien auf- fallend reich vertreten war. Ueberall hingen die Blumen voll von Cetonia aurata und metallica, und dem schönen Trichius nobilis; eben so häufig waren Cetonia stictica, hirta, Trichius fasciatus, Valgus hemipterus, seltner Hoplia squamosa. Von den gigantischen Blättern der Zappa major, welche die Bach- ränder umsäumten, sammelte ich einen grossen Rüsselkäfer Molytes glabratus in Menge, und unter dem modernden Laube riesiger Buchenstämme erbeutete ich einige durch Farbenpracht ausgezeichnete Cara- bieinen, als Carabus fastuosus Dası. C. Collari Danr. und ©. intricatus L. Auf einem Spatziergange in dieses herrliche Thal traf ich einen Knaben, der einen Scorpion in seiner Kopfbedeckung trug; dadurch aufmerksam gemacht, suchte ich unter dem losen Kalkgeröll am Wege danach, und fand einige sonnige Gehänge, wo es von diesen Thieren wimmelte. Die Art scheint zu Scorpio europaeus L. zu gehören, obschon sie etwas differente Farbe und Grösse zeigt. Erwähnung verdient noch eine über Fuss dicke banmartige wilde Weinrebe, die sich, vom Gebüsch verdeckt, am Wege zum Wasserfall befindet. Meine Gedanken weilen zu gern in diesen zauberhäften Bergen, weshalb mir wohl eine kurze Ab- schweifung von dem eigentlichen Zweck dieses’ Berichtes vergönnt ist. Wir hatten das Glück, in’ dem Herrn Hüttenmeister Madersbach eine eben so liebenswürdige als kenntnissreiche Persönlichkeit kennen zu lernen, dessen belehrende Mittheilungen "namentlich über 8*+ PR gewisse locale Verhältnisse für uns einen ‘sehr grossen Werth hatten, Herr Einfahrer Merschitz, ‘der erst seit kurzem hier: war, hatte die Güte ‘uns auf den geognostischen ‘Wanderungen und bei Befahrung der Gruben zu begleiten. Wir besuchten zuerst die’ Grube Ritter St. Georg in dem südöstlich gelege- nen Theclagebirge, welche auf Kupfererze baut, und dieselben vorzugsweise als Buntknpfererz führt. ‘Die Erzmassen finden sich gangartig im Liaskalk und zwar unter ähnlichen Verhältnissen wie bei Csiklova, so dass die Erze des letztern ‘Ortes wahrscheinlich auch in dieser Formation aufsetzen; wie früher: be- merkt, wurde ich durch (das schlechte Wetter an einer nähern Kenntnissnahme von dem dortigen Terrain gehindert. ‘Der Liaskalk wird bei Szäszka, wie auf Ritter St. ‘Georg, von einem porphyrartigen Sienit durchbrochen, dessen Ränder zunächst eine Gränatgangmasse mit Hornblende und Tremolit gemengt be- gleitet, worauf ein krystallinisch körniger erzführender 'Kalk folgt, und dann erst der eigentliche Lias- kalk erscheint. Beistehendes Profil, Fig. 1., zeigt die Situation der Gesteine am Wege oberhalb Szäszka zum Ritter St. Georg.‘ ‘Der Erzkalk ist durchaus versteinerungsleer; in dem Liaskalk aber fanden wir Spuren von Belemniten. Dieser ist sehr zerklüftet ‘und ohne deutliche Schichtung; er bildet äusserst steile Gehänge, wie im Mühlthale und zeigt oft 'eingemengte Hornsteinknollen, eine Erscheinung, die auch in der Nähe der Gänge beobachtet wird. Weiter östlich und südlich von oben erwähnter Grube brechen unter ähnlichen Verhältnissen noch kupferhaltige Eisensteine, als Kupferpecherz mit’ Brauneisen- stein und Schwefelkies, häufig mit Hornstein und Kalk‘ verwachsen, auf welche ebenfalls Bergbau um- geht. Da, wo.die Erze im feinvertheilten Zustande eingesprengt erscheinen, ist die ganze Masse gewöhn- lich sehr zersetzt und sondert sich von dem umgebenden: weissen Liaskalk durch ockergelbe Partien ab, die dann reich an Kupfer 'sind. Die: zersetzten Gesteine liegen fast immer unmittelbar an der Ober- fläche, und sind nesterweise zerstreut: offenbar das Product eines fortwährend thätigen Umwandlungs- prozesses. Auf der Grube Raphael Zubau ist der Erzkalk Bleiglanz führend; allein das Vorkommen hält nicht aus. Am Wege einer Wasserleitung, die im Theclagebirge für den Grubenbetrieb angelegt ist, findet sich in grossen stockförmigen Massen ein schöner weniggelber, stänglich abgesonderter Kalkspath, so wie von hier weiter aufwärts ein dichter blauer Liaskalk, der sehr undeutliche aber zahlreiche Petre- facten einschliesst. Das Thal von Szaszka liegt vorzugsweise im Bereiche des Liaskalkes, so wie er auch jenseits des nördlichen Gehänges bei Roman Szäszka vorkommt. Auf dem Wege dahin trafen wir auf conglomera- tische Sandsteinschichten von vorherrschend weissen, aber auch bunten Farben, die. deutlich dem Lie- genden angehörten, und als analog den Conglomeratbänken zu betrachten sind, welche bei Steierdorf unter dem Liaskalk angetroffen werden. An dem Abhange nach Roman Szäszka zu brechen ebenfalls nesterweise sehr gute Eisensteine, vorzüglich als Magneteisenstein, die in einem nahebei errichteten Pri- vathochofen verschmolzen werden sollen. : Eine Bemerkung verdient noch das sogenannte Steinmark von Oravicza, welches nicht dort, 'son- dern hier vorgekommen ist. Es fand sich dasselbe ehemals auf der gleich "über dem‘ Hüttenge- bäude in Szaszka gelegenen Grube Bernhard Kasten, wo es eine Kluft erfüllte, die zwischen ‚der Gra- natgangmasse und einem dolomitischen Kalk aufsetzte. ' Die Details: darüber, welche: ich‘ der 'gefälligen Mittheilung des. Herrn Hüttenmeister Madersbach verdanke,. sind am' besten aus beiliegender Zeichnung (Fig. '2.) zu ersehen. un DEE en Den 2;:.Juni brachen wir; nach Moldova auf. Der Weg führte durch dichte, Buchenwälder. fast immer. auf: einem: Liaskalkrücken entlang... Man ‚hatte ‚uns: viel von der Unsicherheit. der Strassen durch Räuberbanden ‚erzählt; auch waren: wir.kurz , vor unserer Abreise von Oravicza einigen 30 Gensd’armen begegnet, die unter Leitung ‚eines beherzten, jungen Mannes eine Anzahl Räuber, die aus der. Gegend von ‚Szäszka sich in einen, Gebirgswald, die Almas genannt, gezogen haben sollten, zu. verfolgen ‚beab- sichtigten: wir erreichten jedoch unser Ziel ohne ‚die mindeste Anfechtung. Indem wir kurz vor Uj: Moldova die waldigen Liaskalkberge hinabstiegen, trafen wir auf‘. Gneis, Glimmerschiefer und thonschieferartige Gesteine. Der Ort selbst zeigte noch die Gräuel der Verwüstung “ aus..den letzten Kriegen, uud nur bin und wieder waren schon ärarische Bauten im. Werke, oder hatten die Bewohner den nothwendigsten ‚Bedürfnissen genügende Gebäude errichtet. Was an Schriften und Karten über bergmännische Unternehmungen daselbst vorhanden gewesen, war zu Grundegegangen. Die Lage von Moldova ist schön. Von. den Höhen, die hier ziemlich sanft nach der weiten. Donauniederung ab- fallen, erblickt man in ‚der Ferne den majestätischen Strom, an welchen weiter abwärts die Gebirgs- massen wieder dicht hinantreten, und worunter der jenseits gelegene Felsen von Kolumbacz. mit einem in Ruinen liegenden ‚Schlossebesonders in die Augen fällt. Auf den Wegen, welche ‚an den Bergab- hängen entlang führten, traf ich einen südlichen Käfer, Gnaptor spinimanns Dj. ausserordentlich häufig an. Bei Moldova geht ein schon. ‚von alten Zeiten her ‚berühmter Kupferbergbau an; ja man findet sogar an einigen Punkten Ziegel und Scherben: von Schmelzgefässen, die wahrscheinlich aus der Römer- zeit stammen, und sind. daselbst auch antike goldene Schmucksachen aus dem Schutte jener ‚Massen, zu Tage gefördert ‚worden., Die geognostischen, Verhältnisse, unter welchen die Kupfererze vorkommen, sind zum Theil denen von Szäszka ähnlich. Der Liaskalk, welcher hier auf Glimmerschiefer ruht, er- scheint ebenfalls im Contact mit Sienitporphyr und auf der Grenze dieser Gesteine ireten Granat- und Quarzgänge mit Kupfererzen auf. Es ist-offenbar, dass das Erscheinen der Erzgänge von Oravieza bis Moldova durch das Auftreten ein und: desselben Sienitporphyrzuges bedingt ist, wobei. bemerkenswerth ist, dass dieser meistens nahe der Grenze des Kalkes mit krystallinischen Schiefergesteinen entlang geht. In der Nähe des plutonischen Gesteines ist: der Kalk auch in hiesigem Terrain krystallinisch. -Von. be- sonderm Interesse ist noch das Vorkommen von Basalt mit Olivin, und grossen vereinzelten Hornblend- krystallen ; er durchbricht den Kalk, doch unter welchen Erscheinungen, darüber. konnten wir keine nähere Auskunft erhalten. Das Vorkommen selbst ist nur in einer Grube beobachtet worden, auf deren Halde wir aber zahlreich geförderte Bruchstücke dieser Gebirgsart fanden. Aut der Kuppe eines ziemlich isolirten bewaldeten Berges, Namens Gelbesch, fanden wir theils anstehend, theils .in gewaltigen losen Blöcken .ein drusiges Quarzgestein, das dem Hornstein am nächsten kam, und in- den hohlen Räumen schöne Octaöder von grünem Flussspath enthielt; die Würfelform ‘des Minerals war: seltener, und dann. gewöhnlich von weisser ins violblaue fallender Farbe. Die Hornstein- massen standen mit einem dichten Kalke in Verbindung, der zweifelsohne auch dem Lias angehörte. Die Kupfererze von Moldova werden häufig von schwefelsauren Kupfer- und Eisensalzen , Kupfer- lasur, Allophan und Malachit begleitet. i Am 4. Juni brachen wir nach Kohldorf, nicht mit einem bei Szaszka liegenden Orte gleiches Na- mens zu verwechseln, ‚auf, um von da aus weiterhin, die nach Orsova längs ‘der Donau hinführende wohl- gebahnte Strasse zu erreichen. ‚Der Weg nach Kohldorf führt durch..tief eingeschnittene pittoreske 'Ge- birgsschluchten, und der. Ort selbst liegt in einem wilden, von allem Verkehr abgeschnittenen Waldthale 5 Alte Schürfe auf Schwarzkohlen veranlassten uns diesen Punkt zu besuchen. Gleich oberhalb des Dorfes stehen Mergel und Sandsteinbänke an, denen im Hangenden der Kalk aufgelagert ist. Einige Conchylien des Mergels, die wir erbeuteten, bestätigten unsere Ansicht, dass hier dieselben Formationen wie bei Steierdorf auftreten. Die frühern Schürfe scheinen nicht mit Sachkenntniss ausgeführt worden zu sein, da wir die Versuchsbaue viel zu hoch angesetzt fanden, wodurch dieselben nur in dem Hangendkalke ge- trieben worden waren, und den Liegendmergel gar nieht erreichen konnten. Durch dichte Buchenwaldun- gen und über zahllose Kalktrümmer gelangten wir auf einem sehr halsbrechenden Wege nach dem von Böhmen bewohnten, und in der Militairgrenze liegenden Dorfe Weizenrieth. Von hier ab wurde die Fahr- strasse besser, und von den Höhen hinab, über welche man nach Sikevica, von wallachischen Grenzern bewohnt, hinüberfährt, erblickten wir in der Ferne die bewaldeten Berge an der Donau. Verschiedene Quercus- Arten, darunter besonders Q. pubescens W. umsäumten den Weg, und gelbliche Kalkschichten zur Seite enthielten prächtige Polyparien, wovon einzelne Stücke über Fuss Durchmesser zeigten. An den buschigen Abhängen fielen Agrostemma coronaria L., Iysimachia punctata L. und der kleinroth- blüthige Zathyrus Nissolia L. besonders in die Augen, so ‚wie ich auf einer üppigen Wiesenlehne eine ausserordentlich reiche Flora an Orobanchen - Arten bemerkte. Hinter Sikevica, über Gornia Lupkova hinaus, kamen wir auf die schöne breite, mit hohen Kirschbäumen bepflanzte Strasse, welche im Donauthale. entlang führt: zur Rechten jenseits des breiten Stromes die hohen bewaldeten Serbischen Gebirge, zur Linken sanfter abfallende Hügelformen mit Kukuruz und Wein bebaut. Auf dem ganzen Wege war die wallachische Bevölkerung in ihren Maisfeldern thätig, und auf den Höhen be- merkten wir die in grösserer oder kleinerer Entfernung von einander gelegenen Wachthäuser und Posten der Grenzsöldaten. Wir erreichten am Abend Berszäszka, ein Dorf mit einem Grenzercommando und einem leidlichen Wirtlishause, weshalb wir hier einen Tag zu rasten beschlossen, um die gesammelten Naturalien und Notizen in Ordnung zu bringen, woran wir in Moldova verhindert worden waren. Von Berszäszka aus besuchten wir die etwa 2 Stunden entfernte Kaminitzer Schwarzkohlengrube, die gewerkschaftlich ist. Man durchwandert dahin ein tief eingeschnittenes Thal im Glimmerschiefer, und muss zuletzt einen nicht unbedeutenden Berg ersteigen, der aus Sandstein mit bituminösen Schiefer- thon und Kohlenlagen gebildet ist, und an dessen obern Gebängen sich die Gruben befinden. Gegen- wärtig sind nur Vorrichtungsarbeiten im Betriebe. Es scheint, dass man nur ein Flötz kennt, das zum Hangenden und Liegenden Sandstein hat; das Einfallen desselben ist sehr steil 500--70° W. Streichen h.1. Formation und Kohlen entsprechen denen von Steierdorf. Petrefacten fanden wir nicht, so wie überhaupt wenig über die Lagerungsverhältnisse zu erfahren war. Fauna und Flora dieses Thales scheint reich an interessanten Arten zu sein; ich erwähne nur, was ich im Vorübergehen erbeutete und mir be- sonders auffiel: von Amphibien Lacerta viridis und Tropidonotus viperinus; von Coleopteren Lamia tristis und Z. Tugubris.. Chrysanthemum macrophylium W. K. bildete mannshohe dichte Büsche, die’ von Trichius fasciatus und Leptura- Arten umschwärmt wurden. Auch blühte bereits Dianthus collinus W. K. und Sawifraga rotundifolia L. Am 6. Juni Nachmittags setzten wir unsere Reise fort. Wir- passirten Drenkova, eine Station für die Dampfschiffe. Von hieran ziehen sich mit einiger Unterbrechung die schwärzkohlenführenden Sandsteine mit aufgelagerten Kalkmassen, welche oft malerische Felsenufer bilden, bis nach‘ Svinieza, wo letztere Gesteine wieder vorherrschend auftreten. Eine halbe Stunde unterhalb Drenkova machten wir einen Abstecher in ein Seitenthal, nach dem 1 Stunde entfernten Kosela, wo ebenfalls Kohlenberg — u — bau betrieben wird. In: Folge des bevorstehenden Pfingstfestes hatten die Bergleute die’Grube bereits verlassen; doch trafen wir noch einen, freilich sehr wenig unterrichteten Mann, welcher uns mittheilte, dass man 2 Kohlenflötze kenne, und der folgende Schichtenreihe angab: im Hangenden Sandstein, dann Kohle von 1 Klafter Mächtigkeit; hierauf 4 Fuss muschelführende Schichten: (ein mergliger Kalkstein), dann 4—7 Fuss Kohle und zuletzt milde Schiefer. Auf den Halden sammelten wir einige fossile Gonchylien. Wir mussten an unsern Rückzug denken, da der Abend: bereits anbrach, und wir bis nach Svinicza noch einen weiten Weg vor uns hatten. Wir fuhren in die Nacht hinein, immer am felsigen Ufer der Donau entlang; das dumpfe Brausen und die hohen, im Silberglanz des Mondes erzitternden Wogen kündigten uns an, dass wir an der Stromschnelle Islas vorüberkamen, wo die unter dem Wasserspiegel befindlichen Felsbänke nicht ohne Gefahr für die Passage der Schiffe sind, Bei Svinieza besuchten wir am andern Morgen. oberhalb des Ortes einen Punkt, von wo bereits aus rothen kalkigen, Schichten durch Herrn Jon. Kupernarsch aus Wien zahlreiche Ammoniten bekannt worden waren, die dem braunen Jura angehören sollen. Wir fanden dort auch grosse "Blöcke eines sehr eisenschüssigen Gesteines voll davon, indess bei der Zähigkeit desselben reichten unsere Instru- mente nicht hin Exemplare dieser Cephalopoden loszubrechen. Mein Begleiter, Herr Seerann, war so glücklich in einem Wasserrisse einige Jose und ziemlich wohlerhaltene Bruchstücke davon zu sammeln. Im Verfolge des Weges nach Orsova (7 Juni) bemerkten wir bald hinter Svinicza an den Ber- gen seitwärts sehr deutlich die Auflagerung der Kalkmassen auf: die Sandsteinformation, und nahe der Grenze mit krystallinischen, insbesondere Hornblendgesteinen, bunte thonig-sandige Schichten, wie es mir schien, analog den bei Steierdorf auftretenden, für Buntsandstein angesprochene Straten. Grünstein- massen ziehen sich bis hinter Plavissevicza, wo wieder Kalk erscheint, der bis an Ogradina reicht und das wildromantische Thal Kasan bildet: mehrere 100 Klafter hohe senkrecht abfallende Felswände beglei- ten hier den verber so gewaltigen, nun in ein schmales Bett gezwängten Donaustrom zu beiden Seiten. Mühsam ist. dem linken Felsenufer so viel Terrain abgewonnen worden, um eine vortreffliche Strasse, mit steinernen Brustwehren versehen im Thale entlang zu bahnen, die sich bald um malerisch heryor- springende Felspartieen windet, bald unter mächtigen weithin überhängenden Kalksteinmassen wegführt. Es finden sich mehrere Höhlen. in diesem Terrain, worunter die Veteranische Höhle, in der Nähe von Plavissevicza und dicht am Wege über einem Cordonposten gelegen, die bedeutendste ist. Man hat sie so erweitert, dass ein ganzes Regiment darin Platz hat. Die. herrliche Vegetation des Thales von Svi- nicza bis Orsova zu schildern würde in. diesem Berichte zu weit führen; erwähnen will ich nur, dass hier die Feige gedeiht, und die wilden Weinreben (Vitis Labrusca) am Wege oft in reizenden Guirlanden von einem Baume zum andern ranken. Bei Orsova, einer kleinen aber freundlichen Handelsstadt, und dadurch, dass hier ein Hauptlandungsplatz für die Dampfschifffahrt ist, sehr belebt, schieden wir von der Donau, und verfolgten ‚in nördlicher Richtung die Strasse nach Mehadia in dem schönen Csernathale. Glimmerschiefer ist vorherrschend, nur in der Nähe von Topleez bemerkt man aufgelagerte Kalkmassen. Unweit Toplecz gelangt man an den Ueberresten eines Aquäductes vorüber, den einst die Türken ‚an- gelegt haben sollen. Die berühmten Herkulesbäder bei Mehadia. liegen seitwärts von der Hauptstrasse ‘zur Rechten, in der Fortsetzung des Cserna-Thales, und am Bache gleiches ‚Namens. Sie bieten alle 'Comforts eines grössern Badeortes. Man zählt 14 Quellen, von denen aber nur 8 benutzt werden. Herr Dr. Racsky in Wien hat in jüngster Zeit eine physikalisch- chemische Untersuchung derselben angestellt, worüber wir eine a handschriftliche Mittheilung bei dem Herrn Badearzt einzusehen Gelegenheit hatten*). Nach ihm sind die vorwaltenden Bestandtheile salzsaure Salze, und’ alle Quellen, mit Ausnahme der Herkulesquelle, ent- wickeln einen mehr oder minder bedeutenden Gehalt an Schwefelwasserstoff. In ihren physikalischen Ei- genschaften sind die Quellen sehr verschieden. Die höchste Temperatur, welche bei den sogenannten Augenbadquellen wahrgenommen wird, beträgt bis 44,9% R. Die Quellen treten zwariaus einem der Liasformation angehörigen grauen Kalkeund mergligen Schiefern, welche in der Umgebung von Mehadia zu beiden Seiten des Thales dessen steil abfallende Wände be- decken, unmittelbar zu Tage; allein ihren eigentlichen Sitz dürften sie doch in den unter jenen Massen befindlichen krystallinischen Gesteinen haben, die nicht bloss die ganze Thalsohle des Csernabaches einnehmen, sendern auch oft bis zu einer nicht unbedeutenden Höhe an den seitlichen Gehängen er- scheinen. Man kann die Höhe, bis zu welcher letztere emporsteigen, sehr gut auch da erkennen, wo eine Pflanzendecke die unmittelbare Ansicht der Gesteine verdeckt; so z.B. am linken Csernaufer in der Nähe der steinernen Brücke: hier ist der untere Abhang sanft verrundet, und mit einer gleich- mässigen Vegetation bedeckt, was auf krystallinische Gesteine deutet; die darauf liegenden Kalksedimente aber fallen steil ab, und an den Vorsprüngen derselben, wo eine spärlichere Vegetation Platz gegriffen, wird durch’ diese deutlich die Schichtung, und selbst die Neigung der Schichten bezeichnet. In der Nähe der Herkulesquelle steht ein schöner grobkörniger Granit mit grossen fleischrothen Feldspathkrystallen an, der am Bache hinauf feinkörniger wird. Bei einer Begehung des herrlichen Csernathales aufwärts bis zu dem etwa 3 Stunden entfernten Cordonposten Czeszna, fanden wir an den untern Gehängen abwechselnd Glimmerschiefer, thonschieferartige Massen und zwischliegende Kalklagen, während der obere Theil der Höhen von den jüngern Kalkeı bedeckt war. Mehrere 100 Fuss über den Bädern, und zwar am linken Gehänge, wenn man das Thal aufwärts verfolgt, liegt in den zerklüftetsten Kalksteinmassen die sogenannte Räuberhöhle. Wir stellten darin Nachgrabungen auf fossile Knochen an, indess ohne Erfolg. Auf dem Wege dahin gelangt man an Stellen vorüber, wo heisse Wasserdämpfe aus den Höhlungen des Kalkes strömen, in deren Nieder- schlägen Marchantia polymorpha in nie gesehener Fülle und Ueppigkeit wucherte. Nach einem 2 tägigen Aufenthalt verliessen wir am 12. Juni den Badeort, und fuhren zunächst auf der Hauptstrasse nach Karansebes zu, über den Marktflecken Mehadia, wo wir wieder ‘das Gebiet der schwarzkohlenführenden Sandsteine berührten; hinter Mehadia aber schlugen wir eine Seitentour nach Jablonicza ein, weil man uns unterwegs von einem daselbst befindlichen Braunkohlenlager erzählt hatte. Wir fanden dies, etwa eine Stunde von genanntem Orte entfernt, in einem flachen Thale, dessen um- gebende Hügel aus Mergelschiefer bestanden, welche Gesteine in der Nähe der jetzt auflässigen Grube mit bituminösen und polirschieferartigen Massen wechselten. Die verschiedenen Schichten waren reich an marinen Conchylien, und einzelne davon enthielten auch Spuren von Blätterabdrücken. Die Braunkohle erschien auf‘ den Halden in derben Stücken mit flachmuschligem Bruch. Leider konnten wir in Rücksicht dieser Vorkommnisse keine erschöpfende Durchforschung des Terrains vornehmen, einerseits weil wir bei all- zulangem Ausbleiben fürchten mussten, dass der in Jablonicza rückgelassene Fuhrmann unseres Vor- spanns davonfahren würde, andrerseits weil der Abend nahe war, und wir nicht auf Unterkunft in dem bemerkten 'wallachischen Dorfe rechnen konnten. ® *) Dieselbe ist. mittlerweile in dein Jahrbuche der k. k. geologischen Reichsanstalt, I. Jahrg. 1851. gedruckt erschienen. | nn ME in Unterhalb: Plugova erreichten wir wieder die Hauptstrasse. Tertiäre Ablagerungen bildeten die: seit- wärts von der Strasse gelegenen Höhen’ bis nach Teregova, wo wir in das Flussgebiet der Temes kamen. Vor diesem Orte, in den zur Rechten gelegenen Bergen, hat man: ebenfalls Braunkohlen gefunden, Wir gelangten in der bezeichnete Richtung nach mühsamem Suchen, und anstrengendem Klettern zu einer im Waldesdunkel verborgenen: Schlucht, wo: in einem bläulichen Letten ziemlich mächtige Lager bituminösen Holzes eingebettet waren. Zwischen Teregova und Armenis erscheint noch einmal Glimmerschiefer, auf dessen Gebiet die Temes in tief eingeschnittenen felsigen Ufern dahinbraust: Kurz vor Szlatina aber tritt der Fluss in ein weites flaches Thal, das zunächst der Oberfläche von Alluvionen bedeckt ist, und sich in der Richtung auf’ Karansebes, und noch über dieses Städtchen hinaus erstreckt, In der Ferne zur Rechten erblickten wir einen’ Theil der banater Hochalpen, deren Häupter noch mit Schnee bedeckt waren. Von: Karansebes aus verfolgten wir die nordöstlich nach dem Eisernen Thorpasse führende Strasse, welche in einem freundlichen Thale entlang- geht, und bis in die Nähe der siebenbürgischen’ Grenze gut zu befahren ist. In einem nördlich von. dieser Strasse befindlichen Seitenthale, ‚das man bei dem Dorfe Vaiszlova, noch gegen 3 Stunden von: dem: Eisernen Thorpasse entfernt, einschlägt, und zwar im nördlichsten Winkel der banater Militairgrenze, liegt Ruszberg.und Ruszkitza mit ihren grossartigen berg- und hütten- männischen Etablissements,, Besitzthümer der Herrn Gebrüder Horrmans. Wenn schon die Lage dieser Ortschaften zwischen hohen bewaldeten Bergen angenehm in die Augen fällt, so überraschen noch mehr die freundlichen Häuser und Gebäude, und vor allem das rege industrielle Leben, welches man in die- ser Abgeschiedenheit antrifft, und das eine Schöpfung der obengenannten Herren ist. Aus den nachfolgenden Mittheilungen: über die geognostischen’ Verhältnisse daselbst wird‘ man nicht allein den grossen. Mineralreichthum: ersehen, welchen die Natur auf einen verhältnissmässig kleinen Raum angehäuft hat, sondern auch aus dem Zusammenvorkommen der. verschiedenartigsten Stofle die für diese Unternehmungen. besonders günstigen Umstände kennen lernen. Ruszberg selbst fällt vorwaltend in das Gebiet der bereits bekannten kohlenführenden Sandsteinfor- mation, an deren Grenzen Glimmerschiefer auftritt. Im Orte stehen glimmerige. Sandsteine an, die mit mergeligen Schichten wechseln, und nicht selten von Porphyren durchbrochen werden. In dem nordöstlich gelegenen Thale Losni-csora erscheinen unter Mergel- und Sandsteinbänken, von welchen letztere bisweilen conglomeratisch sind, Kohlenflötze bis zu 3!Fuss Mächtigkeit, darunter 6 Fuss Kohlen- schiefer, und dann sehr mächtige Sandsteine. Die Gesteine streichen hier h.9 und fallen mit 14° — 359 gegen N. Es ist wahrscheinlich, dass diese Massen dem obern Flötze von Steierdorf entsprechen, und dürften dann in grösserer Teufe mächtigere‘ Ablagerungen zu erschürfen sein. Porphyre stören die Lagerung häufig. Gegenwärtig befriedigt der dort umgehende Kohlenbergbau den nächsten Bedarf. Kalkschichten, welche im Thale von Ruszberg die Sandsteine begleiten, haben ganz das Ansehen von Liaskalken, indess scheinen sie, einem Profile nach am Wege im Dorfe, das Liegende zu bilden, da sie deutlich unter die Sandsteinbänke: einschiessen. Ausser dem Steinkerne eines Inoceramus aus den glimmerigen Sandsteinen habe ich keine Petrefacten, selbst nicht in den die Kohlen begleitenden Lagen, aufgefunden. N Auf dem Wege nach Ruszkitza, welches im Thale aufwärts etwa 2% Stunden von Ruszberg liegt, erscheinen nach den Sandsteinen Conglomerate, aus zahlreichen Glimmerschiefer-, Gneis -, Kieselschiefer- Abh. d. Nat. Ges, zu Halle. Ir Band, 4s Quartal. I Pe TOP auch wohl Hornblendschieferfragmenten gebildet, worauf die gewundenen Schichten des: Glimmerschiefers und Gneises selbst folgen. .Es ist nicht ‚zweifelhaft, dass dieses Conglomerat ein Reibungsproduct ist. Das vorherrschende Gestein in der Umgebung von Ruszkitza ist der Glimmerschiefer, welcher sehr steil, mit 60° bis 70°, gegen N. einfällt. Unterhalb des Ortes, auf Pareo-lung, setzen darin Gänge von Magneteisenstein auf, der bald derb, bald in schönen Rhombendodekaedern vorkommt. Die Gänge, von körnigem Kalk und Serpentin begleitet, ohne dass man indess Sahlbänder unterscheiden kann, zeigen eine linsenförmige Gestalt, und besitzen ziemlich regelmässig 5 Fuss Mächtigkeit. Sie streichen h. 2— 6. parallel mit dem ‚Glimmerschiefer. Die eigenthümliche Bildung derselben bedingt ein häufiges Ausgehen der Erze, Ferner brechen an den Bergen oberhalb des Dorfes mächtige Massen von Brauneisenstein und Spath- eisenstein, die gleichfalls gangartig im Glimmerschiefer mit einem Streichen h. 1 bis 2 liegen. Auch treten im letztern stocklörmig körnige Kalke auf, welche Bleiglanz führen. Besonderes Interesse gewährt das damit verbundene gangartige Vorkommen von Granat, Syenitporphyr, und Grünstein. Quarz beglei- tet häufig die Stöcke, so wie mit dem Bleiglanz auch Weiss-, Grün-, Gelbbleierz, Antimonglanz und Zinkblende erscheinen. Bisweilen finden sich in den Höhlungen des Kalkes sphärische Bleiglanzmassen, unter dem Namen Mugeln bekannt, die bis 90 Ctr. wiegen und pr. Ctr. 3 Loth Silber enthalten. Der Silbergehalt der Erze variirt von 3 Quentchen bis 75 Loth pr. Ctr., und die Gewinnung beläuft sich jährlich auf circ. 400 Mark Silber und 9600 Gtr. Blei. Der Procentfall der Eisenerze beträgt beim Magneteisenstein 45 bis 75, beim Brauneisenstein 45, beim Spatheisenstein 30 bis 35, und der jähr- liche Ertrag schwankt zwischen 30 und 40000 Ctr. Guss- und Stabeisen. In geognostischer Beziehung interessant ist noch das Vorkommen eines ausgezeichneten Formsandes, der hoch ‘oben in: der Nähe des Eisensteinbaues Spalten des Glimmerschiefers erfüllt, und zahlreiche lose, dabei aber anscheinend scharf- kantige, milchweisse Quarzstücke von verschiedener Grösse einschliesst. Zur Ausbringung und Verarbeitung der erwähnten Metalle besitzt Ruszberg Frisch -, Streck- und Puddlingsöfen, Eisenhämmer und eine Bleihütte; Ruszkitza einen Eisenhochofen, Eisengiesserei und mechanische Werkstadt, womit eine Modelltischlerei verbunden ist. Auf einem Besitzthum der Herren Horrmans, Ferdinandsberg genannt, am Wege nach Karansebes, befindet sich noch ein Eisenkammer mit einem grossartigen Walzwerke. Ruszberg und seine Umgebung boten so viele wissenschaftliche Anknüpfungspunkte dar, dass ich dort einen längern Aufenthalt nahm. In Herrn Pfarrer Wurcnerich fand ich einen kenntnissreichen Bo- taniker, und die Durchsicht seines etwa 800 Specien enthaltenden Herbariums gab mir ein recht gu- tes Bild der dasigen ausgezeichneten Flora. Herr Ernst Horrmann besass eine kleine oryklognostische “ Sammlung von Vorkommnissen der nächsten Umgegend. Herr Horrwann auf Ferdinandsberg war im Besitz einer schönen Sammlung banater Vögel, die wohl an 500 Arten zählte. Ich hatte grosse Lust die banater Hochalpen, insbesondre den pflanzenreichen Sarko zu besuchen, allein die andauernde unfreundliche Witterung vereitelte meine Absichten. _ Ich unternahm eine Partie nach dem etwa 3 Stunden von Ruszkitza entfernten Kaltwasserbade Lunkany, wohin ein schmaler Reitweg über hohe bewaldete Bergrücken führt, die vorzugsweise aus Glimmerschiefer mit untergeordneten Kalkschich- ten und graphitischen Lagen gebildet werden. In der Nähe von Lunkany treten aber Kalkmassen auf, die offenbar einer jüngern Formation angehören, und Aehnlichkeit mit Liaskalk ‚haben. - Ich erbeutete auf dieser Tour ein Exemplar des schönen Käfers Rosalia alpina. | | Auch in Lunkany besitzen die Herrn Horrmann eine Eisenhütte, worin Roheisen in! Platten ge- gossen wird. Bei Mäl unweit Ferdinandsberg, an den Ufern der Bisztra Mörului‘, ist ein tertiäres Conchylien- lager aufgeschlossen, das ich leider bei sehr ungünstigem Wetter besuchte Es ist reich an den Arten Conus, Strombus undi Murex, welche in einen bläulichen plastischen Thon eingebettet sind, Eine weitere Excursion von 4 Tagen wurde in das benachbarte Siebenbürgen hinein ausgeführt. Wir ritten über Ruszkitza und die dahinter aufsteigende 4307 W. Fuss hohe Ruszka, dann auf einem hohen, einförmigen, meistens bewaldeten Glimmerschiefer-Terrain, das in der Wasserscheide zwischen der Temes und Maros liegt. Ueber Pojana Recsiely und Feredz kamen wir nach dem elenden wallachischen Dorfe Kis Muncsel, wo ein sehr vernachlässigter Gold-, Silber- und Bleibergbau betrieben wird. Man arbei- tet auf Gängen im Glimmerschiefer, die schon 2. T. von den Römern ausgebeutet worden sind, wovon noch eine Menge Pingen zeigen. Die durchschnittliche Mächtigkeit der Gänge beträgt 2 Fuss und ihr Streichen fällt in h.6—9. Das Gold ist hier im Bleiglanz eingesprengt. Letzterer ist häufig zersetzt und wird von grössern Partien Bleimulen begleitet, woraus man das Gold unmittelbar durch Waschen mittelst Sichertrögen zu gewinnen pflegt; die festern Massen kommen ins Pochwerk. Nach den Mitthei- lungen eines wenig instruirten Hutmanns oder Steigers, dem {die Leitung des Bergbaues oblag, giebt 1 Ctr. des auf der Grube gewaschenen Erzes 32 Pfund Blei, und die Schliche vom Pochwerke liefern bis 40 Pfund. Auf 1 Ctr. desselben rechnet man 3 Loth Silber und 40 Dinäre in Gold. Der Bergbau ist sehr unregelmässig, was z. T. seinen Grund in der Art des Auftretens der Gänge hat. In dem Thale zu den Pochwerksgebäuden und nahe bei denselben liegen zerklüftete Kalkschichten auf dem Glimmerschiefer, welche den das Thal zur Linken begrenzenden Höhenzug einnehmen. Ueber- steigt man denselben, so gelangt man auf Schichten, die der Gosauformation angehören und fast nur aus schlecht erhaltenen Bruchstücken von Tornatellen und Nerineen zusammengesetzt sind. Diese Schichten bilden das westliche Gehänge eines zweiten, parallel gehenden Thales. Wir folgten dem Laufe eines Baches nach Nandor zu, den wir unzählige Male überschreiten muss- ten, und welchen meist steil abfallende Liaskalkwände begleiteten. Hinter genannntem Orte beginnt ter- tiäres Terrain, und an einem Punkte trafen wir aus der Rasendecke hervortretende Grobkalkbänke, die Versteinerungen enthielten. Unsere Tour ging über Vajda Hunyad nach Szilvas, von wo wir uns mit einbrechender Dunkelheit in das herrliche Hatzeger Thal hinabliessen. Mit einem bläulichen Duft um- zogen lag die Hatzeger Alpenkette vor uns, aus welcher der 7860 W. Fuss hohe Retyezat, die neben ihm liegenden Bergkolosse auffallend überragend, majestätisch emporstarrte. Wir passirten die im Hatzeger Thale gelegenen, und durch seine römischen Antiquitäten berühmten Ortschaften Farkadin, Demsus , Pesteny und Varhely oder Gredistiye. Der mit Alluvialgerölle bedeckte Boden bot nichts geognostisch Merkwürdiges dar, weshalb wir unsere Aufmerksamkeit den erwähnten Ueberresten vergangener Grösse und Herrlichkeit zuwandten. Ueber die zahlreichen, namentlich bei Varhely aufgefundenen römischen Denkmäler hat Herr Major Dr. Neisegaur eine sorgfältige Zusammen- stellung in seinem erst vor kurzem erschienenen Werke: Dacien (1851 bei Görr in Kronstadt) gegeben. Als neue Acquisitionen, welche ich auf meiner Reise zu sehen Gelegenheit hatte, verdienen noch nachge- ‚ tragen zu werden, die Inschrift eines grossen Marmorblockes: 9* in A: D M O IANVARIO ZOSIMO VIX ANN XXXV ET IANVARIAE CANDIDAE VIX ANN XXX O0 IANVARIA GAHIAN SCELVS FIL : PIISS : POSVIT AD FVNVS AVTIM ZOSIML ET TITVLO CON- TVLERVNT COLLEG : FABR : X-CCCC (0) L A dann ein Mosaikfussboden, welcher einige Fuss unter dem Gartenlande eines wallachischen Gehöftes beim Umgraben zum Vorschein gekommen ist. Das entblösste Stück zeigt wahrscheinlich die Randverzierung eines Gemäldes, und ist aus weissen und blauen Steinchen zusammengesetzt. Ich nahm eine Skizze davon. Am Wege zum Eisernen Thorpasse, durch welchen wir nach Ruszberg zurückkehrten, traten unweit des erstern Sandsteine der Kohlenformation auf; sie liegen auch hier im Glimmerschiefergebiete. Die Mission meines freundlichen Begleiters, Herrn Srrrann, endete mit diesem Ausfluge, weshalb er noch an dem Tage unseres Eintreffens in Ruszberg seine Rückreise über Karansebes antrat. Ich selbst, nachdem meine gemachten Sammlungen signirt und verpackt waren, schlug am 30. Juni Mittags den direkten Weg nach Hermannstadt ein. Im Verfolge meiner Reise nach Hermannstadt passirte ich abermals den Eisernen Thorpass und ‚das schöne Hatzeger Thal, auf welchem Wege ich bei Piski die Hauptstrasse zu erreichen trachtete. Das flache mit Geröll bedeckte Thal der Strehl, in dem man bis dahin entlang fährt, bot auf meiner Tour nichts geognostisch Interessantes. Das Fortkommen war langsam, und, wegen Mangel an Pferden, theilweise nur mit Ochsengespann zu bewerkstelligen. Auch auf dem fernern Wege, der über Szaszvaros im freund- lichen Maros-Thale hinführt, dann aber, nachdem man letzteres verlassen, in einer weiten Niederung über die deutschen Städte Mühlenbach und Reismarkt geht, fand ich nichts Beobachtungswerthes. Zwi- schen Grossbold und Szelystie, näher an Hermannstadt, wo man einen Höhenzug überschreitet, treten feste, krystallinische Schiefergesteine, als Glimmerschiefer und Hornblendschiefer nahe an die Strasse heran. Am 3. Juli traf ich in Hermannstadt ein. Ich suchte dort zunächst die Bekanntschaft derjenigen Herren nach, von welchen ich einerseits in Folge freundlicher Empfehlungen, anderseits im Interesse der Wissenschaft ‚erwarten konnte, dass sie meine Zwecke fördern würden: und ich hatte mich hierin nicht getäuscht, denn ich fand bei Ihnen die wohlwollendste und herzlichste Aufnahme. Es war für mich überraschend hier mach den gewaltigen Ereignissen, die Siebenbürgen ‚so schwer heimgesucht haben, schon wieder ein so reges wissenschaftliches Treiben zu finden, wie es sich in dem jungen, mitten unter den Drangsalen des Krieges im Jahre‘ 1849 gegründeten Vereine für Naturwissenschaften kund gab. Die geehrten Mitglieder desselben waren bemüht mich mit Rath und That freundlichst zu un- terstützen. Leider begünstigte mich das Wetter auf meinen nähern und entferntern Ausflügen von hier sehr wenig, so wie auch dadurch späterhin nicht allein meine Reise, namentlich in unwirthlichen Ge- genden, sehr erschwert und verzögert wurde, sondern auch meine {Beobachtungen und Sammlungen theilweise lückenhaft wurden, und manches der Berücksichtigung werthe unbeachtet bleiben musste. Einmal geschah es sogar, zum Glück in einer Zeit, wo ich in Folge von Erkältung unpässlich war, dass eine unerhörte Ueberschwemmung des bei Hermannstadt vorüberfliessenden Zibins jede Communi- cation. nach aussen fast 8 Tage lang verhinderte. Das naturwissenschaftliche Studium wird in Hermannstadt sowohl vom naturwissenschaftlichen Ver- eine, der seine Verhandlungen in monatlich erscheinenden Berichten veröffentlicht, als auch durch einige werthvolle Sammlungen angeregt und wesentlich unterstützt. Vorzugsweise ist in dieser Hinsicht das Bruckenthalsche Museum zu. erwähnen, 'das ausser schönen siebenbürgischen Schaustufen von Gold, Tellurerzen, und andern Fossilien, auch eine Petrefactensammlung , meistens aus Tertiärversteinerungen bestehend, und eine entomologische Collection besitzt. Der naturwissenschaftliche Verein hat bereits durch einige Vögel den Grund zu einem zoologischen Kabinette gelegt, das er durch Ankauf einer gros- sen ornythologischen Sammlung von dem Herrn Architekt Stevrer zu erweitern gedenkt; ferner hat die Gesellschaft eine Anzahl Petrefacten, eine oryktognostische und geognostische Suite, meistens siebenbür- gische Vorkommnisse, zusammengebracht, und bewahrt das alte Herbarium von Lercuenrero, in dessen Besitz sie erst neuerdings gelangt ist. Das Gymnasium hat ebenfalls erst kürzlich das Herbarium des um Siebenbürgens Flora hochverdienten Professors Baumsarren acquirirt. Eine reichhaltige mineralogische Sammlung, so wie viele Antiquitäten besitzt Herr Pfarrer Ackner in Hammersdorf bei Hermannstadt, und kleinere Sammlungen sind, je nach dem Zweige der Wissenschaft, welchen der Inhaber speciell eultivirt, Eigenthum der Mitglieder des Vereines. Ueber die Umgebung und Lage Hermannstadts, inmitten üppiger Wiesen und fruchtbarer Felder einer Hochebene, die nördlich in der Nähe von freundlichen Hügeln umgürtet wird, und gegen S.O. in meilenweiter Ferne durch die Hochalpen begrenzt erscheint, geben die Verhandlungen des oben genann- ten Vereins eine ebenso genaue, als anschauliche Schilderung, weshalb ich hier nur über die 'von mir unternommenen Excursionen und die damit verbundenen Beobachtungen berichte. Eine botanische Wanderung machte ich zunächst nach den etwa ®/, Stunden entfernten Hammers- dörfer Bergen, wo besonders die mit Wein bepflanzten Gehänge mir reiche Ausbeute darboten. Eine geognostische Excursion nach Porscesed, etwa 4 Stunden südlich von Hermannstadt, in der Nähe der Mündung des Zibins in den Alt, führte mich an den Fuss der Alpenkette. Der Weg geht über Talmacs, wo der Zibin mächtige, aber schwach aufgerichtete Nagelfluhschichten im Fallen, und der Alt fast im Streichen h. 6—8 durchbrochen hat, wobei die Schichtenköpfe als prallige Wände in das Thal des letztern abfallen. Die Geschiebe der Nageliluhe repräsentiren jegliche Gesteinsarten der Alpen. Bei Porcsesd treten Grobkalkmassen auf, die links vom Dorfe .deutlich dem Glimmerschiefer aufgelagert sind; letzteres hat ein steiles Einfallen von 50-55, während die Neigung der erstern bei weitem geringer, ungefähr 30° ist; beider Fallen aber geht nach N., und es zeigt sich hier augenfällig, dass der Glim- merschiefer noch Hebungen nach dem Absatze des Grobkalkes erlitten hat. Die untern Grobkalkschich- ten, namentlich rechts vom Dorfe, sind reich an ‚Nummulitenarten ; auch fand ich Zurritellen und Span- tangen; die obern führen häufig Fischzähne, wovon ich eine ganze Partie aus ‚den Gattungen Pycnodus, Placodus, Carcharodon, Lamna und Ozyrhina zu sammeln Gelegenheit hatte. Eine Partie nach den Salsen bei Reussen, 4 Stunden nördlich von Hermannstadt, wurde durch # er schlechtes Wetter getrübt, weshalb auch hier von genauen Beobachtungen abgestanden werden musste, In einem von sanften Hügelformen begrenzten. Thale, und im. Gebiete tertiärer Thone und Sandmassen liegen die sogenannten Reussener Teiche, um welche. herum, ‚auf einem. Terrain, von ‚etwa. \®/, Stunden Umfang, eine Anzahl: (ich ‚zählte deren 6) kleiner isolirter runder Hügel, ‚mehr oder minder. bemerk- bar. werden. Diese sind, wie die Umgebung, mit Rasen bekleidet, und erscheinen deshalb vor, jener nicht besonders markirt. Der bedeutendste Hügel dürfte eine Höhe von 20 —25 Fuss erreichen , ‚wäh- rend die niedrigsten sich nur. wie schwache Erdaufwürfe darstellen. Auf dem Scheitel derselben traten Quellen hervor, welche. einen aschgrauen thonigen Schlamm mit sich führen. . Gewöhnlich ist die Oefl- nung ‚durch: die darüber befindliche Pflanzendecke verstopft, und ein sichtliches und stärkeres Hervorquel- len des Wassers findet erst statt, wenn man mit. einer Stange hineinstösst. Die Temperatur des Was- sers war kaum verschieden von der der umgebenden Luft; ‚auch zeigte sich dasselbe geruchlos, mit Ausnahme von einem Hügel, wo die die Oeffnung verstopfenden Pflanzentheile augenscheinlich in Fäul- niss übergegangen waren, und dadurch ein fauler Geruch erzeugt wurde; ferner geschmacklos und ‚ohne begleitende Gasblasen. . Salzpflanzen. waren nirgends bemerkbar. Die Hügel sind offenbar das Resultat dieser aufsteigenden Quellen, und bestehen aus denselben thonigen Massen, wie sie das Wasser führt, was an einem der grössern Hügel sehr gut zu sehen war: in Folge einer Verstopfung der Scheitelöff- nung floss hier nun die Quelle seitlich am Fusse aus, ‘und hatte die ganze Vegetation umher mit dem erwähnten Schlamme bedeckt. Um das wahre Verhalten dieser Quellen kennen zu lernen, ist es nöthig sie in verschiedenen Jahreszeiten, und bei verschiedenen Witterungsverhältnissen zu beobachten, da die Erscheinungen bei meinem Besuche, vielleicht durch den vorangegangnen und andauernden Regen al- terirt sein konnten. Uebrigens deutet nichts darauf hin, dass der Ausfluss von Paroxysmen begleitet ist; auch bin ich nicht der Meinung, dass das Aufsteigen des Wassers mit empordringenden Gasarten in Verbindung steht; ich glaube: vielmehr, dass die Quellen als natürliche artesische Brunnen anzusehen sind, wofür besonders die Terrainverhältnisse. sprechen. Bemerkenswerth ist noch, dass der. weissliche Schlamm in. den umliegenden Ortschaften zum Anstreichen der Häuser benutzt wird. Auf Veranlassung einiger Herren Bergbeamten aus Ruszberg, welche zwischen Fogaras und Kron- stadt belegene, und den Herren Gebrüdern Horrmann in Ruszberg angehörige Gruben besuchen wollten, entschloss ich mich, ungeachtet mir die Partie von Kronstadt aus später ‚näher gelegen hätte, an der Reise um so lieber Theil zu nehmen, als angenehme Gesellschaft, und mit den lokalen Verhältnissen ver- traute Persönlichkeiten in einem fernen Lande, und unter so wilder Bevölkerung, wie. die wallachischen Gegenden aufzuweisen haben, selbst bei einem anderweitigen kleinen ‚Nachtheile,, nie zu verschmähen sind. Die Gruben, in welchen auf Bergbau silberhaltiger Bleiglanz betrieben wird, befinden sich in ei- ner bewaldeten Gebirgsschlucht, Bareo Dracului (Teufelsgraben) genannt, oberhalb Uj Sinka, südostwärts von der Strasse nach Kronstadt. Das Gebirge, ‚worin. die Erzstöcke in. Begleitung von Quarz und Por- pbyr aufsetzen, besteht aus häufig Granat führendem Glimmerschiefer, ‚und ist als die Fortsetzung eines Höhenzuges zu betrachten, der unmittelbar. nördlich _ von der Alpenkette der Piatra Krajuluj (König- stein) liegt und von dieser nur durch ein ziemlich erweitertes Thal getrennt wird. ' Die Stöcke zeigen bisweilen.ein deutliches Fallen gegen O mit Streichen h.2. Sie gehen oft aus, weshalb der Abbau sehr unregelmässig vor sich geht; indess gewährt der Porphyr ein ziemlich sicheres Anhalten zur Wie- derauffindung der erzführenden Massen. Der Porphyr, welcher 2’ bis 4° Mächtigkeit erreicht, lässt sich seiner Grundmasse nach in einen dunkeln und einen hellen unterscheiden, zwischen denen. angeblich die Erze vorkommen sollen. Bisweilen verschwindet auch: dieser, und die Stöcke streichen allein im Glimmer- schiefer fort. Mit dem Bleiglanz erscheinen’ noch Zinkblende, Schwefel- und Kupferkies und etwas Man- ganschaum. ‘Man rechnet auf den Ctr. Erz! 75 Pfd. Blei, und im Ctr. Blei 15 Loth Silber ; die jährliche Production wird etwa auf 1600 Ctr. Glanz geschätzt. Am Wege von Uj Sinka nach den Gruben bemerkt man einigemal wie der Porphyr den Glimmer- schiefer durchbricht, ohne dass man indess im Stande ist eine genaue Einsicht in die Contactverhältnisse zu erlangen. Das augenblicklich freundliche Wetter mahnte mich sobald als möglich eine Excursion nach der von hier etwa 4 Stunden entfernten Piatra Krajuluj (Königsstein), deren Höhe 7100 W. Fuss angegeben wird, zu unternehmen. Ich bestieg diese Alpe von Zernesd aus, das unmittelbar am Fusse des steil emporstreben- den Gebirgskolosses liegt. Durch Unkunde meiner Führer erreichte ich leider nicht den höchsten Punkt; denn wir kamen wenig über die Krummholzregion hinaus. Wesentlich bestand das Gestein auf unserm Wege aus zerklüftetem Kalk ohne deutliche Schichtung; doch zeigte sich am Fusse, wo wir anfangs in einer lief eingeschnittenen wilden Schlucht, dem Laufe eines über Trümmergestein brausenden Gebirgs- wassers entgegen, mühsam vorwärts drangen, ein Wechsel mit conglomeratischen Massen, deren Bruch- stücke grösstentheils wieder aus Kalk bestanden. Ziemlich hoch oben, in der Nähe einer Stina, wie hier die Sennhütten, in denen vorzüglich Schafkäse bereitet wird, heissen, trat eine Zunge Glimmerschiefer hervor, welchem indess bald wieder der Kalk folgte, und woraus auch der höchste Gebirgsrücken, auf den wir gelangten, gebildet wurde. Versteinerungen konnte ich nirgends auffinden ; es verhalten sich diese Massen in ihren physikalischen Erscheinungen wie der Jurakalk des Banates und. der banater Militairgrenze. Die schöne Flora der Alpenweiden war bereits von den lüsternen Heerden bis auf wenige Spuren vertilgt worden, und nur an den steilen nordwärts gerichteten Lehnen war noch ein etwas’ reicherer Blüthenschmuck zu finden, der mich zum Sammeln einlud. Ich erwähne hier nur 2 kürzlich entdeckte Pflanzen, denen ich auf, meiner Tour zum erstenmale begegnete: nämlich unten an .den Felsen im Thale Hepatica angulosa DC., und oben auf dem Kamme Rhododendron myrtifolium Korscn. u. Scuort, letz- teres noch an einigen Stellen mit sattrosenrothen Blüthen. prangend. Von Hermannstadt aus besuchte ich nach meiner Rückkehr die Umgebung von Michelsberg,, deren auch Herr Pfarrer Ackner in seiner Schilderung des Götzenberges (Vereinsschrift 1850. S. 66) gedenkt. Mich hatten die daselbst auftretenden kohlenführenden Gesteine hingezogen, und ich theile hier in Kürze meine: darüber gemachten Beobachtungen mit. An dem Bache aufwärts, der durch Michelsberg fliesst, trifft man zunächst ein breceienartiges Conglomerat, das ausser zahlreichen Kalkstücken eine Menge Fragmente von Gneiss, Glimmerschiefer, Granit, Hornstein und Quarz umschliesst. An dem Kalke ist häufig eine poröse Structur wahrzunehmen, worin die hiesigen Geognosten Knochenreste erkennen wol- len, was indess noch der Bestätigung bedarf. Aus diesem Conglomerat besteht hier die überhängende Felsmasse, welche unter 'dem Namen der hangende Stein bekannt ist. Ferner begegnet man einem fetten, blauen, glimmerigen Thon, dann einem grauen glimmerigen Sandstein, auf dem blaue Lettenschichten mit Kohlenspuren liegen. Weiter hinauf, aber im liegenden der erwähnten Ablagerungen, finden sich anfangs helle, lockere Mergel, darunter festere Massen derselben, blaugrau von Farbe und wie es scheint vorwiegend kalkig; dann folgt der Gneiss, der sehr dünnschiefrig ist und viel Glimmer enthält, und das Liegende aller vorhergehenden Straten ausmacht. u u Kohlenstücke, die aus einem dort vorhanden gewesenen Versuche stammen, zeigen grosse Ueber- einstimmung mit Keuper- und Liaskohle: keinesfalls gehören sie tertiären Bildungen an; ob aber viel- leicht die Conglomeratmasse ein Nagelfluhgebilde ist, muss bis auf umfangreichere Untersuchungen da- hingestellt bleiben. Aus den bläulichen Thonen sind mir keine Versteinerungen bekannt geworden, in- dess erwähnt Herr Ackner von hier eine Schicht unter der Bezeichnung „grobe weisse Kreide“, die Fischreste enthalten soll, In den untern festen Mergeln war Herr Ackner so glücklich eine Anzahl Petre- facten, darunter besonders Cephalopoden, zu finden, die Aehnlichkeit mit Arten aus der Jura- und Kreideformation haben. Eine sorgfältige Bestimmung der organischen Reste, wozu leider die Hülfsmittel fehlten, dürfte genügende Aufschlüsse geben. Grauwackengesteine, die Herr Ackner angiebt, fand ich!hier nicht; es scheint dass er einen Theil der untern festen Mergelschichten dafür angesehen hat, welche aber ohne allen Zweifel nicht dahin zu rechnen sind. Etwa 3 Stunden nordwestlich von Hermannstadt, in einer hügeligen, wesentlich von tertiären Sedi- menten eingenommenen Gegend liegt das Salzwerk Viz-Akna oder Salzburg. Das Steinsalz tritt oft ziem- lich nahe an die Oberfläche, indem mergelige und bituminöse thonige Lager vorausgehen, so wie auch diese Gesteine mit dem Steinsalz selbst wechseln. Gyps und Sand sind ebenfalls häufige Begleiter, und na- mentlich bemerkt man erstern als Knollen im Steinsalz selbst abgesondert. In der Grube Ignatzi, die im Jahre 1848 56000 Ctr. Salz producirt hat, wobei man rechnen kann, dass noch 14000 Cir. unreine, oder dem Normalgewichte nicht entsprechende Massen verstürzt wurden, war bei dem Brande eines Strohfeuers die wellenförmige Biegung der Schichten, wie sie beiliegende Zeichnung (Fig. 2.) darstellt, sehr schön zu beobachten. Sie wird besonders durch den Wechsel des klaren Steinsalzes mit den dun- keln Mergelstreifen deutlich hervorgehoben. Das Hauptstreichen des Stockes geht von S. nach N. Tertiäre Conchylienlager sind bei Thalheim und Szakadat, links von der Strasse nach Kronstadt gelegen, bekannt geworden. Bei einem Besuche derselben, zeigten sich in dem Wasserrisse einer Wald- schlucht bläuliche Mergelschiefer mit blaugrauen bituminösen Kalkstraten, in denen eine kleine Ausbeute an dikotylen Pflanzenresten und Fischen gemacht wurde. Das Hangende dieser Gesteine nach Szakadat zu nimmt "ein blauer Tegel, reich an marinen Schneckenschaalen, ein. Den Beschluss meiner Excursionen um Hermannstadt machte ein Ausflug nach dem rothen Thurmpasse, wohin es auf dem schon einmal be- merkten Wege über Talmacs geht. Die Gesteine, welche hier der Altfluss durchbricht, bieten wenig geognostisch Interessantes: es sind vorwaltend Glimmer- und Hornblendschiefer; dagegen hat die Flora bemerkenswerthe Seltenheiten aufzuweisen, als Veronica Bachofeni und Arabis procurrens. Es war anfangs meine Absicht gewesen durch den Rothen Thurmpass nach der Wallachei zu ge- hen, um die siebenbürger Alpen auch von der Südseite kennen zu lernen; allein die grossen Ueber- schwemmungen, welche meine Reise schon bedeutend verzögert hatten, wären Veranlassung, dass ich das Vorhaben aufgab. Ich schlug daher am 11. Aug: die Strasse nach Kronstadt ein, und begab mich zu- nächst nach Fogaras. Von hier aus besuchte ich die Alpen von Fogaras. Die Besteigung derselben ge- schah von dem am Fusse' gelegenen Dorfe Braza aus. Anderthalb Tage mussie ich hier in einer elenden wallachischen Hütte rasten, um die Entladung heftiger Wolkenbrüche abzuwarten. Die Gebirgsmassen, welche den von mir passirten Theil der Alpen über den Brazafelsen und Commanda Skerischoare nach der Stina Zirna, letztere schon ziemlich weit in die Wallachei hinein gelegen, zusammensetzen, ist ein höchst einförmiger Glimmerschiefer , hin und wieder reich an Granaten. Ich wandte daher meine Aufmerksam- keit mehr der Flora zu, und machte namentlich in dem malerischen Zirna-Thale, auf der Grenze der = = Be Tannen- und Krummholzregion befindlich, gute Ausbeute. Die Glimmerschiefermassen bilden hier un- gemein zerklüftete Felspartieen, die von zahlreichen, hoch herabstürzenden Giessbächen durchfurcht, und deren Ränder mit einer üppigen Alpenvegetation geziert sind. Abies excelsa und Pinus Pumilio bildeten den Baumwuchs der Gehänge, und die vorherrschenden Pflanzen der Wiesenlehnen waren, neben zahl- reichen @ramineen, Rhododendron myrtifolium und Bruckenthalia spieulifolia. Saxifragen, Swertia punc- tata, Centaurea atropurpurea, Scabiosa longifolia und viele andere seltene Arten wucherten um die feuchten Gesteine der Wasserfälle. An den sanftern pflanzenreichen Abhängen, welche die zackigen Felsenhörner umsäumten, aber hoch über meinem Haupte, weideten langsamen Schrittes Herden von Gemsen, deren eine mein wallachischer Führer erlegte. Bei den wallachischen Hirten der Stina fanden wir freundliche Aufnahme, und wir theilten 2 Nächte mit ihnen ein hartes Lager um ein erwärmendes Feuer, das diese Leute während des ganzen Sommeraufenthaltes geniessen. Auf unserer Rückkehr nach Fogaras hatten wir wieder Gelegenheit vielfältige Verwüstungen zu sehen, welche durch die kurz vorher gefal- lenen Wolkenbrüche herbeigeführt worden waren. Auf dem Wege nach Kronstadt ist in geognostischer Beziehung Persany bemerkenswerth. Es brechen dort feste Sandsteine, die ein gutes Material zu Gedenk- und Bausteinen abgeben. Man gewinnt in einem darauf eröffneten Steinbruche Platten von 12 Fuss Länge, 9 Fuss Breite und 3—4 Fuss Dicke. Die obern Lager der Gesteine erscheinen oft thonsteinartig, von einer hellgrünlichen Farbe ; die tiefern geben sich als ein wahrer thoniger Sandstein zu erkennen, und sind theils erbsenfarbig mit dunkeln Punkten, theils grünlich grau und gefleckt. Die in regelmässige Bänke abgesonderten Massen sind bis 36 Fuss aufgeschlossen, und zeigen ein Streichen h. 5—6 mit 7—8° N. Fallen. Versteinerungen sind nach Aussagen der Arbeiter nie darin beobachtet worden. Den physikalischen Eigenschaften nach haben sie weit mehr Aehnlichkeit mit Gesteine der Kreideformation als mit denen tertiärer Bildungen, gehören indess doch wohl letztern an. Ich traf am 20. Aug. in Kronstadt ein. Die Stadt liegt malerisch am Ausgange eines von hohen Kalkbergen begrenzten Thales: nordwärts öffnet sich eine weite fruchtbare Ebene. Der Kalk, der den Zug, in welchem der Kapellenberg liegt, bildet, erscheint dicht, fast ohne Schichtung und führt Polypa- rien; wahrscheinlich gehört er zur Liasformation. Auf ihm liegt ein Conglomerat, das zunächst mit je- nem grenzend, vorzugsweise aus Kalkfragmenten zusammengesetzt ist, nach der obern Vorstadt zu aber auch verschiedene Gesteinsbruchstücke, als Glimmerschiefer, Quarz u. dgl. einschliesst, die durch ein sehr sandiges Bindemittel verkittet sind. Wenn die parallelen Absätze, die man am Kalke häufig bemerkt, als wahre. Schichtung anzusehen sind, so ist ihr Streichen h. 2—3, und das sehr steile Einfallen von 80 bis 85° gegen W. gerichtet... Die Conglomeratbänke aber wiesen deutlich h. 9 bis I1 mit 250 5, Fallen. Es war nicht zu verkennen, dass auch der Kalk da, wo ich letztere Beobachtungen anstellte, be- reits eine Wendung machte. Bald in den ersten Tagen meines Aufenthaltes fand ich Gelegenheit mich einer grössern Gesellschaft anzuschliessen, die den Butschetsch besteigen wollte. Wir begaben uns zu diesem Zwecke zunächst nach Törtzburg, am Passe gleiches Namens. Auch hier treten Kalkmassen auf, ähnlich denen bei Kron- stadt; sie formiren die Gehänge gegenüber dem Törtzburger ‘Schlosse und z. T. auch den Schlossberg selbst. Am Fusse desselben, und wie es schien unter dem Kalke, zeigen sich indess Conglomeratbänke aus Glimmerschiefer-, Quarz- und Kalkbruchstücken gebildet mit glimmerreichen grauen Sandsteinschichten in Verbindung. Die Schichtung ist deutlich 15 —20 ® gegen S. mit einem Streichen h. 9—6. Am Abh, d. Nat. Ges, zu Halle. Ir Band, 4s Quartal, 10 un DE 23. Aug. früh 6%, Uhr brachen wir von hier nach dem Butschetsch auf, dessen höchster Punkt zu 7956 W. Fuss berechnet ist. Der Weg führte zunächst am Bureziscora-Bache über Kalk, dann einen langen Rücken hinauf im Gebiete conglomeratischer Sandsteine, die mit denen bei Törtzburg überein- stimmten. Wir erreichten unter fortwährendem Ansteigen das Glimmerschieferterrain. Die Schichten dieses Gesteins waren sehr deutlich mit SO. Fallen dem Butschetsch zugekehrt, und darauf lagen imposante Kalkmassen mit prall abfallenden Wänden. An dem östreichischen Cordonsposten Guczan vorüber, wo wir bereits die Tannenregion erreicht hatten, gelangten wir auf schmalen Saumpfaden neben gähnenden Tiefen zum wallachischen Grenzposten Strunga, und hier wieder auf das Gebiet des Kalkes und zugleich in die Krummholzregion. Um uns dröhnte der Donner eines gewaltigen Gewitters, und der Regen strömte mit solcher Heftig- keit, dass wir Gefahr liefen in die Abgründe hinabgewaschen zu werden. Hinter Strunga senkte sich der Weg, welcher durch den Regen äusserst beschwerlich geworden war, wieder zur Tannenregion hinab; wir verfolgten ihn um ein wallachisches Kloster zu erreichen, in dessen gastlichen Räumen wir ein Nachtquartier zu finden hofften. Es erschienen nun mächtige Gonglomeratschichten, die theils in Wasser- rissen zum Vorschein kamen, theils als entblösste, oder doch nur von einem dürftigen Graswuchs beklei- dete Platten mit bedeutender Neigung das Fundament unseres Weges bildeten. Sie waren vorwaltend aus weissen Marmorbruchstücken, die ein schwärzlich sandiges Cement verband, zusammengesetzt, und die vom Wasser abgeschliffnen Flächen gewährten das Ansehen künstlicher Asphaltplatten. Gegen 6 Uhr Abends befanden wir uns wieder in der Tannenregion, und betraten einen romantischen Felsenkessel, in dessen Tiefe, und zwar am Eingange einer Höhle, sich das prunklose mit einem Thürmchen versehene Holzgebäude des Klosters Skit la Jalemicza zeigte. Das Thal schien hier gänzlich geschlossen, obschon wir beständig am felsigen Ufer eines Baches entlang gingen; bei unserer Ankunft am Kloster bemerkten wir jedoch, dass letzterer hier durch eine enge, aber riesenhafte Felsenspalte brach, deren senkrechte Wände wohl über 100 Klafter Höhe haben konnten. Durch das oben erwähnte Gebäude, welches die Höhle wie ein Thor versperrte, und als Vorrathskammer häuslicher Bedürfnisse jeglicher Art diente, ge- langten wir in die Höhle selbst, die in der Mitte eine kleine Kirche von Holz, und an den Seitenwänden zellenartige, armselige Behältnisse für die Mönche umfasste. Die Felsen des Thales bestehen aus einem dichten Kalkstein, ohne Zweifel dem Lias angehörig; in ihm liegt auch die Höhle, durch welche eine schöne klare Quelle rinnt; wir verfolgten diese bei Fackelschein bis zu ihrem Ursprunge, der etwa 400 Fuss vom Eingange liegt und zugleich der tiefste erreichbare Punkt ist. Auf meine Anfrage, ob man darin Knochen gefunden habe, versicherten die Mönche, dass man vor vielen Jahren solche von Bären ausgegraben und sie bei Seite geworfen habe. Da die Höhle offenbar durch Kunst erweitert worden ist, und jetzt sehr viel Schutt den Boden bedeckt, so war eine weitere Nachforschung für mich un- ausführbar. Am andern Morgen früh 6 Uhr setzten {wir unsere Reise nach der Spitze des Butschetsch fort. Etwa in der neunten Stunde hatten wir die Alpenregion erstiegen, von wo wir eine ziemlich sanft an- steigende hügelige Hochfläche verfolgten, aus deren Rasendecke bisweilen pittoreske Felsengestalten em- porragten. So kamen wir an Steinen vorüber, die die Einbildungskraft zu alten Frauen macht, und daher auch vom Volke mit dem Ausdruck Babele belegt werden. Die mehr oderjminder!geneigten Flächen, welche wir nun passirten, entsprachen den sie bildenden Gesteinsschichten, Sandsteinmassen mit Conglomeraten, letztere vorwaltend aus Fragmenten von Kalk, dann aber auch Granit-, Glimmerschiefer-, Quarz- und an- u ME: dern Gesteinstrümmern zusammengesetzt. Der Sandstein war theils schiefrig, und viel Glimmer ent- haltend, theils körnig, und mehr Quarz und kleine Geschiebe führend ; von Farbe grau oder bräunlich, und brach bald in dünnen Platten, bald in dicken Bänken, deren Hauptfallen offenbar nach S. gerichtet war. In der Mittagsstunde lagerten wir dicht unter der Spitze des Butschetsch; sie erscheint im Grossen wie aufgesetzt auf die schiefe Fläche. Rings umher sieht man zerklüftete Kalkmassen, ein wahres Trümmergestein, an denen Wind und Wetter beständig arbeitet: Die wild durch einander geworfenen Felsenmassen erschweren die richtige Einsicht in die eigentlichen Lagerungsverhältnisse ausserordentlich. An dem höchsten Punkte des Berges Omul zeigten sich wieder Sandsteine. Ungeachtet wir auch an diesem Tage, und namentlich am Gipfel von heftigen Gewittern verfolgt wurden, so liess mich doch die reizende Alpenflora alle Leiden vergessen, und ich sammelte, was mir nur irgend erreichbar war. In Folge der unfreundlichen Witterung etwas erschöpft, traten wir um 1 Uhr den Rückzug auf einem nähern, aber auch viel beschwerlichern Wege an, der vorherrschend im Gebiete des 'Kalkes verlief. Ich war genöthigt meine Aufmerksamkeit den halsbrechenden Pfaden zu widmen, und unbekümmert um Blumen und Steine der vorwärts eilenden Gesellschaft zu folgen. In der Tten Stunde hatten. wir wieder den Cordonsposten Guczän erreicht, und um 10 Uhr trafen wir unter den krachenden Schlägen eines furchibaren Gewitters und bis auf die Haut durchnässt in Törtzburg ein. Das unfreundliche Wetter wich nicht während meines Aufenthaltes in Kronstadt; hin und wieder wohl ein sonnenheller Tag, der augenblicklich benutzt wurde, aber niemals konnte man auf eine längere Dauer rechnen, um entferntere Excursionen zu unternehmen. Ich besuchte noch Holbak, 3 Stunden nordwestlich von Kronstadt und in dem Gebirgszuge gelegen, der sich zwischen Uj Sinka und der Piatra Krajuluj be- findet. Man hat hier ehemals auf Kohlen gebaut, die in Verbindung mit Mergeln, Sandsteinen und Con- glomeraten erscheinen und nicht tertiär, sondern Keuper- oder Liaskohlen sind. Der ganze Schichten- complex ruht auf Glimmerschiefer. Auf dem Wege nach Wolkendorf stehen auch Flötze eines theilweise bituminösen, rauchgrauen Kalkes an. In einem Geschiebe desselben am Wege fand ich einen Ammoni- ten, der vielleicht nähern Aufschluss über die Formation geben dürfte. Etwa 24, Stunden östlich von Kronstadt liegt Zaizon mit mehreren Mineralbrunnen, die zu Trink- und Badecuren verwendet werden. Ich begab mich dahin, um den in der Nähe gelegenen 6217 W. F. hohen Eschukasch zu besteigen; allein die Partie musste der ungünstigen Witterung wegen unterbleiben, und es war nur möglich einige Beobachtungen im Thale von Zaizon zu machen. Die Mineralwässer, welche in 4 Brunnen, darunter 3 verwendbaren, aufgefangen werden, und vorwaltend kohlensaure Salze nebst freier Kohlensäure enthalten, treten aus einem Conglomerate mit thonigen Lagen zu Tage; nach unten werden die Massen sandsteinartig, Diese Bildungen scheinen im Liegenden eines Kalkes aufzu- weten, der weiter im Thale aufwärts das rechte Gehänge bildet und zahlreiche Polyparien einschliesst. Man hat auf diesem Kalk, der wenig deutlich geschichtet ist, Steinbrüche eröffnet; in einem solchen be- merkte ich, dass fussstarke weiss und braunroth gefärbte thonige Schichten mit ziemlich starker Neigung gegen W., dem Kalke conform, unter denselben einschossen. Die thonigen Ablagerungen: verhielten sich ganz wie Keuperthon, und ich zweifle kaum, dass auch die Conglomeratbildung mit den Sandsteinen hier- her gehört, so wie der Kalk als Lias zu betrachten sein dürfte. Am 4ten September schlug ich den Weg nach dem nördlichen Siebenbürgen ein, um durch Ha- romszek und die Csik, von den Szecklern bewohnte Länder, Bistritz zu erreichen. Ich theile im Nach- folgenden die Ortschaften mit, welche ich berührte, so wie’ das Wesentliche meiner auf dieser Tour 10* Pe gemachten geognostischen Beobachtungen. Bis nach Brenndorf führte die Strasse in einer weiten bis zum Altflusse sich erstreckenden Ebene. Am jenseitigen Ufer aber, das tertiäre und Nagelfluh-Höhen- züge begrenzen, durchschnitt ich dieselben dem Thale folgend, das sich von Arapatak nach Elöpatak, einem ziemlich besuchten Badeorte, zieht. Von Elöpatak nach Borszeg und darüber hinaus, auf einer Strecke von mehreren 20 Meilen, ist ein so ausserordentlicher Reichthum an Mineralquellen, namentlich Säuerlingen, vorhanden, dass die meisten der auf dem Wege dahin gelegenen Dörfer eine oder mehrere derselben aufzuweisen haben. Vor Elöpatak erscheinen conglomeratische Sandsteinmassen, welche zu beiden Seiten die Thalgehänge bilden, h. 8—9 streichen und 20°—25° in SW. einfallen. Auf dem Wege nach Sz. György trifft man vorwaltend graue Sandsteine, welche leicht verwittern und einen feinen Sand geben; sie ziehen sich über Malnas bis in die Nähe von Buxad, welches letztere schon im Ge- biete des Trachytes befindlich ist. Die Conglomerat- und Sandsteinbildung muss dem sogenannten Kar- pathensandstein zugezählt werden. Von besonderem geognostischen Interesse sind hier der Trachytberg Büdös, und der einen eingestürzten Krater erfüllende St. Annensee. Am Büdös, dessen Höhe auf 3483 W. Fuss ‚berechnet ist, weisen starke Schwefelwasserstoffexhalationen, die theils in Gasform aus einer Grotte der Südseite des Berges hervorströmen, theils im Wasser gesättigt durch Quellen zu Tage treten, auf noch vorhandene Vulkanität hin. In jener Grotte und den ihr benachbarten Punkten findet sich häufig an den Trachytwänden ein Ueberzug von sublimirtem Schwefel. In tiefer Waldeinsamkeit, die nur auf mühseligen Wegen erreichbar und durch eine Anhöhe vom Fusse des Büdös getrennt ist, sprudeln geräuschvoll die stark schwefelwasserstoffhaltigen Quellen hervor, welche 5'/, Uhr Abends, bei 12° R. Lufttemperatur, 17%/,° R. zeigten. Unmittelbar unter dem Büdös befindet sich noch eine erfrischende Sauerquelle mit ziemlich bedeutendem Koblensäuregehalt, und etwa 200 Schritt davon entfernt eine Salz- quelle, deren Wasser einen widerlich weichen Geschmack besitzt. Erstere zeigte Abends 6 Uhr 8° R. und letztere 10° R. Die Heilquellen haben bei dem Volke einen guten Ruf, und werden häufig von Leidenden benutzt; nichts destoweniger muss man sagen, ist hier das Badeleben noch in seinem Ur- zustande zu finden, denn die Kranken sind genöthigt in einer selbst errichteten Erd- oder Laubhütte, wie ich deren noch einige antraf, Obdach zu suchen. Um zum St. Annensee zu gelangen, der 2888 W. Fuss über dem Meere gelegen ist, muss man auf ziemlich unwegsamen Pfaden einen steilen bewal- deten Berg erklimmen, von dessen Höhe das Auge durch das Laubgitter tief unten den grünlichen Wasser- spiegel erblickt; dann steigt man wieder einige hundert Fuss hinab, und befindet sich unmittelbar am Ufer des kreisrunden, etwa eine gute Viertelstunde im Umfange haltenden Sees. Sein Rand ist von weissen Trachytbröckchen umsäumt, die das Wasser ausgespült hat; nur hin und wieder zeigen sich auch grössere Blöcke dieses Gesteins, die von den hohen, ihn rings umschliessenden Berggehängen herab- gerollt sind. So gross sich auch hier die Natur ihrem Forscher offenbart, es ist nichts gegen den Zauber, welchen diese feenhafte Gegend auf das Gemüth ausübt. Der fernere Weg führte mich beständig in dem schönen Altthale entlang, anfangs durch hohe Trachytberge beengt, dann hinter Tusnad bedeutend erweitert, und mit zahlreichen freundlichen Ort- schaften bedeckt. Ich kam über Csik Szereda nach Sz. Domokos, am östlichen Fusse der Wasserscheide zwischen dem Alt und der Maros gelegen. 2 Stunden von hier, dem Ursprunge des Alts nach, und in einem Thale des Glimmerschiefers liegt der Bergort Balan, wo ein ziemlich bedeutender gewerkschaft- licher Kupferbergbau umgeht. Kupferkies, Buntkupfererz und etwas Eisenkies erfüllen ein lagerarlig auf- setzendes, dem Thonschiefer ähnliches Gestein, das da, wo die Erze verschwinden, in Glimmerschiefer m ME übergeht, und sehr quarzreich ist. Das Erz liefert ungefähr 4%, Kupfer und ausserdem wird noch viel Cementkupfer dargestellt. Bei Sz. Domokos tritt ein oft deutlich in dünne Bänke geschichteter dichter weisser Kalk auf, dem man vorzüglich auf dem Wege begegnet, der über die erwähnte Wasserscheide führt. Vor Vaslab hat er ein Streichen h. 11—12 mit’10° Ostfallen. Ueber die Formation, der er zugehören dürfte, bin ich zweifelhaft, indess glaube ich kaum, dass er dem Glimmerschiefer untergeordnet ist. Auch bei Szarhegy und Ditro fand ich ihn anstehend. Mein nächstes Reiseziel war Borszeg mit den berühmtesten Sauerquellen, vielleicht nicht bloss Siebenbürgens, sondern auch Europas. Die Gegend bietet in jeder Beziehung für den Naturforscher eine ausserordentlich reiche Fundgrube dar, welche mir aber auszubeuten leider nicht vergönnt war. Im Thale beständig Regen bei 3°, höchstens 6° R. Temperatur, und auf den Höhen Schneegestöber machten sorgfältige Beobachtungen unausführbar, und verleideten das Sammeln. Der Ornithologe würde auf der von mir zurückgelegten Tour gewiss vortreffliche Ausbeute machen; denn es wimmelt von Raubvögeln, namentlich Adlern und Falken; der Botaniker begegnet in der nähern und weitern Um- gebung Borszegs vielen seltenen Pflanzenarten, ich erwähne nur Ligularia sibirica, Swertia perennis und Betula intermedia; und der Geognost findet eben so lehrreiche als verwickelte Verhältnisse. Um nach Borszeg zu gelangen muss man einen hohen Gebirgszug überschreiten, dessen höchste Kuppen dunkle Porphyrgesteine einnehmen; sie durchbrechen hier den Glimmerschiefer, dem in der Richtung auf Ditro Granit folgt. Nach Borszeg hinab aber wiederholen sich die Porphyrdurchbrüche; auch erscheinen hier thonige Lager, welche das Ausbeissen schwarzkohlenführender Schichten offen- baren, die seitwärts im Walde mächtiger entwickelt sind. Die Kohle ist von vorzüglicher Güte, allein die dichten meilenweiten Waldungen ringsum machen deren Gewinnung entbehrlich. Um das Dorf Borszeg ersetzt theilweise ein Talkschiefer den Glimmerschiefer, auf welchem nach dem Bade zu, und bei diesem selbst Kalkmassen abgelagert sind, die bald tuffartig, bald ausserordentlich homogen erschei- nen. Es treten in diesem Gebiete offenbar sehr verschiedenalterige Kalke in grösster Nähe auf, worüber ich mich indess hier nur kurz dahin äussern kann, dass die Tuffmassen theilweise als jüngere Präcipitate aus kohlensäurehaltigen Wässern anzusehen sind; ein isabellfarbiger dichter Kalk in der Nähe des Bades der Liasformation angehören, und ein blauer ebenfalls dichter Kalkstein weiter hinauf im Glimmerschiefer, letzterem untergeordnet sein dürfte. Borszeg besitzt mehrere Quellen, welche alle stark kohlensäurehaltig sind und theils zum Baden, theils zum Trinken verwendet werden. Das Wasser des Trinkbrunnens ist vollkommen klar, und bis auf .den stark prickelnden und stechenden Geschmack der Kohlensäure, ohne den mindesten Beigeschmack. Die Hauptquellen zeigten Mittags bei 6° Lufttemperatur 7° bis TOR: Auf einer mehrtägigen Excursion durch wilde Thäler, Schluchten und über hohe Gebirgskämme, immer an der Grenze Siebenbürgens und der Moldau entlang, wo allein die einsamen Cordonposten der Grenzsoldaten dem Wanderer einen Zufluchtsort gewähren, fand ich vorwaltend den Glimmerschiefer mit vereinzelten Kalklagen. Nur bei Dragojaska beobachtete ich auch Trachytdurchbrüche, und in deren Nähe thonige Sandsteine, so wie um den Posten Guragludului grosse Blöcke eines grauwackenähnlichen Karpathensandsteins, dessen Anstehendes ich nicht aufzufinden vermochte, Um von Borszeg aus Bistritz zu erreichen, musste ich wieder über Ditro bis nach Györgyo Sz. Miclos zurück. Von hier aus führte der Weg in einer weiten Thalebene nach Alfalu, dahinter aber quer über einen hohen bewaldeten Trachytzug, derselbe, welcher am Büdös beginnend, und in nordwestlicher in j u ’ nr Richtung fortsetzend, ein nahe an 30 Meilen langes, grösstentheils unbewohntes Terrain einnimmt. Ich überschritt diesen Gebirgszug ungefähr in seiner Mitte, da wo Kis Küküllö (die kleine Kockel) entspringt. Während 12 Stunden, die ich zu Wagen auf diesem allerdings mit kolossalen Trachytblöcken bedeckten Wege zubrachte, traf ich bis nach Sofalva, an der Strasse von Parrajd nach Udvarhely befindlich, weiter keine menschlichen Wohnungen an, als ein paar erbärmliche Wirthshäuser. An den südwestlichen steilen Gehängen bei Sofalva und Parrajd wird der Trachyt conglomeratisch, und in seinem Gebiete liegen mehrere tertiäre Steinsalzstöcke, von welchen der bei Parrajd der bedeutendste ist. Die Salzmassen treten sowohl hier, als auch nördlich bei Szovata unmittelbar zu Tage, und werden im Hangenden von Mergel und Thon begleitet. Das Salz erscheint meistens in krystallinischen Aggregaten, seltner in Würfeln oder als Fasersalz. Man producirt jährlich an 100000 Citr., die in einer Grube von 43 Klf. Teufe gewonnen werden. Organische Reste sind in den begleitenden Schichten nie beobachtet worden. Von Parrajd verfolgte ich über Remete und Olah Nadas einen kaum fahrbaren Weg nach Szas- regen, von wo eine gute Strasse nach Bistritz geht. Bis in die Nähe von Remete zeigten sieh in den bewaldeten Thalschluchten, welche ich passirte, noch immer Trachytblöcke und Gerölle. dieses Gesteins, so. dass die begrenzenden Gehänge zum Theil daraus gebildet sein dürften; dann aber erschienen ter- tiäre Ablagerungen, vorzüglich plastischer Thon und Sand, die in den seitwärts- am Wege befindlichen tiefen Wasserrissen der Bäche nicht selten entblösst waren.. Auf der Tour über Teckendorf nach Bistritz traten an ein paar Punkten auch grünliche und weisse thonige Sandsteine auf, welche in der Gegend von Bistritz einen ziemlich weiten Verbreitungsbezirk haben. Die Höhen in der nähern Umgebung der Stadt werden aus diluvialen Lehm- und Sandmassen gebildet, denen jedoch in grösserer Tiefe ter- tiäre Straten untergelagert sind. Bei dem 2 Stunden nordöstlich gelegenen Kl. Bistritz tritt auch Sienit- porphyr zu Tage, wie ich auf einer Bärenjagd, wo wir die dortigen schwer zugänglichen Bergwaldungen durchstrichen, zu beobachten Gelegenheit hatte. Obschon bereits der 24. September herangekommen war, wurde doch in mir noch der Wunsch rege die Alpe Kühhorn bei Rodna, auf der Grenze Siebenbürgens mit der Bukovina, zu besuchen, um so mehr, als nach so vielen vorangegangenen unfreundlichen Wochen, heitere Tage einzutreten ver- sprachen. In Begleitung einiger Herrn Professoren des Gymnasiums in Bistritz wurde die Partie auch in Ausführung gebracht. Der Weg dahin über Nassod und Rodna ist durch einen mannigfaltigen Wech- sel der Gesteine ausgezeichnet: anfangs bis hinter Csepan tertiäre Sandsteine, dann in der Nähe von Nassod und im ganzen. Samosthale bis an Rodna vorwaltend Karpathensandstein, dessen Streichen und Fallen sehr constant, ersteres h. 6—7, letzteres mit 10° gegen $. gerichtet ist, und der in diesem Gebiete ein Aequivalent der Keuper- oder Liashildung sein dürfte; hinund wieder ist er von Porphyrmassen- durchbrochen , eine Erscheinung, die'sich auch in dem darauf folgenden Terrain des Glimmerschiefers, in dem das Kühhorn mit einer Höhe von 7150 W. Fuss liegt, wiederholt. Die Alpenvegetation war be- reits durch einige Tage vorher gefallenen, und nun durch die milde Temperatur iheilweise wieder ge- schmolzenen Schnee bis auf wenige Spuren vernichtet: meine Ausbeute beschränkte sich in Folge dessen auf einige kümmerliche Exemplare des Senecio monocephalus Scuur. und wenige Arten von Sazi- fraga. Ich hatte das Missgeschick bei dem Ritt nach der Hochalpe einen heftigen Sturz mit dem Pferde zu machen; zum Glück kam ich mit einer starken Contusion am Hinterkopfe davon, die indess doch hinreichte, mich. auf einige Zeit für aufmerksame Beobachtungen unfähig zu machen, Deshalb musste u, aan auch eine Besichtigung der Bergwerke bei Rodna unterbleiben, die nach den mir gewordenen Mittheilungen auf Bleiglanz bauen, welcher in der Nähe des Porphyrs zwischen Kalk und Glimmerschiefer in Stöcken vorkommt, Die Mächtigkeit der Stöcke erreicht oft 8Klit.; nicht selten finden sich darin Bleimugeln in Thon gebettet. Das Maass meiner Leiden war noch nicht voll. Denn als ich, in der Fortsetzung meiner Reise nach den nordwestlichsten Erzbergbaudistricten Siebenbürgens Lapos Banya, Kapnik Banya u. s. w. be- griffen, eben Somkerek an der Strasse nach Dees verlassen hatte, stürzte ich durch die tolle Fahrt eines Zigeuners, welcher mir beweisen wollte, dass er mit zwei Pferden ebenso schnell wie mit vieren fähren könne, die ich bezahlen musste, vom Wagen, und verstauchte mir den rechten Arm so erheblich , dass dieser, abgesehen von empfindlichen Schmerzen, für mehrere Tage völlig unbrauchbar war. An Sammeln von Belegstufen der passirten Gegenden konnte ich gar nicht denken, und nur mit Mühe war ich im Stande die nothdürftigsten Notizen anzumerken. Ich fügte mich indess, zufrieden, dass die kleinen Un- fälle noch so erträglich abgelaufen waren, in mein Schicksal, zumal man bei einer derartigen längeren Reise wohl immer auf solche Intermezzos gefasst sein muss. Die vorgerückte Jahreszeit und die weite Tour, welche ich noch zurücklegen musste, ehe ich an die eigentliche Heimreise denken konnte, mahnten dringend meine Route zu beschleunigen. Um so fühl- barer wurde mir grade jetzt die Indolenz der wallachischen Bevölkerung, deren Dienste ich fortwährend in Anspruch nehmen musste. Wenn ich noch so sorgfältig und rechtzeitig meine Dispositionen zur Ab- reise getroffen hatte, ich konnte darauf rechnen, dass zuletzt meine Bemühungen vergeblich waren: einer der zeitraubendsten und immer wiederkehrenden Vorfälle war namentlich der, dass wenn ich auf früh 6 oder 7 Uhr die Pferde bestellt hatte, sicher dieselben erst um 10 oder 11 Uhr von der Weide ein- getrieben, und dann noch vom Zigeuner, (der in Siebenbürgen ausschliesslich die Schmiedegeschäfte ver- sieht,) beschlagen wurden. Die Zeit, welche ich mit ungeduldigem Warten zugebracht hatte, war natür- lich für mich verloren; noch grösser wurde nun aber der Uebelstand dadurch, dass wir, bei den kurzen Tagen, bis tief in die Nacht hineinreiten oder fahren mussten, um nur wenigstens vom Fleck zu kom- men und ein Obdach zu erreichen, wobei dann meine Beobachtungen gänzlich unterbrochen wurden, und die geognostischen Verhältnisse dieses Theiles des zurückgelegten Weges mir völlig unbekannt blieben, Aus den bisher angeführten Gründen war es mir daher in den Gegenden, welche ich noch zu passiren hatte, besonders in den reichen Erzbergbaudistrieten Siebenbürgens, auch nur möglich, Einsicht in die wichtigsten Verhältnisse derselben zu nehmen, worüber ich im Nachfolgenden noch berichten will. Ich gelangte auf dem oben erwähnten Wege über Dees, und dann von hier aus nordwärts über Hollomezö, Magyar Lapos und Olah Lapos nach Sztrimbuj, welches im Gebiete eines eigenthümlichen Sandsteins, der für Karpathensandstein ausgegeben wird, und nahe dem südöstlichen Saume eines Grün- steinporphyrzuges gelegen ist. Der westlichen Erstreckung dieses Porphyrs folgt eine Reihe von Berg- orten, theils auf siebenbürgischem, theils schon auf ungarischem Gebiete. Die von mir besuchten sind: in der Nähe von Sztrimbuj Lapos Banya oder Bajuz, westlich davon Kapnik Banya, Felsö Banya und Nagy Banya, welche sämmtlich auf gold- und silberhaltigen Erzen, nebst andern für die Gewinnung geeig- neten Metallen bauen. Die Erze setzen an einzelnen Punkten oft in zahlreichen Gängen des Grünsteinpor- phyrs auf; bei Lapos Banya beobachtete ich indess auch ihr Vorkommen in den sie begleitenden Sandsteinen. Zwischen Sztrimbuj und Lapos Banya sind erwähnenswerth rothe Mer gelschichten mit darüber liegen- den Kalkmassen, die b. 9—11 streichen, und mit L_ 300-409 östlich fallen, deren Verhalten aber zu den vorbemerkten Sandsteinen nicht näher zu ermitteln war. Ersterer Ort ist seiner Hüttenwerke wegen von Bedeutung; der Bergbau wird in dem ®/, Stunden davon entfernten Lapos Banya betrieben, und zwar auf einem Gange, Gabe Gottes, dessen Mächtigkeit 10 bis 12 Klft. beträgt. Streichen h. 7. Der- selbe führt vorwaltend Kupferkies und Schwefelkies. Man rechnet; auf 100 Ctr. Erz 20%, Pochgänge, auf 1 Ctr. Schlieh 1% Quintel güldisches Silber, und auf 1 Mark Silber 28 Dinäre in Gold. An Mühl- gold erhält man aus 1000 Ctr. bis 4 Loth, In Kapnik Banya sind 14 Gänge bekannt, deren Hauptstreichen h. 2—3 liegt. Die Mächtigkeit steigt von 1 Zoll bis 7 Fuss; beim Josephigange indess beträgt sie auch 12 Fuss. Es brechen auf den- selben Schwefelkies, Kupferkies, Bleiglanz, Fahlerz und Zinkblende. Das Fahlerz ist reich an Silber, nämlich 2 bis 3 Loth p. Ctr., weshalb es besonders ausgehalten und für sich verschmolzen wird. Der Schlich enthält 2 Quintel bis 4 Loth güldisches Silber, und auf eine Mark kommen 2 bis 20 Dinäre in, Gold. In 1000 Ctr.. nimmt man !/, bis 6 Loth Mühlgold au. — Felsö Banya ist durch die Zertheilung des sogenannten Grossgrubener Hauptganges in eine Menge Nebenäste, was man sich am besten unter der Gestalt eines: vielästigen Baumes versinnlichen kann, be- sonders bemerkenswerth. Man baut auf 9 Läufen, und zwar sind auf dem 6ten alle Klüfte zusammen, so dass sie von hier abwärts einen gemeinsamen Stamm bilden.. Die Gangausfüllung ist Quarz und Jas- pis, worin Bleiglanz und Kiese, auch Rothgültigerz und einige andere oryktognostisch interessante Fos- silien brechen. Die Mächtigkeit wechselt von 3 Fuss:bis 10 Klft., und: das Streichen ist h. 6, verbunden mit steilem Einfallen, nämlich 68° bis 70°. Die Hauptgewinnung ist auf Silber und Blei; Gold wenig. Man rechnet auf 1 Ctr. Bleischlich 1 Loth Silber, 20.bis 40 Pfd. Blei, und 1'/,; Dinäre Gold in einer Mark Silber; in den Kiesschlichen 2 Quintel Silber, 60 Pfd. Lechgehalt, und 10—20 Dinäre Gold p. Mark. In Nagy Banya, wo eine bedeutende Anzahl Gänge in der nähern und weitern Umgebung aufsetzen, besuchte ich nur die Kreutzberger Grube. Der Hauptgang, dessen Streichen h. 4—5 geht und mehrere Zweige besitzt, erreicht mit diesen 10 Klft. Mächtigkeit. Vorwaltende Erze sind Schwefelkies und Kupfer- kies, doch kommt auch Rothgültigerz und Silberschwärze vor. Die Kiese enthalten auf den Ctr. 1 Loth güldisches Silber, ausnahmsweise und sehr selten hat man auch schon 136 Loth gewonnen; die Mark Silber giebt 100 Dinäre Gold. Auf der Erbstollnsohle, welche 120 Klft. Teufe einbringt, und in einer Erlängung von 500 Klft. vom Mundloche ist eine Dampfmaschine von 24 Pferdekraft zur Wasserbewältigung und Förde- rung aufgestellt. In Folge Abwesenseit des zu Nagy Banya wohnhaften Herrn Bergwerksdirectors, ward mir nicht gestattet eine detaillirte Einsicht in die jährliche Production der aufgeführten Bergorte zu nehmen. Wegen Mangel an Pferden brachte ich auf der sonst wohlgebahnten Strasse von Nagy Banya über Dess nach Klausenburg, einer Strecke von 18 Meilen, 4 Tage zu. Anfangs führt der Weg im Gebiete der grossen Samos, welche namentlich zwischen Kis Nyires und Golgo mächtige Grobkalkablagerungen durchbricht, dann über Dees hinaus im Gebiete der kleinen Samos, beständig von tertiären Gesteinen begleitet, in einem erweiterten, von niederen, meist kulturfähigen Hügelreihen begrenzten Thale. Am l4ten traf ich in Klausenburg ein. Die Höhen, welche sich hier längs den Ufern der Samos hinziehen, und am linken meistens schroff abfallen, sind aus tertiären Gebilden: Sandstein, bunten Thonen und Mergeln vorzugsweise Zzusammengeselzt; am sogenannten Felekvar, einer Vorstadt, erscheinen mit den Mergeln Conchylienconglomerate, die ein kieseliges Cement besitzen, und wegen ihrer Festigkeit zu Mühl- steinen benutzt werden. Für meine geognostischen Studien boten sich mir in Klausenburg selbst wenig Anknüpfungspunkte dar, dagegen erhielt ich durch eine freundlichst mir gestattete Einsicht in das Gymnasialherbarium, dem das des Herrn Professors Brassar beigeordnet ist, so wie durch die gefälligen Mittheilungen des Herrn Apotheker Worrr, eine gute Uebersicht der dasigen Flora, die manche interessante Schätze aufzuweisen hat, und worüber ich anderswo berichten werde. Ich unternahm eine Excursion nach dem durch sein reiches tertiäres Gonchylienlager bekannten Korod, wo ich jmit Arten von Pecten und Peetunculus auch Cardium Kübeckii sammelte. Dann be- suchte ich den im Laufe des Sommers statigehabten Bergsturz bei Magyarokerek, unweit Banffy Hunyad, worüber ich bereits früher auswärtigen und einheimischen Blättern eine ausführliche Darstellung zur Veröffentlichung übergeben, und welches Ereigniss ich auch zu Pesth und Halle in Vorträgen erörtert habe, weshalb hier eine Wiederholung vermieden wird. Am 24. Oct. setzte ich meine Reise nach Thorda fort, aufıwelchem Wege man gleich hinter Klausen- burg einen hohen Berg überschreiten muss, an dessen seitlichen Gehängen ein jdeutlich geschichteter Sand auf mehreren Punkten dadurch besonders auffällt, dass in ihm die allbekannten und von ältern und neuern naturhistorischen Schriftstellern über Siebenbürgen erwähnten Klausenburger Kugeln zum Vorschein kommen. Es sind offenbar nur kugelförmige Concretionen der Sandmasse selbst, die zwar meist sehr fest sind, woran man aber deutlich noch die ursprünglichen einzelnen Schichten erkennen kann; auch findet man dass die Kugeln beim Zerbrechen parallel diesen Lagen springen. Bisweilen erscheinen nur Massen mit unförmlichen knolligen Oberflächen, welche dann viel Aehnlichkeit mit den tertiären Quarzgesteinen der Braunkohlenbildüng Sachens, bekannt unter dem Namen Knollensteine, haben. Ueber die geognostischen Verhältnisse der berühmten Steinsalzablagerung bei Thorda suchte ich mich nur-über Tage zu informiren, da ein:Besuch der Grube selbst meine Kenntnisse nicht wesentlich bereichert hätte. Am Wege nach den Salzwerken, welche sich jenseits der den Aranyos zur Linken begleitenden Höhen befinden, steht zunächst ein tertiärer Mergel an, der ziemlich fest ist und Spuren von vegetabilischen Resten enthält. Diesem, wie es scheint, im Liegenden folgt Gyps, theils krystallinisch, theils faserig mit Mergel- schnüren durchsetzt, welcher ein von N. nach S. gerichtetes Streichen erkennen lässt. Sämmtliche Mas- sen setzten steil nieder, und das dahinter lagernde Steinsalz soll 85° SW. Fallen haben. Letzteres wird nur von sparsam auftretenden Sand- und Mergeladern durchzogen und bricht daher in sehr reinen Stücken. Von den 3 hier vorhandenen Gruben ist allein die 54 Klft. Teufe haltende Josephi-Grube im Betriebe, in welcher das Salz 13—14 Klafter unter Tage erscheint. Man produeirt jährlich etwa 28000 Cır., wobei die einzelnen gewonnenen Stücke nach Vorschrift 80—110 Pfd. halten müssen ; kleiner ausfallende Massen werden verstürzt, also immer noch der alte Missbrauch, dessen schon Herr v. Born in seinen Briefen über Siebenbürgen gedenkt. Von den Höhen hinab blickt man südöstlich nach einer kahlen Niederung, wo einst die Römer Salzgruben ausbeuteten; das Salz liegt hier oft nur 1 Fuss unter Tage. Situationspläne über die hiesigen Salzablagerungen waren nach der Aussage eines mir zugetheilten Beamteten nicht vorhanden. Bei Thorda verliess ich die Hauptstrasse, und wandte mich den südwestlich gelegenen reichsten Erzbergbaudistrieten Siebenbürgens zu, wohin bis nach Torotzko ein allenfalls noch fahrbarer Weg geht; von da aber wird die Communikation nur durch äusserst beschwerliche Reitwege, die über wilde, doch an Naturschönheiten reiche Gebirge führen, vermittelt, Torotzko, wo ein vortreffliches Eisen gewonnen wird, liegt in einem Thale, dessen östliches Ge- hänge nackte, steil abfallende Kalkmassen formiren, und dessen westlich gegenüberliegende Bergzüge we- sentlich Glimmerschiefer mit darauf gesetzten Kalkgipfeln. constituiren. Am Fusse dieses Zuges in nörd- licher Richtung treten zwar porphyrartige Gesteine mit diese begleitenden Mandelsteinbildungen hervor; Abh. d. Nat. Ges. zu Halle. Ir Band. 4s Quartal. 11 EN, USER allein seitwärts dahinter folgt alsbald der Glimmerschiefer, in welchem auch die Eisensteingruben be- trieben werden. Diese Gruben gehören den Torotzko bewohnenden Bauern, welche ohne weitere Anlei- tung, nur wie es ihr Vortheil erheischt, und ihren practischen Erfahrungen gemäss, ‚darin herumwühlen. Es war deshalb auch nicht möglich von den Leuten eine anschauliche Mittheilung über das Vorkommen der Erze zu erhalten. Mein Aufenthalt daselbst fiel grade auf einen Sonntag, der zugleich ein besonderer Festtag war, weshalb Niemand mit mir die Grube befahren wollte; noch einen Tag aber deshalb zu ver- weilen, erlaubte die Zeit nicht mehr, und so sah ich mich genöthigt, meine Studien darüber auf den Halden anzustellen. Man gewinnt Braueisensteine, die in einem Kalke wahrscheinlich in Trümmern undNestern aufsetzen, der dem Glimmerschiefer untergeordnet ist. Die Mächtigkeit soll sehr verschieden sein, früher einige Zoll bis 1 Fuss betragen haben, jetzt aber bedeutender geworden sein. Bisweilen brechen hier auch silberhaltige Bleiglanze ein. Die Eisensteine sind so ausserordentlich leichtflüssig, dass sie nach geschehener Röstung ohne al- len Zusatz verschmolzen werden. Den Urzustand, in welchem sich hier das Hüttenwesen befindet, wird man aus der Angabe folgender Thatsachen entnehmen. Längs eines Baches liegen eine Anzahl soge- nannter Hochöfen (man gab mir deren 15 an), die in der rohesten Weise aus Steinen und Lehm auf- geführt und mit einem Bretterdache versehen sind. Auf der einen Seite wird der Wind durch einen Blasebalg zugeführt; darüber in der Nähe befindet sich eine Oeffnung zur Beschickung, und an der ent- gegengesetzten Seite unten ein Loch, aus dem das flüssige Metall abgelassen wird, welches man sogleich an Ort und Stelle zu etwa Fuss langen Stäben schlägt, dann mit einer Axt spaltet, und hierauf oft augenblicklich zum Beschlagen der Räder und dergleichen Zwecken verwendet. Zwei und mehrere Gewerke haben gewöhnlich Theil an einem solchen Hochofen; und in allen zu- sammen werden nach den mir gewordenen Angaben etwa jährlich 17000 Ctr. Eisen dargestellt. Auf 'einsamen, steilen Pfaden, und über hohe bewaldete Bergrücken suchte ich nun zunächst das Thal des Aranyos zu erreichen, von wo dann am Flusse entlang der Weg nach Offen-Banya geht. Es war ein trüber, unfreundlicher Oktobertag (27); das Laub hing dürr an’ den Bäumen und nur hin und wieder reckte noch der blattlose Crocus iridiflorus seine violetten Blüthen aus den fahlen Büschen; ein eisiger Wind blies heftig dem Felsenufer entlang, welches wir passiren mussten. Nach 10stündigem Ritt und in später dunkler Nacht standen wir Offenbanya gegenüber, durch den Aranyos getrennt. Wir müssten hindurch ; mein Führer mit dem Packpferde voran, und ich folgte. Ersterer, des Weges nicht kundiger, als ich, verfehlte die Furt, ich gleichfalls; die Pferde fingen an zu schwimmen, und so em- fingen Reiter und Sachen noch eine höchst unwillkommene Taufe. Zum Schluss dieser Schilderung sei bemerkt, dass Offen-Banya kein Einkehrwirthshaus besitzt, weshalb ich also, unbekannt mit den lokalen Verhältnissen, in der ersten besten wallachischen Hütte eine Zuflucht suchen musste, woraus mich indess am andern Tage schon die ausgezeichnete Gastfreundschaft der Herren Bergbeamteten erlöste. Der Bergbau in Offen-Banya ist theils ärarisch, theils gewerkschaftlich, und beutet silberhaltige Bleiglanze und Kiese, so wie gold- und silberhaltige Tellurerze aus. Die verschiedenen Erze erscheinen gangartig, bald auf Klüften eines Grünsteinporphyrs, bald auf der Grenze eines crystallinischen Kalkes mit Glimmerschiefer, meist in der Nähe des Porphyrs. Der Kalk ist dem Glimmerschiefer untergeordnet. Auf ‘der Segen Gottes-Grube hatte ich Gelegenheit in der Nähe des Porphyrs ein Einbrechen der 'Gang- masse, aus erzführendem Kalk bestehend, zu beobachten, wobei dieser die Wandungen weiter Räume bildete, die'nach innen von einem blassröthlichen, wahrscheinlich manganhaltigen Faserkalke mit sphäri- scher Oberfläche bekleidet waren, wie beiliegende Figur 4. darstellt. Der Bleiglanz, welcher auf den ärarischen Gruben gewonnen wird, enthält p. Ctr. 3 bıs 4 Loth Silber, kein Gold; der Kies 1 Quintel güldisches Silber, 12—20 Dinäre in Gold und 60 bis 70 Pfd. Lech. Die Tellurerze kommen jetzt nur auf den gewerkscbaftlichen Gruben vor, und gehören allein dem Schrifterz an. Am linken Ufer des Aranyos, Offen-Banya gegenüber, treten auch Karpathensandsteine auf, welche ich indess nicht näher in Augenschein nehmen konnte. Ich besuchte ferner das durch seine Goldbergwerke berühmte und öfter beschriebene Verespatak. Eine genaue Erörterung der hiesigen Verhältnisse würde einen Aufenthalt von mehreren Wochen in An- spruch nehmen. Da mir dies nicht vergönnt war, so gebe ich, ohne Bekanntes zu wiederholen, nur einige bemerkenswerthe Notizen darüber. Die Berge, welche das Thal von Verespatak begrenzen, sind südlich die Czetatje mit ihrem Hügel- fuss Zeus, dann südöstlich Kirnitsel, Kirnik, dessen Fortsetzung Fenyves und Piatra Corbuluj bilden, und östlich Lety. Mit Ausnahme der Czetatje bestehen diese Berge aus Porphyrgestein, jene aber aus einem dunklen, grauen, conglomeratischen Sandsteine, auf welchen die Einwirkung des benachbarten Porphyrs unverkennbar ist. Nordwärts zieht sich der Orlyaer Höhenzug dem Thale entlang, welcher an seinen Gehängen einen hellen, feinkörnigen und ausgezeichnet schiefrigen Sandstein zeigt, der offenbar zu den Gesteinen gehört, die man noch unter dem allgemeinen Namen Karpathensandstein begreift. Abwärts im Thale, am südlichen Gehänge in der Nähe des Stollnmundloches, treten graublaue Sand- steine mit Kalken in Verbindung auf, die ausserordentliche Aehnlichkeit mit Gesteinen der Grauwacken- formation besitzen, so wie dies auch bei den an der Czetatje bemerkten Massen der Fall ist. Wir kön- nen daher wohl mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass zwei verschiedenalterige Sedimente an der Constituirung des Thales Theil haben. Die wichtigsten goldführenden Punkte, welche in ihren obern Teufen bereits in alten Zeiten ab- gebaut sind, oder noch von den Wäallachen durchwühlt werden, hat das Aerar gegenwärtig theils schon mit einem tiefen Stolln unterfahren, theils beabsichtigt es dies an einigen Orten zu thun; und sobald die Ausrichtungsarbeiten ihrem Ende entgegen gehen, sollen die überfahrenen Erzklüfte in Angriff ge- nommen werden. Der Hauptstolln geht östlich auf Lety los und hat schon eine Erlängung über 930 Klft.; zwei Seitenschläge treibt man nach den Orlyaer Bergen, einen südöstlich gerichteten nach Czetatje, von welchem ein andrer auf Zeus geführt wird; bei 930 Klft. ist ein Querschlag von 60 Klft. auf die Katronza, einen theilweise ausgebeuteten Erzstock im Kirnik, eröffnet. ‘Eine reiche Kluft, die Molna- rische genannt, hat man schon beim Betriebe des Hauptstollns angetroffen, und vorzüglich schön ge- diegenes und krystallisirtes Gold darin gefunden. Im Üzetatjer Schlage beobachtete ich Conglomerate, ähnlich denen am Gipfel des Berges, und darauf folgten bläuliche thonsteinartige Massen, welche un- mittelbar dem Porphyr vorangehen. Der Porphyr gehört zum Feldspathporphyr, und enthält nicht selten zollgrosse Quarzdihexeder, Es ist bekannt, dass die Czetatje, gleich einem Ameisenhaufen durchwühlt und zerlöchert, durchaus goldhaltig ist, weshalb man neuerdings auf den Gedanken gekommen, den ganzen Berg einzustampfen. Wenn 1000 Gtr. Erzgesteine 6 Loth Gold liefern, so ist es noch aufbereitungswürdig; durchschnittlich rechnet man aber 1 Mark (16 Loth) Mühlgold darauf. Die Production von Verespatak ist jährlich ungefähr 10 Ctr. Gold, das Schlichgold unberücksichtigt. ö Von hier aus unternahm ich noch eine Excursion nach dem durch seine Basaltbildung höchst merk- il" = WE würdigen Berge Detonata. Wenn man diesen von seiner steil abstürzenden Seite betrachtet, so erblickt man die parallelepipedischen, über einander gethürmten Säulen so gekrümmt, dass die Fronte des Berges concav erscheint, die auf dem Gipfel befindlichen Säulen aber, wie darüber hinweggeschoben, nur mit ihren Köpfen hervorragen. (Siehe die Zeichnung einer Felspartie des Berges, Fig. 5.). Ein zweiter Basaltberg liegt noch südlich von diesem, den zu besuchen der anbrechende Abend verhinderte. Mein Weg führte mich nun nach Abrud Banya, wobei ich die zur Erzförderung vom Stollnmund- loch nach den neuangelegten Pochwerken bei Gura Rosia geführte Eisenbahn auf 1600 Klft. Länge be- nutzte. Durch einen Premsberg von 300 Klft. Länge und 11° Neigung ist der Ausgangspunkt der bemerkten Eisenbahnstrecke so mit den Pochwerken in Verbindung gesetzt, dass die Erze bis unmittelbar hinter letztere gefördert werden können. An dieser Lokalität sind die grauwackenartigen Gesteine na- mentlich gut aufgeschlossen, und ich beobachtete ihr Streichen h. 6. mit Süd-Fallen unter sehr variablem Winkel. Es war eines Montags, als ich in Abrud Banya eintraf, und wo ich Gelegenheit hatte den an diesem Tage in dem ärarischen Einlösungslokale stattfindenden! Goldmarkt kennen zu lernen. Wöchentlich werden etwa 20 bis 25 Pfd. Gold eingelöst, und das jährliche Quantum des ganzen Distriets schlägt man auf 10 bis 12 Ctr. an. Der jährliche Betrag für ganz Siebenbürgen soll 19 bis 20 Ctr. ausmachen. In dem in Schutt und Trümmer liegenden Zalathna besichtigte ich nur die neuerstandenen Hütten- werke, worauf mich ein achtstündiger Ritt nach Nagy Ag brachte. Die Lage dieses Bergortes, hoch oben auf dem äussersten Rande eines gegen S. unmittelbar in das weite Maros-Thal abfallenden Gebirgszuges, ist ebenso reizend als eigenthümlich. Mein Aufenthalt daselbst gestattete mir nur einen Besuch des auf einer Eisenbahn befahrbaren Erbstollns, so wie die Durchsicht der schönen Lepidopterensammlung des Herrn Bergverwalters v. FrAnzEnau. | Nagy Ag befindet sich vorwaltend im Gebiete eines Grünsteinporphyrs, auf welchem Kuppen von Tra- chytmassen wie aufgesetzt erscheinen. Ersterer ist allein erzführend, und die Erze, vorzüglich aus Blei- glanz, Schwefelkies, Kupferkies und namentlich aus Blättertellur bestehend, erscheinen darin gangartig von Quarz, nebst vielen andern, zum Theil seltenen, Fossilien begleitet. Der Abbau bezweckt vorzüglich die Gewinnung von güldischem Silber. Bei Befahrung des Erbstollns sah ich die Anlagerung von Sandsteinen und rothen schieferlettigen Schichten am Porphyr, welche wieder ein Glied der Karpathensandstein- bildung zu sein schienen. Man wollte mir auch in der Grube einen Uebergang des Porphyrs in Trachyt nachweisen, ich konnte mich aber bei Besichtigung des Punktes nicht davon überzeugen. Ich eilte nach dem im freundlichen Maros-Thale gelegenen Städtchen Deva, wo ich die Haupt- strasse nach Hermannstadt erreichte. Ein paar Excursionen nach den schon durch Fıcurter bekannten, und jüngst von Herren Prediger Nrusenoren aus Hermannstadt beschriebenen *) tertiären Conchylien- lagern bei Bujtur (eigentlich bei Al. Pestes), und Lapugy. unweit Dobra, gewährten mir noch eine gute Ausbeute an Petrefacten, und bildeten den Schluss meiner geognostischen Forschungen in Sieben- bürgen. Spezielle Mittheilungen über letztere Punkte mögen bis zur Bestimmung der daselbst gesammel- ten organischen Reste vorbehalten bleiben. Am 14. Nov. schied ich bei Zam Mik, angenehmer Erinnerungen voll, von dem schönen Siebenbürger Lande, und verfolgte unter Sturm und heftigem Schneegestöber zunächst mit dem Eilwagen über Arad den Weg durch die Puszta nach Solnok, und von hier ab mit der Eisenbahn die Strasse nach Pesth. *) Im Archiv des Vereins für siebenbürgische Landeskunde. B. IV. H. 2, Druckfehler. S, 72, Z, 19 v. oben lies Fig, 3. statt Fig. 2. Vierteljahrsbericht über die Sitzungen der naturforschenden Gesellschaft zu Halle. Viertes Vierteljahr 1853. Vorsitzender Direktor Herr Prof. Burmeister. Sitzung vom 22sten (ctober. Für die Bibliothek der Gesellschaft waren eingegangen: Jahrbücher des Vereins für Naturkunde im Herzogthum Nassau. 1—8. Heft. Wiesbaden 1844—1852. 8. Mit Begleitschreiben des Hrn. Dr. F. Sınpserser d. d. 1sten Aug. 1853. Verhandlungen des zoologisch-botanischen Vereins in Wien. 1. Bd. mit 5 Tfl., Wien 1852; 2. Bd. mit 6 Tfl., Wien 1853; Mitgliederverzeichniss; Festkranz zur 2ten Jahresfeier des zoologisch-botanischen Vereins in Wien, von SIEGFRIED Reisseck. Wien 1853. 8, Jahrbuch der K. K. geologischen Reichsanstalt in Wien. IV, 1. 1853. Istes Quartal. WenzEL GRUBER, Beschreibung zweier neuer Bänder im Schädel des Menschen. Aus Bullet. de U’ Acad. de St. Petersbourg. VIN. Nr. 24. — — Abhandlungen aus der menschlichen und vergleichenden Anatomie. Petersburg 1852. 4 mit 11 Tateln. Herr Prof. von SchLecHhTennaL berichtete über die Resultate der diesjährigen Cultur der peruanischen Pflanze Uluco, welche als Sur- rogat der Kartoffeln empfohlen worden ist. Man hatte Pflanzen sowohl in einem besondren Beete, welches täglich bewässert wurde, als auf einem Erdhaufen, in ähnlicher Weise wie man Kürbisse zu pflanzen pflegt, als endlich im Lande des botanischen Gartens gleichmässig zu ziehen versucht. Die letzteren waren sehr kümmerlich gediehen und hatten wenig und sehr kleine Knollen geliefert; die Pflan- zen auf dem Erdhaufen wuchsen kräftiger und hatten mehr Knollen angesetzt, die indess ebenfalls klein blieben. In dem Beete hatten sich die Pflanzen am kräftigsten entwickelt. Ihre zahlreichen Knollen hatten das Aussehen, und die Grösse etwa der Zuckerkartoffeln, besassen eine sehr feine Korkschicht als Schaale, waren aber grün gefärbt, weil sie auf und nicht unter der Erde ihre Entwicklung erhalten hatten. Der Geschmack gekochter Knollen der Art war wenig mehlig, mehr kohlrübenartig und stand jedenfalls weit hinter dem guter Speisekartoffeln zurück. = We Sehr wahrscheinlich liefert die Ulucopflanze, welche man gegenwärtig zu den Boselien, einer Gruppe der Chenepodiaceen rechnet, ein spinatähnliches geniessbares Kraut. Einen Ersatz der Kartoffel scheint sie dennoch niemals für uns geben zu können, da sie zu ihrem Gedeihen andre klimatische und Boden- verhältnisse erheischt, als bei uns gewöhnlich zu sein pflegen. Derselbe legte demnächst ein vom Reisenden Herrn Wacner in der Nachbarschaft des Sees von Maracaibo in Columbien gesammeltes silifizirtes Stück Holz vor. Es soll von einem auf der Erde lie- genden Stamm von Guajacum officinale herrühren, dessen Zweige. noch jetzt lebende Eingeborene brenn- bar gefunden zu haben versichern. Das Fragment zeigte durchaus eine steinige Textur. Hr. Prof. BurMmEISTER theilte Beobachtungen über die Geschlechtsunterschiede einiger Scolia-Arten mit, welche er auf seiner Reise nach Brasilien gemacht und ganz kürzlich während seiner Anwesenheit in Italien durch neue Thatsachen befestigt hatte. Er wies nach, dass von den Arten der alten Gattung Scolia einige gar keine Farben -Verschiedenheiten des Geschlechts zeigen, bei weitem die meisten aber mehr oder minder auffallende Unterschiede zwischen den Männchen und Weibchen im Colorit und der Zeichnung darbie- ten. Daher rührt es, dass von den älteren Autoren die Männchen und Weibchen einer Art sehr ge- wöhnlich als zwei verschiedene Arten aufgeführt werden. Unter den 49 Arten der hiesigen Samm- lung befinden sich etwa 20, mit völliger Uebereinstimmung in der Zeichnung bei beiden Geschlechtern; 10 Arten zeigen eine geringe, relative Farbendifferenz, die übrigen eine sehr auffallende; und diese waren bisher nicht als zu einander gehörig erkannt worden. Durch die Beobachtungen des Refer. re- ducirt sich jetzt die bereits über 100 Arten zählende Menge der bekannten üm fast auf die Hälfte, wie denn z. B. unter den 49 Arten der Universitäts- Sammlung 73 sogenannte Species älterer Schriftsteller enthalten sind. Diese Unterschiede wurden durch Vorzeigen der betreffenden Kästchen der Sammlung anschaulich gemacht. — Sitzung vom dten November. Für die Bibliothek der Gesellschaft waren eingegangen: D. F.L. von Scarecntenvan Hortus Halensis tam vivus quam siccus Tconibus et descriptionibus illustra- tus. Fascl. 1—3. Verhandlungen der physikalisch-medicinischen Gesellschaft in Würzburg I—IVa. Würzburg 18501853. Mit Begleitschreiben des Hrn. Dr. S. Rosentnan v. ten Septbr. 1853. Berichte über die Verhandlungen der K. Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig, Mathe- mat. physikalische Classe I—Va. Leipzig. 1849—1853. 8.5 und Abhandlungen der mathematisch-physikalischen Classe der K. Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig. I u. Ia—c. Leipzig 1852 und 1853. D. Tanpeo Consont Nuovo sistema umiversale completo e ragionato di stenografa Italiana. 24 edt. Milan. 1829. 8. — — Saggio intorno ai principali fenomeni del Mesmerismo. 8. — Della mnemotecnia ovvero del modo di meravigliosamente facilitar la memoria mediante l’asso- ciazione delle Idee. Firenz. 1848. 8. — — Varieta elettro-magnetico- animale negli oggetti che si muovono e relativa spiegazione. Firenze 1853. 8. Als neue ordentliche ‚einheimische Mitglieder traten der Gesellschaft hinzu Hr. Dr.:C. M. Knograuca, 0. Prof. der Physik hierselbst, und Hr. Dr. Med. Huso Pernicr, Assistenzarzt am hiesigen Entbindungshause. Herr Prof. p’Arron erläuterte mehrere von ihm gefertigte Zeichnungen, welche die Sinnesorgane der Fische darstellen. Er machte hierbei besonders auf die excentrische Lage des Gehörorgans bei Hayn und Rochen im Gegensatze zu Knochenfischen, bei denen der Gehörapparat zum allergrössten Theil noch in der ‚Schädel- höhle selbst sich findet, und auf die früher nicht genau genug gekannte Bildung der Augen bei Ana- bleps tetrophthalmos aufmerksam. Die angeblichen vier Augen dieses Fisches sind nur zwei. . Die Täuschung {entsteht durch eine erst in den späteren Lebensjahren sich vollendende Hautbrücke, welche über die Pupille weggeht und sie in zwei ungleiche Theile theilt. Hr. Prof, yon ScHLECHTENDAL legte einige neue botanische Werke, die 31. Lieferung der von R. F. Houenacker besorgten Samm- lung von Meeralgen und einige javanische Pflanzenprodukte zur Ansicht vor. Darunter namentlich die Früchte von Quercus induta und einen eigenthümlichen Pflanzenauswuchs. Derselbe besteht aus einer etwa zollstarken, mehrere Quadratzoll grossen, nach einem grösseren Stamme, dem sie aufgesessen zu haben scheint, gebogenen lockeren Ausschwitzung mit glatter unregelmässig zu Spitzen ausgezogener Oberfläche. Er erinnert an chinesische Galläpfel und besitzt einen mulstrigen, schwach adstringirenden Geschmack. Hr. Prof. BURMEISTER zeigte das aus den Campos von Minas Geraes stammende Gewebe einer noch näher zu bestimmenden, wahrscheinlich zu den gesellig lebenden gehörigen Spinne vor. Es bestand aus einem weissen resi- stenten Filze. In der Mitte, wo es am stärksten war, zeigte es sich napfförmig vertieft. Es lief in einen allmählig dünner werdenden, nach aussen gelappten Rand aus, von dessen Lappen sich starke Fäden vereinzelt weiter nach Aussen fortsetzten, vermittelst deren das Netz an Bäumen befestigt und aufgehangen gewesen war, Mit diesen Fäden bedeckte das Gewebe einen Raum von mehreren Quadrat- ruthen. Der innere dichte Theil hat eine fast elliptische Form und mass circa 6 Fuss in der Länge und 4—5' in der Breite. Unzählige Spinnenbälge fanden sich in den Filz eingewebt. Hr. Dr. C. Anprae berichtet über die Ergebnisse seiner im Jahre 1851 von Anfang Mai bis Ende November unternomme- nen geognostischen Reise durch die banater Militairgrenze und Siebenbürgen und knüpfte seine Beob- achtungen an eine Auswahl von Belegstufen der interessanteren Punkte. Der Vortrag ist diesem Hefte unserer Abhandlungen ($. 55) einverleibt. Sitzung vom 19tex November. Für die ‚Biblioihek der Gesellschaft sind eingegangen: Zeitschrift für die ‚gesammten Naturwissenschaften. ‚Herausgegeben vom sächsisch - ihüringischen natur- wissenschaftlichen ‘Verein ‚zu ‚Halle. ‚1853. ‚Hit, .6—8. ‚Bericht über die erste Generalversammlung des sächsisch - thüringischen ‚naturwissenschaftlichen ‘Vereins zu Halle am 22. und 23. Juli 1853, (3 Exempl.); ‚Statuten ‚des s. th. .n. ‚Ver. zu Halle, :revidirt am 22. und 23. Juli 1853 ; .Geschäfts- ordnung und Verzeichniss der Bibliothek des s. th. nat. V. zu Halle (3 Explr.) B:- W ME Zu auswärtigen ordentlichen Mitgliedern der Gesellschaft wurden ernannt: Hr. Dr. Joszruo BerroLont, Prof. zu Bologna, Hr. Dr. Morıs, Prof. in Turin, Hr. TAppeo DEı Consont und Carro Passerını, Prof. zu Florenz, Hr. S; O. Westwoon Esq. zu London, Hr. Dr. Fr. Zekeuı, Privatdozent, und Hr. A. Kenncort, K. K. Kustosadjunkt im Hofmineralienkabinet zu Wien. Herr Ober-Bergrath MÜLLER hielt folgenden Vortrag: „Bei einem vor Kurzem vorgenommenen Besuche der Steinbrüche in dem hier sehr versteinerungsarmen Muschelkalke nördlich und nordwestlich von Lieskau wurde ich durch eine Bank überrascht, welche nicht allein an schönen Muschel- und Schnecken-Versteinerungen sehr reich war, sondern auch solche Versteinerungen führte, die wenigstens in hiesiger Gegend diesem Kalke fremd sind, namentlich turritellen in Exemplaren von mehreren Zoll Länge. Diese Bank überlagert den dünn geschichteten, bläulichen, zum Brennen benutzten Muschelkalk, weleher in dieser Gegend von Osten nach Westen streicht und ppt. 15 Grad nach Mittag einfällt, gleich- förmig, und bildet die unterste ca. 1!/, Fuss starke Lage eines dick geschichteten, überhaupt etwa 9 Fuss mächtigen, wenig festen, porösen, sandigen, gelblich weissen Kalkes, der dolomitisches, dem Schaum- kalk (Mehlbatz) ähnliches Ansehn zeigt, nach oben immer feinkörniger, erdiger und weisser wird, an der Zunge hängt und abfärbt und leer an Versteinerungen wird, die sich jedoch, wenn auch weit we- niger ausgezeichnet, im darüber liegenden Abraum, namentlich in einem röthlichen ungeschichteten, zu Bausteinen verwendeten Kalkstein wieder einfinden. Jene versteinerungsreiche Bank ist bis jetzt nur in dem östlichsten Bruche, also nahe an der Gränze des gegen Osten vorliegenden Braunkoblengebirges, wenige hundert Schritt nördlich von Lieskau wahrgenommen worden, sie verliert ihren dolomitischen Character, ihre Weichheit und, wie es scheint, die Führung von Versteinerungen schon in den beiden zunächst nach Westnordwest folgenden Brüchen, in dem letzten dieser beiden ist das feste, dichte Gestein von dem darunter liegenden, bläulichen Muschel- kalke nur durch die weisse Farbe zu unterscheiden und dient wie dieser zum Brennen, während die mehr gedachte Bank des östlichsten Bruches in der chemischen Fabrik bei Trotha anderweit benutzt wird. Die Bestimmung der darin aufgefundenen Versteinerungen steht durch Dr. Gieser, welcher darunter bereits Anomia, Pecten_ discites, » Trigonia laevigata, Melania Schlotheimi, Turritella obliterata, Mytilus eduliformis erkannt hat, und damit auch der Aufschluss darüber zu erwarten: welcher Gruppe des Muschelkalks diese Gesteine zuzurechnen sind; was um so mehr von Interesse ist, da der Muschelkalk von Nietleben, Bennstedt, Cölme und von da nach Lieskau zu nach Dr. Anprır (erläuternder Text zur geogn. Karte von Halle) zur unteren Abtheilung (dem Wellenkalk) zu rechnen, während derselbe in Betreff der Ge- gend von Lieskau, nach Versteinerungen auf einer im mineralog. Museum zu Halle aufbewahrten, an- geblich aus der Gegend nordwestlich von Lieskau herrührenden Platte (a. a. ©. pag. 71) für möglich hält, dass man es hier mit der oberen Abtheilung des Muschelkalks, dem Friedrichshaller Kalk, zu thun habe. Herr Professor BURMEISTER berichtete über die von ihm in Brasilien gesammelten Stachelratten, deren Anzahl sich auf 5 ver- schiedene Arten beläuft; er referirte einleitungsweise über die bisherige Bearbeitung derselben und verbreitete sich besonders über ihre anatomischen Verhältnisse. ; Die Stachelratten gehören zu einer vorzugsweise über Süd-Amerika verbreiteten Nagergruppe, deren Mitglieder, bei entschieden äusserer Aehnlichkeit mit den Ratten, sich durch wesentliche Unterschiede von ihnen entfernen. Hauptsächlich sind das die vier gleichförmigen Backzähne jeder Kieferseite, das grosse, offene, runde Loch im proc. zygomaticus des Öberkiefers und die völlig von der tibia getrennte fibula. Nager mit diesen Eigenschaften giebt es aber in Süd-Amerika noch 4 verschiedene Formen: 1) Haasenmäuse (Lagostomidae) mit grossen meist hohen Ohren, lang: behaarten Schwänzen und plattenförmigen Backzahnlamellen. 2) Siachelratten (Zoncheridae) mit relativ kleineren meist nackten Ohren, weniger oder spär- lich behaarten Schwänzen, stachelförmigem Grannenhaar und gewundenen Backzahnlamellen. 3) Ferkelratten (Capromyidae) mit ähnlichen Ohren und Backzähnen, stets sperrig behaarten fast nackten Schwänzen und einfachem, runden, nicht sehr steifen Grannenhaar. « 4) Schrotratten (Psammoryctidae) mit weichem Haar, kleinen Ohren, kurzem Schwanz und nach hinten verkleinerten Backzähnen. Die erste und vierte Gruppe hat ihr Hauptgebiet auf den Hochebenen der Cordilleren und den Pampas des Südens, die zweite ist so recht brasilianisch, die dritte in ihrer Hauptform westindisch. Burron selbst kannte noch keine Stachelratte, viel weniger Linn£; die erste Art wurde von ALLAMAnD in den Nachträgen zu Burron (1798) beschrieben nnd die zweite von Azarı (1802). Zehn Jahre später machten gleichzeitig Georrroy in Paris und Irziser in Berlin zwei Stachelratten unter neuen generischen Namen bekannt, jener als Echimys, dieser als Loncheres. Nach einigen Jahren (1818) behandelte sie Licutenstein in den Abh. d. Berl. Akademie zuerst monographisch, indem er Inzicer’s Art (Z. pa- leacea) abbilden liess und eine neue Lonch. myosurus hinzufügte, die mit GEorFRoY’s Echimys cajennen- sis identisch war. Seitdem haben DEsmarEst in seiner Mammalogie (1820), Is. GEoFFRoY in GUuERIN’s Magazin (1840), A. Wacner im Suppl. zu Scureser’s Säugeth. (II. 1843) und Pıcrer (1843) die Stachel- ratten bearbeitet und besonders hat der jüngere GEorrroy sich dadurch ein Verdienst erworben, dass er die Nothwendigkeit einer Trennung in 2 Gattungen oder Gruppen nachwies, für welche er die schon vorhandenen beiden Namen Echimys und Nelomys in Anwendung brachte. Letztere wurde von Wagner mit Recht auf Loncheres zurückgeführt und mit 6, erstere, als, Echinomys verbessert, mit 4 Arten ausgestattet. — Ich habe von diesen 10 Arten nur 4 auf meiner Reise gefunden, daneben aber eine fünfte, welche zuerst Dr. Lunn als Nelomys antricola bekannt gemacht hatte. Unter diesem neuen Gattungsnamen war nämlich von Jourvan eine Art der Gattung Loncheres aufgestellt worden und Fr. Cuvıer, der darüber in den Ann. d. sc. nat. II. Ser. T. VIII. (S. 369) berichtet, hatte nur erkannt, dass sie von Echimys GEoFFR. ver- schieden, nicht aber, dass sie mit Zoncheres identisch sei. Doch Nelomys antricola ist kein Loncheres, und ebensowenig eine wahre Echinomys; das Thier stellt eine eigne Gattung vor, der ich Luno’s Namen be- lasse; es bewohnt die unterirdischen Höhlen im Inneren von Minas geraes und kommt aus dem Grunde flüchtigen Reisenden nicht leicht zu Gesicht; erst der längere Aufenthalt in den höhlenreichen Gegenden lässt ihre Erwerbung hoffen. Ich erhielt ein Exemplar der Art von Hrn. Dr. Reınuaror in Lagoa santa. Die 4 andern Spezies sind die gemeine, weit verbreitete Echinomys cajennensis (Lonch. myosurus Licar.) Abh. d. Nat. Ges. zu Halle. Ir Band. 4s Quartal. 12 Mus leptosomus Brants, der schöne grosse Loncheres cristatus s. chrysurus, den ich in Neu-Freiburg erwarb, und Zonch. armatus s. obscurus Wacn, ebenda, die beide auf Bäumen leben. Meine fünfte Art, Echimys spinosus Desm., der Espinoso Azanı’s, hat das meiste wissenschaftliche Interesse, indem sie bisher nur im Balge bekannt war. Ich erwarb in Lagoa santa 5 Exemplare, von denen 1 zum Skelet verwendet wurde. Ausführlicher werde ich darüber in einer spätern Zusammenkunft Bericht abstatten. — Der Reisende Herr WAcner, welcher der Versammlung als Gast beiwohnte, legte die Früchte von Myrica earaccasana nebst einem Stücke des aus ihnen ausgekochten Wachses zur Ansicht vor. Herr Professor von ScHLECHTENDAL theilte die Resultate seiner Untersuchungen über die unter dem Namen Amygdalus nana von verschie- denen Botanikern beschriebenen und abgebildeten Zwergmandeln mit unter Vorlegung der Früchte und der getrockneten Pflanzen aus seinem Herbarium. Die Bezeichnung Amygdalus nana schlug er vor ganz fallen zu lassen, und die verschiedenen Spezies nach den Namen der Schriftsteller zu unterscheiden, die von ihnen zuerst eine zuverlässige Beschreibung oder Abbildung geliefert haben. Demnach habe man Amygd. Pallasiana, Amygd. Besseriana und Amygd. Gaertneriana, ja vielleicht noch eine 4te Spezies vom Altai und eine Öte unvollkommene durch Gmerin bekannt gemachte aus Nord-China zu trennen. Amyg- dalus communis scheine ebenfalls in zwei besonderen Arten vorzukommen, abgesehen von den durch Cultur erzeugten Spielarten, deren Rısso beiläufig 18 anführe. Sitzung vom 3ten December. Als Geschenke für die Bibliothek der Gesellschaft sind eingegangen: Ernst A, ZucnoLn Bibliotheca historico-naturalis physico-chemica et mathematica. Ilia. Januar — Juni 1853. Durch den Hrn. Vf. v. SennechntenvaL Hortus halensis tam vivus quam siceus icomibus et descriptionibus illustratus. Fascl. Tu. I a4 Kpfrtfio. Durch den Hrn. Vf, J. S. €. Scuweiseer Ueber die Umdrehung der magnetischen Erdpole und ein davon abgeleitetes Gesetz des Trabanten-. und Planetenumlaufes. Nürnberg 1814. 8. — Ueber die Auffindung der zwei er- sten Uranustrabanten durch Lasserr. Aus d. Sitzb. d. K. K. Akad. der W. Juli 1852, — Ueber medicinische Missionsanstalten a. a. 0. Novbr. 1852. — Ueber stöchiometrische Reihen im Sinne Rıcnter’s. Halle 1853. 8, Durch den Hrn. Vf. Die hiesigen praktischen Aerzte Hr. Dr. med. Gustav Hürzmanv und Hr. Dr. med. Carı ScHwEIGGER werden als einheimische ordentliche Mitglieder der Gesellschaft aufgenommen. Herr: Prof. Burmeister hatte nachfolgenden Vortrag eingesendet, der durch Hrn. v. Schuecutenpar zur Mittheilung gelangte. ; Ueber die Achnlichkeiten des Skelets von Dicholophus mit dem der Störche (Ciconia Larn.) von MH. Burmeister. Seit meiner Schilderung des inneren Baues von Dicholophus ceristatus im ersten Quartal dieser Abhandlungen hat die zoologische Sammlung der Universität wieder eine Sammlung von Naturalien di- rect aus dem Inneren Brasiliens erhalten, wobei sich auch das vollständige Skelet des grossen süd- amerikanischen Storches oder Jabirus (Cic. Myeteria Iır., Myeteria americana Vıriur.) befand. Schon FE der erste Blick auf das Brustbein dieses ansehnlichen Vogels liess eine auffallende Aehnlichkeit mit dem des Seriema erkennen und veranlasste mich, eine weitere Vergleichung des Skelettypus beider Vöge anzustellen, deren Resultate ich hier mittheile. — Im Kopfgerüst liegen manche Uebereinstimmungen, die z. Th. grösser erscheinen, als die Beziehun- gen zum Kranich; eine etwas ausgehöhlte, sehr breite Stirn, der vertiefte Nasengrund, die scharfen Or- bitalränder, und besonders die ganz analoge Richtung und Form der beiden Schläfendornen sind ebenso viele charakteristische Analogien; auch die knöcherne Augenhöhlenscheidewand haben: beide in ähnlicher Form mit einander gemein. Das Thränenbein der Störche besitzt zwar weder die breite vortretende Superciliarplatte, noch den eigenthümlichen griffelförmigen Verbindungsknochen mit dem Jochbogen, ist aber sonst durch den frei schwebenden, schief nach hinten gewendeten absteigenden Ast dem Typus des Seriemas ähnlicher, als der analoge Theil des Kranichs oder der Trappe; letztere hält sich ent- schiedener an den Schnepfentypus, wo dieser absteigende Ast sehr gross, nach unten verdickt und bis an den Jochbogen verlängert ist. — Wenig Analogie zeigt der Schnabelbau. Das grosse offene Nasen- loch ist dem Storchtypus völlig zuwider; dagegen lässt sich im hinteren Theile des Gaumengerüstes die Analogie des Baues nicht verkennen. Die Choanenspalte der Störche ist sehr kurz, noch viel kürzer als die des Seriema, der schon beträchtlich hinter der langen Spalte des Kranichs zurückbleibt ; aber es tritt das Pflugscharbein mit einer abgeplatteten Spitze, ähnlich wie beim Seriema, auch bei den Störchen in die knöcherne Gaumendecke ein, was in dem Grade beim Kranich durchaus nicht der Fall ist. Abweichender verhält sich die vordere Hälfte des knöchernen Gaumens, welche die bei den Störchen völlig von der horizontalen Platte des Oberkiefers, woran sich das breite Gaumenbein legt, aus- gefüllt wird, während der Seriema hier eine weite Lücke hat, wie @rus und Otis. Darin schliesst sich der Seriema übrigens noch viel mehr an die Charadrien, als: an Otis; indem eine muschelför- mige Erweiterung namentlich bei den Brachvögeln sehr deutlich nach innen neben dem vorn ver- schmälerten Gaumenbein an der knöchernen Gaumendecke sich zu zeigen pflegt. Die allgemeine Form des Schädels bei der Betrachtung von hinten ist bei den Störchen der des Seriema höchst ähnlich; nur etwas schmäler und relativ höher erscheint bei ihnen der Gesammtumriss; doch nicht ganz so hoch, wie beim Kranich, der durch den stärker gewölbten Scheitel sich auszeichnet. — Das Rumpfgerüst der drei von mir untersuchten Störche (C. americana s. Mycteria, C. alba und C. nigra) hat ganz gleiche Zahlenverhältnisse; nämlich 15 Hals-, 7 Rücken-, 13 Lenden- und Kreuz-, 7 Schwanzwirbel; besitzt also im Halstheil 2 Wirbel mehr, als der Seriema, und dafür im Rückentheil einen weniger. Am Becken nehmen bei beiden Vögeln gleichviele Wirbel Antheil, und der Schwanz be- steht auch aus derselben Anzahl; die ganze Differenz der Zahl beläuft sich also auf einen Wirbel mehr bei den Störchen, der dem längeren Halse zukommt, und um ihn zu schaffen, ist auch dem Brustkasten ein Wirbel entzogen und an den Hals abgegeben worden. — Formunterschiede zeigen die Wirbel ebenfalls; die Halswirbel der Störche haben viel kürzere Rippenansätze, namentlich nicht den langen vorderen Dorn, welchen Dicholophus mit Otis theilt; die Störche ähneln mehr dem Kranich. Dann fehlt ihnen der untere Dornfortsatz am Körper der letzten Hals- und ersten Rückenwirbel; eben- falls eine Analogie mit dem Kranich; — dagegen besitzen sie, wie Dicholophus und Otis, zwei vordere falsche Rippenpaare, von denen sich das erste durch sehr zarte Form und geringe Grösse völlig dem von Dicholophus analog zeigt. Was aber die Störche von allen diesen Vögeln sicher unterscheidet, ist die Anwesenheit eines hinteren Rippenrudiments, von dem nur der Sternocostaltheil, nicht aber die 12* ı 1 4 E) # | un WR eigentliche Rippe, vorhanden ist. Grus hat zwar ebenfalls eine hintere rudimentäre Rippe, aber der eigentliche Rippenknochen ist auch vorhanden, er erreicht nur nicht die Wirbelsäule. — Die Verkürzung, welche die Störche im Rumpfe gegen den Hals erleiden, spricht sich sehr deut- lich im Brustbein aus, das abgesehen von einer stumpferen Form des hinteren Endes ganz mit dem von. Dicholophus übereinstimmt. Der auffallend hohe, bogenförmig gerundete, mit einer Spitze nach vorn vorspringende Kamm ist bei Ciconia ganz so gestaltet, wie bei Dicholophus; seine Spitze ist nur nicht so scharf, weil sich das Gabelbein bei den Störchen mit ihr verbindet. Auch die vorderen scharfen Seitenecken der Brustbeinplatte sind einander ähnlich; doch ist ihre Richtung bei Ciconia abweichend, mehr rückwärts als vorwärts, obgleich sie ebenso gross wie bei Dicholophus und viel grösser als bei Grus sind. Die Brustbeinplatte hat eine analoge Breite und Wölbung und ähnelt der von Dicholophus viel mehr, als die breitere bei Otis und die schmälere bei Grus. Endlich besitzt der hintere Rand bei Ciconia an jeder Seite einen ebenselchen runden Busen, wie ihn Dicholophus hat; derselbe ist nur kür- zer, und namentlich ist es die mittlere Spitze des Brustbeins; weil, wie wir schon aussprachen, das ganze Brustbein kürzer ist. Die Verkürzung trifft aber zumeist das Hinterende, und darum zieht sich besonders der mittlere Fortsatz mit dem Ende des Kammes zurück. Aus demselben Grunde fehlt dem Kamme der hinterste, niedrige Theil, welcher für Dicholophus so charakteristisch ist. — Alle Theile des Schultergürtels sind übrigens viel kräftiger bei Ciconia, schon weil diese Vögel geschickte anhaltende Flieger sind; das sieht man besonders an dem sonst ganz ähnlich gekrümmten Gabelbein. Jeder Schen- kel desselben hat bei Ciconia eine S-Form, wie bei Dicholophus; nicht die einfache Bogenform von Grus und Otis. — Das Becken der Störche gleicht dem des Seriema viel weniger, als das Brustbein ; die flache Lage und die davon abhängige viel grössere Breite der Darmbeine giebt dem Storchbeken ein viel so- lideres Ansehn; auch ist der Kreuztheil breiter, die Entwicklung der Höcker über der Pfanne geringer und der hintere Ast, welcher zum Sitzbein geht, bei den Störchen viel kürzer, mehr heraus gebogen und spitziger. Endlich bleibt das Schambein weiter entfernt vom Sitzbein und krümmt sich mit seiner Spitze lange nicht so weit nach innen. In allen diesen Verhältnissen steht das Becken des Kranichs dem des Seriema näher, als das Becken der Störche, die sich ihrerseits deutlicher an die Trappen und Schnepten in der Form des Beckens anreihen. — Damit steht auch die sehr grosse Länge der Querfortsätze an den Schwanzwirbeln der Störche in Harmonie; sie ist zwar nicht so stark wie bei den Trappen, aber doch viel bedeutender als beim Seriema, der sich hierin dem Kranich näher stellt. Die Knochen der Gliedmassen lassen schon wegen der ganz anderen Lebens- und Bewegungsweise beider Vögel keine grosse Aehnlichkeit vermuthen und das zeigt die Vergleichung in der That. Bei den Störchen sind alle Abschnitte des. Flügelgerüstes länger und kräfüger, als beim Seriema; an den Beinen ist es, mit Ausnahme des Oberschenkels und der Zehen, umgekehrt. Ersterer erscheint bei den Störchen pneu- matisch, beim Seriema markführend. Im Einzelnen betrachtet steht übrigens jeder Knochen des Flügels, wie des Beins vom Seriema dem entsprechenden des Kranichs näher als dem der Störche, und so wird denn die Verwandtschaft beider Vögel, alles in allem gerechnet, doch wohl als die nächste an- erkannt werden müssen. In Bezug auf den inneren Bau habe ich die Aehnlichkeit des Magens der Störche mit dem des Seriemas schon früher hervorgehoben (1. Quart. S. 43); sie scheint mir indessen für die Abwägung i der zoologischen Affinität keine höhere Bedeutung zu haben, als die ebenso grosse Uebereinstimmung des Brustbeins oder der Schädelkapsel, denn diese 3 Theile sind es, welche die meisten Uebereinstim- mungen mit einander verrathen. Der Seriema tritt dadurch in eine neue Beziehung zu andern Sumpf- vögeln und kann um so weniger etwa mit den Trappen, oder mit den Kranichen unmittelbar in eine Familie vereinigt werden, je inniger seine Verbindungen auch mit andern Vögelgruppen bei um- fassender Prüfung sich ausweisen. Ich würde also die Verwandtschaft mit den Störchen nicht höher anschlagen können, als die mit dem Trappen oder dem Kranich, mithin bei meiner früher ausge- sprochenen Meinung beharren müssen (a. a. S. 60), dass Dicholophus mit Psophia eine eigne kleine Gruppe bilde, die sich zwischen die Fulicarien und Gruineen am natürlichsten einordnen würde, und von ihnen als vermittelndes Glied nach der Seite der Störche hin zu betrachten wäre, weil denen der Seriema etwas näher tritt, als den Trappen. Der in diesem Hefte (S. 47) mitgetheilte Aufsatz des Hrn. Prof. J. S. C. Scaweiscer über die Um- drehung der magnetischen Erdpole etc., wurde nicht minder seinem wesentlichen Inhalte nach durch Hrn. v. Schuecatennar der Gesellschaft bekannt gemacht. Herr Prof. v. ScHLECHTENDAL sprach über die arzneiliche Bedeutung der Blüthenköpfe von Centaurea jacea, welche als Hausmittel ge- gen Verdauungsstörungen hierorts gesammelt und benutzt werden. Die im hiesigen botanischen Garten gezeitigten und vorgelegten Zapfen von pinus cembra gaben ihm Veranlassung, sich über die Verbreitung der Zirbelbäume und über ihre eigenthümliche Deformität im östlichen Asien auszusprechen und den Bau der Frucht mit dem von pinus uncinata und pinus exwcelsa, welche von Hrn. Dr. Anprar vorgelegt wa- ren, näher zu vergleichen. Einige Schaftstücke von Arundo donax verschafften dem Vortragenden end- lich Gelegenheit die Knospenbildung der Gräser zu behandeln, welche an dieser grossen südländischen Grasart schon sehr deutlich wird, ohne sich aber bis zur Zweigbildung zu steigern, und die Verhältnisse der innern Marksubstanz des Halmes zu demonstriren, welche nur bei einzelnen Grasarten, z. B. dem Zuckerrohr, dauernd ist, bei den meisten dagegen schon früh zu Plättchen und Ringen zusammenschrumpft und den Halm hohl erscheinen lässt. Aehnliches zeigt sich an den Zweigen des Wallnussbaums. Herr Prof. Kranmer berichtete über die neueren Untersuchungen, welche von A. Hecker und 6. Veır in Berlin angestellt worden sind, um den Einfluss zu konstatiren, der ein abweichendes Verhalten des Nabelstranges auf das Leben des Kindes unter der Geburt zu äussern vermag. Die von dem Vortragenden bereits früher ausgesprochene Ueberzeugung, dass die Umschlingungen der Nabelschnur um Körpertheile für die Exi- stenz der Kinder kein so ganz gleichgültiges Verhalten sei, als man anzunehmen allgemein geneigt war, weil die Gefahr keinesweges von einer durch den Nabelstrang bewirkten Verschliessung der Luftröhre, vielmehr von einem Druck auf die Blutgefässe in ihm selbst und einer Hinderung der Cirkulation in ihnen abhänge, ist von den genannten Herren durch zahlreiche Beobachtungen weiter gestützt und sicher- gestellt. Zwei in neuester Zeit erfolgte Veröffentlichungen von J. A. Eısässer in Stuttgart und J.L. Casper in Berlin gaben Veranlassung auf die Nachtheile hinzuweisen, welche aus einer Unbekanntschaf ‚mit den physikalischen Verhältnissen der Respiration für die Beurtheilung einschläglicher Vorgänge ent- stehen. Letzterer z. B. beharrt auch in seiner neuesten Mittheilung (Gerichtliche Leichenöffnungen 2tes Hundert) bei seiner vielfältig widerlegten Ansicht, dass Umschlingung der Nabelschnur um den Hals nur “w dann einen Nachtheil für das Leben des Kindes haben könne und müsse, wenn die Zusammenschnürung dauernd und stark genug gewesen sei, um eine vertiefte Rinne in der Haut hervorzubringen. Er will sogar diesem Wahne als Grundsatz für die Beurtheilung forensischer Fälle Geltung verschaffen. Eine von Hrn. Dr. H. Prrwicr gemachte und mitgetheilte Beobachtung von Erstickung eines Kindes in der Geburt in Folge von Umschlingung der Nabelschnur, bestätigte weiter die Gefahr, welche dieser Umstand haben kann, ohne dass er sich aus einer Veränderung am umschlungen gewesenen Körpertheil nachträg- lich erweisen lässt. Herr Dr. Mann hatte, um Sırserr’s Einwurf gegen die übliche Erklärung des Reibungsgeräusches bei Rippenfellentzündung experimentell zu prüfen, einem Hunde an einer umschriebenen Stelle die Brustwand blosgelegt und eine Nadel durch die Zwischenrippenmuskeln hindurch in die Lungen eingesenkt. Das dem Ein- und Aus- athmen entsprechende pendelförmige Auf- und Absteigen des Kopfendes bewies die entgegengesetzte Be- wegung des in der Brusthöhle befindlichen unteren Theils der Nadel, und darum auch das auf- und ab- steigende Anstreifen der Lungenpleura an das Rippenfell. Gegen das Thatsächliche des behaupteten Verhältnisses und gegen die Suhlussfähigkeit des Experiments wurden von mehreren Seiten mehrfache Bedenken geäussert. Sitzung vom 17ten December. Für die Bibliothek der Gesellschaft waren eingegangen: Bulletin de la Societe imperiale des naturalistes de Moscow. 1852 Nr. 3 u. 4, 1853 Nr. 1 u. 2; nebst Schreiben des ersten Sekretairs Hrn. Dr. Renarn d. d. 30. Mai/ll. Jun. 1853. Hr. Dr. med. G. Verr, Privatdozent in der medicinischen Fakultät, Hr. Dr. A. Hecker, Assistenzarzt an der geburtshülflichen Klinik der Universität zu Berlin und Hr. Buchhändler Ernst A. ZucnoLn zu Leipzig werden als auswärtige ordentliche Mitglieder der Gesellschaft aufgenommen. Herr Prof. BurMEISTER berichtete über die von ihm in Brasilien gesammelten Murinen. Er wies zuerst durch vorgelegte Exemplare nach, dass die in Brasilien eingedrungenen Hausratten den 3 verschiedenen Formen ange- hören, welche bisher als Mus decumanus Parı., Mus leucogaster Pıct. und Mus tectorum Sav. von den Schriftstellern unterschieden worden sind. Diese 3 Hausratten finden sich in Brasilien zwar nicht ‚an derselben Stelle, doch sicher; die erste besonders in Rio de Janeiro und Neu-Freiburg;, die zweite traf er nur in einem Hause des Thales von St. Jose, die dritte ist über Minas »geraes bis Bahia verbreitet. (Mus setosus Lunn, Mus infuscatus Waen.) Daneben existirt in Brasilien noch überall die Hausmaus (Mus musculus) und zwar neben jeder der drei Ratten- Arten: — Die ursprünglichen Murinen Süd- Amerikas gehören sämmtlich zu Hesperomys im weitern Sinn. Der Vortragende erläuterte den auffallen- den Gattungsunterschied beider Gruppen an vorgelegten Schädeln. Von dieser Gattung kennt man gegen- wärtig schon über 50 nominelle Arten aus Süd-Amerika. Die ersten guten Beschreibungen gab Azarı, da aber grade dieser Theil seines in Paris übersetzten Manuscriptes lückenhaft war, so ist die franzö- sische Uebersetzung für die Mäuse fast unbrauchbar und 'ganz corrumpirt. Azarı beschreibt nämlich nicht 4 Arten, wie RENGGER angiebt, sondern 9 in dem spanischen Original seiner Schrift, worunter auch wohl die 2 Spezies sein werden, welche Renccer später aus Paraguay aufstellte. Ihnen fügte der Prinz zu Wırp wieder 2 Arten aus dem östlichen Brasilien hinzu, von denen vielleicht die eine mit ae einer Art Azara’s identisch ist. Demnächst machte G. R. Lichtenstein in seiner Darst. neu. Säugeth. d. Berl. Sammlung 5 Arten bekannt, wovon auch eine auf eine Art Azara’s bezogen ist. — So waren also 14—16 Spezies bekannt, als Darwın’s mühevolle Sammlungen dem scharfsichtigen Warernouse ein reiches Material zu seinen vortreffliichen Untersuchungen lieferten. In der Zoology of the Beagle legte er dieselben nieder, indem er die Gattung Hesperomys gründete und daneben eine zweite eigenthümliche Gattung mit gefurchten Schneidezähnen, Reithrodon, von der äussersten Südspitze bekannt machte. Hierdurch erhielt unsere Kunde von den Mäusen Süd-Amerika’s einen grossen Zuwachs, so dass A. WAGNER im Suppl. zu Schreser’s Säugeth. (II. Bd. S. 518 fig.), schon über 30 Arten aufführen konnte. Sind freilich manche in duplo darunter, so ist die Zahl sicher noch zu klein; denn wir lernten durch Dr. Lunv aus Minas geraes nicht bloss 10 neue Spezies kennen, die Wacner, wenn auch berührt, doch nicht in seine Reihenfolge aufgenommen hat; sondern erfuhren auch durch ihn selbst, dass unter den von NATTERER gesammelten Materialien des Wiener Mus. noch 16 neue Hesperomys-Arten sich befinden. Ausserdem sind durch Branpr und von Tscuupı neue Formen, sogar neue Genera (Holochilus und Dry- momys) bekannt gemacht worden. Endlich hat Pıcrer in Genf die Arten von Bahia besprochen, und darunter mehrere neue aufgestellt; sein Mus rattoides ist übrigens einerlei mit M. tectorum. Prof. Burmeister hatte auf seiner Reise 11 Arten gesammelt, davon aber erst 3 mit Sicherheit unter den schon beschriebenen erkannt; er hofft indess, auch die meisten übrigen Spezies als schon bekannte nachweisen zu können, wenn die Schädel erst aus den Bälgen genommen sein werden, wozu sich. bis- her keine Zeit und passende Gelegenheit hat darbieten wollen. Einige Reductionen der mal oder gar 3mal als neu beschriebenen Arten theilte er im Laufe des Vortrages und bei Vorzeigung seiner Bälge schon mit, Herr Prot. v. Scareentervan legte das erste Heft von Bere und Schmipr Darstellung und Beschrei- bung der offizinellen Gewächse, Berlin 1853, zur Ansicht vor und machte auf die guten Originalab- bildungen aufmerksam, welche dies Werk zieren. In dieser letzten Sitzung des Jahres, welche wesentlich der Revision des Gesellschaftsvermögens und der Erneuerung des Vorstandes gewidmet ist, gewährte der Bericht des zeitigen Rendanten die er- freuliche Gewissheit, dass die Kräfte der Gesellschaft durch die auf die Herausgabe ihrer Abhandlungen verwendeten Mittel in keiner Beziehung geschwächt erschienen. Herr Prof. BURMEISTER, ’ > ; DÄALTON, * » V. SCHLECHTENDAL, ; „ Knoprauch wurden in dieser Reihenfolge zu vorsitzenden Direktoren für je ein Vierteljahr erwählt, der Rendant’ Hr. Prof. »’Auron, und der unterzeichnete Schriftführer in ihren bisherigen Aemtern bestätigt, Herr Dr. Mann zum Bibliothekar bestellt. LE & : E\ Pe DE Nachträge zu. dem veröffentlichten Mitgliederverzeichniss. Der Gesellschaft neu hinzugetreten sind: €. H. KnosLauca, M. u. Ph. Dr., Professor der Physik hierselbst. H. Pernıcz, Med. Dr., Assistenzarzt am hiesigen Entbindungshause. G. Hürzsann, Med. Dr., praktischer Arzt hierselbst. C. Schweisser, Med. Dr., Assistenzarzt an d. med. Klinik hierselbst. Joserno BERToLoNI, Dr., Prof. zu Bologna. Morıs, Prof. d. Botan. zu Turin. Carıo Passerinı, Prof. zu Florenz. : Tanpeo DEI Consons, Prof. zu Florenz, J. 0. Westwoon Esq. zu London, Fr. Zexeuı, Ph. Dr., Privatdozent zu Wien. A. Kenncort, K. K. Custos-Adjunkt am Hof-Mineralienkabinet zu Wien. G. Veır, Med. Dr., Privatdozent in Berlin. A. Hecker, Med. Dr., Assistenzarzt am K. Entbindungsinstitut der Universität zu Berlin. Ernst A. Zuchorp, Buchhändler zu Leipzig. Hr. Dr. F. von Bierensprung ist in die Zahl der auswärtigen Mitglieder getreten. Gestorben sind: Dom. Franc. Arıco + 2ten October zu Paris. Fror. Cunıer zu Brüssel. Fischer von Wanpneım 7 18ten October zu Moscau. Halle, den 9ten Fehr. 1854. L. Hrahmer, d. Z. Schriftführer d. N. G. z. H. Safl. TUST H \ ’ E | | J 1 \ d j MH. Burmeister de. Schenck hi. Lith.Onstv. @lb, AHleyer in Halte VLI274 N a a. lnaskalk. 6. Porphyr. ce. Granatgangmasse: @. dolemitischer Liaskalk. Liegender. d. Erzkalk. db. Sianmark. 1 Stollen. ec rothbraune Kluft mit Gypshristalln, d. schwarzethenig-graplatische R Taufe. e. Cranalgangmasse. SF -Porphor: Hiöhlung. a. Faserkalkymwdcher die Höhlung umkleidet. b. hrınestr. ec. Dichter krzkalk d.Porphrr. ad nat. del C. Andrae, Lich. Anst.ı: @lb Wo rHalle INNEN